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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Der Weihnachtsbaum in Bildern und Texten
Eine Dokumentation zu Weihnachten 2014

Optimiert für Firefox, Chrome
Eingestellt: November 2014
Stand: Oktober 2015

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Ludwig Richter, Der Weihnachtsbaum. Holzstich von August Gaber

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Ludwig Richter: Der Weihnachtsbaum. Holzstich von Gaber, signiert. Höhe 15; Breite 12 cm (Motiv, beschnitten).

Siehe die Einträge in Wikipedia:
* Ludwig Richter (1803-1884)
http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Richter
* Holzschneider August Gaber (1823-1894)
http://de.wikipedia.org/wiki/August_Gaber
* Holzstich
http://de.wikipedia.org/wiki/Holzstich

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Die diesjährige Weihnachtsseite vereinigt historische Bilder, Texte und Fotos mit dem Motiv des Weihnachtsbaums, auch Christbaum, Lichterbaum oder einfach Tannenbaum genannt. Der Weihnachtsbaum ist "das signifikanteste Symbol des Engel mit Christbaum, Oblatedeutschen Weihnachtsfestes" und die "Ikone der bürgerlichen Familienweihnacht" (Doris Foitzik). Die hier versammelten Texte entstammen der bürgerlichen Kultur; mehrere wenden sich christlich erbaulich oder moralisch belehrend an Kinder und Jugendliche. Manche Verse enthalten eine verklärende Rückerinnerung an das verlorene Glück der Kindheit, wie es sich im Weihnachtsfest ausdrückt ; für das fremde, obdachlose Kind wird das Firmament mit seinen Sternen zum Lichterbaum, "den der Vater dieser Welt an dem Himmel aufgestellt".

Bilder und Texte sind lose nach dem 'Lebenslauf' des Tannenbaums geordnet: das Wachsen im Wald und der Transport eines Bäumchens nach Hause; der Verkauf am Christbaummarkt; das Aufstellen im Zimmer und Ausschmücken mit Lichtern und Lametta, Äpfeln und allerhand Naschwerk; das Ausbreiten der Weihnachtsgaben unter dem Baum; die von den Kindern sehnsuchtsvoll erwartete Bescherung; Abbau und Entsorgung des Baumes; schließlich Verbrennung des Holzes und Nutzung der Asche als Dünger. Die oft witzig arrangierten Motive auf den Weihnachtspostkarten dokumentieren eine gesellschaftliche Festkultur, die ihrer christlichen Bedeutung weitgehend entkleidet ist. Die privaten Fotos zeigen Weihnachtsfeiern rund um den Tannenbaum, in der Klein- und Großfamilie, doch auch bei von der Heimat fernen Menschen (Dienstmädchen in der Dachkammer).

Einige Bilder und Texte bieten Überraschungen: neben der heute obligaten Tanne begegnet als Christbaum auch die Stechpalme und ein Laubbaum; seltsam nimmt sich der Weihnachtsbaum unter Wasser bei den Nixen aus (Matthisson). Ein Kupferstich von 1831, der einen Engel mit dem Weihnachtsbaum bei Mutter und Kindern darstellt, ist rätselhaft. Er wird hier beschrieben und lädt zu Deutungen ein.

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1. Bilder und Texte

Ein frohes Weihnachtsfest, 25. Dezember. Verlag Herm. Wolff, BerlinFröhliches Weihnachten. Verlag E. A. Schwerdtfeger & Co. AG Berlin

Sretan Božić

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Oben links: Ein frohes Weihnachtsfest. 25. Dezember. Adressseite: HWB [Herm. Wolff, Berlin] Ser. 1824. Rechts unten: 0531. Feldpost 1914. Prägedruck.
Oben rechts: Fröhliche Weihnachten. EAS im Herz [E. A. Schwerdtfeger & Co. AG Berlin] Feldpost 1915. Prägedruck.
Unten: Sretan Božić! [Fröhliche Weihnachten, kroatisch] Adressseite: P. 212. Naklada "Panonia" - Zagreb. Beschrieben, aber nicht gelaufen. Datiert 1944. Textauszug: "Weihnachten darf ich hoffentlich in der warmen Stube verbringen und werde im Geist in der Heimat unter Euch sein."

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Friedrich Lampert
Herbstlieder

Schlanke Tanne, zagest du
Nicht vor Wintereinsamkeit,
Oder träumst schon hoffend zu
Sel'ger Christnachtzeit?

Werd' als Weihnachtsbaum dich seh'n,
Kerzenhell geschmückt,
Kindlein jubelnd um dich steh'n
Wunderreich beglückt.

Und es denkt dann mein Gemüth
Meiner Liebe Weihnachtsbaum,
Dessen Lichter rasch verglüth,
Die entzündet kaum.

Quelle:
Weihnachtsbaum für arme Kinder. Gaben deutscher Dichter, eingesammelt von Dr. Friedrich Hofmann, in dessen Abwesenheit besorgt von Ludwig Köhler. Vierzehnte Christbescherung. Hildburghausen, Christgeschenk des Bibliographischen Instituts 1855. Hier S. 57 (Digitalisierung durch Google).

