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Jutta Assel | Georg Jäger

Die sieben Raben
Eine Postkartenserie von Oskar Herrfurth

Optimiert für Firefox
Stand: Juni 2015

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Sonne und Mond
Ausschnitte aus der Postkartenserie

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Gliederung

1.Die Postkartenserie
2. Das Märchen in der Fassung der Brüder Grimm
3. Das Märchen in der Fassung Ludwig Bechsteins
4. Kurzbiographie zu Oskar Herrfurth
5. Rechtlicher Hinweis und Kontaktanschrift

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1. DiePostkartenserie

Wiedergegeben wird die Serie 320, Nr. 4888-4893, der Firma Uvachrom. (In den 1920er Jahren firmiert die Firma als >Verlag der Uvachrom Union Aktiengesellschaft für Farbenfotografie<, mit Hauptsitz in Wien.) Die Bilder sind mit "O. Herrfurth" signiert. Karten nicht gelaufen. Der Text auf der Rückseite wird den Bildern beigegeben.

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1. Ein Mann hatte sieben unfolgsame Söhne. Als ihnen ein Schwesterlein geboren wurde, schickte er sie zum Wasserholen weg. Aber sie kamen lange nicht zurück. Da wurde der Vater zornig und sprach: "Ach, dass die Jungen zu Raben würden." Die Verwünschung ging sofort in Erfüllung. Die sieben Jungen flogen als schwarze Raben davon.

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2. Das Töchterchen konnte die Eltern über den Verlust der sieben Söhne nicht trösten. Als es größer wurde, nahm es Brotlaib, Stühlchen und Krüglein und machte sich auf, die Brüder zu suchen und zu befreien. Da kam Schwesterchen zur Sonne. Die war heiß und fraß die kleinen Kinder. Da lief es weg.

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3. Schwesterchen suchte die zu Raben verzauberten sieben Brüder auf dem Mond. Der schaute hinter Wolken hervor. Kalt und eisig wehte die Luft. Der Mond grinste und sprach: "Ich rieche Menschenfleisch." Da lief Schwesterchen wieder davon.

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4. Schwesterchen kam auf der Suche nach den sieben Brüdern zu den Sternen. Die waren freundlich und gut. Jeder Stern saß auf einem besonderen Stühlchen. Der Morgenstern schenkte ihm ein Schlüsselchen für den Glasberg und sagte ihm, dass dort die Brüder als Raben lebten.

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5. Schwesterchen war froh, dass es wusste, wo die Brüder waren. Bald fand es auch den Glasberg. Ein Zwerglein öffnete ihm. Aber die Raben waren ausgeflogen. Schwesterchen aß von jedem Teller ein wenig und trank aus jedem Becherlein ein Schlückchen und ließ sein Ringlein in ein Becherlein fallen.

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6. Als die Raben heimkehrten, merkten sie, dass jemand von ihrem Tisch gegessen und getrunken hatte. Auch das Ringlein fanden sie und erkannten es als Vaters Geschenk. Da sprach der Jüngste: Wenn nur Schwesterchen käme und uns erlöste. Plötzlich trat es hervor und umarmte die Raben, die nun wieder Menschen wurden. Da zogen sie fröhlich heimwärts.

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2. Das Märchen in der Fassung der Brüder Grimm
Die sieben Raben

Ein Mann hatte sieben Söhne und immer noch kein Töchterchen, so sehr er sich's auch wünschte; endlich gab ihm seine Frau wieder gute Hoffnung zu einem Kinde, und wie's zur Welt kam, war's auch ein Mädchen. Die Freude war groß, aber das Kind war schmächtig und klein und sollte wegen seiner Schwachheit die Nottaufe haben. Der Vater schickte einen der Knaben eilends zur Quelle, Taufwasser zu holen; die andern sechs liefen mit, und weil jeder der erste beim Schöpfen sein wollte, so fiel ihnen der Krug in den Brunnen. Da standen sie und wussten nicht, was sie tun sollten, und keiner getraute sich heim. Als sie immer nicht zurückkamen, ward der Vater ungeduldig und sprach: »Gewiss haben sie's wieder über ein Spiel vergessen, die gottlosen Jungen.« Es ward ihm angst, das Mädchen müsste ungetauft verscheiden, und im Ärger rief er: »Ich wollte, dass die Jungen alle zu Raben würden.« Kaum war das Wort ausgeredet, so hörte er ein Geschwirr über seinem Haupt in der Luft, blickte in die Höhe und sah sieben kohlschwarze Raben auf und davon fliegen.

