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 Jutta Assel | Georg Jäger

Ostereier in Bildern und Texten

Eine Dokumentation zu Ostern 2008 

Stand: März 2016
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Gliederung  

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1. Ostereier in Bildern und Texten

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Fröhliche Ostern. 3042/2. Verso: Postkarte. Gelaufen. Poststempel unleserlich.




August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)


Das Osterei

Hei, juchhei! Kommt herbei!
Suchen wir das Osterei!
Immerfort, hier und dort
Und an jedem Ort!
Ist es noch so gut versteckt,
Endlich wird es doch entdeckt.
Hier ein Ei! dort ein Ei!
Bald sind's zwei und drei.
Wer nicht blind, der gewinnt
Einen schönen Fund geschwind.
Eier blau, roth und grau
Kommen bald zur Schau.
Und ich sag's, es bleibt dabei,
Gern such' ich ein Osterei:
Zu gering ist kein Ding,
Selbst kein Pfifferling.

Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky. Großbibliothek (Digitale Bibliothek; 125) Berlin: Directmedia 2005, S. 264.864.




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Oben links: Fröhliche Ostern. Signet: GL (ligiert) Co. [Gustav Liersch & Co., Berlin] S. 1797t/1. Gelaufen. Poststempel 1908. | Oben rechts: Fröhliche Ostern. Signet: PG im Kreis im Quadrat [Photographische Gesellschaft Wien]. 1727/28. Gelaufen. Poststempel 1908. | Unten links: Fröhliche Ostern. Signet: NPG im Kreis [Neue Photographische Gesellschaft AG Berlin-Steglitz] 1795. Gelaufen. Datiert u. Poststempel 1911. | Unten rechts: Fröhliche Ostern. Signet: DLG im Kreis. 371/6. Verso: Postkarte. Gelaufen. Poststempel 1907.





August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)


Ostereier

Einer.
Die Mutter schlich sich heimlich fort -
Ich hab' sie geseh'n,
Mit einem Körbchen schien sie dort
Zum Garten zu geh'n.
  

Alle.
Zur Osterfeier
Da suchen wir Eier,
Husch, husch,
Im Dornenbusch,
Flugs, flugs,
Im grünen Buchs.
  

Mutter.
Nun suchet! Es sind nur Euer drei -
Sechs Eier hab' ich versteckt.
Nun suchet! Es kommen auf Jeden zwei,
Wenn jeder sein Theil entdeckt.
  

Der Erste.
Gefunden, gefunden ein blaues!
  

Der Zweite.
Und hier ein gelbes, ein graues!
  

Der Dritte.
Und ich ein wundernettes,
O seht doch, ein violettes!
  

Der Erste.
Und wiederum eins,
O sehet doch meins,
Meins ist das schönste von allen,
So purpurroth wie Korallen!
  

Der Dritte.
Kommt alle herbei!
Seht, welch ein Ei!
Seht, seht, o seht,
Was hier auf diesem geschrieben steht!
  

Mutter.
"Willst du des Fundes genießen,
Laß dich kein Suchen verdrießen!"
  

Der Dritte.
O liebe Mutter, wir danken dir
Für die schönen Ostereier;
O liebe Mutter, o hätten wir
Doch bald wieder Osterfeier!
  

Alle.
Zur Osterfeier
Da freu'n wir uns sehr,
Da suchen wir Eier
Die Kreuz und die Quer!
Husch, husch,
Im Dornenbusch,
Flugs, flugs,
Im grünen Buchs,
Husch, husch, husch, husch!
Flugs, flugs, flugs! 


Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky. Großbibliothek (Digitale Bibliothek; 125) Berlin: Directmedia 2005, S. 264.861 - 264.863.




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Oben: Porte bonheur. Bonnes Pâques. Links: 4266 Alterocca - Terni. Rechts: S. Lena - Luzern. Verso: Carte Postale. Gelaufen. Poststempel 1905. | Mitte: Fröhliche Ostern. Verso: Serie 503. Postkarte. Gelaufen. Poststempel 1907. | Unten: Fröhliche Ostern. Signet: AL. 3371/4. Verso: Postkarte. Gelaufen. Datiert u. Poststempel 1908.





