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Inge Nunnenmacher

Wilhelm Hauff
und sein Roman „Lichtenstein“

Folge III
„Wer kennt nicht Wilhelm Hauff, den schwäbischen Walter Scott?
Wer hat nicht seinen Lichtenstein gelesen?“ (Griesinger)

Ein Beitrag zur Rezeption von Hauffs „Lichtenstein“

Eingestellt: Mai 2014

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Gliederung

Kapitel I
„Ein schönes, liebliches Kind von etwa sechzehn bis siebzehn Jahren.“
Das Bärbele aus Wilhelm Hauffs Roman „Lichtenstein“ als beliebtes Postkartenmotiv um 1900.

Kapitel II
Ein Feiertag in Schwaben: Der Lichtenstein und das Nebelhöhlenfest im 19. Jahrhundert.

Kapitel III
„… von Touristen und Besuchern aller Art sehr frequentiert.“
Der Lichtenstein als touristisches Gesamtpaket um 1900.

Kapitel IV
„Hie gut Württemberg allewege.“
Die Lichtensteinspiele in Honau 1901 – 1903.

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Bärbele aus Hauffs Lichtenstein. Druck und Verlag J. Junginger, Lithographische Kunstanstalt in Stuttgart

s' Bärbele vom Lichtenstein
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s' Bärbele von Lichtenstein. Druck & Verlag v. J. Junginger, Lith. Kunstanstalt, Stuttgart. Gesetzlich geschützt. No 4029. Gelaufen. Poststempel 1905. Adressseite ungeteilt. - Prägedruck.

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Kapitel I
„Ein schönes, liebliches Kind von etwa sechzehn bis siebzehn Jahren.“ Das Bärbele aus Wilhelm Hauffs Roman „Lichtenstein“ als beliebtes Postkartenmotiv um 1900.

In Hauffs Lichtenstein-Roman (1826) ist Georg von Sturmfeder die zentrale Figur. Seine Liebe zu Marie von Lichtenstein bestimmt über weite Teile das Romangeschehen. Doch weder das adlige Fräulein noch der junge Ritter scheint die Lieblingsfigur des Lesepublikums geworden zu sein, sondern „s’Bärbele“, die Tochter des Pfeifers von Hardt. Das lässt die Fülle an Bärbele-Postkarten vermuten, die seit den späten 1890er Jahren auf dem Postkartenmarkt vor allem den Besuchern von Schloss Lichtenstein zur Auswahl standen.

Eigentlich ist dieses Bärbele eine Nebenfigur, die nur in zwei Episoden des Romans eine Rolle spielt (siehe Lichtenstein Folge I):

Nachdem der Pfeifer den verwundeten Georg von Sturmfeder in sein Haus gebracht hat, pflegt ihn das Bärbele zusammen mit seiner Mutter wieder gesund. Den Genesenen drängt es zu Marie nach Burg Lichtenstein und die Pfeiferstochter geleitet ihn bis zum Städtchen Pfullingen:

„Georg traf seine Führerin auf dem bezeichneten Markstein sitzen. Sie sprang auf, als er herankam, und ging mit raschen Schritten neben ihm her. Das Mädchen kam ihm heute noch viel hübscher vor als gestern. Ihre Wangen hatte der frische Aprilmorgen mit hohem Rot bedeckt, und ihre Augen glänzten freundlich. Ihre Tracht eignete sich ganz gut zu einem weiten Marsch, denn das kurze Röckchen hinderte den Fuß nicht, flink auszuschreiten. Sie hatte ein Körbchen an den Arm gehängt, als wolle sie zu Markt in die Stadt gehen. Sie trug aber weder Gemüs noch Früchte darin, was sie wohl sonst in die Stadt zu bringen pflegte, sondern ein Regentuch, mit dem sie sich gegen die wechselnden Launen eines Apriltages versehen hatte.“ (Hauff, Reclam S. 156)

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s'Bärbele vom Lichtenstein. Gebr. Metz, Kunstanstalt Tübingens'Bärbele vom Lichtenstein. Graph. Kunst- u. Verlagsanstalt A. Weber & Co., Stuttgart

s' Bärbele vom Lichtenstein
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Links: s'Bärbele vom Lichtenstein. Adressseite, Signet: GMT. Gebr. Metz, Kunstanstalt Tübingen. 553/125 CePe Echt Bromsilber chamois Bütten. Stempel: Peter Weiß. Wirtschaft z. Forsthaus. Schloß Lichtenstein. Gelaufen. Poststempel unleserlich. - Fotomontage: Bärbele nach Foto. Bogen und Pflanzen gezeichnet.
Rechts: s'Bärbele vom Lichtenstein. Adressseite: Graph. Kunst- u. Verlagsanstalt A. Weber & Co., Stuttgart. Nr. 55205. Gelaufen. Poststempel 1926.

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Das Bärbele trägt auf dieser Wanderung wie auch in der zweiten Romanepisode einen Korb: Der Korb ist auf allen Postkarten sein charakteristisches Attribut.

Das zweite Mal begegnet uns das Mädchen beim Hochzeitsfest von Georg und Marie in Stuttgart. Als „arme Leut“ (Reclam S. 339) werden Bärbel und ihre Mutter zwar nicht in die Kirche gelassen. Aber es gelingt ihnen, beim Hochzeitsmahl bis zu den hohen Herrschaften vorzudringen. Das „hübsche Pfeiferskind“ (Reclam S. 351) darf der Braut ein Geschenk überreichen, das es in seinem Körbchen bei sich trägt.

An keiner Stelle des Romans wird gesagt, dass das Bärbele jemals auf Burg Lichtenstein gelebt oder diese auch nur betreten hat. Und dennoch wird es zum „Bärbele vom Lichtenstein“, als gehörten Schloss und Romanfigur untrennbar zueinander. Diesen Eindruck jedenfalls vermitteln die zahlreichen Postkarten um und nach 1900. Auf diesen wird „s’Bärbele vom Lichtenstein“ zur Repräsentantin von Hauffs Roman gemacht.
Die Bildgestaltung der folgenden Postkarte zeigt dies besonders deutlich:

Montage aus fünf Bildern zu Hauffs Lichtenstein. Gebr. Metz, Tübingen

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Schloss Lichtenstein. Montage von 5 Bildern. Mitte: Schloss Lichtenstein. s'Bärbele vom Lichtenstein. Oben links: 1400-1800, rechts: 1800-1838. Unten, links: Georg von Sturmfeder fordert Herzog Ulrich zum Kampf, rechts: Herzog Ulrich von Württemberg, der Verbannte, i. d. Nebelhöhle. Adressseite: Gebr. Metz, Tübingen. 553/182 COA Echt Bromsilber. Nicht gelaufen.

Dokumentieren links und rechts die beiden oberen Bilder die Baugeschichte des Schlosses Lichtenstein, so ist der untere Teil mit den beiden Roman-Szenen Hauffs „Lichtenstein“ zugeordnet. In der Mitte steht „s’Bärbele vom Lichtenstein“ vor der Kulisse wiederbelebter mittelalterlicher Architektur, vor dem neuen Schloss Lichtenstein. Ein Bärbele, das mit seiner selbstbewussten Haltung darauf hinzuweisen scheint, wo der Betrachter den ‚Ursprung‘ des 1839/42 gebauten Lichtenstein zu suchen hat: in Hauffs Roman. Dass also Literatur und Schlossbau – wie hier im Bild – aufeinander bezogen sind. Dabei muss Hauffs Name nicht einmal genannt werden: Wer um 1900 den Lichtenstein besuchte, dem war dieser Zusammenhang in der Regel bekannt.

Wie ist nun aber zu erklären, dass eine Nebenfigur zur Repräsentantin des Romans werden konnte? Repräsentantin übrigens bis heute: Bei diversen Feierlichkeiten rund um den Lichtenstein, so zuletzt im November 2013 bei der Wiedereröffnung des Hauff-Museums in Honau, ist fast immer ein „Bärbele“ mit von der Partie.

Schon die ersten Kritiker von Hauffs „Lichtenstein“ hoben die Bärbele-Passagen des Romans als besonders gelungen hervor. So schrieb z.B. Willibald Alexis 1826: „Am eigenthümlichsten und lebendigsten aber bleibt der Aufenthalt in dem Hause des Pfeifers von Hardt. Die Liebe der hübschen schwäbischen Bäuerin ist von weit höherem Interesse und größerer Wahrheit als die des Helden zur schönen Erbin von Lichtenstein.“

Wie das siebzehnjährige Bärbele an der Schwelle zum Erwachsenwerden eine erste zarte Liebe erlebt, an dieser Liebe – weil hoffnungslos – ein wenig leidet, das mögen viele als sehr berührend empfunden haben. Das Roman-Bärbele wirkt dabei immer authentisch; nicht nur, weil es (wie auch seine Mutter) schwäbischen Dialekt spricht. Es steht mit beiden Beinen im ‚richtigen Leben‘. Das zeigt sich zum Beispiel, als das Mädchen Maries Angebot, als ihre Zofe nach Lichtenstein zu kommen, mit den Worten ausschlägt: „I dank schö, gnädige Frau (…) aber i mueß daheim bleibe; d’Mueter wird alt und braucht me …“ (Reclam S. 350). Das Bärbele weiß, wo es als einfaches Bauernmädchen seinen Platz in der Gesellschaft hat. Georg formuliert es einmal so, „daß das Mädchen wohl einmal eine gute, tüchtige Hausfrau zu werden verspreche, und pries den jungen Burschen glücklich, der einst das Kleinod des Spielmannes von Hardt für sich gewinnen werde.“ (Reclam S. 156)

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s'Bärbele vom Lichtenstein. Verlag Carl Schönwalter, Cannstatts'Bärbele vom Lichtenstein. Graphische Kunst- und Verlagsanstalt A. Weber & Co. Stuttgart

s' Bärbele vom Lichtenstein
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Links: s'Bärbele vom Lichtenstein. Carl Schönwalter, Cannstatt. Gelaufen. Poststempel 1904. Adressseite ungeteilt. - Prägedruck.
Rechts: s'Bärbele vom Lichtenstein. Adressseite: Graph. Kunst- und Verlagsanstalt A. Weber & Co. Stuttgart. Nr. 31 393. Nicht gelaufen.

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Das „Kleinod“ ist nicht nur hübsch, schön (ein ihr im Übermaß beigefügtes Attribut), „hoch gewachsen und lieblich anzuschauen“ (Reclam S. 349), sondern auch munter und freundlich, gutherzig und hilfsbereit und, was im Roman besonders betont wird, „rein und unschuldig“ (Reclam S. 146, S. 350). Gut nachvollziehbar, dass das Bärbele so für viele zur Lieblingsfigur und Roman-Repräsentantin werden konnte.