Die Eltern konnten die Verwünschung nicht mehr zurücknehmen, und so traurig sie über den Verlust ihrer sieben Söhne waren, trösteten sie sich doch einigermaßen durch ihr liebes Töchterchen, das bald zu Kräften kam, und mit jedem Tage schöner ward. Es wusste lange Zeit nicht einmal dass es Geschwister gehabt hatte, denn die Eltern hüteten sich ihrer zu erwähnen, bis es eines Tags von ungefähr die Leute von sich sprechen hörte, das Mädchen wäre wohl schön, aber doch eigentlich Schuld an dem Unglück seiner sieben Brüder. Da ward es ganz betrübt, ging zu Vater und Mutter und fragte ob es denn Brüder gehabt hätte und wo sie hingeraten wären? Nun durften die Eltern das Geheimnis nicht länger verschweigen, sagten jedoch es sei so des Himmels Verhängnis und seine Geburt nur der unschuldige Anlass gewesen. Allein das Mädchen machte sich täglich ein Gewissen daraus und glaubte es müsste seine Geschwister wieder erlösen. Es hatte nicht Ruhe und Rast, bis es sich heimlich aufmachte und in die weite Welt ging, seine Brüder irgendwo aufzuspüren und zu befreien, es möchte kosten was es wollte. Es nahm nichts mit sich als ein Ringlein von seinen Eltern zum Andenken, einen Laib Brot für den Hunger, ein Krüglein Wasser für den Durst, und ein Stühlchen für die Müdigkeit.

Nun ging es immer zu, weit, weit bis an der Welt Ende. Da kam es zur Sonne, aber die war zu heiß und fürchterlich, und fraß die kleinen Kinder. Eilig lief es weg und lief hin zu dem Mond, aber der war gar zu kalt und auch grausig und bös, und als er das Kind merkte, sprach er „ich rieche, rieche Menschenfleisch.“ Da machte es sich geschwind fort und kam zu den Sternen, die waren ihm freundlich und gut, und jeder saß auf seinem besondern Stühlchen. Der Morgenstern aber stand auf, gab ihm ein Hinkelbeinchen und sprach „wenn du das Beinchen nicht hast, kannst du den Glasberg nicht aufschließen, und in dem Glasberg da sind deine Brüder.“

Das Mädchen nahm das Beinchen, wickelte es wohl in ein Tüchlein, und ging wieder fort so lange bis es an den Glasberg kam. Das Tor war verschlossen, und es wollte das Beinchen hervor holen, aber wie es das Tüchlein aufmachte, so war es leer, und es hatte das Geschenk der guten Sterne verloren. Was sollte es nun anfangen? Seine Brüder wollte es erretten und hatte keinen Schlüssel zum Glasberg. Das gute Schwesterchen nahm ein Messer, schnitt sich ein kleines Fingerchen ab, steckte es in das Thor und schloss glücklich auf. Als es eingegangen war, kam ihm ein Zwerglein entgegen, das sprach: „Mein Kind, was suchst du?“ „Ich suche meine Brüder, die sieben Raben,“ antwortete es. Der Zwerg sprach: „Die Herren Raben sind nicht zu Haus, aber willst du hier so lang warten, bis sie kommen, so tritt ein.“ Darauf trug das Zwerglein die Speise der Raben herein auf sieben Tellerchen und in sieben Becherchen, und von jedem Tellerchen aß das Schwesterchen ein Bröckchen, und aus jedem Becherchen trank es ein Schlückchen; in das letzte Becherchen aber ließ es das Ringlein fallen, das es mitgenommen hatte.

Auf einmal hörte es in der Luft ein Geschwirr und ein Geweh, da sprach das Zwerglein: „Jetzt kommen die Herren Raben heim geflogen.“ Da kamen sie, wollten essen und trinken, und suchten ihre Tellerchen und Becherchen. Da sprach einer nach dem andern: „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen? Wer hat aus meinem Becherchen getrunken? Das ist eines Menschen Mund gewesen.“ Und wie der siebente auf den Grund des Bechers kam, rollte ihm das Ringlein entgegen. Da sah er es an und erkannte, dass es ein Ring von Vater und Mutter war, und sprach: „Gott gebe, unser Schwesterlein wäre da, so wären wir erlöst.“ Wie das Mädchen, das hinter der Türe stand und lauschte, den Wunsch hörte, so trat es hervor, und da bekamen alle die Raben ihre menschliche Gestalt wieder. Und sie herzten und küssten einander, und zogen fröhlich heim.

