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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Orte kultureller Erinnerung
Oybin

Dass der Oybin ein romantischer Sehnsuchtsort wurde, verdankt er mehreren Umständen: den Ansichten auf den Berg und den reizenden Aussichten von ihm; den schroffen und bizarren Felsformationen mit ihren Gipfeln und düsteren Schluchten; den Trümmern der Raubritterburg und den Ruinen des Klosters der Cölestiner, das hier von 1369 bis zum Auszug der Mönche 1574 bestand; dem Bergfriedhof; dem Farbenspiel bei Sonnenuntergang und -aufgang sowie der Beleuchtung der Felsen und Trümmer im Mondschein. Prägend für das Bild vom Oybin in der romantischen Landschaftsmalerei wurden die Bilder von Caspar David Friedrich und Carus. Zu den Attraktionen für Touristen zählen die Mönchszüge, die mit dem Berg verbundenen Sagen, wie vor allem der Jungfernsprung, aber auch Kuriositäten wie das durch Mörserfeuer erzeugte Echo, "das wie ein majestätischer Donner durch den zackigen Berggürtel hinrollt" (Peschek, 42). Insgesamt erregt der Oybin das "Gefühl für schauerlichschöne Natur" (Peschek, 2), doch stimmen die Klosterruinen und der Bergfriedhof in einsamer Natur auch zu "frommen, heiligen Empfindungen" (Peschek, 54).

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Gliederung

1. Oybin - ein romantischer Sehnsuchtsort.
Gemälde, Zeichnungen, Graphiken
Teil I: C. D. Friedrich | Carus
2. Beschreibung des Oybin
Illustriert durch alte Ansichtskarten
3. Oybin - ein romantischer Sehnsuchtsort.
Gemälde, Zeichnungen, Graphiken
Teil II: Zingg | C. A. und A. L. Richter | Leonhardi | Busse | Ahlborn
4. Goethe auf dem Oybin?
5. Mönchszüge
6. Der Jungfernsprung auf dem Oybin
7. Waldtheater
8. Die Geschichte des Oybin in einer Zeittafel
9. Literatur und Weblinks
10 Rechtlicher Hinweis und Kontaktanschrift

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1. Oybin - ein romantischer Sehnsuchtsort
Gemälde, Zeichnungen, Graphiken
Teil I: C. D. Friedrich | Carus

 

Sofern nicht anders vermerkt, sind die Abbildungen den in Kapitel 9 aufgeführten Werken oder Postkarten entnommen.

Caspar David Friedrich

C. D. Friedrich (zugeschrieben):
Die Klosterruine Oybin, um 1810.
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Caspar David Friedrich (zugeschrieben): Die Klosterruine Oybin, um 1810. Aquarell und Deckfarben, teilweise mit Transparentpapier hinterklebt. Höhe 103; Breite 73 cm. In: Malerei des 19. Jahrhunderts. Staatliche Galerie Moritzburg Halle. Bestandskatalog. Dresden: Verlag der Kunst [1996]. Katalog Nr. 35, Abb. S. 15.

"Das Blatt mit ausgeschnittenem Mond war für eine rückseitige Beleuchtung konzipiert, vielleicht ähnlich der Vorführung mit Lichtinstallation und Musikbegleitung, wie Friedrich sie für die vier verschollenen Transparentbilder geplant hatte," die er für den Zarewitsch Alexander schuf. (S. 14) Im Rahmen einer Wanderung mit dem Maler Kersting besuchte Friedrich am 12. Juli 1810 den Oybin.

Das Bild wird auch Oehme zugeschrieben. Siehe: Ernst Ferdinand Oehme, 1797-1855. Ein Landschaftsmaler der Romantik. Hrsg. von Ulrich Bischoff. Dresden [1997]. Werkverzeichnis Nr. 13 (Sakristeikapelle  auf dem Oybin)

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C. D. Friedrich: Klosterruine auf dem Oybin,
1810. Aquarell über Bleistift
Höhe 25,5; Breite 35,8 cm.
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C. D. Friedrich: Blick vom Oybin
zum Hochwald und Felsen, 5. Juli 1810.
Bleistift, Aquarell
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Carl Gustav Carus

Carl Gustav Carus
Fenster am Oybin bei Mondschein, um 1825
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Carl Gustav Carus: Fenster am Oybin bei Mondschein, um 1825. Öl auf Leinwand. Höhe 27,7; Breite 32,8 cm. In Carl Gustav Carus: Natur und Idee. Katalog. Hrsg. von Petra Kuhlmann-Hodick und Gerd Spitzer sowie Bernhard Maaz. Berlin: Deutscher Kunstverlag 2009. ISBN 978-3-422-06880-3. Hier Nr. 124.

Das Bild, eine "Ikone der deutschen Romantik", vereinigt "signalhafte Requisiten der romantischen Bildsprache: Mond im Zentrum eines wolkenbewegten Himmels, Fensterausblick an einem ruinösen Mauerstück, die Rückenfiguren des Menschenpaares, die im Schauen vereinigt sind." (S. 138)

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Carl Gustav Carus
Links: Gotisches Fenster am Oybin.
Fensterdurchblick am Chor,
um 1828. Öl auf Leinwand
Höhe 43; Breite 33,5 cm.
Rechts: Blick in den Chor der Oybiner Klosterkirche,
11. August 1820. Pinsel in Braun über Bleistift
Höhe 32,3; 19,4 cm.

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Carl Gustav Carus
Der Friedhof auf dem Oybin im Winter,
Öl auf Leinwand, 1828
Höhe 67,5; Breite 52 cm.
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Carl Gustav Carus
Grabkreuz auf dem Oybiner Bergfriedhof,
11. August 1820. Bleistift
Höhe 25,7; Breite 20,5 cm.

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Carl Gustav Carus
Links: Gotisches Fenster der Klosterruine auf dem Oybin,
11. August 1820, Pinsel in Grau und Braun über Bleistift
Höhe 31; Breite 19,5 cm.
Rechts: Gotisches Fenster der Oybiner Klosterkirche,
11. August 1820. Bleistift
Höhe 20,9; Breite 14.9 cm

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2. Beschreibung des Oybin
Illustriert durch alte Ansichtskarten

Quelle:
Christian August Peschek: Der Oybin bey Zittau. Raubschloss, Kloster und Naturwunder. Mahlerisch und historisch beschrieben. 2. verb. Aufl. Zittau und Leipzig: Johann David Schöps 1804. - Rechtschreibung und Zeichensetzung der Vorlage werden übernommen.

Diese "malerische" Beschreibung gibt nicht nur eine genaue "topische" Aufnahme des Oybin, sondern hebt zum einen auf die "reizenden" Ansichten und Aussichten ab, die sich von verschiedenen Stellen im Tal und Gebirge bieten. Zum anderen durchzieht die Beschreibung "Staunen und Ehrfurcht" gegen die "heilige Natur"; der Text benennt die "andachtsvollen" Gefühle, die der "Tempel der Natur" und die Trümmer der "grauen Vorzeit" im Wanderer erregen. Durch den Oybin aufgerufen wird insbesondere das "Gefühl für schauerlich-schöne Natur." Insoweit kann diese Beschreibung auch als Quelle der Naturerfahrung und des Naturgefühls sowie der Ruinenromantik um 1800 gelesen werden. Überdies hat das Werk auch einen dokumentarischen Wert, indem es die Entwicklung des Tourismus wie auch die Erschließung des Oybin für die Freizeitkultur der Bürger der umliegenden Täler und der Stadt Zwickau minutiös beschreibt.

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1. Bild von oben: Kurort Oybin, Zittauer Gebirge. 700-Jahrfeier vom 15.9. bis 18.9.1956. Adressseite: Rother, Werkstätten für Fototechnik, Bestensee bei Berlin. Rechts unten: MdI der DDR, Nr. 2517 - 1|12|5. Im Briefmarkenfeld: Echt Foto Handabzug. Rother. Nicht gelaufen.
2. Bild von oben: Ohne Titel. Adressseite: Blick vom Hochwald nach Oybin und Zittau. "Künstler" Serie "Hochwald" No. 1798 A. C. F. Wiedemann. Hofl., Roda S.-A. Stempel: Bergrestaurant Hochwald im Lausitzer Gebirge. C. verw. Schade Wilhelmi. Nicht gelaufen. Handschriftlich: 1917.
3. Bild von oben: Oybin. Blick v. d. Ludwigshöhe. Adressseite: E. Wagner Söhne, Zittau i. Sa. Papier- und Schreibwarengrosshandlung, Silesia-Verlag. Nicht gelaufen. Handschriftlich: Vatis Sommerfrische 1925.
4. Bild von oben: Oybin mit Hochwald von Osten. Adressseite: 13. Stempel unleserlich. Gelaufen. Datiert 1904. Poststempel unleserlich.
5. Bild von oben: Blick von Oybin nach Zittau. 204. Adressseite: WW. Keine weiteren Angaben. Nicht gelaufen.

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Lachend und fruchtbar sind die Gefilde, die Zittau umgeben. Diese durch Handlungsflor und glücklichen Nahrungszustand berühmte Sechsstadt liegt in einem langen und breiten Thale, das von allen Seiten sanftansteigend sich mit hohen Bergen vereinigt. Gelehnt an die nördliche Seite dieses Thals giebt sie von Süden her einen prächtigen Anblick, so wie die ganze Landschaft um sie her lauter anmuthsvolle Gemälde bildet. Der halbe Zirkel von hohen Bergen, der von West bis Ost hinüber das Zittauer Thal umgiebt, ist das Bild eines colossalischen Amphitheaters. Da, wo der drückende Südwind und der kühlere Südwestwind über Böhmens Gebirge herüberstreichen, ist der höchste Standpunct dieser Gegend, wo sehr hohe dunkle Bergketten, mannichfaltig an Höhe, Gestalt und Farbe, Aug' und Herz mächtig erheben. Als ein Glied dieser ehrwürdigen Kette erhebt sich ein schöner pyramidenförmiger Fels, ringsum abgesondert von seinen Nachbarn, ehrwürdig durch seinen vormaligen Gebrauch, und unbeschreiblich reizend durch seine Lage, Oybin genannt, die Zierde dieses ganzen von Aufgang gen Niedergang streichenden Gebirges. Stolz und kühn guckt er zwischen seinen höhern Nachbarn hervor; jünger und reizender als sie, und den neugierigen Wandrer herbeylockend. Schon seit Jahrhunderten war dieser aus ungeheuern Sandbänken aufgethürmte Berg ein Gegenstand der Bewunderung für Sachsen und Ausländer. Er ward besucht, gern gesehn, und wieder besucht, besonders in neuern Zeiten, wo das Gefühl für schauerlichschöne Natur allgemeiner geworden ist. [...]

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1. Bild von oben: Oybin, Blick von der Ludwigshöhe. Adressseite, Verlag: Hans Erich Hartmann, Olbersdorf (?)  bei Zittau u. Sa. 501. Im Briefmarkenfeld: 224876. Nicht gelaufen.
2. Bild von oben
: Zittau. Partie im Oybintale. Adressseite: Kunst- u. Verlagsanstalt E. Wagner, Zittau, Schl. Nr. 1731. Nicht gelaufen.
3. Bild von oben:
Ober-Oybin. mit Hochwald und Johannisstein. Man verlange den prachtv. illustr. Prospekt von Uhlig's Naturheilstation. Oybin i. Sa. Nicht gelaufen.
4. Bild von oben
: Lausitzer Gebirge. Oybin (412 m ü. M.) vom Scharfenstein gesehen. Adressseite: Signet. Nr. 3749 Franz Pietschmann, Kunstverlag, Görlitz. Echte Kupfertiefdruckkarte. Im Briefmarkenfeld: 3749 2 IV. Stempel: Carl Schreinert Berg Oybin. Nicht gelaufen.
5. Bild von oben
: Oybin mit Scharfenstein. Adressseite: Gebr. Schmidt, Ansichtskartenfabrik, Lübeck. Viktoria matt, mit Büttenrand. Nicht gelaufen, Musterkarte.

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[...] Hier ist der Scheideweg aus hellen lachenden Thälern in düstre Schluchten von Bergen, die durchaus mit Schwarzholze bekleidet sind. Man strebt den düstern Bergpfad hinan, drängt das Auge in die nahen Gebirgsgruppen, und wenn ermüdet und stillstehend der Wandrer sich umwendet, so strömt sein überraschter Blick durch eine maaslose Strecke Land mit unzähligen bunten Schattirungen, die um so hinreissender sind, wenn sie vom Sonnenschein erhellt werden. Gemach wird nun auch der Fahrweg besser. Der Wagen rollt ein wenig bergabwärts dem einsamen Dörfchen entgegen, daß [!] zwischen hohen Bergen sich hinzieht. Ein labyrinthischer Pfad führt ihn zwischen Waldhecken und Obstgärten in das feyerliche stille Thal, indes zur Rechten und Linken hohe, fast senkrechte Felswände nun schon den Gesichtskreis einengen, und das Auge allmählig zum Ziel sammeln. Der rechter Hand sich erhebende und sehr lang fortziehende Berg, der wegen seiner mannichfaltigen Erhöhungen fast den Namen eines Gebirges verdienen möchte, heißt der Ameisenberg. Der linker Hand von ungeheuern Sandsteinlagern aufgethürmte Berg heißt der Töpfer, ebenfalls mehr Gebirge als Berg, an dessen Fuße ein schnellrieselnder Bach zwischen Sträuchern sich romantisch durch ein grasreiches Thal drängt. [...]

Zwischen hochaufgethürmten schauerlichen Felsmassen fährt, reitet oder geht nun der erwartungsvolle Fremdling dem Ziel entgegen, das seinen beschwerlichen Weg belohnen soll. Mehrere kleine Häuser ziehn sich hier auf der linken oder östlichen Seite dieses gelehnten Thales hin, welches einen sehr romantischen Anblick gewähret, und an einem lautplätschernden Bach sich hinab windet. Diese Häuser machen das zur Oybiner Kirchfahrt gehörende Dörfchen Schurf aus [...]. Schurf und Oybin, deren Häuser sich in einander verlieren, haben zusammen ohngefähr 120 Feuerstätte, in denen an 600 Menschen wohnen, die theils Holzschläger, theils Steinbrecher, größtenteils aber Leinweber sind, welche Leinwand von auserordentlicher Feinheit weben. [...]

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Oben: Ohne Titel. Adressseite: Zittauer Gebirge - Blick vom Pferdeberg nach dem Oybin, dahinter der Scharfenstein an der Felsengasse. Nach einem Original von Kurt Görner, Zittau. E. Wagner Söhne, Zittau Sa., Postkartenverlag. Reg. Nr. II/28/38 Nr. 257. Rechts unten: III/18/197 T 172/57 Stempel: Burg Oybin. Nicht gelaufen.
Unten: Oybinberg m. Ruine u. Restaurant. Adressseite: Nr. 2. Keine weiteren Angaben. Nicht gelaufen.

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Am Fuße des Ameisenberges, der hier eine starke Biegung macht, und in halbzirkelförmiger Ausdehnung, mit großen zackigen Steinlagern überkleidet, bis an den Oybin selbst fortläuft, führt uns nun ein schöner ebner Fußsteig in das anmuthige Oybiner Thal. [...] Aber so reizend und freundlich auch dies Thal ist, so würdigt es doch der erwartungsvolle Wanderer nur wenige Minuten seiner Blicke; denn ein schönerer Gegenstand zieht sein Auge nun an sich. Der Oybin selbst ists, der in gerader Linie vor ihm da steht, in seiner ganzen majestätischen Schöne. Dieser Anblick ist überraschend und einzig. Ein sehr hoher runder Fels, dessen Gestalt mit einer Pyramide, oder mehr noch mit einer kolossalischen Glocke verglichen werden kann, steht ganz abgesondert von den andern in zirkelförmiger Biegung ihn umgebenden Bergen, die ihn an Höhe übertreffen, und bestimmt, oder scheint vielmehr nur den Hintergrund eines in gerader Linie an ihm hinlaufenden Thales zu bestimmen, gleich als wäre er ganz absichtlich von Riesenhänden dorthin gepflanzt. Hier ist gewiß die überraschendste Ansicht des Oybins, weil sie zugleich die erste Neugierde des zum erstenmal herkommenden Reisenden befriedigt. [...]

