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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Illustrationen zu Szenen aus Goethes "Faust"

Auerbachs Keller

Eingestellt: Dezember 2016

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"Ich muss dich nun vor allen Dingen / In lustige Gesellschaft bringen, / damit du siehst, wie leicht sich's leben lässt," sagt Mephisto zu Faust und führt diesen aus seiner Studierkammer in eine Runde von zechenden und singenden Gesellen in Auerbachs Keller in Leipzig. Die Zaubereien, die Mephistos hier vollführt, hat Goethe dem Volksbuch von Dr. Faust entnommen. Das Goethezeitportal zeigt die historischen Örtlichkeiten in ihrer Entwicklung - Auerbachs Hof, Auerbachs Keller, Mädlerpassage - und die Ausgestaltung von Auerbachs Keller zu einem bis heute vielbesuchten Memorialort. So werden die zahlreichen dortigen plastischen Arbeiten und Wandmalereien - vornehmlich Illustrationen zu einzelnen Szenen des "Faust" - wiedergegeben. Dabei wird deutlich, wie der in Goethes Text nur angedeutete Fassritt, unter Bezug auf das Volksbuch, zu einem eigenständigen Schwankmotiv ausgestaltet wurde. Literaturhinweise und Weblinks laden zu weiterer Beschäftigung ein.

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Gliederung

1. Goethe: Faust I. Auerbachs Keller
2.Die historischen Örtlichkeiten:
Auerbachs Hof, Auerbachs Keller, Mädler Passage
3. Das Volksbuch von Dr. Faust
4. Von zwei alten Bildern in Auerbachs Keller
5. Illustrationen zur Szene "Auerbachs Keller":
Zechgelage, Zaubereien, Fassritt
6. Illustrationen zu Goethes "Faust",
Erster und Zweiter Teil, in Auerbachs Keller
7. Kartengrüße aus Auerbachs Keller
8. Literaturhinweise und Weblinks
9. Rechtlicher Hinweis und Kontaktanschrift

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1. Goethe: Faust I
Auerbachs Keller

Auerbachs Keller in Leipzig
Zeche lustiger Gesellen.

FROSCH:
Will keiner trinken? keiner lachen?
Ich will euch lehren Gesichter machen!
Ihr seid ja heut wie nasses Stroh,
Und brennt sonst immer lichterloh.

BRANDNER:
Das liegt an dir; du bringst ja nichts herbei,
Nicht eine Dummheit, keine Sauerei.

FROSCH
(gießt ihm ein Glas Wein über den Kopf):
Da hast du beides!

BRANDNER:
Doppelt Schwein!

FROSCH.
Ihr wollt es ja, man soll es sein!

SIEBEL:
Zur Tür hinaus, er sich entzweit!
Mit offner Brust singt Runda, sauft und schreit!
Auf! Holla! Ho!

ALTMAYER:
Weh mir, ich bin verloren!
Baumwolle her! der Kerl sprengt mir die Ohren.

SIEBEL:
Wenn das Gewölbe widerschallt,
Fühlt man erst recht des Basses Grundgewalt.

FROSCH:
So recht, hinaus mit dem, der etwas übel nimmt!
A! tara lara da!

ALTMAYER:
A! tara lara da!

FROSCH.
Die Kehlen sind gestimmt.
(Singt.) Das liebe, heil'ge Röm'sche Reich,
              Wie hält's nur noch zusammen?

BRANDNER:
Ein garstig Lied! Pfui! ein politisch Lied!
Ein leidig Lied! Dankt Gott mit jedem Morgen,
Dass ihr nicht braucht fürs Röm'sche Reich zu sorgen!
Ich halt' es wenigstens für reichlichen Gewinn,
Dass ich nicht Kaiser oder Kanzler bin.
Doch muss auch uns ein Oberhaupt nicht fehlen;
Wir wollen einen Papst erwählen.
Ihr wisst, welch eine Qualität
Den Ausschlag gibt, den Mann erhöht.

FROSCH (singt):
      Schwing dich auf, Frau Nachtigall,
      Grüß mir mein Liebchen zehentausendmal.

SIEBEL:
Dem Liebchen keinen Gruß! ich will davon nichts hören!

FROSCH:
Dem Liebchen Gruß und Kuss! du wirst mir's nicht verwehren!
(Singt.)   Riegel auf! in stiller Nacht.
                Riegel auf! der Liebste wacht.
                Riegel zu! des Morgens früh.

SIEBEL:
Ja, singe, singe nur und lob und rühme sie!
Ich will zu meiner Zeit schon lachen.
Sie hat mich angeführt, dir wird sie's auch so machen.
Zum Liebsten sei ein Kobold ihr beschert!
Der mag mit ihr auf einem Kreuzweg schäkern;
Ein alter Bock, wenn er vom Blocksberg kehrt,
Mag im Galopp noch gute Nacht ihr meckern!
Ein braver Kerl von echtem Fleisch und Blut
Ist für die Dirne viel zu gut.
Ich will von keinem Gruße wissen,
Als ihr die Fenster eingeschmissen!

BRANDNER (auf den Tisch schlagend):
Passt auf! passt auf! Gehorchet mir!
Ihr Herrn, gesteht, ich weiß zu leben
Verliebte Leute sitzen hier,
Und diesen muss, nach Standsgebühr,
Zur guten Nacht ich was zum besten geben.
Gebt acht! Ein Lied vom neusten Schnitt!
Und singt den Rundreim kräftig mit!

(Er singt.)
       Es war eine Ratt im Kellernest,
      Lebte nur von Fett und Butter,
      Hatte sich ein Ränzlein angemäst't,
      Als wie der Doktor Luther.
      Die Köchin hatt' ihr Gift gestellt;
      Da ward's so eng ihr in der Welt,
      Als hätte sie Lieb' im Leibe.

CHORUS (jauchzend):
      Als hätte sie Lieb' im Leibe.

BRANDNER:
      Sie fuhr herum, sie fuhr heraus,
      Und soff aus allen Pfützen,
      Zernagt', zerkratzt', das ganze Haus,
      Wollte nichts ihr Wüten nützen;
      Sie tät gar manchen Ängstesprung,
      Bald hatte das arme Tier genung,
      Als hätt es Lieb' im Leibe.

CHORUS
      Als hätt es Lieb' im Leibe.

BRANDNER:
      Sie kam vor Angst am hellen Tag
      Der Küche zugelaufen,
      Fiel an den Herd und zuckt', und lag,
      Und tät erbärmlich schnaufen.
      Da lachte die Vergifterin noch:
      Ha! sie pfeift auf dem letzten Loch,
      Als hätte sie Lieb im Leibe.

CHORUS
      Als hätte sie Lieb' im Leibe.

SIEBEL:
Wie sich die platten Bursche freuen!
Es ist mir eine rechte Kunst,
Den armen Ratten Gift zu streuen!

BRANDNER:
Sie stehn wohl sehr in deiner Gunst?

ALTMAYER:
Der Schmerbauch mit der kahlen Platte!
Das Unglück macht ihn zahm und mild;
Er sieht in der geschwollnen Ratte
Sein ganz natürlich Ebenbild.

Faust und Mephistopheles treten auf.

MEPHISTOPHELES:
Ich muss dich nun vor allen Dingen
In lustige Gesellschaft bringen,
Damit du siehst, wie leicht sich's leben lässt.
Dem Volke hier wird jeder Tag ein Fest.
Mit wenig Witz und viel Behagen
Dreht jeder sich im engen Zirkeltanz,
Wie junge Katzen mit dem Schwanz.
Wenn sie nicht über Kopfweh klagen,
So lang der Wirt nur weiter borgt,
Sind sie vergnügt und unbesorgt.

BRANDNER:
Die kommen eben von der Reise,
Man sieht's an ihrer wunderlichen Weise;
Sie sind nicht eine Stunde hier.

FROSCH:
Wahrhaftig, du hast recht! Mein Leipzig lob ich mir!
Es ist ein klein Paris, und bildet seine Leute.

SIEBEL:
Für was siehst du die Fremden an?

FROSCH:
Lass mich nur gehn! Bei einem vollen Glase
Zieh ich, wie einen Kinderzahn,
Den Burschen leicht die Würmer aus der Nase.
Sie scheinen mir aus einem edlen Haus,
Sie sehen stolz und unzufrieden aus.

BRANDNER:
Marktschreier sind's gewiss, ich wette!

ALTMAYER:
Vielleicht.

FROSCH:
Gib acht, ich schraube sie!

MEPHISTOPHELES (zu Faust):
Den Teufel spürt das Völkchen nie,
Und wenn er sie beim Kragen hätte.

FAUST:
Seid uns gegrüßt, ihr Herrn!

SIEBEL:
Viel Dank zum Gegengruß.

(Leise, Mephistopheles von der Seite ansehend.)
Was hinkt der Kerl auf einem Fuß?