Friedrich Lampert (1829-1901), Pfarrer und Dichter. Theologiestudium, 1856 Amtsnachfolger seines Vaters als Pfarrer in Ippesheim in Mittelfranken. Bekannt durch feuilletonistische Reiseskizzen und Volkserzählungen (Brümmer).

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Hans Christian Andersen, Der Tannenbaum. Illustration von Oskar Herrfurth. Verlag Uvachrom Gesellschaft für Farbenphotographie m.b.H. München Karácsonyi üdvözlet

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Links: Der Tannenbaum. Nach H. C. Andersen. O[skar] Herrfurth pinx. Im Bild signiert. Adressseite: FPhG im Dreieck. Uvachrom [Uvachrom Gesellschaft für Farbenphotographie m.b.H., München - Stuttgart] Nr. 4512. Serie 264. Nicht gelaufen. - Text auf Adressseite:

Nun kamen zwei Diener in vollem Staate und trugen ihn in einen großen prächtigen Saal, dort wurde er aufgestellt und um den Fuß herum mit Tannenreis bedeckt. O, wie der Baum bebte, was sollte nun mit ihm geschehen? Die Diener und die Fräulein putzten ihn aus, behingen seine Zweige mit vergoldeten Aepfeln und Nüssen und Zuckerzeug.

Siehe die Einträge in Wikipedia:
* Hans Christian Andersen (1805-1875)
http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Christian_Andersen
* Zu Andersens Kunstmärchen "Der Tannenbaum"
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Tannenbaum
* Zum Illustrator Oskar Herrfurth (1862-1934
http://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Herrfurth

Rechts: Karácsonyi üdvözlet [Frohe Weihnachten, ungarisch]. Im Bild signiert: Szilágyi G. Hong (?). Adressseite: Monostöry Györg Budapest. Gelaufen. Datiert 1936. Poststempel unleserlich.)

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Martin Friedrich Philipp Bartsch
Weihnachtslied

Morgen, Kinder, wird’s was geben,
Morgen werden wir uns freun;
Welch ein Jubel, welch ein Leben
Wird in unserm Hause sein!
Einmal werden wir noch wach,
Heisa, dann ist Weihnachtstag!

Wie wird dann die Stube glänzen
Von der großen Lichterzahl,
Schöner als bei frohen Tänzen
Ein geputzter Kronensaal!
Wisst ihr noch vom vorgen Jahr,
Wie’s am Weihnachtsabend war?

Wisst ihr noch mein Reiterpferdchen,
Malchens nette Schäferin?
Jettchens Küche mit dem Herdchen
Und dem blank geputzten Zinn?
Heinrichs bunten Harlekin
Mit der gelben Violin?

Wisst ihr noch den großen Wagen
und die schöne Jagd von Blei?
Unsre Kleiderchen zum Tragen
Und die viele Näscherei?
Meinen fleißgen Sägemann
mit der Kugel untendran?

Welch ein schöner Tag ist morgen,
Viele Freuden hoffen wir!
Unsre lieben Eltern sorgen
Lange, lange schon dafür.
O gewiss, wer sie nicht ehrt,
Ist der ganzen Lust nicht wert!

Quelle:
http://de.wikisource.org/wiki/Morgen,_Kinder,_wird's_was_geben

Siehe zu dem Lied (Nachbildung einer Berliner Volksweise; Erstdruck 1795):
* Otto Holzapfel: Liedverzeichnis. Die ältere deutschsprachige, populäre Liedüberlieferung. Bd. 2. Hildesheim. Georg Olms 2006, S. 1084.
* Ingeborg Weber-Kellermann: Das Buch der Weihnachtslieder. 151 deutsche Advents- und Weihnachtslieder. Kulturgeschichte, Noten, Texte. 12. Auflage. Mainz: Schott Music 2008, Nr. 88, S. 248-250. "Bürgerliche Wohnkultur, reicher Geschenkesegen und Dankbarkeitsverpflichtungen zeigen sich am unbefangensten in diesem Lied" (S. 249) ISBN 978-3-254-08213-8

Zu Martin Friedrich Philipp Bartsch (1770-1833) siehe den Eintrag in Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Friedrich_Philipp_Bartsch

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Fröhliche Weihnachten. Reihe Erika. Verlag Paul Süss AG für Luxuspapierproduktion, Dresden

Fröhliche Weihnachten

Fröhliche Weihnachten

Herzliche Weihnachtsgrüße. Bild von Hedwig Mechle-Grosmann. Verlag Hans Hausner, Wien

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1. Bild von oben: Fröhliche Weihnachten. Adressseite: Signet Erika [Paul Süss AG für Luxuspapierproduktion, Dresden] Gelaufen. Poststempel 1912. Prägedruck.
2. Bild von oben: Fröhliche Weihnachten. Adressseite: No. 526.b. Nicht gelaufen.
3. Bild von oben: Fröhliche Weihnachten. Adressseite: 2775 Import. Gelaufen. Stempel: Vermeidet Rundfunk-Störungen! Poststempel unleserlich.
4. Bild von oben: Herzliche Weihnachtsgrüße. Im Bild signiert: Mechle Grosmann. Adressseite: H. H. i. W. [Hans Hausner, Wien] Serie 1403. Gelaufen. Poststempel 1915.

