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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Das Goethezeitportal als Kulturportal

Das Team des Goethezeitportals, überzeugt von dem Potential der Literatur und Kunst der Goethezeit auch für unsere Epoche, reagiert auf den gesellschaftlichen Bedeutungsverlust von älterer Literatur bzw. den sog. ‚Klassikern’. Ganze Gattungen wie Lyrik, Dramen, Epen und avantgardistische oder experimentelle Literatur, deren Publikation nur Geld kostet aber keines bringt, führen ein Schattendasein im Literaturbetrieb. Kommerziell gesehen sind von der „schönen Literatur“ nur noch Bestseller von größerem Interesse.

 

Die Goethezeit als Orientierungshilfe

Die Jugendbewegung des Sturm und Drang eröffnet eine neue Zeit, mit den Dichtungen der Klassik und Romantik ist die deutsche Literatur von weltliterarischem Rang und bis heute von existenzieller Bedeutung. Hier werden wenn nicht Lösungen, so doch exemplarische Formulierungen für Sinnfragen des modernen Lebens, für Schicksal und Schuld gefunden. Es ist ein Zeitalter der Persönlichkeiten; was Humanität bedeutet, was ein gutes Leben ausmacht, studiert die Nachwelt vor allem an Goethe. In der Romantik werden alternative Formen des Lebens und Zusammenlebens sowie künstlerische Neuerungen erprobt, die weltweit rezipiert wurden und bis heute produktiv nachwirken. Nur genannt werden sollen die großen Philosophen (Kant, Fichte, Hegel, Schelling) und Komponisten (Mozart, Beethoven, Schubert und Schumann), um an die Höhepunkte der Philosophie und Musik in diesem Zeitraum zu erinnern. Nie vorher und nie nachher hat es eine an kulturellen Leistungen derart reiches Zeitalter in Deutschland gegeben. Vieles bietet eine Anregung zur Auseinandersetzung, manches kann als Fixpunkt der Orientierung dienen, im besten Fall erhalten wir einen Maßstab für unser eigenes Tun und Lassen.

Das tradierte Erbe muss für die Gegenwart stets neu aufbereitet und ihr Gehalt vor dem Horizont aktueller Problemlagen neu erschlossen werden. Die Literaturwissenschaft trägt nur noch wenig zur Tradierung und Aufbereitung bei. Im Zuge ihrer Verwissenschaftlichung ist sie für ein breiteres Publikum unattraktiv, oft auch schwer verständlich geworden. Das interessierte, aber nicht philologisch ausgebildete Publikum ist ihr weitgehend verloren gegangen. Vieles spricht dafür, dass es den Bildungseinrichtungen insgesamt – nicht nur der Schule, sondern auch Museen, dem Theater- oder Musikbetrieb - nicht mehr gelingt (oder es ihnen gar nicht mehr darum geht), das kulturelle Erbe gesellschaftlich fruchtbar zu machen und an die Jungen zu vermitteln. Liest man doch immer wieder, dass die Publika dieser Einrichtungen älter und älter werden. Deutschland ist schon lange nicht mehr das „Land der Dichter und Denker“, als das es sich im langen 19. Jahrhundert gerne feierte.

 

Das Goethezeitportal als zentraler Knotenpunkt

Für die Älteren kann das GZP zum Sammlungspunkt werden – gleichsam für die in der Diaspora verstreute Gemeinde der Gebildeten, die es noch immer (aber wie lange noch?) gibt. Die Jüngeren aber – und darauf liegt der Akzent - sollen durch Angebotsformen gewonnen werden, die das Internet nicht nur zur Distribution nutzen, sondern den Gestaltungsmöglichkeiten des neuen Mediums entsprechen. Darum kommen die Präsentationsformen des GZP dem Trend in der Mediennutzung entgegen. Stichworte: Multimedialität, Surfen als Gleiten von Angebot zu Angebot, nichtlineares Lesen, „offene“ Texte mit variabler Struktur usw. Die meisten kulturellen Angebote im GZP sind multimedial, sie bestehen aus Texten und Bildern; erste Audiodateien stehen online. Die Sequenzen aus Bildern und Texten sind komponiert. In der Regel handelt es sich um ein Puzzle aus Bildern mit Textausschnitten, die Informationen geben und die Bilder erläutern (oder ihnen widersprechen), sie in eine Perspektive rücken oder erzählerisch ausdeuten, sie historisieren oder aktualisieren usw. Der Nutzer ist zu eigenen Gedanken aufgefordert, wird angeregt aber nicht festgelegt. Er soll nicht geleitet, aber im aufgespannten Netz eingefangen werden.