MEPHISTOPHELES:
Ist es erlaubt, uns auch zu euch zu setzen?
Statt eines guten Trunks, den man nicht haben kann
Soll die Gesellschaft uns ergetzen.

ALTMAYER:
Ihr scheint ein sehr verwöhnter Mann.

FROSCH:
Ihr seid wohl spät von Rippach aufgebrochen?
Habt ihr mit Herren Hans noch erst zu Nacht gespeist?

MEPHISTOPHELES:
Heut sind wir ihn vorbeigereist;
Wir haben ihn das letztemal gesprochen.
Von seinen Vettern wusst' er viel zu sagen,
Viel Grüße hat er uns an jeden aufgetragen.

(Er neigt sich gegen Frosch.)

ALTMAYER (leise):
Da hast du's! der versteht's!

SIEBEL:
Ein pfiffiger Patron!

FROSCH:
Nun, warte nur, ich krieg ihn schon!

MEPHISTOPHELES:
Wenn ich nicht irrte, hörten wir
Geübte Stimmen Chorus singen?
Gewiss, Gesang muss trefflich hier
Von dieser Wölbung widerklingen!

FROSCH:
Seid Ihr wohl gar ein Virtuos?

MEPHISTOPHELES:
O nein! die Kraft ist schwach, allein die Lust ist groß.

ALTMAYER:
Gebt uns ein Lied!

MEPHISTOPHELES:
Wenn ihr begehrt, die Menge.

SIEBEL:
Nur auch ein nagelneues Stück!

MEPHISTOPHELES:
Wir kommen erst aus Spanien zurück,
Dem schönen Land des Weins und der Gesänge.

(Singt).
      Es war einmal ein König,
      Der hatt' einen großen Floh –

FROSCH:
Horcht! Einen Floh! Habt ihr das wohl gefasst?
Ein Floh ist mir ein saub'rer Gast.

MEPHISTOPHELES (singt):
      Es war einmal ein König
      Der hatt' einen großen Floh,
      Den liebt' er gar nicht wenig,
      Als wie seinen eignen Sohn.
      Da rief er seinen Schneider,
      Der Schneider kam heran:
      Da, miss dem Junker Kleider,
      Und miss ihm Hosen an!

BRANDNER:
Vergesst nur nicht, dem Schneider einzuschärfen,
Dass er mir aufs genauste misst,
Und dass, so lieb sein Kopf ihm ist,
Die Hosen keine Falten werfen!

MEPHISTOPHELES:
      In Sammet und in Seide
      War er nun angetan,
      Hatte Bänder auf dem Kleide,
      Hatt' auch ein Kreuz daran
      Und war sogleich Minister,
      Und hatt' einen großen Stern.
      Da wurden seine Geschwister
      Bei Hof' auch große Herrn.
      Und Herrn und Frau'n am Hofe,
      Die waren sehr geplagt,
      Die Königin und die Zofe
      Gestochen und genagt,
      Und durften sie nicht knicken,
      Und weg sie jucken nicht.
      Wir knicken und ersticken
      Doch gleich, wenn einer sticht.

Chorus (jauchzend):
      Wir knicken und ersticken
      Doch gleich, wenn einer sticht.

FROSCH:
Bravo! Bravo! Das war schön!

SIEBEL:
So soll es jedem Floh ergehn!

BRANDNER:
Spitzt die Finger und packt sie fein!

ALTMAYER:
Es lebe die Freiheit! Es lebe der Wein!

MEPHISTOPHELES:
Ich tränke gern ein Glas, die Freiheit hoch zu ehren,
Wenn eure Weine nur ein bisschen besser wären.

SIEBEL:
Wir mögen das nicht wieder hören!

MEPHISTOPHELES:
Ich fürchte nur, der Wirt beschweret sich;
Sonst gäb' ich diesen werten Gästen
Aus unserm Keller was zum besten.

SIEBEL:
Nur immer her! ich nehm's auf mich.

FROSCH:
Schafft Ihr ein gutes Glas, so wollen wir Euch loben.
Nur gebt nicht gar zu kleine Proben
Denn wenn ich judizieren soll,
Verlang' ich auch das Maul recht voll.

ALTMAYER: (leise):
Sie sind vom Rheine, wie ich spüre.

MEPHISTOPHELES:
Schafft einen Bohrer an!

BRANDNER:
Was soll mit dem geschehn?
Ihr habt doch nicht die Fässer vor der Türe?

ALTMAYER:
Dahinten hat der Wirt ein Körbchen Werkzeug stehn.

MEPHISTOPHELES (nimmt den Bohrer. Zu Frosch) :
Nun sagt, was wünschet Ihr zu schmecken?

FROSCH:
Wie meint Ihr das? Habt Ihr so mancherlei?

MEPHISTOPHELES:
Ich stell es einem jeden frei.

ALTMAYER (zu Frosch):
Aha! du fängst schon an, die Lippen abzulecken.

FROSCH:
Gut! wenn ich wählen soll, so will ich Rheinwein haben.
Das Vaterland verleiht die allerbesten Gaben.

MEPHISTOPHELES
(indem er an dem Platz, wo Frosch sitzt, ein Loch in den Tischrand bohrt):
Verschafft ein wenig Wachs, die Pfropfen gleich zu machen!

ALTMAYER:
Ach, das sind Taschenspielersachen.

MEPHISTOPHELES (zu Brander):
Und Ihr?

BRANDNER:
Ich will Champagner Wein
Und recht moussierend soll er sein!

(Mephistopheles bohrt; einer hat indessen die Wachspfropfen gemacht und verstopft.)

Man kann nicht stets das Fremde meiden
Das Gute liegt uns oft so fern.
Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden,
Doch ihre Weine trinkt er gern.

SIEBEL
(indem sich Mephistopheles seinem Platze nähert):
Ich muss gestehn, den sauern mag ich nicht,
Gebt mir ein Glas vom echten süßen!

MEPHISTOPHELES (bohrt):
Euch soll sogleich Tokayer fließen.

ALTMAYER:
Nein, Herren, seht mir ins Gesicht!
Ich seh' es ein, ihr habt uns nur zum besten.

MEPHISTOPHELES:
Ei! Ei! Mit solchen edlen Gästen
Wär' es ein bisschen viel gewagt.
Geschwind! Nur grad' heraus gesagt!
Mit welchem Weine kann ich dienen?

ALTMAYER:
Mit jedem! Nur nicht lang gefragt.

(Nachdem die Löcher alle gebohrt und verstopft sind.)

MEPHISTOPHELES (mit seltsamen Gebärden):
      Trauben trägt der Weinstock!
      Hörner der Ziegenbock;
      Der Wein ist saftig, Holz die Reben,
      Der hölzerne Tisch kann Wein auch geben.
      Ein tiefer Blick in die Natur!
      Hier ist ein Wunder, glaubet nur!
      Nun zieht die Pfropfen und genießt!

Alle
(indem sie die Pfropfen ziehen und jedem der verlangte Wein ins Glas läuft):
O schöner Brunnen, der uns fließt!

MEPHISTOPHELES:
Nur hütet euch, dass ihr mir nichts vergießt!

(Sie trinken wiederholt.)

Alle (singen):
      Uns ist ganz kannibalisch wohl,
      Als wie fünfhundert Säuen!

MEPHISTOPHELES:
Das Volk ist frei, seht an, wie wohl's ihm geht!

FAUST:
Ich hätte Lust, nun abzufahren.

MEPHISTOPHELES:
Gib nur erst acht, die Bestialität
Wird sich gar herrlich offenbaren.

SIEBEL:
(trinkt unvorsichtig, der Wein fließt auf die Erde und wird zur Flamme):
Helft! Feuer! helft! Die Hölle brennt!

MEPHISTOPHELES (die Flamme besprechend):
Sei ruhig, freundlich Element! (Zu den Gesellen.)
Für diesmal war es nur ein Tropfen Fegefeuer.

SIEBEL:
Was soll das sein? Wart! Ihr bezahlt es teuer!
Es scheinet, dass Ihr uns nicht kennt.

FROSCH:
Lass Er uns das zum zweiten Male bleiben!

ALTMAYER:
Ich dächt', wir hießen ihn ganz sachte seitwärts gehn.

SIEBEL:
Was, Herr? Er will sich unterstehn,
Und hier sein Hokuspokus treiben?

MEPHISTOPHELES:
Still, altes Weinfass!

SIEBEL:
Besenstiel!
Du willst uns gar noch grob begegnen?

BRANDNER:
Wart nur, es sollen Schläge regnen!

ALTMAYER
(zieht einen Pfropf aus dem Tisch, es springt ihm Feuer entgegen) :
Ich brenne! ich brenne!
Stoßt zu! der Kerl ist vogelfrei!

(Sie ziehen die Messer und gehn auf Mephistopheles los.)

MEPHISTOPHELES (mit ernsthafter Gebärde):
      Falsch Gebild und Wort
      Verändern Sinn und Ort!
      Seid hier und dort!

(Sie stehn erstaunt und sehn einander an.)