Dies sicher auch deshalb, weil es sich hervorragend zum Inbegriff des liebreizenden Schwabenmädchens stilisieren ließ - und von der Postkartenindustrie auch so zusammen mit Schloss Lichtenstein vermarktet wurde. Keine der Romanfiguren, schon gar nicht der Franke Georg von Sturmfeder, eignete sich so gut dazu, schwäbische Identität zu stiften wie „s‘Bärbele“. Wird es doch im Roman mehrmals und ausdrücklich als echtes „Schwabenkind“ bezeichnet.

Zum „Schwäbischen“ des Bärbele gehört auch, dass es als Bauernmädchen eine Tracht trägt. Auch schon im Roman; dort wird diese Tracht genau beschrieben:

„Sie war in jene malerische Bauerntracht gekleidet, die sich teilweise bis auf unsere Tage in Schwaben erhalten hat. Ihr gelbes Haar war unbedeckt, und fiel in zwei langen, mit bunten Bändern durchflochtenen Zöpfen über den Rücken hinab (…) Weiße faltenreiche Ärmel bedeckten bis an die Hand den schönen Arm, ein rotes Mieder mit silbernen Ketten geschnürt, mit blendend weißen, zierlich genähten Linnen umgeben, schloß eng um den Leib; ein kurzes, schwarzes Röckchen fiel kaum bis über die Knie herunter; diese schmucken Sachen und dazu noch eine blanke Schürze und schneeweiße Zwickelstrümpfe mit schönen Kniebändern, wollten beinahe zu stattlich aussehen zu dem dürftigen Gemach, besonders da es Werktag war.“ (Reclam S. 135)

Die Postkarten-Künstler hielten sich im Allgemeinen an Hauffs Vorgaben – mit einer Ausnahme: Die Röcke sind auf den farbigen Postkarten immer rot, die Mieder schwarz. Manchmal fehlt die Schürze. Schuhe und Strümpfe trägt das Postkarten-Bärbele ganz selten; meist ist es trotz „Sonntagsstaat“ barfuß. Vielleicht sollte es dadurch „echt“ bäuerlich wirken.

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Bärbele aus Hauffs Lichtenstein. J. Junginger's Verlag StuttgartS'Bärbele vom Lichtenstein. Original-Eigentum Gebr. Metz, Tübingen

s' Bärbele vom Lichtenstein
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Links: s'Bärbele (aus Hauffs Lichtenstein). J. Junginger's Verlag Stuttgart. No 286a. Nachdruck verboten. Adressseite ungeteilt.
Rechts: S'Bärbele vom Lichtenstein. Adressseite: Original-Eigentum Gebr. Metz, Tübingen. Stempel: Forsthaus Lichtenstein. Gelaufen. Poststempel 1910. - Handkolorierte Fototypie.

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„‘s Bärbele“, ein trachtentragendes Bauernmädchen aus Schwaben – genau das machte die Romanfigur zu einem für die Postkartenproduktion um 1900 besonders geeigneten Bildmotiv. Postkarten mit Trachtenträgern erfreuten sich nämlich seit den 1870er Jahren zunehmender Beliebtheit, waren gesuchte Objekte bürgerlicher Sammelleidenschaft. Dieses Bildgenre bediente nostalgische Sehnsüchte des Stadtmenschen: Trachtenträger standen für Tradition in einer sich rasch verändernden Welt, für Ursprünglichkeit des Lebens und Naturverbundenheit.

Doch im Zuge der Industrialisierung hatte sich nicht nur das Leben der Städter gewandelt, auch die dörflichen Lebensverhältnisse waren tiefgreifend verändert worden. Schon Hauff spricht 1826 in der oben zitierten Textstelle davon, dass sich Bauerntrachten nur noch „teilweise“ bis in seine eigene Zeit erhalten haben. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die Volkstrachten in fast allen Landesteilen Württembergs aus dem Alltag verschwunden. Zeitgleich setzte eine Gegenbewegung ein: Trachten wurden - als eine besondere Form der Heimat- und Denkmalpflege - in Genrebildern und Fotografien (besonders durch den Tübinger Fotografen Paul Sinner (1838 – 1925)) festgehalten. Trachtenvereine entstanden, in denen man Trachten eigens anschaffte oder neu kreierte, um „einerseits dörfliche Eigenständigkeit zu demonstrieren, andererseits städtische Schaulust entweder bei regionalen Trachtenfesten oder städtischen Umzügen zu befriedigen“ (Hesse S. 206).

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Schwäbische Volkstrachten

Schwäbische Volkstrachten
vor dem Wirtshaus zum Lichtenstein

Blätter des Schwäbischen Albvereins, XV. Jg., Nr. 5, 1903
(Fotomontage von Paul Sinner)

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Ein großes Volkstrachtenfest mit Gruppen aus vielen württembergischen Landesteilen fand 1903 in Honau am Fuße des Lichtenstein statt (siehe Kap. IV). An sehr passendem Ort: Wollte doch die Volkstrachtenbewegung ebenso wie das Schloss Lichtenstein mit seiner historistischen Architektur längst Vergangenes erhalten, indem man es ‚wiederbelebte‘. Das sollte auch dazu beitragen, einen gemeinsamen württembergischen Kulturraum „Schwaben“ zu konstituieren.

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s'Bärbele vom Lichtenstein. Verlag H. Sting, TübingenBärbele aus Hauffs Lichtenstein. Franck-Verlag Stuttgart. Kosmos-Chronik-Karte

s' Bärbele vom Lichtenstein
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Links: s'Bärbele vom Lichtenstein. Adressseite: H. Sting, Tübingen. 50212. Stempel: Forsthaus Lichtenstein. Gelaufen. Poststempel unleserlich.
Rechts:Das Bärbele vom Schloß Lichtenstein, einer der volkstümlichsten Gestalten in dem bekannten Roman "Lichtenstein" von Wilhelm Hauff, war die Tochter des Pfeifers von Hardt. Sie pflegte den im Kampf verwundeten Junger Georg von Sturmfeder, der sich von seinen Wunden erholte, und wies ihm später den Weg zu seiner Geliebten auf die Burg Lichtenstein. Adressseite: Signet: Kosmos. Franck-Verlag Stuttgart-O. Nr. 12823-37h. Kosmos-Chronik-Karte ges. gesch. Im Briefmarkenfeld: Echte Fotografie. Nicht gelaufen.

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In diesen Kontext gehören die Bärbele-Postkarten. Was als „typisch schwäbisch“ zu gelten hatte, wurde nicht zuletzt auch durch die massenhaft verbreitete Postkarte definiert. Die meisten Bärbele-Postkarten vereinigen im Bild gleich mehrere Elemente schwäbischer Identität: Im Hintergrund das Schloss als Denkmal württembergischer Geschichte und vielbesuchte schwäbische Touristenattraktion, dazu die Schwäbische Alb an einer ihrer schönsten und schroffsten Stellen; in diese schwäbische Natur- und Kulturlandschaft hineingestellt das Bärbele in Tracht – das hübsche Schwabenmädchen aus dem einfachen Volk. Aber nicht nur das: das Bärbele als Figur aus dem sehr populären Geschichtsroman „Lichtenstein“ von Wilhelm Hauff ist natürlich auch die Repräsentantin schwäbischer Literatur.

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A. van Riesen, s' Bärbele aus Hauff's Lichtenstein. J. Kocher's Kunstverlag, Reutlingen. 1899

A. van Riesen, s' Bärbele aus Hauff's Lichtenstein. J. Kocher's Kunstverlag, Reutlingen. Druck von Louis Glaser, Leipzig

s' Bärbele vom Lichtenstein
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Oben: A. van Riesen, „s' Bärbele“. (Hauff's Lichtenstein.) Im Bild signiert: A. van Riesen 1895. J. Kocher's Kunstverlag, Reutlingen. 1899. 55. Gelaufen. Poststempel unleserlich. Adressseite ungeteilt. - Handkolorierte Fototypie.
Unten: A. van Riesen, „s' Bärbele“. (Hauff's Lichtenstein.) J. Kocher's Kunstverlag, Reutlingen. 55. Druck v. Louis Glaser, Leipzig. Gelaufen. Poststempel unleserlich. Adressseite ungeteilt. - Anderes Exemplar datiert 1902. Handkolorierte Fototypie.

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Sehr beliebt bei Lichtenstein-Besuchern war die Künstler-Postkarte A. van Riesens: das Bärbele allein inmitten regional nicht zuordenbarer Natur. Für die Beliebtheit dieser Karte mag die zeittypische Vorliebe für Trachtenbilder ausschlaggebend gewesen sein. Vielleicht aber auch die Tatsache, dass van Riesens Bärbele perfekt dem Klischee vom anmutigen Schwabenmädchen entsprach.

Das Bärbele wird auf dieser Postkarte explizit „Hauffs Lichtenstein“ zugeordnet. Was einen Roman-Kenner offensichtlich animierte, das, was dem Postkarten-Bärbele gerade durch den Kopf gehen mochte, in Reime zu fassen – auf Schwäbisch, natürlich.

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A. van Riesen, s' Bärbele aus Hauff's Lichtenstein. J. Kocher's Kunstverlag, Reutlingen

s' Bärbele vom Lichtenstein
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A. van Riesen, „s' Bärbele“. (Hauff's Lichtenstein.) Im Bild signiert: A. van Riesen 1895. J. Kocher's Kunstverlag, Reutlingen. 1898. 55. Nicht gelaufen. Adressseite ungeteilt.

Transkription:
„'s Bärbele“

1. ´S Bärbele lauft in d’Nebelhöhl
Dr Vatter ischt beim Herzog
Se denket oft se woiß au wohl
Der aischt[1] in ihra Haus zog .

* * *
2. Uffm Lichtastoi gang ems[2] nit guat
Wägem Schloßfräule kriagt er do Hendel[3]
Dr andr haut em uff da Huat
Und he sind Feader, Masch u. Bendel[4].

3. Doch ist dr Pfeiffer glei her komma
Der kennt dean junga hitzga Ma
Und hot an mit ge Hardt nei gnomma
Dr Fant ja nimma laufa ka.

4. S Pfeiffers Weib, dia hot an pflegat
Dr Reiter schloft se au bald gsund
Er Kopf u. alle Glider reget
Em Herz da steckt em no a Wund.

5. D Muater kochat schnell an Breia
S Bärbele ziahts nui Miadar[5] a
Und thuet se halt ganz grausig[6] fraia
Wias eine goht zum fremda Ma.
6. Se ischt zwar fürchtig krebsrot wora
Se macht an Knix u. grüaset fei
No stellt ems na des Muas vo Kora[7]
Und schenkt em au an Wei glei ei.

7. „Guat Appätit“, des woißt es no
Guckt gar it auf u. goht em Lauf
Dr Ritter aber sieht em no
Zuar Muatar in dia Kuchl naus.