Zu Hedwig Mechle-Grosmann (1857-1928), deren Spezialität Genrebilder mit Kindern waren, siehe den Eintrag in Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hedwig_Mechle-Grosmann

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Werner Zehme, Auf dem Christbaummarkt

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Auf dem Christbaummarkt. Originalzeichnung von W. Zehme. In: Das Weihnachtsbuch. Allerlei Weihnachtliches in Vers und Prosa von Victor Blüthgen. Leipzig, Verlag von Ernst Keil's Nachfolger [1899], nach S. 238.

Werner Zehme (1859-um 1924 ?), Genremaler, Graphiker und Illustrator. Er lebte in Berlin und seit 1916 in München. Tätig war er u.a. für den Verlag Velhagen und Klasing. (Riese)

Zum Schriftsteller Victor Blüthgen (1844-1920) siehe den Eintrag in Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Victor_Blüthgen

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Georg Holzhey
Der Weihnachtsbaum

1.
Es war der Tannenwald den ganzen Sommer träge,
Und keine einz'ge Frucht trug er in dem Gehege;
Um Weihnacht hat man ihm die Stämmchen abgeschlagen,
Die fremde Früchte doch nun haben müssen tragen;
Wie haben sie so schwer mit Aepfeln und mit Nüssen
Und andern Dingen sich belasten lassen müssen!
Trag' du die eig'ne Frucht, freiwillig, lasse nicht
Dazu dich nöthigen erst durch den Zwang der Pflicht.

2.
Man kann ein jedes Ding verschieden wohl betrachten;
So auch das Stämmchen, das man abschlug um Weihnachten;
Sieh', also könnte man auch sagen wohl: "es war
Das Stämmchen ohne Werth das ganze lange Jahr,
mit vielen anderen von seines Gleichen stand
Verachtet, einsam es an einem Waldesrand;
Jetzt, wo das Fest des Herrn, Weihnachten, ist gekommen
Aus seiner Einsamkeit hat man es nun genommen.
Man steckt ihm Lichter auf; sieh', wie sie freundlich strahlen!
Man ziert's mit Aepfeln aus in Gold- und Silber-Schalen;
Mit Nüssen prangt es jetzt, mit Backwerk aller Art!
Sieh', wie sich Alt und Jung nun um das Stämmchen schaarten!
Ist dies das Stämmchen noch, das Niemand wahrgenommen?
Das erst verachtet war, wie ist's zu Ehren kommen!
Harr' aus nur in Geduld! Es kommt auch deine Zeit,
Und morgen ehrt die Welt, was sie verachtet heut'.

3.
So von zwei Seiten sieht sich an ein Ding verschieden;
Doch von der besten sieh' du an, was dir beschieden!
Des Lebens schwere Last, die du zu tragen hast,
Sieh' an als einen Schmuck und eine Ehrenlast.

4.
Doch wieder eine Zeit, Weihnachten war vergangen,
Wie hat das Stämmchen da die Zweige lassen hangen;
Man hatte es geleert von Aepfeln und von Nüssen;
Wie hat's zerreißen sich, zerzupfen lassen müssen!
Was noch vor kurzer Zeit doch Allen schien so theuer,
Jetzt hat man's endlich gar geworfen in das Feuer;
Geborgt war nur der Schmuck, war nicht dem Stämmchen eigen;
Werth selber war es nichts mit allen seinen Zweigen.
Du aber hüte dich, mit fremdem Schmuck zu gleißen;
Die Welt wird bald genug ihn dir herunter reißen.

5.
Und wieder eine Zeit, doch nicht gar lang' hernach,
Gar lang' war nur die Nacht, und kurz dafür der Tag;
Da hatten sich gesetzt die Kinder mit den Zofen
Noch vor dem Schlafengeh'n her zu dem warmen Ofen;
Denn draußen war es kalt; da war's, als man das Stämmchen
In's Feuer warf; es gab denn doch ein kleines Flämmchen,
Wenn auch nicht allzu viel, so hat's doch beigetragen -
Zur größ'ren Wärme und der Kinder Wohlbehagen.
Du aber, achte du nie etwas zu gering;
Ganz werthlos auf der Welt ist nimmermehr ein Ding.

6.
Und wieder eine Zeit, das Stämmchen war verbrannt;
Mit and'rer Asche ward's gebracht in's Gartenland;
Die Asche aber, die vom Stämmchen war gekommen,
Die hat sie sich zunächst im Rosenstock genommen;
Was erst als Aschenstaub bei and'rer Asche lag;
Als Rosenblüthe kommt's nun wieder an den Tag.
Mein Kind, es fällt dir schwer, dies Wunder zu versteh'n,
Wiewohl dein Auge es kann alle Tage seh'n;
Und größer ist es nicht, als daß ein Mensch voll Mängel
Erst Asche werden muß, und dann ein Gottesengel.

Quelle:
Weihnachtsbaum für arme Kinder. Gaben deutscher Dichter, eingesammelt von Dr. Friedrich Hofmann, in dessen Abwesenheit besorgt von Ludwig Köhler. Vierzehnte Christbescherung. Hildburghausen, Christgeschenk des Bibliographischen Instituts 1855. Hier S. 39-41 (Digitalisierung durch Google).

