goethe

Quellen zur Bildungs- und Kulturgeschichte

Jutta Assel | Georg Jäger

Gedankenharmonie
aus Goethe und Schiller

Stand: Januar 2007

Titelillustration

Gez[eichnet] u. lith[ographiert] v[on] Jules Vogel.
Steindr[uck] v[on] Oscar Fürstenau, Leipzig

 

  • Gedankenharmonie aus Goethe und Schiller. Lebens- und Weisheitssprüche aus deren Werken. Ein Führer durch das Leben und die sittliche Welt. Hg. von Rudolf Gottschall. Mit acht Farbendruckbildern von Jules Vogel. Dritte wesentlich vermehrte u. verbesserte Auflage. Leipzig. C. F. Amelang's Verlag (Friedrich Volckmar). 1866. – "Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog von Sachsen-Weimar Carl Alexander in tiefster Ehrfurcht gewidmet." Prachtausgabe (Leinenkaschierung mit Prägung in Gold, Medaillon, Goldschnitt). Außenmaße: Höhe 18, Breite 13,5 cm.

 

Aus dem Vorwort:

Die Gedankenharmonie "will zunächst dem deutschen Volk und besonders den deutschen Frauen jenen Reichthum allgemeingültiger Wahrheiten aus allen Gebieten des geistigen und sittlichen Lebens, der in den Werken unserer beiden größten Dichter enthalten ist, in übersichtlicher Zusammenstellung vorführen, ohne dabei Anspruch auf erschöpfende Vollständigkeit zu machen [...]

     Doch unsere >Gedankenharmonie< hat zugleich einen höheren Zweck, der ihr erst wahre Berechtigung giebt und durch den sie sich von ähnlichen geistigen Extrakten aus unsern Classikern, von den gewöhnlichen Chrestomathien und Blumenlesen unterscheidet. Sie soll eine durchgreifende Parallele zwischen Goethe und Schiller bieten, augenfälliger und beweiskräftiger, als umfangreiche Parallelen der kritischen Ausleger. Indem die Aussprüche beider Dichter über Gott und Natur, Liebe und Ehe, über die Fragen der sittlichen Welt und die Aufgaben des Lebensgenusses, über Vaterland und Freiheit, Kunst und Wissen nebeneinander gestellt werden, springt ja von selbst mit unwiderleglicher Klarheit die Verschiedenheit der Weltanschauung, des innersten Charakters und Strebens in's Auge."

Titelblatt, Vorwort und Inhalt (PDF)

 

Gliederung

 

 

1. Farbendruckbilder

Gott und die Natur

Unterteilung: Gott, Nr. 1-51 – Wahrer und falscher Glaube, Nr. 52-105 – Natur und Weltgesetz, Nr. 106-170.

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Der Mensch und das Leben

Unterteilung: Mensch, Menschheit, Fortschritt, Nr. 171-228 – Seele, Herz, Nr. 229-251 – Die Lebensalter, Nr. 252-306 – Schlaf und Tod, Nr. 307-340.

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Die Frauen

Unterteilung: Die Frauen, Nr. 341-503 – Ehe, Nr. 504-528 – Die Mutter, Nr. 529-538.

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Der Menschheit Streben und Irren

Unterteilung: Schuld und Schicksal, Nr. 539-591 – Tugend, Laster, Leidenschaft, Nr. 592-652 – That und Arbeit, Streben und Irren, Nr. 653-733 – Sittliche Größe, Ruhm und Ehre, Nr. 734-763.

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Lebensweisheit

Unterteilung: Genuß und Schmerz, Glück und Unglück, Nr. 764-837 – Erinnerung und Hoffnung, Nr. 838-855 – Freundschaft und Feindschaft, Nr. 856-891 – Lebensregeln und Sprüche, Nr. 892-992.

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Der Staat

Vogel nach Veit

Philipp Veit, 1793-1877: "Germania" mit dem Buch des Gesetzes und dem Schwert der Gerechtigkeit sowie dem Reichsadler als Personifikation des weltlichen Regiments. Nebenbild des 1836 vollendeten Freskos "Die Einführung der Künste in Deutschland durch das Christentum" im Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt a.M. Vgl. Die Nazarener. Hg. von Klaus Gallwitz. Katalog. Frankfurt a.M.: Städel 1977, S. 263f. mit Abb. F 12.

Unterteilung: Vaterland, Freiheit, Nr. 993-1020 – Königthum und Volksherrschaft, Nr. 1021-1080 – Recht, Gesetz, Ordnung, Nr. 1081-1101 – Krieg und Frieden, Nr. 1102-1121.

