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Jutta Assel | Georg Jäger

Aschenbrödel
Bilderzyklus von Moritz von Schwind

Eingestellt: Oktober 2014 / Mai 2015
Stand: Januar 2016

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"Mehrfach schon hatte Schwind seine bildnerische Kraft auf Stoffe der deutschen Märchenwelt gelenkt, jetzt war es die Geschichte vom Aschenbrödel, die seine ganze Neigung gewann. Die Kompositionen zu dieser alten, recht aus dem Herzen des Volkes entsprungenen Fabel, bildeten während zwei voller Jahre (1852-54) den Hauptgegenstand seiner Beschäftigung; die große Zahl von Skizzen, die er zu den Darstellungen entwarf, bezeugt allein schon, mit welcher Liebe und Sorgfalt er an der Ausgestaltung des fruchtbaren Stoffes arbeitete. Die ganze Lust des Schaffens war in ihm aufgewacht, alle seine Kräfte kamen in Zug, er fühlte, dass er jetzt auf dem Boden stand, auf dem er fähig war, sein Höchstes zu leisten, seine Eigentümlichkeit am reichsten zu entfalten." (Hermann Luecke, 1873)

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Gliederung

1. Hermann Luecke: Der Bilder-Cyclus zum Märchen vom Aschenbrödel
2. Julius Thaeter
3. Notizen zu den reproduzierenden Künstlern
4. Rechtlicher Hinweis und Kontaktanschrift

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Aschenbrödel, Bilderzyklus von Moritz von Schwind

Vorlage:
Aschenbrödel. Bilder-Cyclus von Moritz von Schwind. Mit specieller Erlaubnis der Königl. Bayr. priv. Kunstanstalt von Piloty & Loehle zu München nach den Thaeter'schen Kupferstichen in Holzschnitt ausgeführt von H. Günther, H. Käseberg, K. Oertel und C. Zimmermann. Mit einem erläuternden Text von Dr. Hermann Luecke.  Mit gesetzlichem Schutz gegen Nachbildung. Verlagshandlung von Alphons Dürr. Leipzig 1873. (Druck von C. Grumbach in Leipzig.) Höhe 46,7; Breite 31 cm (Einband).

Die Ausführungen von Hermann Luecke zu Leben und Werk Schwinds werden auf einer eigenen Seite im PDF-Format wiedergegeben. Klicken Sie hier.

Eine Beschreibung des Bildzyklus findet sich auch in folgender Ausgabe: Aschenbrödel. Romantisches Märchen von Moritz von Schwind. Hrsg. vom Kunstwart. München: Georg D. W. Callwey, Kunstwart-Verlag o.J. Drei Lichtdrucke mit Textblatt in Umschlag, Größe 36 (Breite) x 51 cm (Höhe).

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1. Hermann Luecke:
Der Bilder-Cyclus zum Märchen vom Aschenbrödel

Die Darstellungen zum Märchen vom Aschenbrödel sind als Wandschmuck eines heiteren, im Renaissancestil ausgeführten Gemaches gedacht; innerhalb ihrer prächtigen, mit der reichsten Eleganz verzierten, architektonischen Umrahmung sind sie der Art verteilt, dass die Hauptszenen vier große, überhöhte Felder füllen, während die Mitte der Seiten- und Zwischenfelder den Nebenszenen eingeräumt ist; über den letzteren befinden sich in Form kleiner Vignetten die Darstellungen zur griechischen Psychefabel, unter ihnen in Medaillonform die Darstellungen zum Märchen vom Dornröschen. (Siehe das Übersichtsblatt).

Übersichtsblatt

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind. Übersichtsblatt

Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild

Das Originalgemälde ist im Besitz des Freiherrn von Frankenstein in München; die hier veröffentlichten Holzschnitte wurden nach den Thäter'schen Stichen von der Hand bewährter Künstler (Günther, Käseberg, Oertel, Roth und Zimmermann) ausgeführt; der vorzügliche Druck ist aus der C. Grumbach'schen Officin in Leipzig hervorgegangen.

