Jutta Assel | Georg Jäger
Tivoli in Druckgraphiken
Stand: November 2006
Th. Gsell Fels: Rom und die Campagna.
4. Aufl. Leipzig, Wien: Bibliographisches Institut 1895.
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Erläuterungen zu Tivoli und seinen Sehenswürdigkeiten mit Zitaten Goethes
und anderer Italienreisender sowie Ansichten auf Postkarten finden Sie unter
der URL:
www.goethezeitportal.de/index.php.
Gliederung
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Ansichten von Altertümern, Orten und Landschaften wurden vor der
Durchsetzung der Fotografie in Zeichnungen und Malereien festgehalten
und durch Reproduktionsgraphiken (Kupferstich, Radierung, Lithographie)
vervielfältigt. Mit Hilfe solcher Abbildungen
bereitete man sich auf die Reise vor und hatte von den Sehenswürdigkeiten,
bevor man sie noch gesehen hatte, bereits ein Bild im Kopf. Während
der Reise erwarb man solche Bilder als Souvenir oder zur Erinnerung,
bewahrte sie zuhause in Mappen auf und hing sie auch auf. Zur
Befriedigung der Nachfrage entstand im Zuge des Tourismus
im 18. Jahrhundert eine eigene graphische Industrie mit bildenden Künstlern, die die
Vorlagen lieferten, Reproduktionskünstlern, Druckern und Verlegern.
Veduten (italienisch "veduta", Gesehenes) bilden ihren Gegenstand zwar
in portraithafter Treue ab, stilisieren ihn aber zu einer effektvollen Komposition
durch die Wahl des Ausschnitts, den Blickpunkt, Hell-Dunkel-Kontraste und
Schattenwirkungen sowie die das Bild belebende Staffage aus Menschen und Tieren.
Dabei kommt Staffagefiguren auch die Aufgabe zu, die Größenverhältnisse zu verdeutlichen.
Aus kompositorischen Rücksichten und zum Zweck der Idealisierung wurden auch Veränderungen
an der realen Vorlage vorgenommen. Zur Erzielung einer photographischen Treue wurde von Vedutenmalern
die camera obscura eingesetzt, so von dem bekanntesten Vedutenmaler
Bernardo Bellotto, genannt Canaletto (1722-1780).
Tempio della Sibilla Tiburtina
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Anonym. Radierung. Höhe 10,5; Breite 13,1 cm.
Tivoli. View seen from the Temple of Vesta
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Drawn by E. F. Batty. Lithographie. Höhe 12,8; Breite 20,7 cm. Die Maßangaben beziehen
sich auf die Kupferplatte bzw. den Stein. Der sog. Sibyllen-Tempel wurde auch der Vesta zugeschrieben.
Beeindruckend ist "der wundersame Gegensatz, den sein reizendes, vom Sonnenlicht frei durchzogenes,
ruhig ernstes Säulenrund zur wilden, tosenden Naturgewalt im Abgrund bildet, aus welchem Gischt und Dampf
an den gezackten dunkeln Felswänden bis zu den grünen Büschen und Bäumen emporwirbeln."
(Th. Gsell Fels: Rom und die Campagna. 4. Aufl. Leipzig, Wien: Bibliographisches Institut 1895
[Meyers Reisebücher], S. 1067) Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736-1800) bezeichnete
den Sibyllentempel als einen der "elegantesten Reste des Altertums" und nahm
ihn zum Vorbild für den Venustempel (1793/94) im Wörlitzer Park. Dieser
Monopteros ist einer der ersten Rundtempel seiner Art in Deutschland. (Marie-Luise Harksen:
Erdmannsdorff und seine Bauten in Wörlitz. Hg.: Staatl. Schlösser u. Gärten Wörlitz,
Oranienbaum und Luisium 1975, S. 52.)
Elizabeth Frances Batty. Veröffentlichte: Italian scenery. From drawings made in 1817
by Miss Batty. London: Rodwell & Martin 1820, 60 Tafeln. Lebensdaten nicht ermittelt.
Tempy della Sivilla et di Vesta á Tivoli
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A. C. Dies f[ecit] Romae 1793. Radierung. Höhe 34,3; Breite 26 cm.
