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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger
Weihnachten 2013

Eine Weihnachtsgabe

Paul Thumann, Für Mutter und Kind

Paul Thumann, Für Mutter und Kind

Gott grüß euch, liebe Kinderlein,
Ihr sollt Vater und Mutter gehorsam sein,
So soll euch was Schönes bescheeret sein;
Wenn ihr aber das nicht thut,
So bring ich euch den Stecken und die Ruth'!

Paul Thumann, Für Mutter und Kind, Nikolaus

Paul Thumann, Für Mutter und Kind

Christkindele, Christkindele,
Komm doch zu uns herein!
Wir haben e Heubündele
Und auch e Gläsele Wein;
Das Bündele für's Esele,
Für's Kindele das Gläsele,
Und beten können wir auch.

Paul Thumann, Für Mutter und Kind

Paul Thumann, Für Mutter und Kind

              A. B. C.
Die Katze lief in'n Schnee;
Als sie wieder heraus kam
Hat sie weiße Hosen an.
             A. B. C.
Die Katze lief zur Höh,
Sie leckt ihr weißes Pfötchen rein
Und ging nicht mehr in'n Schnee
.

Paul Thumann, Für Mutter und Kind

Vorlage:
Für Mutter und Kind. Alte Reime. mit neuen Bildern von Paul Thumann. 2. Auflage. München, Theodor Stroefer's Kunstverlag (1881). Chromo-Zinkographie von Fr. Wolf. In Farben gedruckt von Dr. C. Wolf & Sohn, Kgl. Hof- und Universitäts-Buchdruckerei München. Höhe: 28, Breite: 20,8 cm (Außenmaße).

Das ganze Bilderbuch finden Sie im Goethezeitportal.
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6669

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Adolf Oberländer
Der ungenügsame Fritz

Zu den idyllischen Bildern Paul Thumanns ist "Der ungenügsame Fritz", ein Münchner Bilderbogen Adolf Oberländers, ein pointierter Kontrast. Der unersättliche Lümmel wünscht sich die Belebung seiner vielen Weihnachtsgaben: Schaukelpferd, Schachtelteufel, Militärfiguren, Nussknacker, Bär, Pelzmärtel, die er unwirrsch zu Boden wirft. Eine Fee erfüllt Fritzens Wunsch, die Gaben werden als Riesenfiguren lebendig, bedrohen und attackieren den Knaben. Aus dem Inferno errettet ihn der Pelzmärtel. Schließlich beendet die Fee den Albtraum: Fritz hat seine Lektion gelernt.

Adolf Oberländer, Der ungenügsame Fritz, Münchener Bilderbogen

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Was auch das Christkind hat beschert,
Der Fritz doch immer Mehr begehrt;
Jetzt bildet er sich gar noch ein,
Das Alles sollt' lebendig sein:

Pelzmärtel, Nußknack, Springauf, Bär,
Das Wiegenpferd, das Militär,
- Artillerie, wie Infant'rie, -
Wie herrlich wär' das, lebten sie!


Wie Fritz so steht voll Ach und Weh',
Da kömmt auf Einmal eine Fee,
Und spricht: "Dein Wille soll gescheh'n,
Und pünktlich in Erfüllung geh'n!"

Adolf Oberländer, Der ungenügsame Fritz, Münchener Bilderbogen

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Und allsogleich, wie Fritz begehrt,
Lebendig wird das Wiegenpferd,
Schlägt wild nach vorn' und hinten aus
Und stößt zwei Fensterscheiben 'naus.
Aufspringt der Springauf mit Gezisch',

Nußknacker wackelt her vom Tisch,
Beißt in den Finger ihn hinein,
Daß Fritz aufschreit vor Schmerz und Pein.
Mit wildem Brummen tappt der Bär
Jetzt nah und näher zu ihm her,

Faßt mit den Tatzen scharf ihn an, -
- O Fritz, nun ist's um Dich gethan!
Pelzmärtel kommt zum Glück herbei,
- Er sieht, daß höchste Zeit es sei,
Und haut, den Fritz noch zu befrei'n,

Mit seiner Ruthe tüchtig d'rein.
Doch kaum entrinnt er dieser Noth,
Droht ihm auf's Neu' ein sich'rer Tod:
Anstürmt auf ihn die Infant'rie,
Und Feuer gibt die Artillerie.