Volksgebräuche zu Ostern

Die alten Volksgebräuche am Feste: Eieressen, Osterfeuer und Ballschlagen bestehen noch überall im Lande. Eieressen. Das Gesinde bekam früher soviel Eier, als es mochte. Zwanzig Hühnereier und ein Gänseei oder ein Ei mit der Schale zum Schluß, so ging die Rede in Butjadingen, mußte ein tüchtiger Großknecht verzehren können. Später ist es mehr Sitte geworden, jedem Dienstboten am Nachmittage des Ostertages eine bestimmte Anzahl Eier, 12 bis 14, zuzuteilen. Das feierliche Eieressen geschieht am Abende des ersten und zweiten Ostertages. Für Kinder werden die Eier mit Zwiebelschalen, Farbehölzern oder grünen Kräutern gefärbt, auch wohl im Garten unter Büsche versteckt, wohin sie dann nach dem Kinderglauben der Hase gelegt hat.

Ein Spiel um Eier ist das Bicken. Einer tupft mit der Spitze seines Eies auf die Spitze des Eies eines andern bis eins zerbricht, das dann dem Besitzer des unverletzt gebliebenen zufällt. Vorzüglich, heißt es aus dem Saterlande, war dies Bicken beim Abbrennen des Osterfeuers unter Leuten beiderlei Geschlechts üblich und diente häufig dazu, alte Bekanntschaften zu erneuern, neue anzuknüpfen.

Auch wirft man mit Eiern auf Wiesen und wer sein Ei am weitesten wirft, erhält die Eier der übrigen (Jever). In Löningen versammelten sich früher die Kinder mit ihren buntgefärbten Eiern auf dem Stockkamp und trieben damit allerlei Kurzweil.

Peter Friedrich Ludwig Strackerjan (1825-1881): Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg. 1867. Zit. n. Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky. Großbibliothek (Digitale Bibliothek; 125) Berlin: Directmedia 2005, S. 527.463f. (Auszug, Absätze eingefügt.)


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Links: Fröhliche Ostern! Verso: K.V.i.B. 12 [Kunstanstalt Voremberg, Berlin] Dess. 4. Serie Oster-Kinder. Postkarte. Gelaufen. Poststempel 1904. Text auf Vorderseite:

    "Liebes Häschen," sagt das Kind,
    "Leg' mir doch ein Ei." -
    Spricht das Häschen: "Morgen früh
    Leg' ich Dir gleich drei!"


Rechts
: Fröhliche Ostern! K.V.i.B. 12 [Kunstanstalt Voremberg, Berlin] Dess. 3. Serie Oster-Kinder. Postkarte. Gelaufen. Poststempel 1904. Text auf Vorderseite:

    Das grosse Ei, es ging entzwei,
    D'rin sitzt Familie Osterhas;
    Und Hannchen fährt sie alle Drei,
    Das macht auch unseren Häschen Spass.




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Fröhliche Ostern! Signet: PFB [Paul Fink, Kunstanstalt, Berlin. 5185/6. Gelaufen. Poststempel 1927.





Das Eierfest auf dem Protschenberge
am ersten Osterfeiertage.

Alljährlich eilt am ersten Osterfeiertage in den Mittags- und ersten Nachmittagsstunden, wenn das Wetter es nur einigermaßen erlaubt, Alt und Jung aus Bautzens Mauern nach dem Protschenberge zum Eierschieben. Die Wege nach der luftigen Höhe, durch parkartige Anlagen und grünende Saatfelder führend, vermögen kaum in der Stunde zwischen 1 und 2 Uhr die frohen Schaaren zu fassen. Der Protschenberg, eine von mächtigen Granitfelsen gebildete Anhöhe am linken Spreeufer, westlich von Bautzens altem Schlosse, der Ortenburg, das Flußthal einschließend, trägt auf seinem Scheitel einen Gottesacker, der als Begräbnißort von der zumeist wendischen Bevölkerung des uralten, an der einstigen vom fernen Osten nach Gallien durch Mitteldeutschland führenden Völkerstraße gelegenen Ortes Seidau benützt wird. Ein stark geneigter, von Gras nur spärlich bewachsener, nach dem rauschenden Gewässer der durch die Industrie dem Menschen sehr dienstbar gewordenen Spree blickender Abhang füllt sich rasch mit Seidauer Knaben und Mädchen verschiedenen Alters, und aus dem Munde dieser in rascher Bewegung auf- und absteigenden Kinderschaaren tönt fortwährend, bald in vereinzelten Stimmen, bald in vollen Chören der langgedehnte, vom wendischen Dialecte stark gefärbte Ruf: "Eier!"