ALTMAYER:
Wo bin ich? Welches schöne Land!

FROSCH:
Weinberge! Seh' ich recht?

SIEBEL:
Und Trauben gleich zur Hand!

BRANDNER:
Hier unter diesem grünen Laube,
Seht, welch ein Stock! Seht, welche Traube!

(Er faßt Siebeln bei der Nase. Die andern tun es wechselseitig und heben die Messer.)

MEPHISTOPHELES (wie oben):
Irrtum, lass los der Augen Band!
Und merkt euch, wie der Teufel spaße.

(Er verschwindet mit Faust, die Gesellen fahren auseinander.

SIEBEL:
Was gibt's?

ALTMAYER:
Wie?

FROSCH:
War das deine Nase?

BRANDNER (zu Siebel):
Und deine hab ich in der Hand!

ALTMAYER:
Es war ein Schlag, der ging durch alle Glieder!
Schafft einen Stuhl, ich sinke nieder!

FROSCH:
Nein, sagt mir nur, was ist geschehn?

FROSCH:
Wo ist der Kerl? Wenn ich ihn spüre,
Er soll mir nicht lebendig gehn!

ALTMAYER:
Ich hab ihn selbst hinaus zur Kellertüre –
Auf einem Fasse reiten sehn-
Es liegt mir bleischwer in den Füßen.

(Sich nach dem Tische wendend.)
Mein! Sollte wohl der Wein noch fließen?

SIEBEL:
Betrug war alles, Lug und Schein.

FROSCH:
Mir deuchte doch, als tränk' ich Wein.

BRANDNER:
Aber wie war es mit den Trauben?

ALTMAYER:
Nun sag mir eins, man soll kein Wunder glauben!

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Auerbachs Keller. Die Szene ist wohl einer der ältesten Bestandteile des Dramas. Sie begegnet schon im Urfaust, jedoch mit Ausnahme des aus acht Versen bestehenden Beginns in Prosa. In der jetzigen Gestalt erscheint die Partie erst im Fragment von 1790. Die Umarbeitung wird ein Jahr vorher entstanden sein. Aus einer Notiz in Goethes Tagebuch vom 15. Juni 1775 und einer Briefstelle vom 17. September desselben Jahres dürfen wir schließen, daß die ursprüngliche Fassung damals vorhanden war und daß am letzt genannten Tage das Rattenlied eingeschoben wurde. [...]

In der älteren Gestalt der Szene vollführt Faust, nicht Mephisto die Zauberstücke. Die Rollen der Burschen sind ziemlich die gleichen geblieben, nur hat sich die Charakteristik zugunsten einer größeren quantitativen Gleichmäßigkeit verschoben. Im ganzen wurde erst in der Umschmelzung aus einer derben Skizze eine Szene von unvergleichlicher Abrundung und Fülle. Den Stoff, besonders die drei Zauberstücke: das Anbohren der Tischplatte, aus der Wein fließt, die Entstehung der Weinstöcke mit den üblen Folgen beim Handhaben der Messer und den Faßritt, entnahm Goethe der Volkssage. Ob er die ursprünglich verschiedenen Abenteuer erst selbst kombinierte oder schon verbunden in der Überlieferung vorfand, ist unsicher.

Quelle:
Goethe-Handbuch. Hrsg. von Julius Zeitler. Bdl 1. Stuttgart: J. B. Metzlersche Buchhandlung 1916, S. 120f. Unterzeichnet "P" = Otto Pniower.

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2. Die historischen Örtlichkeiten:
Auerbachs Hof, Auerbachs Keller
Mädler Passage

Auerbachs Keller liegt im Zentrum Leipzigs in unmittelbarer Nähe zum Neumarkt - ehemals im Keller von "Auerbachs Hof" in der Grimmischen Gasse, heute Grimmaische Straße 2-4, unter der Mädlerpassage. Schon 1438 im Schöffenbuch der Stadt als Waldheim-Hummelshainscher Hof erwähnt, erwarb diesen, nach einigen Besitzerwechseln, in den 1520er Jahren der Arzt und Universitätsgelehrte Dr. Heinrich Stromer, gebürtig aus Auerbach (Oberpfalz), und errichtete dort 1530 einen Neubau im Renaissance-Stil über den alten Kellergewölben. Den öffentlichen Weinausschank behielt er bei. Nach seinem Zunamen "der Auerbacher" erhielt der Hof seinen neuen Namen. "Dr. Auerbach" beherbergte als Anhänger des Reformators ebenda auch Martin Luther.

Nachdem 1497 Kaiser Maximilian die drei Leipziger Messen durch Privileg befestigt hatte, wuchs die Bedeutung der Stadt als Warenumschlags- und Stapelplatz des mitteldeutschen Weinhandels, und Dr. Stromer konnte durch die Errichtung von Auerbachs Hof mit hundert (!) Messe-Ständen, Stallungen für Frachtpferde etc. eine sichere Rendite erwarten. Bis zum 19. Jahrhundert war Auerbachs Hof der größte und bedeutendste Handelshof der Stadt. Auch der Weinschank in dem gewölbten Keller war finanziell äußerst lohnend.

Nach Stromers Tod 1542 führten Nachkommen das Messehaus etc. weiter; 1625 erhöhte der geschäftstüchtige Urenkel Johann Vetzer Auerbachs Hof um ein weiteres Geschoss. Auch wurde unter "diesem gewitzten Manne [...] die Sage von Dr. Faustens Fassritt erstmalig mit dem Auerbacher Keller in Verbindung gebracht."

1912 bis 1913 wurde Auerbachs Keller im Zuge des Abbruchs der darüber liegenden mittelalterlichen Bebauung und der Errichtung des Messehauses Mädler-Passage nach Plänen des Architekten Theodor Kösser (1854-1929) in großen Teilen neu gebaut und erweitert. Dabei wurde der aus statischen Gründen abgebrochene Auerbachs Keller originalgetreu und unter Verwendung der historischen Substanz wieder aufgebaut. Die Eröffnung fand am 22. Februar 1913 statt. Hierbei sind auch die beiden Figurengruppen, das Doppelstandbild "Mephisto und Faust" und die "Gruppe der verzauberten Studenten" des Bildhauers Mathieu Molitor am Eingang zu Auerbachs Keller in der Mädlerpassage entstanden..

Quellen:
* Paul Daehne: 1530-1930. Auerbachs Keller, Auerbachs Hof, Mädler-Passage. Eine Jubiläumsschrift. Hrsg. von der Grundstücksverwaltung der Mädler-Passage (früher Auerbachs Hof) Leipzig. o.J.
* Eintrag "Auerbachs Keller" in wikipedia. URL:
https://de.wikipedia.org/wiki/Auerbachs_Keller
* Eintrag "Auerbachs Keller" im Leipzig-Lexikon, URL:
http://www.leipzig-lexikon.de/HAUSHOF/auerkell.htm
* Eintrag "Mädler-Passage" in wikipedia, URL:
https://de.wikipedia.org/wiki/Mädlerpassage

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Auerbachs Hof
vor und nach dem Umbau 1625

Quelle:
Paul Daehne: 1530-1930. Auerbachs Keller, Auerbachs Hof, Mädler-Passage. Eine Jubiläumsschrift. Hrsg. von der Grundstücksverwaltung der Mädler-Passage (früher Auerbachs Hof) Leipzig. o.J. S. 8, 9, 67.

Das obere Bild zeigt Auerbachs Hof in ursprünglicher Gestalt (1530-1625), wie ihn Dr. Heinrich Stromer errichtete. Links von der Mittelpforte ist der Kellereingang. Das mittlere Bild zeigt Auerbachs Hof nach dem Umbau (1625) mit ausgebautem Dachgeschoss.

Im unteren Bild ist links der Eingang in Auerbachs Hof. Rechts daneben das Königshaus, wo August der Starke wohnte.

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Leipziger Stadtplan
(Daehne, S. 41)

Kernstück eines Leipziger Stadtplans mit Auerbachs Hof, gezeichnet von Andreas Bretschneider, dem Maler zweier Faustszenen in Auerbachs Keller 1625 (siehe Kap. 4).

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Das Innere von Auerbachs Hof
(Daehne, S. 29)

Das Innere von Auerbachs Hof, 1778, zehn Jahre nach Goethes Abschied. Stich von Johann August Rosmäsler.

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Auerbachs Hof

Oben: Postkarte. Auerbachs Keller zu Leipzig. Auerbachs Hof um 1780. Wandgemälde im Raum Alt-Leipzig. Nicht gelaufen.
Unten: Postkarte. Leipzig, Auerbachs Hof. Nicht gelaufen. Adressseite ungeteilt.

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Der Keller teilt sich in zwei Bereiche: Die vier historischen Weinstuben (Fasskeller, Lutherzimmer, Goethezimmer und Alt-Leipzig) sowie den zusätzlich errichteten Großen Keller (Große Halle), der 1912 durch den Koffer- und Lederfabrikanten Anton Mädler (1864–1925) zusammen mit dem nach ihm benannten Passage-Messehaus erbaut wurde.

