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Jutta Assel | Georg Jäger

Notgeld: Sagen-Motive
Eine Dokumentation

Doctor Faustus

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Stand: Juni 2015

Ausschnitt aus der sechsten Illustration:
Fausts Kopf wird zertrümmert.

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Gliederung

1. Historia von Doctor Johann Fausten. Notgeld der Stadt Roda
2. Der historische Faust und die Faustsage
3. Notizen zum Notgeld
4. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

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1. Historia von Doctor Johann Fausten.
Notgeld der Stadt Roda

 Vorlage: Historia von Doctor Johann Fausten ... Notgeld der Stadt Roda in Altenburg. Gültig bis ein Monat nach Aufruf. Roda, 30.9.1921. Acht Scheine; die beiden letzten in abweichender, kleinerer Größe. Druck von E. Giltsch / Jena. Im Bild signiert: Kötschau.  

Die Zitate zum Verständnis der Illustrationen sind folgender Ausgabe entnommen: Historia von D. Johann Fausten. Text des Druckes von 1587. Kritische Ausgabe. Mit den Zusatztexten der Wolfenbütteler Handschrift und der zeitgenössischen Drucke (Universal-Bibliothek; 1516) Bibliographisch ergänzte Ausgabe. Stuttgart: Philipp Reclam 1989.

Kötschau, Georg, Landschaftsmaler, Pastellzeichner und Lithograph. Geb. 4. Oktober 1889 in Magdeburg, gest. 24. Juli 1976 in Jena.

 

 1:
Dr. Faustus ein Arzt, wie er den Teufel beschworen.

Vgl. das Kapitel "Doct. Faustus ein Artzt / vnd wie er den Teuffel beschworen hat". Zitat:

"Denn als D. Faustus den Teuffel beschwur / da ließ sich der Teuffel an / als wann er nicht gern an das Ziel vnd an den Reyen käme / wie dann der Teuffel im Wald einen solchen Tumult anhub / als wolte alles zu Grund gehen / daß sich die Bäum biß zur Erden bogen [...] Es ließ sich sehen / als wann ob dem Circkel ein Greiff oder Drach schwebet / vnd flatterte [...]" (S. 16)

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2:
Wie Doctor Faustus in die Höll gefahren.

Vgl. das Kapitel "Wie Doct. Faustus in die Hell gefahren". Zitat:

"Als nun D. Faustus besser in die Spelunck hinab kam / da sahe er vmb sich herumb seyn nichts / dann lauter Vnzieffer vnd Schlangen schweben. Die Schlangen aver waren vnsäglich groß. Jhm kamen darauff fliegende Bären zu hülff / die rangen vnd kämpfften mit den Schlangen / vnd siegten ob / also daß er sicher vnd besser hindurch kame / vnd wie er nu weiter hinab kompt / sahe er ein grossen geflügelten Stier auß einem alten Thor oder Loch herauß gehen / vnd lieff also gantz zornig vnd brüllend auff D. Faustum zu / vnd stieß so starck an seinen Stuel / daß sich der Stuel zugleich mit dem Wurm vnnd Fausto vmbgewendet. D. Faust fiel vom Stuel in die Klufft jmmer je tieffer hinunter / mit grossem Zetter vnd Wehgeschrey / dann er gedachte / nun ist es mit mir auß / weil er auch seinen Geist nicht mehr sehen konnte." (S. 53) 

Rueckseiten gleich gestaltet. Text:

Historia von Doctor Johann Fausten, dem weitbeschreyten Zauberer und Schwarzkünstler, wie er sich gegen dem Teufel auf benannte Zeit verschrieben, was hierzwischen er für seltzame Abenteuer angerichtet und getrieben, bis er endlich seinen wohlverdienten Lohn empfangen.

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3:
Fausti Reise in etliche Königreich u. Fürstentumb

Vgl. das Kapitel "D. Fausti dritte Fahrt in etliche Königreich vnnd Fürstenthumb / auch fürnembste Länder vnd Stätte". Zitat:

"Doct. Faustus nimpt im 16. jar ein Reyß oder Pilgramfahrt für / vnd befihlt also seinem Geist Mephostophili / daß er jn / wohin er begerte / leyte vnd führe. Derhalben sich Mephostophiles zu einem Pferde verkehret vnnd veränderte / doch hatt er flügel wie ein Dromedari / vnd fuhr also / wohin jn D. Faustus hin ländete." (S. 60) 

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4:
Faustus ergreift einen Regenbogen mit der Hand.

