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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Goethe-Motive auf Postkarten:
Tischbeins "Goethe in der Campagna"

Stand: Februar 2016
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Vgl. Nr. 9.

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Gliederung 

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1. Zur Einführung

Biographie

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, geboren 1751 in Haina, Schüler seiner Onkel Johann Heinrich Tischbein d.Ä. in Kassel und Jacob Tischbein in Hamburg. 1772-73 in Holland, 1777 in Berlin, 1779-81 erster Italienaufenthalt, 1781/82 in Zürich. 1783 dank der Vermittlung Goethes bei Herzog Ernst von Gotha Stipendium für zweite Italienreise. Ende Oktober 1786 in Rom erste persönliche Begegnung mit Goethe. In den folgenden Monaten zeigte Tischbein Goethe das alte und das neue Rom und unterwies ihn im Zeichnen. Nach zahlreichen Studien entstand 1787 das berühmte Bildnis "Goethe in der Campagna". Februar 1787 mit Goethe nach Neapel, wohin Tischbein nach kurzer Rückkehr nach Rom übersiedelte. Dort 1789 zum Direktor der Kunstakademie ernannt. 1801-1808 in Hamburg. Seit 1808 Hofmaler in Eutin, ebd. gestorben 1829.

In seiner Frühzeit an die Spätbarock-Tradition anknüpfend, in den 1790er Jahren auch unter dem Einfluß des holländischen Naturalismus stehend und früh Interesse an der altdeutschen Malerei zeigend – wandte sich Tischbein, der bei seinem ersten Rom-Aufenthalt die Akademie Alexander Trippels besucht hatte, in den 1780er Jahren wohl hauptsächlich durch Goethes Einfluß immer stärker der klassizistischen Richtung zu. Nach 1800 knüpfte er in Deutschland Kontakte zur jungen Romantik (Ph. O. Runge). Sein Werk spiegelt diese Stil-Vielfalt; sein bekanntestes und wohl bedeutendstes Gemälde ist "Goethe in der Campagna" von 1787.

Lit.: Wilhelm Tischbein: Aus meinem Leben, hg. von Carl G.W. Schiller, 2 Bde., Braunschweig 1861. – Friedrich von Alten: Aus Tischbeins Leben und Briefwechsel, Leipzig 1872. – Wolfgang von Oettingen: Goethe und Tischbein (Schriften der Goethe-Gesellschaft 25) Weimar 1910. – Wilhelm Tischbeins Idyllen. Von Johann Wolfgang von Goethe. Zusammengest.u. Nachwort von Erich Trunz. Hamburg 1949.

Tischbein und Goethe

Vor seiner persönlichen Bekanntschaft mit Goethe schuf Tischbein 1782 ein Gemälde nach dessen Schauspiel "Götz von Berlichingen"; es illustriert die 1. Szene des 1. Aktes: "Götz und Weislingen" und wurde im Auftrag Herzog Carl Augusts von Weimar gemalt, der es Goethe schenkte. Durch seine Befürwortung eines Reisestipendiums für einen zweiten Italienaufenthalt Tischbeins zeigte sich Goethe wohl erkenntlich. 1786 lernten sich Dichter und Maler in Rom persönlich kennen, und Goethe zog in Tischbeins Wohnung am Corso. Wie sehr Goethe den Künstler schätzte, zeigt sein Brief an den Weimarer Freundeskreis vom 6.1.1787 (Tagebücher und Briefe Goethes aus Italien an Frau von Stein und Herder, Schriften der Goethe-Gesellschaft 2, Weimar 1886, Nr. 13, S. 252): 

    Das Stärkste, was mich in Italien hält, ist Tischbein, ich werde nie [...] so viel in so kurzer Zeit lernen können als jetzt in Gesellschaft dieses ausgebildeten, erfahrenen, feinen, richtigen, mir mit Leib und Seele anhängenden Mannes.

Tischbein hat Goethe in Rom mehrfach gezeichnet (so z.B. die aqarellierte, getuschte Federzeichnung Goethes in Rückenansicht, aus dem Fenster seiner Wohnung schauend, Porträtskizzen etc.). Mit den Jahren haben sich die persönlichen Beziehungen gelockert, aber nicht aufgehört. 1822 besprach Goethe in seiner Zeitschrift "Kunst und Altertum" die von ihm mit Versen begleiteten "Idyllen" Tischbeins. "Das eigentliche Denkmal ihrer Freundschaft ist das große Gemälde," das ein Bildnis Goethes und zugleich Huldigung an den Dichter und Versuch einer Deutung ist (v. Einem: Malerei des Klassizismus, S. 35).

Zum Bildnis "Goethe in der Campagna"

"Bildnis Goethes in der Campagna" (Frankfurt, Städel'sches Kunstinstitut), 1786/87, Öl auf Leinwand, 164x206 cm. Es wurde von Tischbein an den Bankier Heigelin in Neapel verkauft, kam später in den Besitz des Frankfurter Bankiers Karl Meyer Freiherr von Rothschild, der es 1887 dem Städel schenkte.

