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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Der Schiller-Festzug in Frankfurt am Main 1859

Stand: Mai 2014

Das Schiller-Monument auf dem Römerberg zu Frankfurt a.M.
Unter dem Bild links: Dielmann inv. Mitte: Verlag von Heinrich Keller. Rechts: nach einer Photographie gez. von F. C. Klimsch.

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Quelle: Gedenk-Buch zu Friedrich von Schiller’s hundertjähriger Geburtsfeier, begangen in Frankfurt am Main den 10. November 1859. Eine Festgabe herausgegeben unter freundlicher Mitwirkung der betheiligten Körperschaften. Mit sechzehn Tafeln, den Festzug darstellend, gezeichnet von F. C. Klimsch. Nebst Ansicht des Schiller-Denkmals und des Transparent-Gebäudes. Frankfurt a.M., Verlag von Heinrich Keller 1860. Höhe 34; Breite 24,5 cm.

Es werden die Beschreibung des Festzuges und alle Lithographien wiedergegeben. Die Lithographien sind im Bild signiert: F. C. Klimsch. Rechts unter dem Bild: Lith.Anstalt von F.C.Klimsch in Frankfurt a.M. Unten links: Gedenkbuch zu F. v .Schiller’s 100jähriger Geburtsfeier. Unten rechts: Verlag von Heinrich Keller in Frankfurt a.M.

Ferdinand Karl Klimsch (geboren 12. Dezember 1812 in Böhmisch-Leipa; gestorben 14. September 1890 in Frankfurt am Main), war Kunstmaler, Lithograf und Kupferstecher. Er war der Begründer der Frankfurter Unternehmer- und Künstlerfamilie Klimsch. (Wikipedia.DE) Über die lithographische Kunst-Anstalt vgl. den Artikel Klimsch & Co. in Wikipedia.DE.

Johannes Dielmann (geboren 26. Oktober 1819 in Frankfurt am Main; gestorben  24. Oktober 1886 daselbst), Bildhauer. Schüler am Städel 1833-39, Studium bei Ludwig Schwanthaler in München. Auf dem Römerberg wurde 1859 ein Gipsmodell des Schillerdenkmals gezeigt. Die Broncefigur nach dem Entwurf von Dielmann wurde erst am 9. Mai 1864 auf dem damaligen Paradeplatz an der Hauptwache enthüllt; heute steht das Denkmal in der Taunusanlage.

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Der Festzug

[…] Während sich nun der Festzug an der schönen Aussicht und den zunächst gelegenen Straßen ordnete, ward das Treiben und Drängen auf den Hauptstraßen der Stadt, besonders auf der Zeil, immer lebhafter. Zu allen Thoren der Stadt zogen Schaaren von Landleuten herein, die Eisenbahnen brachten von allen Seiten Fremde. Man hat die Zahl der fremden Gäste, welche sich zu unserem Feste eingefunden hatten, auf 40-50,000 angeschlagen. Jeder wollte noch einmal mitten unter dem Gewühl gewesen sein, ehe er sich in sein schon lange im Voraus gesichertes Standquartier begab. Gegen 11 Uhr ertönte von allen Thürmen ein Glockenruf, das Zeichen, daß der Zug in Bewegung war. Jetzt zertheilte sich die Menge und die Straßen wurden allmälig leerer, das Leben flüchtete sich jetzt mehr hinter die Mauern der Häuser. Jeder fürchtete sich vor dem Gedränge, das beim Herannahen des Zuges entstehen würde und eilte an sein Fenster, auf seinen Balkon, hinter seine Ladenscheibe oder was ihm sonst an diesem Tage für ein Standpunkt blieb; denn die mannigfachsten Vorrichtungen waren an allen Häusern getroffen, um möglichst viel Schaulustige aufnehmen zu können.

Der Festzug der Gewerke, Innungen, Schulen, Vereine, der Corporationen aller Art, der sich nun während dreier Stunden unter dem Geläute aller Glocken, dem Wehen von tausend Fahnen, den rauschenden Tönen von fünf Musikcorps, dem Gesang der Liedervereine und dem Zuruf der Menge durch die Straßen unserer Stadt bewegte, war entschieden der Glanzpunkt unseres Festes und bot ein in seiner Gesammtheit sowohl, als in allen Einzelheiten sinniges und poetisches Bild, das Jedem, der es gesehen hat, in der Erinnerung unvergeßlich bleiben wird. Es war, als ob die alte Reichsstadt mit ihrem ganzen Glanze und all ihrem Pompe wieder aufgestiegen sei. Fast jedes Gewerbe führte einen colossalen, reich ausstaffirten Wagen mit sich, auf dem es entweder mitten in seiner Geschäftsthätigkeit dargestellt war oder auf dem sich ein fertiges Meisterstück als Symbol der Thätigkeit der betreffenden Innung befand. Alles war mit bewundernswerther Sorgfalt, Reichthum und Geschmack arrangirt. Das Auge war förmlich berauscht von dem Farbenglanze und der Mannigfaltigkeit der wechselnden Erscheinungen alle.

