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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Orte und Zeiten in Goethes Leben.
Eine Dokumentation

Kickelhahn

Stand: Januar 2015
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Ilmenau, Goethehäuschen

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Gliederung

1. Einführung
2. Über allen Gipfeln ...
3. Das Goethe-Häuschen
4. Goethe und das Goethe-Häuschen
5. Aussichtsturm
6. Aussicht vom Kickelhahn
7. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

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1. Einführung:
Das Goethe-Häuschen auf dem Kickelhahn

Kickelhahn (Gickelhahn), "einer der höchsten (861 m), mit einem Aussichtsturm geschmückte Berg des Thüringer Waldes, südwestlich von Ilmenau, steht in enger Beziehung zu Goethes berühmtem, auf seiner Höhe in der Nacht vom 6. zum 7. September 1780 verfaßten Gedicht >Über allen Gipfeln ist Ruh<. Es wurde auf die Wand des dort stehenden Bretterhäuschens geschrieben." [Artikel "Gickelhahn" von George von Grävenitz, Bd. I, S. 715.] Am 27. August 1831 besuchte Goethe die Hütte zum letzten Male. In den Aufzeichnungen des Berginspektors Johann Christian Mahr, der Goethe begleitete, heißt es:

"Beim Eintritt in das obere Zimmer sagte er: >Ich habe in früherer Zeit in dieser Stube mit meinem Bedienten im Sommer acht Tage gewohnt und damals einen kleinen Vers hier an die Wand geschrieben. Wohl möchte ich diesen Vers nochmals sehen und wenn der Tag darunter bemerkt ist, an welchem es geschehen, so haben Sie die Güte mir solchen aufzuzeichnen.< Sogleich führte ich ihn an das südliche Fenster der Stube, an welchem links mit Bleistift geschrieben steht:

 

    Ueber allen Gipfeln ist Ruh,
    In allen Wipfeln spürest du
    Kaum einen Hauch.
    Es schweigen die Vöglein im Walde;
    Warte nur, balde
    Ruhest du auch.

D. 7. September 1783.

Goethe.

 

Goethe überlas diese wenigen Verse und Thränen flossen über seine Wangen. Ganz langsam zog er sein schneeweißes Taschentuch aus seinem dunkelbraunen Tuchrock, trocknete sich die Thränen und sprach in sanftem, wehmüthigem Ton: >Ja warte nur balde ruhest du auch!<, schwieg eine halbe Minute, sah nochmals durch das Fenster in den düstern Fichtenwald, und wendete sich darauf zu mir, mit den Worten: >Nun wollen wir wieder gehen.<" (Zit. n. Wulf Segebrecht: Johann Wolfgang Goethes Gedicht "Über allen Gipfeln ist Ruh" und seine Folgen. Zum Gebrauchswert klassischer Lyrik [Reihe Hanser. Literatur- Kommentare; 11] München: Carl Hanser 1978, S. 37f. Über den "Kult des Ortes" S. 34-45.)

"Seit dieser Darstellung Mahrs verbindet man mit Goethes Gedicht die Vorstellung vom greisen Alten auf dem Kickelhahn, der voller Wehmut und Todesahnung in den Anblick der abendlichen Natur versunken ist." (Segebrecht, S. 39) Zur Kultstätte entwickelte sich das "Goethe-Häuschen" erst, "als Ilmenau 1838 zum Badeort erhoben wurde, als für die Badegäste Wege angelegt, Karten und topographische Beschreibungen angefertigt wurden und (1839) Bernhard von Arnswaldts lithographierte und kolorierte Erinnerungsblätter an Ilmenau und seine Umgebungen erschienen (deren erstes das Kickelhahn-Häuschen mit Goethes Versen zeigte)". (Segebrecht, S. 39f.) Durch Brand 1870 vernichtet, wurde das Häuschen nach Zeichnungen originalgetreu nachgebaut und 1874 eingeweiht. Ein Faksimile der Inschrift wurde unter Glas angebracht.

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2. Über allen Gipfeln ...

Über allen Gipfeln
Ist Ruh',
In allen Wipfeln
Spürest Du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur! Balde
Ruhest Du auch.

