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Inge Nunnenmacher

Wilhelm Hauff
und sein Roman Lichtenstein

Folge II

Ein Märchenschloss wird Wirklichkeit

Eingestellt: Juli 2013
Stand: Januar 2014

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Gliederung

I. Die Verortung des Romans
II. Die Vorgängerbauten des Schlosses Lichtenstein
III. Das neue Schloss Lichtenstein
1. Der Bauherr Graf Wilhelm von Württemberg
2. Der Kauf von Lichtenstein
3. Die Architekten
4. Der Bau
5. Die Innenräume des Kernschlosses
6. Das Hauff-Denkmal beim Lichtenstein
7. Gäste auf dem Lichtenstein: Justinus Kerner
IV. Literatur
V. Rechtlicher Hinweis und Kontaktanschrift

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Schloss Lichtenstein mit Honauertal, Gebr. Metz, Tübingen

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Schloss Lichtenstein, 817 m ü. M. mit Honauertal. Adressseite: Gebr. Metz, Tübingen. Im Briefmarkenfeld: 553 48 UA, Nicht gelaufen.

Der Vierzeiler neben dem Hauff-Porträt steht als Motto über Kapitel II,7 des Lichtenstein-Romans und ist die erste Strophe des Gedichts Schloß Lichtenstein von Gustav Schwab (s.u.).

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I. Die Verortung des Romans

Als Wilhelm Hauff 1826 seinen ersten (und einzigen) Geschichtsroman veröffentlichte, gab er ihm den Titel „Lichtenstein“. Dies ist der Name einer Burg auf steilem Fels hoch über dem Echaztal bei Honau (nahe Reutlingen).

Für den fiktiven Helden des Hauffschen Romans ist dieser Lichtenstein ein Sehnsuchtsort: Dort findet der junge Ritter Georg von Sturmfeder schließlich sein Lebensglück, nachdem er als Gefolgsmann Herzog Ulrichs das Jahr 1519, das Krisenjahr württembergischer Geschichte, durchlebt und überstanden hat.

In Württemberg galt der Lichtenstein als ein besonderer Ort der Landesgeschichte. Das gründete sich auf eine Sage um den württembergischen Herzog Ulrich (1487 – 1550), eine Sage, die Hauff kannte und die ihn inspirierte. Im Roman nennt er als eine seiner Quellen die Annales Suevici des Martin Crusius von 1596 (Anmerkung 31, Reclam S. 410). Dort heißt es, der vertriebene Herzog Ulrich habe 1519 auf Schloss Lichtenstein des Öfteren heimlich Schutz vor seinen Verfolgern gefunden. Da lag es für Hauff nahe, diesem Lichtenstein in seinem Roman um den württembergischen Herzog eine zentrale Bedeutung zu geben.

Zudem garantierte diese Verortung dem Roman von Anfang an eine gewisse Aufmerksamkeit bei württembergischen Lesern: Seit etwa 1800 war das Schlösschen Lichtenstein zu einem beliebten Ausflugsziel geworden.

Hauff selbst hat den Lichtenstein wohl schon während seiner Tübinger Studentenzeit besucht. Jedenfalls kannte er dessen reizvolle exponierte Lage aus eigener Anschauung. Und er kannte auch Gustav Schwabs Geschichtsromanze Schloß Lichtenstein, worin dieser die Gründungssage des Lichtenstein und die bereits erwähnte Ulrichssage ausgestaltet hat. Die erste und die zehnte Strophe dieses Schwab-Gedichts stellte Hauff zweien seiner Romankapitel als Motto voran (Reclam S. 204 und 236).

Gustav Schwab
Schloß Lichtenstein
(1816)

In einem tiefen grünen Thal
Steigt auf ein Fels, als wie ein Strahl,
Drauf schaut das Schlößlein Lichtenstein
Vergnüglich in die Welt hinein.

In dieser abgeschiednen Au
Da baut‘ es eine Ritterfrau,
Sie war der Welt und Menschen satt,
Auf den Bergen sucht sie eine Stadt.

Den Fels umklammert des Schlosses Grund,
Zu jeder Seite gähnt ein Schlund,
Die Treppen müssen, die Wände von Stein,
Die Böden ausgegossen sein.

So kann es trotzen Wetter und Sturm,
Die Frau wohnt sicher auf ihrem Turm.
Sie schauet tief ins Thal hinab,
Auf die Dörfer und Felder, wie ins Grab.

„Die blaue Luft, der Sonnenschein,“
Spricht sie, „der Wälder Klang ist mein,
Eine Feindin bin ich aller Welt,
Zu Gottes Freundin doch bestellt.“

Mit diesem Spruch sie lebt‘ und starb,
Davon das Schloß sich Ruhm erwarb,
Seit wohnte drauf manch ein Menschenfeind
Und ward in der Höhe Gottes Freund.

Und als vergangen hundert Jahr,
Ein Menschenfeind auch droben war,
Lang hatt‘ er an keinen Menschen gedacht,
Da pocht‘ es einsmals an zu Nacht.

„Es ist ein einzger vertriebner Mann,
Der Welt Feind wohl er sich nennen kann,
Herr Ulrich ist’s von Württemberg,
Zu Gaste will er auf diesen Berg.“

Der andre hat ihm aufgemacht,
Er nimmt des Fürsten wohl in acht;
Er zeiget ihm das finstre Thal,
Das weit sich dehnt im Mondenstrahl.

Der Herzog schaut hinunter lang,
Er spricht mit einem Seufzer bang:
„Wie fern, ach! von mir abgewandt,
Wie tief, wie tief liegst du, mein Land!“
„Auf meiner Burg, Herr Herzog, ja!
Ist Erde fern, doch Himmel nah;
Wer schaut hinauf und wohnt nicht gern
Im Himmelreich von Mond und Stern?“

Da hebt der Herzog seinen Blick
Und sieht nicht wieder aufs Land zurück;
Von Nacht zu Nacht wird er nicht satt,
Bis er es wohl verstanden hat.

Und als nach manchem schweren Jahr
Er wieder Herr vom Lande war,
Da hat er alles wohl bestellt
Und hieß ein Freund von Gott und Welt.

Wie hat er erworben solche Gunst?
Wo hat er erlernet solche Kunst?
In des Himmels Buch, auf Lichtenstein,
Da hat er’s gelesen im Sternenschein.
                             *
Das Schloß zerfiel, es ward daraus
Ein leichtgezimmert Försterhaus;
Doch schonet sein der Winde Stoß,
Meint, es sei noch das alte Schloß.

Und einsam ist es jetzt nicht mehr,
Es kommt der Gäste fröhlich Heer,
Aus einer Höhle kommen sie,
Doch Menschenfeinde sind es nie.

Manch holdes Mädchenangesicht
Läßt leuchten seiner Augen Licht,
Da führt mit Recht in solchem Schein
Das Schloß den Namen Lichtenstein.