Zu Friedrich Hofmann (1813-1888), Redakteur von "Meyers Konversationslexikon" am Bibliographischen Institut in Hildburghausen, siehe den Eintrag in Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Hofmann_(Schriftsteller)
(Hofmann war 1855 in Venedig tätig, daher die "Abwesenheit", von der in der Titelei die Rede ist.)

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Gesegnetes Weihnachtsfest

Weihnachten. Verlag Gustav Liersch & Co., BerlinHerzliche Weihnachtsgrüsse. Serz & Co., Kunstanstalt Nürnberg
WeihnachtskarteFröhliche Weihnacht

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Oben: Gesegnetes Weihnachtsfest. Signet: Dreieck 921-5. Gelaufen. Poststempel unleserlich. - Montage, handkolorierte Fotopostkarte.
Mitte links: [Ohne Titel] Signet GLCo ligiert [Gustav Liersch & Co., Berlin] 3080/4. Gelaufen. Poststempel unleserlich. Handkolorierte Atelieraufnahme. -  Damit der kleine Fritz "seiner lieben Tante" ordentlich schreibt, ist die linke Hälfte der Adressseite von Hand liniert.
Mitte rechts: Herzliche Weihnachtsgrüsse. Adressseite, Signet: SCoN [Serz & Co., Kunstanstalt Nürnberg] Gelaufen. Poststempel 1916. Reproduzierte Fotografie.
Unten links: [Ohne Titel] 6053/5. Keine weiteren Angaben. Nicht gelaufen. - Fotografie der Kinder in gemalten Prospekt montiert.
Unten rechts: Fröhliche Weihnacht!  Signet. 661. Gelaufen. Poststempel unleserlich.

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Christian Morgenstern
Das Weihnachtsbäumlein

Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:
Das war am Weihnachtsfest so grün,
als fing es eben an zu blühn.

Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
Die grünen Nadeln war'n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.

Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm -
hei! tats da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.

Quelle:
Christian Morgenstern: Gesammelte Werke in einem Band. 11. Aufl. München: Piper 2011, S. 181, ISBN 978-3-492-21067-6

Zu Christian Morgenstern (1871-1914) siehe den Eintrag in Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Morgenstern

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Joyeux Noël

Frohe Weihnachten! Fröhliche Weihnacht!
Weihnachtskarte. Serz & Co.,Kunstanstalt NürnbergWeihnachtskarte

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Oben: Joyeux Noël. Adressseite: W. R. B & Co, Vienne. Serie Nr. 2709. Gelaufen. Poststempel 1925. Fotogravure.
Mitte links: Frohe Weihnachten! Adressseite: Rembrandt-Gravüre (mit Schneeflocken-Effekt). Signet. No. 5075. Printed in England. Nicht gelaufen.
Mitte rechts: Fröhliche Weihnacht! Signet. 534/5. Nicht gelaufen. - Atelierfotografie, handkoloriert.
Unten links: [Ohne Titel]. Adressseite, Signet: SCoN [Serz & Co.,Kunstanstalt Nürnberg] 0134,3. Nicht gelaufen. - Atelierfotografie vor Prospekt.
Unten rechts:  [Ohne Titel] Adressseite: Serie 1134 Import. Nicht gelaufen. Reproduzierte Fotografie, handkoloriert.

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Weihnachtslied

Kinder, seht die hellen Kerzen,
Unser Freund, der Weihnachtsmann,
Langte gestern unter Scherzen
In des Vaters Hause an.

Reich mit Gold und Silberfrüchten
Hat er aufgeputzt den Baum,
Alle Diener mußten flüchten,
Denn zu eng war ihm der Raum.

Gartenhäuschen hell gelichtet,
Spiegelblanke Fenster d'rinn,
Hat er zierlich aufgerichtet,
Recht mit weisem Künstlersinn.

Unten zu der Tanne Füßen,
Ließ auch seine rasche Hand
Einen Gartenfleck entsprießen,
Blumenbeete d'rauf gespannt.

Süß Gebäck und Nüß' und Stollen,
Alles, was ein Kind ergötzt,
Hat der Gute aus dem Wollen
Für uns Kinder aufgesetzt.

Aber still, nur nicht geplaudert!
Noch ist's nicht zu reden Zeit:
Denn je länger jetzt er zaudert,
Desto mehr legt er bereit.

Bald schon flammen auch die Kerzen
Droben an dem Himmelszelt,
Theilt die Mutter unter Scherzen,
Was aus seiner Hand uns fällt.

O, der Freude, wenn die Pforten
Oeffnen sich zum Zimmerlein!
Schaut das rege Leben dorten,
Bald, bald winkt man uns herein.

Quelle:
Weihnachtslied. In: Der Weihnachtsbaum. Ein Bildungs- und Unterhaltungsbüchlein als Christgeschenk für die Jugend beyderlei Geschlechts von S[ebastian] W[illibald] Schießler. Mit neun Kupfern. Wien, bey J. Bermann, Kunsthändler am Graben, zur goldnen Krone, No 619 [1831]. Hier S. 103f. (Digitalisierung durch Google)

Zum österreichischen Schriftsteller Sebastian Willibald Schießler (1791-1867) siehe den Eintrag in der ADB. Onlinefassung:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd115749977.html?anchor=adb

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Frohes Weihnachtsfest! Meisteraufnahmen. Ross Verlag, Berlin

Gesegnete Weihnacht. Amag

Oben: Frohes Weihnachtsfest! Adressseite: "Meisteraufnahmen". Echte Photographie. "Ross" Verlag, Berlin SW 68. Beschrieben, aber nicht gelaufen. Handschriftlich: 1934.
Unten: Gesegnete Weihnacht. Adressseite: Amag [Albrecht & Meister AG, Berlin-Reinickendorf] Gelaufen. Poststempel unleserlich.

