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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+
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Empfehlungen der Redaktion

12.02.2017

Monika Fick: Lessings Nathan der Weise und das Bild vom Orient und Islam in Theatertexten aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts

Was bedeutet es, dass der Prophet Mohammed in Nathan dem Weisen komplett übergangen wird? Wäre der Stifter des Islams, der buchstäblich von allen Seiten, von kirchlich-orthodoxer wie von radikal-aufklärerischer, als „Erzbösewicht“ verschrien wurde, nicht ein Kandidat für eine Lessingsche „Rettung“ gewesen? Um diese Frage zu beantworten, wird in der Studie ein bislang kaum beachteter Kontext erschlossen, der erst mit Reinhart Meyers Theaterbibliographie zugänglich geworden ist: 24 Orientdramen, die zwischen ca. 1760 und 1780 erschienen sind, werden ausgewertet und vorgestellt; ihr Islambild wird vor der Folie der Toleranzphilosophie analysiert. Die Rekonstruktion dieser Orientmode auf deutschsprachigen Bühnen wirft ein neues Licht darauf, was Lessings „dramatisches Gedicht“ auszeichnet – es ist jedenfalls nicht die positive Zeichnung der muslimischen Religion, die es mit vielen Orientstücken teilt.

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25.01.2017

Woldemar Freiherr von Biedermann: Verheimlichte Epigramme Goethes

Das Goethezeitportal publiziert einen Sonderdruck des Goetheforschers Woldemar Freiherr von Biedermann, der die Unterdrückung und Verstümmelung von Goethes erotischen "Venezianischen Epigrammen" in den Editionen von Goethes Werken dokumentiert. Der für die Zeitschrift "Deutsche Dichtung" bestimmte Beitrag wurde vom Verleger Carl Emil Franzos, nachdem er bereits gesetzt worden war, aus Rücksicht auf die drohende Zensur zurückgezogen. Mitgeteilt wird der Text vom Sohn des Autors, Flodoard Freiherr von Biedermann, aus dem Nachlass seines Vaters.

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14.12.2016

Wolfgang Braungart: Gedichte von Friedrich Hölderlin. Die Teck

In: Wolfgang Braungart: Die Teck. In: Gedichte von Friedrich Hölderlin. Interpretationen. Hrsg. von Gerhard Kurz (Universal-Bibliothek; 9472) Stuttgart: Philipp Reclam jun. 1996, S. 9-30. ISBN 3-15-009472-0

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1.12.2016

Wolfgang Braungart: Aufklärungskritische Volksaufklärung. Zu Jeremias Gotthelf

In: Fabula. Zeitschrift für Erzählforschung. Bd. 28 (1987), S. 183-226.

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Wolfgang Braungart: "Komm! ins Offene, Freund!". Zum Verhältnis von Ritual und Literatur, lebensweltlicher Verbindlichkeit und textueller Offenheit. Am Beispiel von Hölderlins Elegie "Der Gang aufs Land. An Landauer"

In: Die Formel und das Unverwechselbare. Interdisziplinäre Beiträge zu Topik, Rhetorik und Individualität. Hrsg. von Iris Denneler. Frankfurt a.M.: Peter Lang 1999, S. 96-114. ISBN 3- 631-35240-9

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Wolfgang Braungart: Manierismus als Selbstbehauptung: Jean Paul

In: Manier und Manierismus. Hrsg. von Wolfgang Braungart (Untersuchungen zur deutschen Literaturgeschichte; 106) Tübingen: Max Niemeyer Verlag 2000, S. 307-322. ISBN 3-484- 32106-7

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Wolfgang Braungart: Vertrauen und Opfer. Zur Begründung und Durchsetzung politischer Herrschaft im Drama des 17. und 18. Jahrhunderts (Hobbes, Locke, Gryphius, J. E. Schlegel, Lessing, Schiller)

In: Zeitschrift für Germanistik. Neue Folge 2, 2005, S. 277-295.

