goethe

Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Orte kultureller Erinnerung

Heidelberg
Teil II

Stand: April 2017
Optimiert für Firefox


*********************************

Gliederung

 


*********************************

 

1. Postkarten

Zur Beachtung:
Um sie zu vergrößern, klicken Sie auf die Abbildungen.

Alte Brücke

Die erste Brücke an der Stelle der Alten Brücke wird 1284 urkundlich erwähnt. Sie war noch aus Holz gebaut und wurde, wie alle ihre hölzernen Nachfolgerinnen, durch Hochwasser und Eisgang zerstört.

     Als 1784 die damalige Holzbrücke erneut zerstört wurde, gab Kurfürst Carl Theodor den Auftrag, eine neue, steinerne Brücke zu bauen. Die Bauarbeiten begannen 1786 und dauerten zwei Jahre. Im Rahmen dieser Arbeiten wurden die spitzen Kegeldächer des Brückentors durch barocke Turmhelme ersetzt.

     Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, am 29. März 1945, wurde die Brücke zusammen mit den anderen Neckarbrücken von deutschen Soldaten gesprengt, um den Vormarsch der alliierten Truppen zu verlangsamen. Durch eine von den Bürgern umfangreich unterstützte Spendenaktion war nur ein Jahr später schon genug Geld vorhanden, um mit dem Wiederaufbau zu beginnen. Die Arbeiten begannen am 14. März 1946 und die Einweihung fand am 26. Juli 1947 statt. (Artikel Heidelberger Alte Brücke in Wikipedia)

 


*********************************

 

Friedrich Hölderlin:
Heidelberg

Lange lieb ich dich schon, möchte dich, mir zur Lust,
  Mutter nennen, und dir schenken ein kunstlos Lied,
    Du, der Vaterlandsstädte
      Ländlichschönste, so viel ich sah.

Wie der Vogel des Waldes über die Gipfel fliegt,
  Schwingt sich über den Strom, wo er vorbei dir glänzt,
    Leicht und kräftig die Brücke,
      Die von Wagen und Menschen tönt.

Wie von Göttern gesandt, fesselt' ein Zauber einst
  Auf die Brücke mich an, da ich vorüber ging,
    Und herein in die Berge
      Mir die reizende Ferne schien,

Und der Jüngling, der Strom, fort in die Ebne zog,
  Traurigfroh, wie das Herz, wenn es, sich selbst zu schön,
    Liebend unterzugehen,
      In die Fluten der Zeit sich wirft.

Quellen hattest du ihm, hattest dem Flüchtigen
  Kühle Schatten geschenkt, und die Gestade sahn
    All' ihm nach, und es bebte
      Aus den Wellen ihr lieblich Bild.

Aber schwer in das Tal hing die gigantische,
  Schicksalskundige Burg nieder bis auf den Grund,
    Von den Wettern zerrissen;
      Doch die ewige Sonne goß

Ihr verjüngendes Licht über das alternde
  Riesenbild, und umher grünte lebendiger
    Efeu; freundliche Wälder
      Rauschten über die Burg herab.

Sträuche blühten herab, bis wo im heitern Tal,
  an den Hügel gelehnt oder dem Ufer hold,
    Deine fröhlichen Gassen
      Unter duftenden Gärten ruhn.

 

*********************************

 

Zur Beachtung:
Um sie zu vergrößern, klicken Sie auf die Abbildungen.

 

 

 

1, Bild von oben: Heidelberg vom Philosophenweg. Verso: Ansichtskartenverlag Josef Ignatz Vogt, Heidelberg No. 14–. Nicht gelaufen. | 2. Bild von oben. Verso: Heidelberg vom Philosophenweg gesehen bei Mondschein. Edm. von König Kunstverlag, Heidelberg, Ges. gesch. Nr. 4304 b. A. Dilger pinx. Datiert u. Poststempel 1922. | 3. Bild von oben: Heidelberg. Verso: Kunstverlag Karl Peters, Fürth / Odenwald. Echte Photographie. Poststempel 1955. | 4. Bild von oben: Heidelberg. Alte Neckarbrücke u. Schloß. Verso: Nr. 8177. Kunstverlag Edm. von König, Heidelberg ges.gesch. (F). Im Briefmarkenfeld: Echte Photographie. Nicht gelaufen.