Mit diesem Wortlaut hat Goethe das Gedicht 1815 in seine Werkausgabe aufgenommen. Zur Textkritik vgl. Wulf Segebrecht: Johann Wolfgang Goethes Gedicht "Über allen Gipfeln ist Ruh" und seine Folgen. Zum Gebrauchswert klassischer Lyrik [Reihe Hanser. Literatur-Kommentare; 11] München: Carl Hanser 1978, S. 15-30.

Goethes Handschrift im Kickelhahn-Häuschen
Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild.

 

"Am 11. August 1870 hatten sich drei Personen aus dem zwei Stunden entfernten Dorfe Geschwende in die Nähe von Gabelbach in den Wald begeben, um Beeren zu suchen, welche sie dann in Ilmenau verwerthen wollten. Durch starke Regengüsse wurden die Leute durchnässt; sie beschlossen, als der Abend herbeikam und sie das genügende Quantum von Beeren noch nicht zusammengebracht hatten, ihre Heimath auch zu entfernt war, in dem stets offen gehaltenen Goethehäuschen zu übernachten und ihr Geschäft dann am andern Morgen fortzusetzen. Sie gingen nach dem Goethehäuschen und nahmen Besitz von dem obern Raume, in welchem sich eben das Goethe'sche Manuscript befand. Dort entzündete ein Mann auf einem kleinen Estrichguss, worauf früher ein Ofen gestanden, ein Feuer, um die nassen Kleider zu trocknen und die frierenden Glieder zu wärmen. Als die Leute am andern Morgen früh gegen fünf Uhr das Häuschen verließen, glimmten noch Kohlen auf der Feuerstätte und es stieg noch schwacher Rauch auf. Um diesem Abgang zu verschaffen, öffnete derselbe Mann, der das Feuer angezündet hatte, beim Weggange ein Fenster und ließ die Thür offen stehen. Es ist nicht zu bezweifeln, dass die Fahrlässigkeit jenes Mannes die Ursache des Brandes geworden, indem durch den hergestellten Luftzug das noch glimmende Feuer angefacht worden ist, welches dann das dürre Holzwerk entzündet haben mag. [...] Vom großherzoglichen Kreisgericht Arnstadt wurde der Schuldige wegen fahrlässiger Brandstiftung zu zwei Monaten Gefängnis verurtheilt." Julius Keßler, Ein deutsches Heiligthum und sein Untergang. In: Die Gartenlaube, 1872, No. 40, S. 656-658.Abbildung S. 657, Zitat S. 657f.

 

Gesamter Artikel als PDF-Datei (mit Dank an Herrn Heinz-Dieter Schulz für den Hinweis und die Dateien):

Kickelhahn_Gartenlaube_1872.pdf

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3. Das Goethe-Häuschen

Zur Beachtung:
Um sie zu vergrößern, klicken Sie auf die Abbildungen.

 


Goethehäuschen vor dem Brand 1870

Goethehäuschen vor dem Brand 1870. Verso: Verlag von Karl Thomass, Gehren i. Thür. No. 5. Nachdruck verboten. Im Briefmarkenfeld: 222500. Nicht gelaufen.

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Ilmenau i. Thür. – Goethehäuschen auf dem Kickelhahn

Ilmenau i. Thür. – Goethehäuschen auf dem Kickelhahn. Verso: 8595 2410 W 80. Datiert 1927.

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Das Goethehäuschen

Das Goethehäuschen. Verso: Das Goethehäuschen auf dem Kickelhahn b. Ilmenau, Thür. Wald. Text des Gedichts. Nr. 2035 Thüringerwaldverlag v. Richard Zieschank, Ronneburg Tn. Datiert u. Poststempel 1925.

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Ilmenau Goethehäuschen

ILMENAU GOETHEHÄUSCHEN. Verso: Verlag: Friedr. Fleischer Nchf. (Felix Schneider) Buch- u. Kunsthdlg. Ilmenau. Datiert 1943.

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ohne Titel

Wir sind überrascht von der Schönheit der Umgebung. Heute, am Sonntag vorm., haben wir einen Aufstieg nach dem Kickelhahn gemacht. Hier hat Goethe sein unsterbliches "Ueber allen Wipfeln ist Ruh'" gedichtet u. auf die Bretterwand dieses Häuschens geschrieben.