Der Sibyllen- oder Vestatempel bestand aus einem äußeren Kreis von 18 Säulen um eine
kuppelgewölbte, runde Cella. "Über künstlichen Grundbauten, die den Tempel um der herrlichen
malerischen Wirkung willen an den äußersten Felsrand zu stellen erlauben, erhebt sich ein einfacher
Unterbau, auf dem sich die schlanken, edlen Säulen mit ihren überaus schönen eigenartigen, scharf
gezackten Kapitälblattringen sehr gut ausnehmen." (Gsell Fels, Sp. 1067) Auf der Terrasse
neben und vor dem Tempel, von der aus die Wasserfälle zu sehen sind, befinden sich zwei Betrachter.
Neben dem Sibyllen-Tempel steht auf der rechten Seite der sog. Tiburtus-Tempel, ein längliches
Viereck mit einfacher Cella, ionischen Säulen auf der Vorderseite und ionischen Halbsäulen auf der
Längs- und Rückseite. Auf der linken Seite sieht man den Gasthof, dessen Hof bis zum Tempel reicht.
Links unten im Bild sitzt ein Künstler, der den Wasserfall zeichnet.
Albert Christoph Dies, Maler und Kupferstecher, geb. 1755 in
Hannover, gest. 1822 in Wien.
Dies arbeitete zuerst als Lehrling bei einem gewöhnlichen
Maler drei Jahre lang, studierte dann mit einer kleinen Unterstützung seiner
Regierung in Düsseldorf, ging 1775 nach Mannheim und von da auf eigene Faust
über Basel nach Rom. Dort warf er sich auf die Landschaftsmalerei und schlug sich
mühsam durch, zweitweilig durch Piranesi und den Kunstfreund Lord Bristol
gefördert, sowie einige Jahre lang für Volpatos Vedutengeschäft mit dem
Aquarellieren von Umrißstichen beschäftigt. Daneben studierte er die Natur
im Albanergebirge, Tivoli und auf zwei Reisen nach Neapel. 1792 bis 1796 war
er zusammen mit Johann Christian Reinhart und Jakob Wilhelm Mechau für den Nürnberger
Verleger und Kunsthändler Johann Friedrich Frauenholz mit Landschaftsradierungen aus der römischen Gegend
beschäftigt ("Mahlerisch radirte Prospecte von Italien", 72 Radierungen,
1792-1798) In den letzten 10 Jahren seines römischen Aufenthalts wohnte er
mit dem Archäologen Friedrich Hirt zusammen, wurde durch diesen mit Goethe
bekannt, dem er im Sommer 1787 eine seiner Landschaftszeichnungen kolorierte.
Ende Mai 1796 verließ er Rom mit einem dortigen Mädchen, welches er im Juli zu
Salzburg heiratete.
Nachdem er dort einige Landschaften für den
Erzbischof gemalt hatte, ließ Dies sich 1797 in Wien nieder, wo er sich neben
der Malerei (er war Lehrer der Landschaftsmalerei an der k.k. Akademie) auch
literarisch und musikalisch betätigte, um so mehr als die Nachwirkungen einer
Bleizuckervergiftung, die er sich schon in Rom zugezogen hatte, ihn durch
Lähmung in der Ausübung seiner Kunst behinderte. Dies war zuletzt Galeriedirektor
des Fürsten Esterházy. (Friedrich Noack, Thieme / Becker, Bd. 9, 1913. Gekürzt u.
redigiert.)