 

*********************************

 

Verso: Heidelberg. Das Schloß mit der alten Brücke und dem Denkmal des Kurfürsten Karl Theodor. Verlag: Carl Knoblauch, Heidelberg, Sofienstr. 15. – N. e. Gemälde von [Nicolas Marie Joseph] Chapuy (1790-1858), Paris. Poststempel unleserlich.

*********************************

 

Heidelberg Alte Brücke. Handschriftlich: Bitte hebe die Karte auf. Verso: Feldpost. Poststempel 1942.

 

*********************************

 

Perkeo

Zur Beachtung:
Um sie zu vergrößern, klicken Sie auf die Abbildungen.

Heidelberg. Perkeo. [mit der ersten Strophe des Gedichtes von Victor von Scheffel, s.u.] Verso: Signet. Dr. Trenkler Co., Leipzig. 1905. Hdb. 39. 9496. Postkarte. Nicht gelaufen.

 

*********************************

 

 

 

 

1. Bild von oben: Das grosse Heidelberger Fass 212422 Ltr. fassend. [Sowie Statue des Perkeo und erste Strophe des Gedichtes von Victor Scheffel.] Verso: Signet Löwe im Oval, Umschrift: E. v. K. (= Edm. von König) Nr. 132. Kunstverlag Edm. v. König, Heidelberg, ges. gesch. bs. Nicht gelaufen. | 2. Bild von oben. Verso: Das große Heidelberger Fass 212422 Ltr. fassend. Signet Löwe im Oval, Umschrift: E. v. K. (= Edm. von König) Nr. 18 bs. Nicht gelaufen. | 3. Bild von oben. Verso: F. Veith: Heidelberg. Das grosse Fass (212422 Ltr. fassend). Signet Löwe im Oval, Umschrift: E. v. K. (= Edm. von König) Nr. 11 u. Nicht gelaufen. | 4. Bild von oben: Das große Heidelberger Faß, 221726 Ltr. fassend. [Sowie Statue des Perkeo und erste Strophe des Gedichtes von Victor Scheffel.] Verso: 191. Kunstverlag Edm. v. König, Heidelberg, ges. gesch. (F). Poststempel 1957.

 


*********************************

 

Victor von Scheffel: Perkêo.
(Gaudeamus. Heidelbergisch)


Das war der Zwerg Perkêo im Heidelberger Schloß,
An Wuchse klein und winzig, An Durste riesengroß.

Man schalt ihn einen Narren, er dachte: "Liebe Leut',
Wärt Ihr wie ich doch alle feucht-fröhlich und gescheut!" 

Und als das Faß, das große, mit Wein bestellet war,
Da ward sein künftger Standpunkt dem Zwerge völlig klar.

"Fahr wohl", sprach er, "o Welt, du Katzenjammertal,
Was sie auf dir hantieren ist Wurst mir und egal! 

"Um lederne Ideen rauft man manch heißen Kampf,
Es ist im Grund doch alles nur Nebel, Rauch und Dampf!

"Die Wahrheit liegt im Weine. Beim Weinschlürf sonder End
Erklär' ich alter Narre fortan mich permanent." 

Perkêo stieg zum Keller; err kam nicht mehr herfür
Und sog bei fünfzehn Jahre am rheinischen Malvasier.

War's drunten auch stichdunkel, ihm strahlte inneres Licht,
Und wankten auch die Beine, er trank und murrte nicht.

Als er zum Faß gestiegen, stands wohlgefüllt und schwer,
doch als er kam zu sterben, klang's ausgesaugt und leer.