Der tief gelegene Fasskeller besitzt ein mittelalterliches Tonnengewölbe, das 1867 vom Dekorationsmaler Heinrich Bey mit Sepia-Wandgemälden zu Goethes "Faust" nach Entwürfen von Moritz Retzsch geschmückt wurde. An der Stirnseite erinnert ein Fass an den legendären Fassritt. Im Jahr 1913 wurde ein großer aus Holz geschnitzter Hängeleuchter von Max Stolz unter das Tonnengewölbe gehängt, der Faust auf dem Fass reitend zeigt. Die ebenfalls historischen Goethe- und Lutherzimmer verfügen über spätgotische Kreuzrippengewölbe. Im Goethezimmer hängen heute die beiden Bretschneider-Gemälde von 1625 (siehe Kap. 4).

Im Untergeschoss, gegenüber den historischen Räumen, befindet sich die im Zuge des großen Neu- und Umbaus durch Anton Mädler geschaffene Große Halle, die zunächst als Kinosaal geplant war, dann aber als Hauptrestaurant genutzt wurde. Hier befinden sich zahlreiche große Wandgemälde nach Szenen aus Goethes "Faust I" und "Faust II" (siehe Kap. 6).

Quellen:

* Paul Daehne: 1530-1930. Auerbachs Keller, Auerbachs Hof, Mädler-Passage. Eine Jubiläumsschrift. Hrsg. von der Grundstücksverwaltung der Mädler-Passage (früher Auerbachs Hof) Leipzig. o.J.
* Eintrag "Auerbachs Keller" in wikipedia. URL:
https://de.wikipedia.org/wiki/Auerbachs_Keller
* Eintrag "Auerbachs Keller" im Leipzig-Lexikon, URL:
http://www.leipzig-lexikon.de/HAUSHOF/auerkell.htm
* Eintrag "Mädler-Passage" in wikipedia, URL:
https://de.wikipedia.org/wiki/Mädlerpassage
* Eintrag "Anton Mädler" in wikipedia, URL:
https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Mädler

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Tiefer Fasskeller
(Daehne, S. 15, 21)

Oben: Bacchus-Steinrelief von 1530 im tiefen Fasskeller. Ein Denkmal aus der Zeit der Hausgründung von Auerbachs Hof.
Unten: Der tiefe Fasskeller mit den Wandbildern des Malers Bey. - Der Dekorationsmaler Heinrich Bey hat den Fasskeller 1867 mit Motiven aus Goethes "Faust" ausgemalt. Über dem Fass ist eine Szene aus "Auerbachs Hof" zu erkennen.

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Auerbachs Keller

1. Postkarte von oben. Auerbachs Keller. Leipzig. Grimmaische Straße 1. Alter historischer Keller. Dr. Trenklerkarte - Leipzig. Nicht gelaufen.
2. Postkarte von oben. Leipzig, Auerbachs Keller. Alter historischer Keller. Adressseite: Auerbachs Keller Leipzig. Alte historische Goethe-Faust-Gaststätte. Gegründet 1525. Signet: Teco. Trinks & Co., G.m.h.H., Leipzig. Nicht gelaufen.
3. Postkarte von oben. Auerbachs Keller, Leipzig. Adressseite: No. 1300 "Urania" Graphisches Institut, Charlottenburg 4. Nicht gelaufen. - Das Wandgemälde stellt Faust und Mephisto im Zechgelage in Auerbachs Keller dar.
4. Postkarte von oben. Auerbachs Keller, Hist. Raum. Adressseite: Orig. Zeichnung von P. Behrens - Have hann, Leipzig. Gelaufen. Adressiert und Poststempel 1926. Handschriftlich auf Bildseite: "1525 Doktor Faustus zu dieser Frist aus Auerbachs Keller geritten ist. 1525."

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Hexenzug in der Walpurgisnacht
mit Fassritt

Oben: Postkarte. Auerbachs Keller zu Leipzig. Blick in den historischen Weinkeller.
Unten. Postkarte, Adressseite: "Hexenzug in der Walpurgisnacht" mit dem auf einem Fass reitenden Faust. Handgeschnitzte Holzplastik von Max Stolz, Starnberg. Beleuchtungskörper im historischen Auerbachs Keller, Leipzig. Vierfarbendruck - Künstlerkarte. 157/1446. Signet: Fischer & Wittig, Leipzig Reudnitz. Nicht gelaufen.

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Faust-Pudel als Fassriegel
(Daehne, S. 30)

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Goethe-Zimmer

Postkarte. Goethe-Zimmer. Auerbachs Keller. Signet: AL [Aristophot. Taucha bei Leipzig]. Adressseite, im Briefmarkenfeld: Printed in Saxony. Nicht gelaufen.

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Auerbachs Keller
Auerbachs Hof
(Daehne, S. 53, 61)

Oben: Auerbachs Keller in der Biedermeier-Zeit
Unten: Messmusikanten in Auerbachs Hof

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3. Das Volksbuch von Dr. Faust

Oben: Bildnis des Schwarzkünstlers Faustus. Nach einem alten Druck in Auerbachs Keller. In Paul Daehne: 1530-1930. Auerbachs Keller, Auerbachs Hof, Mädler-Passage. Eine Jubiläumsschrift. Hrsg. von der Grundstücksverwaltung der Mädler-Passage (früher Auerbachs Hof) Leipzig. o.J. S. 33.
Unten: Georg Rudolff Widman, Faustbuch 1599, Titelblatt. In: Bilderatlas zur Geschichte der deutschen Nationallitteraqtur. Bearbeitet von Gustav Könnecke. 2. Aufl. Marburg: Elwert 1895, S. 160.

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D. Faustus schenket den Studenten zu Leipzig
ein Faß Weines etc.

Es hatten etliche frembde Studenten auß Ungarn, Polen, Kernten, und Osterreich, so zu Wittemberg mit Doctor Fausto viel umbgiengen, eine Bitte an ihn geleget als die Leipziger Meß angangen, er sollte mit ihnen dahin verrücken, sie möchten wol sehen, was da für ein Gewerb were und vor Handelsleuth zusamen kämen, so hatten auch ihrer etliche Vertröstung, Geldt allda zu empfahen. D. Fustus bewilligte, kam mit ihnen dahin, und am andern Tag ging er mit solchen Studenten spatzieren, die Stadt zu besehen, indem gingen sie bei einen Keller fürüber, da die Weinschrötter ein Faß Wein, ungefehrlich 16 oder 18 Aymer haltend herausschroten, welches sie nicht kundten fortbringen. D. Faustus und seine Geferten stünden still, dem zuzusehen, und sprach D. Faustus spöttisch zu den Schröttern, wie stellet ihr euch so leppisch, sindt euer so viel, und könnet ein sölches Faß nicht zwingen? solt doch einer allein ein Faß ermeistern, wenn er sich recht dazu schickte.

Die Schrötter, wie es denn ein unnütz gesind ist, waren solcher Red unwillig, würffen, dieweil sie ihn nicht kannten, mit unnützen Worten umb sich, wenn er es denn besser denn sie, wüste solches Faß zu erheben, so sollte er ihnen ins Teuffels namen helffen, was er sie viel zu vexiren hette. Indem kam der Weinherr darzu, und höret solchem streit zu, und sprach zu Fausto und seinen Gesellen, wolan ich wil den streit richten, welcher nun unter euch das Faß allein wirdt herauß bringen, dem sol es sein. Faustus war nicht faul, gieng baldt in den Keller, satzt sich auff das faß, als auff ein Pferdt, und ritt es also schnell auß dem keller, darüber sich jedermann verwundert, des erschrak auch der Weinherr, vermeinet nicht, das sölches wer müglich gewesen, muste aber seine zusagung halten, und Fausto daß Faß mit Wein folgen lassen, der gab es seinen wandersgeferten und studenten zum besten, die beruften andre gute Freunde darzu, waren frölich und gutes muths, wollt auch keiner darvon, biß den faß der boden lehr war.

 

Quelle:
Faust in Leipzig. Kleine Chronik von Auerbachs Keller zu Leipzig nebst historischen Notizen über Auerbachs Hof. Aus alten Chroniken und Urkunden zusammengestellt von P. H. Sillig. Hrsg. von H. Schultze. Selbstverlag des Herausgebers (Auerbachs Keller). Leipzig 1854, S. 24-26.

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Leben, Thaten und Höllenfahrt frei des berufenen Zauberers
und Schwarzkünstlers Dr. Johann Faust

Faust reitet ein Faß
aus Auerbachs Keller in Leipzig.

Häufig kam es vor, daß Faust für gutes Geld Pferde, Schweine und dergleichen verkaufte, welche sich nachher in werthlose Gegenstände, wie Strohbündel, verwandelten. Auch bezahlte er häufig Wirthe und Andere, denen er schuldig war, mit blankem Gelde, das sich nach einigen Tagen als Spreu, Hornscheiben und dergleichen zeigte.