8. „Voam guata Muas, do bringsch du jetzt
Dem Vatter au a Schüssel vohl“
D’Muatar ihr dorauf versetzt
‘S ischt no warm, drum lauf mer wohl.“

9.‘S  Bärbele thuet des Muas ens Krädle[8]
Und nimmt a Kopftuach au en d Hand
Barfüßig goht no glei des Maidle
Dem Ziel zua, wo dia Felsa stand.

10. Doch jeatzt bleibts Bärbele uff em Plätzle
Se singt nit, stoht no grad so na,
Se spielt u. zupft se lang am Lätzle.
Was Maidle no grad denka ma?

Erläuterungen:
1. vor kurzem, erst
2. ihm es
3. Streit
4. und hin sind Feder, Schleife und Band
5. neues Mieder
6. sehr
7. Mus aus Korn
8. Körbchen

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Literatur:
* Wilhelm Hauff: Lichtenstein. Reclams Universal-Bibliothek  Nr. 85, 1988.
* Wolfgang Hesse: „Die alte Volkstracht in unserem Fabrikzeitalter“. Der Tübinger Fotograf Paul Sinner. In: Schwäbische Heimat 40/3 (1989), S. 198 – 207.
* Carsten Kohlmann: Postkarten und Reiseandenken aus dem Schwabenland. In: Schwabenbilder. Zur Konstruktion eines Regionalcharakters. Begleitband zur Ausstellung „Schwabenbilder“ im Haspelturm des Tübinger Schlosses, 18. April bis 1. Juni 1997.

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Kapitel II
Ein Feiertag in Schwaben:
Der Lichtenstein und das Nebelhöhlenfest im 19. Jahrhundert.

Bis heute gehören die Höhlen der Schwäbischen Alb zu den bekannten und viel besuchten Sehenswürdigkeiten in Württemberg. Die Anfänge der touristischen Erschließung dieser schwäbischen Höhlen liegen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts; parallel dazu begann auch deren geologische Erforschung und Vermessung.

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Blick in die Nebelhöhle

Blick in die Nebelhöhle

Blick in die Nebelhöhle. Aus: Andenken an Lichtenstein und die Nebelhöhle. Eine freundliche Gabe für deren fröhlichen Besucher. Reutlingen. Buch- und Kunsthandlung Mäcken. 1834.

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Besonders früh wurde die Nebelhöhle, eine gute halbe Stunde Fußweg vom Lichtenstein entfernt, zum Besuchermagnet: 1803 hatte der württembergische Kurfürst und spätere König Friedrich I. die als „Nebelloch“ bekannte Tropfsteinhöhle mit seinem Besuch beehrt. Zum ersten Mal wurde sie dafür mit Fackeln und über 1000 Kerzen beleuchtet, durch eine Holztreppe hinab zum Höhleneingang, durch Brücken, Bretterwege und Geländer im Innern begehbar gemacht. Seinen Höhlenbesuch verband der hohe Herr mit einer kurzen Einkehr auf dem 1802 neu erbauten Forsthaus Lichtenstein (siehe Lichtenstein Folge II).

Dieser fürstliche Besuch – er sollte sich 1804 und 1806 noch einmal wiederholen – war der Startschuss für das bald jährlich stattfindende Nebelhöhlenfest: Immer am Pfingstmontag zog es eine stetig wachsende Zahl von Besuchern zur Nebelhöhle, die nur dann illuminiert wurde. Und nach dem Höhlenbesuch pilgerte man zum gastfreundlichen „Schlösslein“ Lichtenstein. Auf diese schon zu Wilhelm Hauffs Lebzeiten vorhandene Tradition verweist der Erzähler im Epilog des Lichtensteinromans:

„Es ist eine schöne Sitte, daß die Bewohner dieses Landes auch aus entfernteren Gegenden, um die Zeit des Pfingstfestes sich aufmachen, um Lichtenstein und die Höhle zu besuchen. Viele hundert schöne Schwabenkinder und holde Frauen, begleitet von Jünglingen und Männern ziehen herauf in diese Berge; sie steigen nieder in den Schoß der Erde, der an seinen kristallenen Wänden den Schein der Lichter tausendfach wiedergibt, sie füllen die Höhle mit Gesang, und lauschen auf ihr Echo, welches die murmelnden Bäche der Tiefe melodisch begleiten, sie bewundern die Werke der Natur, die sich auch ohne das milde Licht der Sonne, ohne das fröhliche Grün der Felder, so herrlich zeigt. Dann steigen sie herauf zum Lichte, und die Erde will ihnen noch schöner bedünken als zuvor; ihr Weg führt immer aufwärts zu den Höhen von Lichtenstein, und wenn dort die Männer im Kreise schöner Frauen, die Becher in der Hand, auf die weiten Fluren hinabschauen, wie sie bestrahlt von einer milden Sonne im lieblichsten Schmelz der Farben sich ausbreiten, dann preisen sie diese lichten Höhen, dann preisen sie ihr gesegnetes Vaterland.“ (Reclam, S. 405 f)

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Forsthaus Lichtenstein

Forsthaus Lichtenstein
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Forsthaus Lichtenstein, erbaut 1802. Aus: Andenken an Lichtenstein und die Nebelhöhle. Eine freundliche Gabe für deren fröhlichen Besucher. Reutlingen 1834.

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Hauff habe sich mit seinem Roman „glücklich angeschmiegt an die damals erst aufgekommene Nebelhöhle- und Lichtensteinverehrung“, findet 1895 ein begeisterter Leser. Hauff wusste eben sehr genau, womit man Menschen, speziell die Schwaben, zum Lesen verlockt. Denn natürlich steigerte es das Interesse am Buch, wenn man als Leser diese beiden Schauplätze des Romans, Lichtenstein und Nebelhöhle, aus eigener Anschauung kannte. Umgekehrt steigerte Hauffs „Lichtenstein“ nach 1826 die touristische Attraktivität der beiden Orte ganz erheblich, wie zahlreiche Berichte belegen. So meint z.B. Carl Theodor Griesinger 1839, am Pfingstmontag ziehe es den „gebildeten Württemberger“ zum Lichtenstein und zum Nebelhöhlenfest, denn: „Wer kennt nicht Wilhelm Hauff, den schwäbischen Walter Scott? Wer hat nicht seinen Lichtenstein gelesen? Wer weiß nicht, daß der böse ritterliche Ulrich in der Nebelhöhle lange verborgen hauste und nur durch den treuen Ritter von Lichtenstein dort erhalten wurde?“ (Griesinger, S. 108)

Offensichtlich wollte der „gebildete Württemberger“ damals nicht so genau zwischen Fiktion und geschichtlich Belegtem unterscheiden und nahm Hauffs „romantische Sage“ als historische Wahrheit. Auch wenn Herzog Ulrichs nächtliche Besuche auf dem Lichtenstein durch eine Quelle belegt sind (Crusius 1596) – sein Aufenthalt in der Nebelhöhle ist erwiesenermaßen eine freie Erfindung des Autors.

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Plan der Nebelhöhle

Plan der Nebelhöhle

Plan der Nebelhöhle in Professor Memmingers Beschreibung des Oberamts Reutlingen von 1824. Aus: Andenken an Lichtenstein und die Nebelhöhle. Eine freundliche Gabe für deren fröhlichen Besucher. Reutlingen 1834.

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Für Generationen von Nebelhöhlenbesuchern war und blieb die „Obere Höhle“, ganz am Ende der „Unteren Höhle“ gelegen und nur über Leitern zugänglich, die „Ulrichshöhle“; in Hauffs Roman der Ort, an dem sich Herzog Ulrich 1519 tagsüber versteckt hielt. Zu diesem Versteck führt der Pfeifer von Hardt den jungen Ritter Georg:

„Nehmt die Fackel und folget mir“, antwortete jener, und schritt voran in einen Seitengang. Sie waren wieder etwa zwanzig Schritte gegangen, als Georg die tiefen Töne einer Orgel zu vernehmen glaubte. Er machte seinen Führer darauf aufmerksam.

„Das ist Gesang“, entgegnete er, „der tönt in diesen Gewölben gar lieblich und voll. Wenn zwei oder drei Männer singen, so lautet es, als sänge ein ganzer Chor Mönche die Hora.“ Immer vernehmlicher tönte der Gesang; je näher sie kamen, desto deutlicher wurden die Wendungen einer angenehmen Melodie. Sie bogen um eine Felsenecke, und von oben herab ertönte ganz nahe die Stimme des Singenden, brach sich an den zackigten Felswänden in vielfachem Echo, bis sie sich verschwebend mit den fallenden Tropfen der feuchten Steine und mit dem Murmeln eines unterirdischen Wasserfalles mischte, der sich in eine dunkle, geheimnisvolle Tiefe ergoß.

„Hier ist der Ort“, sprach der Führer, „dort oben in der Felswand ist die Wohnung des unglücklichen Mannes; hört Ihr sein Lied? Wir wollen warten und lauschen bis er zu Ende ist, denn er war nicht gewohnt unterbrochen zu werden, als er noch oben auf der Erde war.“

Die Männer lauschten und verstanden durch das Echo und das Gemurmel der Wasser etwa folgende Worte, die der Geächtete sang:

„Vom Turme wo ich oft gesehen
Hernieder auf ein schönes Land,
Vom Turme fremde Fahnen wehen
Wo meiner Ahnen Banner stand.
Der Väter Hallen sind gebrochen,
Gefallen ist des Enkels Los,
Er birgt besiegt und ungerochen
Sich in der Erde tiefem Schoß.

Und wo einst in des Glückes Tagen
Mein Jagdhorn tönte durchs Gefild,
Da meine Feinde gräßlich jagen,
Sie hetzen gar ein edles Wild.
Ich bin das Wild, auf das sie birschen,
Die Bluthund wetzen schon den Zahn,
Sie dürsten nach dem Schweiß des Hirschen,
Und sein Geweih steht ihnen an.

Die Mörder han in Berg und Heide
Auf mich die Armbrust aufgespannt,
Drum in des Bettlers rauhem Kleide
Durchschleich ich nachts mein eigen Land;
Wo ich als Herr sonst eingeritten,
Und meinen hohen Gruß entbot,
Da klopf ich schüchtern an die Hütten
Und bettle um ein Stückchen Brot.