Da sprach er fromm: "Nun preiset, ihr Leute, des Herren Macht,
Die in mir schwachem Knirpse so Starkes hat vollbracht:

"Wie es dem kleinen David gegen Goliath einst gelang,
Also ich arm Gezwerge den Riesen Durst bezwang.

"Nun singt ein De Profundis, daß das Gewölb' erdröhnt,
Das Faß steht auf der Neige, ich falle sieggekrönt."

Perkêo ward begraben. – Um seine Kellergruft
Beim leeren Riesenfasse weht heut noch feuchte Luft.

Und wer als frommer Pilger frühmorgens ihr genaht:
Weh' ihm! Als Weinvertilger durchtobt er nachts die Stadt.

Perkeo, ein Knopfmacher aus Tirol von zwergenhaftem Wuchs, soll in einem Wetttrinken Kurfürst Karl Philipp (1716-1742) unter den Tisch getrunken haben, worauf er als Hofnarr und Hofzwerg nach Heidelberg kam und den Weinkeller betreute. Der Name Perkeo geht auf die italienische Floskel "perché no?" (warum nicht?) zurück, mit der der Zwerg nicht nur auf jedes Trinkangebot zu reagieren pflegte. Das Große Faß soll er ausgetrunken und an einem Glas Wasser gestorben sein. Im Fassbau des Heidelberger Schlosses befanden sich vier Große Fässer. Von Perkeo betreut wurde das 1664 errichtete und 1728 restaurierte Große Faß, nicht aber das letzte, erst 1751 nach dem Tod Perkeos gebaute Faß, das man heute mit ihm verbindet. An der Wand neben dem Fass steht sein Denkmal, das er selbst entworfen haben soll. Perkeo wurde zur >Kultfigur des Weingenusses< und zur >Symbolfigur der Heidelberger Fastnacht<. Das von Scheffel 1846 geschriebene und von Stephan Gruwe vertonte Gedicht wurde zu einem beliebten Kommerslied. Vgl. den Artikel Perkeo in Wikipedia.

 

*********************************

 

Memories vom Glück
Wilhelm Meyer-Förster:
Alt Heidelberg

 

Zur Beachtung:
Um sie zu vergrößern, klicken Sie auf die Abbildungen.

Alt-Heidelberg. Verso: Phot. Brüder Hahn. 30/300 Verlag Edm. Papezik, Chemnitz. Nachdruck verboten. Postkarte. Poststempel 1903.

"Der Begriff >Alt-Heidelberg< geht auf das Gedicht "Alt-Heidelberg, du Feine" im Versepos Der Trompeter von Säckingen von Joseph Viktor von Scheffel aus dem Jahr 1854 zurück, in dessen Zentrum die Liebe einer Adligen zu einem jungen Bürgerlichen steht. Wilhelm Meyer-Förster griff diesen Topos mit umgekehrtem Vorzeichen auf, als er um 1900 sein Schauspiel "Alt-Heidelberg" zu Papier brachte: Ein junger Erbprinz namens Karl-Heinrich aus dem fiktiven Sachsen-Karlsburg kann als Verbindungsstudent in Heidelberg höfische Zwänge und Konventionen hinter sich lassen und sich ausufernd dem studentisch-korporativen Leben der Neckar-Stadt hingeben. Hier entbrennt seine große Liebe zur einfachen Kellnerin Käthie. Nach nur viermonatigem Aufenthalt in Heidelberg wird die Romanze jäh beendet: der junge Mann wird unverhofft zurück an den fürstlichen Hof gerufen, um seiner Regierungspflicht nachzukommen und eine standesgemäße Heirat einzugehen. Heidelberg bleibt ihm als Hort des Glücks in sentimentaler Erinnerung, während er am Schreibtisch sachlich-nüchtern die Geschicke seiner Untertanen zu lenken hat. (Julia Scialpi, Rezension ueber Oliver Fink: "Memories vom Glück", s. unter 2) Das Libretto ist online verfügbar im Projekt Gutenberg.De.