Nach der 7. Auflage 1857 bzw. Ausgabe letzter Hand. Alle Fassungen in Wikisource, URL:
http://de.wikisource.org/wiki/Die_sieben_Raben

Vgl. Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen hrsg. von Heinz Rölleke (Universal-Bibliothek; 3191-3193) 3 Bde. Stuttgart: Reclam 1980. Text Bd. 1, S, 154-156; Anmerkung Grimms Bd. 3, S. 44-59.

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3. Das Märchen in der Fassung Ludwig Bechsteins
Die sieben Raben

Wie in der Welt gar viele wunderliche Dinge geschehen, so trug sich's auch einmal zu, dass eine arme Frau sieben Knäblein auf einmal gebar; und diese lebten alle und gediehen alle. Nach etlichen Jahren bekam sie auch noch ein Töchterchen. Ihr Mann war gar fleißig und tüchtig in seiner Arbeit, deshalb ihn auch die Leute, welche Handarbeiter bedurften, gerne in Dienst nahmen, wodurch er nicht nur seine zahlreiche Familie auf ehrliche Weise ernähren konnte, sondern so viel erwarb, dass auch noch bei genauer Einrichtung seine brave Hausfrau einen Notpfennig zurücklegen konnte. Doch dieser treue Vater starb in seinen besten Jahren, und die arme Witwe geriet bald in Not, denn sie konnte nicht so viel erschaffen, um ihre acht Kinder zu ernähren und zu kleiden. Dazu wurden die sieben Knaben immer größer, und brauchten immer mehr, und wurden aber auch zur größten Betrübnis ihrer Mutter immer unartiger, ja sie wurden sogar wild und böse. Die arme Frau vermochte kaum zu ertragen, was sie alles bekümmerte und drückte. Sie wollte doch ihre Kinder gut und fromm erziehen, und ihre Strenge und Milde fruchtete nichts, der Knaben Herzen waren und blieben verstockt. Darum sprach sie eines Tages, als ihre Geduld ganz zu Ende war: »O, ihr bösen Raben-Jungen, ich wollte, ihr wäret sieben schwarze Raben und flöget fort, dass ich euch nimmer wieder sähe.« Und alsbald wurden die sieben Knaben zu Rabenvögeln, fuhren zum Fenster hinaus und verschwanden.

Nun lebte die Mutter mit ihrem einzigen Töchterlein recht stille und zufrieden, sie verdienten sich mehr noch als sie brauchten. Und die Tochter wurde ein hübsches gutes und sittsames Mädchen. Doch nach etlichen Jahren bekamen beide, Mutter und Tochter, gar herzliche Sehnsucht nach den sieben Brüdern, und sprachen oft von ihnen und weinten: Wenn doch die Brüder wieder kämen, und brave Bursche wären, wie könnten wir durch unsere Arbeit uns so gut stehen und untereinander so viele Freude haben. Und weil die Sehnsucht nach ihren Brüdern im Herzen des Mägdleins immer heftiger wurde, sprach sie einst zur Mutter: »Liebe Mutter, lass mich fortwandern und die Brüder aufsuchen, dass ich sie umlenke von ihrem bösen Wesen, und sie dir zuführe zur Ehre und Freude deines Alters.« Die Mutter antwortete: »Du gute Tochter, ich kann und will dich nicht abhalten, die fromme Tat zu vollführen, wandre fort, und Gott geleite dich!« Gab ihr darauf ein kleines goldnes Ringelein, das sie schon als kleines Kind am Finger getragen, wie die Brüder in Raben verwandelt wurden.

