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Empfehlungen der Redaktion

15.01.2012

 Julia A. Schmidt-Funke 
Kommerz, Kultur und die ‚gebildeten Stände‘. Konsum um 1800

Das adlig-bürgerliche Milieu der ‚gebildeten Stände‘, das sich im deutschsprachigen Raum während der Aufklärung formierte, verstand sich um 1800 als Avantgarde gesellschaftlicher Reformen. Julia A. Schmidt-Funke stellt diese Sozialformation in ihrem Beitrag als Konsumgemeinschaft vor und arbeitet damit die programmatische Bedeutung heraus, die Fragen der Kleidung, der Einrichtung oder des ‚Kulturkonsums‘ zukam.

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06.01.2012

 Gunter E. Grimm
 
Schwächling und Despot. Süleyman der Prächtige im deutschen Drama des 18. Jahrhunderts

Der Aufsatz untersucht die Ikonographie des türkischen Herrschers im deutschen Drama des 17. und 18. Jahrhunderts am Beispiel Solimans (Süleymans II.), des berühmtesten der osmanischen Sultane. Vor allem zwei Komplexe aus der Regierungszeit Solimans haben zu dramatischen Gestaltungen angeregt: Der Sturz des allmächtigen Großwesirs Ibrahim und die Hinrichtung des eigenen Sohnes Mustapha. Im Zentrum der Untersuchung stehen die spätbarocken „Soliman“-Dramen Daniel Caspers von Lohenstein und August Adolph von Haugwitz’, das Dramenfragment „Giangir“ (1748) von Gotthold Ephraim Lessing und das Drama „Mustapha und Zeangir“ (1761) von Christian Felix Weiße (1726-1804), Beispielen für die Weiterentwicklung von Mentalität und dramaturgischer Technik. Wie die abschließende Reflexion zeigt, war die Gestaltung des Türkenherrschers immer von der jeweiligen politischen Konstellation abhängig: Je größer die reale Gefahr einer Türkeninvasion war, desto negativer fiel das Bild des Herrschers aus. Die am Ende des 18. Jahrhunderts so beliebte Türkenoper zeigt dagegen bereits, dass die militärische Gefahr als überwunden gegolten hat: Aus dem Gewaltherrscher wurde nun ein geradezu humanistisch handelnder Fürst, der den europäischen Königen und Fürsten als Vorbild dienen konnte. Insofern fügt die Literatur der historischen Dokumentation immer eine intentionale Interpretation hinzu: Imagologie und Alteritätsforschung zeigen, dass Völkerbilder keineswegs bloße Abbilder von Realität, sondern eine Mixtur aus traditionellen Klischees und wenigen empirischen Daten sind, die sich – in Pro und Contra – am herrschenden Paradigma bzw. dem dominanten Diskurs orientierten. Dies gilt umso mehr für das Türkenbild, da diese deutschen Dichter des 18. Jahrhunderts keine empirischen Kenntnisse von Türkei und Türken bzw. dem osmanischen Reich und seinen Bewohnern hatten.

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