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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Neujahrsgrüße aus der Ferne
Schweden, Frankreich, Belgien, Schweiz,
Niederlande, Italien, Schweiz, Amerika, Ungarn u.a.

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Eingestellt: Dezember 2015

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Gliederung

1. Bilder und Texte
2. Rechtlicher Hinweis und Kontaktanschrift

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Texte

Joachim Ringelnatz: Der Glückwunsch | Joachim Ringelnatz: Silvester | Heinrich Heine: Lutetia. Paris, 11. Dezember 1841 | Matthias Claudius: Des alten lahmen Invaliden Görgel sein Neujahrswunsch | Eduard Mörike: Zum Neujahr. Mit einem Taschenkalender | Ludwig Thoma: Jahreswende | Johann Peter Hebel: Des neuen Jahres Morgengruß (alemannisch und hochdeutsch)

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1. Bilder und Texte 

Joachim Ringelnatz
Der Glückwunsch

Ein Glückwunsch ging ins neue Jahr,
Ins Heute aus dem Gestern.
Man hörte ihn sylvestern.
Er war sich aber selbst nicht klar,
Wie eigentlich sein Hergang war
Und ob ihn die Vergangenheit
Bewegte oder neue Zeit.
Doch brachte er sich dar, und zwar
Undeutlich und verlegen.

Weil man ihn nicht so ganz verstand,
So drückte man sich froh die Hand
Und nahm ihn gern entgegen.

Quelle:
Joachim Ringelnatz: Sämtliche Gedichte. Zürich: Diogenes 2005, S. 555f. ISBN 978-3-257-23467-1

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Schweden
Gott nytt år!

Die 14 schwedischen Neujahrskärtchen, die zwischen 1917 und 1938 in Schweden postalisch verschickt wurden, schließen mit ihrem Kleinformat wohl an die bei uns ca. 1900 üblichen - im Kuvert versandten oder persönlich abgegebenen - Neujahrsbillette an. Von lebhaftiger Farbigkeit, übermitteln sie manchmal zugleich auch Weihnachtswünsche ("God Jul") und zeigen neben den beliebten Kinder- und Schneelandschaften-Motiven eine Spielart der nordischen Trolle und des "Julbock", der früher die Geschenke brachte und als weihnachtliches Symbol schon bei den Germanen für die alljährlich sich erneuernde Fruchtbarkeit der Erde stand. Die ursprünglich plumpen, langnasigen und häufig Unglück bringenden Trolle haben sich allmählich in freundliche Zwerge gewandelt; auf einem der Kärtchen lässt der Julbock brav einen der kleinen Gesellen auf sich reiten. Zum Weihnachts- und Neujahrsbrauchtum gehört das Küssen unter aufgehängten Mistelzweigen. Der Mistel wurde in der antiken und der germanischer Sage eine große und vielseitige Bedeutung zugesprochen. "So ist der Gabelzweig der Mistel das Symbol der Wiederbelebung der erloschenen Sonnenkraft, die in ihm allein lebendig bleibt, daher seine allheilende und belebende Kraft gegen alle Übel." (1)

Anmerkung:
(1) Meyers Großes Konversations-Lexikon. Sechste Auflage 1905–1909 (Digitale Bibliothek; 100) Berlin: Directmedia 2003. Eintrag "Mistel", hier S. 205.987.

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Oben, links: Gott nytt år! Gelaufen. Poststempel 1917. Miniaturformat.
Oben, rechts: Gott Nytt År! Signiert: Signe Löfving. Adressseite: Svensk Tillverkning. Gelaufen. Poststempel unleserlich. Miniaturformat.
Unten, links: Gott Nytt År. Signiert: M. J. Gelaufen. Poststempel unleserlich.
Unten, rechts: Gott Nytt År tillönskas av. Adressseite, Signet: H cwebe 3573 K. Gelaufen. Poststempel 1930. Miniaturformat.