Ähnlich, wie in der "Symphonie", die kurz vor dieser kunstreichen Komposition zum Aschenbrödel entstand, scheint auch hier in der Reihenfolge der Hauptbilder eine bestimmte musikalische Regel zu walten. Das erste Hauptbild mit den dazu gehörigen kleineren Darstellungen ist die Introduktion.

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Erstes Nebenfeld

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind

 

Das erste Nebenfeld zeigt im Mittelbild die Vorbereitungen zu dem festlichen Ball. Aschenbrödel im dürftigen Hausgewand kniet vor der einen ihrer hochmütigen Stiefschwestern, um ihr den zierlichen Ballschuh anzulegen, während die andere, die vor dem Spiegel beschäftigt ist, ihren Dienst gleichfalls begehrend, sich mit ungeduldiger Miene nach ihr umblickt. Zwischen den Vorhängen des Putzzimmers sieht der Stiefvater schmunzelnd herein und scheint zur Eile zu mahnen.

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind. Psyche wird aus dem elterlichen Haus verstoßen

Die Vignette oberhalb dieses Bildes enthält die Scene, wo Psyche, deren Schönheit alle Welt zwar bewunderte, um die aber noch kein sterblicher Freier zu werben gewagt hat, unter dem Hohn der vermählten Schwestern aus dem elterlichen Hause verstoßen wird.

Natürlich ist weder in den Bildern zu der griechischen Fabel, noch in denen zu Dornröschen in jedem einzelnen Zug eine Parallele zu den Hauptdarstellungen zu suchen; die Verknüpfung mit diesen beruht vorwiegend nur in dem allgemeinen Gedanken der Fabeln. Beide stimmen mit dem Märchen vom Aschenbrödel sinnreich zusammen, indem auch sie erzählen, wie durch die Liebe leidende Unschuld und Schönheit Erlösung findet.

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind. Schicksalsschwestern an Dornröschens Wiege

Das Medaillon unter dem Mittelbild zeigt die Schicksalsschwestern an Dornröschens Wiege. Den Fluch der bösen Fee kann die gute nicht völlig abwenden, nur mildern; nicht dem Tod soll die Königstochter verfallen, sondern nur einem tiefen, hundertjährigen Schlaf.

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Erstes Hauptbild

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind

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In dem reizenden Hofraum des Hauses stehen die von stattlichen Maultieren getragenen Sänften für die vornehme Gesellschaft bereit. Der galante Papa, Schoßhund und Fächer haltend, geleitet die festlich geschmückten Töchter, von denen die Eine ihr kokettes Füßchen eben auf den Tritt der Sänfte setzt. Die gestrenge Frau Mutter ist noch zurück; wir sehen sie oben auf der Galerie des ersten Stockwerkes, wo sie das verhasste Aschenbrödel zu niedriger Mägdearbeit in die Küche sperrt. Der wackere Reitknecht, der unten im Hofe das Pferd hält, ist der Einzige, der an dem Loos der Armen Antheil nimmt, er stampft unmutig mit dem Fuße, wie er sieht, welch' harte Zurücksetzung sie auf's Neue zu erdulden hat. Die andern Dienstleute oben auf der Plattform des Hauses warten nur auf den Augenblick, wo die Herrschaft sich entfernt hat, um sich dann gleichfalls, bei der Musik des versteckt gehaltenen Tamburins, zu erlustigen.

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind

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Zweites Nebenfeld

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind

Mittelbild. Gesenkten Hauptes sitzt Aschenbrödel an dem einsamen Herd, in trauriges Sinnen verloren, träumend von dem Glanz des Festes und den Freuden, die ihrem Herzen versagt sind. Aber die Stunde des Glückes ist nahe. Geschäftig umflattern die hilfreichen Tauben die Betrübte, und, von ihr noch unbemerkt, ist die gütige Fee erschienen, die sich ihres Geschickes erbarmen will. Edles Geschmeide und kostbare Gewänder hält sie bereit, mit denen Aschenbrödel alsbald das Kleid ihrer Niedrigkeit vertauschen soll.