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Die Welt der Musen

Unterteilung: Schönheit, Wahrheit, Kunst und Gelehrsamkeit, Nr. 1122-1185 – Talent und Genie, Nr. 1186-1208 – Dichter und Dichtkunst, Nr. 1209-1260 – Drama und Bühne, Nr. 1261-1270 – Malerei, Musik, Tanz, Nr. 1271-1285.

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Gottschall, Rudolf von, Dichter und Schriftsteller, geb. 30. Sept. 1823 in Breslau, Sohn eines preußischen Artillerieoffiziers, studierte seit 1841 in Königsberg die Rechte und nahm lebhaften Anteil an der liberalen Bewegung in Ostpreußen, dem er in zwei anonymen Gedichtsammlungen "Lieder der Gegenwart" (2. Aufl., Königsberg 1842) und "Zensurflüchtlinge" ( 2. Aufl., Zürich 1843), frischen Ausdruck gab. Er wurde hierdurch rasch bekannt, geriet aber auch politisch in Konflikte, wurde von der Universität Breslau verwiesen und beendigte seine Studien in Königsberg, wo er 1846 als Doktor der Rechte promovierte und später als Dramaturg wirkte. 1848 siedelte G. nach Hamburg über, wo er zunächst eine Episode aus der Geschichte Hamburgs in der Tragödie "Hieronymus Snitger" dramatisch bearbeitete. Die Dramen: "Ulrich von Hutten" und "Maximilian Robespierre" waren Vorläufer der stürmisch-revolutionären dramatischen und lyrischen Produkte, mit denen G. die Jahre 1848–50 begrüßte und begleitete; das kleine Drama "Die Marseillaise", die Tragödien: "Lambertine von Méricourt" (Hamburg 1850), "Ferdinand von Schill" (das. 1851), die "Wiener Immortellen" (das. 1848) und die erste Sammlung seiner "Gedichte" (das. 1850). Eine Art künstlerischen Abschlusses fand diese Periode in dem größern lyrisch-epischen Gedicht "Die Göttin, ein Hoheslied vom Weibe" (Hamburg 1853; 2. Aufl., Bresl. 1876).

1852 heiratete G. Marie, Freiin von Seherr-Thoß und nahm seinen Wohnsitz in Breslau. 1862 redigierte er die "Ostdeutsche Zeitung", 1863 machte er eine Reise nach Italien, die er in den "Reisebildern aus Italien" (Breslau 1864) lebendig beschrieb, 1864 wurde er von der Firma F. A. Brockhaus nach Leipzig berufen, um die Redaktion der Zeitschrift "Unsere Zeit" und der "Blätter für literarische Unterhaltung" zu übernehmen, die er bis 1888 führte. Zugleich war er jahrzehntelang als Kritiker des "Leipziger Tageblattes" tätig. 1864 wurde er vom Großherzog von Weimar zum Hofrat, später zum Geheimen Hofrat ernannt, 1877 vom deutschen Kaiser geadelt; an seinem 80. Geburtstage (1903) setzten ihm der Kaiser, die Stadt Leipzig und die Deutsche Schillerstiftung Jahresgehalte aus, Freunde und Verehrer überreichten ihm eine ansehnliche Ehrengabe.

Als Lyriker bewährte sich G. noch in den durch den Krimkrieg geweckten Gesängen "Sebastopol" (Breslau 1856), den "Neuen Gedichten" (das. 1858, darin antike Metra mit Reimen), den Sammlungen "Janus" (Leipzig 1873) und "Bunte Blüten" (Berlin 1891). Von lyrisch-epischen Dichtungen veröffentlichte er ferner: "Carlo Zeno" (Breslau 1854, 2. Aufl. 1877), "Maja" (das. 1864, 3. Aufl. 1876), worin eine Episode des indischen Aufstandes behandelt wird, "König Pharao", ein komisches Epos (Leipzig 1872), "Merlins Wanderungen" (das. 1887). Eine treffliche Leistung war sein Lustspiel "Pitt und Fox", das, 1854 zuerst in Breslau aufgeführt, seitdem die Runde über alle deutschen Bühnen machte, und das der Verfasser in spätern Lustspielen ("Die Diplomaten", "Die Welt des Schwindels", "Ein Vater auf Kündigung" [unter dem Pseudonym Karl Rudolf], "Der Spion von Rheinsberg", "Schulröschen", "So zahlt man seine Schulden") nicht wieder erreichte. Von seinen Tragödien hatten "Mazeppa" und namentlich "Katharina Howard" den größten Erfolg; neben ihnen sind zu nennen: "Der Nabob", "Karl XII.", "Die Rose vom Kaukasus", "Bernhard von Weimar", "Amy Robsart", "Arabella Stuart", "Gutenberg", "Rahab" und "Der Götze von Venedig" (die ältern gesammelt in den "Dramatischen Werken", 2. Aufl., Leipzig 1884, 12 Bde.).

