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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Im wunderschönen Monat Mai ...

Pfingstgrüße
Folge I

Eingestellt: April 2015

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Pfingstzeit ist Frühlings- und meist auch Maien-Zeit, ist die Zeit der Ausflüge "ins Grüne", der Volks-, Sänger- und Schützenfeste mit mancherlei Brauchtumspflege und fröhlicher Geselligkeit.

Unsere kleine Auswahl an Pfingstgruß-Karten beschränkt sich auf wenige der seit ca. 100 Jahren populären Motive aus dem weiten ikonographischen Spektrum der Pfingstpostkarten wie: auf Frühlingslandschaften mit blühenden Wiesen und Bäumen - besonders natürlich mit den zartgrünen Birken; auf blumenpflückende junge Frauen, Kinderreigentanz und Vogelkonzert; auf ausschwärmende Maikäfer und einen festlich geschmückten Pfingstochsen; auf Blumengrüße mit Maiglöckchen, Pfingstrosen, Veilchen etc. sowie auf einige Fotopostkarten mit Kindern, jungen Mädchen und Liebespaaren, die im Atelier zwischen meist künstlichen Blumen und Blütenbäumen dekorativ und "liebreizend" posieren.

Die durchwegs die weltlichen Freuden der (arbeitsfreien) Pfingsttage feiernden Postkarten sind zu einem Kranz gewunden mit Gedichten aus der Goethezeit bis ins 20. Jahrhundert, die von den Gefühlen und Befindlichkeiten der Menschen im Wonnemonat Mai künden. Die beigefügten Texte dienen der Information über das religiös-kirchliche Pfingstfest, das Brauchtum und die Empfindungen des in der Natur und die Natur Feiernden.

Pfingsten ist ein christliches Fest, an dem die Ausgießung des Heiligen Geistes an die in Jerusalem versammelten Jünger gefeiert wird, wie es die Apostelgeschichte (2,1-4) berichtet. In der älteren Kunst wird die Herabkunft des Heiligen Geistes in Gestalt einer Taube oder im Bild von Feuerzungen über den Häuptern dargestellt. Mit der Aussendung des Heiligen Geistes, der die Apostel andere Sprachen sprechen und verstehen lässt,  beginnt die Verkündigung der Heilsgeschichte. In den Postkarten findet sich diese christliche Ikonographie nicht, sie gestalten ausschließlich - soweit dies von uns überprüft werden konnte - säkulare Motive, die freilich zuweilen christliche Vorstellungen des Pfingstfestes aufnehmen: Es ist die Natur, die vom Hauch Gottes, vom "Lebensodem" bzw. vom "Pfingstgeist" belebt wird; der Spaziergang in die erblühende Natur, in den "grünen Dom der Wälder," tritt dem Kirchgang an die Seite.

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Pfingstochse

Fröhliche Pfingsten
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(keine weiteren Angaben)

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Der Pfingstochse ist Bestandteil eines heute nur noch vereinzelt gepflegten Brauchtums zum Pfingstsonntag. Das Vieh wird an diesem Tag das erste Mal auf die Weide getrieben und dabei in einer Prozession durch den Ort geführt. Das kräftigste Tier wird mit Blumen, Stroh und Bändern geschmückt und führt als Pfingstochse die Herde an (daher auch die Redensart „geschmückt wie ein Pfingstochse“). Bis ins 19. Jahrhundert gab es auch den Brauch, den Pfingstochsen für das anschließende Pfingstessen zu schlachten, möglicherweise geht dieser Brauch noch auf die Darbringung von Tieropfern zurück.

Wikipedia, Eintrag Pfingstochse:
http://de.wikipedia.org/wiki/Pfingstochse

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Joachim Ringelnatz
Pfingstbestellung
(1932)

Ein Pfingstgedichtchen will heraus
Ins Freie, ins Kühne.
So treibt es mich aus meinem Haus
Ins Neue, ins Grüne.

Wenn sich der Himmel grau bezieht,
Mich stört's nicht im geringsten,
Wer meine weiße Hose sieht,
Der merkt doch: Es ist Pfingsten.

Nun hab ich ein Gedicht gedrückt,
Wie Hühner Eier legen,
Und gehe festlich und geschmückt -
Pfingstochse meinetwegen -
Dem Honorar entgegen.

Quelle:
Joachim Ringelnatz: Sämtliche Gedichte (Diogenes Taschenbuch) Zürich: Diogenes 2005, S. 476f.

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Bilder und Texte

Die Texte folgen in Rechtschreibung und Zeichensetzung der Vorlage. Die Jahreszahl im Titel bezieht sich auf den Erstdruck.

Pfingsten, von dem griechischen Worte Pentecoste abgeleitet, fällt am 50. Tage nach Ostern. Trauernd waren an diesem Tage die Jünger Jesu versammelt und klagten über den Verlust des Herrn. Da wurden sie plötzlich auf eine wunderbare Weise begeistert, traten heraus unter das Volk und verkündigten die neue Lehre, und stifteten so die christliche Kirche. Das Andenken an diese Begebenheit wird seit 305 in der christlichen Kirche festlich gefeiert. Und immer bleibt es für die Christen ein herrliches, erhebendes Fest. Der Geist Gottes wirkt und webt ja sichtbar auch jetzt noch in dieser Jahreszeit. Die frischen Saaten wogen, die ersten Rosen blühen, und auf den Altären der Berge leuchten die grünen Pfingstmaien wie vielverheißende Kerzen. Ein reines, heiteres Gewand trägt die ganze Erde. Und auch die Menschen sind heiter. Denn ist das Gotteshaus geschlossen, und haben sie hingeblickt gläubig und treu auf jene ersten, begeisterten Herolde des göttlichen Wortes: auch ihnen kam dann Kraft und Begeisterung für die Wahrheit. Auch ihre Herzen wurden gewappnet mit dem Schilde des Glaubens, und nach dem Reiche der Freiheit richtet sich muthig das Auge. Darum hinaus in den grünen Dom der Wälder ziehen die Menschen nach beendetem Gottesdienst. Die Bäume rauschen, der Himmel ist blau, die Erde grün, der Pfingstvogel schlägt sein Lied. Wem könnte da Freude und Heiterkeit, wem da der reine Pfingstgeist fehlen?