Einst war Faust mit einigen Studenten zur Messe von Wittenberg nach Leipzig gefahren und ging mit denselben durch die Stadt, um sich die reichen Kaufmannsgüter zu besehen. Da kamen sie denn auch zu Auerbachs Keller, in der Nähe des Marktes, wo einige starke Knechte eben damit beschäftigt waren, ein sehr großes und schweres Faß Wein aus dem Keller heraufzuschroten. Die Knechte strengten alle ihre Kräfte an, um das Faß mit Hebebäumen und Winden in die Höhe zu bringen, es wollte ihnen aber nicht gelingen. Da sagte Faust, welcher mit seinen Gefährten stehen geblieben war, so laut, daß es die Küfer hören mußten: "Nun seht, diese schwächlichen und ungeschickten Kerle bringen das Fäßchen da nicht herauf, wozu ein einziger Mann genug wäre, wenn er die Sache recht anzupacken verstände." Als das die Küfer hörten, wurden sie unwillig und schalten Faust einen Gecken und Schwadronirer, der sich lieber um sein Tintenfaß bekümmern als hier Maulaffen feil haben solle. Die Studenten, welche Faust begleiteten, gaben den Küfern ähnliche grobe Redensarten zurück und so entstand ein Gezänk, welches viele Leute herbeizog und eben in eine Prügelei ausarten wollte, als der Herr des Kellers erschien, seinen Knechten Ruhe gebot und sich nach der Ursache des Streits erkundigte. Als er dieselbe vernommen, sagte er zu Faust: "Seid so gut und entfernt euch mit euren Begleitern und lasset künftig solche Scherze unterweges. " Faust erwiderte: "Ihr irrt euch, Herr; ich habe keineswegs gescherzt." - "Nun," sagte der Weinhändler ganz unwillig, "so schafft in Teufels Namen das Faß allein herauf und wenn ihr's könnt, so mögt ihr's behalten."

Faust rief alle Umstehenden zu Zeugen auf, daß ihm der Weinhändler das Faß mit Wein geschenkt habe, stieg dann hinunter in den Keller und setzte sich rittlings auf das Faß. Siehe, da begann sich dieses zu bewegen und kam wie ein gehorsamer Gaul mit Faust die Treppe herauf. Die Leute, welche das mit ansahen, schlugen vor Erstaunen die Hände über dem Kopf zusammen, die Küfer kratzten sich hinter den Ohren, der Weinhändler schrie, das gehe nicht mit rechten Dingen zu, Faust aber ließ das Faß, welches nach aller Anwesenden Zeugnisse ihm gehörte, in ein Wirthshaus schaffen und zechte den guten Wein, welchen es enthielt, mit seinen Kameraden und mit vielen Leipziger Einwohnern und Meßfremden unter lautem Jubel aus.

Quelle:
Leben, Thaten und Höllenfahrt frei des berufenen Zauberers und Schwarzkünstlers Dr. Johann Faust. In: Erstaunliche Geschichten vom Zauberer und Schwarzkünstler Doktor Johann Faust und dem gehörnten Siegfried (Volksbücher. Hrsg. von G. O. Marbach und O. L. B. Wolff) Unveränderter Nachdruck der 1838 bis 1848 bei Otto Wiegand in Leipzig erschienenen Ausgaben) Stuttgart: Fackelverlag 1986, S. 217-218.

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4. Von zwei alten Bildern in Auerbachs Keller

"Zu den Inventarstücken des Kellers aus alter Zeit gehören zwei auf Holz gemalte, nach oben im Kreisbogen abgeschlossene, in die Wand über der Holzverkleidung eingelassene Bilder aus der Faustsage." (Vogel: Goethes Leipziger Studentenjahre, siehe Literaturhinweise, S. 88.)

1. Bild von oben. Fausts Faßritt A. D. 1525, nach dem Bretschneiderschen Wandgemälde von 1636, in Auerbachs Keller, Leipzig. "Doktor Faustus zu dieser Frist / Aus Auerbachs Keller geritten ist, / Auf einem Faß mit Wein geschwind, / Welches gesehen viel Mutterkind. / Solches durch seine subtilne Kunst gethan / Und des Teufels Lohn empfangen davon."

2. Bild von oben. Auf eine Holztafel gemalte Darstellung des Fassrittes in Auerbachs Keller. Von Andreas Bretschneider 1625 verfertigt. Daehne, siehe Literaturhinweise, S. 43.

3. Bild von oben. Doktor Faust mit den Studenten in Auerbachs Keller. Gemälde in Auerbachs Keller. "Vive, bibe, obgraecare, memor Fausti hujus et hujus / Poenae. Aderat claudo haec - ast erat ampla - gradu.". Übersetzung: Lebe, trinke, schwärme, aber denke dabei an diesen Faust hier und an seine Strafe. Sie kam mit langsamem Schritt, aber sie war schrecklich." In: Vogel: Goethes Leipziger Studentenjahre, siehe Literaturhinweise, S. 88.

"Goethe weilte während seines Studiums in Leipzig 1765–1768 oft in Auerbachs Keller. Hier sah er die beiden um 1625 entstandenen Bilder auf Holz, auf denen der Magier und Astrologe Faust mit Studenten pokuliert und – auf dem anderen – auf einem Weinfass zur Türe hinausreitet. Die Faustsage kannte er bereits aus Kindertagen durch das Puppenspiel vom Dr. Faust, das auf Jahrmärkten aufgeführt wurde" und großen Eindruck auf ihn machte. Wann er das Volksbuch rezipierte, ist ungewiss. In der Aufzählung der in Frankfurt vom Büchertrödler gekauften und verschlungenen Volksbücher in "Dichtung und Wahrheit" (1. Buch) wird Doktor Faustus nicht genannt.

Quellen:
* Einträge "Volksbücher" und "Puppenspiele", in: Goethe-Handbuch, hrsg. von Julius Zeitler, Bd. III, 1918, S. 492 und 166.
* Eintrag "Auerbachs Keller" in Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Auerbachs_Keller

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[...] Schon der älteste Erzähler von Faust's Geschichten, - Widmann - berichtet seine Reise nach Leipzig und den Ritt auf einem Fasse aus einem Keller daselbst. Dieser Keller, nach der Chronik der Keller unter Auerbachs Hof, war der Schauplatz seiner Kunststücke. Von jeher als ein Ort des Vergnügens geehrt, erhielt dieser Keller durch die Sage von Faust noch einen besondern Ruf, der durch Göthes Dichtung nicht wenig gewinnt, welcher in seinen Faust den hier vorgefallenen Spuk aufgenommen. Bei einem Gelag mit Studenten reichte Faust ihnen durch ein Zauberstückchen den gewünschten Wein, der ihnen die Sinne benebelte, daß sie, getäuscht von irrem Blick, Faust auf einem Fasse zum Keller hinausreiten sahen, welches seiner Schwere wegen die Weinschröter, Weißküttel, wie sie damals genannt wurden, nicht hinauf zu bringen vermochten. (Es ist hier zu bemerken, daß der Eingang in den Keller in früheren Zeiten nicht da lag, wo er sich jetzt befindet, sondern das Fenster des Zimmers, wo die Bilder hingen, der ursprüngliche Eingang war.

Dieser Schwank ist durch zwei Bilder im Andenken erhalten, die in Auerbachs Keller aufbewahrt werden. Sie sind es, die den hier Genießenden von der Gegenwart erfreut, die Vergangenheit in Erinnerung zu bringen. Wurden Fausts Wunderwerke zu seiner Zeit viel besprochen, so darf es nicht befremden, daß man sie auch in Bildern darzustellen bemüht war, die zur Zierde des Orts dienen, wo die That als geschehen von Mund zu Mund ging. [...]

Das eine Bild gibt die Vorstellung, wie Faust bei Musik mit Studenten zecht. An einer mit Speisen und Getränken reich besetzten Tafel hat die Gesellschaft sich versammelt, Faust nebst Studenten und Musikanten. Indem letztere aufspielen, erheben erstere die Becher, singend, wie es scheint. Der Fröhlichste gießt seinen Becher aus, eine Libation. Faust nimmt die oberste Stelle ein, einen schön verzierten Becher in der Hand, den er zum Trinken erheben will, mit der andern auf den Tisch schlagend, den Takt anzugeben.

Auf der Seite, nicht weit von Faust, ruht ein ansehnliches Weinfaß - vielleicht das verhängnißvolle, das den Faust zum Ritter macht, wenn es hier nicht geleert würde - aus welchem der dabeistehende Kellner Glas und Krug gefüllt hat. Seine verdutzte Miene läßt erkennen, daß er an dem Ganzen weiter keinen Theil nimmt, als den Gästen die Freudenquelle zuzuleiten. Unter den musikalischen Instrumenten fällt besonders ein kleines tragbares Klavier auf, so wie die Laute, welche längst in Vergessenheit gekommen ist.