Gemach windet sich nun der Weg zwischen Häusern und an Größe ihnen gleichenden frey dastehenden Sandsteinen, nach der südlichen Seite des Oybins fort. Dieser erscheint itzt wieder in einer neuen Gestalt, immer zwar isolirt, aber nicht mehr konisch, sondern gedehnt, und oben breit. Seine Steinlager zeigen sich hier unglaublich mächtig. Diese ungeheuern Sandsteinbänke liegen sehr dicht an einander, und fast in waagrechter Lage über einander, jedoch am Fuße ausgeschweift; sie sind abgerundet, gleich als vom Bildhauer bearbeitet, und welben [!] sich in sehr großen Biegungen, wodurch der Oybin eine ganz sonderbare einzige Gestalt erhält, die keinen Vergleich zuläßt. Von dieser Seite sieht man theils früher, theils spätr viele neben dem Oybin stehende einzelne Felsstücken, die zum Theil wunderbare Gestalten haben; wie denn der eine einem Fausthandschuh sehr gleich sieht, ein andrer aber mit einem Backofen täuschende Aehnlichkeit hat.

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Oben: Berg Oybin vom Pferdeberg aus. Burghausen, Oybin. Gelaufen. Poststempel 1903. Adressseite ungeteilt.
Unten: Oybin. Adressseite: Conrad Jacobi, Leipzig. C. (unleserlich). 263. Nicht gelaufen.

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Hier befindet sich auch, am Fuße des Hochwalds und Oybins zugleich das Wirthshaus, in welchem man Pferde und Wagen läßt, um den Oybin zu Fuße zu besteigen. Ehe wir dies thun, bitte ich zuvor, mich einige hundert Schritte auf die Anhöhe zu begleiten, die den Fuß des Hochwalds ausmacht, und mit Aeckern und Wiesen bekleidet ist. Hier erblickt man eine Ansicht vom Oybin, die jede Beschreibung weit hinter sich zurückläßt. Frey und prachtvoll steht er da, und beherrscht mit Würden das ihn umringende Thal. Näher dem Auge scheint er an Höhe die neben ihm herausguckenden Berge zu übertreffen. An seinem Fuße zieht sich das einsame Dörfchen in angenehmer Rundung am Ufer des Bächleins herum, und die ländliche Kirche ragt am untern Abhange des Oybins über die Häuser heraus. Bunte Fruchtfelder im Thal heben die graue felsige Gestalt dieses Berges ganz ungemein, der durch die auf unserm itztigen Standpuncte schon etwas weite Entfernung seine Höcker und Klüfte verliert, und mit den verwüsteten, aber ehrwürdigen Ueberresten eines einsamen Klosters prangt. [...]

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Oben: Oybin. Der Berg. Signet unleserlich. 156. Adressseite: Kurort Oybin mit Hain. Zittauer Gebirge. "Sachsens Kleinod". Luftkurort, Sommerfrische, Wintersportplatz. E. Wagner Söhne, Zittau i. Sa. Silesia-Verlag. Gelaufen. Datiert u. Poststempel 1936.
Mitte links: Kurort Oybin. Die Kirche. Adressseite: Oybin. Die Kirche am Berge. E. Wagner Söhne, Zittau/Sa., Postkarten-Verlag Nr. 2836. Im Briefmarkenfeld: III/18/2. 10447. Nr. 16829. Rechts unten: Zc 260 - 42 - 252 2. Nicht gelaufen.
Mitte rechts: Oybin. Die Kirche. Adressseite: Deutsche Heimatbilder. Oybin. Eigene Aufnahme u. Verlag von Bertha Zillessen, Bautzen. Nicht gelaufen.
Unten: Kurort Oybin. Kirche. RT 477. Keine weiteren Angaben. Nicht gelaufen.

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Wir steigen von hier eine lange steinerne Treppe hinan, die mit Stangen versehn ist, und deren Stufen zum Theil aus dem Felsen gehauen sind. Näher erscheinen dem erwartungsvollen Auge hier die öden Reste des alten Klosters mit ihrem bemoosten und von Baumwurzeln gespaltenen Gemäuer. Mit einer gewissen nachdenkenden Stille sah ich sehr viele Personen, die zum erstenmal hieherkamen, diese Treppe hinansteigen. Da, wo sie gegen Südwest bald erstiegen ist, befindet sich, dem Heraufkommenden zur Rechten, die Oybiner Dorfkirche, die im Jahr 1734 von den Einwohnern aus Sandsteinen erbaut worden ist. Vorher stand geraume Zeit hier nur ein hölzernes mit Lehm verwahrtes Bethaus ohne Thurm. Die hintre Grundmauer dieser Kirche gegen Norden ist aus dem Felsen im Ganzen herausgearbeitet. Dach und Thurm ist hölzern. Ihre innere Staffirung ist für eine kleine Dorfkirche recht artig. Da sie auf einer steilen Berglehne steht, so hat sie das Eigne, daß sich die Weiberstände nach und nach immer höher hinauf ziehn, je weiter sie hinterwärts kommen, gleich wie bey den anatomischen Theatern. Die allerhintersten sind fast den Emporkirchen gleich. Eine geraume Zeit nach Erbauung dieser Kirche steckte sie auch gegen den äusern Weg nach Süden zu fast ganz im Schatten des Felsen, der hier in einem dem Dachstuhl gleicher Höhe vorbeylief, so daß der schmale Platz neben der Kirche einem Hohlwege ähnlich sah. Dies ist aber seit 1769 vom Zittauischen Magistrat abgeändert, und der ganze Felsrücken hier um ein gut Theil abgearbeitet worden, wodurch die Kirche viel Licht gewann, und die von hieraus weiter hinaufgehende Treppe niedriger zu stehen kam. [...]

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Oybin bei Zittau. Adressseite: Kunstdruckerei K. Liebner, Königstein (Elbe). Stempel: Ritterburg Oybin. Historisches Museum. Nicht gelaufen. - Beschriftung der Einzelbilder. Oben links: Kloster Oybin vor dem Brande | Unten links: Oybin |Oben Mitte: [Berg Oybin mit Ruine] Blick vom Pferdeberg | Bildnis links: Karl IV. | Bildnis rechts: Peter v. Gemünd [Baumeister des Oybiner Klosters] | Mitte: Kirchenruine | rechts daneben: Sakristei | Unten Mitte: nicht bezeichnet [Historisches Museum im alten Burgsaale auf dem Oybin ?] | Oben rechts: Im Hausgrund | Rechts unten: Burgthor | rechts daneben: In der Kirche.

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Die Treppe zieht sich mit einigen Biegungen höher, und immer gen Südwest. Dann wendet sich der Weg wieder rückwärts gegen Morgen, wodurch man sehr nahe hinter der Oybiner Dorfkirche heraufkommt, dem Durchsichtigen ihres Thurms ziemlich gleich steht, und zwischen ihr und der Felswand, aus der sie herausgehauen ist, hinuntersehen kann. Hier ist auch ein kleiner grüner Rasenplatz, und ein im Sommer mit Getreide besätes Ackerfleckchen. Es überrascht ungemein, auf diesem felsigen Abhange noch urbares Land zu finden. Weiter hinauf sieht man nun schon verschiedene merkwürdige Kleinigkeiten aus den Zeiten des Klosters, worunter ich ein rechter Hand befindliches in den Felsen gehauenes Fenster oder Grottchen anführe, in welches die hier hausenden reichen und wohlthätigen Cölestinermönche, laut einer Tradition, beständig ein Laib weißes Brod und ein Maaß Wein setzten. Dies war für die vorbeyreisenden müden Pilger, oder auch für andre Kranke und Arme bestimmt, um sich damit zu erquicken. So bald es verbraucht war, wurde Beydes vom Pförtner wieder ergänzet.

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Oben: Oybin. Ruinen. RT 40. Gelaufen. Poststempel 1953.
Unten links: Oybin. Hausgrundteich. Adressseite: Ansichtskartenverlag "Silesia", Görlitz. 134. Gelaufen. Poststempel unleserlich.
Unten rechts: Oybin. Ruine. Adressseite: Ansichtskartenverlag "Silesia". Görlitz 670. Gelaufen. Poststempel unleserlich.

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Die Aussicht in das Thal gegen Süden, das der Hochwald begränzt, fängt nun noch gerade an, je höher man kömmt, je reizender zu werden. Oft wird sie aber auch wieder im Verfolg des sich immer wendenden Pfades unterbrochen, und insbesondere da, wo eine lange Strecke Weges durch den Fels gehauen ist, auf dem man zu ebnem Fuße fortschreitet. Dieser enge Paß diente zu Pallisaden, wie man aus den zu beyden Seiten befindlichen Blocklöchern sehr wahrscheinlich vermuthet. Nicht weit hinter denselben gelangen wir auf einen freyen grünen Platz, an dessen entferntesten Winkel gen Süden und Südwest man in jähe Tiefen hinabschaut. Vormals ging über diese Kluft eine Brücke. Denn der von oben herabkommende Fahrweg zog sich neben dem Fußsteige hin, über die Brücke, und an der südlichen Seite ins Thal hinab. Dieser Platz war also gleichsam der zweyte Vorhof vom Kloster, den eine hohe bis zur Brücke fortlaufende Mauer vom Fahrwege absonderte. Noch sind von dieser Mauer Ueberreste, wie auch von der Brücke Grundpfeiler zu sehn. Will man über die niedrigen Reste dieser Mauer gegen Norden zu wegsteigen: so kommt man auf eine schöne Ebne oder Schlucht, die etwas hoch liegt, und mit oberwähntem freyen Platze den einzigen Ort ausmacht, wo sich der Fuß des Oybins mit den benachbarten westlichen Gebirgen verbindet. Auf diesem Standpuncte sieht man die Ueberreste verschiedner Klostergebäude grade über sich, worunter sich besonders der Thurm vom Konventualengebäude auszeichnet. Ich finde diesen von aller Welt abgesonderten, grünen, mit Gesträuch und großen sowohl als kleinen Felsstücken übersäten Rasenplatz immer sehr einladend, und ich glaube, ich darf jedem Reisenden sicher anrathen, hier ein wenig auszuruhen. Man sagt, es hätten auf diesem Platze vormals einige Gebäude gestanden, welches nicht unwahrscheinlich ist. Auch sollen die Herren Paters zwischen den Klüften herunter aus dem Kloster einen Schlupfweg in dies Thal gehabt haben, der aber nicht mehr zu finden ist.

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Links: Gruss vom Oybin. Adressseite: Ansichtskartenverlag Silesia, Görlitz. 332. Gelaufen. Poststempel 1919.
Rechts: Oybin. Bilder links, von oben nach unten: Gesellschaftsplatz | Bahnhof Oybin | Oybin | Kirchruine mit Eingang | Oybin vom Pferdeberge. Bilder rechts, von oben nach unten: Blick nach dem Restaurant | Oybin | Blick vom Restaurant Oybin nach d. Refektorium | Dr. Chr. Pescheck-Denkmal | Hotel Engelmann. Bilder mittig, von oben nach unten: Hausgrund | Strasse in Oybin m. Scharfenstein. Adressseite: C. Schwager Nachf., Dresden.6334. Unten Mitte: 3390. Nicht gelaufen.

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Der Weg geht nun ostwärts immer weiter hinauf. Eine steinerne Wand sichert zur Rechten gegen das Thal zu vor dem Hinabstürzen. Zur Linken fangen nun schon die Ruinen des Klosters an, und man sieht an der ersten Ecke noch Ueberreste von den Angeln eines großen Flügelthors, das ehedem hier gestanden hat. Nicht weit davon findet man das zweyte Flügelthor, dessen Grundmauern sich noch vollkommen erhalten haben. Der darauf gewesene Wachtthurm ist eingestürzt, aber einige oberhalb befindliche Gänge und Schießlöcher sind noch vorhanden. In neuern Zeiten hat dieses Thor wieder hölzerne Thüren erhalten, und ist oberwärts überbaut worden, um die Mauern vor dem Wetter zu schützen. Es macht den einzigen Eingang zum Innern des Oybins aus, indem es unmöglich ist, auf einem andern Wege zur Höhe des Felsens zu gelangen. Gleich beym Austritt aus diesem Thor bietet sich dem Auge wieder eine sehr reizende Aussicht dar, die über das Dorf Oybin hin nach dem Hochwald geht. Eine hohe Mauer sichert auch hier Unvorsichtige vor dem Hinabstürzen, und Waghälse vor dem Heraufklimmen, raubt aber auch kleinen Personen die Aussicht. Linker Hand erscheinen dem Auge hier schon beträchtliche Ruinen von Gebäuden, welche zu Wohnungen der Klosteroffizianten gedient haben. Weiter vorwärts treffen wir einige schöne hohe Linden auf einem kleinen grünen Plätzchen an, und ebendaselbst zwey seitwärts in den Fels gehauene tiefe Löcher, die der Sage nach Behältnisse für die Kettenhunde waren, daher man es auch noch in spätern Zeiten die Hundebarge nennte.

Zwischen Nadelhölzern und Buchengesträuche geht nun der Weg wieder westwärts der Höhe zu. Es ist hier etwas beschwerlich fortzukommen, indem die großen, ehedem in Stufen vertheilten, aber nun abgeschliffnen Steinplatten so glatt sind, daß man, besonders beym Heruntergehn, das Ausgleiten kaum vermeiden kann. Diesem Pfade zur Rechten haben Holzschuppen und Pferdeställe gestanden. Von letztern sieht man noch eine in den Fels gearbeitete ableitende Cisterne, und weit über denselben eine von der Aussenseite mit Stangen verwahrte Spalte zwischen zwey großen Sandbänken. Dieses ist der berühmte Jungfernsprung [...].

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Oybin. Künstler-Postkarten mit Bildern aus dem Sachsenlande Ser. I u. II preisgekrönt in dem vom Kgl. Sächs. Ministerium des Innern veranlassten Wettbewerbe (unleserlich). Meissner & Buch, Leipzig. Nicht gelaufen. Adressseite ungeteilt.

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Wir steigen nun, schon etwas ermüdet, durch das dritte Thor, welches eben so fest und stark, aber nicht so lang als das zweyte ist, vormals mit einem noch stärkern Thurm versehen war, und an der Seite noch eine große Anzahl Riegellöcher, wie auch einige andre Vertiefungen hat, in denen vielleicht Almosenkästchen gestanden haben. Dieses Thor ist, so wie die meisten Hauptmauern der Thürme und Gebäude größtentheils im Ganzen aus dem Steine gehauen. Die hiesigen örtlichen Merkwürdigkeiten häufen sich von hier an immer mehr so, daß es schwer werden wird, sie in der bisher beobachteten Ordnung zu beschreiben. Die Lage der Gegenstände macht es daher nothwendig, manchmal ein paar Schritte wieder rückwärts zu setzen, und einen kurzen Weg zweymal zu machen.