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind. Psyche träumt, Eros schwebt von ihrem Lager auf

Glücklicher, als die Einsame, träumt Psyche in dem oberen Bild; Eros, der eben von ihrem Lager aufschwebt, hat an ihrer Seite geruht.

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind. Von der Spindel verwundet, sinkt Dornröschen in Schlaf

Auf dem unteren Bild ist Dornröschen in das Gemach der alten Spinnerin eingedrungen und sinkt, von der verhängnisvollen Spindel verwundet, in Schlaf.

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Zweites Hauptbild

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind

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Ein rauschendes Allegro folgt auf die Introduktion. Glänzend bewegt sich durch den festlich prangenden Saal das bunte Gewühl des Maskenfestes, in dessen Mitte Aschenbrödel, zauberisch geschmückt, plötzlich erschienen ist; alle Blicke weilen staunend auf der anmutstrahlenden Gestalt, und der Prinz, geblendet von ihrer Schönheit, sinkt ihr huldigend zu Füssen. Die Schwestern, zwischen denen die Siegreiche lächelnd hervortritt, weichen betroffen mit schlecht verhehlter Eifersucht zur Seite, ihre stolzen Absichten auf das Herz des Prinzen sind vereitelt, und die Mutter, von der Aschenbrödel zwar ebensowenig wie von den Schwestern erkannt wird, blickt mit dem Ausdruck ingrimmigsten Ärgers; selbst die Huldigung des jungen, maurisch gekleideten Pagen an ihrer Seite, der die bezaubernde Erscheinung mit schwärmerischem Entzücken begrüßt, erregt ihren Groll. Der Narr hat sich dem pedantischen Hofmeister des Prinzen kecklich auf die Schulter geschwungen, um des reizenden Anblicks bequemer genießen zu können, und von dem reichgeschmückten Thron schaut auch das Königspaar staunend auf das anmutige Wunder, das sich vor seinen Augen begibt. Über den Häuptern der Glücklichen schwärmen im Zirkeltanz, mit den jubilierenden Klängen der Musik, pfeilesendende Amoretten, während zur Seite, in leichte Schatten gehüllt, die Fee vorüberschwebt, die ihren schönen Schützling geheimnisvoll, wie sie ihn hergeleitet, mit dem Schlag der Mitternachtsstunde wieder entführen wird.

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind

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Drittes Nebenfeld

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind. Turmwächter

Mittelbild. Die Stunde der Mitternacht zu verkündigen, steht der Turmwächter auf seiner hohen Warte schon bereit. Tief unter ihm schlummert im Mondlicht die schweigende Stadt, und kaum dringen vom Königsschloss vereinzelte Laute des Festjubels zu ihm herauf.

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind. Psyche und Eros

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind. Dornröschen im Zauberschlaf

Die geheimnisvoll nächtliche Stimmung klingt hinüber in die andern Bilder. In dem oberen schleicht sich Psyche mit der Lampe an das Lager des schlummernden Eros heran, das untere zeigt Dornröschen und ihre Umgebung vom Zauberschlafe befangen. Auch die beiden Spielleute ganz unten, die in den zwei ersten Nebenfeldern so lustig musizierten, sind in Schlummer gesunken.

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Drittes Hauptbild

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind

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Eine Stimmung, träumerisch wie die eines weichen, sehnsüchtigen Adagio, schwebt über der Scene. In den tiefen Schatten des Parks ruht die süße Stille der Nacht, der Glanz des Mondes spielt in dem Wasser der rauschenden Fontaine und erhellt die Marmorsäulen des hohen Palastes. Der Zauber ist vollbracht, die Fee hat Aschenbrödel dem glänzenden Fest entrückt und trägt sie schlafend, in ihren wallenden Mantel gehüllt, durch die dunkeln Lüfte wieder heim.