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1. Karte von oben: Gott Nytt År! Signiert: E. Lindblom. Adressseite: Svensk Tillverkning. Gelaufen. Poststempel unleserlich. Kleinformat.
2. Karte von oben: Gott Nytt År. Signiert: Anne Ch. Sjuberg. Adressseite: Svensk Tillverkning. No. 8903. Poststempel 1937. Kleinformat.
3. Karte von oben: Godt Nytt År. Adressseite: Svensk Tillverkning. Gelaufen. Poststempel unleserlich. Kleinformat.
4. Karte von oben: God Jul. Gott Nytt År. Adressseite: Svensk Tillverkning. Briefmarke: God Helg 1935 Sverige 1936. Poststempel unleserlich. Kleinformat.

Die Zwerge (Männchen mit weißem Bart und roter Zipfelmütze) erinnern an Trolle, die im schwedischen Brauchtum zu Weihnachten (Julfest) eine Rolle spielen. Vgl. den Eintrag in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Troll_(Mythologie)#Schweden

5. Karte von oben: God Jul. Gott Nytt År. Signiert: T.Ödberg. Adressseite, Signet: 3 Glocken. Svensk Tillverkning. Gelaufen. Poststempel 1937. Kleinformat.

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Oben, links: God Jul och Gott Nytt År. Signatur unleserlich. Adressseite: Svensk Tillverkning. Text: Liksom lyckan under mistelns kvist / för de unga ryms förvisst / rymmes nu all lycka som / tänkas kan i önskan om / God Jul och Gott Nytt År. Kleinformat.

Am Julfest (Weihnachten) oder zu Neujahr sammelt man in verschiedenen Ländern - u.a. in England und Amerika - Misteln, um die Räume während der Festzeit zu schmücken und zu weihen. Zu den Weihnachtsbräuchen gehört das Küssen unter aufgehängten Mistelzweigen.

Oben, rechts: God Jul. Gott Nytt År. Adressseite, Signet: 3 Glocken. Svensk Tillverkning. Gelaufen. Poststempel 1936. Kleinformat.

Zum Julbock als weihnachtliches Symbol siehe den Eintrag in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Julbock

Mitte, links: Gott Nytt År. Signiert: M. Carlbring (?).Adressseite: Svensk Tillverkning. Gelaufen. Poststempel 1936. Kleinformat.
Mitte, rechts: Gott Nytt År. Adressseite: Svensk Tillverkning. Signet: AE ligiert im Kreis. Axel Eliassons Kunstförlag A.B. Stockholm. Gelaufen. Poststempel 1938. Kleinformat.
Unten:  Gott Nytt År. Adressseite: Svensk Tillverkning. Förlag Nordisk Konst Stockholm. 9801. Gelaufen. Poststempel unleserlich. Kleinformat.

Die obigen schwedischen Postkarten, die zwischen 1917 und 1938 gelaufen sind, haben Kleinformat. Im Hochformat sind die Karten bis zu 11 cm hoch und ca. 7 cm breit; entsprechend im Breitformat. Zu den historisch wechselnden Abmessungen von Postkarten vgl. den Eintrag "Postkarte" in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Postkarte#Abmessungen_und_Gewicht
Siehe auch Baudet, Annie et François: L' Encyclopédie internationale de la carte postale illustrée. Bd. 1. Paris (S.N.R.A.) 1978. Les divers formats de la carte postale illustrée, S. 12.

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Joachim Ringelnatz
Silvester

Daß bald das neue Jahr beginnt,
Spür ich nicht im Geringsten.
Ich merke nur: die Zeit verrinnt
Genau so wie zu Pfingsten,

Genau wie jährlich tausendmal.
Doch Volk will Griff und Daten.
Ich höre Rührung, Suff, Skandal,
Ich speise Hasenbraten.

Mit Cumberland (1), und vis-à-vis
Sitzt von den Krankenschwestern
Die sinnlichste. Ich kenne sie
Gut, wenn auch erst seit gestern.

Champagner drängt, lügt und spricht wahr.
Prosit, barmherzige Schwester!
Auf! In mein Bett! Und prost Neujahr!
Rasch! Prosit! Prost Silvester!

Die Zeit verrinnt. Die Spinne spinnt
In heimlichen Geweben.
Wenn heute nacht ein Jahr beginnt,
Beginnt ein neues Leben.