Auf dem zweiten Bilde erscheint der Ritt auf dem Weinfasse. Faust, mit der Linken an dem Fasse sich haltend, mit der Rechten den Anwesenden sich empfehlend, hat bereits die Reise durch die Kellerthür angetreten. Mit ernstem Blick wendet er sich gegen die Zuschauer, Studenten, Weißküttel, den Kellerwirth und den Aufwärter. Alle sehen dem Ritter starr nach und erheben mit Staunen die Hände, jeder nach seiner Art: besonders der Aufwärter, der wahrscheinlich einen kräftigen Nachruf ertönen läßt, deshalb von den nebenstehenden Studenten zum Stillschweigen verwiesen. Bedeutend hebt der Wirth beide Hände, der mit dem Fasse seinen ganzen Schatz verschwinden sieht. Einige, von Schrecken ergriffen, verbergen sich hinter Andern. Der eine Weißküttel deutet mit dem Zeigefinger der linken Hand auf den Himmel, sich des vom Höllischen Geiste verführten zu erbarmen, und, mit der Rechten auf seine Brust schlagend, bekennt er sich frei von solcher Schuld.

Auf beiden Bildern ist Fausts merkwürdiger Begleiter, der schwarze Hund, nicht vergessen, in dem sein Freund aus der Unterwelt, Mephistopheles, sich verbarg. Achtsam blickt er auf seinen Herrn, mit aufgehobenem Fuße schnell seinen Befehlen bereit. Er zeigt sich als ein Hund von geringer Größe, mit glatter Haut von schlanker Gestalt. Göthe läßt ihn als schwarzen Pudel erscheinen. Widmann schildert ihn als einen schwarzen zottigen Hund, der den Namen Prestigiar führt und dessen Haar, bestrich man mit der Hand den Rücken, eine andre Farbe annahm, braun, weiß und roth. Jedes der Bilder trägt eine Aufschrift. Dem Gelag ist beigefügt:

     Lebe, trinke und schmauße, doch gedenke des Faustus,
     Und der Strafe, die ihn zwar langsam doch schrecklich erreicht. 1525 (Übersetzung)

Ueber der Reiterscene steht der Vers:

     Doctor Faustus zu dieser Frist
     Aus Auferbachs Keller geritten ist,
     Auf einen Faß mit Wein geschwint.
     Welches gesehen viel Mutterkind.
     Solches durch seine subtilne Kunst hat gethan
     Und des Teufels Lohn empfangen davon. 1525

[...] Auch in Rücksicht des Costüms machen diese Bilder sich bemerklich; sie erinnern an Sitten und Trachten der Vorzeit. Die Studenten tragen kurze Beinkleider, Strümpfe und Schuhe, enganliegende, kurze Leibröcke, in der Mitte durch eine Reihe Knöpfe geschlossen, Krausen, glatt auf dem Leibrocke aufliegend, und über dem Rocke einen weiten Mantel geschlagen, den Kopf bedeckt theils mit einem Barett, theils mit einem runden Hute, den eine herabhängende Feder schmückt. Aehnlich gekleidet sind einige der Spielleute, wahrscheinlich auch fahrende Schüler; andre haben nur Kleidung der spanischen gleich, und große, gefaltete Halskrausen.

Faust trägt ebenfalls einen enganliegenden Leibrock und auf dem andern Bilde einen kurzen Pelz, den Hals mit einer gefalteten Krause verwahrt. Ausgezeichnet aber ist er durch eine besondere Kopfbedeckung, ein rothes Käppchen mit Pelz verbrämt, sowie durch einen spitzen Kinnbart, indeß einige der übrigen Anwesenden in runden Bärten erscheinen.

Die Weinschröter sind in lange weiße Küttel gekleidet, daher sie, wie bemerkt, Weißküttel genannt wurden.

Quelle:
Auszug eines Aufsatzes von Stieglitz. Vollständig abgedruckt in den "Beiträgen zur vaterländischen Alterthumskunde." Hrsg. von dem Sächsischen Vereine zur Erforschung vaterländischer Alterthümer zu Leipzig. 1. Bd. und in "Scheibles Kloster" 5. Bd. S. 489-500. - Hier nach: Faust in Leipzig, 1854, siehe Literaturhinweise, S. 43-52.

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5. Illustrationen zur Szene "Auerbachs Keller"
Zechgelage, Zaubereien, Fassritt

Die hier wiedergegebenen Bilder illustrieren die Szene "Auerbachs Keller in Leipzig" aus Goethes "Faust I". Sie sind verschiedenen Medien (Postkarte, Buchillustration, Graphik, Liebig-Bild) .entnommen und nach der internen Abfolge der Szene (Zechgelage, Eintritt von Faust und Mephisto in den Keller; Zaubereien Mephistos; Fassritt). geordnet.

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Zechgelage
Eintritt von Faust und Mephisto in den Keller

Franz Simm

Goethes Faust. Mit Bildern von F[ranz] Simm. Stuttgart, Leipzig: Deutsche Verlags-Anstalt [1899], S. 41. Im Stock signiert: F. S., E. Helm X[ylographische] A[nstalt].

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Franz Simm

Goethes Faust. Mit Bildern von F[ranz] Simm. Stuttgart, Leipzig: Deutsche Verlags-Anstalt [1899], S. 44. Im Stock signiert: F. Sinn, E. Helm X[ylographische] A[nstalt]. Auch erschienen in der "Leipziger Illustrierten Zeitung", 1883.
Siehe die Seite: Franz Xaver Simm. Illustrationen zu Goethes Faust. Eine Auswahl. URL:
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6603

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Eduard von Grützner

Eduard von Grützner (1846-^915); Auerbachs Keller in Leipzig. Zeche lustiger Gesellen. Gemälde. Photographie-Verlag von Franz Hanfstaengl in München. In: Goethes Faust. Ein Buch der Einführung und Einfühlung von Karl Strecker (Velhagen & Klasins Volksbücher, Nr. 60) 2. Aufl. Bielefeld und Leipzig: Velhagen & Klasing 1923, S. 33.

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Zu den Künstlern siehe die Einträge in Wikipedia:
* Eduard von Grützner (1846-1925)
https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_von_Grützner
* Franz Simm (1853-1918)
https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Xaver_Simm

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Mephistos Zaubereien

Peter Cornelius

Peter Cornelius: Auerbachs Keller. Mephistopheles löst die Verzauberung der Studenten. In: Franz Neubert: Vom Doctor Faustus zu Goethes Faust. Leipzig: J. J. Weber 1932, S. 98.
Siehe die Seite: Peter Cornelius. Illustrationen zu Goethes Faust. Eine Auswahl, URL:
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=3510

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Moritz Retzsch

Siehe die Seite: Moritz Retzsch. Umrisse zu Goethes Faust. URL:
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=2942

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Moritz Retzsch

Moritz Retzsch: Umrisse zu Goethes Faust. Erster Teil. Darin. Auerbachs Keller. Mephistopheles löst die Verzauberung der Studenten. In: Franz Neubert: Vom Doctor Faustus zu Goethes Faust. Leipzig: J. J. Weber 1932, S. 105.
Siehe die Seite: Moritz Retzsch. Umrisse zu Goethes Faust. URL:
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=2942

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Gustav Nehrlich

Nach Gustav Nehrlichs Zeichnungen zu Goethes Faust. In Nachbildungen herausgegeben von Heinrich Düntzer. Darin: Auerbachs Keller. "Mit welchem Weine kann ich dienen?" In: Franz Neubert: Vom Doctor Faustus zu Goethes Faust. Leipzig: J. J. Weber 1932, S. 137.

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Gustav Nehrlich

Auerbachs Keller. Radierung von Friedrich Schepperlen nach der Zeichnung von Gustav Nehrlich. In: Goethe. Faust mit einer Einleitung von Max von Boehn. Berlin, im Askanischen Verlag Carl Albert Kindle 1924, S. 75.

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Ludwig Nauwerk

Auerbachs Keller. Nach Ludwig Nauwerks Zeichnungen zu Goethes Faust. Zwölf lithographierte Blätter. In: Franz Neubert: Vom Doctor Faustus zu Goethes Faust. Leipzig: J. J. Weber 1932, S. 120.

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Adolph Schroedter

Auerbachs Keller. Nach einem Gemälde von A. Schrödter, 1848. (Nach einer Photographie des Gemäldes im Goethe-Nationalmuseum, Weimar.) In: Franz Neubert: Vom Doctor Faustus zu Goethes Faust. Leipzig: J. J. Weber 1932, S. 177.

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Arthur von Ramberg

Auerbachs Keller. "Helft! Helft! Die Hölle brennt!" Gestochen von J. Axmann. Nach den nach Johann Heinrich Rambergs Faustbildern gestochenen Kupfern in "Minerva. Taschenbuch für das Jahr 1828". In: Franz Neubert: Vom Doctor Faustus zu Goethes Faust. Leipzig: J. J. Weber 1932, S. 124.