Ihr warft mich aus den eignen Toren
Doch einmal klopf ich wieder an,
Drum Mut! Noch ist nicht all‘ verloren,
Ich hab ein Schwert und bin ein Mann.
Ich wanke nicht; ich will es tragen,
Und ob mein Herz darüber bricht,
So sollen meine Feinde sagen:
Er war ein Mann und wankte nicht.“
(Reclam, S. 190-192)

Vielen Nebelhöhlenbesuchern muss Wilhelm Hauffs „Lichtenstein“ sehr vertraut gewesen sein. Nicht nur, dass man Szenen des Romans in der Höhle nachspielte; auch das „Ulrichslied“ wurde dort häufig von Sangesfreunden angestimmt: „Doch horch! Es tönt Gesang herüber. Sie singen von jener Stelle aus, wo der Verfolgte Sicherheit und Ruhe fand, die dem Verbannten eine stille Zufluchtsstätte ward; das schöne „Ulrichslied“ mit seiner kühnen Melodie hallt durch die unterirdischen Räume“, schwärmte 1861 O. Schönhuth in seinem Büchlein „Sagen und Geschichten von dem Lichtenstein und der Nebelhöhle“.

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Emilie Zumsteeg, Ulrich's Lied

Emilie Zumsteeg: Ulrich's Lied
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Emilie Zumsteeg: Ulrich’s Lied aus Hauff’s Lichtenstein. Lied für tiefen Bass mit Begleitung des Pianoforte. Stuttgart Hofmeister 1852 – 1859. Württembergische Landesbibliothek Stuttgart.

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Die „kühne Melodie“ zu Hauffs Ulrichslied hatte die württembergische Komponistin Emilie Zumsteeg (1796 – 1857) schon 1827 komponiert, ein Jahr nach Erscheinen des Romans.

Das Ulrichslied wurde offensichtlich nicht nur in der Nebelhöhle gesungen: Im Albvereinsliederbuch „Singen und Wandern“ von 1974 (5. Auflage) hat es sich bis in die Gegenwart als Volks- und Wanderlied gehalten!

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Emilie Zumsteeg, Vom Turme wo ich oft gesehen

Emilie Zumsteeg: Vom Turme wo ich oft gesehen
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Albvereinsliederbuch 1974, Singen und Wandern; Klavierausgabe zu 230 Volks- und Wanderliedern. Online zugänglich über Liedarchiv von http://www.schwaben-kultur.de.

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Hauffs Beschreibung der Nebelhöhle – ein „Glanzstück landschaftlicher Dichtung“ (Widmann, S. 80) – hat sicher manchen dazu gebracht, die Höhle selbst zu besuchen und sie vielleicht sogar mit den Augen Georgs von Sturmfeder wahrzunehmen:

„Alle Augenblicke stand er still von neuem überrascht, hielt die Fackel hoch, und staunte und bewunderte, denn in hohen majestätisch gewölbten Bogen zog sich der Höhlengang hin, und flimmerte und blitzte, wie von tausend Kristallen und Diamanten. Aber noch größere Überraschung stand ihm bevor, als sich sein Führer links wandte, und ihn in eine weite Grotte führte, die wie der festlich geschmückte Saal des unterirdischen Palastes anzusehen war. (…) Glänzend weiße Felsen faßten die Wände ein, kühne Schwibbogen, Wölbungen, über deren Kühnheit das irdische Auge staunte, bildeten die glänzende Kuppel; der Tropfstein, aus dem diese Höhle gebildet war, hing voll von Millionen kleiner Tröpfchen, die in allen Farben des Regenbogens den Schein zurückwarfen, und als silberreine Quellen in kristallenen Schalen sich sammelten. In grotesken Gestalten standen Felsen umher, und die aufgeregte Phantasie, das trunkene Auge, glaubte bald eine Kapelle, bald große Altäre mit reicher Draperie, und gotisch verzierte Kanzeln zu sehen. Selbst die Orgel fehlte dem unterirdischen Dome nicht, und die wechselnden Schatten des Fackellichtes, die an den Wänden hin und her zogen, schienen geheimnisvoll erhabene Bilder von Märtyrern und Heiligen in ihren Nischen bald auf- bald zuzudecken.“ (Reclam, S. 189 f)

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Nebelhöhle beim Lichtenstein. Druck und Verlag von Carl Ulshöfer, Stuttgart

Nebelhöhle. Verlag Gebr. Metz, Tübingen

Nebelhöhle
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Oben: Nebelhöhle beim Lichtenstein. Druck und Verlag von Carl Ulshöfer, Stuttgart. Nicht gelaufen. Adressseite ungeteilt.
Unten: Nebelhöhle. Adressseite: Original-Eigentum Gebr. Metz, Tübingen. Im Briefmarkenfeld: BRA 520S. Datiert 1918. Nicht gelaufen.

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„Am Pfingstmontag zu Hause zu bleiben, wäre für den Württemberger gerade soviel, als bei schönem Wetter mit gesundem Leibe und am hellen Tag in’s Bett zu liegen. Auswärts geht’s, fort über Berg und Thal“ (Griesinger, S. 104).

Ein besonders beliebtes Ausflugsziel der württembergischen Pfingstmontagsausflügler war das Nebelhöhlenfest samt Einkehr auf dem Lichtenstein. Schon Wochen davor wurde in den Zeitungen auf dieses Fest hingewiesen, um möglichst viele Besucher anzulocken: Die Höhlenbeleuchtung war (vor der Elektrifizierung der Höhle 1922/24) nur dann rentabel.

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Beleuchtung der Nebelhöhle

Beleuchtung der Nebelhöhle
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Schwarzwälder Kreiszeitung. Reutlinger Zeitung. Oberamtsblatt für den Bezirk Reutlingen. Allgemeines Anzeigeblatt für Stadt und Land. 23. Mai 1901.

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Die große Wiese über dem Eingang zur Höhle wurde am Pfingstmontag zum Festplatz für Natur- und Wanderfreunde und solche, die Geselligkeit und Rummel liebten:

„Hier herrscht fröhliches Treiben. Aus nah und fern sind heute Tausende hieher geströmt, um hier in herrlichster Natur ein Maifest zu feiern. Welches Leben! Hallo! So ruft es von allen Seiten; überall in Busch und Wald lagern sich malerische Gruppen. Wirtschaftsbuden, Tische und Bänke sind aufgeschlagen. Eine Musikkapelle spielt ihre Weisen, und junges Volk belustigt sich beim Tanze. (…)

Unter den Klängen eines Marsches zieht die Musikkapelle in die Höhle ein, gefolgt von jubelnden Scharen. Herrlich tönen die Weisen der Musik durch die unterirdischen Hallen (…). Doch die Stunde mahnt zum Aufbruch. Schattenlos geht’s hinüber zum Lichtenstein, dessen Turm längst vorne sichtbar geworden. Auch hier herrscht heute ein reges Leben; in malerischen Gruppen lagern sich die Ausflügler im Schatten der Bäume; auch manches schmucke Bauernmädchen hat sich heute in reizender Tracht hier eingefunden, um mit den Gespielen vom Dorfe sich beim Tanze zu belustigen. Das Schlößchen Lichtenstein aber ist und bleibt eine Perle in Schwaben. In nächster Nähe des Schlößchens manch hübscher Punkt; so genoßen wir noch vom Försterhause, vom Hauffdenkmal und von der Ruine Lichtenstein aus prächtige Blicke“, berichtet 1894 ein Wanderer aus Ulm (Walker, S. 85 f).

Aus der „schönen Sitte“, wie Hauff sie 1826 beschrieben hatte, war bis zum Ende des Jahrhunderts ein großes Volksfest geworden.

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Gruss von der Nebelhöhle. Verlag v. C. Fr. Palms Buchhandlung, Reutlingen

Nebelhöhlenfest
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Gruss von der Nebelhöhle. Verlag v. C. Fr. Palms Buchhandlung, Reutlingen. Gelaufen. Poststempel 1898. Adressseite ungeteilt. Montage von 7 Bildern. Texte:

Zu Pfingsten geht’s Wald aus, Wald ein.
Nach Nebelhöhle und Lichtenstein.
Es schaut das Schlösschen Lichtenstein
Vergnüglich in die Welt hinein.
Musik voran, im Zuge bunt,
So steigt man in der Höhle Schlund.
Das Treiben ist ganz wunderbar,
Der Tropfstein auch höchst sonderbar.
Auf dem Plateau, in duftgem Wald
Erholt sich baldigst Jung und Alt.
Da gießet plötzlich mit Gebraus,
Der Himmel seine Schleußen aus.
Und was der Berggeist nicht hat beendet,
Das hat der Himmel nun vollendet.

Handschriftlich auf Bildseite:
Heute Pfingstmontag
Nebelhöhle, Reutl.
Lichtenstein. Einfach
fürchterlich.
Tausend Grüsse Julie

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Die Eröffnung der Echazbahn 1892/3 brachte dem Nebelhöhlenfest einen weiteren Aufschwung. Sonderzüge der Kgl. Württ. Staatseisenbahnen und der Hohenzollerischen Landesbahn führten an Pfingsten Besucher von Heilbronn, Stuttgart, Ulm, Ravensburg, Rottweil und Sigmaringen herbei. In Kutschen, auf Leiterwagen, aber auch zu Fuß strömte man dann von den Bahnhöfen Honau oder Lichtenstein weiter zur Nebelhöhle (siehe Postkarte oben).

Einen absoluten Besucherrekord gab es von 1901 bis 1903: Bis zu 40 000 Besucher sollen damals aus ganz Württemberg zu den Nebelhöhlenfesten angereist sein. In diesen drei Jahren lockte nämlich noch eine weitere Attraktion die auswärtigen Gäste an: Im neu erbauten Honauer Festspielhaus wurde Hauffs „Lichtenstein“ auf der Bühne gegeben (siehe Kapitel IV).

Mit einer Unterbrechung während der beiden Weltkriege hat sich das Nebelhöhlenfest bis heute gehalten, auch wenn es die überregionale Bedeutung, die es im 19. Jahrhundert hatte, verlor.

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s'Bärbele vom Lichtenstein. Verlag von J. Birn, Stuttgart

s' Bärbele vom Lichtenstein
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„s’Bärbele vom Lichtenstein“ vor einem blühenden Apfelbaum und mit einem Maiglöckchenstrauß – die passende Postkarte für den Besucher von Lichtenstein und Nebelhöhle zu Pfingsten.

s'Bärbele vom Lichtenstein. Verlag v. J. Birn, Stuttgart. Gelaufen. Datiert u. Poststempel 1902. - Prägedruck. - Handschriftlich auf Bildseite: Zur Erinnerung an einen Ausflug in die Nebelhöhle und Lichtenstein 19. 5. 1902 und dabei kreuzfidel …

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Literatur:
* Hans Binder (1): Die Höhlenfeste und ihre Bedeutung für die Entwicklung eines „Höhlenbewußtseins“ im Schwabenland. In: Schwäbische Heimat 20/3 (1969), S. 173 – 180.
* Hans Binder (2): Ein Fürst und ein Dichter begründen den Ruhm der Nebelhöhle. In: Die Nebelhöhle. Abhandlungen zur Karst- und Höhlenkunde,  Reihe A, Heft 4, 1969,  S. 33 - 55.
* Carl Theodor Griesinger: Humoristische Bilder aus Schwaben. Heilbronn 1839.
* Ottmar F. H. Schönhuth: Sagen und Geschichten von dem Lichtenstein und der Nebelhöhle, dem Kloster Bebenhausen, der Waldburg  usw. usw., Stuttgart 1861.
*Otto Walker: Ein Sträußchen am Hute. In: Blätter des Schwäbischen Albvereins 7/6 (1895), S. 83 – 86.
* Hans Widmann: Die Nebelhöhle in der Literatur. In: Schwäbische Heimat 3/2 (1952), S. 79 – 80.