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5:
D. Fausti Buhlschaft mit Helena aus Graecia.

Vgl. das Kapitel "Von der Helena auß Griechenland / so dem Fausto Beywohnung gethan in seinem letzten Jahre.". Zitat:

"Darmit nun der elende Faustus seines Fleisches Lüsten genugsam raum gebe / fällt jm zu Mitternacht / als er erwachte / in seinem 23. verloffenen Jar / die Helena aus Grecia / so er vormals den Studenten am Weissen Sonntag erweckt hatt / in Sinn / Derhalben er Morgens seinen Geist anmanet / er solte jm die Helenam darstellen / die seine Concubina seyn möchte / welches auch geschahe / vnd diese Helena war ebenmässiger Gestalt [...] mit lieblichem vnnd holdseligem Anblicken. Als nun Doct. Faustus solches sahe / hat sie jhm sein Hertz dermassen gefangen / daß er mit jhr anhube zu Bulen / vnd für sein Schlaffweib bey sich behielt / die er so lieb gewann / daß er schier kein Augenblick von jr seyn konnte [...]." (S. 110)

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6:
D. Fausti greuliches und erschreckliches Ende.

Vgl. die Kapitel "Folget nun von D. Fausti greuwlichem vnd erschrecklichem Ende / ab welchem sich jedes Christen Mensch gnugsam zu spiegeln / vnd darfür zu hüten hat." sowie "Oratio Fausti ad Studiosos". Zitat:

"Die Studenten lagen nahendt bey der Stuben / da D. Faustus jnnen war / sie hörten ein greuwliches Pfeiffen vnnd Zischen / als ob das Hauß voller Schlangen / Natern vnnd anderer schädlicher Würme were / in dem gehet D. Fausti thür off in der Stuben / der hub an vmb Hülff vnnd Mordio zuschreyen / aber kaum mit halber Stimm / bald hernach hört man jn nicht mehr. Als es nun Tag ward / vnd die Studenten die gantze Nacht nicht geschlaffen hatten / sind sie in die Stuben gegangen / darinnen D. Faustus gewesen war / sie sahen aber keinen Faustum mehr / vnd nichts / dann die Stuben voller Bluts gesprützet / Das Hirn klebte an der Wandt / weil jn der Teuffel von einer Wandt zur andern geschlagen hatte. Es lagen auch seine Augen vnd etliche Zäen allda / ein greulich vnd erschrecklich Spectackel. Da huben die Studenten an jn zubeklagen vnd zubeweynen / vnd suchten jn allenthalben / Letzlich aber funden sie seinen Leib heraussen bey dem Mist ligen [...]." (S. 123)

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7:
Das sogenannte Fausthaus in Roda.

Doctor Faustus ist eines Bauern Sohn gewest,
zu Roda bei Weimar bürtig.

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8:
Abscheulichen Exempels treuherzige Warnung.

Wer zauberlichen Dingen glaubt /
     Bleibt Gods Genad nit unberaubt
Nit tröst dich / ob die Wort seind gut /
     Die man unchristlich prauchen tut
Endt jemand damit das er will /
     Im hilfft der Teüfel durch sein spil.
Solchs im von Got wird oft vergünt /
     Dornach folgt schwerer Straf u sünd
Des Alter vil exempel sind
     Der säl man auch an Faustus findt.