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Johann Peter Hebel
Noch eine Frage

Und weisch denn selber au, du liebi Seel,
Worum de dine zarte Chinde d' Freud
In so ne stachlig Bäumli *) ine henksch?
Wil's grüeni Blättli het im Winter, meinsch,
Und spitzi Dörn, aß 's Büebli nit, wie 's will,
Die schöne Sachen use höckle cha.
's wär nit gar übel gfehlt, doch weischs nit recht.
Denk wol, i sag der's, und i freu mi druf.

Lueg, liebi Seel, vom Menschelebe soll
Der dornig Freudebaum en Abbild si.
Nooch bi nenander wohne Leid und Freud,
Und was der 's Lebe süeß und liebli macht,
Und was no schöner in der Ferni schwebt,
De freusch di druf, doch in de Dörne hangts.

Was denksch derzue? Zuem Erste sagi so:
Wenn Wermeth in di Freudebecher fließt,
Und wenn e scharfe Schmerz dur's Lebe zuckt,
Verschrick nit drob, und stell di nit so fremd!
Di eigni Muetter selig, tröst sie Gott,
Sie het der 's Zeichen in der Chindheit ge.
Drum denk: "Es isch e Wienechtchindli-Baum,
Nooch bi nenander wohne Freud und Leid."

Zuem Zweite sagi das: Es wär nit guet,
Wenns anderst wär. Was us de Dorne luegt,
Sieht gar viel gattiger und schöner us,
Und 's fürnehmst isch, me het au länger dra.
's wär just, as wemme Zuckerbrod und Nuß,
Und was am Bäumli schön und glitz'rig hangt,
Uf eimol in e Suppeschüßle thät,
Und stellti 's umme: "Iß, so lang de magsch,
Und näumis do isch!" Wär's nit Uhverstand?

Zum Dritte sagi: Wemmen in der Welt
Will Freude hasche, Vorsicht g'hört derzue;
Sust lengt me bald in d' Aglen und in Dörn,
Und zieht e Hand voll Stich und Schrunde z'ruck.
Denn d' Freud hangt in de Dorne. Denk mer dra,
Und thue ne wenig g'mach! Doch wenn de's hesch,
Se loß der's schmecke! Gunn der's Gott der Her!

*) Stechpalme. Als Weihnachtsbaum wurden unterschiedliche Baumarten verwendet. Vgl. das Kap. "Tanne, Fichte, Kiefer, Taxis, Buchsbaum" in: Bernd Brunner, Die Erfindung des Weihnachtsbaums (Insel-Bücherei; 1347) Berlin: Insel Verlag 2011, S. 30-36. ISBN 978-3-458-19347-0

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Das Kaulbach-Güll Bilderbuch. Auswahl aus Friedrich Gülls Kinderheimat mit Bildern von Hermann Kaulbach hrsg. vom Bezirkslehrerverein München. Verlag der Jugendblätter (Carl Schnell) München 1910. - Darin Titelillustration: Weihnachten.

Siehe die Einträge in Wikipedia
* Friedrich Güll (1812-1879)
http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Güll
* Hermann von Kaulbach (1846-1909)
http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_von_Kaulbach

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Johann Peter Hebel
Noch eine Frage
Übersetzt ins Hochdeutsche

Und weißt du selber auch du liebe Seel',
Warum du deinen zarten Kindern wohl
Die Freud' in solch ein stachlich Bäumchen hängst?
Du meinst, es hat im Winter grüne Nadeln
Und spitz' Stacheln, daß das Kind nicht gleich
Die Sachen sich herauslangt, wie es möcht?
Es ist schon etwas dran, doch steckt wohl auch
Noch mehr dahinter, was du noch nicht weißt.
Ich will dir's sagen und ich freu mich drauf.

Sieh, liebe Seel'; vom Menschenleben soll
Der Baum mit Lust und Dorn ein Abbild sein.
Nah' bei einander wohnen Freud' und Leid,
Und was dein Leben süß und lieblich macht,
Und was noch schöner in der Ferne schwebt,
Du freust dich drauf, doch hängt es in dem Dorn.

Was meinst du wohl dazu? Ich sage so:
Wenn Wermuth dir den Freudenbecher trübt,
Und wenn ein scharfer Schmerz durchs Leben zuckt,
Erschrick nicht gleich und stell' dich nicht so fremd!
Selbst deine Mutter selig - tröst' sie Gott! -
Gab in der Kindheit dir das Bild davon.
Drum denk': "Das Leben ist ein Weihnachtsbaum,
Nah beieinander wohnen Freud und Leid."

