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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Aus der Weihnachtszeit
und aus dem Kinderleben

Eine Gabe des Goethezeitportals
zu Weihnachten 2018


Der Münchner Verlag von  Braun und Schneider reussierte mit populärer Druckgraphik im Holzschnitt. Zentrales Verlagsprojekt bildeten die Einblattdrucke der "Münchener Bilderbogen", von denen von 1848 bis 1898 insgesamt 1200 Nummern erschienen, die auch gebunden zu 50 Bänden vertrieben wurden. Eine weitere Vermarktung stellten die "Münchener Bilderbücher" dar, bei denen die Holzschnitte und Texte der Bilderbogen im Buchformat neu arrangiert gedruckt wurden, wobei meist zwei oder mehr Bilderbogen zu einem Bilderbuch zusammengefasst sind. Das Goethezeitportal veröffentlicht das 26. Bilderbuch, in dem die "Münchener Bilderbogen" Nr. 577 "Aus der Weihnachtszeit" und Nr. 564 "Aus dem Kinderleben" unter dem Titel "Aus der Weihnachtszeit und aus dem Kinderleben. In Bildern und Reimen" neu herausgegeben wurden. "Weihnachtszeit" und "Kinderleben" geben den Stoff zu 8 bzw. 19 lose miteinander verbundenen Szenen. Entworfen wurden die Illustrationen von der Kasseler Künstlerin Mathilde Coester (1847-1923), die auch als Autorin von Kinderbüchern tätig war. Nach dem Druck wurden die Illustrationen schablonenkoloriert, um in ihrer oft kräftigen Farbigkeit  dem Publikumsgeschmack zu genügen.


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Titelillustration

Aus der Weihnachtszeit und aus dem Kinderleben. In Bildern und Reimen (Münchener Bilderbücher. Nro. 26) München: Verlag von Braun & Schneider o.J. Kolorierter Holzstich nach Zeichnung.

18 Kunstblätter mit Bild und Text. Blatt 1 bis 9 monogrammiert MC, d.i. Mathilde Coester; Blatt 6: MC, E. Fuchs sc[ulpsit]; Blatt 12 und 14: M. Coester 1872.

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Gliederung

1. Bilder und Texte aus der Weihnachtszeit
2. Bilder und Texte aus dem Kinderleben
3. Notizen zur Illustratorin Mathilde Coester
4. Notizen zu den "Münchener Bilderbüchern"
5. Rechtlicher Hinweis und Kontaktanschrift

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1. Bilder und Texte aus der Weihnachtszeit

1. Christkindlein drinn' mit der Mutter spricht,
Wir aber hören und sehen Es nicht,
Trotz allem Lauschen, trotz allem Späh'n,
Und doch hat's Lieschen hineinfliegen seh'n!

2. Da ist's gesessen! Nun schaut Euch um,
Ob's nichts vergessen auf dem Boden herum ─
Ein Stücklein Kuchen, ein goldenes Haar,
Ein seidenes Bändchen, ein Ringlein gar!

3. Was wir sticken, was wir nähen
Für das liebe Mütterlein,
Niemand, niemand darf es sehen, ─
Nur das Christkind darf herein!

4. "Mein liebes Christkind sei so gut,
Bring meiner Puppe einen neuen Hut,"
So schreibet Lina ─ aber der Paul
Bestellt sich gleich einen neuen Gaul!

5. Bis der Schlitten fertig ist,
Den uns bringt der heil'ge Christ,
Fahren wir so flott und frank
Schlitten mit der Küchenbank!

6. Ist dein Püppchen auch zerbrochen,
Hab Geduld nur wenig Wochen,
Wenn das Christkind kommt mit Glanz,
Macht's dein Püppchen wieder ganz.

7. O wenn ich nur ein wenig wüßt,
Auf was ich am meisten mich freuen müßt.
Was mir das Christkind wohl gebracht?
O Gott!. Wird's heute denn gar nicht Nacht!

8. Gottlob, es dunkelt, nun ist's schon spät.
Kommt, singen wir, daß uns die Zeit vergeht!
"Ach komm' mit deinem Himmelschein
Du heil'ger Christ! kehr bei uns ein!"

9. Nun hat es geläutet ─ nun kommt herein!
Der Christbaum strahlet in goldenem Schein,
Doch heller leuchtet das ewige Licht
Aus der Kinder glückseligem Angesicht!

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Oben: Postkarte zur Eröffnung der Ausstellung "Jugendbücher aus alter und neuer Zeit" am 14. Dezember 1946 in der Städtischen Kunsthalle Mannheim.

Unten: Fröhliche Weihnachten. Adressseite, Signet Amag [Albrecht & Meister AG, Berlin] Handschriftlich datiert 29. Dezember 1915. Poststempel unleserlich.