"Alt-Heidelberg" von Wilhelm Meyer-Förster, eines der größten Erfolge der deutschen Theatergeschichte, wurde am 22. November 1901 am Berliner Theater uraufgeführt. Ernst Lubitsch bearbeitete den Stoff 1927 als Stummfilm unter dem Titel "Alt Heidelberg". Mit dem Musical "The Student Prince", (Text: Dorothy Donnelly, 1880-1928), das der Handlung von "Alt-Heidelberg" folgt, hat der amerikanische Komponist Sigmund Romberg (1887-1951) viel zur Bekanntheit der Stadt in den USA beigetragen. Es kam 1924 am Broadway heraus und bildete über Jahrzehnte den Hauptprogrammpunkt der Heidelberger Schlossfestspiele. Das Musical wurde 1954 von Richard Thorpe verfilmt. (Vgl. den Artikel The Student Prince im englischen Wikipedia.)

 

*********************************

Alt-Heidelberg. Käthie: "Dem Prinzen der aus fernem Land -".
Adressseite, ungeteilt: Verlag P. L. F, Görlitz. Serie I., 6. Gelaufen, Poststempel 1903.


*********************************

 



 

Oben, links: Alt-Heidelberg. "Dem Prinzen usw." II. Akt 9. Scene. 7511. P. F. C. (Papezik, Chemnitz) Serie Heidelberg. Verso: Postkarte. Datiert u. Poststempel 1902. | Oben, rechts: Alt-Heidelberg. "Aber i möcht' in Heidelberg bleiben, 's ist hier zu schön. – Trinken's doch." II. Akt 12. Scene. P. F., eingeschrieben in C. No. III. Paul Fink, C. G., Chemnitz. Verso: Postkarte. Datiert u. Poststempel 1902. | Unten: Alt-Heidelberg. "Sehen's, das ist der Franzel." II. Akt 12. Scene. No. IV. P. F. C. (Papezik, Chemnitz). Verso: Postkarte. Datiert u. Poststempel 1902.


*********************************

 

Links: Alt-Heidelberg. "Aber i möcht' immer in Heidelberg bleiben, 's ist hier zu schön. - Trinken's doch." II. Akt 12. Scene. Adressseite ungeteilt: VS Alt.Heidelberg No. 61.
Rechts: Alt-Heidelberg. "Aber i möcht' immer in Heidelberg bleiben. 's ist hier zu schön. - Trinken's doch." Nr. 7505. II. Akt, 12. Scene. Adressseite ungeteilt. Signet: C, eingeschrieben P.F. Serie Heidelberg. Gelaufen, Poststempel 1902.


*********************************

 

Vorletzte Bildsequenz. Oben, linke Karte. Käthie begrüßt Karl Heinrich, Erbprinzen von Sachsen-Karlsburg, der zum Studium nach Heidelberg kommt, in Rüders Gasthaus (2. Akt, 9. Szene). Käthie trägt die Bänder, die ihr, "als dem einzigen Femininum von Heidelberg", die Studentenverbindungen, angefangen von Saxo-Borussia, "zur Feier des S. C.-Antrittskommerses" eben verliehen haben.

Dem Prinzen, der aus fernem Land,
Zu unserm lieben Neckarstrand
Gezogen kommt, dem bring' ich hier
Des Frühlings allerschönste Zier.
Zieh fröhlich ein in unser Haus,
Und gehst Du wieder einst hinaus,
Dann denke immer treu zurück,
An Heidelbergs Studentenglück.

Oben, rechte Karte. 2. Akt, 12. Szene, Käthie und Karl Heinrich allein:

Käthie. (etwas ungeduldig). Ob's noch andere Brüder haben, die a Prinzen sind?
Karl Heinrich. Nein.
Käthie. Aber Schwestern?
Karl Heinrich. Auch nicht.
Käthie (rasch). Aber zwei Eltern?
Karl Heinrich. Die sind tot.
Käthie. O wie schrecklich, wie schrecklich! – Ich habe nämlich auch keine Eltern mehr.
Karl Heinrich. Oh –
Käthie. Also der Herr Fürst in Karlsburg, das is net der Herr Papa –?
Karl Heinrich. Das ist mein Onkel.
Käthie. Der Herr Onkel – – (Pause.) I bin nämli a weit her, aus Oesterreich. Aber i möcht immer in Heidelberg bleiben, 's ist hier zu schön. (schenkt ein.) Trinken's doch.
Karl Heinrich. Danke schön.