Adolf Oberländer, Der ungenügsame Fritz, Münchener Bilderbogen

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Da hat der Fritz nichts mehr begehrt,
Und wirft sich nieder auf die Erd'
So lang er ist und denkt: Ich war
Doch recht ein dummer Junge gar!

Und sieh, da kommt die Zauberin,
- Denn sonst wär' es gescheh'n um ihn, -
Und hebt den Zauberstab empor,
Und Alles wird, wie's war zuvor.

Fritz aber nimmt sich Das zur Lehr',
Wünscht jetzt genügsam nie sich mehr,
Als was das Christkind ihm beschert,
Und tummelt froh sein Wiegenpferd.

Vorlage:
Adolf Oberländer: Der ungenügsame Fritz. Münchener Bilderbogen. Nro. 702. Herausgegeben und verlegt von Braun & Schneider in München. Kgl. Hof- und Universitäts-Buchdruckerei von Dr. C. Wolf & Sohn in München. - Aus dem 30. Buch 1877/78.

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Notiz zu Adolf Oberländer

Oberländer, Adolf, Zeichner (Humorist) und Maler, * 1. 10. 1845 Regensburg, † 29. 5. 1923 München. Schüler der Münchner Akademie (unter Hermann Anschütz und Karl Piloty). Seit 1863 ständiger und binnen kurzem populärster Zeichner der „Fliegenden Blätter“, für die er bis zu seinem Tode tätig war und viele Hunderte von Zeichnungen schuf. Seit 1869 auch Zeichner für die „Münchner Bilderbogen“. Neben Wilhelm Busch der bedeutendste deutsche Humorist der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, von unerschöpflicher Fruchtbarkeit der Phantasie und großer stofflicher Vielseitigkeit. Am bekanntesten durch seine anthropomorphischen Tierzeichnungen. Hinter der zeichnerischen trat Oberländer malerische Tätigkeit zurück; nur in der Frühzeit und dann erst wieder seit ca. 1904 pflegte er eifriger die Malerei. Seine sorgfältig und liebevoll gemalten Bildchen behandeln einen ähnlichen Themenkreis wie seine Zeichnungen. (Thieme-Becker, großenteils wörtlich übernommen)

Siehe auch den Eintrag in Wikipedia. URL:
http://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Oberländer

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Notizen zum Münchener Bilderbogen

Der Künstler Kaspar Braun (1807-1877) und der Buchhändler Friedrich Schneider (1815-1864) brachten 1844 als erstes Verlagsprodukt den Bilderbogen "Der erste Bock" zur Bockbierzeit heraus. Der Münchner Verlag, dem eine "Anstalt für Holzschneidekunst" angeschlossen war, "machte den Humor zu seinem Spezialgebiet" (Eichler, S.9). Die "Fliegenden Blätter" wurden hier seit 1844 herausgegeben; 1865 kam Wilhelm Buschs Best- und Longseller "Max und Moritz" auf den Markt.

Die "Münchener Bilderbogen" erschienen als Einzelblätter 14tägig, zu jedem zweiten Wochenende, von 1848 bis 1898 in insgesamt 1200 Nummern, die zu 50 Büchern zusammengefasst wurden. Die im Holzstich hergestellten Bilderbogen waren in Schwarz-Weiß und in Schablonenkolorierung erhältlich und für breiteste Kreise erschwinglich. Die weite Verbreitung erhellt aus den Auflagenzahlen; die durchschnittliche Höhe der Erstauflage betrug Mitte der 60er Jahre 10.000 bis 12.000 Exemplare (Eichler, S.38). 1860, in einem einzigen Jahr also, brachten Braun & Schneider 447.500 Erst- und Neuauflagen heraus. (Eichler, S.39)