Mehr einladend ist, wenn man aus dem dritten Thore heraustritt, der Weg zur Linken, als der zur Rechten; denn es umschlingen sich hier jugendliche Sträucher von Buchen, Erlen, Birken, Haynbutten und Nadelholze, und bilden schattige Eremitengänge, die dem müden und im Sommer erhitzten Wandrer Kühlung versprechen. Auf diesem Platze, der einen beträchtlichen Umfang hat, haben die eigentlichen Wohngebäude der Ordensgeistlichen gestanden. Das, was die Sträucher überziehn, war vormals größtentheils gepflasterter Hof. Hier verbindet sich das Kloster selbst mit den schon erwähnten zur linken Hand am Felsen heraufsteigenden Wohnungen der Beamten. Hinter dem Gesträuch sieht man noch eine Menge halb eingefallner Mauern mit Thürgerüsten, Fenstern und Abtheilungen von Zellen stehn, die jedoch überall beraset und von Schutt umgeben sind. Am meisten sieht man noch vom Speisesaal oder Refektorio, und dem hart daneben heraufsteigenden runden Thurme. Die Mauern sind von jenem noch zwey Stockwerk hoch, und die meisten Fenster mit ihrer zierlichen Bildhauerarbeit ganz; und dieser erhebt sich noch fast bis an die Kuppel, wie man besser von unten herauf, als hier oben wahrnimmt. Die Fenster desselben sind ebenfalls noch da, die Treppen aber von beyden eingestürzt. Auch der ausgemauerte, und zwischen Klüfte gerichtete Abtritt ist noch zu sehen. Die Aussicht aus dem einen Fenster neben dem Thurm, zu dem man auf einem Schutthaufen kommen kann, geht auf einen freyen grünen Platz, der blos von großen Steinklumpen getragen wird. Denn neben ihm läuft in jäher Tiefe das oberwähnte Thal hin, das von [!] Oybin einigermaaßen mit dem benachbarten Gebirge verbindet. Hier ist auch überhaupt der äuserste Rand des Felsen gegen Abend, wo sich die sämtlichen Klostergebäude in grader Linie mit den Sandbänken verlaufen, die hier ganz senkrecht herabsteigen. [...]

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Oben links: Oybin. Klosterruine. Adressseite: 1463 Verlag: Bespaletz & Lahn, Zittau. Gelaufen. Poststempel 1919.
Oben rechts
: Ohne Titel. Adressseite: Oybin, Kirchenruine. Photochromie. Signet: N&O in D [Nenke & Ostermeier, Dresden] Serie 214 Nr. 3548. Nicht gelaufen.
Unten links
: Oybin - Blick ins Tal. Adressseite, Signet: H R Z auf Kleeblatt. 506 Kunstverlagsanstalt Hermann Richter. Zittau Sa. Nicht gelaufen.
Unten rechts
: Ohne Titel. Adressseite: Oybin, Ruinendurchblick. Photochromie. Signet: N&Oin D [Nenke &Ostermeier, Dresden]. Serie 218 Nr. 3542. Nicht gelaufen.

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Im Jahr 1754 hat der Zittauische Rath im Bezirk des Refektorii ein hölzernes Pulverhaus bauen lassen, in welchem gegenwärtig der Schulmeister, der den Schlüssel zu dem zweyfachen Eingange in dies Pulverhaus, so wie überhaupt alle Schlüssel in Verwahrung hat, eine ziemliche Menge Pulver aufbehält, das zu Lösung des Mörsers gebraucht wird. Es wird daher auch billig Keinem, der hier heraufkommt, er sey wes Standes er wolle, zugelassen, mit brennender Tabakspfeife in dies Häuschen, oder auch nur an die geöffnete Thüre zu treten. Hart neben demselben, so wie auch etwas weiter hin, gegen den Thurm zu, sind noch Treppen in sehr tiefe Keller zu sehn, die aber mit Steinen verschüttet worden sind, so wie dies überhaupt bey allen Kellern der Fall ist, deren man mehrere theils deutlich sieht, theils hie und da vermuthen kann. Vom Refektorio an zogen sich die Gebäude in gerader Linie fort nach Osten zu, und endigen sich in das Amtshaus, das mit der großen Betkapelle gränzte [!], aber größtentheils eingestürzt ist. 

Noch vorigen Sommer, als einige Gewerken zu Ausbesserung des Gottesackers, der oben befindlich ist, Steine brauchten, sprengten sie neben den Ruinen des Amthauses einige Felsstücken, wodurch nicht nur dieser Platz sehr verändert, und sein alterndes Ansehn sehr vermindert, sondern auch ein ganzes Fenster von der Aussenseite der Betkapelle eingestürzt wurde. Diese Unbesonnenheit veranlaßte zugleich noch einen andern Verlust. Es war bisher etwas Vorzügliches, daß man nicht eher, als bey dem gegen Norden hin erbauten Lusthause, etwas von dem Prospekte nach Zittau und die gesammte Gegend erblickte, und dieses war ungemein überraschend. Durch jenes Losbrechen aber ist eine Schlucht entstanden, durch welche ein aufmerksamer Beobachter sofort den Blick in jene fernen Gefilde werfen kann. Uebrigens ist von der bis zum Amthause fortlaufenden Reihe von Mauerwerk nur noch sehr wenig zu sehn, und was zu sehn ist, wird vom Gesträuch verdeckt. Dieser ganze Bezirk von Gebäuden und Plätzen hieß zusammengenommen der Klosterhof.

Wir müssen nun durch diese einsamen grünen Gänge wieder zurückwandeln bis an das dritte Thor, um zu bemerken, was sich beym Ausgange desselben rechter Hand vorfindet. Hier hieß der ganze Platz bis an die Kirche, wie auch vorwärts über den Weg herüber bis an die Kapelle und das Amthaus, der Amtshof. Wir betrachten hier zuerst Ueberreste von der Bäckerei, die hart an die Grundmauer des dritten Thores gränzt. Ein Stück weiter herauf gegen die Kirche zu ist das Andenken einer merkwürdigen Naturbegebenheit zu sehen. 

Es befindet sich nehmlich gegen das Dorf hin eine Schlucht, in die man gemächlich hineintreten kann, und aus welcher man eine der reizendsten Aussichten auf den ganzen prächtigen Hochwald hat. Einst war hier Alles zu, und der Fels vereinigt. Die Sage scheint dies durch die Erwähnung aller Nebenumstände zu bestätigen, obschon diese Spalte dem Anschein nach ursprünglich da gewesen, und jedes Felsstück für sich eine Sandbank gewesen zu seyn scheint. Im Jahre 1681 trennte sich, der Sage nach, diese ungeheure und feste Sandbank mit fürchterlichem Getöse von einander, jedoch nicht ganz in grader, sondern in etwas schiefer Richtung, so daß die linke Seitenwand der Schlucht schreg heraufgeht, die rechte etwas herüber hängt. Vielleicht hat das freystehende Ende der Sandbank gegen die Bäckerey zu etwas zu grundlos und frey gelegen, und dadurch die Berstung derselben veranlaßt. Durch die gewaltsame Erschütterung stürzte auf dem ofterwähnten dritten Thorwege der Thurm ein, und fiel gerade auf das noch da stehende baufällige Bäckergebäude, das dadurch völlig zertrümmert und verschüttet wurde. Eben derselbe Knall zog noch mehr Ruinen dieser alten Ueberreste nach sich, besonders aber den Herabsturz des Thurmes und Daches von der großen neben dem Amthause stehenden Betkapelle, wodurch die Ruinen von beyden ebenfalls fast ganz zerschmettert und vernichtet wurden.

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Oben: Lausitzer Gebirge. Oybin (514 m. ü. M) Eingang zur Klosterruine. Adressseite: Nr. 5247 Franz Pietschmann, Kunstverlag Görlitz. Stempel: Berg Oybin Inh. Carl Schreinert. Gelaufen. Poststempel unleserlich.
Mitte links: Oybin. Inneres der Kirche. Adressseite: Ansichtskartenverlag Silesia, Görlitz. 120. Nicht gelaufen.
Mitte rechts: Ohne Titel. Adressseite: Oybin. Inneres der Kirchruine. Ansichtskartenverlag "Silesia", Görlitz. Nr. 110. Nicht gelaufen.
Unten: Oybin. Adressseite: Oybin, Kirchenruine. Carl Schreinert, Berg Oybin. Im Briefmarkenfeld: 59 664 Kupferdruck. Stempel: Carl Schreinert Berg Oybin. Nicht gelaufen.

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Von dieser Schlucht steigt man sogleich daneben eine erneuerte oder ausgebesserte Treppe herauf in die alte gewiß sehr merkwürdige Klosterkirche. Von dieser ist unter allen Gebäuden noch am meisten zu sehn, welches wir ihrer äusern ordentlichen Festigkeit zu verdanken haben. Alle ihre Wände, die aus hier gebrochnen Steinen verfertigt, und für die Ewigkeit zusammengekittet zu seyn scheinen, und deren gegen Mittag stehende [Wand] fast bis an das Dach aus dem Felsen gehauen ist, sind noch unversehrt, sogar bis auf die zierlichen Fensterstöcke. Aber das Dach ist eingestürzt, und man steht zwischen diesen öden, an 70 bis 80 Fuß hohen Mauern unterm freyen Himmel. Ein schauervoller heiliger Anblick, erhöht durch das wiederhallende dumpfe Getön jedes laut ausgesprochenen Wortes! Gleich beym Eingang ist rechter Hand die Thüre zum Thurm, der noch bis an die Kuppel dasteht [...]. Da die Kirche an sich eine ungewöhnliche Höhe hat, so ragt er freylich nicht sehr weit über dieselbe heraus. Richtig aber ists, daß seine Treppe nicht mehr gangbar, sondern größtentheils eingestürzt ist. Die meisten Stufen sind nur noch an Einem Ende fest, und hängen am andern frey, welches im Hineingucken einen furchtbaren, bey Nervenschwachen Personen  Schwindel erregenden Anblick giebt. An den innern Wänden dieses Tempels sieht man noch einzelne Theile von Gemälden, Kreuze, Rosen, und dergleichen; ferner unleserliche Mönchsschrift, Löcher zu den Emporkirchen, und zwey Seitenpfeiler, an deren linkem die Kanzel angebracht war, wie man noch deutlich sehen kann. Man sagt, daß diese Kirche fünf Altäre gehabt habe; die Schriftsteller geben deren nur drey an. Noch sehr lange hatte sich ein an der Wand hängendes eichenes Kreuz, das beym großen [...] Brande aufm Oybin übrig geblieben war, erhalten, und ward nur nach und nach zerstört, bis es endlich 1741 vollends ganz herabgefallen ist, nachdem es an 164 Jahr der Witterung ausgesetzt gewesen war. Oberwärts sieht man überall Ausgänge, die zum großen Kreuzgange geführt haben, der hart neben der Kirche, mit ihr durch die Grundmauer gegen Mitternacht verbunden, fortläuft. Die Fenster, die man [...] sieht, kommen aus diesem Kreuzgange. In einigen der höchsten Fenster dieser Kirche sieht man nicht schwache Bäume ]!], die die ganze Höhe derselben ausfüllen. Sie sind aus den Ritzen der Fensterstöcke hervorgewachsen, gleich als ständen sie hier in Blumengefäßen. Eben dies ist der Fall oben auf den Rändern dieser wüsten Mauern, und die Wurzeln haben an einigen Orten tief hinein die Mauern gespalten. 

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Links: Bad Oybin. Kreuzgang der Ruine auf dem Oybin. Adressseite: Schlesische Lichtdruck- u. graph. Kunstanstalt, Breslau II (Tivoli). Rechts unten: 34 /71. Im Briefmarkenfeld: 8276. Nicht gelaufen.
Rechts: Oybin. Der Kreuzgang. Adressseite: Sächsische Heimatschutz-Postkarten i. A. des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz in Dresden. Original-Aufnahme und Verlag Bertha Zillessen, Bautzen. Nicht gelaufen.

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Die Länge dieser Kirche ist 108 Fuß, und die vordre Breite 38, die hintre 26 Fuß Leipziger Maas. Sie wird also hinterwärts, von den beyden Seitenpfeilern an, etwas enger, ist aber sehr regelmäßig angelegt. Im hintern Grunde ist linker Hand eine Thüre, durch die man sich stark bücken muß, weil sie durch den vielen Schutt, der die Kirche um etliche Fuß anfüllt, und schön beraset ist, niedrig geworden. Man kommt durch dieselbe in die Sakristey, die eine lange, schmale, und etwas unregelmäßige Gestalt hat. Hier findet man ein großes Loch, wo der Anfang einer Treppe ist, die zur Todtengruft führte, welche für die Aebte und andre angesehene Geistliche im Stift bestimmt war, und sich unter dem Hintertheil der Kirche fortzog. Sie ist aber, so weit man in die Oeffnung hineinsehen kann, mit großen Steinen verschüttet, auch hat sie unten nicht, wie die unterm Vordertheil der Kirche befindlichen Keller oder Gewölber, kleine Fenster, um hineinsehn zu können. Noch erblickt man in dieser Sakristey, weit über sich hinterwärts, einen uralten Thurm. Dies ist der noch übrig gebliebne Rest von einem alten Raubschlosse, das lange vor dem Aufbau des Klosters schon zerstört wurde. Dieser Thurm ist auf dem ganzen Felsen nirgends weiter als hier, und hinter der Kirche, wo wir gerade drunter stehn, zu sehen.

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Oben: Oybin -Fenster der Kirchruine. Adressseite: Oybin. Fenster der Kirchruine. Orig.-Aufn. 520. O. Schleich. Nachf., Dresden. Nicht gelaufen.
Unten: Oybin. Fenster der Klosterruine. Adressseite: Sächsische Heimatschutz-Postkarten i. A. des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz in Dresden. Original-Aufnahme und Verlag Bertha Zillessen, Bautzen. Nicht gelaufen.

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Vorigen Sommer hat man angefangen, den Schutt, welcher diese alte Klosterkirche überall anfüllt, auszugraben.Da hat man denn bereits eine alte böhmische Münze [...] wie auch zwey über einander befindliche Stufen, die vermuthlich zu einem Altar gehörten, gefunden. Diese Stufen scheinen aus einem andern Gestein zu bestehen, als der hier gewöhnliche Sandstein ist. Nach den Veranstaltungen des Zittauischen Bauamts soll den bevorstehenden Sommer der ganze Schutt aus der Kirche und Sakristey geräumt werden, wodurch das feyerliche Ansehn dieser ehrwürdigen Ruine nicht wenig vermehrt werden wird.

Aus derselben muß man sich durch den vordern Eingang nun wieder hinweg begeben, um zu andern Merkwürdigkeiten zu kommen, denn es ist sonst nirgends ein Ausgang im Fußgeschoß vorhanden. Weiter vorwärts, bey der Kirchentreppe gegen Norden vorbey, finden wir hart neben dieser Treppe einen Eingang, der unter die Kirche führt. Hier haben die Bewohner Oybins ihre Todtenbahre stehn. Durch eine folgende Thüre kommt man in ein zweytes Gewölbe, das größer als dies erste ist, und so auch endlich ganz hinten in ein drittes. Die Luft ist in diesen Gewölbern dumpfig und feucht, und es tropft beständig eine scharfe gelbe Feuchtigkeit von der Decke herab. Alle diese Gewölbe, wozu ich auch die unterm Amtshause, und die Keller unterm Klosterhofe rechne, sind größtentheils aus Felsen gehauen. Die unter der Kirche sollen den geistlichen Vätern zur Weinkellerey gedient haben.

Linker Hand, oder gegen Mitternacht schließt sich nun die ofterwähnte große Betkapelle zwischen dem Amthause und dem Kreuzgange an die Kirche an. Ihre Ruinen bestehn größtenteils nur noch aus der einzigen Hauptmauer gegen Mitternacht, die sich von der Höhe eines Stockwerks darstellt; man sieht aber an den Balkenlöchern der äusern Kirche, wo sie angebaut war, daß sie noch höher gewesen seyn muß. Da aber ihre Vordermauer völlig weg ist, so findet man an dem Inwendigen weiter keine Merkwürdigkeiten mehr, auser etwa drey Nischen, in denen vermuthlich kleine Altäre angebracht waren, und die izt, durch jene Unvorsichtigkeit der Bauleute zum Theil unsichtbar geworden sind.