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x

Auguste Delacroix

Auerbachs Keller. Lithographie von Delacroix. In: Goethe. Faust mit einer Einleitung von Max von Boehn. Berlin, im Askanischen Verlag Carl Albert Kindle 1924, S. 183. - Siehe die Seite mit Faust-Illustrationen von Eugène Delacroix:
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=1666

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Tony Johannot

Auerbachs Keller. Stahlstich nach der Zeichnung von Tony Johannot. Paris, 1847. In: Goethe. Faust mit einer Einleitung von Max von Boehn. Berlin, im Askanischen Verlag Carl Albert Kindle 1924, S. 199.

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Zu den Künstlern siehe die Einträge in Wikipedia:
* Peter von Cornelius (1783-1867)
https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_von_Cornelius
* Auguste Delacroix (1809-1868)
https://de.wikipedia.org/wiki/Auguste_Delacroix
* Tony Johannot (1803-1852)
https://de.wikipedia.org/wiki/Tony_Johannot
* Ludwig Nauwerck (1772-1855)
https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Nauwerck
* Gustav Nehrlich (1807-1840)
https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Nehrlich
* Arthur von Ramberg (1819-1875)
https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_von_Ramberg
*Moritz Retzsch (1779-1857)
https://de.wikipedia.org/wiki/Moritz_Retzsch
* Adolph Schroedter (1805-1875)
https://de.wikipedia.org/wiki/Adolph_Schroedter

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Fassritt

Julius Nisle

Julius Nisle: Auerbachs Keller. "Zauberei! Stoßt zu! Der Kerl ist vogelfrei! ...!. In: Franz Neubert: Vom Doctor Faustus zu Goethes Faust. Leipzig: J. J. Weber 1932, S. 161.

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Adolph Schroedter

Auerbachs Keller. Gezeichnet von A. Schroedter. Gestochen von Steifensand, Düsseldorf. Aus: "Goethe's poetische und prosaische Werke in zwei Bänden. Zweite Aufl. Erster Band. Stuttgart und Tübingen. 1845. In: Franz Neubert: Vom Doctor Faustus zu Goethes Faust. Leipzig: J. J. Weber 1932, S. 169.

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Franz Simm

Goethes Faust. Mit Bildern von F[ranz] Simm. Stuttgart, Leipzig: Deutsche Verlags-Anstalt [1899], S. 45. Im Stock signiert: F. S. Xylographisches Institut nicht ermittelt.
Siehe die Seite: Franz Xaver Simm. Illustrationen zu Goethes Faust. Eine Auswahl. URL:
www.goethezeitportal.de/index.php

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Engelbert Seibertz

Auerbachs Keller in Leipzig. 1848. Nach Seibertz gestochen von Adrian Schleich. In: Franz Neubert: Vom Doctor Faustus zu Goethes Faust. Leipzig: J. J. Weber 1932, S. 182.

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Faustus, Fassritt
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Postkarte. Doktor Faustus zu dieser Frist / Aus Auerbachs Keller geritten ist. 1525.Adressseite: Auerbachs Keller, Leipzig. Grimmaische Str. 2. Dr. Trenkler & Co. Leipzig-St. Graph. Kunstanstalt. Gelaufen. Datiert und Poststempel 1923.

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Liebigs Sammelbild
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Liebig Company's Fleisch-Extract. Deutsche Bühnendichter. - Goethe. Faust I. Theil. - Dargestellt ist der Fassritt. Dazu siehe: Liebigs's Sammelbilder. Vollständige Ausgabe der Serien 1 bis 1138. Hrsg. von Bernhard Jussen (Atlas des historischen Bildwissens; 1) Eine Publikation des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Berlin: The Yorck Project. Gesellschaft für Bildarchivierung mbH 2002. Ausgabe auf CD. ISBN 3-936122-15-6

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Zu den Künstlern siehe die Einträge in Wikipedia:
* Julius Nisle (1812-1850)
https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Nisle
* Adolph Schroedter (1805-1875)
https://de.wikipedia.org/wiki/Adolph_Schroedter
* Engelbert Seibertz (1813-1905)
https://de.wikipedia.org/wiki/Engelbert_Seibertz
* Franz Simm (1853-1918)
https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Xaver_Simm

Zu den Faust-Illustrationen von Ernst Kutzer, die hier nicht abgebildet werden, siehe: Noriko Shindo: Das Ernst Kutzer-Buch. Biographie und annotiertes Verzeichnis der im Druck erschienenen Werke des Malers und Illustrators Ernst Kutzer (1880-1965). 2003. Vgl. die Postkarte zu Auerbachs Keller, "Sei ruhig, freundlich Element!" ("Wia"-Künstlerkarten-Verlag, Teplitz-Schönau.)

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6. Illustrationen und Bronzegruppen zu Goethes "Faust"
in Auerbachs Keller

Hier werden die Illustrationen zu verschiedenen Szenen von Goethes "Faust", erster und zweiter Teil, wiedergegeben, die sich in Auerbachs Keller befinden. Die Illustrationen zur Szene "Auerbachs Hof" siehe Kap.5.

Illustrationen zu Goethes "Faust"
in Auerbachs Keller

Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild

Die Postkarten sind nach der Abfolge der Szenen geordnet. Zum schnelleren Auffinden der zitierten Textstellen sind die Zeilenzahlen von "Faust I" bzw. "Faust II" hinzugefügt.

1. Postkarte von oben: "Ostermorgen". Da sieh mir nur die schönen Knaben! /Es ist wahrhaftig eine Schmach; / Gesellschaft könnten sie die allerbeste haben, / Und laufen diesen Mägden nach. [Faust I, Zeile 833-835] Prof. Molitor. Adressseite: Ostermorgen. Gemälde in Auerbachs Keller, Leipzig. Signet [Fischer & Wittig Leipzig Reudnitz] Fünffarbendruck-Künstlerkarte. 157/1433. Gelaufen. Datiert 6.4.26; Poststempel: 6.4.25.

2. Postkarte von oben: "Studierzimmer". "Du bist noch nicht der Mann, den Teufel festzuhalten! / Umgaukelt ihn mit süßen Traumgestalten, / Versenkt ihn in ein Meer des Wahns; - - [Faust I, Zeile 1509-1511] Hans Best. Adressseite: Studierzimmer. Gemälde in Auerbachs Keller, Leipzig. Signet [Fischer & Wittig, Leipzig-Reudnitz. Fünffarbendruck Künstlerkarte. 157/1434. Nicht gelaufen.]

3. Postkarte von oben: "Auerbachs Keller". Falsch Gebild und Wort verändern Sinn und Ort. / Seid hier und dort! [Faust I, Zeile 2313-2315] Hans Best. Adressseite: Verlag Mädler Passage, Leipzig. Nicht gelaufen.

4. Postkarte von oben: "Hexenküche". Ist's möglich, ist das Weib so schön? / Muß ich an diesem hingestreckten Leibe / Den Inbegriff von allen Himmeln sehn? [Faust I, Zeile 2437-2439] Hans Best. Adressseite: Verlag Mädler Passage, Leipzig. Nicht gelaufen.

5. Postkarte von oben: "Marthes Garten". Laß diesen Blick, laß diesen Händedruck / Dir sagen, was unaussprechlich ist: ... [Faust I, Zeile 3188-3190] Prof. Rentsch. Adressseite: Marthes Garten. Gemälde in Auerbachs Keller, Leipzig. Signet [Fischer & Wittig, Leipzig Reudnitz] Fünffarbendruck - Künstlerkarte. 157/1437. Nicht gelaufen.

6. Postkarte von oben: "Faust-Monolog an die Natur". Erhabner Geist, Du gabst mir alles, / Worum ich bat .... / Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich, / Kraft sie zu fühlen, zu genießen. [Faust I, Zeile 3217-3218, 3220-3221] Prof. Horst Schulze. Adressseite: Faust-Monolog an die Natur. Gemälde in Auerbachs Keller, Leipzig. Signet [Fischer & Wittig, Leipzig-Reudnitz] Fünffarbendruck-Künstlerkarte. 157/1438. Nicht gelaufen.

7. Postkarte von oben: "Valentins Tod". Ich sage, laß die Tränen sein! / Da Du dich sprachst der Ehre los, / Gabst mir den schwersten Herzensstoß. [Faust I, Zeile 3771-3773] Hans Best. Adressseite: Valentins Tod. Gemälde in Auerbachs Keller, Leipzig. Fünffarbendruck-Künstlerkarte. 157/1439. Nicht gelaufen.

8. Postkarte von oben: "Walpurgisnacht". Das drängt und stößt, das rutscht und klappert! / Das zischt und quirlt, das zieht und plappert! / Das leuchtet, sprüht und stinkt und brennt! / Ein wahres Hexen-Element! [Faust I, Zeile 4016-4019] Prof. Georgi. Adressseite: Walpurgisnacht. Gemälde in Auerbachs Keller, Leipzig. Signet [Fischer & Wittig, Leipzig-Reudnitz] Fünffarbendruck - Künstlerkarte. 157/1440. Nicht gelaufen.