Wem es vergönnt war, das "Heer voll Friedensstärke der Künstler und Gewerke" auf gewisse Entfernungen in seinem Zusammenhang zu überblicken, der mußte zugestehen, daß die endlos dahinwallende Menschenmenge, über deren Häuptern ein Farbenmeer von bunten Fahnen und Standarten wollte und in deren Mitte läutende Kapellen, Schweizerhäuser, reichbeflaggte Schiffe, Zelte und Waldparthien gravitätisch einherzogen, ein in der That einziges Schauspiel war. Nahm man hierzu noch die vom Pflaster bis unter den Dachgiebel aufgethürmten Zuschauermassen, von denen meist nur die zwischen Blumenguirlanden und Decorationen gedrängt hervorlugenden Köpfe sichtbar waren[,] und das ganze Feiertagsgewand der Stadt, welche von einer in festlichem Glanze strahlenden Sonne übergossen war, so ergab sich ein in jeder Beziehung bedeutender und malerischer Eindruck.

Bevor wir nun versuchen, das Bild in seine einzelnen Theile zu zerlegen und das Ganze in seinen hauptsächlichsten Zügen und Episoden wiederzugeben, wollen wir das in der hiesigen "Didaskalia" erschiedene Gedicht von Dr. W. Jordan nochmals mittheilen, da es mit dem Zauber einer in ihrer Schmucklosigkeit ergreifenden Poesie den Gesammteindruck des Festzuges vor die Phantasie malt und auf die schönste Weise in die später folgende Beschreibung desselben einführt. Das Gedicht ist während des Festzuges selbst entstanden und niedergeschrieben worden und trägt deßhalb auch den Stempel der frischesten Ursprünglichkeit. Es lautet:

Beim Schillerzug in Frankfurt am Main
am 10. November 1859

Was hat es zu bedeuten,
Daß alle Glocken läuten
Und tausend Fahnen weh’n?
Wer kommt einhergezogen,
Daß grüne Ehrenbogen
In allen Straßen steh’n?

Das Heer voll Friedensstärke
Der Künstler und Gewerke
Erscheint in schmucken Reih’n;
Es ward wohl eingeladen
Ein Fürst von Gottes Gnaden
Zu mustern ihr Gedeih’n?

Ist aus die Zeit der Schwäche?
Sind wiederum die Bäche
Vereint in einem Strom?
Sagt das der Schmuck der Häuser?
Zieht wiederum ein Kaiser
Zur Krönung in den Dom?

Ja wohl, uns hat geladen
Ein Fürst von Gottes Gnaden,
Zu mustern uns’re Kraft,
Ob sich in uns ereignet,
Was er einst vorgezeichnet
Mit höchster Meisterschaft.

Vom hohen Piedestale,
Zum Gott aus jeder Schaale
Des Irdischen befreit,
So soll er prüfend schauen,
Ob wir nun reif, zu bauen
Den Thron der Einigkeit.

Das hat es zu bedeuten,
Daß alle Glocken läuten;
Daß wir uns festlich weih’n,
Von dem Propheten Schiller
Die Jünger und Erfüller
Mit Herz und Hand zu sein.

Dieß Fest, dem Volk entquollen,
Es zeigt uns, was wir wollen,
Das können wir zuletzt;
D’rum wird, wie noch kein Kaiser,
Ein Dichterheld und Weiser
Heut’ auf den Thron gesetzt.

 


Nach einem beinahe dreistündigen Marsch von der Langenstraße durch die Allerheiligenstraße, die Zeil, den Paradeplatz (am Pariser Hof vorüber), den Steinweg, die Bockenheimerstraße, die neue Mainzerstraße, die große Gallusstraße, den Roßmarkt, die Liebfrauenstraße, die neue Kräme kam der festliche Umzug unter dem Läuten aller Glocken auf dem Römerberg an, in dessen Mitte auf dem durch das Postament überbauten Brunnen mit der alten, steinernen Gerechtigkeit sich die noch dichtverhüllte Colossalstatue, von breiten Stufen umgeben, erhob. Unser altes Rathhausgebäude, der Römer, der schon manchem weltlichen Herrscher hatte huldigen sehen und erstaunt auf diese ihm neue Krönung eines Geistesfürsten herabsehen mochte, war mit Tüchern in den Farben der Stadt drapirt und eine roth ausgeschlagene Estrade zog sich vor demselben hin. Vor den auf derselben versammelten Mitgliedern des Senates, der ständigen Bürgerrepräsentation und des gesetzgebenden Körpers defilirte der Zug nun in seiner ganzen Ausdehnung vorbei und zwar in der Ordnung und Weise, wie sie jetzt aufgeführt werden soll. Was der folgenden Beschreibung an Genauigkeit und Anschaulichkeit abgeht, werden die unserem Buche beigefügten lithographischen Darstellungen zur Genüge ergänzen.