Untere Karte. Ebd.:

Karl Heinrich. Fräulein Käthie, wie hätt ich denn anders aussehen sollen? (Er zieht sie leise an sich.)
Käthie. Nein! Nicht!
Karl Heinrich. Käthie.
Käthie (macht sich los, fast böse). I will net, i will net! Denn, daß Sie's ein für alle Mal und glei heut wissen: i bin verlobt; schon bald ein Jahr.
Karl Heinrich (verdutzt, beschämt). Verzeihung - ich - ich - - verzeihen Sie - -
Käthie. - - Was man halt so verlobt nennt. - Mit dem Heirathen kann der Franzel noch warten. Er will schon, aber i nicht. - Finden's, daß i sehr österreichisch spreche?
Karl Heinrich (verdutzt). Oesterreichisch -?
Käthie. I hab's österreichische ganz verlernt, weil ich's net mag. Weil's der Franzel redet. Er ist nämlich a Wiener.
Karl Heinrich. So.
Käthie. Sie dachten wohl, er wohnt hier in Heidelberg?
Karl Heinrich (verdutzt). Ja das - das dachte ich.
Käthie. Noch nie ist der Franzel in seinem ganzen Leben aus der Wienerstadt herausgekommen. Außer nach Ungarn. Er ist so ein langweiliger Kerl. Wissen's was er ist? A Juckerhändler.
Karl Heinrich. Ein was?
Käthie. Für die Fiaker kauft er die Rosse, darin ist er sehr gescheit. Und viel Geld verdient er. Drei Häuser hat er in der Leopoldstadt. Letzthin hat er zwei Schimmeln aus Ungarn geholt, die dann (wichtig) der Nicky Esterhazy ihm abgekauft hat.
Karl Heinrich. Aber -
Käthie. Sehens das ist der Franzel. (Sie holt das Bild aus dem Mieder, indem sie sich abwendet.) Gelt, er ist fesch. (Karl Heinrich betrachtet das Bild über ihre Schulter.) Der Schnurrbart ist das beste, nit wahr?

 

*********************************

 

 

Oben links: Alt-Heidelberg. "Ja, 's ist der Karl Heinz. Derselbe. A bissel ist er anders geworden – a kleines bissel. Nun bist du wiedergekommen. V. Akt 6. Scene. Signet: P.F., eingeschrieben in C. (Papezik, Chemnitz.) Verso: Postkarte. Datiert u. Poststempel 1902. | Oben rechts: Alt-Heidelberg. "Es giebt keinen Menschen, der so einsam war wie ich." V. Akt 6. Scene. 7513. P. F. C. (Papezik, Chemnitz) Serie Heidelberg. Verso: Postkarte. Datiert u. Poststempel 1903. | Unten: Alt-Heidelberg. "Die schöne Jugendzeit, die ist halt so kurz –" V. Akt 6. Scene. Signet: P. F., eingeschrieben in C (Papezik, Chemnitz). Verso: Postkarte. Datiert u. Poststempel 1902.

5. Akt, 6. Szene, Auszug. Karl Heinrich kehrt noch einmal nach Heidelberg zurück, bevor er eine Konvenienzehe eingeht. Es kommt zu einem Wiedersehen mit Käthie.