Die Männer stolz, die Mägdlein frisch,
Sie sitzen alle um Einen Tisch;
Die Erde lächelt herauf so hold,
Es strahlt am Himmel der Sonne Gold.

Sie spenden von des Weines Tau
Dem Herzog und der Edelfrau,
Sie bitten sie, dies Schlößlein gut
Zu nehmen in ihre fromme Hut.

Und  ziehn sie ab, mit einer Brust
Voll Gotteslieb‘ und Menschenlust,
Dann steht im späten Sternenschein
Einsam und selig der Lichtenstein.

Vorlage:
Gustav Schwabs Gedichte. Hrg. von Gotthold Klee. Gütersloh 1882, S. 206 ff.

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II. Die Vorgängerbauten des Schlosses Lichtenstein

Im Epilog des Romans Lichtenstein führt Hauff den zeitgenössischen Leser in die eigene Gegenwart und meint in Anlehnung an Gustav Schwabs Gedicht: „Auch Lichtensteins alte Feste ist längst zerfallen, und auf den Grundmauern erhebt sich ein freundliches Jägerhaus“ (Reclam S. 405).

Lichtenstein, Baugeschichte, Photographischer Verlag P. Sinner, Tübingen

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Die Zweizeiler unter den drei Bildern sind Teile eines Gedichts, das der Erbauer des neuen Lichtenstein, Graf Wilhelm von Württemberg, verfasste. P. Sinner, Photogr. Verlag, Tübingen. 1906. No. 209. Beschrieben, aber nicht gelaufen.

Die „alte Feste“, wie sie auf der rechten Seite der Postkarte abgebildet ist, wurde 1802 abgerissen. Hauff hat sie also nicht mehr gekannt.

Der spätmittelalterliche Bau war um 1390 an heutiger Stelle errichtet worden, nachdem die alte Lichtensteiner Burg im 14. Jh. zwei Mal zerstört und zuletzt nicht wieder aufgebaut worden war. Mauerreste dieses alten Lichtenstein aus dem frühen 12. Jh. finden sich noch heute etwa 500 Meter südöstlich der neuen Burg.

1389 war Lichtenstein an das Haus Württemberg gefallen. Die neue Burg hoch über dem Echaztal galt als sehr wehrhaft, wurde bis ins späte 16. Jahrhundert als fürstliches Jagdschloss genutzt. Sie verfiel jedoch im 18. Jahrhundert immer mehr und wurde nur noch vom herzoglichen Forstknecht bewohnt.

Durch einen Brand war das Gebäude vollends baufällig geworden. 1802 ließ Herzog Friedrich von Württemberg deshalb den oberen Teil der Burg abtragen. Auf den spätmittelalterlichen Mauern wurde ein Fachwerkbau errichtet, der als Sitz des Revierförsters und nun auch wieder als herzogliches Jagdschloss diente. Denn die Lichtensteiner Jagd zählte zu den besten Revieren Württembergs. Das neue Forsthaus nahm oft Gäste auf, nicht nur fürstliche,  – sowohl Schwab als auch Hauff wissen davon zu berichten (s.o.). Zusammen mit der seit 1803 beleuchteten Nebelhöhle wurde der Lichtenstein zum vielbesuchten Ausflugsort, ganz besonders an Pfingsten.

Das Bild auf der linken Seite der Postkarte (1802 – 1838) zeigt also den baulichen Zustand des Lichtenstein zu Lebzeiten Wilhelm Hauffs: „das freundliche Jägerhaus“, wie er den Fachwerkbau in seinem 1826 erschienenen Roman nennt.

Sicherlich war es nicht das Gebäude selbst, das Besucher so zahlreich anzog. Denn es entsprach mit seinem Krüppelwalmdach und der schlichten Form vielen Pfarr- und Forsthäusern, wie sie in Württemberg seit Mitte des 18. Jahrhunderts gebaut wurden. Der weite Blick hinaus ins Land vom steil aufragenden Felsen aus - das faszinierte die Besucher. Und Wilhelm Hauff  inspirierte diese Lage des geschichtsträchtigen Ortes, sein Romanschloss genau auf diesem schroffen Steine zu errichten:

Wie das Nest eines Vogels auf die höchsten Wipfel einer Eiche oder auf die kühnsten Zinnen eines Turmes gebaut, hing das Schlößchen auf dem Felsen. Es konnte oben keinen sehr großen Raum haben, denn außer einem Turm sah man nur eine befestigte Wohnung, aber die vielen Schießscharten im unteren Teil des Gebäudes, und mehrere weite Öffnungen, aus denen die Mündungen von schwerem Geschütz hervorragten, zeigten, daß es wohlverwahrt und trotz seines kleinen Raumes eine nicht zu verachtende Feste sei; und wenn ihm die vielen hellen Fenster des oberen Stockes ein freies, luftiges Ansehen verliehen, so zeigten doch die ungeheuren Grundmauern und Strebepfeiler, die mit dem Felsen verwachsen schienen, und durch Zeit und Ungewitter beinahe dieselbe braungraue Farbe, wie die Steinmasse, worauf sie ruhten, angenommen hatten, daß es auf festem Grunde wurzle, und weder vor der Gewalt der Elemente noch dem Sturm der Menschen erzittern werde. Eine schöne Aussicht bot sich schon hier dem überraschten Auge dar, und eine noch herrlichere, freiere, ließ die hohe Zinne des Wartturms und die lange Fensterreihe des Hauses ahnen.“ (Reclam S. 211 f.)

Hauffs Schilderung ‚seines‘ Schlösschens im Roman Lichtenstein scheint dem mittleren Bild der Postkarte, dem dort abgebildeten, spätmittelalterlich anmutenden Lichtenstein von 1840  sehr nahe zu kommen.

Dieses neue Schloss Lichtenstein ließ Graf Wilhelm von Württemberg 13 Jahre nach Hauffs Tod errichten – und dessen Romanschloss diente als ‚Vorlage‘.

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III. Das neue Schloss Lichtenstein

1. Der Bauherr Graf Wilhelm von Württemberg (1810 – 1869)

Graf Wilhelm als Artillerieoffizier im Alter von 25 Jahren, Gemälde von Franz Seraph Stirnbrand im Rittersaal des Lichtenstein

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Graf Wilhelm als Artillerieoffizier im Alter von 25 Jahren.
Das Gemälde von Franz Seraph Stirnbrand hängt im Rittersaal des Lichtenstein.

Graf Wilhelm von Württemberg, 1810 in Stuttgart geboren, war ein Vetter des württembergischen Königs Wilhelm I. Für ihn wie auch für seinen älteren Bruder Alexander galt eine militärische Laufbahn als standesgemäß. Mit 18 Jahren begann Wilhelm seine Karriere im württembergischen Heer; den Höhepunkt dieser Karriere markierte die Ernennung zum Gouverneur der Ulmer Bundesfestung im Jahr 1857.