Die Texte aus „Blätter des Schwäbischen Albvereins“ und „Schwäbische Heimat“ sind online nachlesbar über http://www.schwaben-kultur.de.

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Kapitel III
„… von Touristen und Besuchern aller Art sehr frequentiert.“
Der Lichtenstein als touristisches Gesamtpaket um 1900.

Blick ins EchaztalLichtenstein, Forsthaus
Lichtenstein, AugustenturmLichtenstein, Zugbrücke mit Schlosseingang

Blick ins Echaztal | Forsthaus
Augustenturm | Zugbrücke mit Schlosseingang

Wer zu Wilhelm Hauffs Zeiten Nebelhöhle und Lichtenstein besuchte, kam in der Regel zu Fuß und brauchte nicht selten einen ortskundigen Führer – nimmt man Gustav Schwab als Zeugen: Er hatte 1823 mit „Die Neckarseite der Schwäbischen Alb“ den ersten Alb-Wanderführer verfasst und empfahl z.B., für einen Besuch des „Nebellochs“ Schlüssel, Männer und Fackeln auf Schloss Lichtenstein zu beschaffen.

Durch die 1820 gebaute Honauer Steige – vom Echaztal hinauf auf die Albhochfläche – wurden der Lichtenstein und die Nebelhöhle für Besucher leichter erreichbar. Nach dem Erscheinen von Hauffs Roman „Lichtenstein“ fanden sich, wie schon gesagt, Besucher zunehmend zahlreicher ein. Das steigerte sich noch weiter seit den 40er Jahren des 19.  Jahrhunderts: „In den leztverflossenen Jahren aber hat Lichtenstein eine neue mächtige Anziehungskraft erworben, welche die (hohen und niederen) Wiß- und Schaugierigen, aus der Nähe und Ferne, aus dem In- und Auslande, weit stärker herbeizieht: sie strömen nach Lichtenstein (zu Wagen und zu Fuß), um die teutsche Ritterburg mit der hohen Warte anzustaunen, welche der erlauchte Grav Wilhelm von Wirtemberg im edlen und schönen Style der altdeutschen Kraftzeit zu seinem Landsitz auf dem Schlößlensfelsen geschaffen hat. Sie erstaunen noch weit mehr über die Reichhaltigkeit der edlen altdeutschen Pracht des Innern, und über den Genuß des unbeschränkten Panoramas auf der Warte“ (Gratianus, S. III). So heißt es in dem ersten und viel gelesenen Schlossführer zum neuen Lichtenstein. Der Sondelfinger Pfarrer Carl Christian Gratianus hatte ihn 1844 verfasst, Bauinspektor Rupp und der Bauherr Graf Wilhelm hatten daran mitgewirkt.

Seit 1892/3 machte die neue Nebenstrecke der württembergischen Eisenbahn von Reutlingen nach Münsingen mit der 2,15 Kilometer langen Zahnradbahnstrecke zwischen den Bahnhöfen Honau und Lichtenstein das Schloss noch besser erreichbar. Neue Wanderwege rund um den Lichtenstein wurden von dem 1892 gegründeten Lichtensteingau des Schwäbischen Albvereins angelegt. Kein Wunder also, dass Conrad Kümmel in seinem Lichtenstein-Führer 1896 schreiben konnte: „Lichtenstein ist denn auch das Jahr über, ja selbst in der weniger angenehmen Jahreszeit, von Touristen und Besuchern aller Art sehr frequentiert. Freilich ist es wohl den allermeisten, wenn nicht gar allen, fast nur um die herrliche Aussicht, die einzigartige und bauliche Schönheit des Schlosses zu thun…“ (Kümmel, S. 6).

Alles Sehenswerte rund um dieses attraktive schwäbische Ausflugs- und Wanderziel zeigen die Ansichtskarten dieser Zeit: der Lichtenstein als touristisches Gesamtpaket. Die Bildpostkarten erhielten seit den 90er Jahren verstärkt die Funktion, für ein Tourismus-Gebiet zu werben.

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Schloss Lichtenstein. Montage aus 7 Bildern. Verlag H. Sting, Tübingen

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Schloß Lichtenstein. Montage aus 7 Bildern. Adressseite, Signet: HTSt auf Schild. H. Sting, Tübingen. 5 B. 227.32. Stempel: Forsthaus Lichtenstein. Gelaufen. Poststempel 1928.

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Links oben auf dieser Ansichtskarte die so oft gerühmte herrliche Aussicht, der weite „Blick ins Echaztal“, der schon einen Gustav Schwab und Wilhelm Hauff begeisterte. Rechts daneben das Forsthaus, 1839 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schloss als neuer Sitz des Revierförsters erbaut; 1896 zur Gastwirtschaft umgewandelt und damit für so manchen Besucher ein besonders wichtiges Gebäude.

Das Foto unten links zeigt einen Teil des Festungsanlage, die Graf Wilhelm 1855/57 auf dem Burgareal anlegen ließ: Der Blick geht vom äußeren Burggraben auf die Mauer und den Augustenturm, einen von vier Türmen. Im Bild rechts daneben ist die Zugbrücke mit dem Eingang zum Kernschloss zu sehen.

In der Mitte das Schloss Lichtenstein aus charakteristischer Perspektive; darunter das Lichtensteiner Wappen: eine weiße Adlerschwinge auf blauem Grund. Rechts neben dem Schloss das Hauff-Denkmal. Schon 1839 wurde es auf einem Felsen ganz in der Nähe der neuen Burganlage errichtet. Es gehört bis heute zum Pflichtprogramm eines jeden Lichtensteinbesuchs.

Hauff-Denkmal auf Schloss Lichtenstein

Die „geologische Pyramide“ auf der linken Postkartenseite ist eine der Attraktivitäten im Umfeld des Schlosses, die erst später dazukam. Herzog Wilhelm von Urach (Sohn des Schlosserbauers Graf Wilhelm) ließ sie 1902/03 in direkter Nachbarschaft zum Denkmal aufstellen.

Wilhelm Herzog von Urach Graf von Wirttemberg den Freunden der Schwäbischen Alb errichtet 1902-03

Mit ihr sollte dem naturwissenschaftlich interessierten Besucher der geologische Aufbau der Schwäbischen Alb nahe gebracht werden: Die Pyramide zeigt einen Querschnitt durch die Gesteinsschichten des Jura unter dem Schloss. Sie wird auch „Quenstedt-Pyramide“ genannt, nach dem Geologen, Paläontologen und Mineralogen Friedrich August Quenstedt (1809 – 1889). Auf dessen Gliederung der Feinschichten des Jura stützte sich Professor Eberhard Fraas, als er die Pyramide entwarf.

Geologische Pyramide, im Hintergrund das Hauff-Denkmal

Wer das Hauff-Denkmal aufsucht, kommt an der geologischen Pyramide vorbei, die 2012 eine neue Informationstafel erhielt.

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Schloss Lichtenstein. Montage aus 10 Bildern. Verlag Gebr. Metz, Tübingen

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Schloss Lichtenstein. Montage aus 10 Bildern. Adressseite: Original-Eigentum Gebr. Metz, Tübingen. Stempel: Olgahöhle Honau. Gelaufen. Poststempel 1917.

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Zur Nebelhöhle – dem beliebten Ausflugsziel in der Nähe des Lichtenstein – gesellte sich 1875 eine weitere Höhle: die Olgahöhle in Honau (siehe Postkartenbild unten, Mitte rechts).

Johann Ziegler hatte diese Höhle bei Arbeiten im väterlichen Kalktuffsteinbruch entdeckt und sie erstmals zum Pfingstmontag 1875 für Besucher zugänglich gemacht. Nachdem die Olgahöhle 1884 als erste deutsche Höhle elektrisch beleuchtet worden war, etablierte sie sich vollends als zusätzliche Touristenattraktion am Fuße des Lichtenstein.

Die Begeisterung für Höhlen war in Württemberg durch Gustav Schwabs Alb-Wanderführer und vor allem durch Hauffs Lichtensteinroman literarisch geweckt worden. Ein Jugendroman war es dann, der seit 1875 das Interesse an Höhlen weiter steigerte: David Friedrich Weinlands „Rulaman“, eine „Erzählung aus der Zeit des Höhlenmenschen und des Höhlenbären“, die in keinem bildungsbürgerlichen Bücherschrank damals fehlen durfte – und ein von Generationen von Schwabenkindern bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wirklich gern gelesenes „Volksbuch“ wurde.

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Honau, Olgahöhle. Verlag Gebr. Metz, Tübingen

Honau, Olgahöhle, am Fuße des Lichtensteins. Verlag Gebr. Metz, Tübingen

Olgahöhle
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Oben: Honau, Olgahöhle (am Fusse des Lichtensteins). Adressseite: Original-Eigentum Gebr. Metz, Tübingen. Im Briefmarkenfeld: 553D 3 TA. Datiert 1923. Nicht gelaufen.
Unten: Honau, Olgahöhle, am Fuße des Lichtensteins, Württbg. Adressseite: Original-Eigentum Gebr. Metz, Tübingen. Im Briefmarkenfeld: RB 73719. Stempel: Olgahöhle Honau. Datiert 1917. Nicht gelaufen.

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Die Olgahöhle, nach der württembergischen Königin Olga benannt, ist die größte Kalktuffhöhle Deutschlands. „Große Teile der Wände und der Höhlendecke bestehen aus halbkugeligen Gebilden, die der Fachmann als Blaualgentuffe oder Blaualgenkalotten anspricht. Weit verbreitet sind auch Moostuffe, Partien, die erkennen lassen, daß die Kalktuffbarre wuchs, indem sich Calcit-Kristalle an diesen Pflanzen festsetzten und sie im Laufe der Zeit „inkrustierten“. Außer diesen abwechslungsreichen Formen finden wir aber auch echte Tropfsteine, die vom einsickernden Wasser gebildet worden sind.“ (Binder 3, S. 140)

Von 1901 bis 1903 fanden auf dem Platz bei der Olgahöhle die Lichtensteinspiele statt (siehe Kapitel IV).