Die von Eltern, Geschwistern, Anverwandten und wohl auch Dienstboten begleiteten Kinder der Bewohnerschaft Bautzens und Schaaren von Jünglingen und Jungfrauen schauen, in dichten Reihen die Stirn des Protschenberges einnehmend, heiteren Blickes hinab auf die rufende Menge. Es gilt nun, hart gesottene, mit Farben bunt bemalte Eier, oder auch Obst, Backwerk aller Art und nach Befinden auch Kupfermünzen, möglichst weit hinab in die schreienden Schaaren zu werfen. Je nachdem bald aus der Mitte, oder aus einem der beiden Flügel der Städter die Gaben geworfen werden, je nachdem bewegen sich die Schaaren der auffangenden Kinder nach dieser oder jener Richtung. Personen, die im Werfen geübt sind, vermögen Eier bis in den Fluß zu werfen. Ist dies geschehen, so waten abgehärtete Buben baarfuß in das kalte Wasser und ringen unter dem Beifallsrufe der Menge um das farbige Osterei. Gegen drei Uhr lichten sich die Reihen und in den späteren Nachmittagsstunden verlassen die letzten Kinder mit ihren errungenen Schätzen den Festplatz.

Johann Georg Theodor Grässe (1814–1885): Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen. Zum ersten Male in der ursprünglichen Form aus Chroniken, mündlichen und schriftlichen Ueberlieferungen und anderen Quellen. 1855. Zit. n. Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky. Großbibliothek (Digitale Bibliothek; 125) Berlin: Directmedia 2005, S. 189.962-189.965. Auszug.


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Links: Herzlichste Ostergrüsse. 3615/2. Verso: Postkarte. Gelaufen. Poststempel unleserlich. | Rechts: [Ohne Titel.] Nitram. Handschriftlich: Je vous embrasse. Verso: Carte Postale. Gelaufen. Poststempel 1904.





Peter Rosegger (1843-1918)
Waldheimat. Erzählungen aus der Jugendzeit

Also war es ihr stets gelungen, die Hühner zu behaupten, bis sie im März wieder anfingen Ostereier zu legen. Diese wurden als Erstlinge rot gefärbt und dann verschenkt an arme Kinder, die von Hof zu Hof gingen, um Ostereier zu sammeln, und an die Dienstmägde, die mit solchen Eiern wieder junge Burschen erfreuten. In manchen Gegenden bedeutet es geradezu eine Liebeserklärung, wenn das Mädel dem Buben ein rotes Osterei schenkt. Das berechtigt den Burschen übrigens einzig nur, des Abends manchmal aus Fensterlein zu kommen, um ihr "Gute Nacht" zu sagen. Die Burschen pflegen die geschenkten Eier zu benützen, um untereinander zu "dutschen". Da werden die Spitzen der Eier aneinander gedupft; der, dessen Ei ganz bleibt, hat das zerbrochene damit gewonnen, es wird sofort verzehrt. Ein anderes Eierspiel besteht darin, daß einer das rote Ei hinhält, es mit der geschlossenen Hand so weit verdeckend, daß nur eine kleine Fläche offen bleibt. Ein anderer schleudert nun zielend eine kleine Münze darauf hin. Trifft diese die Fläche und bleibt sie im Ei stecken, so gehört es ihm, trifft die Münze nicht, so gehört diese dem Eigentümer des Eies.

Ein weiteres Gesellschaftsspiel ist das Eiersuchen. Die Mädchen verstecken Eier in Winkeln, unter Stroh, Busch und dergleichen und die Burschen müssen dann suchen. Wer eins findet, glaubt bisweilen nicht bloß Eigentümer des Eies zu sein, sondern auch derselben, die es versteckt hat. Sie meldet sich aber nur, im Falle der Bursche recht nett ist. Ansonsten will keine hinter dem gefundenen Ei stehen und der Finder "ist der Narr, frißt den Dotter samt dem Klar". - Mein Vater hat solche Eierspiele zwischen Burschen und Dirndlein nie gern gesehen. Tat man's aber hinter seinem Rücken, so ward es oft noch bedenklicher.

Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky. Großbibliothek (Digitale Bibliothek; 125) Berlin: Directmedia 2005, S. 457.997f. Absatz eingefügt.


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Fröhliche Ostern. Signet: RPH im Kreis. 2246/3. Gelaufen. Poststempel unleserlich.




Eduard Mörike (1804-1875)

Auf ein Ei geschrieben.

Ostern ist zwar schon vorbei,
Also dies kein Osterei;
Doch wer sagt, es sei kein Segen,
Wenn im Mai die Hasen legen?
Aus der Pfanne, aus dem Schmalz
Schmeckt ein Eilein jedenfalls,
Und kurzum, mich täts gaudieren,
Dir dies Ei zu präsentieren,
Und zugleich tät es mich kitzeln,
Dir ein Rätsel draufzukritzeln.
   