Der Graf war ein leidenschaftlicher Sammler von Gemälden und Skulpturen, Wappen und Gläsern, Rüstungen, Uniformen und Waffen. Er hatte ein ausgeprägtes Interesse für Festungsbau und Geschütztechnik. Die Tätigkeit im württembergischen Militär ließ dem universell gebildeten Grafen offensichtlich auch noch viel Zeit für seine Sammelleidenschaft und seine zahlreichen anderen Interessen: Er verfasste Schauspiele und Gedichte, damit seinem Dichter-Bruder Alexander (1801 – 1844) sehr ähnlich. Wilhelm  publizierte Aufsätze zu politischen, verschiedenen historischen, kunsthistorischen, aber auch naturwissenschaftlichen Themen und erhielt dafür 1845 von der Tübinger Universität den Doktor der Philosophie ehrenhalber verliehen.

Besonders ausgeprägt war sein Interesse an Zeugnissen vaterländischer, d.h. württembergischer Geschichte und Landschaft. Er gehörte nicht nur zu den Gründern des Württembergischen Altertumsvereins (1843) und des Vereins für vaterländische Naturkunde (1844), sondern war auch jahrelang Vorsitzender bzw. aktives Mitglied dieser Vereine.

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2. Der Kauf von Lichtenstein

1837 hatte Graf Wilhelm verschiedene Burgruinen in Württemberg sondieren lassen, um eine davon zum standesgemäßen Stammsitz und sicheren Aufbewahrungsort für seine diversen Sammlungen auszubauen. Die Burgruine Hohenneuffen z.B. wurde als zu groß und damit zu kostspielig verworfen.

Schließlich erschien der Lichtenstein als das geeignetste Objekt: Durch seine Lage auf dem Felsen hatte es eine überschaubare Größe. Das steinerne Erdgeschoss der alten Burg war in einen Neubau zu integrieren. In der Nähe gab es nicht nur eine Ziegelbrennerei, sondern auch, wie der Graf in einem Brief schrieb, genügend „wohlfeile Arbeiter“. Und nicht zuletzt: Für den Lichtenstein sprachen auch seine Bedeutung für die württembergische Geschichte und dessen Popularisierung durch Wilhelm Hauffs Roman.

Günstig war auch, dass die Gebäudeunterhaltung des „freundlichen Jägerhauses“ das württembergische Finanzministerium zu der Zeit gerade teuer zu stehen kam. König Wilhelm genehmigte deshalb den Verkauf an seinen Vetter Wilhelm. Am 25. 8. 1838 wechselte der Lichtenstein samt den dazugehörenden Grundstücken für 7 553 Gulden und 58 Kreuzer seinen Besitzer. Zum Vergleich: Das neu zu errichtende Forsthaus kostete den württembergischen Staat 10 192 Gulden. (Bidlingmaier, S. 121 und 132)

Der Graf musste sich vertraglich verpflichten „auch künftig mit Bereitwilligkeit anständigen Besuchern“ den Zugang zum neuen Schloss zu gestatten. Das zeigt, wie sehr der Lichtenstein bereits als Touristenattraktion etabliert war.

Graf Wilhelm von Württemberg hatte von Anfang an die Absicht, den neuen Lichtenstein im Stil der Zeit Herzog Ulrichs zu erbauen. Damit folgte er nicht nur dem Roman Wilhelm Hauffs. Das entsprach auch seinem eigenen, romantisch geprägten Umgang mit Geschichte: Wer zukünftig Schloss Lichtenstein betreten würde, sollte das deutsche Mittelalter nacherleben können.

Mit seinem Schlossbau konnte er sich zudem in eine illustre Reihe einordnen: Der preußische Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm IV. ließ seit 1837 die ihm von Koblenz geschenkte Burgruine Stolzenfels am Rhein wieder auf- und ausbauen, - ein romantisches Gesamtkunstwerk aus Schloss, Gärten und Rheinlandschaft. 1832 hatte Kronprinz Maximilian von Bayern die Ruine Hohenschwangau erworben und sie bis 1837 im Stil der Neugotik umbauen lassen. Das sind zwei Beispiele unter vielen, die zeigen, wie sehr es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dem spätromantischen Zeitgeist entsprach, Bauten des Mittelalters zu erhalten bzw. zu restaurieren.

Hohenschwangau, Glasmalerei in einem Fenster des Hauptturms von Lichtenstein

In einem Fenster des Hauptturms von Lichtenstein ist bis heute diese Glasmalerei zu sehen. Hier ließ der Graf Hohenschwangau, das bayrische Vorbild seines Schlosses, verewigen.

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3. Die Architekten

Die ersten Schloss-Entwürfe, vom württembergischen Hofmaler Franz Seraph Stirnbrand (1788 – 1882) und dem Offizier und Maler Christian Wilhelm von Faber du Faur (1780 – 1857) noch vor Abschluss des Kaufvertrags angefertigt, verwarf der Bauherr.

1837 knüpfte er Kontakte zu Carl Alexander Heideloff (1789 – 1865).

Heideloff, in Stuttgart als Sohn des Theatermalers Victor Heideloff geboren, war in seinen jungen Jahren in verschiedenen württembergischen Schlössern selbst als Bühnenmaler und Dekorateur tätig, was auf seine spätere Art der Architekturdarstellung nicht ohne Einfluss blieb. Angeregt durch den Maler Johann Baptist Seele, beschäftigte er sich mit den Zeugnissen mittelalterlicher Architektur, fertigte auf Reisen durch Südwestdeutschland heute verlorene Skizzen an, die er später in seine Ornamentik des Mittelalters von 1838 aufnahm. Im zeittypischen Wettstreit von Klassizismus und Neugotik hatte er sich schon früh für die Neugotik entschieden.

Seit 1820 lebte Heideloff als Architekt und Denkmalpfleger in Nürnberg. Seine Restaurierungen von Bauten und Denkmälern sowie seine zahlreichen Veröffentlichungen begründeten seinen Ruf als Erneuerer altdeutscher Baukunst weit über Bayern hinaus.

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Tobias Falcke, Porträt von Carl Alexander Heideloff, um 1820

Tobias Falcke:
Porträt von Carl Alexander Heideloff (1789-1865),
Nürnberg um 1820

Vorlage:
Knop, Andrea: Carl Alexander Heideloff und sein romantisches Architekturprogramm. Monographie und Werkkatalog (Schriftenreihe des Stadtarchivs Nürnberg; 67) Nürnberg 2009, Abb. 1, S. 463. - Auch in: Marbacher Magazin 53 / 1990, S. 64.