Anmerkung:
(1) "Cumberlandsauce ist eine pikante Tafelsauce der klassischen englischen und französischen Küche aus rotem Johannisbeergelee, Portwein und Gewürzen. Sie wird kalt zu Schinken, Pasteten, Lamm- und Rindfleisch oder Wild serviert." Eintrag in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Cumberlandsauce

Quelle:
Joachim Ringelnatz: Sämtliche Gedichte. Zürich: Diogenes 2005, S. 340f. ISBN 978-3-257-23467-1

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Heinrich Heine: Lutetia
Paris, 11. Dezember 1841

Jetzt, wo das Neujahr herannaht, der Tag der Geschenke, überbieten sich hier die Kaufmannsläden in den mannigfaltigsten Ausstellungen. Der Anblick derselben kann dem müßigen Flaneur den angenehmsten Zeitvertreib gewähren; ist sein Hirn nicht ganz leer, so steigen ihm auch manchmal Gedanken auf, wenn er hinter den blanken Spiegelfenstern die bunte Fülle der ausgestellten Luxus- und Kunstsachen betrachtet und vielleicht auch einen Blick wirft auf das Publikum, das dort neben ihm steht. Die Gesichter dieses Publikums sind so hässlich ernsthaft und leidend, so ungeduldig und drohend, dass sie einen unheimlichen Kontrast bilden mit den Gegenständen, die sie begaffen, und uns die Angst anwandelt, diese Menschen möchten einmal mit ihren geballten Fäusten plötzlich dreinschlagen und all das bunte, klirrende Spielzeug der vornehmen Welt mitsamt dieser vornehmen Welt selbst gar jämmerlich zertrümmern! Wer kein großer Politiker ist, sondern ein gewöhnlicher Flaneur, der sich wenig kümmert um die Nuance Dufaure und Passy (1), sondern um die Miene des Volks auf den Gassen, dem wird es zur festen Überzeugung, dass früh oder spät die ganze Bürgerkomödie in Frankreich mitsamt ihren parlamentarischen Heldenspielern und Komparsen ein ausgezischt schreckliches Ende nimmt und ein Nachspiel aufgeführt wird, welches das Kommunistenregiment heißt! Von langer Dauer freilich kann dieses Nachspiel nicht sein; aber es wird um so gewaltiger die Gemüter erschüttern und reinigen, es wird eine echte Tragödie sein. [...]

Doch lasst uns dieses trübe Thema verlassen und wieder zu den heitern Gegenständen übergehen, die hinter den Spiegelfenstern auf der Rue Vivienne oder den Boulevards ausgestellt sind. Das funkelt, das lacht und lockt! Keckes Leben, ausgesprochen in Gold, Silber, Bronze, Edelstein, in allen möglichen Formen, namentlich in den Formen aus der Zeit der Renaissance, deren Nachbildung in diesem Augenblick eine herrschende Mode. Woher die Vorliebe für diese Zeit der Renaissance, der Wiedergeburt oder vielmehr der Auferstehung, wo die antike Welt gleichsam aus dem Grabe stieg, um dem sterbenden Mittelalter seine letzten Stunden zu verschönen? Empfindet unsre Jetztzeit eine Wahlverwandtschaft mit jener Periode, die, ebenso wie wir, in der Vergangenheit eine verjüngende Quelle suchte, lechzend nach frischem Lebenstrank? Ich weiß nicht, aber jene Zeit Franz' I. und seiner Geschmacksgenossen übt auf unser Gemüt einen fast schauerlichen Zauber, wie Erinnerung von Zuständen, die wir im Traum durchlebt; und dann liegt ein ungemein origineller Reiz in der Art und Weise, wie jene Zeit das wiedergefundene Altertum in sich zu verarbeiten wusste. Hier sehen wir nicht, wie in der Davidschen Schule (2), eine akademisch trockene Nachahmung der griechischen Plastik, sondern eine flüssige Verschmelzung derselben mit dem christlichen Spiritualismus. In den Kunst- und Lebensgestaltungen, die der Vermählung jener heterogensten Elemente ihr abenteuerliches Dasein verdankten, liegt ein so süßer melancholischer Witz, ein so ironischer Versöhnungskuss, ein blühender Übermut, ein elegantes Grauen, das uns unheimlich bezwingt, wir wissen nicht wie.

Anmerkungen:
(1) Jules-Armand Dufaure (1798-1881), Advokat und Politiker. - Hippolyte Passy (1793-1880), Nationalökonom und Politiker.
(2) Schule des klassizistischen französischen Malers Jacques-Louis David (1748-1825).