Das Bildnis zeigt Goethe – aus leichter Untersicht – etwas über Lebensgröße. Er ruht, in einen großen gelbweißen Mantel gehüllt, auf dem Kopf einen großen Schlapphut, halb sitzend, halb liegend auf antiken Steinen und blickt sinnend nach rechts in die Ferne, umgeben von Bruchstücken antiker Werke. Hinter ihm sind das Grabmal der Caecilia Metella, die Sabiner Berge und Ruinen der römischen Wasserleitung zu sehen. Tischbein zeigt Goethe, "wie er auf den Ruinen sitzet und über das Schicksal menschlicher Werke nachdenket." (Tischbein an Lavater, 9.12.1786)

"Das Bild steckt voller Anspielungen: die Trümmer, auf denen Goethe sitzt (Reste eines ägyptischen Obelisken, ein griechisches Relief, ein römisches Kapitell) umfassen die ganze Antike. Das Relief zeigt Orestes und Pylades vor Iphigenie. [Goethe arbeitete zu jener Zeit an seiner "Iphigenie".] Grünender Epheu schlingt sich um das verfallende Bruchstück zum Zeichen, daß die Antike durch den Dichter zu neuem Leben erweckt worden ist." (von Einem: Deutsche Malerei des Klassizismus, S. 35) Tischbeins Bild stellt den "Wanderer auf dem Obelisk " (so hat Goethe das Bild selbst genannt) dar, den "Homo Viator", dessen Blick Leben und Tod, Vergänglichkeit und Wiedergeburt, Dauer im Wechsel umfaßt (von Einem, ebd., S. 36).

Lit.: Herbert von Einem: Der >Wanderer auf dem Obelisk<. Zu Wilhelm Tischbeins "Goethe in der Campagna". In: Gedenkschrift für Günter Bandmann, Berlin 1978. – Ders.: Deutsche Malerei des Klassizismus und der Romantik, 1760-1840. München 1978. – Christian Beutler: J.H.W. Tischbein: Goethe in der Campagna, Stuttgart 1962. –Goethe und Tischbein in Rom. Bilder und Texte. Hg. von Petra Maisak (Insel-Bücherei, 1251) Frankfurt a.M.; Insel 2004.

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2.1 Postkarten

 Zur Beachtung:
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1. J. H. W. Tischbein, Original-Radierung

Goethe in Rom. Carl Jander Berlin [sculp.]. Verso: Original-Radierung Handpressen-Kupferdruck. Nicht gelaufen.

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2. J. H. W. Tischbein, Chromolithographie

 Verso: Frankfurt a.M. / Goethe in Italien / Tischbein. JOH. F. A. TISCHBEIN, geb. 1750 zu Maastricht, gest. 1812 zu Heidelberg. Schüler seines Oheims Joh. Heinr. Tischbein in Cassel. Tätig in Paris, Neapel, Wien und Holland. Seit 1800 an Oesers Stelle, Direktor der Leipziger Akademie. Signet Stengel. Stengel & Co., G.m.b.H., Dresden 29166. Made in Germany. [Chromolithographie]. Nicht gelaufen. – Payer-Thurn, Nr. 105. Wahl, Nr. 29. Wahl / Kippenberg, S. 103. Wiederholte Spiegelungen, S.332 f. 

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3. J. H. W. Tischbein, Original-Fotografie

Nr. 1|421. Verso: Signet: SW im Dreieck. Stempel: Sammlung Dr. Bartmann Erlangen Deutschland. Poststempel: 1913 [Fotografie koloriert].

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4. J. H. W. Tischbein, Linogravüre

Verso: J. H. W. Tischbein: Goethe in Italien. Verlag des Städel'schen Kunstinstituts, Frankfurt a. M. (Nr. 23).Linogravüre München. Nicht gelaufen.

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5. J. H. W. Tischbein, Lichtdruck

 Verso: J. H. W. Tischbein: Goethe in der Campagna. Verlag des Städelschen Kunstinstituts, Frankfurt a.M. Nr. 23. [Lichtdruck]. Nicht gelaufen.

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6. J. H. W. Tischbein, Vierfarbendruck

Signet Ackermann 7020. Verso: Goethe in der Campagna bei Rom, gemalt 1786 von J. H. W. Tischbein. F. A. Ackermann's Kunstverlag, München - Nr. 7020. Umstehendes Bild ist auch als Kunstblatt in Vierfarbendruck (Nr. 2821 F, Bildgröße 22 : 28 cm) erschienen. Handschriftlich: 14.8.1927.