 

Hohe Kunst neben Popularkunst

Hohe Kunst und (die im Zeitalter der Bildung als „trivial“ oder „kitschig“ abgewertete und abgewehrte) Popularkunst werden im GZP neben- und miteinander publiziert. Der Unterschied zwischen einer ‚schweren’, weil komplexen und voraussetzungsreichen und einer (zumindest auf den ersten Blick) leicht zugänglichen, schnell verständlichen Kunst ist auch heute noch vermittelbar, nicht mehr aber die einst damit verbundenen Hoch- und Abwertungen samt ihrer diskriminierenden kulturellen Praxis. Das GZP sucht über leichte Kost – Volkslieder, Märchen und Sagen, deren maßgebliche Sammlungen in die Goethezeit fallen – auch schwierigen Werken Leser und Beschauer zu gewinnen.

 

Präsentation der Goethezeit in Bildzeugnissen

Um diese Ziele umzusetzen, hat das GZP eine Reihe von Präsentationsformen ausgebildet. Von der Zahl her überwiegen „Dokumentationen“, bei denen ein personeller oder sachlicher Zusammenhang (z. B. Leben und Werk eines Dichters, Rezeption oder Illustration eines Werkes) in Bildern und Texten dokumentiert und erläutert wird. Die Reihe „Orte kultureller Erinnerung“ macht sich die lokale und regionale Verwurzelung der Kultur zu eigen, von Gedächtnisstätten über Jubiläumsfeiern bis zu Erinnerungstafeln. Für eine multimediale Präsentation eignen sich besonders Bildzeugnisse: Bildnisse der Dichter und Künstler, ihrer Familie und ihres Freundeskreises; Historienbilder aus ihrem Leben; Galerien aus Figuren und Szenen ihres Werkes; Illustrationen einzelner Werke u.ä. Nach Möglichkeit werden die Bildzeugnisse aus der Goethezeit – in der Regel Grafiken – um spätere Bilder, etwa Fotografien oder Postkarten, ergänzt. So lassen sich die Bildzeugnisse zu einer Geschichte (eines Ortes, eines Denkmals, eines Kunstwerkes) aus Bildern zusammenfügen, die durch literarische Zitate ergänzt werden.

 

Internationalisierung des Angebots

Die Angebote haben ihr Zentrum in der deutschsprachigen Literatur und der Kultur im deutschsprachigen Raum der Zeit von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Doch ist das GZP offen für alle Literatur und Kunst dieses Zeitraumes, sah doch schon der späte Goethe das Zeitalter der „Weltliteratur“ eintreten. Der Internationalisierung stehen keine programmatischen, sondern lediglich pragmatische Schranken entgegen. Einen ersten Schritt in fremde Lande, nach Italien macht das GZP auf den Spuren Goethes. Die Seiten über Rom und seine Umgebung thematisieren die antiken Stätten – im Wandel ihrer visuellen Gestalt vom 18. Jahrhundert, wie Goethe sie sah, bis heute -, den ästhetischen und kritischen Diskurs, der über die antike Kunst geführt wurde, das Volksleben in Rom wie auf dem Land, wie es von den Künstlern erlebt und gesehen wurde, u.a.m. Literarische Zitate führen die Reflexion Goethes und seiner Zeitgenossen bis ins 20. Jahrhundert weiter.
 

München, den 2. Januar 2008

Prof. Dr. Georg Jäger

Das Fach- und Kulturportal der Goethezeit