Erst spät wandte sich G. dem Roman zu und begann erfolgreich mit dem historischen Roman "Im Banne des Schwarzen Adlers" (Breslau 1875, 4. Aufl. 1884); ihm folgten "Welke Blätter" (das. 1877, 3 Bde.), "Das goldene Kalb" (das. 1880, 3 Bde.), "Das Fräulein von St. Amaranthe" (Berlin 1881, 3 Bde.), "Die Erbschaft des Blutes" (Breslau 1881, 3 Bde.), "Die Papierprinzessin" (das. 1883, 3 Bde.), "Verschollene Größen" (das. 1886, 3 Bde.), "Die Tochter Rübezahls" (das. 1889, 3 Bde.), "Der steinerne Gast" (das. 1891), "Verkümmerte Existenzen" (das. 1892, 2 Bde.), "Dämmerungen" (das. 1893, 3 Bde.), "Aretin und sein Haus" (Berlin 1896), "Moderne Streber" (Jena 1896, 2 Bde.), "Auf freien Bahnen" (das. 1900, 2 Bde.); daneben die Novellen und Erzählungen: "Schulröschen" (Breslau 1886), "Romeo und Julie am Pregel" (Dresden 1892), "Eine Dichterliebe" (das. 1894), "Das Mädchen vom Prohner Wieck" (Breslau 1898), "Ariadne" (Berlin 1902).

Außerdem entfaltete G. eine sehr rege Tätigkeit als Kritiker und Literarhistoriker; seine Hauptwerke dieser Art sind "Die deutsche Nationalliteratur des 19. Jahrhunderts" (7. Aufl., Breslau 1901–02, 4 Bde.) und seine "Poetik" (6. Aufl., das. 1903, 2 Bde.). Hierzu kamen die "Porträts und Studien" (Bd. 1 und 2. "Literarische Charakterköpfe", Leipzig 1870; Bd. 3 und 4: "Paris unter dem zweiten Kaiserreich", 1871), die "Literarischen Totenklänge und Lebensfragen" (Berlin 1885); "Das Theater und Drama der Chinesen" (Breslau 1887); "Studien zur neuen deutschen Literatur" (Berlin 1892); die vergleichenden Studien "Zur Kritik des modernen Dramas" (das. 1900), das Charakterbild "Georg Ebers" (Leipzig 1898) sowie Darstellungen über Schiller, Lenau und Grabbe in Reclams Universal-Bibliothek. Auch der von G. zusammengestellte "Blütenkranz neuer deutscher Dichtung" (12. Aufl., Breslau 1897), sein "Deutsches Frauenalbum in Wort und Bild" (2. Aufl., Leipzig 1884) und seine "Gedankenharmonie aus Goethe und Schiller" (8. Aufl., das. 1893) sind hier zu erwähnen. Im Verein mit hervorragenden Historikern gab G. den "Deutschen Plutarch" (Leipzig 1874–88, 12 Bde.) heraus und veröffentlichte fesselnde Erinnerungen "Aus meiner Jugend" (Berlin 1898).

Gottschalls vielseitiges Talent wurde durch rhetorische Wortfülle getrübt und gelangte infolge allzu rastloser Produktion und unzulänglicher Eigenart nicht zur Vollendung. G. ging von jungdeutschen Tendenzen aus, schloß sich aber bald noch entschiedener an Schiller an, offenbarte einen lebhaften Sinn für große historische Ideen und pathetische Darstellungen und wußte als Kritiker oft mit seinem ästhetischen Verständnis den Kern der Dichtungen zu erschließen. Aber sein schwacher Wirklichkeitssinn beeinträchtigte Schaffen und Kritik und brachte ihn in scharfen Gegensatz zu den Bestrebungen der neuesten Zeit.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Aufl. 1905-1909; Bd. 8, S. 180f.; Digitale Bibliothek 100, S. 73769-73773. Redigiert, Absätze eingefügt.



Vogel, Jules. Möglicherweise handelt es sich um Julius Vogel, Maler und Lithograph. Gebürtig aus Straßburg, lebte in den 1850er Jahren in Frankfurt a.M., später in Berlin. Malte Genrebilder und Porträts. (Thieme / Becker)

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