Die bisher beschriebnen Ruinen sind nun die, welche man größtentheils unten im Thal auf dem Herwege [...] vorragen sieht. Alle diese Gebäude, wenigstens mehrere davon, sind ohnstreitig mit Schiefer gedeckt gewesen, indem man vormals  eine Menge großer Schiefertafeln in den Schluchten der Felsen gefunden hat, und auch noch izt häufig kleine Stücke von diesem Gestein findet. Hiernächst ist auch bemerkenswerth, daß man an jedem der Quadersteine, oder, wie sie bey uns genennt werden, Butzeln, woraus die Pfeiler und Mauern erbaut sind, auf zwey Seiten ein tiefes Loch sieht, welches daher rühret, daß alle diese Steine an eisernen Bügeln mittelst eines Maschienenwerks aus der Tiefe sind heraufgewunden worden. Die Ziegeln, die hie und da, wiewohl selten, zum Ausmauern gebraucht worden waren, sind eisenfest, dem Ansehen nach aus klein gestoßnen Quarz oder Kieß, und einer Art Mörtel bereitet, auch, entweder ursprünglich oder durch den großen Brand, äuserlich schwarz glänzend.

Aus dieser Kapelle tritt man nun in einen, unterm Kreuzgange neben der Kirche sich hinziehenden langen dunkeln Gang. Die hier gegen Mitternacht befindlichen Grundpfeiler des Kreuzganges haben eine ungeheure Dicke. Ihr Durchmesser von innen und außen ist, nach einer ohngefähren Schätzung 12, und nach der Breite 6 Fuß. Einer davon ist schwächer. Zwischen diesen Pfeilern sind hohe Fenster, oder vielmehr Schwibbögen, aus denen man theils auf den bald zu beschreibenden Kirchhof, theils in eine jähe Tiefe hinabschaut. In der Mauer rechter Hand befinden sich einige viereckige Löcher, die zu den Gewölbern unter der Kirche führen. Oberwärts, wo der Boden des Kreuzganges weg ist, sieht man Schwibbögen, Thürgerüste, Fensterstöcke, auch eingehauene kleine Nischen, in denen ohnstreitig Weihwasserkessel und Opfersammlungskasten gestanden haben. Dieser Gang ist der ordentliche und einzige Weg, den man gehn muß, um auf den Kirchhof und die übrigen Plätze des Oybins zu kommen. Man kann aber nicht von demselben gleich rechter Hand um die ganze Kirche herum gehn, ob sie schon völlig abgesondert steht, und es ist unbekannt, wie man ehedem auf die hintere und Gegenseite gekommen, indem der izt vom Gottesacker aus dazu führende Weg erst nach dem Ruin des Klosters im sechzehnten Jahrhunderte gemacht worden ist. Zwey flache Stufen, die man hinterwärts neben der Kirche sieht, scheinen indes die Ueberreste einer Treppe  zu seyn, die ohnstreitig aus diesem Gange hier herauf hinter die Kirche gekommen ist. Wir treten nun etwas linker Hand aus diesem düstern langen Gange heraus, und übersehn auf einmal den ganzen Oybiner Kirchhof. [...] 

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Oben: Oybin. Kirchhof mit Ruine. Adressseite: E. Wagner Söhne Zittau, Luxuspapier Großhdlg. 790. Silesiaverlag. Nicht gelaufen.
Unten: Kirchruine. Oybin. Adressseite: Ansichtskartenverlag Silesia, Görlitz. 388. Nicht gelaufen.

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Wenn wir nun durch dies niedrige Felsthor hindurch sind, so gelangen wir hinter die Klosterkirche. Eng und düster ist nun unser Pfad, da wir hinter der Kirche herumgehn. Es scheint, als beträte man den Anfang eines Tabulats in einem Gefängnisse. Die Pfeiler der Kirche sind auch hier von ungeheurer Dicke, und die Mauern derselben sowohl als die des Raubschlosses von beträchtlicher Höhe. Stilles Staunen erfüllt Jeden, muß Jeden erfüllen, der zum erstenmal hieher kommt. Der Anblick ist einzig in seiner Art. Man glaubt im engen dumpfen Gange eines Thurmgrundes zu wandeln, und doch blinkt der blaue Himmel freundlich von oben herab. Noch feyerlicher ist der Anblick im Mondschein und beym Flinkern der Sternensaat am bleichen Aether. Man wird mit Ehrfurcht gegen den Schöpfer, und mit Bewundrung dessen, was Menschenhände vermögen, erfüllt, wenn man weiter vorwärts geht, durch eine Wendung zur Rechten hinter die felsige Wand der Kirche gelanget, und nun so an diesen von der Natur und von Menschen wechselseitig gebildeten Wänden emporsieht. Denn dieser ganze, ebenfalls offne, und der ganzen Länge der Kirche nach fortlaufende, also an 100 Fuß lange Gang, der verschiedne Breite hat, die jedoch da, wo er am engsten ist, 7 bis 8 Fuß beträgt, ist rein durch den ungeheuern, festen, und mit den größten Quarzkörnern und Geschiebe durchkneteten Sandfels gehauen. An der Seite, die die Kirchwand ausmacht, sieht man da, wo der Gang am breitesten wird, und bald zu Ende läuft, hoch oben einen Todtenkopf und drey Kreuze in den Stein gehauen. Dieses Denkmal ward einigen Unglücklichen errichtet, die hier bey Aufsetzung eines zur Kirche gehörigen Dachpfeilers mit dem Gerüste einbrachen, herabstürzten und insgesamt todt blieben.

Freyer und leichter athmet die Brust, wenn man durch diesen Gang nun bald hindurch ist, und wieder den Prospekt von lachenden Fluren und bewachsnen Bergen ins Auge faßt, der hier überraschend ist und nicht vermuthet wird. Aber ein neuer Gegenstand der Bewunderung! Der famöse Jungfernsprung ist es, welchen wir hier zu unsern Füßen erblicken; eine kaum 3 Fuß breite Felsspalte, oder vielmehr der Zwischenraum zwoer Felskannten. Man hält diesen Ort für sehr gefährlich, welches er aber doch ohnstreitig nicht in höherm Grade ist, als eine Menge andre Stellen auf dem Oybin, die noch dazu in viel beträchtlichere Tiefen hinabführen. Indes ist es sehr gut, daß man wegen Kindern und andere zum Schwindel geneigten Personen den Ort mit Stangen verwahrt hat. 

Man erzählt drey verschiedene Geschichten, die ihr den seltsamen Namen gegeben haben sollen. Im Jahr 1601, am Tage Johannis des Täufers, als eine große Menge Menschen aus Zittau und den benachbarten Dörfern der Gewohnheit nach den Oybin besuchte, befand sich unter ihnen ein rasches Mädchen, die mit ihren Gespielinnen auch an diesem Orte sich umsah. Man scherzte, und jenes Mädchen wagt' es auf eine Wette, über diese Kluft wegzusetzen. Damals trugen noch die meisten Frauenzimmer, auch die vom Stande, Pantoffeln. Im Springen nun glitschte ihr der Fuß aus dem glatten Pantoffel, und sie fiel herunter. Da sie aber nach damaliger Sitte einen tüchtigen Steifrock oder Reifrock anhatte, der sie vor dem schnellen Falle schützte, so ward sie durch Hülfe desselben in der Kluft gleichsam herniedergeschoben, und vollendete diese ansehnliche Tour von ohngefähr 40 Fuß Tiefe ganz ohne Nachtheil. Welch eine reelle Apologie für die Steifröcke!

Die zweite Geschichte erwähnt eines Jägers, der ein züchtiges Mädchen brünstig verfolgte. Sie flüchtete sich hinter die Kirche, der Jäger ihr nach. Sie lief athemlos immer weiter, gelangte an die Schlucht, sprang muthig hinab, ihre Tugend zu retten, und kam auch glücklich von dannen. - Die dritte Sage schreibt eben diese heroische That einer Nonne zu, die von einem Mönche verfolgt wurde, und, ihre Ehre zu retten, die gefährliche Luftreise machte. - Vielleicht wird es auch noch auf andre Art erzählt. Mir ist die erste dieser Traditionen die natürlichste und wahrscheinlichste. Denn ist es wohl glaublich, daß ein Mädchen, die vor einem sie verfolgenden Manne läuft, ihre Zuflucht in einem engen Winkel suchen wird? Oder, wenn sie gleich anfänglich zur Absicht hatte, in die Schlucht hinabzuspringen, sollte wohl ein rüder und brünstiger Jäger nicht den Muth gehabt haben, ihr auch hier zu folgen? - Daß eine Nonne hier von einem Mönche sollte sey verfolgt worden, ist noch weit unwahrscheinlicher. Ueberhaupt würde ich auch geneigt seyn, einen solchen Heroismus an einem Mädchen zu bezweifeln, wenn wir nicht ähnliche Beyspiele aus der alten Geschichte hätten. [...]

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Oben: Burg und Kloster Oybin vor dem Brande 1577. Adressseite: Photowerkstätte Bruno Scholz, Görlitz, Schles., Blumenstr. 8. Stempel: Bergwirtschaft Oybin. Inh. (?) Heilmann. Nicht gelaufen.
Unten: Burg und Kloster Oybin um 1525. Adressseite: Herausgeber Gemeindeverwaltung Oybin. Nicht gelaufen.

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Vormals war, um auf den Platz zu gelangen, wo das Raubschloß gestanden hat, kein andrer Weg vorhanden, als ein sehr schmaler Fußsteig an dem Felsen hin, die sich an den Jungfernsprung anschließen. Man mußte unumgänglich über diese Spalte hinwegsetzen. Der Platz, auf den man nach dem Hinübersteigen gleich zu stehen kommt, ist ziemlich breit, und die Felswand breitet über demselben eine Wölbung aus, so daß dieser Ort, von dem man die untern Zugänge auf den Oybin übersehn kann, recht von der Natur zum Wachplatze für diese Veste bestimmt zu seyn scheint. Man sagt auch, es habe vormals hier ein Wachhäuschen gestanden. Geht man nun von hier aus weiter vorwärts, so gelangt man auf einen mühsamen, immer schmäler werdenden, blos auf den unterhalb vorspringenden Sandsteinbänken fortlaufenden, mit schwarzem Holze seitwärts besetzten, und langsam linker Hand sich windenden Fußsteige, durch Höhen und Tiefen, (wo man auch einmal, aus Ursache eines ganz über eine enge Kluft quer herüberliegenden großen runden Sandsteins fast mit dem Bauche durch, und noch dazu heraufwärts, wie in einen Schornstein kriechen muß,) auf die ziemlich breite Höhe dieser etwas abgesonderten Felskuppe. Dies ist nun der Platz, wo vormals das Raubschloß, und wahrscheinlich auch das Jagdhaus gestanden hat, [...] indem dieser Platz durch eine neue Treppe einen andern und bequemern Zugang erhalten hat.

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Oben: Oybin. Kirchhof m. Ruine. Adressseite: Nr. 109. E. Wagner Söhne, Zittau i. Sa., Papier- u. Schreibwaren-Großhandlung. Silesia-Verlag. Gelaufen.
Unten: Ohne Titel. Adressseite: Berg Oybin. Ruine. 5766. Signet. Louis Glaser, Leipzig. Nicht gelaufen.

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Wir können nun nicht anders auf den Kirchhof kommen, als indem wir den ganzen eben beschriebnen, hinter der Klosterkirche weglaufenden Weg wieder zurück wandern. Ich erwähnte bereits, daß man diesen Gottesacker ganz übersieht, sobald man aus dem Kreuzgange unter der alten Klosterkirche heraustritt. Er hat wegen der Klüfte und Hölen [!], die ihn zur Hälfte umgeben, linker Hand eine niedrige Mauer, die aber nicht weit fortgeführt ist, sondern von Stangenwerk ersetzt wird. Gegenwärtig ist auf dieser Seite des Kirchhofs ein großer Bau nothwendig geworden. Es fing nehmlich der Boden auf derselben an zu sinken, und war zu befürchten, daß der ganze Gottesacker nachrollen würde. Man mußte daher auf dieser Seite den ganzen Erdboden mit Mauerwerk unterfahren, und bis oben herauf befestigen. Mit dieser Arbeit war man den ganzen vorigen Sommer beschäftigt, und sie ist noch nicht vollendet. Jedermann sieht ein, daß ein solcher Bau nicht nur langweilig, sondern auch für die Gewerken höchst gefährlich ist, indem alle Materialien an schroffen Felsklüften heraufgeschafft werden müssen. Dieses war anders auch nicht zu bewerkstelligen, als durch ein Gerüst, welches von der Tiefe bis herauf an den Gottesacker langet. Man sieht nicht ohne Schauer in diese Tiefe hinab, und erstaunt über den Gleichmuth der Bauleute und Handlanger, mit welchem sie auf Leitern, Pfosten oder gezimmerten schmalen Steigen, je nachdem es sich gerade machen läßt, hinauf und hinab klimmen. Der Oybiner Gottesacker ist mit einigen Bäumen geziert, darunter sich eine vortrefliche hochstämmige Linde auszeichnet. Grabhügel sind in Menge hier, aber wenig Monumente. [...] 

[...] Nahe an den Kirchhof gränzet rechter Hand, da, wo neben dem eine Art von steinerner Grotte bildenden ländlichen Begräbniß der freye Platz sich in einen engern Pfad verläuft, ein geräumiges hölzernes Gebäude. Dies ist die Küche. Man ist verwundert und erfreut, einen großen Heerd nebst Schornstein und allen Anlagen zu Bereitung der Speisen für eine beträchtliche Gesellschaft in derselben zu finden. Der Zittauische Magistrat ließ im Jahr 1754 zur Bequemlichkeit der Fremden und andrer, die zwischen diesen zaubrischen Felsen zu speisen wünschen, erbauen. Weiter vorwärts trifft man rechter Hand eine breite Pfütze oder Cisterne an, die ihre bestimmte Gränze hat. Das Wasser, das sich nach Regengüssen aus den Felsritzen hier sammelt, sieht schmutzig und fast ganz schwarz aus. Dies ist aber nur Wirkung von dem auf dieser ganzen Seite schräge und weit herüber hängenden Felsen, und von den linker Hand stehenden hohen Bäumen, denn das Wasser ist hell und klar. Ihnen gegenüber läuft starkes Gestänge fort, hinter welchem man in eine beträchtliche Tiefe hinab sieht, die indessen doch von oben her nicht schwer zu besteigen ist. Ich sage von oben her; denn hinter derselben ist gegen Westen noch eine weit größere Tiefe oder Schlucht, die sich bis ins Thal verläuft, und so jäh ist, daß sie schwerlich von einem Menschen bestiegen werden kann. In jener obern Vertiefung, an deren Seiten Buchen und Tannen majestätisch heraufsteigen, stand vormals zu den Zeiten des Klosters ein hölzernes Brunnenhaus über einem sehr tiefen Brunnen. Wenn man aus demselben Wasser heraufwand, so goß man es aus dem Eymer in einen großen Trog oder Wanne, von wo es vermittelst einer Pumpe in die Höhe getrieben, in die erwähnte Cisterne gegossen, und von da durch Röhren unter dem Fußboden sowohl in den Amtshof, als auch an mehrere Orte dieser natürlichen Festung geleitet wurde. Auf diese Art konnte nie ein Feind dem Stifte das Wasser nehmen, indem dem Brunnen so wenig als einer andern Seite des Oybins von unten herauf beyzukommen war. Diese Röhren sind freylich durch die Länge der Zeit theils verdorben, theils und besonders in Kriegszeiten entwendet worden. Doch hat man von Zeit zu Zeit, auch erst neuerlich noch, Stücken davon ausgegraben. Vom Brunnen selbst ist keine rechte Spur mehr zu finden, und er ist durch die Länge der Zeit verschüttet worden.