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Bildseite: Nr. 5, Adressseite: S. 3925. Keine weiteren Angaben. Nicht gelaufen. Adressseite ungeteilt.

Das kleine Mädchen betrachtet und liest amüsiert in einem schon ziemlich ramponierten Exemplar den Beginn der Bildergeschichte von Wilhelm Buschs "Max und Moritz", die im Verlag von Braun und Schneider erschienen ist.

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1. Bild von oben
Christian Leberecht Vogel [1759-1816]: Die beiden Söhne des Künstlers. Adressseite: Gal. 17. R & J.D. Nicht gelaufen.

2. Bild von oben
M. Rosenthal Hatschek pinx. [Marie Rosenthal-Hatschek, 1871-1942] Anni und Gusti. Galerie Wiener Künstler Nr. 213. W.R.B & Co., Vienne [Wiener Rotophot-Gesellschaft, Blüh & Co., Wien III.]. Gelaufen. Poststempel unleserlich.

3. Bild von oben.
Carl v. Marr [1858-1936]. Mein Bilderbuch. Adressseite: Aus der Serie "Perlen Münchener Kunst". Verlag Hans Kohler & Co., München. | Nr. 1007. Prof. Carl v. Marr - Mein Bilderbuch. Nicht gelaufen.

4. Bild von oben.
Hans Larwin pinx. [1873-1938] Unser Liebstes. Adressseite mit Jugendstil-Rahmen. Moderne Kunst. K 225. Signet: PG W.I im Rahmen. Nicht gelaufen.

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2. Bilder und Texte aus dem Kinderleben

Zur Beachtung:
Die in der Vorlage unterschiedlich eingerichteten Texte werden hier nach den gereimten Zeilen umgebrochen.

10. Ihr garstigen Kinder, was macht ihr denn da?
Na wartet, ihr Schelme, jetzt kommt die Mama,
Die wird euch schon wehren den Mußtopf zu leeren!
Gleich fort mit den Fingern! Das Naschen laßt sein,
Und kommt aus der Kammer, sonst schließ' ich euch ein!

11. Was steckt denn da im hohen Gras?
Ich mein', da drinnen regt sich was!
Das werden uns're Häschen sein,
Die geh'n so gern in's Gras hinein.

12. Lina stößt den Zucker klein,
Mama rührt den Kuchen ein,
Lieschen schnell das Feuer schürt,
Daß er backt wie sich's gebührt,
Annchen leckt den Löffel dann,
Jeder hilft so viel er kann.

13. Komm, Else, spiel' doch wieder mit, wir spielen Blindekuh!
Du mußt auch nicht so trotzig sein, komm her, geh' auch dazu!
Du willst nicht? Nein! Na mir ist's recht, so magst du stehen bleiben,
Wir können uns auch ohne dich recht gut die Zeit vertreiben.

14. Ei 'fehl mich Frau Amtmann! Das ist ja recht schön,
Daß Sie mich doch auch 'mal besuchen.
Das paßt ja ganz prächtig, ich hab' , wie Sie seh'n,
G'rad heute so köstlichen Kuchen,
Den essen Sie sicher so gerne wie ich,
D'rum nehmen Sie Platz und setzen Sie sich!

15. Nun bin ich auch ein kleiner Mann,
Ich habe Schäftenstiefel an,
Die knarren gar so wunderschön.
Nun kann ich auch in's Wasser geh'n,
Da fließt kein Tröpfchen oben 'rein,
Nun wird Mama zufrieden sein! ─
Hör', Carlchen, das bezweifle ich,
Ich glaube eh'r, sie prügelt dich!

16. Was machen doch die Kinder
Mir den ganzen Tag für Müh'!
Da kriegt nun meine Amélie
Das Fieber heute früh.
Kaum steck' ich sie ins Bett hinein,
So bricht die Bertha Arm und Bein
Und keins will mir gehorchen.
Man hat recht seine Sorgen!

17. Zwei Mann Einquartirung?
Ei, Lieschen, mach' doch gleich die Streu,
Bring' auch Hafersuppe her,
Denn Soldaten hungern sehr!
Oder sollt den Kriegerlein
Chokolade lieber sein?
Zuckerbretzeln? Biscuit?
Sagt, ihr zwei, wie wär's damit?

18. Puh! Was ist es heut' so kalt!
Hänschen, du erfrierst ja bald.
Steh' nicht so und schau dich um,
Spring recht tüchtig, lauf herum!
Nur immer im Trab, bergauf und bergab,
Und siehst du 'ne Rutschbahn, so geh' nur darauf,
Und wenn du auch hinfällst, du stehst wieder auf.