"In diesen Landschaftsdarstellungen beschäftigen sich
deutsche Künstler erstmals vornehmlich mit dem Ziel, >malerische und nicht
behandelte Gegenstände zu wählen<. Deshalb sind nur 16 Blätter der Stadt
Rom und ihrer unmittelbaren Umgebung gewidmet. Die übrigen 56 Ansichten zeigen zwar
auch touristisch zu jener Zeit bereits erschlossene Orte wie Tivoli, doch
überwiegend damals noch unbekannte Landschaften wie die Castelli Romani am Albaner See,
Darstellungen von Subiaco, Terni und Civita Castellana oder die pittoresken
Schluchten in der Umgebung von Tivoli und Subiaco. Neben der topographischen
Aufnahme hatte die intensiv studierte Naturaufnahme einen hohen Stellenwert
für die drei beteiligten Künstler. Sie widmeten sich sehr genau der korrekten
Wiedergabe der Pflanzen, der Gesteinsformationen und den unterschiedlichsten
Witterungsverhältnissen. Dies entsprach dem damals aktuellen wissenschaftlichen
Interesse an Botanik, Geologie und Meteorologie. Besonders den, fast immer an
zentraler Stelle der Kompositionen postierten, Bäumen galt die Aufmerksamkeit,
wobei hier den mitteleuropäischen Arten der Vorzug gegeben wurde gegenüber den
in Italien ebenfalls heimischen Pinien." Quelle:
"Mahlerisch radirte Prospecte von Italien"
Italienbilder von Reinhart, Mechau und Dies, Ausstellung der Hamburger
Kunsthalle, 2. Juni bis 20. August 2006. Kuratoren: Dr. Peter Prange und
Dr. Andreas Stolzenburg. URL:
www.hamburger-kunsthalle.de/archiv/seiten/radirte.html.
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[Im Stein bezeichnet:] Lindemann-Frommel, Tivoli 9. Sept[ember] 1845.
Kreidelithographie auf dünnem Velinpapier, Probeabdruck.
Lindemann-Frommel, Karl, Landschaftsmaler, Kupferstecher und
Lithograph. Geb. 19.08.1819 (Markirch (Elsaß), gest. 16.05.1891 Rom. Adoptivsohn u. Schüler
von C. L. Frommel. Jugendjahre in Karlsruhe, studierte auch in München (bei Rottmann) u.
in Paris. 1845/49 u. seit 1856 in Rom ansässig. Graphik: Skizzen aus Rom und Umgebung,
8 Hefte, in Ton- und Farbendruck. Neue Ausg. Stuttgart 1855. (Thieme / Becker)
Grotte de Neptune, à Tivoli
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[Ohne Künstlerangabe] A Paris, chez Tessari et Cie. Rue du Cloître Notre-Dame, No. 4.
Déposé. Kupferstich. Höhe 26,2; Breite 19,8 cm. Von der Neptunsgrotte aus bietet sich
" eine überraschende Schau auf den oberen Sturz des rechten Falls und seines Ursprungsarms"
(Gsell Fels, Sp. 1067) Staffage mit Fischer, drei Frauen und Kind.
Grotta volgarmente detta di Nettuno a Tivoli
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G. Cottafavi dis. ed incise. Presso L'Autore. Kolorierter Kupferstich.
Höhe 17,5; Breite 24,5 cm. Manche Vedutenmaler besaßen, wie auch der deutsche Kupferstecher
Wilhelm Friedrich Gmelin (1760-1820), eine eigene Druckwerkstatt. Zwei Staffagefiguren
verdeutlichen die Größenverhältnisse.
Gaetano Cottafavi, Kupferstecher, tätig in Rom,
lieferte eine Reihe römischer Veduten (Raccolta delle principali vedute
di Roma e suoi contorni. Rome: Tommaso Cuccioni 1837, hier abgebildet die
28. Tafel)) sowie die Tafeln zu Erasmo Pistolesi "Descrizione di Roma",
1841. (Thieme / Becker. Ergänzt.)
Villa Mecenate
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A. C. Dies f[ecit] Romae 1794. Radierung. Höhe 34,2; Breite 25,3 cm.
Es handelt sich um "die malerischen kleinern Wasserfälle >le Cascatelle<, die von einem vom
Hauptstrom abgezweigten Anio-Arm … gebildet werden; die ersten mit zwei Fällen, die zweiten bei der
Villa des Mäcenas in das Thal 30 m hoch niederströmend. Wie kleine Schneelawinen rollen sie über die
gras- und baumreichen Felsen." (Gsell Fels, Sp. 1070) Staffagefigur mit lasttragendem Esel.