Indem wir hier an den Stangen hin unsern Weg fortsetzen, stößt uns nun rechter Hand die hölzerne Wand, und neben derselben eine sehr mächtige oberwärts stark herüberhängende Sandbank auf. Zwischen diesen beyden Gegenständen, nach Norden hin, gelangen wir izt an den Ort der Ruhe und der geselligen Freude, zu dem Sommergebäude, wo die Besucher des Oybins ausruhen und Erfrischungen genießen können. Dies Häuschen steht dicht unter ungeheuern Felsmassen, welche drohend und schützend zugleich über dasselbe hinweghängen. Der hintere Theil dieses Gebäudes, der uns zuerst aufstieß, ist eine Vorrathskammer. An diese schließt sich das Zimmer selbst, welches mit Tapeten, vielen Tischen und hölzernen Stühlen versehen ist. Es ist geräumig genug um einer Gesellschaft von 24 bis 30 Personen zum Speisen nothdürftigen Platz zu gewähren. Auch befindet sich ein Ofen darin, welcher im Herbst und Frühjahr, wo es auf Bergen noch viel kälter zu seyn pflegt, als im flachen Lande, sehr wohl benutzt werden kann. Schon im 17ten Jahrhunderte wurde dies Haus zuerst erbaut. Es hat aber seitdem mehrere Veränderungen erlitten, und soll auch nächstkommenden Sommer abermals inwendig besser verziert werden, da die Tapeten ganz eingegangen sind. Uebrigens ist das ganze Haus, obwohl nur von Holz, hübsch und bequem, auswendig 48 Fuß lang, 18 Fuß breit, das Zimmer durch 6 große Fenster erleuchtet, deren zwey gegen die Fels- und Gebirgsgrouppen [!], zwey gegen Zittau und die dort sich ausbreitende Landschaft, zwey endlich gegen die herüberhängenden Felsrände gerichtet sind. 

Der Größe dieses Hauses ungeachtet ist noch viel Raum, rings um dasselbe herumzugehn, besonders auf der Südseite, wo ein geräumiger Rasenplatz ist, auf dem man an heitern Tagen, sobald die Felsen den Strahl der Sonne verbergen, lagert, speist, Koffee trinkt, und in Gesellschaftsspielen den Stoff zur Hypochondrie wegtummelt. Der Durchmesser dieses ganzen Raums, auf dem das Sommerhaus  steht, ist an Länge 72, an Breite da, wo er am breitesten ist, 48 Fuß. Linkerhand ist er überall, wegen der angränzenden jähen Tiefen mit starkem Stangenwerk eingefaßt, und verliert sich gegen Mitternacht auf einer vorspringenden Sandbank in einen ebenfalls mit Stangen versehenen schmalen und langen Winkel, woselbst man die herrlichste Aussicht nach Zittau und die Görlitzer Gegend hat, eine Aussicht, die man auch aus den Fenstern des Sommerhauses, wiewohl beschränkter, genießt, und die erst auf den obersten Höhen des Oybins ihre größte Vollkommenheit erreicht. Ferner sieht man hier auch senkrecht am Felsen hinab, sieht die ländlichen Hütten am Ufer des Bächleins sich hinziehn, und ihre fleißigen Bewohner geschäftig umher wandeln, oder die Wagen und Rosse neu ankommender Fremden in Zwerggestalten sich nähern. 

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1. Bild von oben: Gruss vom Töpfer. Adressseite: Nr. 104. E. Wagner Söhne, Zittau. Papier- u. Schreibwarenhandlung. Silesia-Verlag. Rechts unten: 22420. Nicht gelaufen. - Beschriftung der Bilder. Oben links: Wackelstein | Oben Mitte: Alte Töpferbaude | Oben rechts: Papagei | Unten links: Felsentor | Unten Mitte: Töpferbaude 578 m. üb. d. Ostsee| Unten rechts, oberes Bild: Brütende Henne | Unten rechts, unteres Bild: Schildkröte.
2. Bild von oben: Der Scharfenstein. Oybin. Adressseite: Sächsische Heimatschutz-Postkarten i. A. des Landesvereins Sächs. Heimatschutz in Dresden. Serie Oybin III. Originalaufnahmen u. Verlag von Bertha Zillessen, Bautzen. Nicht gelaufen.
3. Bild von oben: Auf dem Pferdeberg. Oybin. Adressseite: Sächsische Heimatschutz-Postkarten i. A. des Landesvereins Sächs. Heimatschutz in Dresden.Dritte Auflage. Originalaufnahmen u. Verlag von Bertha Zillessen, Bautzen. Im Briefmarkenfeld: Echte Kupfertiefdruck-Karte. Nicht gelaufen.
4. Bild von oben: Oybin. Die Schildkröte auf dem Töpfer. Nr. 134. E. Wagner Söhne, Zittau i. Sa., Papier- u. Schreibwaren-Großhandlung. Silesia-Verlag. Nicht gelaufen.
5. Bild von oben: Töpferbaude bei Oybin. 578 m. ü. M. Felsentor. Adressseite: Original-Eigentum Gebr. Metz, Tübingen. Im Briefmarkenfeld: 997 D | 1 UC. Nicht gelaufen..

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Hier muß ich einer reizenden Naturbegebenheit erwähnen, die man überhaupt selten sieht, und die insbesondre auf diesem Standpuncte hinreißend schön erscheint. Es ist dieses die Fortsetzung eines Regenbogens von den Wolken auf den Erdboden. Wenn die Sonne im Sommer an einem üppigen Regentage in Südsüdwest steht, und ein Regenbogen am Horizont erscheint, so verbindet der farbenreiche Dunst die Wolken mit dem Töpfer, und zieht sich von hier ununterbrochen am Töpfer herunter durch das Thal fort, bis dicht unter die Felszunge, auf der wir stehn. Dieses vermehrt nicht nur die Wölbung des Bogens auf eine prachtvolle Weise, sondern der Farbenglanz desselben wird auch auf den dunkelgrünen Tannen und dem hellgrünen Wiesengrase so mächtig erhöht, daß es einen hinreißenden Eindruck auf unser Herz macht, und man sich nur mit Mühe davon losreißen kann. Unzufrieden wenden wir den Blick, wenn eine die Sonne verhüllende Wolke uns dieses süße Schauspiel entzieht, und frohlockend sehn wir es rückkehren.

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Oben: Oybin. Bei den Thomassteinen. Adressseite: Hermann Seibt, Meißen 2 1 697. 1918. Kupferdruck-Ersatz. Nicht gelaufen.
Unten links: Oybin. Die Thomassteine. Adressseite: Sächsische Heimatschutz-Postkarten i. A. des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz in Dresden. Original-Aufnahme und Verlag Bertha Zillessen, Bautzen. Nicht gelaufen.
Unten rechts: Oybin. Der Kelchstein. Silesia-Karte 166. Adressseite: E. Wagner Söhne, Zittau i. Sa. Papier- und Schreibwarengrosshandlung, Silesia-Verlag. Originalphotographie. Nicht gelaufen.

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Dicht neben dieser Felszunge werden die Mörser aufgepflanzt, die man hier häufig abfeuert, um ein ganz vortrefliches in seiner Art einziges Echo zu hören, daß [!] wie ein majestätischer Donner durch den zackigen Berggürtel hinrollt. Die Mörser sind von einer mitteln Größe, und werden mit einem hölzernen Pfropfe geladen. Ein Pfund Pulver giebt 4 bis 5 Schüsse. Man richtet die Mündung gemeiniglich gegen Nordwest, auf den südöstlichen Abhang des Ameisenbergs zu. Von hier aus also hebt das Echo gleich nach erfolgtem Schuß an, rollt Anfangs tief, noch tiefer, dann höher, nicht allzuschnell an dem halben Zirkel von Felsen und bewachsenen Bergen herum, und verliert sich endlich gegen Süden in den Vertiefungen des Hochwalds in entferntes Geplerre. Diese Biegung am Halbzirkel des felsigen Gebirges giebt dem Echo jene einnehmende Variation, und die Majestät des Schalles wird durch das darunter hinlaufende Thal erhöht. Die Dauer des ganzen Wiederhalls ist ohngefähr 15 bis 20 Sekunden. Man thut wohl, wenn man nicht ganz nahe beym Schuß steht. Ich halte, nach meinem Gefühl, den Winkel, den die zusammentreffenden Stangen hinterm Sommerhause gegen Westsüdwest machen, für den angenehmsten Platz dazu. Wirklich ist dies Echo von solcher Schönheit und Majestät, daß dies allein einer nicht allzuweiten Reise auf den Oybin wohl werth seyn dürfte. 

Die andere Hälfte dieses Platzes bedarf keiner Stangen. Sie ist von den größten Sandbänken umzingelt, die wie Mauern dastehn, deren einige aber auch so fürchterlich in schiefer Richtung herüberhängen, daß man sich vor ihrem Einsturz fürchten würde, wenn man ihn nicht eiserne Festigkeit gleich von weitem ansähe. Gegen Norden zu werden diese vertikalen Richtungen ebner, und es trägt hier eine dieser steinernen Wände in einer beträchtlichen Höhe folgende gegen Nordwest gerichtete Inschrift, deren vergoldete Buchstaben die Witterung sehr unscheinbar gemacht hat:

Als die Durchlauchtigsten Fürsten und Herren,

Herr Johann Georg der Andre, des heiligen Römischen Reichs Erzmarschall und Churfürst, auch Burggraf zu Magdeburg, und Herr Johann Georg der Dritte, Herzoge zu Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, Landgrafen in Thüringen, Marggrafen zu Meißen auch Ober- und Niederlausitz, Grafen zu der Mark und Ravensberg, Herrn zu Ravenstein, sich zum erstenmal in Dero getreuen Stadt Zittau etzliche Tage über persönlich enthielten, haben Sie auch diesen Ort mit Dero Churfürstlichen gnädigen Gegenwart beehret,
am 18. Maji des 1665. Jahres.

Tobias Vopelius me fecit.

Da die Inschrift ausführlich ist, so bedarf es keiner weitern Erwähnung dieses angenehmen Besuchs. Doch kann folgende Anecdote davon, die sich indes blos auf mündliche Tradition gründet, vielleicht einen Augenblick unterhalten: Der Churfürst sowohl als der Prinz waren von dem Orte sehr eingenommen, und die hier getroffenen Anstalten des Raths zu Zittau erhielten Ihren gnädigen Beyfall. Aber, sagte der Churfürst, eins fehlt doch noch, ihr Herren, so nothwendig als Alles andre, wenn man hier verweilen will. "Und dies, Ew. Durchlaucht?" Ein Apartement, erwiederte der Herr lächelnd. Man fand diese Erinnerung so wahr als launig, und machte bald darauf Anstalt zum Apartement, wozu sich auch in der Nähe des Sommerhauses, gegen Norden zwischen zwey sehr großen Sandbänken, wo sogar die Natur schon selbst eine Ableitung zwischen Felsklüften gemacht hatte, ein schicklicher Platz fand.

Meynest Du nun, Fremdling, am Ziele Deiner Wallfahrt zu seyn? Oder erwecken nicht die hohen, von der Natur aufgeführten Mauern, die du hier gen Aufgang siehst, in Dir den Wunsch, auf ihnen zu wandeln? Siehe, dies kannst Du; mehr noch, Du kannst weit über sie hinaus klimmen, und ein Ziel finden, wo Dein Blick an einem Dich rings umgebenden Zirkel von Gebirgen sich weiden wird. Aber zurück müssen wir noch einmal, bey der Cisterne und der Küche vorbey, über den stillen Kirchhof hinweg, wo wir neben der Buche, welche die Asche des längstvergeßnen Befehlshabers decken soll, wieder bergan steigen. Eine bald hölzerne bald steinerne Treppe führet uns nach verschiedenen Biegungen gegen Norden heraus. Sie enthält 80 Stufen in verschiednen Absätzen. Aber bald in ihrem Anfange zieht rechter Hand eine hohe Mauer unsre Aufmerksamkeit an sich, die über die Hälfte aus Fels besteht, darüber aber von Menschenhänden ausgemauert ist, und zu dem uralten Raubschlosse gehört. Ehedem und noch vor wenig Jahren konnte man von diesem Pfade aus nicht auf das Raubschloß kommen, denn es ist eine tiefe Kluft zwischen dieser und jener Höhe. Nun aber ist eine hölzerne Treppe über diese Schlucht hinauf geführt worden, die zwar etwas steil, aber auf beyden Seiten mit Handleitern versehn ist. Obschon diese Treppe den grauen Ruinen etwas von ihrem antiken Ansehn benimmt, so war sie doch höchst nothwendig, um bequem auf das Raubschloß zu kommen, und sie konnte durchaus an keinem andern Orte angebracht werden.

Es ist aber auf dem Platze, wo diese adliche Räuberherberge gestanden, nichts mehr davon zu sehn, als einiges ganz niedriges Gemäuer, und ein Stück von einem sechseckigen Thurme, das sich dicht neben der Klosterkirche, aus Felsen gehauen, hinabzieht. Übrigens ist der ganze Platz mit Bäumen und Beerkräutig bewachsen. Auf der Morgenseite findet man einen erhöhten Sandweg, an dessen Ende sich eine niedrige Holzwand befindet, vor welche zu Zeiten die Scheibe gestellt wird, wenn verabredete Gesellschaften sich mit Schießen belustigen; die denn gegen Norden hin, auf jener andern Felskuppe des Oybins ihren Schießstand haben, und über die Schlucht hinwegschießen. - Zu den Zeiten des Klosters soll hier oben eine Windmühle gestanden haben, und etwas Feld- oder Gartenbau angelegt gewesen seyn.

Zwischen Bäumen von mancherley Art und Alter, und dem üppigen Gesträuch der Heidel- Preisel- und Erdbeere leitet uns nun, wenn wir aus den Ruinen des Raubschlosses zurück sind, die vorerwähnte Treppe immer höher, und ein sanft bergangehender ebner Pfad bringt uns auf einen geräumigen lichten Platz, in dessen Mitte eine isolirte graue Felskuppe, ehrwürdig und neugierweckend, dasteht. Wir wollen diese Krone des Oybins izt noch nicht besteigen, obschon die gerade vor uns liegende darauf führende Treppe uns dazu einladet. Wir lassen sie noch einen Augenblick zu unsrer Rechten, und verfolgen den immer gegen Norden fort leitenden Pfad zu einem Heiligthume aus der grauen Vorzeit, dem Bette des Kaysers. Einige herabgehende Stufen bringen uns auf dies hervorragende Felsstück, das ringsum mit Stangen verwahrt ist, und eben die Aussicht, wie unten auf dem Schießplatze, welches überhaupt die einzige weite Aussicht auf dem Oybin ist, jedoch hier etwas breiter gegen Norden, gewährt. Kayser Karl IV. legte sich einst hier der Länge nach hin, um von der Ermüdung auszuruhen. Zum Andenken dieser Ruhe arbeitete man eine viereckige Vertiefung in den Fels hinein, die 9 Fuß Länge, 4 Fuß Breite, und ungleiche Höhe hat, auch mit einem steinernen Hauptküssen geziert ist. Hier nimmt sich das Echo, wenn auf der gewöhnlichen Stelle des Mörsers geschossen wird, auch sehr trefflich, zwar nicht so stark wie unten, aber länger dauernd aus, und man hört das Ende des Wiederhalls gegen Morgen herumkommen.