1901 konnten so die massenweise anreisenden Pfingstausflügler nicht nur traditionell Nebelhöhle und Schloss Lichtenstein besuchen, sondern auch das neue Festspielhaus und die elektrisch beleuchtete Olgahöhle in Honau besichtigen. Oder zur Echazquelle spazieren (s.u.).

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Beleuchtung der Olgahöhle

Reutlinger Zeitung,
Mai 1901

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Ein Honauer Bildhauer namens Gustav Adolph Heid schuf am Jahrhundertende zwei weitere Attraktionen für die Besucher des Lichtenstein und des Echaztales: Echaznixe und Elfengrotte.

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Echazquelle mit Nixe

Echazquelle mit Nixe

Die Echazquelle bei Honau, gezeichnet von G. A. Heid  (Aus: Blätter des Schwäbischen Albvereins, VII. Jg., Nr.3, 1895) - Siehe auch das Bild „Echazquelle“ unten rechts  in der Postkarte oben, die alle Sehenswürdigkeiten vereinigt.

Die vom Honauer Verschönerungsverein initiierte Anlage ist heute so nicht mehr vorhanden. Die Gips-Nixe wurde schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts „von bösen Buben“ zerstört.

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Heid gestaltete 1895 die Echazquelle bei Honau neu, die damit ein lauschiges Plätzchen am Wanderweg hoch zum Lichtenstein wurde: „Da quollen und schossen die Adern der Quelle künstlich gefasst in dem von einem Steinaufbau überragten Wasserbecken zusammen und aus der dunklen Nische darüber erglänzte die Echaznixe, die kräftige Forelle in der Hand freudig emporstreckend“, schrieb ein begeisterter Besucher.

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Werbung für die Elfengrotte

Werbung für die Elfen-Grotte

Führer für die Lichtensteinspiele in Honau und für das Echaztal.
Reutlingen 1903.

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1897 erbaute derselbe Bildhauer in seinem eigenen Haus eine „Elfengrotte“, die mit ihren ca. einen Meter großen Figuren damals tatsächlich zum Publikumsmagneten in Honau wurde.

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Honau. Elfengrotte. Verlag J. Schäfer, Reutlingen

Honau Elfengrotte
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Honau. Elfengrotte. Adressseite: Elfengrotte Honau gegenüber dem Bahnhof Honau. Originaleigentum und Verlag J. Schäfer, Reutlingen. 4.36. Im Briefmarkenfeld: Echte Photographie. Nicht gelaufen.

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„Vor dem Besucher breitet sich ein kleiner See aus, in den sich ein plätschernder Springbrunnen ergießt. Auf einem inselartigen Aufbau thront der Elfenkönig Oberon, umgeben von seinem Hofstaat; unten am See schlingen zierliche Elfen einen Reigen und ringsum ist die Szenerie durch hübsche Elfengruppen belebt; in dem perspektivisch sich öffnenden Hintergrund leuchtet der Berggeist mit seiner Fackel. Gelungen nachgeahmte Tropfsteingebilde zieren die Decke der Grotte, sodass wir uns in eine natürliche Tropfsteinhöhle versetzt glauben. Über das Ganze ergießt sich magisches Dämmerlicht, ganz dazu angetan, der Fantasie einen lockenden Gedankenpfad ins Märchenreich zu bahnen.“ Der unbekannte Verfasser dieser Beschreibung fügte noch hinzu, niemand, der in diese Gegend komme, solle den Besuch dieser wirklich sehenswerten Grotte versäumen!

Die Höhlenbegeisterung konnte damals seltsame „Blüten“ treiben…

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s'Bärbele von Honau. Elfen Grotte. Verlag von G. Ad. Heid in Honau

s' Bärbele und die Elfengrotte
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s' Bärbele von Honau. Elfen Grotte. Eigentum u. Verlag von G. Ad. Heid in Honau. Datiert 1914. Nicht gelaufen.

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Bildhauer Heid vermarktete seine Elfengrotte geschickt im touristischen Umfeld des Lichtenstein, wie diese von ihm verlegte Postkarte zeigt. Wenn dabei das „Bärbele vom Lichtenstein“ kurzerhand zum „Bärbele von Honau“ mutiert, wird aus  Hauffs Romanfigur vollends ein werbewirksam einsetzbarer und austauschbarer Topos (siehe Kapitel I).

Literatur:
* Hans Binder (3): Die Olgahöhle in Honau. In: Blätter des Schwäbischen Albvereins 78/5 (1972), S. 140-42.
* Carl Christian Gratianus: Die Ritterburg Lichtenstein, Landsitz des Grav Wilhelm von Wirtemberg. Tübingen 1844.
* Magdalena Kablaoui: Honauer  Gips-Grotte: Eine Elfe kehrt zurück. Reutlinger General-Anzeiger, 2. 10. 2012.
* Conrad Kümmel: Lichtenstein. 1896.

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Kapitel IV
„Hie gut Württemberg allewege“
Die Lichtensteinspiele in Honau 1901 – 1903

Den Anfang einer langen Reihe von Bühnenbearbeitungen des „Lichtenstein“ von Wilhelm Hauff machte 1834 das Wiener Burgtheater (Autor: Christoph Kuffner). In der Stuttgarter Königlichen Oper wurde 1842 die erste Lichtenstein-Oper aufgeführt (Libretto: Friedrich Zeller; Musik: Nikolaus Stoessel). Bis zum Ende des Jahrhunderts kamen 14 weitere Bearbeitungen des Stoffes auf verschiedenen deutschsprachigen Bühnen zur Aufführung (nach Pfäfflin, S. 105 f.).

„Einen Höhepunkt in der langen Geschichte der Lichtenstein-Adaptionen – mit Festzügen etwa zum 500-jährigen Münsterjubiläum in Ulm (1877) und zur Feier des Münsterausbaus (1889) – bildete das Lichtensteinspiel in Honau“ (Pfäfflin, S. 107 f.).

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Auf zum Lichtenstein-Spiel

Auf zum Lichtenstein-Spiel!
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Reutlinger Zeitung, Mai 1901

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Drei Jahre lang, von 1901 bis 1903, zog es an den Sonntagen zwischen Pfingsten und September Tausende ins Echaztal. Die Freilichtaufführungen waren – als erste ihrer Art in Württemberg – eine Sensation.

Zur Vorgeschichte der Lichtensteinspiele:
Der Olgahöhlenbesitzer und Gastwirt Johann Ziegler (siehe Kapitel III) hatte, wie berichtet wird, schon längere Zeit die Idee zu solchen Festspielen mit sich herumgetragen. Den Schriftsteller und Regielehrer Rudolf Lorenz, der sich 1900 zur Sommerfrische in Honau aufhielt, konnte er offensichtlich für seine Pläne begeistern. Lorenz leitete damals in Halle a. S. eine Theater- und Redekunstschule. Er hatte bereits ein Festspiel über den pietistischen Pädagogen August Hermann Francke verfasst und mit Laien aufgeführt. Dieses Festspiel „durfte“ er im November 1899 vor dem württembergischen Königspaar „unter Mitwirkung der ersten Kreise der Stadt“ in Ludwigsburg zur Aufführung bringen. Damit hatte er sich als Schriftsteller und Regisseur in Württemberg bekannt gemacht. Durch seinen Aufenthalt in Honau eröffnete sich ihm nun ein neues Betätigungsfeld in Schwaben: Schon im November 1900 veröffentlichte er „Lichtenstein. Ein deutsches Spiel in 9 Vorgängen nach Hauffs romantischer Sage“. Da wusste er bereits, dass „für die Frühlingszeit alljährlich Aufführungen des „Lichtenstein“ im Honauer Thal am Fuße des Lichtenstein geplant“ waren (Lorenz, S. 6).

Inzwischen hatte Johann Ziegler mit dem Pfullinger Papierfabrikanten Ernst Laiblin (1853-1920) einen potenten Hauptorganisator der zukünftigen Lichtensteinspiele gewinnen können.

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Lichtensteinspiele, Protektor, Gesamt-Kommission

Protektorat, Gesamt-Kommission
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Führer für die Lichtenstein-Spiele in Honau und für das Echaztal.
Reutlingen 1903

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Der Besitzer von Schloss Lichtenstein, Herzog Wilhelm von Urach, Graf von Württemberg, übernahm das Protektorat – ein wichtiger Faktor auch für die Werbung, wie die Festspielplakate zeigen (s.u.). Den Platz für das Festspielgelände stellte Ziegler zur Verfügung: Er hatte dafür Wiesen ganz in der Nähe ‚seiner‘ Olgahöhle gekauft. Baubeginn für das neue Festspielhaus war im März 1901 – am 26.Mai fand bereits die erste Vorstellung statt! In unvorstellbar kurzer Zeit wurden die Bauten von drei Reutlinger Zimmereien errichtet.

Festspielhalle und Bühnenhaus werden im „Führer für die Lichtenstein-Spiele“ beschrieben:

Lichtensteinspiele, Spielhalle

„Die Spielhalle: Das gesamte zur Spielhalle gehörige Bauwesen ist nach den Plänen des Bauinspektors Kempter in Reutlingen im Stil einer mittelalterlichen Burg ausgeführt, die sich mit einer 50 Meter breiten Front an der Talseite der das Dorf Honau tragenden Terrasse neben der wildrauschenden Echaz und nur wenige Schritte von der Olgahöhle entfernt erhebt.

Ein Turm von 23 Meter Höhe überragt das Vorwerk, welches von zwei kleineren Türmen flankiert wird. Tritt man durch das Mitteltor unter dem großen Turm ein, so führt links und rechts je ein Gang in die beiden Seitentürme, die wiederum in den als Zuschauerraum dienenden geräumigen Burghof führen, dessen 1500 Quadratmeter umfassende amphitheatralisch aufsteigende Grundfläche mit 1500 nummerierten eisernen Stühlen ausgestattet ist. Wenden wir uns rückwärts, so erblicken wir im Mittelturm die große Ehrenloge, an die sich zu beiden Seiten die übrigen Logen mit zusammen 200 Sitzplätzen anschließen. Zu den Logen führen in den beiden Seitentürmen bequeme Treppen empor. Dort oben genießt man einen prächtigen Anblick, gegen den Burghof die steilen Felswände des Talschlusses, links der Sonnenfels und Lochenfels der Traifelbergzinnen und rechts das Schlößchen Lichtenstein, während über das Bühnenhaus hinweg die Paßhöhe das herrliche Gebirgsbild abschließt.

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Bühnenhaus. Lichtensteinspiel. Verlag J. Kocher in Reutlingen

Bühnenhaus der Lichtensteinspiele
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Bühnenhaus. Lichtensteinspiel. Offizielle Postkarte No. 2. Gesetzlich geschützt. Adressseite: Verlag der offiziellen Ansichtskarten des Lichtensteinspiels J. Kocher in Reutlingen. Adressseite ungeteilt. Nicht gelaufen.