Da machte sich das Mädchen sogleich auf und wanderte fort, gar weit, weit fort, und fand lange keine Spur von ihren Brüdern; aber einmal kam sie an einen sehr hohen Berg, auf dessen Höhe ein kleines Häuschen stand, da hatte sie sich drunten niedergesetzt um auszuruhen und blickte sinnend immer hinauf nach dem Häuschen. Dasselbe kam ihr bald vor wie ein Vogelnest, denn es sah grau aus, als ob es von Steinchen und Kot zusammengefügt wäre, bald kam es ihr vor wie eine menschliche Wohnung. Sie dachte: ob nicht da droben deine Brüder wohnen? Und als sie endlich sieben schwarze Raben aus dem Häuschen fliegen sah, bestätigte sich ihre Vermutung noch mehr. Sie machte sich freudig auf, um den Berg zu ersteigen; doch der Weg, der hinauf führte, war mit so seltsamen, spiegelglatten Steinen gepflastert, dass sie allemal, wenn sie mit großer Mühe eine Strecke hinan war, ausglitt und wieder herunter fiel. Da wurde sie betrübt, und wusste nicht, wie sie nur hinauf kommen könnte. Da sah sie eine schöne weiße Gans, und dachte: wenn ich nur deine Flügel hätte, so wollte ich bald droben sein. Dann dachte sie wieder: kann ich mir denn ihre Flügel nicht abschneiden? Ei, dann wäre mir ja geholfen! Und sie fing rasch die schöne Gans, schnitt ihr die Flügel ab, und auch die Beine, und nähte sich dieselben an. Und siehe, wie sie das Fliegen probierte, ging es so schön, so leicht und gut, und wenn sie müde war vom Fliegen, lief sie ein wenig mit den Gänsefüßen, und glitt nicht einmal wieder aus. So kam sie schnell und gut an das lang ersehnte Ziel.

Droben ging sie hinein in das Häuschen, doch war es sehr klein; drinnen standen sieben winzig kleine Tischchen, sieben Stühlchen, sieben Bettchen, und in der Stube waren auch sieben Fensterchen, und in dem Ofen standen sieben Schüsselchen, darauf lagen gebratene Vögelchen und gesottene Vogeleier. Die gute Schwester war von der weiten Reise müde geworden, und freute sich nun, einmal ordentlich ausruhen zu können; auch fühlte sie Hunger. Da nahm sie die sieben Schüsselchen aus dem Ofen, und aß von einem jeden ein wenig, und setzte sich auf jedes Stühlchen ein wenig, und legte sich in jedes Bettchen ein wenig, und in dem letzten Bettchen schlief sie ein, und blieb darinnen liegen, bis die sieben Brüder zurückkamen. Diese flogen durch die sieben Fenster herein in die Stube, nahmen ihre Schüsseln aus dem Ofen und wollten essen, merkten aber, dass schon davon gegessen war. Nun wollten sie sich schlafen legen, und fanden ihre Bettchen verrückt, und einer der Brüder tat einen lauten Schrei, und sprach: »O was liegt für ein Mägdlein in meinem Bett!« Die andern Brüder liefen schnell herbei, und sahen erstaunt das schlafende Mädchen liegen. Da sprach einer um den andern: »Wenn es doch unser Schwesterchen wäre!« und wieder rief einer um den andern voll Freude: »Ja, das ist unser Schwesterchen, ja, das ist es! Solche Haare hatte es, und solch ein Mündlein hatte es, und solch ein Ringlein trug es damals an seinem größten Finger, wie es jetzt am kleinsten eins trägt!« Und sie jauchzten alle, und küssten das Schwesterchen alle; aber dieses schlief so fest, dass es lange nicht erwachte.

Endlich schlug das Mädchen die Äuglein auf, und sah die sieben schwarzen Brüder um ihr Bett sitzen. Da sagte sie: »Oh, seid herzlich gegrüßt, meine lieben Brüder, Gott sei gedankt dass ich euch endlich gefunden habe; ich habe euretwegen eine lange, mühevolle Reise gemacht, um euch wieder aus eurer Verbannung zurückzuholen, wenn ihr nämlich einen bessern Sinn in euern Herzen gefasst habt, dass ihr eure gute Mutter nie mehr ärgern wollet, dass ihr fleißig mit uns arbeitet, und die Ehre und Freude eurer alten Mutter werden wollet.« Während dieser Rede hatten die Brüder bitterlich geweint, und sprachen nun: »Ja, herzige Schwester, wir wollen gut sein, und nie wieder die Mutter beleidigen, ach, als Raben haben wir ein elendigliches Leben, und ehe wir uns dieses Häuschen erbaut, sind wir oft vor Hunger und Elend bald umgekommen. Dazu kam die Reue, die uns Tag und Nacht folterte: denn wir mussten die Leichname von den armen gerichteten Sündern fressen, und wurden dadurch stets an des Sünders schauerliches Ende erinnert.«

Die Schwester weinte Freudentränen, dass ihre Brüder sich bekehrt hatten, und so voll frommen Sinnes sprachen. »Oh!« rief sie aus, »nun ist alles gut, wenn ihr nach Hause kommt, und die Mutter vernimmt, dass ihr besser worden seid, wird sie euch herzlich verzeihen, und euch wieder zu Menschen machen.«