9. Postkarte von oben: "Euphorion". Ihr seid so viele, / Leichtfüßige Rehe, / Zu neuem Spiele / Frisch aus der Nähe, / Ich bin der Jäger, / Ihr seid das Wild. [Chor:] Willst Du uns fangen, / Sei nicht behende, / Denn wir verlangen / Doch nur am Ende / Dich zu umarmen, / Du schönes Bild! [Faust II, Zeile 9767-9778] Prof. v. Hofmann. Adressseite: Euphorion. Gemälde in Auerbachs Keller, Leipzig. Signet [Fischer & Wittig, Leipzig-Reudnitz] Fünffarbendruck - Künstlerkarte. 157/1442. Nicht gelaufen.

Zu den Künstlern siehe die Einträge in Wikipedia:

Hans Best (1874-1942)
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Best
Walter Georgi (1871-1924)
https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Georgi
Ludwig von Hofmann (1861-1945)
https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_von_Hofmann
Mathieu Molitor (1873-1929)
https://de.wikipedia.org/wiki/Mathieu_Molitor
Friedrich Rentsch (1836-1899)
https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Rentsch
Paul Horst Schulze (1876-1937)
https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Horst-Schulze

"Seit Goethes 250. Geburtstag [1999] ziert ein neues Faust-Wandgemälde den großen Gastraum von Auerbachs Keller. Volker Pohlenz, ein Tübke Schüler, hat es zum Thema 'Mephisto am Kaiserhof' nach Szenen aus Goethes Faust 2 gemalt." Dazu siehe (mit Abbildung) Heinz Mielke: Die Lindenaus als adlige Rittergutsbesitzer in Machern. Tl. 4: Heinrich Graf von Lindenau auf einem Wandgemäldew in Auerbachs Keller, der 88 Jahre den Lindenaus gehörte. Online:
home.uni-leipzig.de/mielke/lindenau/lindnau4.htm

Ein weiteres großformatiges Wandgemälde von Volker Pohlenz, "Goethes Faust-Inspiration" (3,16 mal 1,80 Meter), zeigt den jungen Goethe in Auerbachs Keller, der hier zu seiner Faustdichtung angeregt wird. Dieses Bild wurde 2015 zum 250. Jahrestag der Immatrikulation Goethes an der Universität Leipzig (1765) im Großen Keller enthüllt.

"In der Bildmitte sind Johann Wolfgang Goethe, damals als Student noch ohne „von“, und Ernst Wolfgang Behrisch zu sehen. Behrisch war Hauslehrer des Grafen Lindenau, dem Auerbachs Hof mit dem privaten Weinkeller im 18. Jahrhundert gehörte. Durch ihn erhielt Goethe den Zugang zu dem nicht öffentlichen Ausschank. Der Dichter selbst sagte über seinen Bekannten 'einer der wunderlichsten Käuze, die es auf der Welt geben kann'.

Das Gemälde zeigt, wie ergriffen Goethe von der Faust-Geschichte auf dem alten Bild [siehe Kap. 3] ist. Sein Finger zeichnet wie fremdgesteuert das Pentagramma auf die Tischplatte. Der darüber laufende Wein wird von dem Teufelshund begierig aufgeschleckt. Im Hintergrund sind Gäste des Grafen zu sehen, die zur Messezeit hier einkehrten." (Homepage von Auerbachs Keller in Leipzig: https://www.auerbachs-keller-leipzig.de/)

Siehe Ursula Brekle: Goethes Faust-Inspiration in "Auerbachs Keller" (mit Abbildung). URL:
http://www.leipzig-lese.de/index.php?article_id=721

Zu Volker Pohlenz (geb. 1956) siehe den Eintrag in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Volker_Pohlenz

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Mädler-Passage
mit Bronzegruppen von Molitor

Fotos aus Wikipedia.
Linkes Bild, Szene in Auerbachs Keller. Aus Goethes "Faust". Mephisto verzaubert die Studenten. URL:

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Auerbachs_Keller_Bronzegruppe_Faust.jpg
Rechtes Bild, Szene in Auerbachs Keller. Aus Goethes "Faust". Die Studenten von Mephisto verzaubert. URL:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Auerbachs_Keller_Bronzegruppe_Studenten.jpg
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Zu Mathieu Molitor (1873-1929) siehe den Eintrag in wikipedia:
de.wikipedia.org/wiki/Mathieu_Molitor

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Illustrationen zu weiteren Szenen aus Goethes "Faust"
im Goethezeitportal

Vor dem Tor / Osterspaziergang
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6497

Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,
Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6374

Gretchens Liebesorakel
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6708

Hexentanz auf dem Brocken
Walpurgisnacht
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6644

Das Goethezeitportal bietet eine große Zahl von Illustrationen zu Goethes "Faust". Gehen Sie auf die Seite zu Faust- und Gretchenillustrationen und benutzen Sie die Suchfunktion auf der Startseite.

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7. Kartengrüße aus Auerbachs Keller

1. Postkarte Bild von oben: Gruß aus Auerbachs Keller, Leipzig. Faust. Nach einem Originalbild in Auerbachs Keller. 1713. Nicht gelaufen.

2. Postkarte von oben: Gruss aus Auerbachs Keller zu Leipzig. Fassritt 1515. Adressseite: Orig. Zeichnung von P. Behrens Havemann Leipzig. Nicht gelaufen. - Dargestellt ist der "Hexenzug in der Walpurgisnacht" mit dem auf einem Fass reitenden Faust, Holzplastik von Max Stolz.

3. Postkarte von oben: Auerbachs Keller Leipzig. Es irrt der Mensch, so lang er strebt. ("Faust.") Relief mit Goethe-Kopf. Gelaufen. Poststempel 1904.

4. Postkarte von oben: Urkunde: Hiemit thu Euch kund und zu wißen / daß ich unter heutigem / am 17ten Tage des 6ten Monats Eintausendneunhundert26 in Auerbachs Keller zu Leipzig beim Edlen Rebensaft Euer gedencket / und 4 Glaß auf Euer gantz spezielles Wohl geleeret hab. Ich seund Euch meine hertzlichsten Grüsse und verbleib in Freundschaft Euer XXX. Siegel mit Fassritt: Dieß Unterschrift wird hiedurch beglaubiget und unter Insiegel geleget. Adressseite, Datiert und Poststempel 1926. Verlag: B. B. & C. L. G.M.B.H.

5. Postkarte von oben, Adressseite: Auerbachs Keller, Leipzig. Grimmaische Straße 1. Alter historischer Keller. Beschrieben: 13.8.1929. Hier tranken wir eine Flasche "Niersteiner Domtal 1928" ... Nicht gelaufen.

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8. Literaturhinweise und Weblinks

Literatur:

* Julius Vogel: Goethes Leipziger Studentenjahre. Bilder und Erläuterungen zu Dichtung und Wahrheit. 4. neubearbeitete Auflage. Leipzig: Klinkhardt & Biermann 1922. Darin: Auerbachs Hof und Keller, S. 87-93.

* Faust in Leipzig. Kleine Chronik von Auerbachs Keller zu Leipzig nebst historischen Notizen über Auerbachs Hof. Aus alten Chroniken und Urkunden zusammengestellt von P. H. Sillig. Hrsg. von H. Schultze. Selbstverlag des Herausgebers (Auerbachs Keller). Leipzig 1854, in Commission bei Friedrich Voigt, Neumarkt, Kramerhaus erste Etage. (Digitalisiert durch Google.)

* Paul Daehne: 1530-1930. Auerbachs Keller, Auerbachs Hof, Mädler-Passage. Eine Jubiläumsschrift. Hrsg. von der Grundstücksverwaltung der Mädler-Passage (früher Auerbachs Hof) Leipzig. o.J.

Faustsage

* Sächsische Sagen von Wittenberg bis Leitmeritz. Gesammelt und hrsg. von Fr[iedrich] Siebert (Deutscher Sagenschatz) Jena: Eugen Diederichs 1926, S. 220 f.

* Volkssagen zwischen Hiddensee und Wartburg, zusammengestellt u. interpretiert von Waltraud Woeller. 4. Aufl. Berlin: Deutscher Verlag der Wissenschaften 1985, S. 197 f.

* Joseph Pohl: Die drei Zauberstücke in der Szene in Auerbachs Keller und ihr Vorkommen in der Faustsage (Jahresbericht über das K. K. Staatsgymnasium in Eger (Böhmen) für das Schuljahr 1905-1906) Eger 1906.

Weblinks

* Eintrag "Auerbachs Keller" in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Auerbachs_Keller

* Leipzig-Lexikon > Häuser und Höfe > Auerbachs Keller
http://www.leipzig-lexikon.de/HAUSHOF/auerkell.htm

* Eintrag "Heinrich Stromer" in Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Stromer

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