Quelle:
Heinrich Heine: Sämtliche Werke. Hrsg. von Hans Kaufmann. Bd. XI. München; Kindler 1964, S. 278-280.

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Frankreich / Belgien
Bonne Année
Heureuse Année

Die französischen Neujahrsglückwünsche finden sich hauptsächlich auf Fotopostkarten und zeigen oft effektvolle Atelierinszenierungen; so verbindet die erste Karte die Neujahrswünsche mit dem "Blumen-" oder "Liebesorakel" ("Er liebt mich von Herzen ..."). Das hübsche Modell blickt während des Blütenblätter-Abzupfens den Betrachter lächelnd an. Die zarte Handfärbung bis ca. 1914 weicht seit den Nachkriegsjahren einer kräftigen Schablonen-Kolorierung. Auch werden die vor der Kamera agierenden jungen Modelle im Zeitstil des Art déco nun nahsichtig gezeigt.

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Oben: Bonne Année. Signet: Phébus. 3226. Adressseite beschrieben, aber nicht gelaufen.

Zum Blumenorakel siehe die Seite:
Gretchens Liebesorakel
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6708

Unten:  Bonne Année. Ser. 831. Adressseite, Signet: SB im Kreis [F. Sala u. Co., Berlin]. Printed in Germany. Gelaufen. Poststempel 1912. Prägedruck.

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1. Zeile von oben, links: Heureuse Année. REX 1459. Adressseite: Fabrication Française. Beschrieben, aber nicht gelaufen. Datiert 1923.
1. Zeile von oben, rechts: Bonne Année. Signet: Herz in Raute. 1325. Adressseite: Feldpostkarte. Gelaufen. Datiert u. Poststempel 1914.
2. Zeile von oben, links: Bonne Année. Mésange. 474. Adressseite beschrieben, aber nicht gelaufen. Datiert 1914.
2. Zeile von oben, rechts: Bonne Année. Adressseite: Signet. Arnochrom, DEP. Serie 1523. Printed in Saxony. Nicht beschrieben, aber frankiert. Poststempel 1907.
3. Zeile von oben: Bonne et Heureuse Année. Gelaufen. Poststempel unleserlich.
4. Zeile von oben, links: Bonne Année. Signet: M im Oval. 338. Fabrication Française. Made in France. Datiert 1926. Ohne Briefmarke.
4. Zeile von oben, rechts: Bonne Année. Firmenname unleserlich. 175. Fabrication Française. Made in France. Beschrieben. Ohne Briefmarke.

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Matthias Claudius
Des alten lahmen Invaliden Görgel sein Neujahrswunsch

Sie haben mich dazu beschieden,
      So bring ich's denn auch dar:
Im Namen aller Invaliden
      Wünsch ich ein fröhlich Jahr

Zuerst dem lieben Bauernstande;
      Ich bin von Bauern her,
Und weiß, wie nötig auf dem Lande
      Ein fröhlich Neujahr wär.

Gehn viele da gebückt, und welken
      In Elend und in Müh',
Und andre zerren dran und melken
      Wie an dem lieben Vieh.

Und ist doch nicht zu defendieren,
      Und gar ein böser Brauch;
Die Bauern gehn ja nicht auf Vieren,
      Es sind doch Menschen auch;

Und sind zum Teil recht gute Seelen.
      Wenn nun ein solches Blut
Zu Gott seufzt, dass sie ihn so quälen;
      Das ist fürwahr nicht gut.

Ein fröhlich Jahr den Fürsten,
      Die nach Gerechtigkeit,
Nach Menschlichkeit und Wohltun dürsten:
      Der Fürsten Ehrenkleid!

Sie sind in diesem Ehrenkleide
      Wie Gottes Engel schön!
Und haben selbst die meiste Freude;
      Sonst muss ich's nicht verstehn.

Ein fröhlich Jahr und Wohlbehagen
      Dem Fürsten unserm Herrn!
Der auch in unsern alten Tagen
      Noch denket an uns gern;

Der als ein Vater an uns denket
      Auf seinem Fürstenthron,
Und uns des Lebens Pflege schenket!
      Dank ihm und Gotteslohn!