Der Festzug war im Ganzen von über sechstausend Personen gebildet, und es kamen in demselben dreißig Festwagen und dreihundertundfünfzig Pferde vor.

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Es eröffnete ihn ein Vorreiter, dem ebenfalls hoch zu Roß der Bannerträger (er trug das Festbanner der Stadt Frankfurt: ein Adler in roth und weißem Felde) mit seinen Adjutanten folgte. Ein anderer Vorreiter führte darauf eine Reitercavalcade von vierzig, meist dem Kaufmannsstande angehörigen Herren an. Diese Reiter repräsentierten sich auf ihren hübschen Pferden und in ihrer eleganten, gleichförmigen Tracht, sämmtlich in schwarzen Fräcken, weißledernen Beinkleidern und hohen schwarzen Stulpstiefeln, mit einer breiten rothweißen Schärpe, äußerst geschmackvoll.

Unter dem Vorantritt eines Zugführers mit blauseidener Schärpe, der den weißen, grünumwundenen und bänderverzierten Stab mit dickem goldenen Knopfe trug, folgte die lange Reihe der Schulen und Unterrichtsanstalten, eine jede mit ihrer Fahne. Es waren von demselben erschienen: die höhere Bürgerschule, die Musterschule, die Domschule, die Allerheiligenschule, die israelitische Realschule, die Dreikönigsschule, die Weißfrauenschule, die Unterrichtsanstalt der israelitischen Religionsgesellschaft, die Gewerbschule, die Katharinenschule, die Selektenschule, die Institute der Herren Geisow, Hassel, Simon und Schneider und das Gymnasium. Besonders hübsch nahmen sich die Anführer der Gymnasiasten mit ihren weißen Stulphandschuhen und der roth- und weißgeränderten schwarzen Mütze aus.

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Jetzt ertönten die Klänge des ersten Musikcorps, nach welchen die große Festfahne mit dem Bildniß Schiller’s kam. Dieser folgten nun: das Festcomité, die Deputationen des physikalischen Vereins, der Senckenbergischen naturhistorischen Gesellschaft, des Städel’schen Instituts, des ärztlichen Vereins, des geographischen Vereins, der Gesellschaft zur Beförderung nützlicher Künste und deren Hülfswissenschaften, die Deputation des Theaters, die Buchhändler, die Veteranen der Linie aus den Jahren 1814 und 1815 und die Deputationen der Quartiere hiesiger Stadt.

Ein Zugführer führte nun die bildenden Künstler mit ihrer Fahne an. Diese Reihe war gebildet aus den Malern, Bildhauern, Architekten, Kupferstechern und Lithographen.

Fünfzehn Gesangvereine in einer Anzahl von siebenhundert Personen, mit vielen Fahnen, marschirten jetzt unter dem Gesang von Festmärschen auf.

Das zweite Musikcorps erschien. Ihm folgten drei Zugführer mit Standarten und nach diesen begann die lange Reihe der Festwägen, von denen einer prächtiger als der andere ausgestattet war. Vor und hinter denselben gingen jedesmal die Meister, Lehrlinge und Gesellen, die beiden letzteren meist in gleichmäßigen, geschmackvoll gehaltener Handwerkstracht, alle mit einerlei Schurzfell, Mütze, Jacke, Stulpstiefeln oder dergleichen. Die Costüme waren alle neu und oft auffallend reich. Die Meister waren mit besonderen Abzeichen, meist breiten seidenen Schärpen, geschmückt. Zahlreiche Insignien, Embleme aller Art wurden bei jedem Gewerbe getragen, so wie eine, oft gar mehrere Fahnen und Standarten. Wir müssen uns hier auf die Beschreibung des Hauptsächlichsten und besonders der Festwägen beschränken und bemerken von denselben im Allgemeinen, daß sie mit Blumen, Laubguirlanden, Bändern, Fahnen, roth-weißen und schwarz-roth-goldenen, reichlich verziert und daß bei fast allen derselben Schiller’sche Verse, besonders viele aus der Glocke, in Medaillonform angebracht waren.

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Voran gingen die Wagen der Buchdrucker- und Schriftgießer, von vier Pferden gezogen. Auf demselben war Alles in voller Thätigkeit. Die Schriftgießer standen an ihrem rauchenden Gießofen und verfertigten Typen, welche unter’s Publikum vertheilt wurden. Auf diesen Gedenktypen war in sinniger Weise "Schiller" und "Schillerfeier in Frankfurt am 10. November 1859" angebracht. An dem Setzkasten und an der Presse standen Buchdrucker in braunen Gewändern und schwarzen Barrets mitten in der Arbeit. Unterwegs wurden Schiller’s "Worte des Glaubens" gesetzt, gedruckt und vertheilt. Vor und nach dem Wagen gingen über dreihundert Buchdrucker und Schriftgießer.