Während der Page des Prinzen vergeblich in den Gängen des Parkes die plötzlich Entschwundene sucht, hat der Hofmeister unter dem Portal Aschenbrödels Schuh gefunden, den sie im Fluge verloren. Mit Entzücken betrachtet der Prinz, der schon im Begriff war, dem Pagen nachzueilen, den köstlichen Fund, den der alte ernsthafte Herr mit sichtlicher Verlegenheit in Händen hält.

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind

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Viertes Nebenfeld

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind

Mittelbild. Von Schlaf und Ruhe geflohen, überlässt sich der Prinz, den zierlichen Schuh in der Hand, seinen sehnsüchtigen Gedanken. Der verständige Mentor gibt über die Schwärmerei seine entschiedenste Missbilligung zu erkennen, während der Narr offenbar einen klugen Einfall hat und dem Prinzen rät, den Schuh von allen Schönen des Landes anprobieren zu lassen, um so, da die reizende Form doch nur der Einzigen passen könne, die holde Verschwundene ausfindig zu machen.

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind. Psyche erduldet die Strafe der Venus

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind. Der Königssohn wird von der Fee zu Dornröschens Schloss geleitet

In dem oberen Bild erduldet Psyche die Strafe der Venus, während in dem unteren der fremde Königssohn von der Fee zu Dornröschens Schloss geleitet wird.

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Viertes Hauptbild

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind

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Das prachtvolle Finale. Dichtes Volksgewühl umdrängt den königlichen Herold, der hoch zu Ross eben vor Aschenbrödels Wohnung hält. Auf dem Schilde seines blumengeschmückten Stabes sind die Worte zu lesen:

Die Schönste ist entflohn,
Nichts blieb von ihr zurück,
Als ihrer holden Füße Maaß,
Ihr Schuh! Versuch' ihn Jede!
Die ihn als eig'nen trägt,
Sei des Landes und der Herzen Königin!

Die Stiefschwestern haben sich eilig zur Probe gemeldet, aber nur, um Spott und Beschämung zu ernten; nach ihnen ist nun auch Aschenbrödel in ihrem schlichten Gewande hervorgetreten, der Schuh, der ihr auf goldgesticktem Kissen dargereicht ward, schmiegt sich ihrem Fuß auf das zierlichste an; sie ist die Gesuchte. Der Prinz, der dem Herold ungeduldig gefolgt war, sieht aus dem Gewühl der Menge trunkenen Blicks auf die holde Gestalt. Der Hofmeister, den der Narr brüderlich umschlungen hat, drängt sich neugierig und hocherstaunt herbei, während der treue Diener der nun königlich Erhöhten, der wackere Reitknecht, jauchzend seine Mütze schwingt. Voll bitterer Eifersucht aber, die kleine Faust zornig geballt, blickt die eine der Stiefschwestern auf die bescheidene Siegerin, indes die andere sich grollend in das Dunkel der Hausflur zurückzieht. Von dem hohen Altan sieht der Papa in sprachlosem Erstaunen weit vorgebeugt herunter, während in entgegengesetzter Richtung sein eheliches Gemahl in Ohnmacht sinkt. Schon aber bewegt sich von dem Königsschloss im Hintergrund, unter jubelndem Posaunenschall, ein prächtiger Festzug die breite Treppe herab, um die neue Königin feierlich zu empfangen.

 

Aschenbrödel, Bilderzyklus von Moritz von Schwind

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Fünftes Nebenbild

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind

Das Mittelbild zeigt die Liebenden in der Abendstille einer freundlichen Landschaft, in der Ferne die gütige Fee, die von ihnen Abschied genommen und nun für Andere auf Heil und Rettung sinnt.

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind. Amor ruft Psyche wieder ins Leben

Aschenbrödel. Bilderzyklus von Moritz von Schwind. Dornröschen wird von dem Königssohn aus ihrem Zauberschlaf befreit

In den andern Bildern schließen die Paralleldarstellungen gleichfalls versöhnend ab; in dem oberen ruft Amor die ohnmächtige Psyche wieder ins Leben, in dem unteren wird Dornröschen von dem Königssohn aus ihrem Zauberschlafe befreit.