Braun und Schneider reussierten mit >künstlerischen< Bilderbogen, "die von akademisch geschulten Illustratoren entworfen wie auch signiert wurden" (Eichler, S.12). Die Reihe war jedoch "ein vorwiegend kommerzielles Unternehmen" (Eichler, S.15), bei dem künstlerische und volksbildende Interessen hinter ökonomischen Erwägungen zurück traten. Da die Künstler ihre Verwertungsrechte gegen eine einmalige Abfindung abtraten, konnte der Verlag die zeichnerischen Entwürfe für andere Unternehmen vielfältig nutzen. Unter den insgesamt 138 Künstlern, die an den "Münchener Bilderbogen" mitarbeiteten, sind Wilhelm Busch (1832-1908) mit 50 Bilderbogen, Adolf Oberländer (1845-1923) mit 43, Franz von Pocci (1807-1876) mit 29 und Moritz von Schwind (1804-1871) mit 12 die bekanntesten.

Thematisch waren die "Münchener Bilderbogen" nicht spezialisiert, vielmehr wollten Braun & Schneider "mit einer breiten Themenskala möglichst viele Käufer ansprechen." (Eichler, S.17) Mit zahlreichen Themen wandten sich die Bilderbogen an Kinder, mit anderen Motiven und eigenen thematischen Serien (z.B. "Die Welt in Bildern", "Bilder aus dem Alterthume") lieferten sie Anschauungsmaterial und wollten im Medium der volkstümlichen Grafik bilden und belehren.

Literaturhinweise:
* Ulrike Eichler: Münchener Bilderbogen (Oberbayerisches Archiv, Bd. 99) München: Verlag des Historischen Vereins von Oberbayern 1974 (grundlegend).
 * Bilderbogen. Deutsche populäre Druckgraphik des 19. Jahrhunderts. Hrsg. vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe 1973.
 * Wolfgang Brückner: Massenbilderforschung. Eine Bibliographie bis 1991/1995 (Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte; 96) Würzburg 2003. Darin 5.0: Bilderbogen 18./19. Jahrhundert.

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Wenn die Kinder artig sind,
kommt zu ihnen das Christkind

Heinrich Hoffmann, Der Struwwelpeter, 590. Auflage, Titelillustration zu Weihnachten

Wenn die Kinder artig sind,
kommt zu ihnen das Christkind;
wenn sie ihre Suppe essen,
und das Brot auch nicht vergessen,
wenn sie, ohne Lärm zu machen,
still sind bei den Siebensachen,
beim Spaziergehn auf den Gassen
von Mama sich führen lassen,
bringt es ihnen Guts genug
und ein schönes Bilderbuch.

Vorlage:
Der Struwwelpeter oder lustige Geschichten und drollige Bilder für Kinder von 3-6 Jahren von Dr. Heinrich Hoffmann. 590. Auflage. Originalausgabe von Rütten & Loening Verlag in Frankfurt am Main. Bei Loewes Verlag Ferdinand Carl, Stuttgart o.J. Titelillustration: Weihnachten.

Zu Heinrich Hoffmann und dem "Struwwelpeter" siehe:
* Eintrag in Wikipedia, URL:
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Hoffmann
* Digitalisierung der Erstausgabe von 1844 in Wikisource, URL:
http://de.wikisource.org/wiki/Lustige_Geschichten_und_drollige_Bilder 
* Die 100. Auflage 1876 bietet die UB Frankfurt a.M. als PDF-Datei an. Siehe:
http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor/index/index/docId/11283

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Weihnachtsseiten des Goethezeitportals

Weihnachten 2016
Franz Graf Pocci: Weihnachtslieder
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6851

Beste Weihnachtsgrüße 2015
Leise rieselt der Schnee ...
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6815

Weihnachten 2014
Der Weihnachtsbaum in Bildern und Texten
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6755

Weihnachten 2012
Montagen auf Postkarten und Weihnachtslieder
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6609

Die Weihnachtskrippe
Hirten, Drei Könige, Sternsingen (2011)
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6532

Weihnachtsgaben (2010)
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6455

"O du fröhliche Weihnachtszeit".
Die Bescherung (2009)
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6324

Münchener Bilderbogen und Gedichte (2008)
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=4095

Weihnachten in Bildern und Texten (2007)
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=3555

"Stille Nacht, heilige Nacht!" und das Weihnachtsfest (2006)
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=2704

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Ludwig-Maximilians-Universität München
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