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Heideloff war sofort begeistert von Graf Wilhelms Idee, ein Schloss im altdeutschen Stil zu errichten. Das zeigt sein Brief vom 24. November 1837 an den Grafen:

„Es gebührt Euer Erlaucht der unverwelkliche Kranz des Ruhms, auf vaterländischem Boden das erste und nachahmungswürdige Beispiel der Erhaltung des erhabenen Styls altdeutscher Baukunst, den ersten sprechenden Beweis der Achtung vor den Überresten einer kräftigen deutschen Vorzeit bekundet zu haben.
     Mir, dem Württemberger, der ich auf dem herrlichen Schloß Lichtenstein so viele schöne Tage meiner Jugend verlebte und aus dem wie im Adlernest auf dem kegelförmigen, scharfen Felsen des tief aufgerissenen Albthals so malerisch gelegenen Schlößchens meine Blicke wie hingezaubert in das wundervolle Thal heftete, welches zu den größten Schönheiten der Alb gehört, den ersten und bleibenden Eindruck in mir aufnahm, mir muß es besonders angenehm seyn, mit der Restauration dieses Bauwerkes von Euer Erlaucht betraut zu werden.“ (Bidlingmaier, S. 116)

Schon Anfang 1838 schickte Heideloff erste Entwürfe für die Außenarchitektur, wobei er z.T. historische Vorbilder verarbeitete, z.B. Erker und Altane Nürnberger Bürgerhäuser, oder aber eigene neugotische Bauten, so der Turm des Schlosses Landsberg bei Meiningen. Heideloff hatte nur eine ungefähre Vorstellung vom Bauplatz – sein letzter Lichtenstein-Besuch lag, wie er dem Grafen schrieb, 28 Jahre zurück. Außerdem würde er aufgrund seiner Verpflichtungen in Nürnberg, vor allem als Direktor der von ihm gegründeten Polytechnischen Schule, nicht häufig vor Ort sein können. Deshalb beauftragte Graf Wilhelm noch einen weiteren Architekten: Der aus dem nahe gelegenen Reutlingen stammende Bauinspektor Johann Georg Rupp (1797 – 1883) wurde gebeten, ebenfalls Pläne für den Wiederaufbau des Lichtenstein anzufertigen. Er sollte auch die Bauaufsicht vor Ort übernehmen. Rupp hatte sich durch die Restaurierung der Reutlinger Marienkirche sowie durch den Bau von Kirchen, Schulen, Fabriken und Privathäusern, z.T. im neugotischen, z.T. im klassizistischen Stil, einen Namen gemacht.

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Johann Georg Rupp (1797 – 1883), 1845 gemalt von Gottlob Johann Gutekunst

Johann Georg Rupp (1797-1883),
1845 gemalt von Gottlob Johann Gutekunst (1801-1858)

Quelle:
Werner Fleischhauer: Das Bildnis in Baden-Württemberg 1760 – 1860. Stuttgart 1939, S. 177.

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Aber auch der Bauherr selbst entwickelte eigene Vorstellungen, was die äußere und innere Gestaltung seines Schlosses betraf. Im Laufe des Jahres 1838 und noch bis zum Frühjahr 1840, als schon seit einem Jahr gebaut wurde, gingen die verschiedenen Pläne zwischen Heideloff und Rupp hin und her, wurden verändert oder es wurden die Änderungswünsche des Grafen eingearbeitet. So kann man sagen, dass Heideloff sicher hauptverantwortlich für die gesamte Gestaltung des Lichtenstein war. Doch auch Rupp und Graf Wilhelm leisteten  einen wesentlichen Beitrag.

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4. Der Bau

Schloss Lichtenstein, Franckh-Verlag Stuttgart

Schloss Lichtenstein und Forsthaus, Künstler-Karte Wiro

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Oben: Schloss Lichtenstein (817 m ü. M.). Kosmos. Adressseite: Franck-Verlag Stuttgart. Gelaufen. Poststempel unleserlich.
Unten: Wiro. Adressseite: Schloss Lichtenstein und Forsthaus. Künstler-Karte "Wiro" Lichtenstein Nr. 2673 A. C. F. Wiedemann, Hofl., Roda S.-A. Nicht gelaufen.

Jeweils rechts im Bild das neue Försterhaus.

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Im Mai 1839 begannen die Bauarbeiten für das notwendig gewordene neue staatliche  Forsthaus. Es wurde nördlich des Lichtenstein im Wald errichtet und konnte schon ein Jahr später bezogen werden. Bis 1898 diente es als Sitz des württembergischen Revierförsters.

Die Außengestaltung auch dieses Gebäudes geht ganz wesentlich auf Heideloff zurück. Als er im März 1839 den Lichtenstein besuchte, war er von den Bauplänen, die er einsehen durfte, wenig begeistert: Ein Försterhaus in klassizistischem Stil würde nicht zum neuen Lichtenstein passen! Heideloffs Gegenentwurf, ein neugotisches Forsthaus mit Spitzbogen-Fenstern und Treppengiebel sowie einer Fassadenverkleidung aus Tuffsteinen, wurde vom württembergischen Finanzministerium trotz Kostensteigerung akzeptiert, der Bau so ausgeführt.

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Abbruch des Forsthauses am Lichtenstein

Abbruch des alten Forsthauses am Lichtenstein 1839

Quelle (seitenverkehrt):
Wikimedia Commons. Creative Commons-Lizenz

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Im Frühjahr 1839 begann man mit den Abbrucharbeiten am Lichtenstein. Teile des Erdgeschosses und des Vorwerks konnten in den Neubau einbezogen werden. Noch vorhandene Grundmauern eines mittelalterlichen Turms bildeten den Unterbau für den neuen sechsgeschossigen Turm.

Die Baufortschritte wurden in der Öffentlichkeit mit großem Interesse verfolgt. So berichtete z.B. die Schwäbische Chronik im Sommer 1840, aus dem „leichten Försterhause“ sei eine „stattliche Burg hervorgebrochen, die zum Theil ganz vollendet, zum Theil wenigstens in Umrissen erkennbar ist. – Ein stattlicher Ritterbau: verwegene Maurer, an Seilen gehalten, haben auch das letzte Fleckchen des schmalen Felsen überbaut, so konnte sich auf starken Fundamenten das Hauptgebäude, eine fast ganz neue Schöpfung, in die Luft erheben; aus den gothischen Fenstern des Saales, wo freilich alles noch wüste liegt, schweift der Blick ungehemmt über das waldreiche Gebirg und das bunte Thal; auf dem spizen Dach schweben über schwindelnden Abgründen die Ziegeldecker, und der gewaltige runde Thurm steigt immer höher empor, mit dem Vorsaze, nicht eher inne zu halten, als bis er den Blick auf die befirnten Alpen errungen hat.“ (Schwäbische Chronik, 22. August 1840, S. 913)

1841 war das Äußere der Gebäude fertiggestellt – trotz der kühnen Lage des Bauplatzes ohne einen einzigen Unfall.