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Wolfgang Braungart: Ungesellige Geselligkeit. Bürger als Epigone seiner selbst

In: Geselligkeit und Bibliothek. Lesekultur im 18. Jahrhundert. Hrsg. von Wolfgang Adam und Markus Fauser (Schriften des Gleimhauses Halberstadt; 4) Göttingen: Wallstein Verlag 2005, S. 45-58. ISBN 3-89244-833-7

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Wolfgang Braungart und Silke Jakobs: Staunen und Hingabe. Zur Ästhetik des Wissens seit dem 18. Jahrhundert

In: Ästhetik in der Wissenschaft. Interdisziplinärer Diskurs über das Gestalten und Darstellen von Wissen (Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft, Sonderheft 7. Hrsg. von Wolfgang Krohn) Hamburg: Felix Meiner Verlag 2006, S. 201-218.

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16.11.2016

Fritz Helmuth Ehmcke: Adventzauber

Der Typograph, Buchkünstler, Werbegraphiker und Designer Fritz Helmuth Ehmcke (1878-1965) stellt eine Auswahl vorbildlich grafisch gestalteter Glückwünsche zu den "Festtagen des scheidenden und kommenden Jahres" vor. Ehmcke sieht darin eine "Gelegenheitskunst", die der volkstümlichen "Schriftkultur" entstammt. Deren Tradition sei "in den letzten Jahrzehnten von den Künstlern bewusster als je wieder aufgenommen worden."

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14.08.2016

Waltraud Maierhofer: Die Titelkupfer von Moritz Retzsch zu Goethes Ausgabe letzter Hand

Der Beitrag ergänzt die wertvolle Untersuchung von Andrew Piper (Dreaming in Books, 2009) zur Bedeutung von Werkausgaben im frühen 19. Jahrhundert, insbesondere Goethes Ausgabe letzter Hand. Ihr Ergebnis wird im Folgenden um ein wichtiges Element erweitert, mit dem die Ausgaben wesentlich dazu beitrugen, einen literarischen Kanon mit nationalen Dichtern und dauerhaften Werken zu errichten, Autoren zu monumentalisieren und der neuen Massenproduktion von Literatur ein Bewusstsein nationalen Erbes entgegenzustellen, das auch von politischer Bedeutung war.

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14.08.2016

Ludwig Geiger: Die deutsche Napoleonkarikatur und Napoleondichtung

Der Kulturhistoriker Ludwig Geiger (1848-1919) stellt in seinem hier wiedergegebenen Aufsatz Karikaturen auf Napoleon vor. Unter Karikaturen versteht er "die Rache der Kleinen an dem Großen, solange er mächtig ist,[ bzw.] das Triumphgefühl der Befreiten über den, der am Boden liegt". Der Beitrag beschreibt einleitend die Karikaturen, welche sich die Völker voneinander machten, und geht sodann anhand von Friedrich Schulzes Werk "Die deutsche Napoleon-Karikatur" (1916) auf Napoleon als "Opfer der Karikatur" ein. Gern behandelt wurde das Scheitern Napoleons in Spanien und Russland, lebhaft wurde der Jubel nach der Niederlage Napoleons in der Leipziger Völkerschlacht. Als Napoleon nach St. Helena verbannt war, machte sich der Hass auf ihn geltend. Besondere Beachtung erfahren witzige Zeichnungen von Gottfried Schadow, dem Berliner Bildhauers, von dem mehrere Karikaturen beschrieben und einige auch abgebildet werden. Der Aufsatz reiht den Bildkarikaturen poetische Zeugnisse an, die "Zerrbilder des Besiegten und des Gefallenen" entwerfen. Aufgezeigt wird dabei der Spielraum literarischer Formen, denen sich die antinapoleonische Dichtung bediente. Mit der Verbannung Napoleons begann die Stimmung umzuschlagen; nach seinem Tod setzte eine Apotheose ein. "Anstatt eines kostbaren Mausoleums ist die Klippe, auf der er starb, sein Monument, schreckhaft und groß wie sein Schicksal", schreibt Friedrich Lehne, ehemaliger Mainzer Revolutionär.