Die beiden Spielleute hatten schon im vorigen Nebenfeld ihr Musizieren wieder begonnen; hier hat den Platz des einen der Narr eingenommen, der Aschenbrödels Schuh in der Hand hält und sich über das kleine reizende Ding schalkhafte Gedanken macht, die nicht schwer zu erraten sind.

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2. Julius Thaeter

Julius Thaeter

Julius Thaeter. Zeichnung von einem unbekannten Künstler (vom 5. Januar 1833). In: Julius Theater, der Kupferstecher großer deutscher Künstler. Aus Thaeters Nachlass bearbeitet von Karl Josef Friedrich. Leipzig und Hamburg: Gustav Schloeßmanns Verlagsbuchhandlung (Gustav Fick) 1942.

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Thaeter, Julius, * 7. Januar 1804 in Dresden, † 14. November 1870 in München, Reproduktionsstecher. Thaeter studierte an der Dresdner Akademie und in Nürnberg, wechselte zwischen 1826 und 1834 mehrfach den Aufenthaltsort, war dann in München (1834-41), Weimar (1841-43) und Dresden (1843-49) tätig, wo er seit 1846 Zeichenlehrer an der Akademie war. 1849 wurde er an die Akademie der Bildenden Künste München berufen, gab die Professur jedoch 1868 auf und übernahm dort die Leitung des Kupferstichkabinetts.

Thaeter erfuhr eine Ausbildung als Zeichner und entwickelte sich autodidaktisch weiter zum Reproduktionsgraphiker. In München fand er Zugang zum Kreis der Nazarener und wurde zum „Kartonstecher“. Hervorzuheben sind die Stiche nach Peter von Cornelius, Wilhelm von Kaulbach, Julius Schnorr von Carolsfeld, Asmus Carstens und Moritz von Schwind. (Wikipedia, bearbeitet)

Artikel "Julius Thaeter" in Wikipedia. Lizenzbestimmung.
http://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Thaeter
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

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Thaeter hatte "einen Vertrag mit Schwind und mit der Münchner Kunstanstalt Piloty und Löhle abgeschlossen über den Stich von Schwinds Aschenbrödel. 'Vor etwa 14 Tagen', schreibt Thaeter an Cölestine [seine Tochter] am 3. April 1855, 'habe ich einen Auftrag bekommen, wie er kaum je einem Kupferstecher zuteil geworden ist, nämlich Schwinds vortreffliches - und das will viel sagen! - Kunstwerk Aschenbrödel. Das werde ich in drei großen Platten stechen; eine Arbeit, die ich kaum binnen drei Jahren beenden kann. Ein Werk, unerschöpflich reich an Gedanken, Ernst, Witz und Laune; schön und lieblich in Form und Farbe. Ein wahres Juwel deutscher Kunst, wie es noch kaum existiert. Du kannst dir denken, dass eine solche Aufgabe mich durch und durch neu belebt. Gott stehe mir bei mit Seiner Hilfe, dass ich sie mit Ehren löse zu Seinem Ruhm und Preis!' [...]

Die nächsten drei Jahre Thaeters vom Sommer 1855 an sind erfüllt mit der Arbeit an den drei großen Platten. Im Herbst wird die jeweilige Platte sogar mit nach Pähl genommen und dort in einem geräumigen hellen Zimmer des Gräflich Viereggschen Schlosses gefördert. Im Jahre 1856 nahm Thaeter seinen Schüler Hermann Walde mit Frau nach Pähl ["wunderschönes Dorf, zwei Stunden von Weilheim", zit. S. 101] mit, damit er ihm beim Stich der vielen Käntchen und Verzierungen helfe. Auf die Sendung [des Kupferstiches von] der ersten Platte dankte Ludwig Richter mit den guten Worten: 'Du hast mir durch deinen geistreichen, wundervollen Stich nach Schwinds prächtigem Bilde eine ganz gewaltige Freude gemacht, und ich danke dir von Herzen dafür' (am 1. November 1857). Anfang März 1859 war endlich, nach dreieinhalb Jahren, das ganze Werk glücklich beendet.