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Ilmenau, Goethehäuschen.

Ilmenau, Goethehäuschen. Verso: Signet. No. 1703. Kunstanstalt C. F. Wiedemann, Hofl., Roda S.-A. Nicht gelaufen.

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Goethehäuschen

Goethehäuschen. Foto R. Bechstein. Text des Gedichts. Deutsche Schrift. Verso: Nr. 20 III. Thüringer Kunstverlag Rudolf Bechstein. Sitzendorf i. Schwarzatal. Im Briefmarkenfeld: Echte Photographie. Nicht gelaufen.

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4. Goethe und das Goethe-Häuschen

 


Gabelbach – Goethehäuschen – Aussichtsturm

Links: Gabelbach. Mitte: Goethehäuschen mit Text "Ueber allen Gipfeln ist Ruh'.": Rechts: Kickelhahn (Turm). 11. Verlag v. W. Zinke, Friedrichroda. Lith. u. Druck v. Wezel & Naumann, Leipzig. Auf Vorderseite datiert 1906 und beschrieben. Verso: Poststempel 1906.

Gabelbach: Im Sommer 1783 ließ Herzog Carl August von Sachsen-Weimar und Eisenach einen zweigeschossigen spätbarocken Zweckbau als Jagdunterkunft errichten. Der Besuch des Herzogs von Kurland gab dafür Anlaß. Das Haus hat seinen Namen nach der Flur- und Forstbezeichnung des Waldgebietes unterhalb des Kickelhahnes (861 m). Es liegt ca. 3,5 km südwestlich von Ilmenau. Goethe kam zwischen 1776 und 1831 in Begleitung Carl Augusts und auch allein wiederholt in diese Gegend. Heute "Museum zu Goethes naturwissenschaftlichen Studien" der Stiftung Weimarer Klassik. Vgl. URL: www.weimar-klassik.de/de/gnm/gnm_jagdhaus_gabelbach.html. – Aussichtsturm s. unten.

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Goethe als Greis auf dem Kickelhahn

GOETHE ALS GREIS AUF DEM KICKELHAHN BEI ILMENAU. Mit Text in deutscher Schrift. Verso: Heliocolorkarte von Ottmar Zieher, München. Datiert u. Poststempel 1913.

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Goethehäuschen. Goethe als Greis.

Goethehäuschen. Goethe als Greis. Mit Text des Gedichts. Keine weiteren Angaben. Nicht gelaufen.

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Goethe auf dem Kickelhahn bei Ilmenau

W. FRIEDRICH: Goethe auf dem Kikelhahn bei Ilmenau. A 1382. Text des Gedichts. Verso: F. A. Ackermann's Kunstverlag, München. Serie 108: Goethes Leben (12 Karten). (Nachdruck verboten.) Nicht gelaufen. – Die gesamte Folge von Woldemar Friedrich zu Goethes Leben findet sich im Goethezeitportal unter der URL: http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=1870

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Ueber allen Gipfeln ist Ruh'

W. Friedrich. Ueber allen Gipfeln ist Ruh'. Verso: Wiechmann-Bildkarten. Verlag Hermann A. Wiechmann in München Nr. 8026. Mit Genehmigung von Franz Hanfstaengl in München. Im Briefmarkenfeld: Verzeichnisse von Büchern, Bildern und Bildpostkarten umsonst und portofrei vom Verlage. Nicht gelaufen.

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Goethe auf dem Kickelhahn bei Ilmenau

Goethe auf dem Kickelhahn bei Ilmenau. "Ueber allen Gipfeln ist Ruh. Verl. W. Zinke Friedrichroda. Verso: Postkarte. Nicht gelaufen.

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Über allen Gipfeln ist Ruh

A. Broch. Text des Gedichts in Fraktur. Nachdruck verboten. Verso: Signet K & H im Kreis. "Bunte Reihe" Nr. 20. Nicht gelaufen.

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Goethe als Greis auf dem Kickelhahn

Goethe als Greis auf dem Kickelhahn. Mit Text der Gedichte "Der Du von dem Himmel bist" und "Über allen Gipfeln". Verso: Signet. Nr. 2710. Thüringerwaldverlag Rich. Zieschank, Rudolstadt, Thür. Stempel: Berghotel Gabelbach. Datiert u. Poststempel 1932.