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14.08.2016

Hartmut Kircher: Heinrich Heine – einst umstritten, mittlerweile ein längst kanonisierter Klassiker

Hartmut Kircher legt mit dem ersten Literatur kompakt-Band eine konzentrierte Darstellung zu Heines poetisch-publizistischem Gesamtwerk vor. Er ordnet dessen Schriften biografisch, literarhistorisch und politisch-sozial ein und arbeitet in Interpretationen der wichtigsten Werke Heines zentrale Themen heraus: die Liebesproblematik, sein Verhältnis zum Judentum, sein Engagement für eine umfassende Emanzipation, für soziale Gerechtigkeit und freiheitlich-demokratische Verhältnisse; Heines Plädoyer für sensualistische Lebensfreude wird ebenso thematisiert wie seine Religions- und Adelskritik, seine Vermittlungsversuche zwischen dem restaurativen Deutschland und dem fortschrittlicheren Frankreich, das ihm als politisch Verfolgtem Exil gewährte; schließlich das Leiden und Sterben des Dichters in seiner Pariser „Matratzengruft“.

Einen besonderen Schwerpunkt setzt der Band im Blick auf die ästhetischen Innovationen im Werk Heines, die ihn als einen wichtigen Wegbereiter der Moderne ausweisen.

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24.06.2016

Wolfgang Braungart: Die Volksballade als populäres Lied. Einige Interpretationsperspektiven

In: Otto Holzapfel (Hrsg.): Deutsche Volkslieder. Balladen (Deutsche Volkslieder mit ihren Melodien. Achter Teil) Freiburg / Breisgau 1988, S. 254-271.

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19.06.2016

Wolfgang Braungart: Entinstitutionalisierung und Individualisierung. Der Text als Sammlung (Jean Paul, Eduard Mörike)

In: Barbara Marx, Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Sammeln als Institution. Von der fürstlichen Wunderkammer zum Mäzenatentum des Staates. München, Berlin: Deutscher Kunstverlag 2007, S. 239-246. ISBN 978-3-422-06615-1

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Wolfgang Braungart: Kitsch in der Volksballade? 166. Der eifersüchtige Knabe

In: Deutsche Volkslieder mit ihren Melodien. Balladen. Bd. 10. Hrsg. von Otto Holzapfel und Wiegand Stief. Bern u.a.: Peter Lang 1996, S. 80-84.

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Wolfgang Braungart: Der brave Tuttlinger und der Limburger Käse. Johann Peter Hebels hermeneutische Parabel "Kannitverstan" (1809)

In: Susanne Kaul, Lothar van Laak (Hrsg.): Ethik des Verstehens. Beiträge zu einer philosophischen und literarischen Hermeneutik. München, Paderborn: Wilhelm Fink 2007, S. 175-198.

 

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Wolfgang Braungart: Bertuch und die Freie Zeichenschule in Weimar. Ein Aufklärer als Förderer der Künste

In: Friedrich Justin Bertuch (1747-1822). Verleger, Schriftsteller und Unternehmer im klassischen Weimar. Hrsg. von Gerhard R. Kaiser und Siegfried Seifert. Tübingen: Max Niemeyer Verlag 2000, S. 279-289. ISBN 3-484-10796-0

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18.04.2016

Goethezitate als Feldpostausgabe 1942

Zitate bzw. Sprüche aus der Bibel und dem Werk bekannter Persönlichkeiten werden zu religiösen, erbaulichen, erzieherischen, ideologischen und propagandistischen Zwecken genutzt. Sie geben Handlungsanleitungen, vermitteln Zuspruch, deuten Lebenslagen, spenden Hoffnung und Tröstung u.a.m. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich Goethe und Schiller, deren Werke als Steinbruch für Sprüche genutzt wurden. In dieser Tradition steht die vorliegende Ausgabe von Goethezitaten von Benedikt Welser (1889-1945).

Die Sammlung richtet sich an Soldaten und stellt "Goethe als Kämpfer" vor. Die Konturen des hier gezeichneten Bildes vom Mann deuten die Rubriken "Abhärtung und Ertüchtigung", "Arbeit und Anstrengung", "Energie und Entschlossenheit" sowie "Selbstbeherrschung und Selbstbezwingung" an. Die propagierten Werte sind besonders den Rubriken "Für Freiheit und Ehre", Standhaftigkeit und Treue", "Um Wahrheit und Recht", "Für Volk und Vaterland" zu entnehmen¸ doch werden auch "Unglück", "Schmerz und Leid" angesprochen sowie "Geduld und Ergebung", mit denen es ertragen werden soll.