Auf dem Roßmarkt bereiteten die Buchdrucker ihrem Patrone eine sinnige Ovation. Als der Festzug nämlich dort angekommen war, stellten sich dieselben mit ihrem Wagen. so wie sämmtliche Gesangsvereine auf und unter Absingung eines Liedes ward von den Jüngern Gutenberg’s ein Lorbeerkranz auf die Stufen des Monuments niedergelegt. Später alsdann auf dem Römerberg vor dem Senate vorbei defilirend, überreichten sie demselben ihr Festgedicht und ihre Gedenktypen.

Den Buchdruckern und Schriftgießern folgten, als ihnen zunächst stehend, indem sie deren Erzeugnisse in gefällige Hülle kleiden, die Buchbinder. Sie führten des Dichters Werke in Prachteinbänden und seine Portefeuillearbeiten mit sich.

Ihnen schlossen sich die Schreiner mit einer äußerst elegant ausgestatteten Wiege und kunstvoll gearbeiteter Zunftlade an.

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Nach diesen kamen die Maurer. Sie führten auf einem sechsspännigen Wagen eine vom Boden aus 36 Fuß hohe gothische Kapelle, welche unterwegs beständig läutete, mit sich. Die Pferdeführer trugen blaue Blousen, Sträuße und Bänder. Gesellen und Lehrlinge in gelben Schurzfellen gingen hinter dem Wagen einher.

Hinter diesen zogen die Weißbinder mit ihren Handwerksabzeichen, in grauen Blousen und umgekrämpten Hüten.

Die denselben folgenden Häfner hatten in einem mit Blumen und Fahnen geschmückten Wagen ein mit Arabesken reich verziertes Kamin und die geschmackvollsten Thon- und Töpferwaren ausgestellt.

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Nun kamen die Schiffer und Fischer mit ihrem vierspännigen Wagen, auf dem eine Wasserfläche nachgebildet war, in der sich ein mit Masten und Segeln, Tauen und Leitern ausgerüstetes Schiff befand, das den Namen "Schiller" trug und auf dem man die Fahnen sämmtlicher deutschen Bundesstaaten, von der schwarz-roth-goldnen Flagge überragt, gewahrte. In ihm thronte Neptun in höchsteigener Person mit langem, grauem Barte und meergrünem Gewande. Matrosen mit Rudern und Fischer mit großen Netzen und einem colossalen Fische bildeten die Nachhut Neptuns.

Die Seiler trugen kunstvoll gearbeitete Taue.

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Den Zug der Küfer eröffnete ein Silen, der, in ein dunkles Thierfell gehüllt, vorausritt. Ihm folgten vier Reifschwinger in leichten, hellen Gewändern, welche, beständig tanzend, ihren Reif mit gefüllten Gläsern schwangen und drehten. Auf dem vierspännigen Wagen lag ein hohes, mit einem Pantherfell behangenes Faß, auf dem der bekränzte Bacchus, beständig poculirend, saß. Eine große Anzahl Küfer in Schurzfell und Mütze schlossen den Bacchuszug, der vor dem Senate Halt machte, woselbst der launige Gott vom hohen Faß herab eine Anrede an denselben hielt.

Die Glaser führten glitzernde, farbige Glasarbeiten mit sich.

Die Gärtner fuhren auf einem Wagen die Schiller-Eiche einher, welche den Nachmittag gepflanzt ward. Kinder trugen in niedlichen Körbchen Früchte aller Art, welche sie dem Senate darboten.

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Den Gemüs- und Weingärtnern ritt ein costumirter Vorreiter, der ihre Fahne trug, voraus. Darauf folgte der vierspännige Gärtnerwagen, dessen vorderer Theil eine mit Trauben behangene Weinlaube trug, in welcher drei elegante Fäßchen mit der Aufschrift 1857er, 1858er und 1859er lagen. Auf dem hinteren Theil des Wagens erhob sich eine colossale, aus lauter Prachtexemplaren von Gemüsen, Rüben u.s.w. zusammengesetzte Pyramide, welche, in ihren frischen und mannichfaltigen Farben prangend, einen prächtigen Anblick bot. Vierhundert Gemüs- und Weingärtner schlossen sich an.

Die Bäcker mit reichen silbernen Pokalen marschirten jetzt auf. Bäckerjungen in blauen Jacken führten eine große gebackene Lyra mit sich, welche sie dem Senate überreichten, "Zeichen", wie es in ihrer gedruckten Rede heißt, "daß das Glück der Stadt Frankfurt nur durch melodische Harmonie zwischen Obrigkeit und Bürgerschaft befördert werden kann." Mädchen in weißen Gewändern trugen an blauen Schärpen zierliche Körbchen mit Blumen und Backwaaren.

Die Lackirer, Zimmermaler und Vergolder, Hutmacher, Gerber und Färber erschienen mit ihren Fahnen, Emblemen und Insignien.