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Schloss Lichtenstein, Ansicht der Talseite

Schloss Lichtenstein
Ansicht der Talseite

Vorlage:
Knop, Andrea: Carl Alexander Heideloff und sein romantisches Architekturprogramm. Monographie und Werkkatalog (Schriftenreihe des Stadtarchivs Nürnberg; 67) Nürnberg 2009, Kat.-Abb. 29..

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Schon jetzt zeigte sich deutlich, dass der gelernte Theatermaler Heideloff die einzelnen Gebäudeteile nicht nur höchst pittoresk auf dem Albfelsen angeordnet, sondern auch bewusst auf eine gute Fernwirkung hin konzipiert hatte: Blickt man vom Echaztal hoch zur Burg, so zeichnet sich deren Längsfassade als Silhouette scharf gegen den Himmel ab.

Doch eine Perspektive ist die von Heideloff auch so geplante Hauptschauseite des Lichtenstein bis heute: der Blick von Südosten.

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Die gemauerte Kanzel (im Vordergrund) ermöglicht den ‚richtigen‘ Blick auf den Lichtenstein von Südosten aus

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Die gemauerte Kanzel (im Vordergrund) ermöglicht den ‚richtigen‘ Blick auf den Lichtenstein von Südosten aus.

„Eine ummauerte Kanzel, vom Bau durch eine tiefe Schlucht getrennt, weist dem Anschauenden einen unverrückbaren Standort für die Betrachtung zu. Von hier aus läßt sich die nordöstliche Flanke des Palas in ihrer Tiefe übersehen, es präsentieren sich gesuchte Überschneidungen aller drei Giebel, und auch die fragile hölzerne Brücke ist in ganzer Länge sichtbar.(…) Dieser malerische Blickpunkt (…) bestimmt als Hauptansicht die gezeichneten und gemalten Veduten seit etwa 1840 ebenso wie die Stahlstiche oder die seit 1875 nachweisbaren, jedoch schon seit 1857 geplanten Photographien, die zur modernen Postkarte führten.“ (Dittscheid, S. 289 f.)

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Lichtenstein, Verlag Mettier, Stuttgart

Schloss Lichtenstein, Grundriss

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Oben: Lichtenstein. Adressseite: Verlag Mettier, Stuttgart. Im Briefmarkenfeld: Nr. 1024. Nicht gelaufen.
Unten: Schloss Lichtenstein. Grundriss. In: Andrea Knop, Carl Alexander Heideloff und sein romantisches Architekturprogramm. Monographie und Werkkatalog (Schriftenreihe des Stadtarchivs Nürnberg; 67) Nürnberg 2009, Kat.-Abb. 28.

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Bidlingmaier beschreibt die kulissenartige Staffelung der einzelnen Gebäudeteile, wenn man von diesem Standort aus auf das Kernschloss blickt:

„Der Palas setzt sich aus einem etwas schmäleren, zweigeschossigen Südostteil und dem nach Südwesten verbreiterten Nordwestteil mit drei Geschossen zusammen. Hinter dem Palas mit seinen Treppengiebeln, Erkern, Dachfenstern und dem hölzernen Glockentürmchen steigt der schlanke, zinnenbekrönte Turm auf. Sein unterer Teil mit einfachen spitzbogigen Fenstern bleibt dem Betrachter bewußt verborgen. Zu sehen sind nur die drei oberen Geschosse mit ihren abwechslungsreichen Fensterformen. Durch den Verputz hebt sich der Turm von dem mit Tuffsteinen verblendeten Palas ab, dessen Erdgeschoss mit seinen unregelmäßigen Quadersteinen noch Reste der mittelalterlichen Burganlage birgt. Die Fassaden des Schlosses werden durch einfache, doppelte und dreiteilige Spitzbogenfenster, durch Rechteckfenster, Rundbogen- und Rundfenster mit Sandsteingewänden gegliedert, wobei die Spitzbogenfenster teilweise mit Maßwerk besetzt sind. Blendbögen aus roten Ziegelsteinen, die an den beiden Giebeln, am Turm und an den Fenstern im zweiten Obergeschoss des Palas zu sehen sind, sorgen ebenso für eine Belebung des Äußeren wie das Ecktürmchen und die beiden Erker. (…)
Schloss Lichtenstein, Kunstanstalt Gebr. Metz, TübingenBesonders reizvoll wirkt auf den ankommenden Besucher der an eine Theaterkulisse erinnernde Eingangsbereich des Schlosses, wozu die Zugbrücke, das mit zwei Türmchen und mit dem württembergischen Wappen versehene Eingangsportal sowie ein Rundturm und zinnenbekrönte Mauern beitragen. Die hölzerne Zugbrücke bildet die einzige Verbindung zu dem auf steilem Fels errichteten Schloß.“ (Bidlingmaier,  S. 138 f)

Wie ein kolossaler Münsterturm steigt aus einem tiefen Albtal ein schöner Felsen, frei und kühn, empor. Weitab liegt alles feste Land, als hätte ihn ein Blitz von der Erde weggespalten, ein Erdbeben ihn losgetrennt, oder eine Wasserflut vor uralten Zeiten das weichere Erdreich ringsum von seinen festen Steinmassen abgespült. Selbst an der Seite von Südwest, wo er dem übrigen Gebirge sich nähert, klafft eine tiefe Spalte, hinlänglich weit, um auch den kühnsten Sprung einer Gemse unmöglich zu machen, doch nicht so breit, dass nicht die erfinderische Kunst des Menschen durch eine Brücke die getrennten Teile vereinigen konnte.“ (Wilhelm Hauff: Lichtenstein. Reclam S. 211)

(Postkarte: Schloss Lichtenstein. Gebr. Metz, Kunstanstalt, Tübingen. Gelaufen 1932.)

1840 begann der Innenausbau des Lichtenstein. Die einzelnen Räume wurden sehr prächtig mit Dekorationsmalereien und Bildern versehen. Auch dafür fertigte Heideloff Skizzen an, doch die Ausführung vor Ort überließ er zum großen Teil seinem Nürnberger Schüler und Mitarbeiter Georg Eberlein (1819 – 1884). Über ihn schrieb Heideloff an den Grafen Wilhelm: „Eberlein ist ein ganz geschickter Zeichner und hat den Burgengeschmack los, und so hoffe ich, Hochdieselben werden mit ihm zufrieden seyn.“ (Bidlingmaier, S. 140)

Zeitweise arbeiteten noch weitere Schüler Heideloffs auf dem Lichtenstein, so der Bildhauer Ernst Machold (1814 – 1879) und der Glasmaler Friedrich Pfort (1816 – 1868). Außerdem ließ Heideloff in Nürnberg Möbel, Öfen und Glasgemälde nach den Vorstellungen des Bauherrn anfertigen.