Als Feldpostausgabe (kleinformatiges Pappbändchen, auf billigem Papier gedruckt, mit Klammern geheftet) wurde der rückwärtige Umschlag zur Angabe des Absenders und als Adressfeld genutzt. 1942, dem Erscheinungsjahr, wurde die "Sonderaktion Feldpostausgabe" gestartet. Dass die Zitatsammlung im Verlag E. S. Mittler in Berlin herauskam, ist kein Zufall. Der Verlag hatte sich seit dem Kaiserreich als führender Militärbuchverlag etabliert und in der Kultur von Weimar ein zweites verlegerisches Standbein.

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22.12.2015

Manfred Tietzel: Goethes Strategien bei der wirtschaftlichen Verwertung seiner Werke

Der Beitrag informiert über Goethes geschäftliche Beziehungen zu seinen Verlegern. Ausgehend vom Literaturmarkt im 18. Jahrhundert werden u.a. Aspekte wie "Goethe und die Nachdrucker", Goethes Verhandlungsstrategien", "Koppelungsverträge", "Honorare" behandelt. Goethe war ein so geschäftstüchtiger wie taktisch einfallsreicher Autor, der auf der Suche nach einem Verleger für "Hermann und Dorothea" das später "Vickrey-Auktion" genannte Honorarmodell vorausnahm.

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14.12.2015

Malte Stein: Stilles Unglück im Winkel. Die Familie in Goethes bürgerlichem Epos Hermann und Dorothea

Was treibt einen jungen Mann dazu, freiwillig in den Krieg ziehen zu wollen? Und wie kann eine Gesellschaft, der es an Wohlstand nicht mangelt, auf das Elend von Kriegsflüchtlingen reagieren? Stellt man eine erneute Lektüre von Goethes "Hermann und Dorothea" unter diese Fragestellungen, gewinnt das vermeintlich „idyllische“ Epos die Qualität einer abgründigen Zeitdiagnose: Bekundungen guter Absichten werden als Kaschierungen blanken Eigennutzes entlarvt. Hinter Todesverachtung und Aufopferungswillen tritt die lebensmüde Verzweiflung eines in seiner Persönlichkeitsentwicklung gehemmten Subjekts zutage.
Selbstaussagen der Figuren ist in Goethes einstigem Bestseller ebenso zu misstrauen wie den beschönigenden Epitheta des fiktiven Erzählers. Um erklären zu können, warum sich Titelheld Hermann auch abschließend wieder – auch noch nach seiner Verlobung mit Dorothea – zu persönlicher Kriegsteilnahme entschlossen zeigt, bedarf es einer genaueren Analyse der vom Autor intra- und intertextuell angedeuteten Familienverhältnisse. Als hilfreich erweist sich dabei eine Bezugnahme auf das Subjekt-Modell der psychoanalytischen Selbstpsychologie.

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17.10.2015

Gunter E. Grimm: „Niflunga-Saga“. Zu einem Gemälde von Eduard Ille

Der Beitrag informiert über die Entstehung des Tempera-Gemäldes „Niflunga-Saga“, das der Münchner Maler und Zeichner Eduard Ille 1867 auf Bestellung des bairischen Königs Ludwig II. angefertigt hat. Es ist ein typisches Produkt der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hochgeschätzten Historienmalerei. Der auf Archivrecherchen gestützte Beitrag gewährt außerdem Einblicke in Kunstbetrieb und Kulturleben der bairischen Hauptstadt.