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Nun kam der prächtige Metzgerzug. Vier hübsche junge Männer in grellrothen Blousen, mit hohen schwarzen Stulpstiefeln, blanke Aexte auf dem Rücken tragend, eröffneten ihn. Auf dem sechsspännigen schweren Wagen war ein hoher Aufbau errichtet, der mit Thierköpfen, Fleischwaaren, Beilen, Messern u.s.w. decorirt war; oben auf stand ein Lamm. An den vier Ecken des Wagens stellten vier stattliche Männer in derselben Tracht verschiedene Handwerksthätigkeiten des Metzgers mit allen dazu gebrauchten Geräthschaften dar. Der Eine hackte an seinem Klotze, der Andere schnitt aus, der Dritte wog und wieder ein Anderer rechnete auf seiner Schreibtafel. Berittene befanden sich im Zuge, denen die Andern, alle in demselben blendend rothen Costüm und den glänzend schwarzen Stulpstiefeln folgten.

Unter Voranritt eines Reiters schritten die Turner mit grünen Zweigen und den Hüten einher, dann die freiwillige Feuerwehr, die Gold- und Silberarbeiter und die Wundärzte.

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Nach dem Fahnenträger mit seinen Adjutanten und Nachreitern und dem dritten Musikcorps kam jetzt der Blumenwagen der Gartengesellschaft "Flora". Drei Männer, wie römische Krieger gekleidet, in hellen Gewändern und Helmen ritten ihm voraus. Der Wagen selbst, wie ein römischer Triumphwagen gebaut, blau, weiß und golden gemalt, mit Rosen und Blumenguirlanden geziert und roth ausgeschlagen, ward von vier Schimmeln, zu denen von der Höhe des Wagens herunter farbige Flore liefen, gezogen. Auf demselben saßen in hellen lichten Gewändern die Göttinnen Ceres, Flora und Pomona mit kleinen Blumengenien. Die Göttin Flora warf aus ihrem Füllhorn Sträuße unter die Versammelten.

Nun kamen die Uhrmacher mit einem von zwei schwarzen Ponys gezogenen Wagen, auf dem ein großes Uhr- und Schlagwerk, in Thätigkeit begriffen, stand.

Ihnen folgten die Feuerhandwerker.

Die Glockengießer hatten auf ihrem vierspännigen Wagen eine lauf dröhnende Glocke, welche Meister und Gesellen in malerischer Tracht umgaben. Sie hatten kleine Schillerbüsten gegossen und vertheilten dieselben während des Zuges. Mit diesem Gewerbe waren auch die Feilhauer vereinigt.

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Die Maschinenbauer, Eisengießer, Kesselmacher und Mechaniker, vierhundert an der Zahl, führten auf ihrem massiven, reich geschmückten Wagen eine beständig qualmende und arbeitende Dampfmaschine mit sich. Das Gefolge erschien in Bergmannstracht.

Die Spengler wurden von zwei Rittern mit schwarzen flatternden Federbüschen angeführt, der eine in blauem, der andere in gelbem Harnisch, von Kopf bis zu Fuß vollständig ausgerüstet, welche in ihren funkelnden, blechernen Rüstungen und Helmen sehr gut aussahen.

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Die Schlosser, Büchsen- und Windenmacher, zweihundert Köpfe stark, hatten auf ihrem sechsspännigen Wagen eine vollständige Schlosserwerkstätte mit einer Anzahl Arbeiter in ihrem Handwerkscostüm aufgeschlagen. Aus der Esse, die ein gewaltiger Blasebalg schürte, sprühten nach allen Seiten Funken. Der Ambos hallte weithin von den gewaltigen Hammerschlägen wieder. Am Schlosserkasten ward gedreht und gefeilt. Zierlich gearbeitete Geländer, Büchsen, Pistolen, Bajonette u. dgl. bildeten die Seiten des blumenumwundenen Wagens, vornen aber hing ein colossaler goldener Schlüssel.

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Die Zimmerleute führten ein beinahe vierzig Fuß hohes Schweizerhaus, das ganz im Gebälk ausgeführt war und auf seinem Giebel die schwarz-roth-goldene Fahne trug, auf ihrem sechsspännigen Wagen mit sich. Zimmergesellen in hohen gelben Schurzfellen mit blanken Aexten und Beilen folgten.

Nun kamen die Leinweber, Steindecker und Säckler mit Fahnen und Handwerksabzeichen.

Die Schornsteinfeger wurden von einem geharnischten schwarzen Ritter zu Pferde und einigen andern von Kopf bis zu Fuß in schwarzen Sammet Gekleideten angeführt. Die Standarte des schwarzen Ritters trug den heiligen Florian.

Die Wagner, Schmiede und Sattler führten einen sechsspännigen Reisewagen mit blau-gelb gekleideten Galapostillonen auf.

Die sechs Herolde und Fahnenträger der dreihundert Schneider, welche mit im Zuge gingen, waren in dem Costüm des vorigen Jahrhunderts, in Sammet und Seide, mit Galadegen und langer Perücke, weißen Strümpfen und Schnallenschuhen gekleidet. Sie sahen äußerst reich und elegant aus.

