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Jutta Assel | Georg Jäger

Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren
Ein Schlager auf Bildpostkarten

Optimiert für Firefox
Stand: April 2017

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Gliederung

1. Singspiel und Schlager
2. Bildpostkarten
3. Postkartenserien
4. Rechtlicher Hinweis und Kontaktanschrift

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1. Singspiel und Schlager

Der Komponist Friedrich Raimund Vesely (1900-1954), alias Fred Raymond, komponierte ein Singspiel mit dem Namen "Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren", Text von Fritz Löhner - Beda (1883-1942) und Ernst Neubach (1900-1968). Uraufführung 1927. Der Refrain des folgenden Liedes wurde ein Schlager.

Es war an einem Abend, als ich kaum 20 Jahr'.
Da küßt' ich rote Lippen und gold'nes, blondes Haar.
Die Nacht war blau und selig, der Neckar silberklar,
Da wußte ich, da wußte ich,
Woran, woran ich war:

Refrain:
Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren,
In einer lauen Sommernacht.
Ich war verliebt bis über beide Ohren
Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht.
Und als wir Abschied nahmen vor den Toren
Beim letzten Kuß, da hab ich's klar erkannt:
Daß ich mein Herz in Heidelberg verloren.
Mein Herz, es schlägt am Neckarstrand.

Und wieder blüht wie damals am Neckarstrand der Wein,
Die Jahre sind vergangen, und ich bin ganz allein.
Und fragt ihr den Gesellen, warum er keine nahm,
Dann sag ich euch, dann sag ich euch,
Ihr Freunde, wie es kam.

Refrain:
Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren,
In einer lauen Sommernacht.
Ich war verliebt bis über beide Ohren
Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht.
Und als wir Abschied nahmen vor den Toren
Beim letzten Kuß, da hab ich's klar erkannt:
Daß ich mein Herz in Heidelberg verloren.
Mein Herz, es schlägt am Neckarstrand.

Was ist aus dir geworden, seitdem ich dich verließ,
Alt-Heidelberg, du Feine, du deutsches Paradies?
Ich bin von dir gezogen, ließ Leichtsinn, Wein und Glück,
Und sehne mich, und sehne mich
Mein Leben lang zurück.

Refrain:
Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren,
In einer lauen Sommernacht.
Ich war verliebt bis über beide Ohren
Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht.
Und als wir Abschied nahmen vor den Toren
Beim letzten Kuß, da hab ich's klar erkannt:
Daß ich mein Herz in Heidelberg verloren.
Mein Herz, es schlägt am Neckarstrand.

In Anlehnung an den Artikel "Heidelberg in der Dichtung" aus Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Heidelberg_in_der_Dichtung

Der vollständige Text in Deutsch und Englisch:
http://ingeb.org/Lieder/ichhabme.html

Zum gleichnamigen Spielfilm von 1952 siehe den Eintrag in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ich_hab'_mein_Herz_in_Heidelberg_verloren

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2. Bildpostkarten

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Oben: Gruß aus Heidelberg. Ich hab' in Heidelberg mein Herz verloren, / Drum kauft ich dieses aus Papier. / Ich hab's mit vieler Mühe mir erkoren, / Mit schönen Sehenswürdigkeiten send' ich's dir. Verlag Viktor Pallmann, Wiesbaden. Nicht gelaufen.
Mitte links: Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren! Text mir Genehmigung des Boheme-Verlages, Wien - Berlin. Verlag Carl Knoblauch, Heidelberg, Sofienstraße 15, Telefon 2880. Nicht gelaufen.
Mitte rechts: Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren! Text: Ernst Neubach. Musik: Fred Raymond. Textabdruck mit Genehmigung des Boheme-Verlages, Wiesbaden. Kunstverlag Edm. v. König, Heidelberg. Ges. gesch. (N.) Im Briefmarkenfeld: Agfa. Echte Photographie. Nicht gelaufen.
Unten: Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren! Textabdruck mit Genehmigung des Wiener-Boheme-Verlages, Wien - Berlin. N[ach] e[inem] Aquarell von Heinrich Krahforst, Heidelberg. Kunstverlag Edm. v. König, Heidelberg. Nr. 909. Ges. gesch. (f). Nicht gelaufen.