Quelle:
Damen Conversations Lexikon. Hrsg. von Carl Herloßsohn. Neusatz und Faksimile der 10-bändigen Ausgabe, Leipzig 1834 bis 1838 (Digitale Bibliothek; 118) Berlin: Directmedia 2005, S. 8509 (Bd. 8, S. 188 ff.)

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Fröhliche Pfingsten! Serie Erika

Fröhliche Pfingsten. Verlag E. A. Schwertfeger & Co. AG Berlin

Fröhliche Pfingsten

Fröhliche Pfingsten!

Herzliche Pfingstgrüße. Verlag Moriz & Barschall, Neukölln

1. Bild von oben: Fröhliche Pfingsten! Adressseite, Signet Erika Nr. 2171. Prägedruck.
2. Bild von oben: Fröhliche Pfingsten. Signet EAS im Herz [E. A. Schwertfeger & Co. AG Berlin] Gelaufen. Poststempel 1910.
3. Bild von oben: Fröhliche Pfingsten. Gelaufen. Poststempel 1906. Adressseite ungeteilt.
4. Bild von oben: Fröhliche Pfingsten! Gelaufen. Poststempel 1914.5. Bild von oben: Herzliche Pfingstgrüße. Adressseite, Signet: MBN im Oval [Moriz & Barschall, Neukölln] 5194. Gelaufen. Feldpost 1916.
5. Bild von oben: Herzliche Pfingstgrüße. Adressseite, Signet: MBN im Oval [Moriz & Barschall, Neukölln] 5194. Gelaufen. Feldpost 1916.

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Pfingsten (v. gr. Pentekoste, der 50. Tag), 1) bei den Juden der Schluß des Passah u. hieß Fest der Wochen, weil an demselben sieben Wochen von Ostern an gerechnet um sind, Fest der Erstlinge, weil an demselben Gott die Erstlinge von der Webegarbe geopfert wurden, Fest der Ernte, weil man demselben Gott für die Wohlthaten der Ernte dankte. Es war eines der großen Jahresfeste der Juden, an welchem alle Männer in Jerusalem erschienen, wurde aber nur einen einzigen Tag gefeiert. Die Juden beobachteten dieselben Gebräuche wie am Sabbath. Außerdem opferten sie zwei gesäuerte Brode von Weizenmehl (Erstlinge der Ernte), eines für den Hohenpriester, das andere für die Priesterordnung, zwei einjährige Lämmer, eine Ziege. Nach Einigen wurde dieses Fest auch dem Andenken an die Gesetzgebung auf Sinai geweiht. Die heutigen Juden begehen dasselbe zwei Tage, an welchen jede Arbeit ruht, die Gassen mit Gras bestreuet, Fenster u. Häuser mit Blumen geschmückt u. grüne Kränze auf dem Haupte getragen werden.

2) Das dritte hohe Fest des christlichen Kirchenjahres, zum Andenken an die Ausgießung des Heiligen Geistes am jüdischen P. nach Apostelgeschichte 2, 1–12, zwei auch drei Tage (Pfingstfeiertage) gefeiert. Sichere Spuren der Feier des Pfingstfestes finden sich erst seit dem 4. Jahrh. Aus dem jüdischen P. hervorgegangen, wurde das christliche P., wie dieses, Anfangs auch nur Einen Tag, nach Aufhebung der Quinquagesima aber sieben Tage gefeiert; durch Decret des Constanzer Concils 1094 wurde die Feier auf drei u. in den meisten protestantischen Ländern seit Anfang des 19. Jahrh., wie die anderer großer Feste, auf zwei Tage beschränkt. Da in der alten Kirche P. die dritte feierliche Taufzeit war, so wurde sonst in der Katholischen Kirche am Pfingstsonnabend die Firmung vorgenommen u. hat sich in manchen protestantischen Ländern noch jetzt die Sitte erhalten, an diesem Feste die Katechumenen zu confirmiren. Aus alter Zeit stammen noch mancherlei Pfingstgebräuche, so die Pfingstmaien; wie die Juden am Pfingstfeste den Tempel u. die Synagogen, Straßen u. Häuser mit grünen Zweigen schmückten, u. auch die Germanen das zu dieser Zeit fallende Sommerfest im Mai unter den grünenden Birken mit Tanz u. Ausschmückung ihrer Wohnungen mit jungem Buschwerk feierten, so bepflanzten die ältesten Christen die Gräber der Märtyrer mit grünen Bäumen od. schmückten sie mit grünen Zweigen; dieser Schmuck wurde dann auf die Kirchen übertragen, u. namentlich die früh grünende u. duftende Birke (Maje) gewählt, welche aus den Domanialhölzern verabreicht wurde; seit Anfang des vorigen Jahrh. sind jedoch die Pfingstmaien aus der Kirche verbannt u. nur die Küster erhalten aus dem Kirchenärar od. aus der Forstkasse eine Vergütung für das ihnen dadurch entgangene Emolument; die Aufstellung der Maien vor od. in Häusern, bes. an den Thüren u. den Fenstern, ist aber vielfach geblieben. Wie ferner die Juden ihr P. unter freiem Himmel u. auch die Heiden ihr Maifest mit Tänzen unter Bäumen feierten, so wird auch noch mehrfach in Deutschland von den Landleuten vom zweiten Pfingstfeiertage an drei Tage lang um eine eigens dazu aufgerichtete u. geschmückte Birke od. anderen Baum der Pfingsttanz gehalten; anderwärts werden zu diesen Tänzen besondere Laubhütten (Pfingstlauben) errichtet u. der Tanz unter denselben gehalten. In den Städten hielt im Mittelalter zu dieser Zeit die wehrbare Mannschaft ihre Waffen- u. Schießübungen, Pfingstschießen, woraus die jetzigen Vogel- u. Scheibenschießen hervorgegangen sind. Auch die Zünfte feierten um diese Zeit ihre Feste, u. die Fleischer führten dabei einen mit Blumen u. Bändern behängten Ochsen, Pfingstochs, in Procession unter Musikbegleitung in der Stadt umher u. schlachteten dann denselben, worauf ein Schmaus erfolgte. Auch kommt noch bei Landgemeinden u. bei Zünften das Pfingstbier vor, eine Quantität Bier, welche bei deren Versammlungen in der Pfingstwoche auf Kosten des Gemeinde- od. Zunftseckels getrunken wird; Pfingsthühner, Pfingstkäse, Pfingstkorn, Pfingstlamm, Naturalzins, welcher zu Pfingsten an den Grundherrn abgegeben wird.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon. 4. Auflage 1857–1865. DVD-ROM-Ausgabe, Neusatz und Faksimile (Digitale Bibliothek; 115) Berlin: Directmedia 2005, S. 165373 (Bd. 13, S. 1 ff.)