Am 27. Mai 1842 wurde das neue Schloss Lichtenstein eingeweiht. Graf Wilhelms Vetter, König Wilhelm I. von Württemberg, kam zusammen mit mehreren Mitgliedern seiner Familie eigens dazu angereist. Der königliche Gast trug sich als Erster in das Fremdenbuch ein. Darin sollten im Laufe der Zeit noch viele berühmte Gäste ihre Begeisterung über Schloss Lichtenstein dokumentieren.

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Schloss Lichtenstein, Verlag J. Schäfer, Reutlingen

Schloss Lichtenstein, Gebr. Metz, Tübingen

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Oben: Schloss Lichtenstein. Adressseite: J. Schäfer, Verlag, Reutlingen. Nr. 563. Nicht gelaufen.
Unten: Schloss Lichtenstein 817 m ü. M. Adressseite: Gebr. Metz, Tübingen. Im Briefmarkenfeld: 306/2 GK. Nicht gelaufen.

Auf der linken Seite beider Karten ist ein Teil der Befestigungsanlage von 1857 zu sehen, der Augustenturm als südöstliche Begrenzung des Areals.

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Die Burganlage des Lichtenstein umfasste schon 1842 neben dem Kernschloss noch weitere Gebäude: links und rechts neben dem Eingangstor den Fremdenbau und den Ritterbau mit Marstall, Remise und Küche. 1857 ließ Graf Wilhelm nach seinen Plänen das Ganze durch Bauinspektor Rupp und Baumeister Johann Gottlieb Strohbach aus Honau zu einer mittelalterlich anmutenden Festungsanlage ausbauen: Auf drei Seiten wurde der Burgbereich mit Mauer und Graben umgeben. In die Mauer eingefügt wurden Türme, die Graf Wilhelm nach seinen vier Töchtern aus der Ehe mit Theodolinde von Leuchtenberg (1814 – 1857) benannte.

Beim Bau der Außenwerke ging es dem Grafen vor allem darum, dass die Anlage ein malerisches Aussehen erhielt: Der Kalkbewurf der Mauern sollte altertümlich wirken, ebenso die z.T. funktionslosen Türmchen, die Erker und Fenster; Efeu, Sträucher und Bäume wurden gepflanzt. Wilhelm folgte dabei „einer Maxime Heideloffs – langweilig durfte das Äußere keinesfalls wirken“ (Dittscheid, S. 290). Damit wollte er auch einem neuen Medium genügen. Denn 1857 hatten sich Fotografen angekündigt, die von der Burganlage ein möglichst schönes und vollendet altertümliches Bild erhalten sollten. (Pfäfflin, S. 85 ff.)

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5. Die Innenräume des Kernschlosses

Im Erdgeschoss des Palas befinden sich die Waffenhalle mit diversen Ritterrüstungen und spätmittelalterlichen Waffen, die Theodolinden-Kapelle sowie die Trinkstube, auch Jäger- oder Hirschstube genannt.

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Schloss Lichtenstein, Trinkstube, Kunstanstalt Gebr. Metz, Tübingen

Trinkstube
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Schloß Lichtenstein 817 m ü. M., Trinkstube. Adressseite: Gebr. Metz, Kunstanstalt, Tübingen. 553/96 C E e. Nicht gelaufen.

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Decke und Wände in der Trinkstube sind holzgetäfelt. Trinkgefäße, alles Sammlerstücke des Grafen Wilhelm, stehen auf den Wandkonsolen und Tischen. Eine Holztreppe führt in eine Nische zu einer kleinen Rednertribüne, von der aus Toasts ausgebracht oder Jagdgeschichten erzählt werden konnten. Der umlaufende Deckenfries ist farbig bemalt mit Jagd- und Trinkszenen sowie Sinn- und Trinksprüchen verschiedenster Art. Auch die Fenster sind mit Glasbildern vielfarbig gestaltet. Wie überall im Schloss ist auch hier das Wappen Württembergs (drei schwarze Hirschstangen auf gelbem Grund) mehrfach angebracht: Das neue Schloss sollte sich schließlich in vielen Räumen als ein Denkmal württembergischer Geschichte präsentieren. Auf der rechten Seite der Trinkstube steht ein grüner altdeutscher Kachelofen, der von unten beheizt wird. Heute nicht mehr nachzulesen sind die Zeilen, die Justinus Kerner 1851 an einem - vermutlich feuchtfröhlichen - Januartag mit Bleistift an die Holzwand der Trinkstube schrieb:

Ich schreib hierher, habs nicht erdacht,
Herr Luther ists, der es gemacht,
wer nicht liebt Weib, Wein und Gesang,
der bleibt ein Narr ein Leben lang,
dem sei kein Glas gebracht.

Ich setz hinzu, wer hier voll Lust
Zu Thal schaut von der Höhe,
das Herz voll Lieb und Lieder voll,
dem sei das Glas kredenzt, dem soll
des Thurmes Fahne wehn.

Das erste Geschoss enthält neben Wappen- und Erkerzimmer die zwei wichtigen Gesellschaftsräume des Schlosses: das Königszimmer als eine Art württembergische Ahnengalerie und den großen Rittersaal, der als Festsaal diente.

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Schloss Lichtenstein, Rittersaal, Kunstanstalt Gebr. Metz, Tübingen

Rittersaal
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Schloss Lichtenstein, 817 m ü. M., Rittersaal. Adressseite: Gebr. Metz, Kunstanstalt, Tübingen. 553/94 D e E e. Nicht gelaufen.

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Der Rittersaal hat eine hohe Täfelung, z.T. gemalt, z.T. echt, in die zehn Medaillons mit berühmten schwäbischen Rittern des 13. bis 16. Jahrhunderts eingelegt sind. Einige aus Hauffs Roman Lichtenstein befinden sich darunter, z.B. Marx Stumpf von Schweinsberg. Selbst Hauffs Romanfigur, der Pfeifer von Hardt, ist auf einem Erkerpfeiler zu sehen, wie er furchterregend seine Streitaxt schwingt.

Fensternischen und Decke des Rittersaals sind prachtvoll ausgestaltet, Ruhebänke und Stühle mit rotem, goldbordiertem Plüsch bezogen. Über dem großen Ofen (er existiert heute nicht mehr) mit der Marmorbüste des Bauherrn befindet sich eine Galerie, verborgen hinter zwei vergoldeten Gittern. Von dieser Galerie aus konnten die Gäste von Musikern unterhalten werden.

Über den Saaltüren und in den Spitzbogenfenstern befinden sich die gemalten Wappen Württemberg und Leuchtenberg – als Hinweis auf die Vereinigung der beiden Häuser.

Bis heute ist die ursprüngliche Einrichtung dieser Räume erhalten geblieben und nur wenig verändert worden.

Das zweite und dritte Obergeschoss waren den Gästen sowie dem Grafen und seiner bayrischen Gemahlin Theodolinde von Leuchtenberg vorbehalten.