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2. Der historische Faust
und die Faustsage

Georg (in der Sage immer Johann) Faust stammte wahrscheinlich aus Knittlingen in Schwaben. Sichere Nachrichten über ihn fallen in die Jahre 1507-1540. Im Besitze zumindest halbgelehrter Bildung erregte er als Astrologe Aufmerksamkeit und scheint an verschiedenen Höfen eine nicht unansehnliche Rolle gespielt zu haben. Wegen seiner Prahlsucht, seines unstäten Wanderlebens berichten seine Zeitgenossen nur Ungünstiges über ihn. […] Seine Gestalt ist typisch für seine Zeit, in der neben der aufstrebenden Wissenschaft der Hexenwahn und der Glaube an Teufelsbündnisse seinen Höhepunkt erreichte. Faust hat keine literarischen Werke hinterlassen. Ab 1540 sind die Nachrichten über ihn sagenhaft, die Blütezeit der Mythenbildung fällt in die Mitte der Sechzigerjahre des 16. Jahrhunderts. […]

Die mündliche volkstümliche Überlieferung (Faustsage) beschäftigt sich 1. mit seinem Teufelsbündnis und schrecklichen Ende, 2. mit seinen Wundertaten, Luftfahrten, Beschaffung wunderbarer Mahlzeiten, 3. seinen verschiedenen Streichen und Schelmenstücken. Er verschlingt Personen und Gegenstände, prellt Juden und Wucherer, verkauft Strohwische für Pferde und Schweine. In Leipzig reitet er ein Faß aus dem Keller, einer Tischgesellschaft läßt er beinahe an Stelle von Weintrauben sich die Nasen abschneiden.

Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Herausgegeben von Hanns Bächtold-Stäubli unter Mitwirkung von Eduard Hoffmann-Krayer (Digitale Bibliothek; 145) Berlin: Directmedia 2006. Artikel "Faustus (Zauberer)" von Lily Weiser, S. 5884-5890. Zitate S. 5884 f.

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Die erste literarische Verwertung der Faustsage ist das 1587 zu Frankfurt a. M. erschienene Volksbuch »Historia von Dr. Johann Fausten, dem weitbeschreiten Zauberer und Schwarzkünstler etc.«, herausgegeben von Johann Spies, der in der Vorrede mitteilt, daß ihm das Manuskript von einem Freund in Speyer zugeschickt worden sei. Dieses älteste Faustbuch [...] ist neuerdings in einer ältern Fassung aufgefunden worden (»Historia Dr. Johannis Fausti des Zauberers«, nach der Wolfenbütteler Handschrift hrsg. von G. Milchsack, Wolfenbüttel 1897), die etwa aus dem Jahr 1575 stammt, mehrere bei Spies fehlende Schwänke bietet und zu manchen Berichtigungen beiträgt. [...]

Nach dieser Historia war Faust der Sohn eines Bauern zu "Rod (Roda) bei Weinmar", der zu Wittenberg erzogen wurde, Theologie studierte und den theologischen Doktorgrad erlangte, dann ein Weltmensch, Doktor Medicinä, Astrologus, Mathematikus wurde und sich im Spesserwald bei Wittenberg dem Teufel ergab, mit dessen Beistand er allerlei Wunder sah und verrichtete, bis er nach 24 Jahren im Dorfe Rimlich bei Wittenberg nächtlicherweile vom Teufel von einer Wand zur andern geschleudert wurde; andern Morgens fand man ihn mit zerbrochenen Gliedern tot auf dem Mist.

Das Buch, das im ganzen nur eine unbeholfene Kompilation ist, enthält doch vereinzelte Züge, die von einer höhern Auffassung des Helden Zeugnis ablegen und ihn mit einer gewissen Größe umkleiden [...]. Faust begehrt nicht nur, Zauberkünste ausführen zu können, er verlangt vom Teufel auch, daß er ihm auf alle seine Fragen, doch nie etwas Unwahrhaftiges antworten soll, d. h. er hat den Trieb nach Wahrheit. Sein Abfall von Gott wird mit der Vermessenheit der himmelstürmenden Giganten und dem Hochmut Luzifers verglichen, und selbst sein "epikureisches Leben" erhält eine Art von Größe und gereicht ihm zur Befriedigung seines Wissensdranges: das schönste Weib, die griechische Helena, die er heraufbeschwört, wird seine Genossin, und der Knabe, den sie ihm gebiert, verkündet ihm viele zukünftige Dinge, die in allen Ländern geschehen sollen.

Meyers Großes Konversations-Lexikon. Sechste Auflage 1905-1909 (Digitale Bibliothek; 100) Berlin: Directmedia 2003, S. 57021 f. 