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Dem imposanten Zug der Bierbrauer ging das vierte Musikcorps voraus. Zwölf costümirte Vorreiter und ein Standartenträger bildeten die Avantgarde des Zuges. Sie trugen Alle dieselben blau-weißen Gewänder, schwarze Barrets, gelbe Lederhosen, Kanonenstiefel und hopfen-umwundene Stäbe. Der Gambrinuswagen, von innen und außen mit rothem Tuch ausgeschlagen und mit Hopfenguirlanden geziert, ward von sechs reichgeschirrten Schimmeln gezogen. Auf demselben thronte zwischen Fässern und Füllhörnern, denen Gerste entströmte, der schwere Gambrinus mit goldener Krone und blitzendem Edelgestein, in violettem Gewand und Hermelin. Zu seinen Füßen und an den Stufen seines Thrones waren seine zwölf Pagen gelagert. Brauerburschen mit goldenen Quasten an den Mützen reihten sich an.

Vierhundert Schuhmacher folgten mit ihren Insignien und Fahnen.

Die Dreher führten eine prächtig gearbeitete colossale Pfeife mit Schiller’s Bildniß mit sich.

Die Schröter fuhren auf einem Wagen ein geschmücktes Faß mit Seilen einher.

Die Perrückenmacher wurden von sechs reich gekleideten, hübschen Leuten im Costüm des vorigen Jahrhunderts mit gepuderten Allongeperrücken von verschiedener Façon angeführt.

Die Posamentirer mit ihren Emblemen schlossen sich diesen an.

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Die Tapezirer führten auf einem sechsspännigen Wagen, dessen Pferde Tigerdecken trugen und dessen Führer blau und rothe Gewänder hatten, ein reizendes, duftiges, in rosa und weiß prangendes Zelt mit sich. In demselben waren an den Enden blumenumwundene zierliche Sessel und in der Mitte die bekränzte Schillerbüste auf reich decorirtem Postamente zu bemerken.

Die Bürstenbinder und Kammacher schlossen diese Abtheilung des Zuges.

Die letzte ward von dem fünften Musikcorps eröffnet.

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Hundert Jäger in vollständigem Jagdcostüm traten auf. Sie führten ihre zusammengekoppelten Jagdhunde mit sich und, auf einer hohen Stange angebunden, gar eine lebendige Eule, welche mit ihren großen glühenden Augen sich beständig äußerst erstaunt umschaute. Mitten unter ihnen aber wandelte ihre originelle, von vier Pferden gezogene Jagdgruppe. Der untere Theil des Jägerwagens war mit Thierköpfen, Geweihen, Büchsen, Hirschfängern, Pulverhörnern u.s.w. geziert. Aus diesen Jagdattributen wuchs aber ein Tannenhügel empor, auf dem hoch oben ein großer, prächtiger Hirsch stand. An den Seiten sah man Rehe und sonstige Thiere des Waldes. Als Standarte ward den Waidmännern ein Adler mit weit ausgespannten Flügeln vorgetragen, der einen Lorbeerkranz im Schnabel hielt.

Die Lohnkutscher führten unter dem Vorantritt von fünf Herolden eine fünfzigjährige gelbe Kutsche mit altmodisch gekleidetem Kutscher auf. Dieser reihten sich die verschiedenen Arten der jetzt gebräuchlichen Wagen an, wobei auch Omnibus und Fiaker mitspielen mußten, und sich zwei sechsspännige Staatsgespanne mit Vorreitern, durch ihre schönen Pferde, ihr reiches und elegantes Geschirr, ihre Hübsche Bedienung und ihre ausgezeichnet feinen Wagen ganz besonders auszeichneten.

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Fünfunddreißig Einzler und dreißig Kärcher in blauen Blousen, Alle auf ihren schweren Pferden, welche bunt aufgeputzt waren, beschlossen als Nachreiter in ächt volksthümlicher Weise den ganzen Zug.

Im Ganzen sind im Zug hundertundachtzig Fahnen und Standarten mitgegangen, welche größtentheils entweder wegen der darauf befindlichen Malereien und Symbole oder wegen ihrer Originalität die Aufmerksamkeit zu fesseln im Stande waren. So hatten z.B. die Schreiner eine ganz aus Hobelspänen gefertigte große Fahne mit einer Aufschrift und schwarz-roth-goldenem Rande.

Die Zusammenstellung des Ganzen war mit dem größtem Geschmack arrangirt, alle einzelnen Theile aber mit Reichthum und Eleganz ausgeführt. Da die Costüme alle ächt und meistens ganz neu angefertigt waren, so machten sie einen äußerst frischen und glänzenden Eindruck. Nirgends war etwas Flitterhaftes oder Halbes zu bemerken, und die Opferbereitwilligkeit, mit der alle einzelnen Gewerbe beisteuerten zur Ausrüstung ihres betreffenden Zuges, war umsomehr anzuerkennen, da es sich schon um bedeutende Summen handelte. Zugleich aber gab die Ausrüstung der einzelnen Wagen u.s.w. einen neuen Beweis von der Wohlhabenheit des Frankfurter Handwerkerstandes. Keiner der bedeutenderen Aufzüge war unter tausend Gulden hergestellt worden, viele kosteten noch darüber.