"Cajus Cilinus Mäcenas, ein Römischer Ritter aus einem vornehmen Geschlecht in
Etrurien, und erklärter Günstling des Kaisers August. Weil dieser Mann ein warmer Freund der Künste
und Wissenschaften war, und jeden, der darin etwas Vorzügliches leistete, willig und gern bei sich aufnahm,
zu seiner immer reichlich besetzten Tafel zog und wohl gelegentlich dem Kaiser selbst anempfohl; so hat
man nachher jeden Gönner der Wissenschaften nicht selten mit dem Namen eines Mäcenas bezeichnet.
Es war nicht zu verwundern, daß Mäcenas den schönen Geistern seiner Zeit
einen so rühmlichen Schutz angedeihen ließ; denn er lebte in einem sehr glänzenden Privatstande, und besaß
solche ansehnliche Reichthümer, daß die Geschenke, die er den Freunden der Musen machte, in Vergleichung
mit seinen übrigen Schätzen, immer noch sehr gering erscheinen. August bediente sich seines Raths bei
allen wichtigen Angelegenheiten, und durfte es sich nie gereuen lassen, ihn zu seinem Vertrauten gewählt
zu haben; denn er besaß einen hellen und geprüften Beobachtungsgeist, und konnte, da er von der unmittelbaren
Theilnahme an den öffentlichen Geschäften gänzlich entfernt war, dem Kaiser am besten die Wahrheit sagen.
Daß er als Günstling eines unumschränkten Herrschers rechtschaffen blieb und niemanden zu schaden suchte,
verdient alle Achtung, und entschuldigt gewisser Maßen den großen Hang zur Weichlichkeit und sinnlichen
Vergnügungen, den einige alte Schriftsteller mit Recht an ihm getadelt haben.
Mäcenas hatte eine prächtige Villa zu Tivoli unweit Rom, deren Ruinen noch
kürzlich die Bewunderung jedes Reisenden erregten; allein durch den Einfall des Römischen Hofes (welcher
jedoch verunglückte), auf denselben ein Stückgießerei anzulegen, sind diese herrlichen Ueberreste i. J.
1796 zerstört worden. Indeß hat uns ein bekannter Deutscher Künstler zu Rom, Friedrich Gmelin, das
Andenken derselben durch zwei treffliche Zeichnungen erhalten, die auch in Kupfer gestochen in der
Frauenholzischen Kunsthandlung zu Nürnberg herausgekommen sind." (Conversations-Lexikon oder
kurzgefaßtes Handwörterbuch, 1809-1811; Artikel Cajus Cilinus Mäcenas, Bd. 3, S. 12. Digitale
Bibliothek 131, S. 2781.)
Albert Christoph Dies, s.o.
Halle im obern Stocke der Villa des Maecenas zu Tivoli
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Nach der Natur gezeichnet und gestochen v. W. F. Gmelin in Rom. [1]796.
Radierung. Höhe 38; Breite 54,5 cm.
Gmelin, Wilhelm Friedrich, geb. 1745 zu Badenweiler im Breisgau,
geschickter Kupferstecher; er starb 1821 in Rom u. ist Erfinder einer Maschine für Kupferstecher.
(Pierer's Universal-Lexikon. 4. Aufl. 1857-1865. DVD-ROM-Ausgabe. Neusatz u. Faksimile. Berlin:
Directmedia 2005 [Digitale Bibliothek; 115]. Bd. 7, S. 426; Neusatz S. 89881 f.) ???
Vgl. Rolf Eilers: Briefe des Kupferstechers Wilhelm Friedrich Gmelin an seinen Bruder
Carl Christian Gmelin, Professor der Botanik. URL:
www.gmelin.com/html/mitteilungen/CarlChristian.htm
Piano inferiore della Villa di Cassio
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A. C. Dies f[ecit] Romae 1793. Ruderi, esistenti a
Tivoli del Piano inferiore della Villa di Cassio. Radierung,
Frühdruck. Höhe 28; Breite 37,9 cm.
Albert Christoph Dies, s.o.