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17.10.2015

Gunter E. Grimm: Politische Nibelungenrezeption in Literatur und Kunst

Die Rezeption des Nibelungenstoffs war seit der Wiederentdeckung des Nibelungenlieds bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts politisch aufgeladen, ob es sich um die Apotheose als deutsches Nationalepos oder um die Indienstnahme für ausgesprochen propagandistische Zwecke handelt. Der Beitrag mustert diese Indienstnahme an drei Themenkomplexen: dem Nibelungenhort, der Gestalt des Helden Siegfried und dem Syndrom der Nibelungentreue. Während der Hort als Symbol der Sehnsucht nach der deutschen Einheit verwendet wurde, hat die Erhebung Siegfrieds zum deutschen Helden par excellence besonders fantastische Ausmaße erreicht. Man beschwor seine Gestalt als Gründer und Retter des Reichs, und er wurde mit bestimmten politischen Figuren identifiziert, mit Hermann dem Cherusker, mit Bismarck oder mit Hindenburg. Zum andern galt er schon immer als Inbegriff eines aufrechten ‚reinen‘ Recken, der inmitten einer Welt der Niedertracht Opfer eines tückischen Verrates wurde. Weitere Stichworte aus der politischen Nibelungenrezeption, die sich mit der tragischen Siegfried-Deutung decken, sind Nibelungentreue, Sieg-Frieden, Dolchstoßlegende und Untergangsszenarien. Die Gegenwart hat sich von dieser Heroisierung verabschiedet und widmet sich eher den medialen Verwertungsmöglichkeiten, den Fantasy-, den Krimi- und den Gender-Aspekten.

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25.08.2015

*Erstpublikation* Georg Jäger: Studien zur Rhetorik der Goethezeit

Der Beitrag stellt die Grundlagen der Rhetorik für die emotionale Dichtungs- und Stiltheorie des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts dar. Im Mittelpunkt steht die Theorie der Töne, die auf der Affektenlehre aufbaut und eine Differenzierung, ja Individualisierung der genera dicendi (hoher, mittlerer, niederer Stil) erlaubt. Auf der Lehre von den Gemütsbewegungen fußt auch die Deklamatorik, die den Ausdruck der Empfindungen in der Sprache und die  Erregung von Empfindungen mittels Sprache behandelt. Um den Vortrag zu fixieren und die Deklamation zu lehren, strebte die zeitgenössische Deklamationslehre eine Notation, gleich den Noten in der Musik, an. Der stilistischen Ausgestaltung ganzer Werke widmet sich die Lehre von der Einheit und dem Wechsel der Töne. An die gesellschaftliche Schichtung (nach Ständen, später nach Bildung) schließt die Rhetorik mit den Regeln über die zu fordernde Würde im Ausdruck und die Vermeidung niedriger Ausdrücke an. Das Projekt eines Wörterbuchs, das die Stilhöhe jedes Wortes angibt (Beispiel für die drei Stilhöhen: Gaul, Pferd, Ross), hat Adelung betrieben. Insgesamt belegt die Studie die Innovationskraft und Wandlungsfähigkeit der Rhetorik vor ihrem Untergang im 19. Jahrhundert. Deutlich werden die unterschiedlichen Ausgestaltungen und die zahlreichen Differenzierungen der rhetorischen Lehre.

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08.08.2015

*Erstpublikation* Sabine Koloch: Auszeichnungs- und Medienkultur der Aufklärung. Die Krönungsmedaillen auf die thüringische Dichterin Sidonia Hedwig Zäunemann – zeitgenössische Quellen, beteiligte Personen, kulturpolitische Signalfunktion

Unter der Leitung des Gothaer Medailleurs Christian Wermuth (1661-1739) wurden zugleich drei Medaillen geschaffen und zum freien Verkauf angeboten, die an die poetische Krönung von Sidonia Hedwig Zäunemann (1711-1740) erinnern. Von der als Universität der Aufklärung konzipierten Göttinger Universität literarisch ausgezeichnet, war die Erfurter Autorin die neunte von insgesamt 21 kaiserlich gekrönten Dichterinnen. Die treibenden Kräfte hinter dem Verleihungsakt standen unter dem Eindruck der durch die Universität Wittenberg vorgenommenen exzeptionellen Ehrung von Zäunemanns Vorgängerin Christiana Mariana von Ziegler (1695-1760). Den hohen Prestigewert der Göttinger Krönung belegen neben Lobgedichten und Berichten in Zeitungen und gelehrten Journalen auch die Krönungsmedaillen. Deren kulturpolitische Signalfunktion erschließt sich aus dem Sinn und Zweck, der den zwei Frauenkrönungen auf Seiten ihrer Initiatoren zugedacht war. Ein in Gotha entstandenes Werbeblatt zu den "curieuse[n] und wohl inventierte[n] Medaillen", datiert auf den 19. September 1738, gibt Aufschluss über die kreativen Köpfe, die als Nicht-Medailleure zum Gelingen dieses wohl auch unter kompetitiven Gesichtspunkten außergewöhnlichen künstlerischen Projektes unter Mitarbeit eines Medaillenverfertigers namens Grauel beitrugen. Eine aus den Quellen gearbeitete Zeittafel zum Krönungsjahr und die Mitteilung einer in der Wermuth-Forschung unbekannten Variante der kleinen Zäunemann-Medaille runden den literatur-, kunst- und kulturwissenschaftlich perspektivierten Beitrag ab.