Und seinen Untertanen allen,
      Wir sind ja Brüder gar,
Uns lieben Brüdern Wohlgefallen
      Und ein recht gutes Jahr!

»Und allen edlen Menschen Friede
      Und Freud' auf ihrer Bahn!
Ich segne sie in meinem Liede,
      So viel ich segnen kann;

Und fühl' in diesem Augenblicke
      Den lahmen Schenkel nicht,
Und steh und schwinge meine Krücke,
      Und glühe im Gesicht.«

Quelle:
Matthias Claudius: Werke. Sämtliche Werke des Wandsbecker Boten. Hrg. von Urban Roedl. Stuttgart: Evangelische Buchgemeinde o.J., S. 141f. (Görgeliana, No. 1). - "Diese Görgeliana schreiben sich von Görgeln her, und Görgel ist eigentlich ein alter lahmer Invalide, der sich in seinen alten Tagen noch auf die Feder applizierte ...".

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Niederlande
Gelukkig Nieuwjaar

Die niederländischen Karten sind teils humorvoll und spielen z.B. mit einem der populären Holland-Motive: Behäbig breite Gestalten in heimischer Tracht stehen im Atelier breitbeinig vor Prospekten - der Junge vor einer typisch flachen holländischen Flusslandschaft (links angeschnitten eine Mühle). Die beiden Fotokarten aus den 1920er Jahren stammen aus französischen Verlagen und erhielten holländische Glückwunsch-Aufdrucke; sie sind typische, teils mit Schablonen kräftig kolorierte französische Industrieprodukte.

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Oben: Gelukkig Nieuwjaar. Signiert Willy Schermelé. Adressseite: Copyright en ontwerp Willy Schermelé. Nicht gelaufen.
Mitte, links: Pieternel en Thomasvaer / Wenschen heil in het nieuwe Jaar. Adressseite: Uitg Abrahamson & Van Straaten, Amsterdam, T. P. 1. Gelaufen. Poststempel unleserlich.
Mitte, rechts: Gelukkig Nieuwjaar. Volendam. Gelaufen. Poststempel 1933 (?).
Unten, links: Gelukkig Nieuwjaar. Signet: EKO. 3363. Adressseite, Signet: EKO im Kreis. Gelaufen. Poststempel unleserlich.
Unten, rechts: Gelukkig Nieuwjaar. Signet: SOL mit Zweig über O. 3916. Adressseite: Made in Françe. Nicht gelaufen.

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Eduard Mörike
Zum Neujahr
Mit einem Taschenkalender

An tausend Wünsche, federleicht,
Wird sich kein Gott noch Engel kehren,
Ja, wenn es soviel Flüche wären,
Dem Teufel wären sie zu seicht.
Doch wenn ein Freund in Lieb und Treu
Dem andern den Kalender segnet,
So steht ein guter Geist dabei.
Du denkst an mich, was Liebes dir begegnet
Ob dirs auch ohne das beschieden sei.

Quelle:
Eduard Mörike: Sämtliche Werke. Hrsg. von Herbert G. Göpfert. 4. Aufl. München: Carl Hanser 1972, S. 206. Entstanden 1844, Erstdruck 1856.

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Italien / Schweiz
Buon Anno
Bonne Année

Unter den übrigen Neujahrsglückwünschen aus der Ferne sind zu beachten auch die Werbekarten aus den beiden vom Tourismus geprägten Ländern Italien und Schweiz. Die Ansichtskarten eines Hotels in Assisi bzw. von Neuchâtel (Neuenburg) am Genfer See nutzen Neujahr zur Besucherwerbung.

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1. Bild von oben: Buon Anno. Adressseite: 207/1. Gelaufen. Poststempel 1910.
2. Bild von oben: Sinceri Auguri per il nuovo Anno. Assisi. Monumento di S. Francesco (Hôtel Subasio).
3. Bild von oben, Rückseite: Carte-Postale. Hôtel et Pension Subasio. Assisi (O. Rossi).
4. Bild von oben: Bonne Année. Neuchatel. Adressseite: Edition W. Bous, Neuchâtel. Gelaufen. Poststempel 1911.