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Johann Wolfgang von Goethe
Reineke Fuchs
1. Gesang, Eingangsverse

Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen: Es grünten und blühten
Feld und Wald; auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken
Übten ein fröhliches Lied die neu ermunterten Vögel;
Jede Wiese sprosste von Blumen in duftenden Gründen,
Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.

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Herzliche Pfingstgrüße. Verlag Bargsted & Ruhland, HamburgInnigste Pfingstgrüße. Verlag E. A. Schwertfeger & Co. AG Berlin

Herzliche Pfingstgrüße. Verlag Bargsted & Ruhland, Hamburg

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Oben links: Herzliche Pfingstgrüße. Adressseite, Signet: B&R im Quadrat [Bargsted & Ruhland, Hamburg].Beschrieben, aber nicht gelaufen.
Oben rechts: Innigste Pfingstgrüße. Adressseite, Signet: EAS im Herz [E. A. Schwertfeger & Co. AG Berlin] Serie und Nummer überschrieben. Gelaufen. Poststempel 1919(?).
Unten: Herzliche Pfingstgrüße. Adressseite, Signet: B&R im Quadrat [Bargsted & Ruhland, Hamburg]. Nicht gelaufen.

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Wilhelm Busch
Die Birke

Es wächst wohl auf der Heide
Und in des Waldes Raum
Ein Baum zu Nutz und Freude,
Genannt der Birkenbaum.

Die Schuh, daraus geschnitzet,
Sind freundlich von Gestalt.
Wohl dem, der sie besitzet,
Ihm wird der Fuß nicht kalt.

Es ist die weiße Rinde
Zu Tabaksdosen gut,
Als teures Angebinde
Für den, der schnupfen tut.

Man zapfet aus der Birke
Sehr angenehmen Wein,
Man reibt sich, daß es wirke,
Die Glatze damit ein.

Dem Birkenreiserbesen
Gebühret Preis und Ehr;
Das stärkste Kehrichtwesen,
Das treibt er vor sich her.

Von Birken eine Rute,
Gebraucht am rechten Ort,
Befördert oft das Gute
Mehr als das beste Wort.

Und kommt das Fest der Pfingsten,
Dann schmückt mir fein das Haus
Ihr, meine liebsten Jüngsten,
Mit Birkenzweigen aus.

Quelle:
Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky. Großbibliothek (Digitale Bibliothek; 125) Berlin: Directmedia 2005, S. 82282f.

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Fröhliche Pfingsten

Fröhliche PfingstenFröhliche Pfingsten. Ihr Haideblümlein im Tannengrün, / Ihr sollt nicht ungepflückt verblühn. / Ich wind' euch zum Strausse mit sorgsamer Hand, / Und schick' euch den Lieben als Freundschaftspfand. Verlag Martin Schlesinger, Berlin

Fröhliche Pfingsten. Bild von Alfred Mailick

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Oben: Fröhliche Pfingsten. ?ser. P. 705 No. 2693. Gelaufen. Poststempel 1908. Adressseite ungeteilt.
Mitte links: Fröhliche Pfingsten. Gelaufen. Poststempel 1909.
Mitte rechts: Fröhliche Pfingsten. Ihr Haideblümlein im Tannengrün, / Ihr sollt nicht ungepflückt verblühn. / Ich wind' euch zum Strausse mit sorgsamer Hand, / Und schick' euch den Lieben als Freundschaftspfand. M.S.i.B. [Martin Schlesinger, Berlin] Gelaufen. Poststempel 1905. Adressseite ungeteilt.
Unten: Fröhliche Pfingsten. Rechts unten signiert: Mailick. Gesetzlich geschützt Nr. 1065. Erika. Nicht gelaufen. - Alfred Mailick, Zeichner und Illustrator, geb. 1869 in Dresden, wo er auch lebte, Todesdatum unbekannt. Zahlreiche Motive für Postkarten.

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Johann Wolfgang von Goethe
Mailied
(1815)

Zwischen Weizen und Korn,
Zwischen Hecken und Dorn,
Zwischen Bäumen und Gras,
Wo geht's Liebchen?
Sag mir das!

     Fand mein Holdchen
     Nicht daheim;
     Muß das Goldchen
     Draußen sein.
     Grünt und blühet
     Schön der Mai;
     Liebchen ziehet
     Froh und frei.

An dem Felsen beim Fluß,
Wo sie reichte den Kuß,
Jenen ersten, im Gras,
Seh' ich etwas!
Ist sie das?

Quelle:
Johann Wolfgang Goethe, Sämtliche Werke nach Epochen seines Schaffens, Münchner Ausgabe, Bd. 9, München: Carl Hanser 1987, S. 43.

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Matthias Claudius
Im Mai
(1771)

Tausend Blumen um mich her,
     Wie sie lachend stehn!
Adam hat nicht lachender
     Sie am Phrat gesehn.
Hier, die schöne grüne Flur,
Hier, der Wald, und der Waldgesang!
     O Natur, Natur,
     Habe Dank!