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18.05.2015

Jutta Assel und Georg Jäger (Hg.): Eine entsetzliche Mordgeschichte von dem jungen Werther. Von Heinrich Gottfried von Bretschneider, illustriert von Ludwig Richter.

Heinrich Gottfried von Bretschneider veröffentlichte 1775 eine Parodie auf Goethes "Werther" in Form eines Bänkelsangs: "Eine entsetzliche Mordgeschichte von dem jungen Werther, wie sich derselbe den 21. December durch einen Pistolenschuß eigenmächtig ums Leben gebracht. Allen jungen Leuten zur Warnung in ein Lied gebracht, auch den Alten fast nutzlich zu lesen". Breitschneider, einem heute weitgehend vergessenen satirischen Schriftsteller, gelang damit eine witzige Wertheriade. Sie wurde später von Ludwig Richter, dem populären Graphiker, mit Holzschnitten illustriert und gelangte in dieser Gestalt in die Sammlung "Musenklänge aus Deutschlands Leierkasten", die wohl wichtigste Anthologie des Bänkelsangs. Das Goethezeitportal publiziert Text mit Illustrationen und informiert über den Bänkelsang. Beigegeben sind biographische Skizzen zu Bretschneider und Richter.

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25.04.2015

Fritz Helmuth Ehmcke: Mein Faust

Der Typograph, Buchkünstler, Werbegraphiker und Designer Fritz Helmuth Ehmcke (1878-1965) gestaltete eine Jubiläumsausgabe von Goethes "Faust", die 1909 bei Diederichs in Jena verlegt und bei W. Drugulin in Leipzig gedruckt wurde. Da diese Ausgabe einen hohen Anspruch als Muster typographischer und buchkünstlerischer Gestaltung stellte, war sie bald vielumstritten. Im Goethezeitportal wird der Aufsatz F. H. Ehmckes "Mein Faust" wiedergegeben, in dem er seine Gestaltungsprinzipien erläutert. Ehmckes "Faust" setzt radikal auf "typographische Schönheit" und verzichtet ganz auf Illustrationen. Der Leser lernt viel über die Entscheidungen, die der Typograph dabei zu treffen hatte, sowie über mögliche Entscheidungsgründe. Die Argumentation wird durch Seitenbilder illustriert, die Vor- und Nachteile typographischer Lösungen vor Augen führen.

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16.03.2015

Carl Murdfield: Aus der Chronik des "Malkasten"

Der 1848 in Düsseldorf gegründete Künstlerverein "Malkasten" repräsentiert die kreative Szene des 19. Jahrhunderts, in der Goethes Leben und seine Werke stets präsent waren. Der Verein erwarb "die durch Goethe und Jacobi geweihte herrliche Besitzung Pempelfort vor den Toren der Stadt". Im Park wurde eine Goethebüste aufgestellt. Das Festspiel "Der junge Goethe bei Jacobi in Pempelfort" von Ludwig Keller wurde auf der Wiese vor dem alten Jacobihaus zur Aufführung gebracht. Als Devotionalie wurde den Besuchern ein Stück Birkenrinde von einer vom Sturm gefällten Buche gezeigt, "in das Goethe noch mit eigener Hand seinen Namen hineingeschnitten hat." Das "gesellige Künstlerleben", zu dem der Verein gegründet wurde, entfaltete sich in zahlreichen Spielformen, von denen die Künstler- und Maskenfeste am berühmtesten wurden. Der vorliegende Beitrag gibt einen Einblick in das Künstlerleben des "Malkasten" und seine Geschichte.