Doppelt erfreulich war es darum aber, daß der lautere Eindruck durch nichts getrübt ward, daß der Zug in so vollendeter Ordnung und so ohne alle Störung von Statten ging. Und dieß verdankten wir meist den praktischen Einrichtungen des Festzugcomité’s und besonders des Festzugpräsidenten, des Herrn Maler Schalck, dessen organisatorisches Talent sich bei dieser Gegegenheit auf’s Glänzendste bewährte. Die Vorkehrungen zur allseitigen Ueberwachung des Zuges waren auf’s Umfassendste getroffen und dienten sogar dazu, den poetischen Reiz des Ganzen zu erhöhen. Höchst anziehend war der Anblick, wenn die reitenden Adjutanten an den Flanken des Festzuges entlang ritten, da und dort inspicirten, ob Alles in Ordnung sei, wenn sie in entfernte Straßen Ordres brachten, oder mit einem Rapport an den beständig überall und nirgends weilenden Hauptfestordner Schalck zurückkamen, - und wenn dieser alsdann, falls er irgend nöthig war, sich in einen eleganten, beständig in der Nähe des Zuges weilenden Phaeton warf und mit Windesschnelle auf Nebenstraßen in ganz entgegengesetzte Stadttheile flog! Der Zug, der sich in einer Länge von viertausend Fuß dahinzog, nahm selbstverständlich immer eine Menge von Straßen ein, und es war keine Kleinigkeit, das Auge überall zu haben.

Als nun der Festzug in seiner Gesammtheit vor hohem Senate, den Vertretern der ständigen Bürgerrepräsentation und des gesetzgebenden Körpers vorbeidefilirt war, die Zugführer mit ihren Fahnen und Emblemen sich vor den Stufen des provisorischen Monumentes geordnet hatten und die Wagen und Pferde durch das Fahrthor abgetreten waren, erfüllte die aus den Nebenstraßen eindringende Menschenmasse in einem Nu den noch übrigen Raum der historischen Stätte der Krönungsfeierlichkeiten, auf der heute dem Herrscher eines neuen Reiches gehuldigt ward. Siebenhundert Sänger stimmten jetzt zum Preise des Gefeierten die Festcantate an und als deren jubelnde Klänge verrauscht waren, trat Herr Dr. Reinganum auf die Stufen des noch vom Mantel verhüllten Standbildes und sprach unter athemloser, feierlicher Stille markige Worte zu der Versammlung von dem Ruhme und den Thaten des Unsterblichen. Als er seine Ansprache beendet und der tausendstimmige Zuruf der Menge wie ein Meer von Tönen dahinbrauste, löste sich die Hülle des Denkmals, zwar nur zögern, als wolle der halbverhüllte Genius der Nation den Jubelnden künden, daß die Zeit noch nicht gekommen sei, da er mit ungetheilter Freude und mit ganzem Stolze auf die aufgehende Saat seiner in das Feld der Menschheit gesenkten Gedanken blicken könne. Eigenthümlicher Zufall! Während beim Gutenbergfeste ein Windstoß das Standbild vor der Zeit enthüllte, verschlang sich hier der Mantel in den Lorbeerkranz auf dem Haupte des Dichters, so daß trotz aller Bemühungen immer nur die eine Seite der Statue sichtbar werden wollte. Endlich gelang es nach mannigfachen Anstrengungen einem jugendlichen Turner, die Dichterstirne von dem verhüllenden Tuche zu befreien.

Erhaben stand nun das prächtige Standbild vor den freudestrahlenden Blicken der unten Versammelten. In der ruhigen Klarheit seiner Haltung, in der einfachen Größe seiner Formen brachte es auf diesem vorzüglich geeigneten Platze eine mächtige Wirkung hervor. Das colossale Standbild, welches noch jetzt auf dem Römerberg steht und vorläufig daselbst verbleiben wird, ist von Herrn Bildhauer Dielmann in äußerst kurzer Zeit modellirt und in Gyps gegossen worden. Es ist 120 Centner schwer, hat eine Höhe von 16 Fuß und steht auf einem Postament, das vom Boden aus 20 Fuß hoch ist. Schon aus weiter Ferne sieht man es in den Lüften thronen. Es befindet sich ebenfalls unter unsern Lithographien. […].