Für's Zweite sag' ich dir: Es wär' nicht gut
Wenn's anders wär'. Was aus den Dornen schaut,
Sieht gar viel schmucker und viel schöner aus,
Und was das Beste, man hat länger dran.
Es wär', als wenn man Zuckerbrod und Nuß,
Und was am Bäumchen schön und glitzrich hängt,
Auf einmal in ein Suppenschüsselchen
Dir legt und sagt: "Da iß, so lang zu willst,
So lang' was da ist." Wär's nicht Unverstand?

Zum Dritten sag ich: Wenn du in der Welt
Willst Freud' erhaschen, wende Vorsicht an!
Sonst langst du in den Dorn und in die Stacheln
Und ziehst voll Schriemen deine Hand zurück.
In Dornen hängt die Freude, denk daran!
Und sei behutsam. Aber wenn du's hast,
So laß dir's schmecken! Gönn' dir's Gott der Herr!"

Quelle:
J. P. Hebel's allemannische Gedichte für Freunde ländlicher Natur und Sitten. Ins Hochdeutsche übertragen von R. Reinick. Mit Bildern nach Zeichnungen von Ludw. Richter. Leipzig: Georg Wigand 1851, S. 89-20 (Digitalisierung durch Google)

Zu Robert Reinick (1805-1852), Dichter, Übersetzer und Maler, siehe den Eintrag in Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Reinick

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Siehe auch die Seite im Goethezeitportal:
Johann Peter Hebels »Alemannische Gedichte«
illustriert von Julius Nisle und Sophie Reinhard
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6636

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Der Christbaum wird geschmückt. Private Aufnahme

Weihnachten 1914. Profiaufnahme der Familienweihnachtsfeier

Mutter am Klavier, Kind mit Puppen unterm Weihnachtsbaum, vor 1920. Private Aufnahme

Junge Frau vor Tannenbaum, 1933. Private Aufnahme.

Familie vor Christbaum, 1950er Jahre. Private Aufnahme

Christbaum mit Kind, Puppe und Puppenstube, 1915

1. Foto von oben: Der Christbaum wird geschmückt. Private Aufnahme aus München, ca. 1910.
2. Foto von oben: Weihnachten 1914. Adressseite: 8182. Wohl Profiaufnahme einer Familienweihnachtsfeier. Keine weiteren Angaben. Beschrieben, aber nicht gelaufen.
3. Foto von oben: Mutter am Klavier, Kind mit Puppen unterm Weihnachtsbaum, vor 1920. Private Aufnahme.
4. Foto von oben: Sitzende Frau vor Christbaum. Adressseite, handschriftlich: 1933. Private Aufnahme. Keine weiteren Angaben. Nicht gelaufen.
5. Foto von oben: Familie vor Christbaum, 1950er Jahre. Private Aufnahme. Keine weiteren Angaben.
6. Foto von oben: Christbaum mit Kind, Puppe und Puppenstube. Beschrieben und datiert 1915. Gelaufen. Poststempel unleserlich.

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Des fremden Kindes heiliger Christ

Es läuft ein fremdes Kind am Abend vor Weihnachten durch eine Stadt geschwind, die Lichter zu betrachten, die angezündet sind. Es steht vor jedem Haus und sieht die hellen Räume, die drinnen schau'n heraus, die lampenvollen Bäume; weh wird's ihm überaus.

Das Kindlein weint und spricht: "Ein jedes Kind hat heute ein Bäumchen und ein Licht, und hat d'ran seine Freude, nur blos ich armes nicht! An der Geschwister Hand, als ich daheim gesessen, hat es mir auch gebrannt; doch hier bin ich vergessen in diesem fremden Land. Läßt mich denn Niemand ein und gönnt mir auch ein Fleckchen? In all' den Häuserreih'n ist denn für mich kein Eckchen, und wär es noch so klein? Läßt mich denn Niemand ein? Ich will ja selbst nichts haben; ich will ja nur am Schein der fremden Weihnachtsgaben mich laben ganz allein!"

Es klopft an Thür und Thor, an Fenster und an Laden; doch Niemand tritt hervor, das Kindlein einzuladen; sie haben drin kein Ohr. Ein jeder Vater lenkt den Sinn auf seine Kinder; die Mutter sie beschenkt, denkt sonst nichts mehr, nichts minder. An's Kindlein Niemand denkt - "O lieber heil'ger Christ! nicht Mutter und nicht Vater hab' ich, wenn du's nicht bist. O sei du mein Berather, weil man mich hier vergißt!"

Das Kindlein reibt die Hand; sie ist von Frost erstarret. Es kriecht in sein Gewand, und in dem Gäßlein harret, den Blick hinausgewandt. Da kommt mit einem Lichte durchs Gäßlein hergewallet, im weißen Kleide schlicht, ein ander Kind; - wie schallet es lieblich, da es spricht: "Ich bin der heil'ge Christ, war auch ein Kind vordessen, wie du ein Kindlein bist. Ich will dich nicht vergessen, wenn Alles dich vergißt. Ich bin mit meinem Wort bei Allen gleichermassen; ich biete meinen Hort so gut hier auf den Strassen, wie in den Zimmern dort. Ich will dir deinen Baum, fremd Kind, hier lassen schimmern auf diesem off'nen Raum so schön, daß die in Zimmern so schön sein sollen kaum."