Quelle:
Matthias Claudius: Werke in einem Band. München: Winkler Verlag o.J., S. 87.

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Max Dauthendey
Erster Mai

Alle Wiesen keimen,
Alle Vögel reimen,
Kleine Blumen scheinen,
Mädchen in lachendem Schwarm,
Tausend Sonnen warm.

Mai, du machst mich arm,
Ich muß niederknien,
In meine Hände weinen.

Quelle:
Max Dauthendey: Reliquien. Gedichte. Leipzig: Kurt Wolff 1913, S. 85.

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Fröhliche Pfingsten!

Volkslied. Alles neu, macht der Mai, macht die Seele frisch und frei

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Fröhliche Pfingsten. Adressseite: Volkslied. Alles neu, macht der Mai, macht die Seele frisch und frei. Signet: NO in sechszackigem Stern. 20882/4. Nicht gelaufen.

Alles neu macht der Mai,
macht die Seele frisch und frei.
Lasst das Haus, kommt hinaus,
windet einen Strauß!
Rings erglänzet Sonnenschein,
duftend pranget Flur und Hain.
Vogelsang, Hörnerklang
tönt den Wald entlang

Wir durchzieh'n Saaten grün,
Haine, die ergötzend blüh'n,
Waldespracht - neu gemacht
nach des Winters Nacht.
Dort im Schatten an dem Quell
rieselnd munter, silberhell,
klein und Groß ruht im Moos
wie im weichen Schoß

Hier und dort, fort und fort,
wo wir ziehen Ort für Ort,
Alles freut sich der Zeit,
die verjüngt, erneut.
Widerschein der Schöpfung blüht
uns erneuernd im Gemüt.
Alles neu, frisch und frei
Macht der holde Mai

Das Lied stammt von Hermann Adam von Kamp, geboren am 15. September 1796 in Ruhrort. War von 1814 bis zu seinem Tode am 26. November 1867 Lehrer in Mülheim/R. Siehe den Eintrag im "Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren 1750 bis 1950". URL:
http://www.lwl.org/literaturkommission/alex/index.php?id=00000002

Text und Noten:
* Otto Holzapfel: Liedverzeichnis. Die ältere deutschsprachige, populäre Liedüberlieferung. Hildesheim: Georg Olms 2006, S. 75. ISBN 3-487-13101-3
* Volksliederarchiv:
http://www.volksliederarchiv.de/text1465.html
* Lieder Archiv:
http://www.lieder-archiv.de/alles_neu_macht_der_mai-notenblatt_300052.html

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Hoffmann von Fallersleben
Tanzlied im Mai
(1835)

Zum Reigen herbei
Im fröhlichen Mai!
Mit Blüthen und Zweigen
Bekränzt euch zum Reigen!
Im fröhlichen Mai
Zum Reigen herbei!

Zum Reigen herbei!
Mit Jubelgeschrei
Die Vögel sich schwingen,
Sie rufen und singen
Mit Jubelgeschrei:
Zum Reigen herbei!

Juchheißa juchhei!
Wie schön ist der Mai!
Wir haben's vernommen,
Wir kommen, wir kommen.
Wie schön ist der Mai!
Juchheißa juchhei!

Quelle:
Hoffmann von Fallersleben: Gedichte. 9. Aufl. Berlin: Grote'sche Verlagsbuchhandlung 1887, S. 201. Vgl. auch die Seite "Hoffmann von Fallersleben (Leben und Werk)", URL:
http://www.von-fallersleben.de/text640.html

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Fröhliche Pfingsten!Fröhliche Pfingsten!

Pfingstkarte. Farbenlichtdruck von Martin Rommel & Co., Hofkunstanstalt, Stuttgart

Herzlichen Pfingstgruß

Fröhliche Pfingsten!Herzlichen Pfingsgruß. Serie Erika

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1. Bild von oben: Fröhliche Pfingsten. Keine weiteren Angaben. Nicht gelaufen. Prägedruck.
2. Bild von oben: Fröhliche Pfingsten! Adressseite: 5476. Gelaufen. Poststempel 1916.
3. Bild von oben: [Ohne Titel] Adressseite: Farbenlichtdruck v. Martin Rommel & Co., Hofkunstanstalt, Stuttgart 627. Gesetzlich geschützt. Gelaufen. Poststempel 1917.
4. Bild von oben: Herzlichen Pfingstgruß. Adressseite, Signet: SB im Kreis, im Dreieck. 2415. Gelaufen. Poststempel 1918.
5. Bild von oben: Fröhliche Pfingsten. Gelaufen. Poststempel 1941.
6. Bild von oben: Herzlichen Pfingstgruß. Adressseite, Signet: Erika Nr. 5526. Gelaufen. Poststempel 1918.

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Maikäfer (Scarabaeus melolontha L., Melolontha vulgaris Fabr., M. majalis), Art der Laufkäfer, Flügel rothbraun, Leib schwarz, mit weißen Einschnitten am Unterleibe u. schwarzem Halsschild (die mit rothem Halsschild, welche in sandigem Boden entstehen sollen u. kleiner sind als die mit schwarzem Halsschild, nennt man Türkische M., M. hippocastani), u. mit einer abwärts gekrümmten Spitze; richtet im April u. Mai an dem ausbrechenden jungen Laube der Bäume, bes. der Eichen, Buchen, Pappeln, Lärchen, großen Schaden an, schläft am Tage, schwärmt unter lautem Summen nach Sonnenuntergang u. frißt bis es Tag wird, begattet sich Mitte Mai's u. dauert mit wenig Ausnahme nur durch den Mai. Das Weibchen (kenntlich an der Fühlerkolbe, die bei ihm kleiner u. nur sechsblättrig, beim Männchen aber siebenblättrig u. größer ist) kriecht nach der Befruchtung in die Erde, legt die Eier ab, kriecht wieder heraus u. stirbt mit den übrigen. Aus den Eiern kriechen die Larven (Engerlinge) bald aus; diese leben in der Schweiz u. Südeuropa 3, in Deutschland 4 Jahre unter der Erde, werden bis zu 1/2 Zoll dick u. 11/2 Zoll lang, sind gelblichweiß, mit kastanienbraunem Kopfe u., durch die durchschimmernde Nahrung bläulichem Hinterleibe, schlafen des Winters einige Fuß tief unter der Erde, fressen in den übrigen Zeiten die Wurzeln der Pflanzen ab, verpuppen sich zu Ende des 3. od. 4. Jahres, überwintern als Puppen, kriechen oft schon im Januar aus, sind aber noch ganz weich, bis sie aus der Erde (Ende April od. Anfangs Mai) vollkommen hervorkriechen. Dies ist Ursache, daß in der Schweiz u. Südeuropa je das 3. u. in Deutschland je das 4. Jahr eine große Anzahl Käfer erscheint, wenn nicht Witterungsverhältnisse ihr Aufkommen verhindern.