Die Sophisten und die Pfaffen
Stritten sich mit viel Geschrei:
Was hat Gott zuerst erschaffen,
Wohl die Henne? wohl das Ei?
   
Wäre das so schwer zu lösen?
Erstlich ward ein Ei erdacht:
Doch weil noch kein Huhn gewesen,
Schatz, so hats der Has gebracht.

Eduard Mörike: Sämtliche Werke. Hrsg. von Herbert G. Göpfert.München: Carl Hanser 1964, S. 223f. Erstdruck 1847.




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Links: [Auf Tafel: fröhliche Ostern.] 247. Gelaufen. Poststempel unleserlich. | Rechts: Herzliche Ostergrüße! Signet: PG im Kreis im Quadrat [Photographische Gesellschaft Wien] 01187/88. Gelaufen. Poststempel unleserlich.





Kurt Tucholsky (1890-1935)

Fröhliche Ostern

Da seht aufs neue dieses alte Wunder:
Der Osterhase kakelt wie ein Huhn
und fabriziert dort unter dem Holunder
ein Ei und noch ein Ei und hat zu tun.
   
Und auch der Mensch reckt frohbewegt die Glieder -
er zählt die Kinderchens: eins, zwei und drei . . .
Ja, was errötet denn die Gattin wieder?

Ei, ei, ei
ei, ei
ei!
  

Der fleißige Kaufherr aber packt die Ware
ins pappne Ei zum besseren Konsum:
Ein seidnes Schnupftuch, Nadeln für die Haare,
die Glitzerbrosche und das Riechparfuhm.
  
Das junge Volk, so Mädchen wie die Knaben,
sucht die voll Sinn versteckte Leckerei.
Man ruft beglückt, wenn sies gefunden haben:
  

Ei, ei, ei
ei, ei
ei!
  

Und Hans und Lene Steckens in die Jacke,
das liebe Osterei - wen freut es nicht?
Glatt, wohlfeil, etwas süßlich im Geschmacke,
und ohne jedes innre Gleichgewicht.
  
Die deutsche Politik . . . Was wollt ich sagen?
Bei uns zu Lande ist das einerlei -
und kurz und gut: Verderbt euch nicht den Magen!
Vergnügtes Fest! Vergnügtes Osterei!

Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky. Großbibliothek (Digitale Bibliothek; 125) Berlin: Directmedia 2005, S. 547.960f.


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Frohe Ostern. Verso: Nr. 535. Nicht gelaufen.



Joachim Ringelnatz ((1883–1934):

Kinder-Verwirr-Buch
(1931)

Und der Osterhase legt
(Bald sehr eitel, bald bewegt)
Rührei oder Spiegelei.
Schauerlich stöhnt er dabei.


Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky. Großbibliothek (Digitale Bibliothek; 125) Berlin: Directmedia 2005, S. 452.643.

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2. Lexika-Artikel

Ostern (von Ostara, der Göttin des strahlenden Morgens, des aufsteigenden Lichtes oder der Morgenröthe), das Fest zur Erinnerung an die Auferstehung Christi, eines der drei höchsten christlichen Feste und wohl schon von den Aposteln angeordnet. […]