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Das Bühnenhaus ist selbstverständlich im selben Stil gehalten wie die übrigen Bauten. Die 9 Meter hohe und 15 Meter breite Bühnenöffnung wird durch einen künstlerisch ausgeführten Vorhang abgeschlossen. An den eigentlichen Bühnenraum mit seinem 200 Quadratmeter umfassenden Flächenraum schließen sich die Garderoben für die Darsteller, ein Foyer mit Buffet, Requisitenkammer und Dekorationsmagazin an. Die Bühneneinrichtung selbst ist von einer bewährten Firma in Leipzig nach den neuesten Erfahrungen der Bühnentechnik ausgeführt und mit elektrischer Beleuchtung versehen. Den malerischen Hintergrund verdanken wir Hofrat Plappert, Stuttgart.

Ein Problem harrte der Lösung in der Frage der Bedachung für den Zuschauerraum. Man wollte nämlich den Zuschauern den einzigartigen Blick auf die nahe herrliche Gebirgsnatur nicht rauben, andererseits galt es aber auch, das Publikum gegen die Unbilden der Witterung zu schützen. So ersann denn Ingenieur Hugo Laißle in Reutlingen als Mitglied der Baukommission eine neuartige Konstruktion, die im wesentlichen darin besteht, daß ein den ganzen Zuschauerraum bedeckendes Segeltuch von Drahtseilen getragen wird. Diese Konstruktion, welche hier erstmals zur Anwendung kam und welche derart berechnet ist, daß sie einem Druck von 40 000 Kilo zu widerstehen vermag, kann teilweise zurückgeschlagen werden, so daß  allen Anforderungen an Licht, Luft und Aussicht genügt und reichlich Schutz vor Sonnenglut und Regen geboten ist.“ (Führer für die Lichtenstein-Spiele, S. 36 f.)

Im März 1901 begann auch die Suche nach „Schauspielern“ durch Aufrufe in örtlichen Tageszeitungen: Interessierte Laien aus Pfullingen, Reutlingen und den umliegenden Dörfern wurden aufgefordert, sich entweder am 24. März im Honauer „Rössle“ oder am 26. März im Reutlinger „Löwen“ einzufinden. Autor und Regisseur Lorenz war bei diesem Casting anwesend.

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Werbung für die Lichtenstein-Spiele

Werbung für die Lichtenstein-Spiele
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Reutlinger Zeitung,
Mai 1901

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Die Bereitschaft zum Spielen muss groß gewesen sein: In der Zeitungswerbung für die Lichtensteinspiele ist von 150 Darstellern aus 14 Gemeinden der Lichtenstein-Gegend die Rede (s.o.). Die meisten Rollen wurden zwei- oder dreifach besetzt. Der jüngste Mitspieler war 16 Jahre, der älteste 71 Jahre alt. Nur im ersten Spieljahr 1901 wurde die Rolle des Herzog Ulrich von einem Profi gespielt, von Rudolf Lorenz.

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Lichtenstein-Spiele. Ankündigung der nächsten Probe

Lichtenstein-Spiele
Ankündigung der nächsten Probe

Reutlinger Zeitung,
18. Mai 1901

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Die Darsteller erfuhren ihre Probentermine über die Tageszeitung. Viele Proben können es zwischen Ende März und Ende Mai nicht gewesen sein, zu denen die meisten mit der Bahn anreisten (es gab dafür Sonderzüge).

Die Presse hielt sich nach den ersten Vorstellungen mit ernsthafter Kritik sehr zurück, hob das Neuartige dieser Art von „Volkskunst“ in Württemberg und die beachtliche Gesamtleistung hervor: „Wer hätte – schon rein äußerlich betrachtet – eine solch großartige Darbietung noch vor 6 Monaten für möglich gehalten, solche Bauten, solchen Verkehr, solches Zusammenwirken? Es wäre schon eine lohnende Aufgabe, nur über die Menschen zu berichten, die sich von nah und fern an dem Spiele beteiligen, über jene Leute aus Erpfingen, Gomadingen, Engstingen, Holzelfingen, aus dem ganzen Echatz- und Wiesatzthale. Wir sind gegen die Mängel nicht blind, wir kennen die Längen und Schwächen des Stücks, die Verschiedenartigkeit der Bühnenleistungen, die Schwierigkeit des Zusammenarbeitens, die mancherlei Gefahren, die solche Veranstaltungen bringen und bringen müssen, - aber wir sehen im Ganzen eine Leistung, eine That, die auf Begeisterung und Begeisterungsfähigkeit beruht und die der Alb und dem Schwabenland und dem Schwabenvolk alle Ehre macht.“ (Blätter des Schwäbischen Albvereins, XIII. Jg. 1901, Nr.8, S. 335)

Rudolf Lorenz verfasste zwischen 1900 und 1903 zwei Lichtensteinspiele: Im ersten dramatisierte er Hauffs Roman bis zum Ende von dessen zweitem Teil, als Herzog Ulrich sich von seinen Getreuen auf Burg Lichtenstein verabschiedet. 1901 und 1902 wurde in Honau dieses erste Stück aufgeführt. 1902 in einer von drei auf zweieinhalb Stunden gekürzten Fassung.

1903 kam Lorenz‘ zweite Lichtenstein-Bearbeitung auf die Honauer Freilichtbühne: „Von Mömpelgard bis Köngener Brücke“. Sie entsprach inhaltlich dem dritten und letzten Teil von Hauffs Roman. In sechs „Vorgängen“ wurde Herzog Ulrichs missglückter Versuch, sein Land auf Dauer zurückzugewinnen, gezeigt.

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Herzog Ulrich von Württemberg. Rud. Lorenz, Verfasser u. Spielleiter. Verlag J. Kocher in Reutlingen

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Rudolf Lorenz, Verfasser und Spielleiter,
spielte 1901 den Herzog Ulrich von Württemberg.

Herzog Ulrich von Württemberg (Rud. Lorenz, Verfasser u. Spielleiter.) Lichtensteinspiel. Offizielle Postkarte No. 11. Gesetzlich geschützt. Adressseite: Verlag der offiziellen Ansichtskarten des Lichtensteinspiels J. Kocher in Reutlingen. Adressseite ungeteilt. Nicht gelaufen.

Rudolf Lorenz (1866 – 1930) gelang nach den Lichtensteinspielen noch ein weiterer Erfolg in Württemberg: 1906 wurde unter seiner Regie sein Volksschauspiel  „Unter der Reichssturmfahne“ (frei nach Scheffels Roman „Ekkehard“) auf dem Hohentwiel von rund 500 Laienspielern aufgeführt. Auch hier war dafür ein Festspielhaus  im frühmittelalterlichen Burgenstil errichtet worden.

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Lorenz betonte, dass er „in selbstverständlicher Pietät überall da, wo es angängig war, Hauff selbst habe zu Wort kommen lassen.“ Die Einteilung in neun bzw. sechs Vorgänge habe sich „von selbst aus der Fülle des zu bewältigenden Stoffes“ ergeben, wobei „von der Kompositionsweise des eigentlichen Dramas abgesehen werden musste.“ Schließlich habe er für die „Volksbühne“ geschrieben.

Ein „deutsches Spiel im bunten Wechsel der Personen und Situationen“ wolle er bieten – und das möglichst nah an der Originaldichtung (Lorenz, S. 6). Damit solle die „Hauffsche Dichtung immer tiefere Wurzeln schlagen im Gemüte aller Schwaben“ (Lorenz, S. 3). Lorenz war sich bewusst, dass ein Erfolg der Honauer Festspiele nicht ihm geschuldet war, sondern selbstverständlich dem schwäbischen Bestsellerautor Wilhelm Hauff, von dessen Popularität er profitierte.

Am Tag vor der ersten Aufführung 1901 legte die Festspielkommission am Hauff-Denkmal oben beim Schloss Lichtenstein einen Lorbeerkranz nieder. „Die Lichtensteinspiele könnten kaum in einer würdigeren und zugleich dem Geiste Hauffs ansprechenden schlichten Form eingeleitet werden“, schrieb die Reutlinger Zeitung dazu. Eine Hommage an Wilhelm Hauff gab es zu Beginn einer jeden Aufführung. Die letzten Verse des Prologs waren ihm gewidmet:

„Dann denkt des Dichters, der dort oben
Von steiler Klippe schaut zu Thal,
Der Heimat treuen Sohn zu loben
Sei unser Sinnen allzumal.
Er war der treusten Söhne einer.
Zu früh schloß er den Lebenslauf
Und mehr verehrt, geliebt ward keiner
Von meinem Volk als – Wilhelm Hauff.
Und wie sein Lied der Mannestreue
Das Herz Euch höher schlagen läßt,
So weckt er das Gefühl aufs Neue
Für deutsche Liebe, mild und fest.
Drum tönt, Fanfaren, ihm zur Ehre,
Ihr Banner weht, ihr Böller kracht,
Uns wird sein Vorbild stets nur lehren:
Dem Land Heil, wo sein Geist erwacht!“

Auf den Festspiel-Plakaten wurde mit Hauffs Porträt geworben. Die Spiele im Sommer 1902 standen ganz im Zeichen des 100. Geburtstages von Wilhelm Hauff.

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Lichtensteinspiel in Honau

Lichtensteinspiel in Honau 1902
Plakat

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Seit den 1850er Jahren waren immer wieder Einzelausgaben von Hauffs „Lichtenstein“ herausgekommen. „Illustrierte Ausgaben, gekürzte und bearbeitete Ausgaben, ja selbst Ausgaben in stenographierter Umschrift erschienen nun in so großer Zahl, daß in manchen Jahren zwischen einem guten Dutzend verschiedener Verlagsprodukte gewählt werden konnte“ (Pfäfflin, S. 104 f.). Die ständig wachsende Popularität des „Lichtenstein“ ganz besonders in Württemberg hatte ihre Gründe: Hauff harmonisierte in seinem Roman – entgegen jeder historischen Wahrheit – die Beziehung zwischen dem Volk und seinem Fürsten. Diese „historische Mystifikation“, wie Pfäfflin das nennt (S. 110), erfüllte zunehmend die Erwartungen einer breiten Leserschaft in der zweiten Jahrhunderthälfte.

Um 1900 konnte Hauffs Roman, dem Zeitgeist entsprechend, „vaterländisch“ verwertet werden, ganz besonders in einem Volksschauspiel. Das machte sich Lorenz zunutze. Schrieb er doch, ihm sei die „große vaterländische Bedeutung des gesunden Verhältnisses zwischen Fürst und Volk ein Leitgedanke des Spiels.“ In einer von „politischer Zerklüftung und von sozialen Gegensätzen“ geprägten Zeit müsse man das „Hohelied der germanischen Mannes- und Volkstreue wieder erklingen lassen“, „wie es der vollendete Heimatdichter Wilhelm Hauff in seiner Dichtung angestimmt“ habe (Lorenz S. 5).