Cascatella di Tivoli
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A. C. Dies pinx[it] et incid. Romae 1792. Radierung. Höhe 24,8;
Breite 35,5 cm. Ein Paar als Staffage; dem auf einer Mandoline spielenden Mann hört
eine auf einem Esel reitende, ihm zugewandte Frau zu.
Albert Christoph Dies, s.o.
Gegend von Tivoli bei Rom
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Ölgemälde von G. Koebel. Steinzeichnung von F. Würthle.
Verlag der K. B. priv. Kunstanstalt v. Piloty & Loehle in München. Mit
gesetzl. Schutze gegen Nachbildung. Prägestempel: Piloty & Loehle München.
Aus dem König-Ludwigs-Album. Lithographie. Höhe 23; Breite 26 cm.
(ohne Rahmendruck).
Koebel, Georg, geb. 1807 in Worms, gest. 1894 in
Fürstenfeldbruck, Oberbayern. War anfangs Kaufmann, besuchte dann die Akademie
in Dresden und München, lebte krankheitshalber einige Zeit am Gardasee und war
1836/39 in Rom (Mitglied der Ponte Molle-Gesellschaft), wo er sich der Richtung
K. Markós anschloß. Seit 1840 in München ansässig, beschickte er seitdem die
Ausstellungen des Münchner und des Mainzer Kunstvereins mit Landschaften, deren
Motive er Oberbayern, dem Rheintal und Italien entnahm. Nach ihm lithographierte
F. Würthle. (Thieme / Becker, gekürzt.)
Würthle, Friedrich, geb. 1820 in Konstanz,
Landschaftsmaler, Radierer und Stahlstecher. Studierte in Karlsruhe bei
C. L. Frommel, seit 1840 in München. Seit 1860 Landschaftsphotograph in
Salzburg. Illustrationen für das Werk: Das Königreich Bayern in seinen alterthümlichen,
geschichtlichen, artistischen und malerischen Schönheiten, 1840 ff. Stahlstiche
mit Rheinansichten, Ansichten von Tirol u.a. (Thieme / Becker, gekürzt.)
Piloty, Ferdinand, geb. 1786 in Homburg, Lithograph und Verleger; st. 1844 in München.
Daselbst gab er 1808–1815 mit Strixner eine Reihenfolge von 432 Lithographien
nach Handzeichnungen alter Meister heraus, 1815 ein lithographisches Werk
von den Gallerien in München u. Schleißheim, später ein gleiches von der
Leuchtenbergischen, u. war seit 1836 in Verbindung mit Löhle an einem neuen
Galleriewerk von der Pinakothek [und später als Herausgeber des
König-Ludwig-Albums] thätig.(Pierer's Universal-Lexikon, 4. Aufl.
1857-1865; Bd. 13, S. 136; Digitale Bibliothek 115, S. 167360; redigiert.)
Das König-Ludwig-Album enthält Arbeiten von zahlreichen Künstlern und
wurde dem 1848 abgedankten König Ludwig I. während der Feierlichkeiten bei der Enthüllung der
Bavaria am 9. Oktober 1850 als Dank für seine Förderung der Künste in
Bayern überreicht.
Tivoli, Villa (H)Adriana
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Anonym. Radierung. Höhe 14,5; Breite 20,2 cm.
Mondbeleuchtung. Mit Staffagefiguren, darunter drei Mönche im Gespräch.
Zur Villa (H)Adriana vgl. ausführlich "Tivoli in alten Ansichten",
Kap. 1.4. URL:
www.goethezeitportal.de/index.php.
"Die Stadt [Tivoli] ist ein Bettelnest, wie alle kleine Städte im Kirchenstaate,
u. die Straße dahin ist wie alle Gegenden um Rom wüste und öde. Aber die Natur
hat alle menschliche Faulheit nicht zerstören können; sie ist noch dieselbe wie
sie in Horaz Oden u. in der Römischen Geschichte gemalt ist. Hier war die Villa
des Mäcens; sie steht in den Ruinen des untern Stockwerks u. der unterirdischen
Gewölbe noch prächtig da; das stolze hohe Haus aber, die Superba alta domus
Maecenatis ist verschwunden. Sie sah weit vor sich; stand aber noch mehr da
um gesehn zu werden, u. muß über alles, was wir jetzt machen, schön u. prächtig
gewesen (sein); jetzt aber stehn Weinreben auf ihr; es wachsen über Stangen die
großen schwarzen Trauben Pergolese. An der andern Ecke des Bergs, wo jetzt die Villa
d'Este ist, u. im Garten 300jährige hohe Zypressen stehen, auch die Königin der
Fontainen, wie sie Michael Angelo nannte, ihr Wasser ausgießt, war die Villa
des Cäsars, die nachher Sallustius kaufte.