Als nun die Brüder mit dem Schwesterchen heim reisen wollten, sprachen sie erst, indem sie ein hölzernes Kästchen öffneten: »Liebe Schwester, nimm hier diese schönen goldenen Ringe und blitzenden Steinchen, die wir draußen so nach und nach fanden, in dein Schürzchen und trage es mit nach Hause, denn dadurch können wir als Menschen reich werden. Als Raben trugen wir sie nur um des schönen Glanzes willen zusammen.«

Das Schwesterchen tat so wie die Brüder wollten, und hatte selbst Freude an dem schönen Schmuck. Auf der Heimreise trugen die Rabenbrüder einer um den andern das Schwesterchen auf ihren Flügeln, bis sie an die Wohnung ihrer Mutter kamen; da flogen sie zum Fenster hinein und baten ihre Mutter um Verzeihung und gelobten, fortan stets gute Kinder zu sein. Auch die Schwester half bitten und flehen, und die Mutter war voll Freude und Liebe und verzieh ihren sieben Söhnen. Da wurden sie wieder Menschen und gar schöne blühende Jünglinge, einer so groß und so anmutvoll wie der andre. Dankend herzten und küssten sie die gute Mutter und die liebevolle Schwester. Und bald darauf nahmen alle sieben Brüder sich junge sittsame Frauen, bauten sich ein großes schönes Haus, denn sie hatten für ihre Kleinodien sehr vieles Geld bekommen. Und des neuen Hauses erste Weihe war der Brüder siebenfache Hochzeit.

Dann nahm auch die Schwester einen braven Mann, musste aber auf der Brüder Flehen und Bitten bei ihnen wohnen bleiben.

So hatte die gute Mutter noch viele Freude an ihren Kindern, und wurde von denselben bis in ihr spätes Alter liebevoll gepflegt und kindlich verehrt.

Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky. Großbibliothek (Digitale Bibliothek; 125) Berlin: Directmedia 2005, S. 44.608-44.614.

Vgl. Ludwig Bechstein: Deutsches Märchenbuch. Mit den Stahlstichen von Carl Wilhelm Schurig und Andreas Wolfgang Brennhäuser und ausgewählten Holzschnitten nach Originalzeichnungen von Ludwig Richter. Hrsg. von Hans-Heino Ewers (Universal-Bibliothek; 9483) Stuttgart: Reclam 1996. Hier S. 157-162. Das "Deutsche Märchenbuch" erschien 1845.

Illustrationen von Ludwig Richter. In: Ludwig Bechsteins Märchenbuch. Mit 184 Holzschnitten nach Originalzeichnungen von Ludwig Richter. Neudruck der Originalausgabe von 1857. Leipzig: Hendel 1926, S. 120f.

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Besuchen Sie im Goethezeitportal:
Moritz von Schwind
Das Märchen von den sieben Raben
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=3075

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4. Kurzbiographie zu Oskar Herrfurth

Oskar Herrfurth, geb. 1862 in Merseburg, gest. 1934 in Weimar, war ein deutscher Maler und Illustrator. Seine Ausbildung erhielt er an der Kunstschule in Weimar, in Weimar lebte er auch viele Jahre, später dann in Hamburg. Er malte Genrebilder sowie Märchen- und Sagenbilder, die auch in Postkartenserien erschienen. Er illustrierte Märchen der Brüder Grimm, von H. C. Andersen und L. Bechstein, Karl May, Volkslieder und zahlreiche Kinder- und Jugendschriften. (Artikel Oskar Herrfurth in Wikipedia.de, der freien Enzyklopädie. Redigiert u. ergänzt.)

Bibliographische Nachweise: Hans Ries: Illustration und Illustratoren des Kinder- und Jugendbuchs im deutschsprachigen Raum 1871-1914. Osnabrück: Wenner 1992. ISBN: 3-87898-329-8

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Illustrationen von Oscar Herrfurth im Goethezeitportal

Münchhausens Abenteuer
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=2198

Der Rattenfänger von Hameln
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=2777

Die Bremer Stadtmusikanten
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Der Wolf und die sieben Geißlein
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Das Märchen vom Schlaraffenland
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Das Marienkind
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Die Heinzelmännchen
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6680

Der kleine Däumling
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6827

Eulenspiegel
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Einen Überblick über die Märchen- und Sagenmotive
im Goethezeitportal finden sie hier.

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5. Rechtlicher Hinweis und Kontaktanschrift

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Ludwig-Maximilians-Universität München
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