In den Turmzimmern bewahrte der Graf seine verschiedenen Sammlungen auf, z.B. Erinnerungsstücke von seinen Reisen nach Afrika oder Gesichtsabdrücke und Büsten berühmter Männer (u.a. Cromwell, Napoleon). Im Turm befanden sich auch Wilhelms wissenschaftliche Kabinette mit mathematischen und physikalischen Instrumenten. Auf der Aussichtsplattform des Turms ließ er ein Observatorium mit den in seiner Zeit modernsten astronomischen Geräten installieren.

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Schloss Lichtenstein, gemalt von Hans Böttcher Stuttgart, Verlag J. Schäfer, Reutlingen

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Schloss Lichtenstein. Im Bild signiert: Hans Böttcher Stuttgart. Adressseite: Schloß Lichtenstein. J. Schäfer, Reutlingen. Nicht gelaufen. - Im Hintergrund rechts die Achalm.

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Besonders von dieser Plattform aus konnte jeder, dem der Zutritt gestattet wurde, das sehen und nachvollziehen, was schon Wilhelm Hauff in seinem Lichtenstein-Roman von 1826 beschrieben hatte:

Unter dem Felsen von Lichtenstein wohl dreihundert Klafter tief, breitet sich ein liebliches Tal aus, begrenzt von waldigen Höhen, durchschnitten von einem eilenden Waldbach, drei Dörfer liegen freundlich in der Tiefe; dem Auge, das in dieses Tal hinabsieht, ist es, als schaue es aus dem Himmel auf die Erde. Steigt das Auge vom tiefen Tale aufwärts an den waldigen Höhen, so begegnet es malerisch gruppierten Felsen und den Bergen der Alb, hinter dem Bergrücken steigt die Burg Achalm hervor, und begrenzt die Aussicht in der Nähe. Aber vorbei an den Mauern von Achalm, dringt rechts und links das Auge tiefer ins Land. Der Lichtenstein liegt den Wolken so nahe, daß er Württemberg überragt. Bis hinab ins tiefste Unterland können frei und ungehindert die Blicke streifen. Entzückend ist der Anblick, wenn die Morgensonne ihre schrägen Strahlen über Württemberg sendet. Da breiten sich diese herrlichen Gefilde wie ein bunter Teppich vor dem Auge aus; in dunklem Grün, in kräftigem Braun der Berge beginnt es, alle Farben und Schattierungen sind in diesem wundervollen Gewebe, das in lichtem Blau sich endlich mit der Morgenröte verschmilzt. Welche Ferne von Lichtenstein bis Asperg, und welches Land dazwischen! Es ist kein Flachland, keine Ebene; viele  Strömungen von Hügeln und Bergen ziehen sich hinauf und herunter, und von Hügeln zu Hügeln, welche breite Täler und Ströme in ihrem Schoße bergen, hüpft das Auge zu dem fernen Horizont.“ (Reclam S. 247 f.)

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6. Das Hauff-Denkmal beim Lichtenstein

Denkmal Wilhelm Hauff, Schloss Lichtenstein, Gebr. Metz, Tübingen

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Hauffdenkmal (Schloss Lichtenstein, 817 m ü. M.)
Adressseite: Gebr. Metz, Tübingen. 553/87 LA Bromsilber. Nicht gelaufen.

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Eduard Paulus
Hauff – Lichtenstein

In erster Dämmrung, wenn die Finken schlagen,
Welch lustig Wandern durch das Buchengrün,
Von oben winkt der Lichtenstein so kühn,
Als wie von Feenhand emporgetragen.

Im tiefen Thal beginnt es kaum zu tagen,
Da schon des Felsenschlosses Zinnen glühn,
Und weit umher des Himmels Wolken blühn,
Die eben noch in finstrer Gräue lagen.

Und dort am höchsten Riff steigt einsam auf,
Von Epheuzweigen liebevoll umschlungen,
Dein schlicht Erinnerungsmal, o Wilhelm Hauff,

Der du den Ort unsterblich schön besungen –
Schwermütig steigt es auf im Morgenrot,
Das dir geleuchtet in den frühen Tod. (1)

Erläuterung:
(1) Zitat aus Hauffs Gedicht Reiters Morgengesang: „Morgenrot, Morgenrot, leuchtest mir zum frühen Tod?“

Vorlage:
Paulus, Eduard: Gesammelte Dichtungen. Verlag Friedrich Frommann (E. Hauff), Stuttgart 1892, S. 111.

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Mit diesem Gedicht huldigte der Stuttgarter Kunsthistoriker, Landeskonservator und Schriftsteller Eduard Paulus (1837 – 1907) dem Dichter Wilhelm Hauff und dessen „Erinnerungsmal“, dem Hauff-Denkmal beim Lichtenstein.

Noch während am neuen Lichtenstein gebaut wurde, war dieses Denkmal aufgestellt worden. Die Allgemeine Zeitung meldete am 11. Oktober 1839 aus Reutlingen: „Ein naher Fels trägt bereits das einfache Denkmal des frühe verstorbenen Dichters W. Hauff, welcher durch seinen Roman Lichtenstein die Aufmerksamkeit des Publicums auf diesen in vieler Beziehung merkwürdigen Punkt aufgefrischt hat.“ (Pfäfflin, S. 82)

Dittscheid vermutet, dass die Idee für dieses Denkmal in unmittelbarer Nachbarschaft zur Burg auf Heideloff zurückgeht, der damit den Dichter „als den eigentlichen Erfinder der Burg ehren“ wollte. „Das von Heideloff entworfene Hauff-Denkmal integriert den literarischen Genius in die Naturkulisse. Hauff wird zum dauerhaften Betrachter der Szene, die er in Worten entworfen hat. Die Stele des Dichters ragt als Solitär nahe am Abgrund auf. Sie überträgt die Situierung der Burg auf die Skulptur. Das Denkmal soll die Burg und ihr Umfeld als möglichst authentisch im Sinne des Autors Hauff legitimieren.“ (Dittscheid, S. 279)

Der Betrachter kann, an Hauff vorbei, seinen Blick hinab ins Echaztal, in die Ferne zur Achalm und hinüber zum Traifelbergfelsen und über die Albhochfläche schweifen lassen, während Hauff zum Schloss ‚blickt‘. Allerdings ist sein Blick inzwischen durch die hoch gewachsenen Bäume verstellt. Hauff sieht ‚seinen‘ Lichtenstein allenfalls im Winter.

Denkmal Wilhelm Hauff, Büste des Bildhauers Theodor Wagner, Schloss Lichtenstein

Die Hauff-Büste des Denkmals wurde nach dem Modell des Stuttgarter Bildhauers Theodor Wagner (1800 – 1880) in Erz gegossen. Wagner hatte bei Dannecker in Stuttgart und bei Thorvaldsen in Rom studiert. Als er 1826 von dort zurückkehrte, lernte er Wilhelm Hauff kurz vor dessen Tod in Stuttgart noch persönlich kennen. Hauffs Tübinger Freunde, die „kleine Compagnie“, ließen deshalb 1827 von Wagner Hauffs Porträt modellieren. Jeder Freund erhielt einen Abguss. Diese Hauff-Büste begründete Wagners Ruf als guten Porträtbildner.