Die Schädlichkeit der M., welche zu Millionen erscheinen, ist über u. unter der Erde bedeutend (weshalb auch die Engerlinge im Jahre 1479 vor das geistliche Gericht nach Lausanne beschieden, ihnen zwar ein Defensor zugestanden, sie jedoch in den Bann gethan wurden), aber auch viel vergrößert worden. Als Mittel gegen die M. hat man das Schütteln der Bäume, gegen die Larven das Übermergeln, Überwässern, Düngen mit Salz, Asche u. dergl. empfohlen; auch gibt es viele Thiere, wie Krähen, Elstern, Hausgeflügel etc., welche die Käfer u. Larven gern fressen. Ehedem wurden sie, nach abgenommenen Köpfen, in Öl u. Honig aufbewahrt, als Arzneimittel gebraucht, u. auch noch jetzt findet man sie in manchen Apotheken in Zucker gesotten. Man hat die Maikäfer auch zu einer kräftigen Suppe empfohlen. Diese Suppe wird wie Krebssuppe zubereitet. Die Käfer, von denen man 30 Stück auf eine Portion rechnet, werden gewaschen, ganz in einem Mörser zerstoßen, in heißer Butter hart geröstet u. in Fleischbrühe aufgekocht; fein durchgeseiht u. über geröstete Semmelschnitten angerichtet. Auch braucht man sie zu einer feinen braunen Farbe, indem man ihnen das Bruststück abreißt, den aus einem kleinen Kanal dringenden Saft mit einem Pinsel auffängt, in eine Muschel streicht u. eintrocknen läßt. Durch Ausbraten der M. in eisernen od. irdenen Gefäßen, welche am untern Ende mit Ausflußöffnungen versehen sind, erhält man das Maikäferöl, welches als Wagenschmiere zu gebrauchen ist. Auch hat man die M. zur Gasbereitung verwendet. Die rückständige Kohle (1 1/2 Kubikfuß) ist schwarz, etwas metallisch glänzend u. kann als Klärmittel benutzt werden. Mit Pottasche u. Eisenhammerschlag geglüht, erhält man eine gute Blutlauge, welche auch als Hornkohle zur Bereitung von Berlinerblau dient.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon. 4. Auflage 1857–1865. DVD-ROM-Ausgabe, Neusatz und Faksimile (Digitale Bibliothek; 115) Berlin: Directmedia 2005, S. 135153 (Bd. 10, S. 729 ff.)

Zum geistlichen Gericht gegen die Würmer 1479: "Frickard, Doctor der Rechte und Stadtschreiber zu Bern, hatte den abergläubischen Einfall, daß er mit dem Bischof zu Lausanne die Inger, eine Art Würmer, vor das geistliche Gericht vorlud. Den Würmern gab man einen Sachwalter. Nach angehörter Klage und Antwort, fällte der Bischof den Spruch: Die Würmer sind Zerstörer des Getraydes und Grases, als solche erklären wir sie in den Bann und verweisen sie von unsern Feldern und Wiesen." (Leonhard Meisters Helvetische Galerie großer Männer und Thaten für die vaterländische Jugend. Zürich: David Bürkli 1786, S. 58. Digitalisierung durch Google.)

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Richard Dehmel
Käferlied

Maiker, Maiker, surr,
bleib schön sitzen, burr!
Breite deine Fühler aus,
mach zwei kleine Fächer draus,
schwing sie kreuz und quer,
zähle mir was her!
Zähle, ich will mit dir zählen,
wieviel noch Minuten fehlen,
bis Herr Heuschreck wuppt
und mir auf die Nase huppt.
Maikäber, Maiker,
sonst holt dich der Deiker!

Quelle:
Richard Dehmel: Gesammelte Werke in drei Bänden. Bd. 2. Berlin: S. Fischer 1916, S.305f. - Deiker = Teufel.

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Hoffmann von Fallersleben
Die drei Maikäfer

Drei Maikäfer kamen zusammen
Und sprachen allerhand:
Sie fühlten sich gar nicht zufrieden,
Brumm brumm summ summ summ, zufrieden,
Sie wollten sich machen bekannt
Mit einem besseren Land.

Da sprach dann der älteste Käfer:
Wohl möcht' ich über'n Rhein!
Doch drüben im herrlichen Frankreich,
Brumm brumm summ summ summ, ja Frankreich;
Da macht man in Zucker uns ein,
Uns arme Käferlein.

Da meinte der zweite von ihnen:
In Ungarn wär's gut sein,
Doch wirft man uns dort vor die Schweine,
Brumm brumm summ summ summ, die Schweine,
Wir lebten in ewiger Pein,
Wir arme Käferlein.

Ich find' es am besten in Deutschland,
So sprach der dritte drein,
Fängt hier uns kein Spatz oder Bube,
So können wir herrlich gedeihn,
Wir arme Käferlein.