Käthie (herein). Es ist net wahr! - Ihr lügt's ja alle - (sucht in fieberhafter Erregung) es ist net wahr – (sucht, dann plötzlich sieht sie den Fürsten. Mit einem elementaren Aufschrei zu ihm.) Karl Heinz!! Karl Heinrich. Käthie!Käthie. Karl Heinz! Karl Heinz!! Karl Heinrich. Käthie, liebe Käthie! (Sie liegt wie besinnungslos in seinen Armen). Sieh mich an – Käthie! (Lange Pause.)Käthie. Nun bist du wieder gekommen.Karl Heinrich. Ja.Käthie. – Nun bist du wieder gekommen.Karl Heinrich. Nun bin ich wiedergekommen, Käthie!Käthie. Laß dich anschaun. Bist du's denn noch?Karl Heinrich. Ja.Käthie. Ja, 's ist der Heinz Karl. Derselbe. (Streicht ihm über Gesicht und Haar, zärtlich, wie prüfend.) – A bissel ist er anders geworden – a ganz kleines bissel –. (umarmt ihn stürmisch, außer sich.) Nun bist du wieder gekommen!

(Pause.)


Käthie. Ist's wahr, daß du wieder fort mußt? Jetzt gleich?!
Karl Heinrich. Ja, Käthie.
Käthie (antwortet nicht, preßt ihn an sich im Schmerz) – Ich hab's gewußt, Karl Heinz, einmal im Leben würdest d' noch kommen. Jeden Tag hab' i gewartet. – (Sie streicht ihm über das Gesicht.) So schmal bist worden, und so blaß, Karl Heinz. Hast viel ausgestanden, gelt?
Karl Heinrich. Ja, Käthie.
Käthie. So – so – (streichelt ihn) – die schlimmen Falten – so lach einmal wieder.
Karl Heinrich. – Zwei Jahre. – Du weißt nicht, Käthie, was das für Jahre gewesen sind. Es gibt keinen Menschen, der so einsam war wie ich.
Käthie (angstvoll, dringend). – Lach einmal wieder.
Karl Heinrich (mühsam lächelnd). – Lachen?
Käthie. Ja! So! Noch einmal!! Wie du früher gelacht hast. Lach, Karl Heinz, ach lach doch.
Karl Heinrich. Wann war es? Gestern oder vorgestern? Mitten in der Nacht sind wir fortgefahren, hierher. Ich hab es nicht mehr ertragen, einmal mußt ich noch her. Zum letzten Mal.
Käthie (lehnt sich an ihn). Ja.
Karl Heinrich. Es war alles, Käthie, wie früher, der Main, der Neckar und – Heidelberg. Nur die Menschen sind anders geworden. Ich habe keinen wieder gefunden.
Käthie (schmiegt sich dichter an ihn).
Karl Heinrich. Nur dich, Käthie. Du bist die einzige.
Käthie. Karl Heinz – -
Karl Heinrich. – – – Du bist die einzige – –
Käthie (zieht ihn neben sich auf eine Bank). Komm. – – Weißt du noch den Tag, als du fortgingst, Karl Heinz? Und wir wollten zusammen in den Odenwald?
Karl Heinrich (nickt).
Käthie. Und kutschierten zuzweit nach Neckargemünd – und wollten nach Paris? (Sie lächelt.)
Karl Heinrich. Da oben, Käthie, hinter den zwei Fenstern, weißt du' s noch? Du und ich!
Käthie (vergräbt den Kopf an seiner Brust).
Karl Heinrich. Draußen die Frühlingsnacht, und alles schlief.
Käthie (selig). Du hieltest mich fest.
Karl Heinrich (preßt sie an sich, küßt sie stürmisch). – – – Käthie! – Süße Käthie!

(Pause.)


Käthie. Lustig sind wir gewesen, wir zwei, das ist nun aus. Oft, wann i mir a Müh geb' und i will's und will's zwingen, lustig kann i nimmer sein. I bin auch alt geworden, gelt, da im Gesicht?
Karl Heinrich (lächelnd). Nein, Käthie.
Käthie. Doch. – Und da hier ist's einsam geworden. 's ist net mehr wie früher. Die Studenten kommen net mehr. Oft Abends sitz i ganz allein – – – – Zum Herbst geh' i fort.
Karl Heinrich. Wohin?
Käthie. Nach Oesterreich. Der Franzel schreibt alle Vierteljahr, i soll komme, er will nun endlich heiraten.
Karl Heinrich. Ja.
Käthie. I hätt scho lang fortgehen und heiraten sollen, 's war gar zu traurig dahier. – Sixt, Karl Heinz, dann bin i a fort vom lieben Heidelberg.