Wie urteilte Schwind? Thaeter schreibt schmerzlich: 'Schwind hat sich in sehr unerquicklicher Weise über mein Aschenbrödel ausgesprochen, es geradezu eine verdorbene Arbeit genannt. Und wie mühselig habe ich das Ganze zusammentragen müssen nach missverstandenen Zeichnungen, nach Kopien in Öl und Wasserfarben, Skizzen, Studien, rohen Kohlenkartons! Ich habe mit aller Treue das Möglichste getan; ich habe das deutliche Gefühl, dass ein anderer unter den gegebenen Bedingungen schwerlich etwas Besseres herausgebracht haben würde.'

Wir heute können Schwinds Urteil kaum noch nachprüfen. Was wir heute an Thaeters Stich sehen, entzückt uns durchaus. Freilich fehlt die Tiefe der Ölfarbe, Thaeter hat das Gemälde in eine Zeichnung umgesetzt. Mit William Unger, dem Meister der tiefen malerischen Nachradierung, wäre Schwind vielleicht zufrieden gewesen. Thaeter konnte nicht anders, er setzte eben alles nach seiner Art in die Zeichnung um, aber in eine Zeichnung, die kostbar wie ein feines Seidengewebe ist. Schwinds lautes Orchester wird von Thaeter in eine Kammermusik umgewandelt, aber diese Kammermusik ist wunderschön. Sogar der Besitzer des Schwindschen Gemäldes, Freiherr von Frankenstein auf Ullstadt, urteilte lobend (im Nachlass): 'Ich hätte es nie für möglich gehalten, diese überaus schwierige Aufgabe so zu lösen, wie sie gelöst ist, nämlich in einer Art, die alle die kleinen Zartheiten sowie auch den Gesamteindruck des Bildes in so unvergleichlicher Weise wiedergibt ...'"

Quelle:
Julius Thaeter, der Kupferstecher großer deutscher Künstler. Aus Thaeters Nachlass bearbeitet von Karl Josef Friedrich. Leipzig und Hamburg: Gustav Schloeßmanns Verlagsbuchhandlung (Gustav Fick) 1942. Thaeter und Moritz von Schwind, S. 178-195. Zitat S. 191-193.

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Weitere Schwind-Seiten im Goethezeitportal

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3. Notizen zu den reproduzierenden Künstlern

Günther, H.: nicht ermittelt.

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Käseberg, Hugo, reproduzierender Holzschneider, geb. 21.11.1847 in Grimma, gest. 17.8. 1893 ebenda. Schüler von Flegel und Gehilfe von Ed. Kretzschmar in Leipzig, wo er sich 1871 selbständig machte und 1879 mit Kaspar Oertel die Xylographenfirma Käseberg & Oertel begründete, die es bald zu Ansehen brachte. Eigenhändige Holzschnitte Käsebergs: nach A. Menzel, Allegorie (Titel
mit dem Porträt Heinrich v. Kleists) und Illustrationen zum „Zerbrochenen Krug“; nach Moritz v. Schwind die Tafeln 4, 6 und 7 zu „Aschenbrödel“ (Faksimileschnitte nach den Thaeterschen Stichen); nach Anton v. Werner, Paul Thumann u.a.m. (Thieme-Becker)

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Oertel, Kaspar Erhardt, reproduzierender Holzschneider, * Nürnberg 13. 4. 1840, Schüler von August Kreling. Tätig in Dresden, seit 1866 in Leipzig (1877/79 als Lehrer für Holzschnitt an der Akademie, seitdem selbständig mit Hugo Kaeseberg in Firma Kaeseberg & Oertel). (Thieme-Becker)

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Zimmermann, Carl Hermann Louis, reproduzierender Holzschneider, * 28. 3. 1825 Magdeburg, † 14. 12. 1873 Leipzig. (Thieme-Becker)

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Einen Überblick über die Märchen- und Sagenmotive
im Goethezeitportal finden sie hier.

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4. Rechtlicher Hinweis und Kontaktanschrift

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Ludwig-Maximilians-Universität München
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