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Illustrationen zum Faustbuch bei Franz Neubert: Vom Doctor Faustus zu Goethes Faust. Mit 595 Abbildungen. Leipzig: J. J. Weber 1932.

Eine kritische Edition des Faustbuches, mit Einführung, Kommentar und Quellentexten, bietet folgende Ausgabe: 

  • Historia von D. Johann Fausten. Text des Druckes von 1587. Kritische Ausgabe. Mit den Zusatztexten der Wolfenbütteler Handschrift und der zeitgenössischen Drucke (Universal-Bibliothek; 1516) Bibliographisch ergänzte Ausgabe. Stuttgart: Philipp Reclam 1989.

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Einen Überblick über die Märchen- und Sagenmotive
im Goethezeitportal finden sie hier.

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3. Notizen zum Notgeld

Das Notgeld in und nach dem Ersten Weltkrieg entstand aus akutem Mangel an Kleingeld. Es wurde meist von Gemeinden ausgegeben, die sich verpflichteten, den in Pfennigen angegebenen Wert bis zu einem bestimmten, dem Notgeld aufgedruckten Gültigkeitstermin einzulösen. Dieses Notgeld wurde bald ein Sammelobjekt, so dass es dem wirtschaftlichen Kreislauf entzogen war. Der preußische Minister für Handel und Gewerbe wandte sich schon am 22. November 1917 "gegen Verwendung von Notgeld zu Sammelzwecken." (Drei Jahre, S.27)

Der Durchbruch zu einem reinen Sammelobjekt erfolgte aber erst in der Inflation 1921. "Bei den Städten liefen immer zahlreicher die Anfragen und Bestellungen von Sammlern ein; jede suchte mit neuen künstlerischen Scheinen die andern zu übertreffen, um recht viel Notgeld an Sammler absetzen zu können, denn was bei der Einlösung nicht zurückkam, war für die Stadtkasse Reinverdienst." (Notgeld, S. 237) An Sammler richteten sich vor allem die Serien von illustrierten Kleingeldscheinen, zu denen auch die hier vorgestellte Folge zählt. Sie standen im Mittelpunkt der Kritik an der "Ausartung der Notgeldausgaben" (Drei Jahre, S.65).

Der Handel mit Notgeld wurde nach dem Vorbild der Philatelie, und meist in Verbindung mit ihr, organisiert (Gründung des "Internationalen Notgeldhändlervereins" und erste deutsche Notgeldmesse 1921).

Literatur:
* Notgeld-Poesie. Deutsche Dichtung im Notgeld in Wort und Bild mit erschöpfenden Erläuterungen an Hand amtlichen Materials. 1. (einziger?) Tl. Verlag Lütckens. Illustrierte Geschichte des Notgeldes. Köln am Rhein. 1921. Druck von M. Dumont-Schauberg, Köln.
* Drei Jahre. Das Notgeld. Zeitschrift für Notgeldkunde. Nachdruck aller Artikel und Abhandlungen von bleibendem Interesse und Wert aus den ersten drei Jahrgängen. München: Verlag "Das Notgeld" 1922.
* Das deutsche Notgeld. Kleingeldscheine 1916-1922. IV. Teil: Serienscheine. Zusammengestellt von Arnold Keller. Neu bearb. von Albert Pick und Carl Siemsen. München: Battenberg 1975.

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Notgeld finden Sie auch auf den folgenden Seiten:

Ritter Staupitz
Notgeld der Stadt Döbeln
www.goethezeitportal.de/index.php

Der Schmied von Ruhla oder: Landgraf werde hart!
und der Edelacker
(Notgeld der Stadt Freyburg an der Unstrut)
www.goethezeitportal.de/index.php

Schiller-Notgeld aus Rudolstadt
www.goethezeitportal.de/index.php

Ilmenau
Notgeld der Gemeinde Stützerbach
www.goethezeitportal.de/index.php

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4. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

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Kontaktanschrift:
Prof. Dr. Georg Jäger
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Deutsche Philologie
Schellingstr. 3
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E-Mail: georg.jaeger07@googlemail.com

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