(Pause.)


Karl Heinrich. Ich halte auch Hochzeit, Käthie, – weißt du's?
Käthie. Ja. I hab's gelesen in der Zeitung. I hab mir auch die Bilder kauft, euer beiden Bilder. Die Prinzessin-Braut ist schon sehr schön. – (prüfend, ängstlich) Gelt?
Karl Heinrich (zuckt die Achseln, gleichgültig).
Käthie (leise). Sei lieb zu ihr.
Karl Heinrich (faßt sie an beiden Armen, schüttelt sie fast grimmig). Käthie! (in überströmenden Schmerz) Käthie!
Käthie (nimmt seinen Kopf zwischen ihre Hände). Sei net traurig. Sixt, wann i wüßt, daß du traurig wärst und würdest nimmer wieder heiter werden, – ach, Karl Heinz, dann – dann – ja was sollt i dann anfangen? Dann sollt i nach Wien und Hochzeit halten und mit den Leuten reden und immer dabei denken, daß du nimmer froh wärst, dann doch lieber glei (innig) Karl Heinz, i bitt di!!
Karl Heinrich (nimmt sich mühsam zusammen). Ja –
Käthie. Sixt, mit uns Zweien, das hat doch net anders sein können, net wahr? Und das haben wir doch auch immer gewußt.
Karl Heinrich (nickt).
Käthie. Na alsdann –
Karl Heinrich. – – Ja – –
Käthie. Die schöne Jugendzeit, die is halt so kurz –
Karl Heinrich (träumend). Ja –
Käthie. Nun wirst du heimfahren, Karl Heinz, und Hochzeit machen, und 's wird alles gut werden. I kann das ja net so verstehn, aber einer wie du, der muß schon den Kopf obenbehalten, gelt? Schon um der vielen anderen wegen, gelt?
Karl Heinrich. Kleine Käthie!

 

*********************************

 

Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren

 

Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren! [Mit der ersten Strophe des Liedes, s.u.] Signet PH im Dreieck. 5710/2. Verso: Datiert 1929. Poststempel unleserlich.

Der Komponist Friedrich Raimund Vesely (1900-1954), alias Fred Raymond, komponierte 1927 ein Singspiel mit dem Namen "Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren", Text von Fritz Löhner-Beda und Ernst Neubach. Der Refrain des folgenden Liedes wurde ein Schlager (in Anlehnung an den Artikel Heidelberg in der Dichtung aus Wikipedia).

Es war an einem Abend, als ich kaum 20 Jahr'.
Da küßt' ich rote Lippen und gold'nes, blondes Haar.
Die Nacht war blau und selig, der Neckar silberklar,
Da wußte ich, da wußte ich,
Woran, woran ich war:


Refrain:
Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren,
In einer lauen Sommernacht.
Ich war verliebt bis über beide Ohren
Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht.
Und als wir Abschied nahmen vor den Toren
Beim letzten Kuß, da hab ich's klar erkannt:
Daß ich mein Herz in Heidelberg verloren.
Mein Herz, es schlägt am Neckarstrand.
 
Und wieder blüht wie damals am Neckarstrand der Wein,
Die Jahre sind vergangen, und ich bin ganz allein.
Und fragt ihr den Gesellen, warum er keine nahm,
Dann sag ich euch, dann sag ich euch,
Ihr Freunde, wie es kam.


Refrain:
Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren,
In einer lauen Sommernacht.
Ich war verliebt bis über beide Ohren
Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht.
Und als wir Abschied nahmen vor den Toren
Beim letzten Kuß, da hab ich's klar erkannt:
Daß ich mein Herz in Heidelberg verloren.
Mein Herz, es schlägt am Neckarstrand.
 