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[…] Um halb sieben Uhr wurden die großen Transparentgemälde auf der Zeil enthüllt. Sie waren in einem achtzig Fuß hohen und hundert Fuß langen, in geschmackvoll und großartig gehaltenen Formen von Herrn Architekt Burnitz ausgeführten Bretterhaus aufgestellt. Dieser Transparentenbau, einer römischen Ehrenpforte ähnlich, ist in unsern Lithographien abgebildet. Die vier Figuren, welche den Fries zieren, waren von Herrn v. Nordheim ausgeführte Gypsfiguren, die Muse der Tragödie, des Schauspiels und der lyrischen Dichtungsarten darstellend. Ein wahres Lichtmeer strömte aus diesem colossalen, von der Ferne aus wie ein Leuchtthurm in die Nacht hineinstrahlenden Bau, als die inneren Flammen angezündet waren und ihn zugleich ein Kranz von tausenden, sich an seinen Säulen hinaufwindenden Lichtchen umfloß.

Der Transparent, der den mittleren großen Bogen von 25 Fuß in der Höhe und 16 Fuß in der Breite ausfüllte, entstammte in seiner Conception und Composition Herrn Maler Müller, die Ausführung dagegen war von Herrn Hausmann. Das Gemälde faßte Schiller in dem ganzen Umfang seiner nationalen Bedeutung auf und repräsentirte die Huldigung, die das deutsche Land und das deutsche Volk in seiner Gesammtheit dem deutschen Dichter darbringen. Germania selbst reichte ihrem Liebling, den seine Muse ihr zuführte, den Kranz. Im unteren Theil des Gemäldes gruppirten sich verschiedene deutsche Volksstämme, welche im Aufblick zu dem Sänger nationalen Wesens und deutschen Volksthums sich zu einem eng verbundenen Ganzen ordneten. Die verschiedenen Stände, Lebens- und Berufskreise, die verschiedenen Altersclassen, welche dem Dichter huldigen, waren in einzelnen Vertretern angedeutet.

Der Transparent zur Linken faßte Schiller in der ersten Entfaltung seines Genius, im Werden seiner Kraft auf und wählte zu diesem Zweck Figuren aus den Räubern: Karl und Amalie, Franz Moor und den alten Moor. Ueber dem Ganzen war in einer idealen Gestalt der Gedanke der ersten Jugendschöpfung des Dichters, die ungestüme, unaufhaltsam weiter drängende Freiheitssehnsucht der Jugend, die Personificirung von Sturm und Drang, ausgedrückt. Idee und Ausführung waren ebenfalls von Herrn Müller.

Zur Rechten stellte sich uns in dem Wallenstein und in dem Tell die Vollendung und der Höhepunkt des künstlerischen und nationalen Wirkens Schiller’s dar. In der tragischen Muse, welche andächtig den Worten der Geschichte lauscht, die ihr aus dem aufgeschlagenen Buch der Vergangenheit vorliest, ward auf die höchste, poetische Bedeutung dieser geläuterten Periode des Schaffens hingewiesen. Dieser Transparent war von Herrn Lindenschmitt componirt und ausgeführt.

Im Fries hatten die beiden Ecktransparente von Herrn Rumbler und Herrn Beer im Don Carlos und der Jungfrau von Orleans noch den dramatischen Wirkungskreis Schiller’s zum Vorwurf, während der mittlere, von Herrn Winterwerb ausgeführte, sich mit den bedeutendsten Gedichten aus den verschiedenen Perioden beschäftigte. Zu diesem Zweck waren Figuren gewählt aus den Dichtungen: der Jüngling am Bache, die Bürgschaft, die Glocke, der Gang nach dem Eisenhammer, der Kampf mit dem Drachen, die Kindesmörderin und das Mädchen aus der Fremde. So entrollte sich uns das ganze Bild der rein poetischen, dramatischen und historischen Wirksamkeit Schiller’s, die in der nationalen Huldigung ihren Abschluß fand.

Kaum waren die Transparente enthüllt und von Tausenden von Zuschauern umgeben, als sich auch schon gegen 7 Uhr der große Fackelzug durch die Hauptstraßen der Stadt in Bewegung setzte. […]

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Victor Müller: Krönung Schillers,
Entwurf zum Mittelfeld des Schillertransparents, 1859,
Frankfurt am Main, Städel

"In der unteren Zone sind Männer, Frauen und Kinder versammelt, dem Dichter zu huldigen. Jubelnd erheben sie ihre Hände. In der rechten Ecke [...] stehen zwei Männer, die sich zum Bunde die Hände reichen und den Blick aufwärts wenden zu Schiller, der gerade den Lorbeerkranz empfängt. Neben dieser Gruppe erscheint eine Frau, die von links herbeieilt und ein kleines Kind an der Hand führt. Ein großer Bogen leitet von ihr über die Gestalt Schillers aufwärts zu der Hand Germanias".

Evelyn Lehmann: Victor Müller (1830-1871). Phil. Diss. Frankfurt am Main 1972. Darin: Das Schillerfest in Frankfurt am Main, S. 133-140; Karton S. 139, Zitat S.138.

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siehe die Stuttgarter Schillertage 1905
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