Der Weg führt uns die Stufen zurück, und weiter hinter dem isolirten Felshügel sehr anmuthig und schattig fort, wo wir auch einige zwischen Buchen- und Fichtenhecken stehenden Ruhebänke und einen ländlichen unbedeckten Kegelschub finden. Von hier gelangen wir zu einem andern durch die Tradition ausgezeichneten Standpuncte, dem sogenannten Kayserstuhl; ebenfalls ein vorspringendes Felsstück, das auch nach Nordnordwest hingerichtet ist, übrigens aber ganz wieder dieselbe Aussicht, nur noch reicher gegen Norden, zeigt, und mit Stangen versehn ist. Eben dieser Kayser setzte sich hier und sahe sich lange um. Aus Respekt gegen seinen Platz hat man hier einen kleinen Lehnstuhl in den Felsen gehauen, auf dem es sich leidlich sitzt. Auch hier müssen wir wieder rückwärts, wenden uns um die isolirte Felskuppe herum, und gelangen, nachdem wir zuvor noch den Schießstand, der zu dem vorerwähnten Scheibenraume auf dem Raubschlosse gehört, ferner den Platz, wo vormals die Mönche ihren Kegelplan hatten, und die dabey befindliche in Fels gehauene lange Ruhebank mit ihrem von der Natur gemachten, einen ungeheuern Löwenrachen vorstellenden Thronhimmel in Augenschein genommen, wieder an die Treppe, die uns auf die äuserste Höhe des Oybins, die oft erwähnte Felskuppe, führt.

Diese Treppe ist ziemlich steil, und hat 37 Stufen. wir haben sie vollendet, und befinden uns auf einem schönen freyen Platze, der fast ganz rund ist, bis auf eine einzige Stelle gegen Südost, wo der Fels eine Ausbiegung macht, ohnweit welcher zu den Zeiten des Klosters eine Treppe  heraufgekommen, die aber eingegangen ist. Der Durchmesser dieser Fläche ist ohngefähr 60 Fuß. Von hier überblickt und überschaut man nun in einer einzigen ringsum gemachten Wendung eine ganze Kette von mehr oder minder hohen Bergen, die den Oybin umzingeln, und seine Lage vortrefflich, einzig machen. Die meisten von ihnen sind höher als er, oder es schließen sich hinter den niedrigern wieder höhere an. Eben dies ists, was der Aussicht vom Oybin etwas schauerlich Schönes mittheilt. Nur eigenthümliche geometrische Höhe ist ganz unbeträchtlich für ein Land voll hoher Berge. Seine Gestalt ist zwar sonderbar und ungewöhnlich, aber diese erblickt man doch auf der Anhöhe nicht weiter. Die Ueberreste aus der grauen Vorzeit, die man von hier aus zum Theil gewahrt, sind rührend, doch nicht einzig. Aber einzig ists, wenn wir uns auf einer großen Anhöhe befinden, und doch ringsum von noch weit höhern Bergen eingeschlossen sind, die gleichwohl nirgends mit unserm Standpuncte zusammenhängen, so daß wir die mit lichtem Gehölz bekleideten Lehnen der meisten dieser Berge, und vor ihnen steile Tiefen und Thäler, die theils einsam und wild, theils bebaut, lebendig und bewohnt sind, überschauen. 

Noch einziger ists, daß wir nicht ganz eingeschlossen sind, sondern daß die Einöde, die uns nach und nach lästig, oder doch wenigstens ermüdend werden würde, gegen Norden und Nordost von der reizendsten Aussicht in lachende nahe und ferne Fluren unterbrochen wird, wo das lange Olbersdorf, die rothen Ziegeldächer der Stadt Zittau, viele weite und nahe Dörfer, und nordwärts im fernen Grunde die majestätische Landeskrone, nebst noch fernern, mit ihrem schönen Blau in die Farbe des reinen Aethers sich verlierenden Gebirgen unser Herz wieder mit Allkraft an die von Menschen bewohnte Erde fesselt, das bisher so fest an der bezaubernden Einöde hing. Diese Aussicht wird durch die, eine Art von Straße bildenden Berge, den Töpfer und den Ameisenberg, wahrhaft perspektivisch, und leitet unsern Blick aus dem Zirkel von Gebirgen, die ihn izt fesseln, in endlose Freyheit; indes jenseits dieses Prospekts, ihm gerade über gegen Süden der Riese Hochwald sich majestätisch zwischen seinen weit niedrigern Nachbarn emporlehnt, und über den Oybin hinweg nach jener fernen lachenden Landschaft hinschaut. Staunen und Ehrfurcht gegen dich, heilige Natur, durchglüht mich an dieser reizenden Stätte, und ich bete vor dir im Staube an! Noch andachtsvoller wird mein Gefühl, wenn zahllose Sterne ruhverkündend auf uns herabschaun, und der Vollmond die majestätischen uns umgebenden Berge, die Thäler und die Thürme von Zittau erleuchtet.

Sicher ist hier einer der schönsten Plätze auf dem Oybin; ich will nicht sagen, der schönste, weil so manches Plätzchen hier seine eigenthümlichen Reize besitzt, die bald für dieses, bald für jenes Herz, bald für diese, bald für jene Einbildungskraft die meiste Anzüglichkeit haben. Darin aber sind sie einander alle gleich, daß sie schwerlich beschrieben werden können, wenigstens insgesammt durch die Beschreibung verlieren. Vergebt mir darum, Freunde der Natur, wenn meine Gemälde Eure Gefühle nicht erreichten. Und Ihr, die Ihr dies Meisterstück der Natur, den Oybin, noch nicht saht, kommt, und überzeugt Euch, - doch, wenn ichs werth bin, verzeihend und freundlich, - daß mein Pinsel zu stark, mein Kolorit zu schwach war.

Izt will ich noch einen Versuch machen, die Namen der uns umgebenden Berge nebst ihren Plätzen anzugeben, wobey ich aber bemerken muß, daß einige von ihnen verschiedne Namen haben, die mir nicht alle bekannt sind. Doch sind die, die ich nennen werde, die eigentlichsten und gemeinsten. Da man von hier auf die Straße, und bis zum Eintritt in das Oybiner Thal sieht, so muß ich von dort anfangen, und zuerst den Berg nennen, der sich, dem Thale gegen Nordwest, in beträchtlicher Länge fortzieht, und bis an den Oybin selbst reichet. Er heißt der Ameisenberg. Wir kennen diesen bereits. An ihn schließen sich ohne merkliche Abtheilung die Hausgrundberge in langer Reihe. Hier ohngefähr, auf den [!] Ameisenberg, oder die ersten Erhöhungen der Hausgrundberge, fallen die Pfropfe aus den abgeschoßnen Mörsern nieder. An diesen langen Bergrücken schließt sich die Haberlehne, und an diese die Dreyberge, über welche der Jonsberg in ansehnlicher Höhe herausragt. Dann kommt der Pferdeberg, die Hölle, der Hahn, der Hochwald, der große und der kleine Kamm, der Ziegelberg, die hochliegenden Oybinischen Wiesen, die Brandsteine, der Scharfenstein, eine sehr spitzige Felskuppe auf einem kahlen Berge, und endlich der Töpfer, ein sehr langer Berg, der sich bis an Olbersdorf und Eichgraben herumzieht, und auf dem der große, bereits erwähnte Sandsteinbruch ist. Hier ist nun, zwischen dem Töpfer und Ameisenberge, der Eingang ins Oybiner Thal, und wir sind wieder auf dem Puncte, von dem wir ausgingen.

Nun noch zwei Worte von der Aussicht in die Landschaft gegen Norden und Nordwest, die hier auf der äusersten Anhöhe des Oybins in stärkerm Grade annehmlich ist, als unten. Unter den Bergen gebührt die erste Aufmerksamkeit der Landeskrone, die hier sehr schön erscheint; ferner sieht man den Jauernicker Berg, Königshayn bei Görlitz, nebst noch einigen andern dort herum liegenden Dörfern; weit über sie hinaus ein fernes Blau, also Gebirge hinter Görlitz, die ich nicht genau bestimmen kann; näher Herrnhuth, Zittau, Wittgendorf, Hirschfelde; hiernächst einzelne Häuser, Wälder und Berge in Menge. Mehr gegen Morgen über den etwas abfallenden Rücken des Töpfers hinaus gewahrt man auch spitzige, ferne Gebirge, die ohnstreitig zum Riesengebirge gehören. Auch sieht man hier das mit Oybin oder vielmehr mit Schurf gränzende Olbersdorf, und in demselben vorzüglich ein hochstehendes Gebäude mit rothen Fensterstöcken, welches das ehemalige Burkhardische, izt Englerische Gut ist. Dies war vormals ein zum Kloster gehöriger Meyerhof, der ihm einen großen Theil seiner Küchenbedürfnisse lieferte. 

Endlich befindet sich auch noch auf dieser höchsten Kuppe des Oybins, gegen Morgen, auf dem runden Platze ein Stück eckigtes Gemäuer, ohngefähr eine Viertelelle hoch, zwischen welchem jezt Bäume wachsen. Hier soll ehedem eine Betkapelle gestanden haben, welches auch höchst wahrscheinlich ist. O wie heiß, wie ungestört, wie innig mußte sichs hier beten, und wie sehr mußte dieser heilige Platz die Andacht erhöhn! -

In der ersten Ausgabe dieser Beschreibung bemerkte ich, daß von den Vätern der Stadt Zittau, die den Oybin von jeher ihrer besondern Aufmerksamkeit würdigten, bereits beschlossen worden sey, auf diesem äußersten Standpuncte des Oybins ein kleines Lusthaus bauen zu lassen. Dieses ist auch bald darauf ins Werk gesetzt worden, und man findet nun auch hier oben Schutz vor Sonnenstrahl und Regen, und genießt bei der dampfenden Koffeekanne oder der an Inhalt reellern Weinflasche der unbeschreiblich reizenden Aussicht in das Oybiner Thal und in die reiche nördliche Landschaft. Doch auch zu frommen, heiligen Empfindungen stimmt dieser einsame Aufenthalt. Er vertreibt [!] die Stelle des ehedem hier gestandnen Bethauses eben so gut, als er reiner, schuldloser Freude, und dem sanften Entzücken über die Pracht der Natur geweiht seyn kann. Denn nach meinem Gefühl ist überall da, wo reine Freude empfunden wird, ein Tempel der Gottheit, in dem man diese ewige Freudengeberin anbetet.

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3. Oybin - ein romantischer Sehnsuchtsort.
Gemälde, Zeichnungen, Graphiken
Folge II: Zingg | C. A. und A. L. Richter |
  Leonhardi | Busse | Ahlborn

Sofern nicht anders vermerkt, sind die Abbildungen den in Kapitel 9 aufgeführten Werken oder Postkarten entnommen.

Adrian Zingg
Carl August (Vater) und Ludwig Richter (Sohn)

Adrian Zingg
Klosterruine und Friedhof auf dem Oybin,
1795. Feder in Schwarz, Pinsel in Braun
Höhe 47,5; 63 cm

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Adrian Zingg. Wegbereiter der Romantik. Kupferstich-Kabinett. Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Hrsg. von Petra Kuhlmann-Hodick, Claudia Schnitzer, Bernhard von Waldkirch. Dresden: Sandstein Verlag 2002. Katalog Nr. 100, S. 210f.

"Im Bildmittelpunkt ist die Nordwand der Ruine zu erkennen. Aus einer der Seitenkapellen setzt sich gerade eine Trauerprozession in Gang, einige Personen stehen an einem geöffneten Grab. Aus der üppig wuchernden Vegetation im Bildvordergrund ragen weitere Grabplatten und Holzkreuze. Während die Darstellung der Nordwand der Klosterruine ziemlich genau der Wirklichkeit entspricht, ist der Vordergrund frei erfunden." Adrian Zingg. Wegbereiter der Romantik. Kupferstich-Kabinett. Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Hrsg. von Petra Kuhlmann-Hodick, Claudia Schnitzer, Bernhard von Waldkirch. Dresden: Sandstein Verlag 2002, S. 210.

"Fußend auf dem Zinggschen Bildtypus schufen die Dresdner Frühromantiker, namentlich Ludwig Richter, Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus zahlreiche Ansichten des Klosterfriedhofes auf dem Oybin und verhalfen durch ihre Bilderfindungen dem Motiv endgültig zu seiner Berühmtheit." Sabine Weisheit-Possél: Adrian Zingg (1734-1816). Landschaftsgraphik zwischen Aufklärung und Romantik (Villigst Perspektiven; 12) Berlin: Lit Verlag Dr. W. Hopf 2010, S. 206f.

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Adrian Zingg-Werkstatt: Carl August Richter,
kolorierte Umrissradierung, 1812
Höhe 401; Breite 51,7 cm (Blatt)

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Adrian Zingg. Wegbereiter der Romantik. Kupferstich-Kabinett. Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Hrsg. von Petra Kuhlmann-Hodick, Claudia Schnitzer, Bernhard von Waldkirch. Dresden: Sandstein Verlag 2002. Katalog Nr. 103, S. 212f.

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Ludwig Richter
Klosterruine Oybin,
1834. Bleistiftzeichnung
Höhe 20,8; Breite 12,9 cm
(Ausriss)

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Eduard Leonhardi

Eduard Leonhardi
Wald- und Felslandschaft mit einem Teil der Kirchenruine Oybin,
1837. Bleistift, aquarelliert.
Höhe 35,4; Breite 25,2 cm.
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Heinrich Busse

Georg Heinrich Busse
Sakristei auf dem Oybin.
Kohlezeichnung

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Georg Heinrich Busse (1810-1868): Sakristei auf dem Oybin. Kohle mit Deckweiß gehöht, auf braunem Bütten. Höhe 34,9; Breite 24,5 cm. Vorzeichnung zur Radierung von 1832, erschienen in: "Die Radierungen aus den Bilderheften des sächs. Kunstvereins". In: 1800-1970. Aquarelle und Zeichnungen. Katalog 42. Joseph Fach, Frankfurt a.M., Nr. 17.

"Wenn C. G. Carus und E. F. Oehme das von den Dresdner Malern der Romantik als besonders reizvoll empfundene Motiv der Ruine des ehemaligen Zölestinerklosters noch romantisch überhöht darstellten, findet Busse in dieser ungewöhnlichen Zeichnung zu einer naturalistischen Sehweise."

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Georg Heinrich Busse
Sakristei auf dem Oybin,
1832. Radierung
Höhe 14; Breite 10,2 cm.

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"Die Kirchenruine auf dem Oybin in der Sächsischen Schweiz ist ein typisch romantisches Motiv, das allerdings bei Busse durch die genaue Schilderung des sachlichen Befundes der mittelalterlichen Architektur keine mystische Verklärung erfährt." (S. 168) Angekauft vom Sächsischen Kunstverein auf das Jahr 1832.

Bärbel Kovalevski: Die Bilder-Chronik des Sächsischen Kunstvereins Dresden 1828-1836. Frankfurt a.M.: H. W. Fichter Kunsthandel und Edition 2010, S. 168.

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August Wilhelm Julius Ahlborn

August Wilhelm Julius Ahlborn
Blick in die Klosterruine auf dem Oybin
Öl auf Leinwand

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August Wilhelm Julius Ahlborn (1796-1857): Blick in die Klosterruine auf dem Oybin bei Zittau. Öl auf Leinwand. 1835. Höhe 19,5; Breite 15,1 cm. Eigenhändig betitelt, signiert und datiert. Ausriss.

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4. Goethe auf dem Oybin?