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3. Notizen zur Illustratorin
Mathilde Coester

Mathilde Coester (Cöster), geb. 1847 in Schmalkalden und gest. 1923 in Kassel, war als Illustratorin und Autorin von Kinderbüchern tätig. Sie lebte bis 1877 und seit 1896 wieder in Kassel. Bei Ries, S. 474f. findet sich eine Auflistung der von ihr illustrierten Werke. Die Texte zum "ABC-Bilderbuch", gezeichnet von Hans Thoma (Mainz: Jos. Scholz, 1905, Digitalisat), schrieben Mathilde Coester-Cassel und Wilhelm Hey.

Literatur:
* Sophie Pataky: Lexikon deutscher Frauen der Feder Bd. 1. Berlin, 1898. Eintrag Mathilde Coester, S. 133.
* Ulrike Eichler: Münchener Bilderbogen (Oberbayerisches Archiv, Bd. 99) München: Verlag des Historischen Vereins von Oberbayern 1974.
* Hans Ries: Illustration und Illustratoren des Kinder- und Jugendbuchs im deutschsprachigen Raum 1871-1914. Osnabrück: Wenner 1992. ISBN 3-87898-329-8

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4. Notizen zu den "Münchener Bilderbüchern"

Der Verlag von populärer Druckgraphik, Braun & Schneider, verwertete die von ihm herausgegebenen beliebten "Münchener Bilderbogen" nochmals in den "Münchener Bilderbüchern," die jeweils mehrere Bilderbogen im Buchformat zu niedrigen Preisen auf den Markt brachten. Notizen zu den "Münchener Bilderbogen," die ─ abgesehen von einzelnen Nummern 1902 bis 1929 ─ von 1848 bis 1898 14-täglich und zusammengeheftet in 50 Bänden herauskamen, finden Sie in der Dokumentation des Goethezeitportals zu Weihnachten 2008.

Das "Verzeichniß der Münchener Bilderbücher", das dem rückwärtigen Buchdeckel der Bände aufgedruckt ist, führt 36 Nummern auf. Die "Kinderwelt" erschien zuerst als Münchener Bilderbogen, Nr. 564 (24. Buch 1871/72), "Aus der Weihnachtszeit" als Nr. 577 (25. Buch 1872/73) (Eichler, S. 104). Das Bilderbuch "Aus der Weihnachtszeit und aus dem Kinderleben. In Bildern und Reimen" firmiert als Nro. 26 der "Münchener Bilderbücher".

Rückseite

Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild.

Literatur:
* Ulrike Eichler: Münchener Bilderbogen (Oberbayerisches Archiv, Bd. 99) München: Verlag des Historischen Vereins von Oberbayern 1974.
* Hans Ries: Illustration und Illustratoren des Kinder- und Jugendbuchs im deutschsprachigen Raum 1871-1914. Osnabrück: Wenner 1992. ISBN 3-87898-329-8
* Eintrag "Münchener Bilderbogen" in Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Münchener_Bilderbogen

Zu den "Münchener Bilderbogen" und den "Münchener Bilderbüchern" siehe auch folgende Seite:
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6908

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 "Stille Nacht, heilige Nacht!" und das Weihnachtsfest (2006)
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=2704

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Oben.
Liebes Christkind, zum Weihnachtsfest erbitte ich mir .........
Adressseite, Signet: WHB im Schild [Wolf Hagelberg AG, Berlin]. Nicht gelaufen.

Unten.
Gruss vom Christkind!
Handschriftlich datiert: 9/12. 97.

Gedruckter Text mit handschriftlichen Ergänzungen: Lieber Eduard, da ich weiß, daß du ein braves und fleißiges Kind bist, so darfst du mir schreiben, was du zum Weihnachtsfest Schönes haben willst. Schreibe es auf die andere Karte. Sei weiter recht brav und fromm, dann erfreust du dein dich herzlich liebendes Christkind Karl.
Verlag von L. Schaller Stuttgart No 9. Adressseite: Poststempel 9.12.97. Gelaufen.

Zum Kunsthaus Schaller in Stuttgart:
"Ludwig Schaller, Inhaber eines Papiergeschäfts, gründete 1860 das Kunsthaus Schaller, in dem er auch Landschaftsfotografien anbot. Schallers Tochter Marie begann 1890, eine eigene Kunstabteilung in dem Familienbetrieb einzurichten. 1913 folgte durch den Kunsthistoriker Hans Otto Schaller ein Erweiterungsbau für Ausstellungen."

Quelle:
http://www.galerie20.smb.museum/kunsthandel/K60.html

 

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5. Rechtlicher Hinweis und Kontaktanschrift

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Kontaktanschrift

Prof. Dr. Georg Jäger
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Deutsche Philologie
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georg.jaeger07@googlemail.com

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