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Oben links: Alte Brücke und Schloß. H[einrich] Hoffmann [1859 - nach 1921] pinx. Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren! Textabdruck mit Genehmigung des Wiener-Boheme-Verlages, Wien - Berlin. N[ach] e[inem] Aquarell von Heinrich Krahforst, Heidelberg. Kunstverlag Edm. v. König, Heidelberg. Nr. 905. Nicht gelaufen.
Oben rechts: Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren ... Text von Beda und Ernst Neubach. Künstlerkarten-Verlag von Karl Rud. Bremer & Co., Köln a. Rh. Liederkarte Nr. 25 F. Mit Genehmigung des "Wiener Boheme Verlag", Wien IV. Nicht gelaufen.
Unten: Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren! Signet: PH im Dreieck [P. Hagelberg, Berlin] Nicht gelaufen.

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Oben links: Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren! Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren ... Signet: NPG im Kreis [Neue Photographische Gesellschaft AG Berlin-Steglitz] 300/2. Nicht gelaufen.
Oben rechts: Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren! Und als wir Abschied nahmen vor den Toren ... Signet: NPG im Kreis [Neue Photographische Gesellschaft AG Berlin-Steglitz] 300/3. Nicht gelaufen.
Unten links: Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren! Und wieder blüht wie damals am Neckarstrand der Wein ... Signet: NPG im Kreis [Neue Photographische Gesellschaft AG Berlin-Steglitz] 300/4. Nicht gelaufen.
Unten rechts: Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren! Was ist aus dir geworden, seitdem ich dich verließ? ... Signet: NPG im Kreis [Neue Photographische Gesellschaft AG Berlin-Steglitz] 300/6. Gelaufen. Poststempel unleserlich.

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Links: Du hast mein Herz in Heidelberg gefunden. Ich kam als Bursch gezogen / Nach Heidelberg der Stadt / Als sie am Brückenbogen / Mir zugelächelt hat. Signet: Weco im Oval. 11051/1. Gelaufen. Feldpost 1942.
Rechts: Ich hab das Herz in Heidelberg gefunden. Ich hab das Herz von Heidelberg gefunden, / Doch ach wie kurz war dieses Glück, / Mit Wehmut denke ich der sel'gen Stunden, / Die keine Macht mir jemals bringt zurück. Signet: ATB in Raute [Akademischer Turnbund?] 4222/5. Nicht gelaufen.

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3. Postkartenserien

Die bunt zusammengestellten Illustrationen zum Longseller-Schlager „Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren“, welche das Herzsymbol sinnig einsetzen, werden ergänzt durch zwei Fotoserien und eine gezeichnete, farbig gestaltete Humorkartenserie. Alle sind Ende der 1920er Jahre entstanden.

Die beiden in Fotoateliers arrangierten Sequenzen mit Liebespaaren vor Heidelberg-Kulisse unterscheiden sich augenfällig durch die Technik und 'Manipulationen' der Fotografen. Der Fotograf der ersten Serie ging sehr rationell vor: Er bediente sich einer vorhandenen Fotosequenz mit beliebigem Liebespaar (biederer Anzugträger mit weiblichem, zeittypisch ausstaffiertem Modell) vor beliebiger Naturkulisse (Prospekt mit Gartenanlage vor tief gezogenem gebüschgesäumten Himmel; Blumenschmuck) – und kopierte am Oberrand einen charakteristischen Teil des Heidelberger Schlosses ein. In Verbindung mit Titel und Textzeilen konnte diese Bildserie als Illustration zum
Schlager verkauft werden. Erfolgreiche Nouveautés mussten rasch vermarktet werden; die Aktualisierung von Bildarchivmaterial diente diesem Zweck.
Das weibliche Modell trägt unterschiedlich kolorierte Kleidung und die Blumenzier wechselt ebenfalls die Farbe; sorglose Beliebigkeit zeigen also auch die Koloristen.