Das Gesellschaftshaus auf dem Oybin

Quelle:
Alfred Moschkau: Goethe und Karl August auf dem Oybin bei Zittau vom 28. bis 29. September 1790. Eine Erinnerung für Besucher des Oybin. L. Senf 1879. Digitalisiert durch die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, URL:
http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/92959/1/cache.off

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Goethe begleitete Herzog Karl August auf der "Campagne in Schlesien" 1790, doch führten ihn seine geologischen bzw. gesteinskundlichen Interessen zeitweise eigene Wege. Auf der Rückreise besuchte der Herzog den Oybin und trug sich vom 28. bis 29. September 1790 mit zwei Begleitern in das Fremdenbuch ein, das beim Schulmeister Johann Hübel auslag, der zugleich als "Bergschließer, Bergführer", Wirt und Hotelier fungierte. Goethes Name findet sich nicht im Fremdenbuch, und es gibt auch keine Belege dafür, dass er Oybin besucht hat. Wenn im Folgenden dennoch von Goethe auf dem Oybin die Rede ist, so fußt dies ausschließlich auf der örtlichen Überlieferung. 

Karl August und seine Begleiter übernachteten auf dem Oybin im bescheidenen hölzernen Gesellschaftshaus, das "dicht an den herüberhängenden Felsen" errichtet worden war. Wahrscheinlich wollte die kleine Gesellschaft "die Herrlichkeit der Ruinen und die Romantik des Berges auch bei Kienfeuerbeleuchtung und bei Mondschein bewundern". Der Gesellschaftsplatz vor dem Hause diente auch als "Schießplatz für die Mörser", deren Losbrennen ein Echo von "wunderbarer Schönheit" hervorrief. "Der Mörser war von einer mittlern Größe, und wurde mit einem hölzernen Propfe geladen, ein Pfund Pulver gab fünf Schüsse, die Mündung wurde gewöhnlich gegen Nordwest, auf den südöstlichen Abhang des Ameisenberges zu gerichtet."

Auch dieses Echo wollte die Gesellschaft genießen. Das Abfeuern aus dem Mörser soll Goethe übernommen und sich dabei einen derben Scherz auf Kosten des Schulmeisters geleistet haben. "Mit dem Laden der Mörser fertig, eben die Lunte an das Zündloch führend, nimmt Goethe mit der nötigen Geschwindigkeit des Schulmeisters Dreimaster vom Kopfe, setzt solchen auf den Holzpropf des Mörsers, der zur selben Secunde losgehend unter allgemeinem Gelächter den Deckel des Hutes in die Lüfte entführte, den Hut aber selbst auf dem Mörser sitzen ließ." Dem Lehrer wurde der Schaden ersetzt und er erhielt am folgenden Weihnachtsabend eine Schachtel aus Weimar, "in welcher sich ein schöner neuer Hut befand, so fein wie ihn sein greises Haupt bisher nie getragen." Nach einer anderen Version ließ Goethe die Lockenperücke Hübels in die Luft fliegen und sandte ihm als Geschenk eine neue Perücke.

Quelle:
Moschkau: Goethe und Carl August auf dem Oybin. Aus dieser Broschüte auch die Zitate.

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Für die "Brausejahre" Carl Augusts und Goethes, in denen sie in Ilmenau und Stützerbach derbe Scherze trieben, siehe die Seite:

Orte und Zeiten in Goethes Leben
Ilmenau
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6764

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5. Mönchszüge

Die Mönchszüge sind wahrscheinlich angeregt worden von der lokalen Sage "Der Allerheiligenabend auf dem Oybin", die von Zwergen handelt:

"Auch in dem Oybin, wo die alte Klosterruine steht, hausen Zwerge oder Heinchen, die versammeln sich allemal am Allerheiligen-Abend in der Mitternachtsstunde und ziehen Paar um Paar, ihren Priester in der Mitte und Wachskerzen in den Händen, in die alte Kirchenruine, wo sie unterirdische Betstühle besitzen. Dann vernimmt man die Töne einer unsichtbaren Orgel und hört den Priester das Hochamt halten." (Haupt: Sagenbuch der Lausitz, Nr. 28, S. 41f.) 

Ein Postkartenbild vom Mönchszug druckt die folgende Variante der Sage ab (1):

AM ABEND ALLERSEELEN. DA RAUSCHT ES AUF OYBIN. WIE WENN VIELE BETER NIEDER IM STILLEN DOME KNIEN. DA WISPERT´S UND DA FLÜSTERT´S MIT STIMMCHEN LEIS UND FEIN. SCHWEBT SUMMEND AUF WIE BIENEN AUS DÜSTREM FELSGESTEIN. DAS SIND DES BERGES HEIMCHEN, SICH SAMMELND PAAR FÜR PAAR. DER TIEFE ZWERGE, WALLEND ZUR KIRCHE SCHAR FÜR SCHAR, IN JHRER MITTE SCHREITET DER PRIESTER LANGE REIH´. DIE TRAGEN KERZEN UND FACKELN UND STIMMEN IN LITANEI.

Die "Historischen Mönchszüge", wie sie heute stattfinden, gehen auf die musikalischen Festlichkeiten des 19. Jahrhunderts auf dem Oybin zurück. (2) "Bergkonzerte" wiederholten sich "zumal seit dem Jahre 1822 alljährlich und in großer Anzahl". Zu den kommunalen und militärischen Musikkapellen und den Harfengesellschaften kamen Chöre und Gesangsvereine mit ihren Festzügen und Sängerfesten. Die Festivitäten, oder doch ein wesentlicher Teil von ihnen, fanden auf dem Gipfel des Oybin, am Gesellschaftsplatz und in der Klosterruine statt, häufig bei Mondlicht, abends oder nachts bei Fackelschein oder mit Illuminationen. So wurde das Reformations-Jubelfest 1817 mit einem Festzug der Oybiner Jugend auf den Gipfel des Oybin begangen, wo zwei illuminierte Pyramiden standen. Der Gottesdient zum Augsburger Konfessions-Jubelfest 1830 wurde in der erleuchteten Klosterkirche abgehalten und der Kirchturm illuminiert. "1853 gab es ein Vollmond-Concert, dessen letzter Theil in der Kirchruine executiert wurde." Es kam zu Fackelzügen und Mönchszügen. So fand 1851 eine Nachtfahrt des Zittauer Gesangvereines "Liederkranz" auf den Oybin statt;"Darstellung lebender Bilder am Gesellschaftsplatze, Zug und Gesänge im Mönchsgewande zur Kirche". An manchen Jahren im späten 19. Jahrhundert folgten einander mehrere Festivitäten, die sich der Erleuchtungen und des Fackelscheins bedienten. So wird zu den Festlichkeiten zu Ehren des sächsischen Lehrervereins am 2. Oktober 1883 vom Chronisten notiert: "auf dem Berge Concert, bengalische Erleuchtung der Kirche, Cölestinerzug in die Kirche und Gesangsvorträge durch die Zittauer Liedertafel, Beleuchtung des Oybin-Museums; bei der Heimfahrt der Lehrer bengalische Beleuchtung des ganzen Oybinthales". Zu einer Fackelbeleuchtung kam es erneut am 10. November desselben Jahres anlässlich der Feierlichkeiten zu Luthers 400jährigen Geburtstag mit Gesangsvorträgen, Deklamation und Festrede.

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1. Bild von oben: Ohne Titel. Adressseite: Oybin. Mönchszug. Silesia Karte Nr. 1. E. Wagner Söhne, Zittau i. S., Papier- u. Schreibw.-Großhdlg., Silesia-Verlag. Gelaufen. Datiert und Poststempel 1927.
2. Bild von oben: Ohne Titel. Oybin - Möchszug. Ansichtskartenverlag "Silesia", Görlitz. Nicht gelaufen.
3. Bild von oben: Oybin. Mönchszug. Adressseite: Silesia Karte. Nr. 135. E. Wagner Söhne, Zittau i. Sa., Papier- u. Schreibwaren Großhandlung, Selesia-Verlag. Gelaufen. Datiert und Poststempel 31.8.31. - Auszug aus dem handschriftlichen Text: "Gestern abend wohnten wir dem bei bengalischer Beleuchtung mit Gesang begleiteten Mönchszug bei unter zahlreicher Beteiligung."
4. Bild von oben: Oybin - Mönchszug. Adressseite: Hermann Seibt, Meissen 2715. Nachdruck verboten 1909. Nicht gelaufen.

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Seit 1990 gestaltet der Verein “Historische Mönchszüge – Berg Oybin e.V.” jährlich von Mai bis September auf dem Berg Oybin den “Historischen Mönchszug.” "Bei Beginn des Mönchszuges werden die Besucher, welche sich auf dem idyllischen Bergfriedhof eingefunden haben, von zwei Mönchen begrüßt. Bei faszinierender Beleuchtung kommen dann die Cölestinermönche singend im Fackelschein von der Camera Obscura herab und singen vom Platz über dem Friedhof Lieder von Mozart, Beethoven, Mendelsohn-Bartholdy, sowie sakrale Lieder. Der Zug setzt sich fort über den Bergfriedhof, zwischen den Gästen hindurch - es erklingt das "Dona nobis pacem" bis zum Kaiserhaus [...]." (3)

Anmerkungen:
(1) Schätze der Vergangenheit der Burg und des Klosters zu Oybin. Digitales Postkarten Archiv. 
(2) Die folgenden historischen Ausführungen fußen auf Moschkau: Oybin-Chronik, S. 300-304. Dort auch die Zitate.
(3) Fremdenverkehrsbetrieb Oybin, Burg und Kloster Oybin. Onlineauftritt.

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6. Der Jungfernsprung auf dem Oybin

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Es war einmal ein Mädchen,
So jung und doch so schön.
Sie hieß mit Namen Kätchen,
War sonst auch angenehm.

Die kam einmal nach dem Oybin,
Wollt' hierbei nicht verzichten,
Gar fromm im nahen Kirchlein drin
Gebete zu verrichten.

Da sah ein junger Gottessohn
Das wunderschöne Mädchen
Und glaubt', ihm winke hoher Lohn
Bei unserm lieben Kätchen.

Das aber dachte anders sehr
Und eilte rasch von dannen.
Der Mönch jedoch gleich hinterher
Durch Felsen und durch Tannen.

Ein Abgrund tat sich plötzlich auf,
Wohl an die hundert Meter,
Der hemmte ihren schnellen Lauf.
Wo kam ihr ein Erretter?

Was tun, der Mönch war hinterher,
Da gab es kein Besinnen.
Es wurde ihr auch gar nicht schwer,
Dem Pater zu entrinnen.

Die Krinoline wie ein Schirm,
Schwebt sie hinab zur Erde.
Er oben steht mit bösem Grimm
Und schrecklicher Geberde.

Erfreut, glücklich entwischt zu sein,
Eilt sie jetzt rasch nach Hause;
Jedoch der fromme Klostersohn
Schlich sich in seine Klause.

Der Jungfernsprung auf dem Oybin. Mit obigem Gedicht auf der Bildseite. Adressseite: Silesia Karte Nr. 39. E. Wagner Söhne, Zittau i. Sa., Papier- u. SchreibwarenGroßhandlung. Silesia-Verlag. nicht gelaufen.

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"Dicht neben der herrlichen Klosterruine auf dem Oybin ist auch ein tiefer Felsenspalt, der den merkwürdigen Namen Jungfernsprung führt. Über die Entstehung dieses Namens gibt es drei Sagen.

1.

Im Jahre 1601 hatten sich nach einer noch jetzt üblichen Sitte am Johannistage die Bewohner von Zittau und Umgegend in großen Scharen auf dem Oybin zusammengefunden. Unter ihnen war auch ein junges Mädchen aus Zittau, dieser durch seine schöne Mädchen so berühmten Stadt. Mit ihren Gespielinnen machte sie im Scherz eine Wette, diese Kluft zu überspringen. Die Damen trugen damals Pantoffeln, und so kam es, dass die schöne Zittauerin den Pantoffel verlor, wodurch der Sprung geschwächt wurde und sie hinabstürzte in die Kluft. Laut schreiend und vor Schrecken starr standen die Gefährtinnen am Rande des Abgrundes, aber siehe da, dem waghalsigen Fräulein war gar nichts geschehen, der Reifrock, den sie trug, hatte sie wie ein Fallschirm sanft und sicher heruntergetragen. - Daraus ersieht man, dass diese geschmacklose Mode doch auch ihren Vorteil hat.

2.

Eine andere Sage erzählt von einem verliebten Jäger, welcher mit der Wut der Leidenschaft ein sittsames Mädchen bis auf den Berg verfolgte. Sie flüchtete sich hinter die Kirche, der Jäger ihr nach. Atemlos lief sie weiter, sie gelangte an die Schlucht, wagte den gefährlichen Sprung und rettete so ihre Tugend.

3.

Nach einer dritten Erzählung war es ein Mönch aus dem Cölestiner-Kloster des Oybins, welcher eine Nonne verfolgte, von der die Sage nicht erzählt, wie sie auf den Oybin gekommen sei; genug, sie wagte ebenfalls den gefährlichen Sprung und rettete ihre Ehre." (Haupt: Sagenbuch der Lausitz, Nr. 282, S. 429)

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Siehe die Seite
Der Jungfernsprung auf dem Oybin
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=3292

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7. Waldtheater

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1. Bild von oben: Ohne Titel. Adressseite: Waldtheater Oybin b. Zittau. Ueber 4000 Besucher. Herausgegeben v. d. Leitung d. Waldtheaters 17. Ansichtskartenverlag "Silesia" Görlitz.
2. Bild von oben: Ohne Titel. Adressseite: Waldtheater Oybin b. Zittau. Versunkene Glocke. Herausgegeben v. d. Leitung d. Waldtheaters. Ansichtskartenverlag "Silesia", Görlitz. Nicht gelaufen.
3. Bild von oben: Ohne Titel. Adressseite: Waldtheater Oybin b. Zittau. Der Pfarrer von Kirchfeld. Herausgegeben v. d. Leitung d. Waldtheaters 10. Ansichtskartenverlag "Silesia", Görlitz. Gelaufen. Datiert und Poststempel 1911.
4. Bild von oben: Ohne Titel. Adressseite: Waldtheater Oybin b. Zittau. Genoveva, Tragödie von Friedrich Hebbel. Herausgegeben v. d. Leitung d. Waldtheaters 54. Ansichtskartenverlag "Silesia", Görlitz. Nicht gelaufen.
5. Bild von oben: Waldtheater Oybin b. Zittau. Wallenstein's Lager. Dramatisches Gedicht von Friedrich v. Schiller. Herausgegeben v. d. Leitung d. Waldtheaters. 45. Ansichtskartenverlag "Silesia Görlitz. Nicht gelaufen.
6. Bild von oben: Ohne Titel. Adressseite: Waldtheater Oybin b. Zittau. Wallenstein's Lager. Dramatisches Gedicht von Friedrich v. Schiller. Herausgegeben v. d. Leitung d. Waldtheaters 43. Ansichtskartenverlag "Silesia", Görlitz. Gelaufen. Poststempel unleserlich.

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Mit dem Harzer Bergtheater Thale, das 1903 eröffnet wurde, zählt das Waldtheater Oybin zu den ältesten Wald- oder Naturtheatern. 