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Ludwig Thoma
Jahreswende

Ich lob’ es nicht, das alte Jahr,
Ich schimpf’ es nicht. So wie es war,
So wie es jetzt noch vor uns steht,
Ehdenn es ganz von hinnen geht,
Verbraucht und alt, die Taschen voll
Von unerfüllten Wünschen, soll
Es meinethalb vergessen sein!

Das neue tänzelt nun herein,
Mit falschem Lächeln im Gesicht,
Die Augen leuchtend, und verspricht
Dem einen dies, dem andern das,
Und allen viel, und jedem was
Und spitzt das Maul, ist zuckersüß,
Das richtige Spinatgemüs!
Dem sag’ ich – gebt mir erst noch Punsch! –,
Dem sag’ ich: Ich hab’ keinen Wunsch.
Bring, was du mußt, nicht, was ich mag,
Und fahre ab am letzten Tag!

Quelle:
Wikisource
https://de.wikisource.org/wiki/Jahreswechsel

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Varia
A Happy New Year to You
Feliz Año Nuevo
Boldog Ujévet
Srdečné přaní knovému roku

Die Drucker und Verlage von Bildpostkarten betrieben ein internationales Geschäft. Dies gilt auch für Glückwunschkarten, denen die formelhaften Glückwünsche in unterschiedlichen Sprachen aufgedruckt werden konnten. In den folgenden Beispielen finden sich eine englischsprachige Karte der Berliner Firma A. E. Schwerdtfeger & Co. AG (1. Karte von oben), zwei ungarische Karten der Verlage Rotophot und Neue Photographische Gesellschaft, beide Berliner Aktiengesellschaften (3. und 4. Karte) sowie eine slowakische Karte aus der Produktion Schwerdtfegers (5. Karte). In allen diesen Fällen haben die Verlage die Form von Aktiengesellschaften und sind in Leipzig, dem Zentrum der deutschen Druckindustrie, beheimatet.

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1. Karte von oben: A Happy New Year to You [USA]. Signet: EAS im Herz [E. A. Schwerdtfeger & Co. AG, Berlin] Adressseite: Printed in Germany. Gelaufen. Poststempel 1908.
2. Karte von oben: Feliz Año Nuevo. Beschrieben u. datiert 1907. Nicht gelaufen.
3. Karte von oben: Boldog Ujévet [ungarisch]. Signet: RPH im Kreis [Rotophot AG, Berlin] 3060/1. Gelaufen. Adressseite: Datiert 1912. Poststempel unleserlich.
4. Karte von oben: Boldog ujévet! Signet: NPG ligiert [Neue Photographische Gesellschaft AG, Berlin-Steglitz] 3747. Gelaufen. Poststempel unleserlich. Feldpost.
5. Karte von oben: Srdečné přaní knovému roku [slowakisch]. Signet: EAS im Herz [E. A. Schwerdtfeger & Co. AG, Berlin] 9511/4. Gelaufen. Poststempel unleserlich.

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Johann Peter Hebel
Des neuen Jahres Morgengruß
(alemannisch)

(Eine Übersetzung ins Hochdeutsche
finden Sie im Anschluss an diesen Text.)

Der Morge will und will nit cho,
und woni los, schloft alles no;
i weck sie nit, so lang i cha,
i lueg e wengeli d’Gegnig a.
Zeig, Wülkli, mach iez keini Streich!
Der Mond schint ohni das so bleich.

Kei Blüemli roth, kei Blüemli wiiß!
An alle Bäume nüt als Ris!
Um alli Brunntrög Strau und Strau,
vor Chellerthür und Stallthür au.
Mi Vetter hets drum sölli g’macht,
und lauft iez furt in dunkler Nacht.

Das Ding das mueß mer anderst cho!
I bi der Ma, und’s blibt nit so.
Die Gärte müen mer g’süfert si,
Aurikeli und Zinkli dri,
und neui Blüthen alli Tag,
was Hurst und Nast vertrage mag.

Es rüehrt sie nüt. Sie schlofe no. –
Nei, lueg, es sizt e Spätzli do;
du arme Tropf bisch übel dra,
was gilts, er het e Wibli g’ha?
und druf isch Noth und Mangel cho;
sie hen sie müeße scheide lo [1].