Der zweite Fotograf lässt das Paar vor einem Heidelberg-Prospekt unter einem künstlichen Atelierbaum samt Bänkchen-Requisite po(us)sieren: Ein Student mit Corpsmütze und -band nimmt beim Mondenschein innigen Abschied von seiner Liebsten, einer elegant im Zeitstil gekleideten Schönen (Frisur, Kleid, Schuhe, Makeup). Fotokarte 5 und 6 zeigen nicht die im Text beschriebene Rückschau auf dies unvergessliche Ereignis, sondern führen die Liebesszene einheitlich weiter. Die Fotos sind sparsam koloriert, doch trägt der Student eine verschiedenfarbige Corpsmütze sowie sein Liebchen sechs unterschiedliche Kleiderfarben, was der 'Einheit der Handlung' doch stark widerspricht. Auch sind links und rechts des Baumes, durch diesen geschickt kaschiert, ein Prospekt des Heidelberger Schlosses mit einem Rheinlandschaft-Prospekt verbunden. Die Fotografen der preisgünstigen Postkartenherstellung waren kreative Retoucheure, Montage- und Collage-Meister etc., auf Fotonegativen wie Fotopositiven.

Die Humorpostkarten-Serie zeigt Fotografien von in Gouache- und Aquarellfarben kolorierten Zeichnungen, auf denen – leicht karikiert – Kinder die Abschiedsszene eines Studenten von seinem Liebchen nachspielen. Auf einem Bänkchen im Grünen oder vor Rebstöcken, mit Blick auf ein Dörflein drunten am Neckar und das Heidelberger Schloss gegenüber, vergnügen sich vor großen roten Herzen ein Studentlein und sein Schatz, heiter, harmlos und zum Schmunzeln anregend. Titel und Text unter den Bildchen weisen auch den Begriffsstutzigen auf den Heidelberg-Schlager als Bildvorlage hin.

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Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren. Signet: PH im Dreieck [P. Hagelberg, Berlin] Serie 5703 / 1-6. Vom gleichen Schreiber an die gleiche Adressatin, vom 21 Februar 1937 bis 1. Mai 1938.

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Zu den Kartentexten

Liest man die Schilderungen auf den 6 Fotopostkarten des Johann Baptist Bihler aus Riedholz im Allgäu zwischen dem 21. Februar 1937 und dem 1. Mai 1938 an die "liebe Mari" (Maria Steingart, derzeit wohl im Dienst im Gasthof zum Hirsch in Lenzfried bei Kempten) - so wird schnell klar, dass dies keine Liebespost ist, wie die Motivwahl der Kartenbilder vermuten lässt. Johann B. hat wohl kein Interesse (mehr) an Mari, er frägt sie nichts, bezieht sich nicht auf die vorangegangenen Karten der Adressatin, noch wendet er sich Mari - mit Ausnahme einer Entschuldigung für sein Verschwinden beim Fastnachtstanz - persönlich zu. Zwar dankt er ihr für ihre längst erhaltenen "Kärtlein", doch sonst berichtet er wie ein Chronist von seiner Arbeit (Düngen, Heuen), seinen Freizeitbeschäftigungen, den geselligen und gesellschaftlichen Vergnügungen und Veränderungen (Tanzabende, Hochzeiten, Kirchenfest etc.) seines bäuerlichen Wohnortes und der näheren Umgebung, die Mari anscheinend gut kennt.

Sein großes Hobby ist Fotografieren. Er erwähnt das Entwickeln von 24 Aufnahmen in seiner Dunkelkammer, Fahrten in nahegelegene Dörfer zum Fotografieren, den Kauf einer (fast) neuen Kamera zu günstigem Preis. Seine Wahl von Foto-Postkarten für diese Korrespondenz wird hieraus verständlich - im Unterschied zur Liebespaar-Motivwahl ...

Aus der Lektüre seiner schlichten Kartentexte lässt sich vielleicht schließen, weshalb Johann B. unter den äußerst zahlreichen Liebespaar-Kartenmotiven ein so biederes Männermodell und keinen flotten Studenten (siehe die abgebildete Serie 2) ausgewählt hat, da jener sich kaum als männliche Identifikationsfigur für ihn selbst geeignet hätte.

Kartentexte samt -bilder können beim Rezipienten kleine Geschichten evozieren ...

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Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren! Signet: EAS [E. A. Schwerdtfeger & Co. AG. Berlin] Serie 7392 / 1-6. Nicht gelaufen.

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Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren! Signet: PH im Dreieck [P. Hagelberg, Berlin] Serie 5710 / 1-6. Eine Karte gelaufen 1929. - Für die Fotos der Bildseiten danken wir Herrn Helmut Fahrenholz.

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4. Rechtlicher Hinweis und Kontaktanschrift

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Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Deutsche Philologie
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