In der alten Kirche feierte man die ganze Woche von Palmarum bis Ostern (Osterwoche, Marterwoche), namentlich Gründonnerstag, Charfreitag und Osterabend oder Großen Sabbath. Nun folgte das Fest selbst, welches 8 Tage lang mit täglichem Gottesdienst begangen, seit dem 11. Jahrhundert aber die Feier auf 3 Tage, in neuester Zeit in den meisten Ländern auf 2 Tage beschränkt wurde. Die älteren Christen blieben die ganze Nacht vor dem Fest (Ostervigilie) beisammen, brachten dieselbe mit Gebet und Administrirung des heiligen Abendmahls zu und zündeten in der Kirche die große Osterkerze (Cereus paschalis) und auf nahen Anhöhen ein Freudenfeuer (Osterfeuer) an. Von der Osterkerze wurde dann in den Häusern statt alles ausgelöschten Feuers neues angezündet. Vor Sonnenaufgang schöpfte man unter geheimnißvollem Stillschweigen aus einem nahen Flusse Wasser (Osterwasser, von welchem man glaubte, daß es den Körper vor Runzeln und Flecken bewahre). Wenn man sich am Morgen des Festes begegnete, begrüßte man sich, wie noch jetzt in der Griechischen Kirche, unter einem Kusse (Osterkuß) mit dem Zuruf: Surrexit! (er ist auferstanden), und der Erwiderung: Vere surrexit! (er ist wahrhaftig auferstanden). In den Kirchen wurden die Katechumenen getauft und seit dem Lateranensischen Concil 1215 gesetzlich Abendmahl gehalten. Processionen zogen umher, Gefangene wurden begnadigt und losgelassen, Sklaven freigegeben, die Bußzeit der Gefallenen endigte sich, man schickte sich gegenseitig Geschenke, besonders bunt bemalte und mit Reimen beschriebene Eier (Ostereier), spendete den Armen Almosen und gab sich, nach dem nun beendigten Quadragesimalfasten lauter Freude und stattlichem Genusse hin (Osterfreude). Selbst in den Kirchen wurden Gastmähler gegeben und die Geistlichen erzählten allerhand Märchen und Schwänke, welche das Volk zum Lachen reizten (Ostergelächter, Risus paschalis; vgl. Öcolampadius De risu paschali, Basel 1518, welcher erzählt, daß die Prediger in dieser Absicht auf den Kanzeln bald wie Kukuke gerufen, bald wie Gänse geschnattert hätten etc.). Die Festfeier wurde mit der Osteroctave, am Sonntag nach Ostern geschlossen. Schon bei der nächtlichen Feier der Ostervigilie kamen Unordnungen vor, weshalb bereits 305 das Concil in Illiberis den Weibspersonen die Theilnahme an derselben untersagte; andere Mißbräuche wurden durch die Reformation abgestellt.

Pierer's Universal-Lexikon. 4. Auflage 1857-1865. DVD-ROM-Ausgabe, Neusatz und Faksimile (Digitale Bibliothek; 115) Berlin: Directmedia 2005, S. 158.037 - 158.042. Gekürzt, redigiert.

— — — — —

An mehreren Orten ist es gewöhnlich, sich am grünen Donnerstag mit gefärbten, hart gesottenen Eiern (Ostereiern) Geschenke zu machen. Die Sitte hat vielleicht aus den Zeiten der Römer ihren Ursprung, wo man auch um diese Zeit Eierspiele und Eierfeste hatte, an denen man, dem Castor und Pollux zu Ehren (welche aus zwei, von der Leda gebornen Eiern, ausgebrütet waren), in einem eirunden Kreise nach Eiern um die Wette lief. Auch ist das Eiersuchen am Gründonnerstage oder Ostertage eine an manchen Gegenden beliebte Belustigung der Kinder. Ein ähnlicher Gebrauch ist das Eierwerfen oder Eierlaufen, wie solches in der Schweiz (besonders in Chur) und in Frankreich (besonders in den kleinen Orten der Pyrenäen) üblich ist. Dies ist eine Art Wettkampf im Laufen, welcher darin besteht, daß von zwei jungen Burschen der eine eine gewisse Anzahl Eier, die in Entfernungen auf den Boden gelegt sind, früher in einen Behälter einzusammeln sucht, als der andere ein diesem gestecktes Ziel erreicht, und von dort auf den Platz zurückkehrt.

Pierer's Universal-Lexikon. 4. Auflage 1857-1865. DVD-ROM-Ausgabe, Neusatz und Faksimile (Digitale Bibliothek; 115) Berlin: Directmedia 2005, S. 66.369f. Redigiert.

— — — — —

Die Fasten wurden sonst so streng gehalten, daß selbst Eier bis zur Bulle Papst Julius VI. (1555) nicht erlaubt waren. Die stets beliebt gewesene Speise empfing man daher Ostern mit Freude zurück, ließ sie in den Kirchen weihen und vertheilte sie gefärbt zu Geschenken. Diese freundliche Sitte hat sich in manchen Gegenden Deutschlands, Frankreichs und Rußlands erhalten. In Westphalen pflegt die Hausfrau am Ostermorgen Eier mit allerlei Farben im Buchsbaum und andern Gesträuchern des Gartens zu verstecken; auf ein gegebenes Zeichen stürzen größere und kleinere Kinder hinzu, und dasjenige, welches das besonders gefärbte und mit einer Krone verzierte Ei findet, gilt für die Festtage als Kinderkönig. Ist eine Braut unter ihnen, so sucht ihr die Mutter vorzugsweise das Ei in die Hände zu spielen.

Damen Conversations Lexikon. Herausgegeben von Carl Herloßsohn. Neusatz und Faksimile der 10-bändigen Ausgabe Leipzig 1834 bis 1838 (Digitale Bibliothek; 118) Berlin: Directmedia 2005, S 8175f. Artikel Ostern, Auszug.

 




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