Die im ersten Weimarer Jahrfünft entstandenen einstrophigen Gedichte Wandrers Nachtlied: "Der du von dem Himmel bist" und das durch die nachträglich hinzugefügte Überschrift

    Der du von dem Himmel bist,
    Alles Leid und Schmerzen stillest,
    Den, der doppelt elend ist,
    Doppelt mit Erquickung füllest,
    Ach! ich bin des Treibens müde!
    Was soll all der Schmerz und Lust?
    Süßer Friede:
    Komm, ach komm in meine Brust!

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Wanderers Nachtlied

Wanderers Nachtlied, mit Text in deutscher Schrift. Verso: Goethehäuschen b. Ilmenau i. Thür. Nr. 2376/II. Aufnahme u. Verlag R. Bechstein, Ilmenau i. Thür. Reg. Nr. 9. Links unten: III/18/117. Rechts unterhalb des Adressfeldes: A 27/55. Im Briefmarkenfeld: HANDFOTO. Nicht gelaufen.

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W. v. Goethe auf dem Kickelhahn bei Ilmenau

W. v. Goethe auf dem Kickelhahn bei Ilmenau. Mit Text des Gedichts. Verso: Berghotel – Kurhaus – Gabelbach bei Ilmenau (Thür. Wald). 800-900 m. ü. M. Telefon Ilmenau 3000. Kunstanstalt Straub u. Fischer, Meiningen. Stempel: Turmwirtschaft "Kickelhahn" Ilmenau i. Thür. Nicht gelaufen.

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5. Aussichtsturm

Als im Herbst 1852 der damalige Großherzog Carl Friedrich und die Großherzogin Maria Pawlowna auf dem Kickelhahn weilten und den gegenüber im Gothaischen errichteten steinernen Turm auf dem Schneekopf sahen, entschloss man sich, auf dem höchsten Berg des Großherzogtums ebenfalls einen Turm zu bauen, um den Wanderern nach allen Seiten hin die Aussicht zu öffnen. Maria Pawlowna stiftete zunächst 1.000 Taler als Grundstock für den Bau eines soliden Turms.Mit der Leitung und Bauausführung wurde der damalige Bürgermeister Johann Christian Hertzer beauftragt. Die Bausteine für den Turm lieferte der Kickelhahnberg selbst. Der Sandstein für die Verzierungen wurden zwischen Ilmenau und Martinroda gebrochen. Am 8. Mai 1854 fand die feierliche Grundsteinlegung statt. (Stadtverwaltung Ilmenau. Kickelhahn und Goethehäuschen. Gekürzt. URL: www.ilmenau.de/kickh1.htm

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Turm auf dem Kikelhahn

Gruss von Ilmenau, mit handschriftlichem Zusatz. Turm auf dem Kikelhahn. Datiert u. Poststempel 1900.

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Turm auf dem Kickelhahn

Turm auf dem Kickelhahn, Th. W. Verso: Nr. 2741 Aufnahme u. Verlag R. Bechstein, Ilmenau i. Th. Reg. Nr. 9. 2 Stempel: 100 Jahre Kickelhahn 1855-1955 / Goethehäuschen u. Kickelhahn-Turm bei Ilmenau Thür. Datiert u. Poststempel 1955.

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Gruss vom Kickelhahn

Berg-Psalm

Ehre sei Gott in der Höhe!
Er hat die Berge so hoch gestellt,
Und tat damit seine Weisheit kund,
Damit nicht jeder Lumpenhund,
Mit denen die Täler so reichlich gesegnet,
Dem frühlichen Wandrer hier oben begegnet.
Ehre sei Gott in der Höhe!

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6. Aussicht vom Kickelhahn


Aussicht vom Kickelhahn

Aussicht vom Kickelhahn bei Ilmenau, 1776 von GOETHE gezeichnet. A 1779. Verso: F. A. Ackermann's Kunstverlag, München. Serie 148, Goethes Handzeichnungen (12 Karten). Nicht gelaufen.

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7. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

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Kontaktanschrift:

Prof. Dr. Georg Jäger
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Deutsche Philologie
Schellingstr. 3
80799 München

E-Mail: georg.jaeger@germanistik.uni-muenchen.de.

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