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16.03.2015

Klaus H. Kiefer: "Goethe!" – Vom "fait divers" zum Film. Ein Vortrag

Während die Goethe-Biographik vor allem im 19. Jahrhundert den Autor des „Werther“ und seinen Helden „anzuähneln“ versuchte, blieben Goethe-Bildnisse und „Werther“-Illustrationen grundverschieden, und dies, obwohl das Aussehen Goethes relativ gut bekannt war. Dabei blieb das tragische Schicksal Jerusalems, des eigentlichen „Vorbilds“ der Werther-Figur, bis heute unterbelichtet. Das Genre „biopicture“, das Philipp Stölzl in „Goethe!“ zu realisieren sucht, stellt die Frage nach der Ähnlichkeit von Goethe, Werther und Jerusalem in verschärftem Maße, nun da im 21. Jahrhundert alle medialen Möglichkeiten geboten sind oder es zumindest zu sein scheinen. Eine Erklärungshypothese dieser Mimesis-Problematik wird mit einer Verknüpfung semiotischer und hermeneutischer Verfahren versucht.

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30.12.2014

Gunter E. Grimm: „Die Idee, ich hätte so ausgesehen..“. Goethe-Bilder in den Medien des 19. und 20. Jahrhunderts

Goethe war der literarisch meistgeschilderte Autor seiner Zeit. Doch auch Gemälde und Statuen spielten bei Goethes Selbstinszenierung eine bedeutsame Rolle. Sie haben auch unser ‚Bild‘ von Goethe entscheidend geprägt. Es ist belegt, dass verschiedene Künstler, denen Goethe Modell gesessen hat, seine Wünsche berücksichtigt bzw. nachträgliche Änderungen vorgenommen haben. Das Bild einer Person, das sie von sich zu geben wünscht, ist Teil einer Projektion, ebenso das Bild, das andere Personen von ihr überliefern. In den Porträtbildern und -statuetten treffen beide Intentionen zusammen. Sie sind Inszenierungen, in denen der Wunsch, wie Goethe sich selbst sehen bzw. gesehen werden wollte, und der Wunsch, wie andere ihn sehen wollten, zur Synthese geriet.

Nach Goethes Tod begann die Phase, in der dem Dichter Denkmäler errichtet wurden, die sich an eben diesen zu Lebzeiten gemalten Bildnissen oder modellierten Büsten orientiert haben. Dabei ist, dem Auftrag des Denkmals korrespondierend, der Hang zum Monumentalen, zum Kolossalen und zur Glorifizierung unverkennbar. In gewisser Weise führen sie die von Goethe selbst gestiftete Form des Repräsentativen fort und schaffen damit eine bürgerliche Tradition der Künstler-Apotheose. Der Beitrag zeigt an ausgewählten Beispielen, wie das von Goethe angelegte Selbstbild sich zu verselbständigen beginnt und wie – vor allem in den der Verehrung und der Verbreitung dienenden Medien (Goethe-Denkmäler, Postkartenserien, Illustrationen in populären Literaturgeschichten) – das Bild vom ‚Olympier‘ Goethe etabliert wird. Der Hang zur eindimensionalen Glorifizierung ist im Übrigen eine im Kaiserreich und vor allem im Wilhelminismus dominante Tendenz, der alle ‚Geistesriesen‘ unterworfen waren. Sie lässt sich als Ausdruck eines in dieser Epoche ausgeprägten heroischen Denkens (Wagner, Nietzsche u.a.) deuten.

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Gunter E. Grimm: Hermann Hesses Goethe-Lektüren. Stationen einer ‚geistigen Beunruhigung‘

Der Beitrag informiert über die lebenslange Beschäftigung Hermann Hesses mit der Persönlichkeit und dem Werk Goethes. Goethe galt ihm als „Stern seiner Jugend“, jedoch auch als „Unruhe seines geistigen Lebens“. Insgesamt lassen sich drei Typen von Texten unterscheiden: erstens bloße Erwähnungen Goethes in Hesses Schriften und Briefen; zweitens explizite Abhandlungen und Feuilletons über Goethe und bestimmte Aspekte bei Goethe; drittens Goethe im literarischen Werk Hesses. Unter den vier Aspekten „Goethe der Dichter“, „Goethe der Weltbürger“, „Goethe der Repräsentant“ und „Goethe der Weise“ wird Hesses  Annäherung und Auseinandersetzung analysiert. Dabei zeigt sich, dass Goethe ein Helfershelfer auf Hesses Weg zur eigenen Selbstfindung war. Deshalb konnte er sich nach dem Zweiten Weltkrieg auch auf ihn berufen im Kampf gegen die beiden großen Geisteskrankheiten der Zeit, den „Größenwahn der Technik“ und den „Größenwahn des Nationalismus“.