1926 wurde zum 100. Jahrestag des Romans

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1926 wurde zum 100. Jahrestag des Romans Lichtenstein  auf dem Sockel des Hauff-Denkmals ein Kranz angebracht mit der Inschrift: Das Edle bleibt der Nachwelt unverloren. Lichtenstein 1826 – 1926

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7. Gäste auf dem Lichtenstein: Justinus Kerner

Graf Wilhelm war mit vielen Dichtern seiner Zeit befreundet. Auf Schloss Lichtenstein waren sie willkommene Gäste, wie das Fremdenbuch belegt: Gustav Schwab, Ludwig Uhland, Justinus Kerner, um nur einige wenige zu nennen.

Justinus Kerner (1786 – 1862), ein guter und enger Freund der beiden Brüder Alexander und Wilhelm, Grafen von Württemberg, besuchte mehrmals den Lichtenstein. Er verewigte sich meist mit Gedichten im Fremdenbuch – und auch einmal an der Wand der Trinkstube (s.o.).
Bei seinem Lichtenstein-Aufenthalt im Jahr 1852 entstand dieses Gedicht, in dem er, der mit dem Erblinden kämpfende „Troubadour“, den besonderen Zauber des Lichtenstein zu fassen versuchte:

Justinus Kerner
Lichtenstein
An den Herrn Grafen Wilhelm von Württemberg (1852)

Es kam der alte Troubadour,
Bevor sein Auge decket Nacht,
Zu schauen endlich einmal nur
Auch deines Lichtensteines Pracht.

Und mit ihm kam Ottavio, (1)
Der Malerei kunstreicher Sohn,
Der blut’gen Tiberstadt entflohn,
Als Volkswut bot den Künsten Hohn.

In die Geschichten eingeweiht,
Die diesen Felsen wohlbewußt,
In deines Ahns romant’sche Zeit,
Wie malt ein Maler hier mit Lust

Ein Bild – wie auf dem Roß mit Macht
Einst Ulrich in die Fluten sprang
Und dann in stummer Felsen Nacht
Dem irren Wild sein Klaglied sang;

Ein Bild von jenem lichten Kind,
Das manchen Ritter hier entzückt,
Und wenn’s auch Dichterträume sind,
Der Dichter hat’s als wahr erblickt;

Ein Bild, wie, wann die Wolke bricht,
Die Burg erscheint in blauer Luft,
Als wie erbaut aus Mondenlicht
Zur Leuchte dieser Felsenkluft.
Fata Morgana scheint’s zu sein,
Ein Feenspiel, das wunderbar
Die Burg auf diesen Felsenstein
Gestellet, wie sie vormals war.

Doch, Maler! nicht kannst malen du,
Weckst Claude Lorrain du aus der Gruft,
Hier oben diese Himmelruh‘,
Den Zauber dieser reinen Luft.

Doch, Maler! malen kannst du nicht
Vom Tal der Glocken fromm Geläut,
Das Echo, das aus Felsen spricht,
Den Frieden der Waldeinsamkeit.

Ist krank ein Haupt, ist krank ein Herz,
Es heilt in dieser Höhe Ruh‘,
Der Himmel schließet hier dem Schmerz
Der Tiefe seine Tore zu.

O, daß ich dürfte singen nur
In dieser Erd- und Himmelspracht
Mein letztes Lied noch der Natur
Und sprechen froh: Es ist vollbracht!

Doch still von Tod! – der mich gebar,
Der Tag ist heut! Laß froh uns sein! –
Verleihet Gott mir noch ein Jahr,
Sing‘ ich noch mehr vom Lichtenstein.

Erläuterung:
(1) Ottavio d‘Albuzzi, ein junger Maler aus Rom. Von ihm stammt das Porträt von Justinus Kerner mit einer Maultrommel in der Hand.

Vorlage:
Kerner, Justinus: Werke. 6 Teile in 2 Bänden. Hildesheim, New York 1974. Band 1, S. 237 f.

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Schloss Lichtenstein im Mondlicht, gemalt von Hans Böttcher Stuttgart, Verlag J. Schäfer, Reutlingen

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Schloss Lichtenstein. Im Bild signiert: Hans Böttcher Stuttgart. Adressseite: Schloss Lichtenstein. Kunstkarte Nr. 3005. J. Schäfer, Reutlingen. Nicht gelaufen.

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IV. Literatur

Bidlingmaier, Rolf: Schloß Lichtenstein: die Baugeschichte eines romantischen Symbols. Reutlingen 1994.

Boeck, Urs: Karl Alexander Heideloff. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Bd. 48 (1958), S. 314 – 390.  URL: http://periodika.digitale-sammlungen.de/mvgn/Blatt_bsb00001013,00348.html

Dittscheid, Hans-Christoph: Erfindung als Erinnerung. Burg Lichtenstein zwischen Hauffs poetischer Fiktion und Heideloffs  künstlerischer Konkretisierung. In: Wilhelm Hauff oder Die Virtuosität der Einbildungskraft. Hrg. Ernst Osterkamp, Andrea Polaschegg und Erhard Schütz. Göttingen 2005, S. 263 – 322.

Hauff, Wilhelm: Lichtenstein. Reclam-Verlag, Stuttgart 1988.

Hild, Katherina und Nikola: Lichtenstein. Reutlingen 2000.

Knop, Andrea: Carl Alexander Heideloff und sein romantisches Architekturprogramm. Monographie und Werkkatalog (Schriftenreihe des Stadtarchivs Nürnberg; 67) Nürnberg 2009.

Ottersbach, Christian: Befestigte Schlossbauten im Deutschen Bund. Landesherrliche Repräsentation, adliges Selbstverständnis und die Angst der Monarchen vor der Revolution 1815 – 1866. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2007.

Pfäfflin, Friedrich: Wilhelm Hauff und der Lichtenstein. Marbacher Magazin 18/ 1981.

Dank für einige wertvolle Hinweise an Herrn Eberhard Etter, Schlossverwaltung Lichtenstein.

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Besuchen Sie auch die weiteren Seiten zu Hauffs Lichtenstein

Folge I
Biografie Hauffs | Inhalt des Romans | Und die "historische Wahrheit? | Der Pfeifer von Hardt, mit Illustrationen | Gustav Schwabs Der Hohlenstein in Schwaben und Hauffs Lichtenstein
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6633

Folge III
"Wer kennt nicht Wilhelm Hauff, den schwäbischen Walter Scott?
Wer hat nicht seinen Lichtenstein gelesen?" (Griesinger)
Ein Beitrag zur Rezeption von Hauffs "Lichtenstein"
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6715

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