Da deutet mit der Hand Christkindlein auf zum Himmel, und droben leuchtend stand ein Baum voll Sterngewimmel vielästig aufgespannt. So fern und doch so nah! Es ward ihm, wie ein Traum. Da langten hergebogen Eng'lein herab vom Baum zum Kindlein, das sie zogen hinauf zum lichten Raum.

Das fremde Kindlein ist zur Heimath jetzt gekehret, bei seinem heil'gen Christ; und was hier wird bescheret, es dorten leicht vergißt.

Quelle:
Der Christbaum. Eine Auswahl von Geschichten und Gedichten als Weihnachtsgabe für die liebe Jugend von G. L. Wagner, Schullehrer. Nürnberg, Verlag der Joh. Phil. Raw'schen Buchhandlung 1844, S. 1-3 (Digitalisierung durch Google).

Vgl. Sangweisen und Saitenspiel zum Christbaum in M. Luthers Kinderstube. Zusammengestellt von Karl Reinthaler. Erfurt im Martinsstifte o.J. Nr. 65. Es läuft ein fremdes Kind. (Digitalisierung durch Google)

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Robert Beyschlag, Weihnachtsabend in der Dachstube

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Weihnachtsabend in der Dachstube. Nach dem Gemälde von R. Beyschlag. Höhe 30,5; Breite 22 cm (Blatt).

Zum Maler Robert Beyschlag (1838-1903) siehe den Eintrag in Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Beyschlag

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Hyacinth von Schulheim
Der Weihnachtsbaum

Ach! ich suche weit und breit
Meines Lebens erste Zeit,
Wo ich noch an Spiel und Tand
Meine größte Freude fand.

Wie das Kind doch so vertraut
Auf die grünen Fluren schaut;
Doch den Jüngling trägt sein Sinn
Zu den lichten Sternen hin.

Von der Kindheit gold'nem Traum
Blieb mir nur der Weihnachtsbaum,
Den der Vater dieser Welt
An dem Himmel aufgestellt.

Seine Feuer trügen nicht,
Brennen ewig hell und licht,
Jahre gehen ein und aus;
Löschen doch kein Lichtchen aus.

Lieder für mein wundes Herz,
Heiterkeit in Gram und Schmerz,
Manchen lieben schönen Traum
Biethet mir der Weihnachtsbaum.

Dankend blick' ich oft hinan,
Meine Seele flüstert dann:
All die Gaben schön und werth
Hat der liebe Christ beschert.

Quelle:
Carinthia. Ein Wochenblatt für Vaterlandskunde, Belehrung und Unterhaltung. Von einer Gesellschaft Vaterlandsfreunde. 26. Jahrgang, 1836, Nr. 5, 30. Jänner, S. 28 (Digitalisierung durch Google).

Über den Juristen und Dichter Hyazinth Edler von Schulheim (1815-1875) siehe den Eintrag in der ADB. Onlinefassung:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd138343381.html?anchor=adb

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Weihnachtsfeier in der Familie Leibl. Gemälde von Fritz Schider

Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild

Weihnachtsfeier in der Familie Leibl. Gemälde von Fritz Schider, 77 x 87 cm, ca. 1874. Kestner Museum, Hannover. In: Du, Schweizerische Monatsschrift, 17. Jg., Dezember 1957, S. 35.

Vgl. die Einträge in Wikipedia:
* Fritz Schider (1846-1907), Maler und Radierer
http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Schider
* Leibl Kreis, dem Schider angehörte:
http://de.wikipedia.org/wiki/Leibl-Kreis

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Friedrich von Matthisson
Lied der Nixen

Ihr Knaben, rosig wie der Mai,
Der Tag ist schwül, herbey! herbey!
     Flink tummelt euch zum Bade!
Kennt ihr der Nixen muntre Schar,
Von Auge schwarz und grün von Haar?
     Sie lauscht am Schilfgestade!

Wer uns die Händchen herzhaft reicht
Und, wenn die Fluth ans Kinn ihm steigt,
     Nicht bang' um Hülfe wimmert:
Der folgt uns, ha! zu welchem Schmaus!
Wol [!] in des Wassergottes Haus
     Ganz von Demant gezimmert.

Da spendet stets ein Weihnachtsbaum,
Die Zweige blank von Silberschaum,
     Bald Feigen, bald Rosinen;
Den schüttelt ihr, wenns euch behagt,
Rumort und schwärmt so lang' es tagt,
     Und reitet auf Delphinen.

Was ihr begehrt, wird stracks vollbracht!
Dukaten kann euch Nacht für Nacht
     Ein schwarzer Kobold münzen.
Dann heißt's nicht mehr: Man soll und muß!
Ihr saust und braust im Ueberfluß,
     Und schimmert wie die Prinzen.

Drum tummle, wer sich tummeln kann!
Kreisch' immerhin der Schultyrann
     Nach euch die Brust sich heiser,
Ihr taucht hinab, ihr schwebt uns zu,
und endet wohlgemuth im Nu
     Die Schmach der Birkenreiser.

Quelle:
Gedichte von Friedrich von Matthisson. Ausgabe letzter Hand. Zürich, bey Orell, Füßli und Compagnie 1821, S. 229f. (Digitalisierung durch Google)

Zu Friedrich von Matthisson (1761-1831) siehe den Eintrag in Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Matthisson

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Ein Bild, das noch zu deuten ist.