Iez het er e bitrüebti Sach,
kei Frau, kei Brod, kei Dach und Fach,
und stoht er uf, so spoth er mag,
se seit em niemes guete Tag;
und niemes schnidt em d’Suppen i.
Wart, Bürstli, dir mueß g’hulfe sy.

Es rüehrt si nüt. Sie schlofe no. –
Ne gattig Chilchli hen sie do,
so sufer, wie in menger Stadt.
’s isch Sechsi uffem Zifferblatt.
Der Morge chunnt. By miner Treu,
es friert ein bis in Mark und Bei.

Die Todte g’spüre nüt dervo;
ne rüeihig Lebe hen si do.
Sie schlofe wohl, und ’s friert sie nit:
der Chilchhof macht vo Allem quitt.
Sin echt no leeri Plätzli do?
’s cha sy, me bruucht e paar dervo.

Ne Chindli, wo ke Muetter het,
denkwohl i mach em do si Bett.
En alte Ma, en alti Frau,
denkwol, i bring di Stündli au.
Hesch mengi Stund in Schmerz verwacht,
do schlofsch, und hesch e stilli Nacht.

Jez brennt emol e Liechtli a,
und dört en anders nebe dra,
und d’Läde schettre druf und druf,
do goht, bym Bluest, e Husthür uf!
„Grüeß Gott, ihr Lüt, und i bi do,
i bi scho z’Nacht um Zwölfi cho.

Mi Vetter het si Bündel g’macht,
und furt by Nebel und bi Nacht.
Wär i nit uf d’Minute cho,
’s hätt weger chönne g’föhrli goh.
Wie g’fall ich in mim Sunntig-G’wand?
’s chunnt Fade neu us Schniders Hand.

E Rübeli-Rock, er stoht mer wohl,
zum rothe Scharlach-Kamisol,
und Plüschi-Hose hani a,
e Zitli drin, e Bendli dra,
ne g’chrüslet Hoor, e neue Huet,
e heiter Aug, e frohe Mueth.

Es luegt do ein mi Schnappsack a,
und ’s nimmt en Wunder, was i ha.
Ihr liebe Lüt, das sagi nit,
wenns chunnt, so nimm verlieb dermit!
’s sin Rösli drin und Dorne dra,
me cha nit iedes b’sunders ha.

Und Wagle-Schnür, und Wickelband,
e Fingerring ans Brütli’s Hand,
en Ehrechranz in’s lockig Hoor,
e Schlüssel au zum Chilchhofthor.
Gent Achtig, was i bitt und sag,
’s cha iede treffe alli Tag.

E stille Sinn in Freund und Noth,
e rüeihig G’wisse gebich Gott!
und wers nit redli meint und gut,
und wer si Sach nit ordli thut,
dem bring i au kei Sege mit,
und wenni wott, se chönnti nit.

Jez göhnt und leget d’Chinder a,
und was i g’seit ha, denket dra,
und wenn der au in d’Chilche wennt,
se schaffet, was der z’schaffe hent.
Der Tag isch do, der Mond vergoht,
und d’Sunne luegt ins Morgeroth.“

(1) Nach Versicherung der Naturforscher zieht das Weibchen des gemeinen Finken, besonders aus den nördlichen Gegenden, gleich andern Zugvögeln in ein milderes Klima, und nur die Männchen bleiben zurück. Daher die naturhistorische Benennung Fringilla caelebs.

Quelle:
Johann Peter Hebel: Poetische Werke. München: Winkler o.J., S. 663-666.

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Johann Peter Hebel
Des neuen Jahres Morgengruß
(Übersetzung ins Hochdeutsche)

Der Morgen kommt und kommt nicht her!
Da schläft noch Alles rings umher.
Ich weck' sie nicht, so lang ich kann,
Ich schau derweil die Gegend an.
Du Wölkchen, mach' mir keine Streich'!
Der Mond scheint ohne das so bleich.

Kein Blümlein roth, kein Blümlein weiß,
An Bäumen nichts, als dürres Reis,
Um alle Brunnen Stroh und Stroh,
Und auf den Kellern ebenso!
Mein Vetter hat's drum flink gemacht,
Und läuft jetzt fort in dunkler Nacht.