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30.09.2014

Rainer M. Holm-Hadulla: Leidenschaft: Goethes Weg zur Kreativität. Eine Psychobiographie

Goethe war nicht nur ein begabtes Kind, ein vielgeliebter Dichter und bedeutender  Politiker, sondern hat während seines gesamten Lebens gesucht, geirrt und gelitten. Er verfügte jedoch über die besondere Fähigkeit, seelische Erschütterungen anzunehmen und für die Entwicklung seiner Kreativität zu nutzen. Die Psychologie hat seit der Zeit Goethes große Fortschritte gemacht und die Neurobiologie revolutionäre Erkenntnisse über den menschlichen Geist ermöglicht. Dennoch existieren bislang keine Dokumente, die so eingehend die Entwicklung der Kreativität beschreiben wie Goethes Briefe und Werke sowie die detaillierten Beschreibungen seitens seiner Familienangehörigen, Freundinnen und Freunde. Sein Weg zur Kreativität ist auch heute noch höchst inspirierend und regt dazu an, die eigenen schöpferischen Seiten zu entwickeln. Die Beschäftigung mit Goethes Weg zur Kreativität ist damit nicht nur ein intellektuelles Vergnügen, sondern hat auch lebenspraktischen Nutzen.

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24.03.2014

Hermann Gilow: Das Homburgbild im Kronprinzlichen Palais in Berlin und Kleists

Hermann Gilow: Das Homburgbild im Kronprinzlichen Palais in Berlin und Kleists "Prinz von Homburg"

Der Bildungshistoriker und Philologe Hermann Gilow stellt das Historienbild "Friedrich Wilhelm der Große, Kurfürst von Brandenburg, und der Prinz von Hessen-Homburg nach der Schlacht bei Fehrbellin" von Carl Kretschmar vor. Es verdankt seine Entstehung dem Aufruf von König Friedrich Wilhelm III. an die Berliner Künstler von 1799, "dass sich dieselben vorzüglich mit Darstellungen aus der brandenburgischen Geschichte beschäftigen möchten". Demnach stellte die Berliner Akademie der Künste 1800 als historische Preisaufgabe "die Darstellung des Vorgangs, wie der Große Kurfürst nach der siegreichen Schlacht bei Fehrbellin dem Landgrafen von Hessen-Homburg, welcher gegen den ausdrücklichen Befehl die schwedischen Vor-posten angegriffen hatte, Verzeihung gewährt". Kretschmar gewann den Preis. Das im Kronprinzlichen Palais in Berlin im Treppenhaus aufgehängte Bild geriet in Ver-gessenheit und wurde mit vorliegendem Aufsatz wiederentdeckt. Gilow analysiert die Komposition und erwägt die Möglichkeit, dass dieses Historienbild Heinrich von Kleist bei seinem Drama "Prinz von Homburg" vor Augen stand.

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20.01.2014

Max Rubensohn: Das wiedergefundene Bildnis des jungen Schiller

Max Rubensohn: Das wiedergefundene Bildnis des jungen SchillerDer Philologe Max Rubensohn (1864-1913) stellt 1910 ein seinerzeit wieder aufgefundenes authentisches Bildnis des jungen Schiller vor. Es stammt von Jakob Friedrich Weckerlin (1761-1815), der damals, als er Schiller malte, Zögling der Kunstabteilung der Karlsschule war. Der Aufsatz gibt Auskunft über die Provenienz des Brustbildes, würdigt es ("wundervolle jugendliche, fast knabenhafte Frische") und beschreibt detailliert "alle charakteristischen Merkmale des Dichterkopfes":

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