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7. J. H. W. Tischbein, Ausschnitt

 Verso: J. H. W. Tischbein, Goethe in Italien (Teilansicht). Verlag des Städel`schen Kunstinstituts, Frankfurt a.M. No. 90. Datiert: 1921. Nicht gelaufen.

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8. J. H. W. Tischbein, Ausschnitt

Verso: F. A. Ackermann's Kunstverlag, München - Serie 115: 12 histor. Goethe-Portraits. - Nr. 1446: Goethe, gemalt 1786 von J. H. W. Tischbein. Nicht gelaufen.

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9. J. H. W. Tischbein, Ausschnitt, Vierfarbendruck

Verso: Goethe, gemalt 1786 von J. H. W. Tischbein (Detail). F. A. Ackermann's Kunstverlag, München - Nr. 1446b. Umstehendes Portrait ist auch als großer Vierfarbendruck (Nr. 2822 F, Bildgr. 23 : 28 cm, Preis M. 1,-) erschienen. Nicht gelaufen.

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10. Deutsche Männer - Deutsche Worte

Was heute nicht geschieht, / ist morgen nicht getan. Faksimilierte Unterschrift: J.W.v.Goethe. Verso: Johann Wolfgang von Goethe. Bildnisfolge "Deutsche Männer - Deutsche Worte". Erhältlich bei der Allianz-Lebensversicherungs-AG. Zweigniederlassung München 22, Ludwigstraße 12. Signet. Nicht gelaufen.

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11. Volksspende

Verso: Johann Wolfgang von Goethe. Ausschnitt aus dem Gemälde v. J. H. W. Tischbein: J. W. Goethe 1786/87 Rom. Städelsches Kunstinstitut in Frankfurt am Main. Hauserpresse (Hans Schaefer) Frankfurt am Main. Deutsche Volksspende für Goethes Geburtsstätte Frankfurt am Main. Postkarte. Nicht gelaufen.

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12. J. H. W. Tischbein, Skizze

Verso: Wilhelm Tischbein: Skizze zu "Goethe in der Campagna". Signet. Verlag Alt-Weimar, Weimar. Nicht gelaufen. – Goethe und die Kunst, S.157, Abb. 4.

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Karikatur und Trivialisierung

Oben: "Bilder aus Frankfurt". Karikaturen zum Frankfurter Parlament 1848/49. Lithographien von E. Sch. & P. H. bei E. G. May. Frankfurt 1849. Hier No. 9. "Isidorius Morgenlaender" liegt in der Manier von Tischbeins Bild "Goethe in der römischen Campagna" inmitten von Folianten und bemalten Trümmersteinen. In seinen Fußstapfen steht "Volks-Souverainität", "Freiheit", "Gleichheit", "Brüderlichkeit".

In: SB Antiquariat, München. Schwabinger Bilderbogen. Katalog 1. Menschen der Biedermeierzeit 1815-1848. Verkaufsausstellung 1982. Nr. 361.

Unten: Palmin-Post. Sammelfroher Jugend zu Freud und Lehr. Von der Postkutsche zum Raketenwagen. 1. Die Postkutsche [einmontiert Tischbein, Goethe in der Campagna]. 87. Folge. Bild 1.

Siehe auch Wilhelm Tischbein: Goethe in Rom zum Fenster hinauslehnend, 1787. Goethe-Motive auf Postkarten – Zeitgenössische Goethe-Porträts und ihre Adaptionen.

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Goethe und die Kunst. Hg. von Sabine Schulze. Ostfildern: Verlag Gerd Hatje 1994 (Ausstellungskatalog Schirn Kunsthalle Frankfurt und Kunstsammlungen zu Weimar; Goethe im Porträt, S.149-217)

Payer-Thurn, Rudolf: Goethe. Ein Bilderbuch. Sein Leben und Schaffen in 444 Bildern. Leipzig: Günther Schulz o.J.

Pechel, Rud(olf): Goethe und Goethestätten. 88 Bilder (Schaubücher, 32) Zürich, Leipzig: Orell Füssli 1932.

Wahl, Hans: Goethe im Bildnis. Leipzig: Insel 1925.

Wahl, Hans / Kippenberg, Anton: Goethe und seine Welt. Unter Mitwirkung von Ernst Beutler. 580 Abbildungen. Leipzig: Im Insel Verlag 1932.

Wiederholte Spiegelungen. Weimarer Klassik 1759-1832. Ständige Ausstellung des Goethe-Nationalmuseums. Hg. von Gerhard Schuster u. Caroline Gille. 2 Bde (mit durchgehender Seitenzählung). Stiftung Weimarer Klassik bei Hanser. München, Weimar: Carl Hanser 1999.

Goethe gemalt von Tischbein - ein Porträt und seine Geschichte. Ausstellung des Städelschen Kunstinstitutes und der Städtischen Galerie Frankfurt am Main 1974. Katalog: Ellen Spickernagel.

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4. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

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Ludwig-Maximilians-Universität München
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