Das Ding muß anders werden, seht,
Ich bin der Mann, der es versteht!
Die Gärten müssen sauber sein.
Aurikeln, Hyazinthen drein,
Und neue Blüthen jeden Tag,
Was Strauch und Ast nur tragen mag.

Es rührt sich nichts. Sie schlafen ja! -
Nein schau, es sitzt ein Spätzchen da!
Du armes Ding, du jammerst mich,
Du hatt'st ein Weibchen, sicherlich,
Und drauf brach Noth und Mangel sein,
Da mußt es denn geschieden sein.

Jetzt kommt erst recht das Elend nach,
Nicht Frau, nicht Brod, kein Dach, kein Fach,
Und steht er auf, so spät er mag,
Es sagt ihm Niemand guten Tag,
Und Niemand brockt sein Süppchen ein;
Wart, Bursch, dir soll geholfen sein! -

Es rührt sich nichts. Sie schlafen ja. -
Das ist ein schmuckes Kirchlein da,
So sauber wie in mancher Stadt!
Sechs ist es auf dem Zifferblatt.
Der Morgen kommt. Bei meiner Treu
Man friert in Mark und Bein dabei.

Die Todten spüren's nicht. In Ruh
Deckt sie ihr schwarzes Deckbett zu;
Ob's friert, sie leiden nichts dabei,
Der Kirchhof macht von Allem frei.
Sind da vielleicht noch Plätzchen leer?
Vielleicht, das eines zu brauchen wär'.

Ein Kind, das keine Mutter hat,
Dem mach' ich hier die Lagerstatt.
Du alte Frau, du alter Mann,
Ich denk', ich schließ auch eure Bahn!
Habt manche Stund' im Schmerz durchwacht,
So schlaft, und still sei euch die Nacht!

Jetzt flimmert da ein Lichtchen her, -
Ein andres dort, - und da noch mehr!
Die Läden klappern drauf und drauf;
Nu schau! da geht 'ne Hausthür auf!
"Grüß gott, ihr Leut! hier bin ich ja,
"Ich steh seit Mitternacht schon da!

"Mein Vetter hat sein Pack geschnürt,
"Im Dunkeln ist er fortmarschiert.
"Traf ich nicht zur Minuten ein,
"Ein schlechter Spaß könnt's worden sein; -
"Mein Sonntagskleid, was will man mehr?
"'S kommt nagelneu vom Schneider her!

"Der weite Rock, er steht nicht schlecht,
"Zur rothen Weste paßt er recht.
"Auch Plüschne Hosen hab ich an,
"Die Ihr darin, das Uhrband dran;
"Auf krausem Haar den neuen Hut,
"Ein heiter Aug' und frohen Muth.

"Ihr kuckt nach meinem Quersack hin,
"Es nimmt euch Wunder, was darin.
"Ich sag's Euch nicht, ihr lieben Leut',
"Wenn's kommt, ich hoff', daß es euch freut,
"Sind Rosen drin mit Dornen dran, -
"Eins ohn' das andre geht nicht an -

"Ein Wiegenband, ein Wickelband,
"Ein Ring für eines Bräutchen's Hand,
"Ein Ehrenkranz zur Lockenzier,
"Ein Schlüssel auch zur Kirchhofthür.
"Gebt Acht auf das, was ich euch sag',
"Es kann euch treffen alle Tag!

"Und stillen Sinn in Freud' und Noth,
"Ein gut Gewissen geb' euch Gott!
"Doch wer's nicht redlich meint und gut,
"Sein Tagewerk nicht pünktlich thut,
"Dem bring ich keinen Segen, glaubt,
"Und wollt' ich's, wär' mir's nicht erlaubt.

"Jetzt geht und zieht die Kinder an!
"Was ich euch sage, denkt mir dran;
"Und wollt ihr noch zur Kirche gehn,
"Macht schnell, ohn' lang' euch umzusehn,
"Der Mond verlischt, der Tag erwacht,
"In's Morgenroth die Sonne lacht."

Quelle:
J. P. Hebel's allemannische Gedichte für Freunde ländlicher Natur und Sitten. Ins Hochdeutsche übertragen von R. Reinick. Mit Bildern nach Zeichnungen von Ludw. Richter. Leipzig, Verlag von Georg Wigand 1851, S. 166-170.

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