"Es ist ein ausgesprochenes Waldtheater, wie ein solches in seiner Durchführung noch nirgends besteht. Eingebettet in die Wunder des Waldes, ruht der Spielplatz mit seinen in Waldhüttenmanier gehaltenen und sich dem heimatlichen Charakter anschmiegenden Baulichkeiten zwischen den felsigen Bergen. In einer romantischen Talmulde liegt das Theater, umrauscht von den dunklen Nadelwäldern, umraunt von den Geistern des Waldes und der nahen Elfenwiese, umsponnen von den Sagen des Oybins." (1)


Feier zur Eröffnung
des Oybiner Waldtheaters (2)
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Das Oybiner Waldtheater wurde am ersten Pfingsttag 1911 mit einer Aufführung von Goethes "Iphigenie auf Tauris" eröffnet und brachte vor allem bewährte Theaterklassiker, z.B.: Shakespeares Lustspiel "Was Ihr wollt", "Wallensteins Lager" von Schiller, Grillparzers Trauerspiel "Sapho", Hebbels Tragödie "Genoveva", aber auch zeitgenössische Stücke wie Hauptmanns Märchendrama "Versunkene Glocke", "Der Pfarrer von Kirchfeld" von Ludwig Anzengruber, "Wieland der Schmied" von Fritz Lienhard, Wortführer der Heimatkunstbewegung, oder "Glaube und Heimat. Tragödie eines Volkes" von Karl Schönherr, der mit seiner völkischen Gesinnung dem Nationalsozialismus willkommen war. Bespielt wurde das Waldtheater bis zum Ende der Saison 1944.

Anmerkungen:
(1) Fedinand Hesse: Zur Eröffnung des Oybiner Waldtheaters. Eröffnungsprospekt.
(2) Publiziert mit Erlaubnis des Stadtarchivs Zittau. Mit Dank für die Recherche.

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Schloss, Kloster und Dorf Oybin 1715
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Quelle:
Alfred Moschkau: Oybin-Chronik. Urkundliche Geschichte von Burg, Cölestinerkloster und Dorf Oybin bei Zittau. Leipa in Böhmen: Johann Künstner [ca. 1884]. Digitalisiert durch die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, URL:
http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/89296/7/

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Burg und Kloster Oybin, 1570
Rekonstruktion von Cornelius Gurlitt
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Quelle:
Alfred Moschkau: Oybin-Chronik, wie oben.http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/89296/7/

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8. Die Geschichte des Oybin
in einer Zeittafel

um 1211     Bau eines hölzernen Jagdhauses, das verfällt, durch Quahl, Freiherr von Berka.
Die Herren vom Burgberge bei Zittau bauten ein Raubnest auf dem Oybin, das durch die Bürger von Zittau zerstört wurde.

um 1312     ließen die Herren von Leippa, die in den Besitz der Stadt Zittau und des Oybin gelangten, das verwüstete Haus wieder aufrichten, "denn auch sie ergaben sich der Plackerey, die man damals ritterliche Nahrung nannte" (S. 64). Die neuen Herren "machten die Burg jetzt fester, als sie zuvor gewesen war, umzogen sie mit Mauern, und führten einen hohen Thurm auf" (S. 65)

1343            eroberte Herr von Michelsberg die Burg. "Unter seinem Besitz wurden die alten Geschäfte lebhaft fortgesetzt, und der Oybin ward eines der berüchtigtsten Raubnester damaliger Zeit" (S. 66).

1349            wurde die Burg durch Karl IV., König von Böhmen, eingenommen und "zerstört, die Räuber wurden erlegt, oder sie fanden ihr Grab in den Klippen" (S. 67). Der König befahl der Stadt Zittau ein Haus ("des Kaysers Haus") auf dem Oybin zu errichten.

1364            übergab der König der Stadt Zittau den Oybin nebst einigen Landgütern, "wogegen sie sich aber der Krone Böheim mit 300 Mark jährlichen Erbzinses verpflichten mußte" (S. 68).

Karl IV., inzwischen römisch-deutscher Kaiser, bot den Cölestinern den Berg Oybin an. Der hohe, abgelegene und einsame Berg entsprach den Ordensregeln. Der Stadt Zittau wurde der Oybin "nebst den dazu gehörigen Feldern und Waldungen" wieder abgenommen und "zur Grundbesitzung des zu stiftenden Cölestinerklosters bestimmt" (S. 72)

1369            geschah die Stiftung des Klosters für 12 Brüder.

1369-1384  Bau des Klosters.

"Karl hatte es an nichts fehlen lassen, seinen geliebten Cölestinern hier einen recht angenehmen Aufenthalt zu verschaffen. Nicht nur für ihre Ehre sorgte er, indem er sie insgesamt zu Hofpriestern des Königreichs Böhmen ernannte, sondern er räumte ihnen auch beträchtliche Striche Landes, Wiesen, Teiche, trockne Zinsen, Vorwerke, und einige Dorfschaften ein, und machte hiernächst auch die Stadt Zittau verbindlich, ihnen so lange einen ansehnlichen Zuschuß, der festgesetzt wurde, zu reichen, bis die Patres im Stande sein würden, dieses Beystandes zu entbehren." (S. 75)

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Kirchruine Oybin, 1784
Trachten der Cölestinermönche

 

Quelle:
Alfred Moschkau: Oybin-Chronik. Urkundliche Geschichte von Burg, Cölestinerkloster und Dorf Oybin bei Zittau. Leipa in Böhmen: Johann Künstner [ca. 1884]. Digitalisiert durch die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, URL:
http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/89296/7/

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1429            geschah der beträchtlichste Überfall der Hussiten. Doch wurde das Kloster im Hussitenkrieg nicht eingenommen.

1532            wurde durch eine Deputation "von der hohen Landesobrigkeit" das gesamte Vermögen aufgenommen und ein genaues Inventarium aller vorgefundenen Dinge erstellt. Dies geschah mit Blick auf die Aufhebung  zahlreicher Klöster in den religiösen Kriegen und Wirren der Zeit.

1544            kamen abermals königliche Abgeordnete "und beschäftigten sich damit, alle hieselbst befindliche Monstranzen, Kelche, Pontificalia und Silbergeräthschaften zu besichtigen, auszuwiegen und zu versiegeln." (S. 81)

1545            Ein zufälliges Unglück, der Brand ihres Mundvorwerks, "wobey viele Vorräthe, Getreide und Vieh verloren gingen," beschleunigten den Entschluss der Mönche, das Kloster zu verlassen und sich nach Zittau in den "Väter Hof" (oder "domus paracleti" genannt) zurück zu ziehen. Nach und nach zerstreuten sich die Konventualen. "Einige nahmen die evangelische Religion an; einige wendeten sich in andre entfernte Klöster ihres Ordens; einige gingen den Weg allen Fleisches." (S. 82)

1568            erlosch der Cölestinerorden in der Oberlausitz.

Die Klosterbesitzungen wurden zur königlichen Kammer geschlagen; die Liegenschaften wurden zeitweise durch Verweser verwaltet, zeitweise für ein beträchtliches Darlehen versetzt oder auch gegen Geld verpachtet.

1574            veräußerte König Maximilian II. den Oybin samt den dazu gehörigen Gütern erb- und eigentümlich an den Rat zu Zittau "um 68000 Reichsthaler oder Meißnische Gulden, die in verschiednen Terminen ausgezahlt wurden." (S. 84)

1577            am 24. März kam ein heftiges Donnerwetter über das Gebirge. "An diesem furchtbaren Tage nun schlug der Blitz an verschiednen Stellen hier ein, und setzte die Gebäude in Brand. Noch wäre der Schade nicht so groß gewesen, hätte das Feuer nicht die hier befindliche starke Pulverniederlage ergriffen. Dies geschah aber, und das Pulver zersprengte mehrere Mauern und Felswände, die dem Feuer getrotzt hätten. Auch ward dadurch der Brand allgemein, das Löschen erschwert, oder vielmehr bey geringem Wasservorrath unmöglich. Der größte, ansehnlichste Theil der Gebäude ward sonach ein Raub der Flammen." (S. 86)

Von einem Wiederaufbau sah man ab. "Es blieb also alles unberührt, Wind und Wetter vermehrten in der Folge der Zeit den Ruin, und die streifenden Horden im dreyßigjährigen Kriege, nebst andern hieher flüchtenden Schaaren von Deserteurs, Marketendern, Freybeutern und Dieben vollendeten ihn, indem sie alles Eisen und Kupferwerk, und was sonst einen klingenden Werth haben konnte, wegnahmen." (S. 86)

1681            am 14. Mai, kam es zu einer sonderbaren Naturbegebenheit, "wo eine voneinander berstende Sandbank einen unglaublichen Knall und eine hier vorher nie gewesene Schlucht veranlaßt haben soll" (S. 86f.).

1723            Beginn der Erbauung der Oybiner Dorfkirche am Abhange des Felsens; beendigt 1734.

Quelle:
Peschkek: Der Oybin bey Zittau. Peschek gibt den Kenntnisstand um 1800 wieder. Für eine ausführlichere Chronik, mit einigen Korrekturen an Peschek, siehe Moschkau: Oybin-Chronik

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Ruine sur l'Oybin
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Quelle:
Christian Gottlob Hammer nach Philipp Veith (1768-1837): Ruine sur l'Oybin, montagne prés de la Ville de Zittau en Saxe. Umrissradierung. Höhe 46,3; Breite 59 cm. Ausriss.

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Ruinen des "festen Hauses Oybin", Nordseite
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Quelle:
Alfred Moschkau: Oybin-Chronik. Urkundliche Geschichte von Burg, Cölestinerkloster und Dorf Oybin bei Zittau. Leipa in Böhmen: Johann Künstner [ca. 1884]. Digitalisiert durch die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, URL:
http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/89296/7/

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9. Literatur und Weblinks

Literatur:

* Christian August Peschkek: Der Oybin bey Zittau. Raubschloss, Kloster und Naturwunder. Mahlerisch und historisch beschrieben. 2. verb. Aufl. Zittau und Leipzig: Johann David Schöps 1804. (Digitalisierung durch Google).

* Karl Haupt: Sagenbuch der Lausitz. In: Neues Lausitzisches Magazin. Bd. 40. Görlitz 1863. Digitalisiert durch die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, URL:
http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/57007/1/0/

* Alfred Moschkau: Ritterburg und Kloster Oybin. Beschreigung, Geschichte und Sagen. Illustrierter Führer durch die Umgebung von Oybin und Hain, Töpfer, Lückendorf, Hochwald, Nonnenfelsen, Lausche und durch das Oybin-Museum. 30. Aufl. Oybin: Verlag des Oybin-Museums o.J.

* Alfred Moschkau: Oybin-Chronik. Urkundliche Geschichte von Burg, Cölestinerkloster und Dorf Oybin bei Zittau. Leipa in Böhmen: Johann Künstner [ca. 1884]. Digitalisiert durch die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, URL:
http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/89296/7/

Alfred Moschkau: Führer zu den intressantesten Raubburgen der Oberlausitz und Böhmens. Zittau, Verlag der Pahl'schen Buchhandlung (E. Arnold)1879. Digitalisiert durch die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, URL:
http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/91792/1/

* Alfred Moschkau: Ritterburg und Kloster Oybin. Beschreibung, Geschichte und Sagen. Reprint. Dresden: Neisse Verlag 2013. ISBN 978-3-86276-087-9

* Alfred Moschkau: Goethe und Karl August auf dem Oybin bei Zittau vom 28. bis 29. September 1790. Eine Erinnerung für Besucher des Oybin. L. Senf 1879. Digitalisiert durch die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, URL:
http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/92959/1/cache.off

* Johannes Renatus: Die letzten Mönche vom Oybin. Eine Geschichte aus dem sechszehnten Jahrhundert. 3. Aufl. Leipzig: E. Ungleich 1897.

* Lothar Kempe: Das Reich des Oybin. Dresden: Sachsenverlag 1955.

Oybin im Spiegel seiner Geschichte. 8., von Manfred Winter überarbeitete Auflage. Hrsg. vom Rat der Gemeinde Kurort Oybin o.J.

* Bernd Hauser: Oybin. Burg- und Klosteranlage (Schnell, Kunstführer Nr. 2028) München, Zürich: Schnell & Steiner 1992.

Gemälde, Zeichnungen, Graphik

Eine Auflistung der bildlichen Darstellungen des Obyn bei Alfred Moschkau: Oybin-Chronik. Urkundliche Geschichte von Burg, Cölestinerkloster und Dorf Oybin bei Zittau. Leipa in Böhmen: Johann Künstner [ca. 1884], S. 310. Digitalisiert durch die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, URL:
http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/89296/7/


Blechen
* Karl Blechen. Leben, Würdigung, Werk. Berlin: Deutscher Verein für Kunstwissenschaft 1940. Katalog Nr. 70: Kirchenruine. Von verfallener Friedhofsmauer umgeben. Papier, Blei, Feder, Sepia. - Nr. 71, wie oben, Öl auf Leinwand.

* Carl Blechen. Zwischen Romantik und Realismus. Hrsg. von Peter-Klaus Schuster. München: Prestel 1990, Farbtafel 1, Katalog Nr. 1: Klosterruine Oybin, um 1822. Öl auf Papier, auf Leinwand. ISBN 3-7913-1084-4. - "Von einem Besuch Blechens auf dem Oybin ist nichts bekannt." Da die Ruinen der Klosterkirche auf dem Oybin "seit dem späten 18. Jahrhundert als elegisches Motiv beliebt" waren (S. 100), konnte sich Blechen auf Vorlagen stützen.

Carus
* Carl Gustav Carus: Natur und Idee. Katalog. Hrsg. von Petra Kuhlmann-Hodick und Gerd Spitzer sowie Bernhard Maaz. Berlin: Deutscher Kunstverlag 2009. ISBN 978-3-422-06880-3. Insbesondere Nr. 124-130, S. 138-143.  

* Frank Richter: Carl Gustav Carus. Der Malerfreund Caspar David Friedrichs und seine Landschaften. Husum: Verlag der Kunst Dresden Ingwert Paulsen jr. 2009. ISBN 978-3-86530-123-9 - Oybin S. 98-109.

C. D. Friedrich
* Frank Richter: Caspar David Friedrich. Das Riesengebirge und die böhmischen Berge. Husum: Verlag der Kunst Dresden Ingwert Paulsen jr. 2012. ISBN 978-3-86530-172-7 - Oybin S. 62-64.

Kummer
* Elisabeth Nüdling: Carl Robert Kummer, 1810-1889. Ein Dresdner Landschaftsmaler zwischen Romantik und Realismus. Petersberg: Michael Imhof Verlag 2008. Darin Nr. 4, "Die Ruine auf dem Oybin, 1827. Sepiazeichnung, S. 196f.

Oehme
* Ernst Ferdinand Oehme, 1797-1855. Ein Landschaftsmaler der Romantik. Hrsg. von Ulrich Bischoff. Dresden [1997]. - Herbst 1849: Reise über Nordböhmen zur Oberlausitz mit Richter und Peschel. Werkverzeichnis Nr. 13 (Sakristeikapelle auf dem Oybin, Bleistift, Aquarell), zweifelhaft Nr. VIII (Ruine Oybin bei Mondschein).

Zingg
* Adrian Zingg. Wegbereiter der Romantik. Kupferstich-Kabinett. Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Hrsg. von Petra Kuhlmann-Hodick, Claudia Schnitzer, Bernhard von Waldkirch. Dresden: Sandstein Verlag 2002.

* Sabine Weisheit-Possél: Adrian Zingg (1734-1816). Landschaftsgraphik zwischen Aufklärung und Romantik (Villigst Perspektiven; 12) Berlin: Lit Verlag Dr. W. Hopf 2010. ISBN 978-3-643-10361-1 - Darin Der Oybin, S. 290-298. Mit Hinweisen auf vergleichbare Ansichten weiterer Künstler.

Weblinks:

* Eintrag "Oybin (Berg)" in Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Oybin_(Berg)

* Oybin: Lexikoneinträge, Klostergeschichte, Sagen in Wikisource
http://de.wikisource.org/wiki/Oybin

* Historische Mönchszüge – Berg Oybin e. V., Homepage
oberlausitz-digital.com/moenchszug-oybin/
Not Found, 26.01.2016

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