Was ist aus dir geworden, seitdem ich dich verließ,
Alt-Heidelberg, du Feine, du deutsches Paradies?
Ich bin von dir gezogen, ließ Leichtsinn, Wein und Glück,
Und sehne mich, und sehne mich
Mein Leben lang zurück.


Refrain:
Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren,
In einer lauen Sommernacht.
Ich war verliebt bis über beide Ohren
Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht.
Und als wir Abschied nahmen vor den Toren
Beim letzten Kuß, da hab ich's klar erkannt:
Daß ich mein Herz in Heidelberg verloren.
Mein Herz, es schlägt am Neckarstrand.
 

 

*********************************

 

Blick vom Königstuhl

Heidelberg. Inschrift auf Stein: Koenigstuhl. 594 Meter über dem Meer. Signatur: H. Hoffmann, Heidelberg. Verso: Verlag Ph. Mayer, Königstuhl. Datiert u. Poststempel 1917.

*********************************

Seiten zu Heidelberg
im Goethezeitportal

Orte kultureller Erinnerung
Heidelberg
Tl. I und II
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=2583
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=2584

Heidelberg im Mondschein
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6878

Heidelberger Schloss
Graphik
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=3030

Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren.
Ein Schlager auf Bildpostkarten
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6814

*********************************

Besuchen Sie auch die Seite mit Graphiken des Heidelberger Schlosses.URL: www.goethezeitportal.de/index.php 2. Weblinks und Literatur

* Portal Heidelberg in Wikipedia.
* Heidelberger Altstadt: Anekdoten, Geschichtsereignisse, Chronik, Tagestour u.v.m.
* Das Heidelberger Schloss, präsentiert im Rahmen von "Surfin' Baden" vom Landesverein Badische Heimat e.V.. Reichhaltig, mit Rundgängen.
* Artikel Heidelberger Schloss in Wikipedia.
* perkeo-online der Perkeo-Gesellschaft, mit Seiten zu Perkeo und den Großen Fässern. Zum Download steht das "Liederbuch für die Carnevalsaison 1909" (mit zwei Perkeo-Liedern) zur Verfügung:

* Old Heidelberg für amerikanische Touristen.

* Artikel Heidelberger Alte Brücke in Wikipedia.
* Artikel Heidelberg in der Dichtung in Wikipedia

Zu Goethes Beziehungen zu Heidelberg vgl. Johann Wolfgang Goethe. Denkmäler und Erinnerungsorte auf Postkarten. Teil I: A – K.

* Oliver Fink: "Memories vom Glück". Wie der Erinnerungsort Alt-Heidelberg erfunden, gepflegt und bekämpft wurde (Buchreihe der Stadt Heidelberg IX) Heidelberg: verlag regionalkultur 2002. ISBN 3-89735-209-5. – The Student Prince and Heidelberg. Zusammenfassung in englischer Sprache.. – Rezension von Julia Scialpi in IASLonline.

*********************************

 

3. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

Alle Bildvorlagen (mit Ausnahme der Goethe-Zeichnung) entstammen einer privaten Sammlung. Die private Nutzung und die nichtkommerzielle Nutzung zu bildenden, künstlerischen, kulturellen und wissenschaftlichen Zwecken ist gestattet, sofern Quelle (Goethezeitportal) und URL (http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=2583) angegeben werden. Die kommerzielle Nutzung oder die Nutzung im Zusammenhang kommerzieller Zwecke (z.B. zur Illustration oder Werbung) ist nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung der Verfasser gestattet. Dem Goethezeitportal ist kein Urheberrechtsinhaber bekannt; ggf. bitten wir um Nachricht.

Kontaktanschrift:
Prof. Dr. Georg Jäger
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Deutsche Philologie
Schellingstr. 3
80799 München

E-Mail: georg.jaeger07@googlemail.com

 

zurück zum Anfang

Teil I

Das Fach- und Kulturportal der Goethezeit