    Da fingen sie an zu schnurren
    Gar manche Melodei:
    Wir bleiben, wir bleiben in Deutschland,
    Brumm brumm summ summ summ, in Deutschland,
    Da leben wir lustig und frei,
    Juchhe, juchhe, juchhei!

Quelle:
Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky. Großbibliothek (Digitale Bibliothek; 125) Berlin: Directmedia 2005, S. 264966.

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Fröhliche Pfingsten

Fröhliche PfingstenFröhliche Pfingsten
Fröhliche PfingstenHerzliche Pfingstgrüße! Verlag Bargsted & Ruhland, Hamburg

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Oben: Fröhliche Pfingsten. Keine weiteren Angaben. Beschrieben, aber nicht gelaufen. Prägedruck. Adressseite ungeteilt.
Mitte links: Fröhliche Pfingsten. ARS 7932. Adressseite: Imprimé en France. Beschrieben, aber nicht gelaufen.
Mitte rechts: Fröhliche Pfingsten. Adressseite: Serie 44 | II. Nicht gelaufen.
Unten links: Fröhliche Pfingsten! [handschriftlich:] mit Schön Wetter! Gelaufen. Poststempel unleserlich. Prägedruck.
Unten rechts: Herzliche Pfingstgrüße! Signet: B&R im Quadrat [Bargsted & Ruhland, Hamburg] Gelaufen. Feldpostkarte. Poststempel 1918.

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Otto Julius Bierbaum
Pfingsten

Zwischen Tulpenflammen und Narzissen
Springen unter schweren Fliederbüschen
Kleine Mädchen losen Haars im Garten.
Lerne, Herz! Die kleinen Mädchen wissen
Mehr vom Glück, als du; mit ihrem Springen
Loben sie den heiligen Geist der Pfingsten
Zwischen Tulpenflammen und Narzissen.

Denn der heilige Geist ist ausgegossen
In den glutenbunten Tulpenflammen,
Und er heißt: Seid fröhlich, Menschenkinder!
Jede Blume, glorienumflossen,
Ist, dem Haupt Mariens gleich, ein Abbild
Milder, tiefer, süßer Gottesliebe ...
Denn der heilige Geist ist ausgegossen.

Quelle:
Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky. Großbibliothek (Digitale Bibliothek; 125) Berlin: Directmedia 2005, S. 52391.

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Peter Altenberg
Leontodon
(1919)

Der »erste Mai« steht im Zeichen des »goldgelben Löwenzahn«, Leontodon taraxacum! Auf allen Rasenplätzen in den noch verlassen dastehenden Villengärten Löwenzahn! Auf den freien Wiesen Löwenzahn, am Waldesrande Löwenzahn. Hellgrün mit goldgelb gesprenkelt ist alles. Niemand pflückt ihn, denn er läßt einen weißen Saft in den Stengeln. Ein Unkraut, das sich beschützt, wozu?! Ein süßes Mäderl mit einer lila Seiden-Bauernhaube hielt einen ganzen Strauß davon im Händchen. Das muß eine nette Kinderfrau sein, die das erlaubt. Wahrscheinlich hat sie gesagt: »No wart', du unfolgsames Mädi, das weiße Gift wird dich schon brennen!« An der braunen endlosen Tiergartenmauer blüht Löwenzahn; Löwenzahn ist die Marke des »ersten Mai«. Sie werden sagen, wieder etwas Apartes, für alle anderen ist es der Flieder, diese lila duftende Wunderstaude. Ja, aber das merken alle, es steigt ihnen aufdringlich in die Nase, in die Augen, er ist akkreditiert und besungen und läßt keinen giftigen weißen Milchsaft, und Gärtner, Hausmeister und Polizei mischen sich drein, wenn man ihn pflückt. Wer aber mischt sich beim Löwenzahn drein?! No, wer sich immer in solche Sachen dreinmischt, der Dichter!

Quelle:
Peter Altenberg: Mein Lebensabend. Berlin: S. Fischer 1919, S. 56.

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Fröhliche Pfingsten. Volksliedmelodie von "Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus"

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Fröhliche Pfingsten. Auf der Tafel steht die Volksliedmelodie von "Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus". Adressseite, Signet: HWB [Herm. Wolff, Berlin] Ser. 2565. Feldpost. Poststempel 1917.

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,
da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zuhaus;
wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,
so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.

Herr Vater, Frau Mutter, dass Gott euch behüt!
Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht?
Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert,
es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.

Frisch auf drum, frisch auf drum im hellen Sonnenstrahl
wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal.
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all;
mein Herz ist wie ’ne Lerche und stimmet ein mit Schall.

Und abends im Städtlein, da kehr ich durstig ein:
"Herr Wirt, eine Kanne, eine Kanne blanken Wein!"
Ergreife die Fiedel, du lust’ger Spielmann du,
von meinem Schatz das Liedel, das sing ich dazu.

Und find ich keine Herberg, so lieg ich zu Nacht
wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht.
Im Winde die Linde, die rauscht mich ein gemach,
es küsset in der Frühe das Morgenrot mich wach.

O Wandern, o wandern, du freie Burschenlust!
Da weht Gottes Odem so frisch in die Brust,
da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
wie bist du doch so schön, du weite, weite Welt!

Text: Emanuel Geibel, 1834; Melodie: Justus Wilhelm Lyra (1822-1882) nach einer Volksweise. Das Lied war in Preußen vor dem ersten Weltkrieg für den Schulunterricht in der fünften Klasse vorgeschrieben.

Text und Melodie:
* Otto Holzapfel: Liedverzeichnis. Die ältere deutschsprachige, populäre Liedüberlieferung. Hildesheim: Georg Olms 2006, S. 257. ISBN 3-487-13101-3
* Volksliederarchiv
http://www.volksliederarchiv.de/text501.html

Siehe auch den Eintrag in Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Mai_ist_gekommen

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Wilhelm Arent
Thaufrischer Mai
(1882)

Aus der Gassen wüstem Lärmgedränge,
Aus der Großstadt staubig-dumpfer Enge
Wall' ich wonnigfroh zu dir, Natur!
Tausend Träume trunken mich umweben,
Ueber mir die Lerchen jubelnd schweben,
Jauchzend wandle ich der Sonne Spur.
Und ein Meer von süßen Melodien
Fühl' ich wogend mir im Busen glühen!
Meine Seele athmet seligfrei:
Plötzlich stirbt der Sinne Gluthverlangen,
 Gottes ewiger Hauch hat mich umfangen,
Frieden spendest du, thaufrischer Mai.