Alles dies aber was die Vorderseite
gegen Rom zeigt, ist nichts gegen das, was das hintere Tal verbirgt; der
sanftschleichende Anio glaubt nicht, daß in wenigen Schritten ihm soviel Kampf und
Sturz von der Natur bereitet worden. Wunderbar sind die Grotten, durch die er
stürzt, der praeceps Anio des Horaz, und schön ist der Anblick, den er gibt,
wenn mit Regenbogenfarben die Sonne auf ihm spielt. Ich habe 2 schöne Tage, dieses
Schauspiel der Natur zu sehen, bin beide Tage in der besten Stunde bis zur innersten
Grotte Neptuns hinuntergestiegen u. habe in der Silberwolke des aufstäubenden
Wassers mit dem sanften Entsetzen, welches die Alten Begeisterung der Nymphen
nannten, gestanden.
Oben an der Ecke des Bergs steht ein lieblicher
Tempel der Vesta, gemeinigl. der Sybillentempel genannt, rund u. schön; wir haben
beide Tage Mittags in ihm gegessen. Der stille Anio ist vor dem Blick; der
rauschende Anio im Ohr u. erfüllt das ganze Tibur, wo man geht u. steht, mit
Einer hohen u. schönen Empfindung des Schauers u. der göttlichen
Gegenwart.
Nachmittags stiegen wir hinab, den Anio hinüber u.
umgingen das Tal, wo der Strom alle seine kleinern Leiden hat u. seine lieblichen
Künste beweist. Das ist ein Spaziergang, wie wohl wenige in der Welt sind; auch
haben die Römer, die zu leben wußten, jeden Fleck dieser schönen Höhe benutzt u.
genossen. Am schönsten Ort der Aussicht, wo jetzt das Kloster des Antonio ist,
hatte Horaz sein Haus, wenn er in Tivoli war; seine kleine Villa lag 3 deutsche
Meilen in den Sabinerbergen, deren mons Lucretilis voll Ziegenherden ich auch
einmal besuchen will; der Weg von ihr nach seinem Tibur am Anio hin, soll sehr
schön sein. Hier war denn der Winkel der Erde, der ihm am schönsten gefiel, u.
wo er sein ruhiges Alter hinbringen wollte; es ist auch ein gar lieblicher
Erdenwinkel, der die Phantasie so ausfüllt in einem engen Raum, daß ihr nichts
übrig bleibt. Hier waren denn das
Domus Albuneae resonantis
et praeceps Anio ac Tiburni lucus et uda
mobilibus pomaria rivis |
vor seinem Blick, wo er allen seinen Freunden Fröhlichkeit zusang, als den
einzigen Genuß des Lebens. Ich bitte Dich, lies mit Hrn. Schäfer die 7te Ode
des 1. B[uches] u. die 6. des 2ten; u. habe den Horaz lieb, den, wie Du
weißt, ich immer lieb gehabt, u. jetzt siebenfach lieber habe, nachdem mit die
Wahrheit u. Schönheit seiner Empfindungen der Natur u. des Lebens in seinem
heiligen Tibur recht lebhaft gemacht worden."
Johann Gottfried Herder an Gottfried Herder, seinen Sohn, Rom, 28. 10. 1788.
In: Johann Gottfried Herder: Italienische Reise. Briefe und Tagebuchaufzeichnungen
1788-1789. Hg. von Albert Meier u. Heide Hollmer. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1988,
s. 188-190. Absätze eingefügt.
Alle Vorlagen entstammen einer privaten Sammlung. Die private Nutzung und die
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