Der Weihnachtsbaum

Der Weihnachtsbaum, Detail

Der Weihnachtsbaum, Detail

Der Weihnachtsbaum
Koloriertes Titelkupfer

Der sich an ein breites Publikum wendende Stich - der in der Anthologie nicht kommentiert wird - zeigt in einem hohen Raum einen großen knieenden Engel, der einen eingetopften, geschmückten Weihnachtsbaum trägt. Er ist umringt von einer Frau und sechs Kindern, die alle lebhaftes Staunen, Freude und Überraschung über das wundersame Präsent ausdrücken.

Ein Bezug auf das links hinter dieser Szene an der Wand hängende Bild scheint gegeben: Unter einem Baum mit (Granat-?) Äpfeln stellt es wohl die bekannte biblische Paradies-Szene dar - die Szene, in der Adam den verbotenen Apfel von Eva annimmt, also den Sündenfall, der zur Vertreibung aus dem Paradies führt. Die verführerische Schlange, die sich an dem Baumstamm empor ringelt, findet formal eine Entsprechung in der Blumengirlande um den Stamm des Weihnachtsbaumes. Vielleicht stellt das Bild auch ein Motiv dar, wie es sich in den Paradiesspielen findet: "Jesus greift nach dem Apfel, den Maria ihm anbietet und nimmt die Sünde der Welt auf sich". (Brunner, S. 21) In beiden Fällen wird die Weihnachtsfeier der Geburt Christi auf den Sündenfall und seine Sühne durch den Opfertod Christi bezogen. Der Apfel als Symbol des Sündenfalls wird dabei zum Symbol der Erlösung. An den Ecken finden sich Embleme der vier Jahreszeiten.

Als Weihnachtsbaum wurden zeitweise auch - wie hier dargestellt - Laubbäume verwendet (vgl. Brunner, S.30-36). Bekrönt wird der Baum durch das Auge Gottes und eine strahlende Sonne mit angedeutetem menschlichem Gesicht. Im Laub an den Ästen hängen Äpfel, links ein Schild mit Kreuz (dahinter ein Schwert?) zur Abwehr Satans und des Bösen (Michaelsschild); an Bandschleifen ein leerer Rahmen und rechts ein gerahmtes Bildnis, darüber ein großes (Lazarus-)Kreuz. Ferner erkennt man einen Vogel und ein Käuzchen (oder eine Eule). Bei dem bläulichen herabhängende Teil könnte es sich um einen Zaum handeln, der allegorisch für Enthaltsamkeit und Mäßigkeit steht: "Der Zaum ist die Enthaltsamkeit". (1)

Was an diesem Weihnachtsbild auffällt, ist die Abwesenheit des Vaters der dargestellten Kinder. Oder ist im gerahmten Bildnis, das an einem Zweig hängt, der abwesende (tote?) Vater gegenwärtig?

Grafik wie das vorliegende Kupfer wurde in den Verlagen oft mehrmals verwendet. So ist es möglich, dass das Kupfer zuerst an einem anderem Ort publiziert wurde, an dem es einen erklärenden Kontext hatte - einen Text mithin, den es illustrierte.

Anmerkungen:
(1) Joseph Rauchenbichler: Geistliche Waffenrüstung für christliche Kämpfer. München: Jakob Giel 1829, S. 137 (Digitalisierung durch Google)

Bildquelle:
Der Weihnachtsbaum. In: Der Weihnachtsbaum. Ein Bildungs- und Unterhaltungsbüchlein als Christgeschenk für die Jugend beyderlei Geschlechts von S[ebastian] W[illibald] Schießler. Mit neun Kupfern. Wien, bey J. Bermann, Kunsthändler am Graben, zur goldnen Krone, No 619 [1831].

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2. Literaturhinweise

* Richard Muther: Weihnachtsbilder. In Muther: Aufsätze über bildende Kunst in drei Bänden hrsg. von Hans Rosenhagen. Berlin: J. Ladyschnikow Verlag 1914. Bd. 2, S. 183-194. Als PDF-Datei hier verfügbar.
* Doris Foitzik: Weihnachten. In: Deutsche Erinnerungsorte. Hrsg. von Étienne François und Hagen Schulze. 3. Band. München: Beck 2002, S. 154-168. ISBN: 3-406-47225-7
* Joe Perry: Christmas in Germany. A Cultural History. Chapel Hill: Univ. of North Carolina Press 2010. ISBN: 978-0-8078-3364-3
* Bernd Brunner: Die Erfindung des Weihnachtsbaums (Insel-Bücherei; 1347) Berlin: Insel Verlag 2011. ISBN 978-3-458-19347-0
* Cornelia Oelwein: Nostalgische Weihnachtsgrüße. Postkarten von 1898 bis 1930. Dachau: Druckerei und Verlagsanstalt "Bayerland" 2008. ISBN 978-3-89251-399-5 - Für den Weihnachtsbaum vor allem S. 38-47.
* Ingeborg Weber-Kellermann: Das Buch der Weihnachtslieder. 151 deutsche Advents- und Weihnachtslieder. Kulturgeschichte, Noten, Texte. 12. Auflage. Mainz: Schott Music 2008. ISBN 978-3-254-08213-8

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