Quelle:
Wilhelm Arent (Hrsg.): Moderne Dichtercharaktere. Leipzig: Wilhelm Friedrich [1885], S. 6. Digitalisat:
http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/arent_dichtercharaktere_1885?p=7

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Franz Grillparzer
Für ein sechzehnjähriges Mädchen
(1844)

Jetzt im Mai schreib ich dir dieses,
Und du selber bist im Mai;
Flattre, bunter Sommervogel,
Sonnenwend' ist bald vorbei.
Und dann geht's an ein Verpuppen,
Spinnen, Weifen - Nest und Ei,
Ehstandsfreuden, Krankensuppen -
Flattre! denn noch ist der Mai.

Quelle:
Grillparzers sämtliche Werke. Vollständige Ausgabe in 16 Bänden. Hrsg. von Moritz Necker. Bd. 2. Leipzig: Max Hesse 1903, S. 99.

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Fröhliche Pfingsten!

Fröhliche Pfingsten! Verlag E. A. Schwerdtfeger & Co. AG BerlinFröhliche Pfingsten. Verlag E. A. Schwerdtfeger & Co. AG Berlin
Herzliche PfingstgrüßeGlückliche Pfingsten. Verlag Paul Fink, Berlin

Fröhliche Pfingsten

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1. Bild von oben: Fröhliche Pfingsten! Signet: PH. 895-3 Adressseite: Papier Radium Brom.Gelaufen. Poststempel 1906.
2. Bild von oben:  Fröhliche Pfingsten! Signet: EAS im Herz [E. A. Schwerdtfeger & Co. AG Berlin] 3291/1. Gelaufen. Feldpost. Poststempel 1915.
3. Bild von oben: Fröhliche Pfingsten. Signet: EAS im Herz [E. A. Schwerdtfeger & Co. AG Berlin] 3291/6. Gelaufen. Poststempel 1917.
4. Bild von oben: Herzliche Pfingstgrüße. Signet: BB? in drei Ringen. 177/3. Beschrieben, aber nicht gelaufen.
5. Bild von oben: Glückliche Pfingsten. Signet: PFB in Raute [Paul Fink, Berlin] 475/1. Gelaufen. Poststempel unleserlich.
6. Bild von oben: Fröhliche Pfingsten. Signet: LL. 348/3. Gelaufen. Datiert u. Poststempel 1908.

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Ernst Moritz Arndt
Laß klingen
(1809)

Ich singe ein Liedel, juchheisa! juchhei!
Es säuseln die Lüfte, es locket der Mai,
Die Quellen, sie rieseln mit lustigem Klang,
Die Bäche, sie spielen und flöten Gesang.

O liebliche Rosen, o Lilien weiß!
O dürfte ich singen die Lust, die ich weiß!
O dürfte ich klingen, was süß und was weh
Im Busen sich regt, das ich selbst nicht versteh'?

Vergebliche Sorge, du schelmisches Kind,
Du haschest das Lüftchen, du fesselst den Wind,
Du zählest die Blätter im Frühlingsgebüsch,
Du trägest in Netzen die Weine zu Tisch.

Laß klingen, was klinget, laß wehen, was weht,
Du weißt nicht von wannen, wohin's mit dir geht.
Der Vogel muß singen, das Lüftchen muß wehn,
Doch frage nicht, ob sie die Klänge verstehn.

Quelle:
Arndts Werke. Auswahl in zwölf Teilen. Tl. I. Gedichte. Hrsg. von August Leffson. Berlin: Deutsches Verlagshaus Bong & Co. [1912], S. 67.

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Hoffmann von Fallersleben
Tanzlied im Mai

Juchheißa juchhei!
Wie schön ist der Mai!
Die Vögel sich schwingen,
Sie jubeln und singen;
Es hallet und schallt
Im Feld und im Wald:
     La la la.

Juchheißa juchhei!
Wie schön ist der Mai!
Es grünen die Wälder,
Es blühen die Felder,
Es webet die Luft
Von lieblichem Duft.
     La la la.

Juchheißa juchhei!
Wie schön ist der Mai!
So lasset uns springen
Und scherzen und singen!
Zum Reigen herbei!
Wie schön ist der Mai!
     La la la.

Quelle:
Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky. Großbibliothek (Digitale Bibliothek; 125) Berlin: Directmedia 2005, S. 264923.

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Fröhliche Pfingsten. Verlag Gustav Liersch & Co. BerlinHerzlichste Pfingstgrüße. Verlag Neue Photographische Gesellschaft AG Berlin-Steglitz
Herzliche Pfingstgrüße. Verlag Gustav Liersch & Co. BerlinFröhliche Pfingsten. Rotophot AG, Berlin
Fröhliche Pfingsten. Rotophot AG, BerlinHerzliche Pfingstgrüße. Verlag E. A. Schwerdtfeger & Co. AG Berlin

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Oben links: Fröhliche Pfingsten. Signet: GLCo. [Gustav Liersch & Co. Berlin] 4339/4. Poststempel 1914.
Oben rechts: Herzlichste Pfingstgrüße. Signet: NPG im Kreis [Neue Photographische Gesellschaft AG Berlin-Steglitz] 235/4. Adressseite, im Briefmarkenfeld: NBC mit Strahlensonne im Dreieck [Neue Bromsilber Convention] Beschrieben, aber nicht gelaufen.
Mitte links: Herzliche Pfingstgrüße. Signet: GLCo. [Gustav Liersch & Co. Berlin] 6127/4. Gelaufen. Datiert u. Poststempel 1918.
Mitte rechts: Fröhliche Pfingsten. Signet: RPH im Kreis [Rotophot AG, Berlin] 3365/6. Gelaufen. Poststempel unleserlich.
Unten links: Fröhliche Pfingsten. Signet: RPH im Kreis [Rotophot AG, Berlin] 2852/4. Gelaufen. Poststempel unleserlich.
Unten rechts: Herzliche Pfingstgrüße. Signet: EAS im Herz [E. A. Schwerdtfeger & Co. AG Berlin] 1229/4. Feldpost. Datiert u. Poststempel 1916.

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Aloys Blumauer
Dem Fräulein L ***
Im Mai 1783

Wiesen, Auen grünen wieder,
     Blümchen prangen auf der Flur,
Und es tönen Finkenlieder,
     Neu erwacht ist die Natur.

Auf zu frohen, schönen Trieben
     Fühlt bewegt sich jede Brust,
Nur zu jubeln und zu lieben
     Sei für uns die größte Lust.

Jetzo nun von deinen Lippen,
     Die sich blähen, frisch und voll,
Küsse rauben – nicht zu nippen,
     Wie's die Gluth gebiethen soll.

Hin an deine Brust zu sinken,
     Die sich über's Mieder drängt,
Wollust aus dem Blick zu trinken,
     An dem liebend mein Herz hängt.

Und so sollen alle Tage
     Lieblich wie der Mai vergeh'n,
Ohne Schmerz und ohne Plage
     Uns're Liebe stets besteh'n.

Quelle:
Aloys Blumauer: Gesammelte Werke. 3. Teil. Stuttgart: J. Scheible 1841, S. 188.

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Johann Gaudenz von Salis-Seewis
1. Mailied
Den 28. Mai 1782

Ringsum ist alles neu belebt!
Es glänzt das bunte Thal;
Am Hügel, durch die Fichten bebt
Der goldnen Sonne Strahl;
Und lauter Jubel der Natur
Steigt hoch empor von grüner Flur!

Belaubt ist schon der Blütenbaum,
Und dämmernd die Allee;
Und silbern blinkt der Quelle Schaum;
Und golden ruht der See;
Der Lerche Lied, der Wachtel Schlag,
Begrüßt den schönsten Frühlingstag.

Aus vollgeschwollnen Knospen dringt
Manch Blümchen gelb und blau;
Auf roten Pfirsichblüten blinkt,
Wie Perlen, heller Tau,
Und süßer Hyazinthen Duft
Durchwürzt die reine Frühlingsluft.

Auf grünem Weizenfelde bebt
Des Äthers Silberglanz;
Um jedes zarte Gräschen schwebt
Ein Mückenheer im Tanz;
Laut plätschern, unterm Erlendach,
Forellen in dem Kieselbach.

Kein leichtes, graues Wölkchen wallt
Im dunklen Himmelblau;
Und Nachtigallenlied durchschallt,
Laut wirbelnd, Busch und Au'!
Ich will hinaus; auf grüner Flur
Mich freu'n der prächtigen Natur!

 

Quelle:
Johann Gaudenz von Salis-Seewis: Gedichte. Berliner Ausgabe. North Charleston, USA: CreateSpace Independent Publishing Platform 2013, S. 71.

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Heinrich Heine
Buch der Lieder
Lyrisches Intermezzo

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen,
Da hab ich ihr gestanden
Mein Sehnen und Verlangen.

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Innige Pfingstgrüße. Verlag Regel & Krug, Leipzig-ReudnitzDie besten Grüsse zu Pfingsten. Neue Photographische Gesellschaft AG Berlin-Steglitz

Innigste Pfingstgrüße. Verlag E. A. Schwerdtfeger & Co. AG Berlin

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Oben links: Innige Pfingstgrüße. Signet: R&KL im Halbkreis mit Strahlen [Regel & Krug, Leipzig-Reudnitz] 6197/3. Gelaufen. Poststempel 1919.
Oben rechts: Die besten Grüsse zu Pfingsten. Signet: NPG im Kreis [Neue Photographische Gesellschaft AG Berlin-Steglitz] 587/5. Gelaufen. Poststempel 1921.
Unten: Innigste Pfingsgrüße. Signet: EAS im Herz [E. A. Schwerdtfeger & Co. AG Berlin] 05451/4. Gelaufen. Poststempel 1920.

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Friedrich von Hagedorn
Der erste May

Der erste Tag im Monat May
Ist mir der glücklichste von allen.
Dich sah ich, und gestand dir frey,
Den ersten Tag im Monat May,
Daß dir mein Herz ergeben sey.
Wenn mein Geständniß dir gefallen,
So ist der erste Tag im May
Für mich der glücklichste von allen.

Quelle:
Des Herrn Friedrich von Hagedorn sämmtliche Poetische Werke. Dritter Theil. Hamburg, bey Johann Carl Bohn 1771, S. 85f. Anmerkung: "Dieses Triolet ist durch ein französisches veranlasset worden, welches den Ranchin zum Verfasser hat: Le premier jour du mois de Mai ...". (Digitalisiert durch Google)

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Siehe auch Folge II
Der Pfingstausflug
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6849

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Literaturhinweise

* Glückwünsche auf Postkarten. Altonaer Museum in Hamburg 1978. Pfingstpostkarten Nr. 166-200.
* Otto May: Pfingsten, liebliches Fest ...? Pfingstpostkarten in Deutschland 1897-1945. Begleitheft zur Ausstellung im Kloster Marienrode. Tharax Verlag im Verlag Franzbecker, Hildesheim, Berlin 2008. ISBN 978-3-88120-901-4
* Peter Leuter: Frohe Pfingsten. In: Ak-Express, Nummer 131, 2009, S. 4-13.
* Fritz Franz Vogel: Kitsch per Post. Das süße Leben auf Bromsilberkarten von 1895 bis 1920. Köln: Böhlau Köln 2014, Pfingstkarten S. 311f. ISBN: 978-3-412-22432-5

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