Im „Willkommensgruß“ der Spielgenossenschaft der Lichtensteinspiele (aus dem offiziellen Führer für die Spiele 1901) klingt es ganz ähnlich:

„Hier an dem Fuss des Schlösschens Lichtenstein
Im felsumschloss’nen Echatzthale,
Umweht vom Dichtergeiste Wilhelm Hauffs,
Umwoben von der Vorzeit Sagenduft,
Seid uns, die ihr von fern und nah
Zu uns’rem Spiele hergezogen,
Mit herzlich schwäbischem „Grüss Gott“
Und kräftig deutschem Handschlag hoch willkommen.

Wir bieten euch in buntbewegten Bildern
Was Sage und Geschichte uns erzählen
Von Fürstenunglück und von Volkestreu
Und was in allen braven Schwabenherzen
Mit gold’nen Lettern längst schon eingeschrieben.
Und jenes Wort von Heimatkunst,
In diesen Tagen allzuoft missbraucht,
Es soll in unsern vaterländ’schen Spielen,
Vereint mit Schwabens schönstem Landschaftsbild,
Des Volkes Treue wiederspiegeln.
Der Heimatkunst sei hier ein Heim erschaffen,
Der Schwabentreu sei unser Thun geweiht!“

Es konnte nicht ausbleiben, dass ein solch „vaterländisches Unternehmen“, wie auch die Ortspresse die Lichtensteinspiele nannte, den Besuch des württembergischen Königs mit sich brachte.

Für Donnerstag den 27. Juni 1901, mitten unter der Woche, kündigte sich das Königspaar an. Eine Sondervorstellung also für die hohen Herrschaften. Die Zeitung meldete: „Mehrere Besitzer größerer Fabriketablissements“ hätten ihren Arbeitern und Angestellten freigegeben, „um den Leuten den Besuch des Spiels zu ermöglichen“. Die Vorstellung war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Für die Anwesenheit von genügend „Volk“ war also gesorgt. Das gehörte sich wohl bei einem Volksschauspiel, das Vaterlandsliebe und Volkes Treue in so ausgeprägter Weise feierte.

König Wilhelm II. und Königin Charlotte kamen mit dem „Hofzug“ aus Stuttgart, frühstückten zunächst im Rittersaal von Schloss Lichtenstein bei ihrem Verwandten und Protektor der Spiele. Dann fuhren sie durch das festlich geschmückte Honau unter vielerlei Ehrbezeugungen der Bevölkerung zum Festspielhaus und verfolgten von der Königsloge aus das Spiel. In der Reutlinger Zeitung hieß es dazu: „Das Spiel selbst ging gestern wirklich flott von statten; einzelne Szenen gingen besser wie jemals über die Bretter, hatten doch sämtliche Darsteller, von den Vertretern der Hauptrollen an, bis herab zu den Statisten ihre ganzen Kräfte angespannt, um vor den Augen der hohen und allerhöchsten Gäste mit Ehren bestehen zu können.“

Die hohen Herrschaften äußerten sich ebenfalls sehr lobend, überreichten vor der Abreise das Ritterkreuz 1. Klasse des Friedrichsordens dem Kommissionsvorsitzenden Laiblin. Den gleichen Orden erhielt auch Lorenz – als „Spielleiter und Autor der von ihm Sr. Königl. Majestät gewidmeten Dramatisierung von Wilhelm Hauffs ewig schönem Lichtenstein“, so die Reutlinger Zeitung. Sie fährt fort:

„Auf der Festwiese entwickelte sich nach Schluß des Spiels bei den Klängen der tüchtigen Schober’schen Kapelle ein richtiges Volksfesttreiben, bis der um 10 Uhr 50 Min. abfahrende Sonderzug die thalabwärts wohnenden Festbesucher von dem lieblichen Stückchen Erde entführte, das sich da oben am Echatzursprung ausbreitet und das gestern bei dem herrlichen Sonnenschein, der die hohen Felsenzinnen der Thalwände und das romantische Schlößchen Lichtenstein in unvergleichlicher Schönheit unter dem blauen Aether erstrahlen ließ, einen geradezu bezaubernden Anblick bot.“

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Honau mit Lichtenstein. Verlag J. Schäfer, Reutlingen

Honau mit Lichtenstein
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Honau mit Lichtenstein. Adressseite: Originaleigentum u. Verlag J. Schäfer, Reutlingen. Nr. 597. Echte Photographie. Nicht gelaufen.

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Der nächste Besuch des Königspaares war am 2. August 1903, einem Sonntag. Zum Festprogramm gehörte diesmal nicht nur die Aufführung des zweiten Teils der Lichtensteinspiele. Für die königlichen Herrschaften wurde auch ein großer Umzug schwäbischer Trachtengruppen organisiert. Diese waren Mitglieder des „Vereins zur Erhaltung der Volkstrachten in Schwaben“, der 1903 eben erst gegründet worden war (siehe Kapitel I).

Bei Königswetter hatten sich frühmorgens etwa 65 Wagen, beladen mit Männern, Frauen und Kindern, in Betzingen eingefunden und waren über Reutlingen zur Honauer Steige und dann hoch zum Lichtenstein gefahren. Die Reutlinger Zeitung berichtete:

„Heute zieht Schwabens Landvolk zum Lichtenstein, um zusammen mit seinem Königspaar sich von der Volksbühne herab, am Fuße der historischen Burg, erzählen zu lassen, wie vor einigen hundert Jahren ein Vorfahre Wilhelms II., auch ein Württemberg, schweren Kampf auf sich nahm für sein Volk und sein Recht [sic!]…“

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Volkstrachtenfest in Honau, Photographischer Verlag P. Sinner in Tübingen

Volkstrachtenfest in Honau
Vorbeifahrt der Königl. Majestäten an den Volkstrachtenwagen
P. Sinner, Photogr. Verlag, Tübingen. 1903. No. 165.
Postkarte nicht gelaufen.

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Nach dem Diner auf Schloss Lichtenstein fuhr das Königspaar die Steige hinunter nach Honau: „Unter lautem Jubel der Bauern zogen die Wagen an dem Königspaar vorüber, das mit sichtlichem Interesse und Vergnügen die hübschen Trachten ansah. Zwei kleine Buben, die in ihren weißen Kitteln ganz reizend aussahen, traten zu den Majestäten heran, überreichten prächtige Sträuße aus Feldblumen und sagten ein kurzes Sprüchlein her. Der erste:

    Ein Schwabenkind im Heimatkleid,
    Es reicht in Ehrerbietigkeit
    Glückstrahlend dieses Sträußlein dar
    Dem vielgeliebten Herrscherpaar,
    Und wünscht, daß immer gelten mög‘,
    Allhie gut Württemberg alleweg.

Der zweite:

    Hängt unser Herz am alten Brauch,
    So hängt es an dem Herrscher auch,
    Den Gottes Güte uns gegeben,
    Mög‘ er noch lange glücklich leben.

Lächelnd dankte das Herrscherpaar und unterhielt sich einige Minuten mit den Kindern; kurz darauf, als der ganze Zug passiert war, fuhren die Majestäten zur Festhalle.“

Und die Reutlinger Zeitung schließt ihren Bericht über den Königsbesuch mit einer royalistischen Lobeshymne: „Ein schöner Tag ist der gestrige Sonntag gewesen für das Volk und für das Fürstenpaar; die Majestäten fühlten sich offenbar ganz heimisch unter ihrem Volke und das Volk jubelte laut seinem Königspaar zu. So soll es sein und wird es auch in Zukunft gehalten, dann bleibt noch lange bestehen der alte Ruf: Hie gut Württemberg alleweg!“

Lichtensteinspiel und Trachtenfestzug – das passte nach damaligem Verständnis gut zueinander: Beiden gemeinsam war die Hinwendung zum Regionalen, zur Heimat, zum Volk. Das Lichtensteinspiel wollte unterhaltsam sein, volkstümlich und allgemeinverständlich. Außerdem sollte es Werte vermitteln: „Volkskunst“ als Volkserziehung. Die damals neu entstehenden Freilichtbühnen wollten ein anderes, ein breiteres Publikum anziehen als die Theater in den Städten. Was nicht ausschloss, dass auch ein bürgerliches Publikum in die Vorstellungen strömte.

In den Zeitungsannoncen der Lichtensteinspiele wurde explizit mit dem Etikett „volkstümliche Aufführungen“ geworben. Volkstümlichkeit war nicht nur durch die Laiendarsteller, die Musikeinlagen in den Pausen und das volksfestartige Treiben auf dem Festspielgelände gewährleistet. Sie war auch durch den sehr bekannten, regional verankerten Stoff gegeben. „Volksnähe“ erzeugte vor allem der schwäbische Dialekt, der in vielen Szenen gesprochen und in den Aufführungen von 1902 und 1903 noch verstärkt wurde.

1901 meinte der Rezensent der Frankfurter Zeitung: „Am weitaus besten haben mir die Scenen gefallen, in denen Volksempfinden zum wirklichen Ausdruck kommt und die Darsteller so reden konnten oder mußten, wie ihnen der Schnabel gewachsen war; so z.B. in den Auftritten zwischen Bärbele und ihrer Mutter, der resoluten Pfeifersfrau, sowie dem verwundeten Junker Georg. Auch bei dem Ulmer Bankett und in der Pfullinger Wirtshausscene kam die derbe natürliche Art zu ihrem Rechte.“ (Pfäfflin, S. 108)

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Lichtensteinspiel. Bühnenbild
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Lichtensteinspiel. Bühnenbild. Offizielle Postkarte No. 17. Gesetzlich geschützt. Adressseite: Verlag der offiziellen Ansichtskarten des Lichtensteinspiels J. Kocher in Reutlingen. Adressseite ungeteilt. Nicht gelaufen.

VI. Vorgang; 1. Auftritt.
Schweinsberg: „Wenn Ihr nicht augenblicklich Euer Maul haltet, so will ich Euch Eure Rührlöffelarme vom Leibe schlagen.“
In dieser sehr beliebten  Szene im „Hirsch“ zu Pfullingen  treffen Anhänger und Gegner Herzog Ulrichs aufeinander.

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Nicht vergessen werden darf, dass die Lichtensteinspiele auch eine touristisch-ökonomische Bedeutung für Honau und Umgebung haben sollten. 1901 hatte Spielleiter Lorenz, als zusätzlich Aufführungen in der Sommerferienzeit angesetzt wurden, gemeint: „Damit hofft man, einen Teil des alljährlich von Norden nach dem Süden flutenden Fremdenstroms unserer an Naturschönheiten so reichen, draußen im Reiche aber noch lange nicht nach Gebühr gewürdigten schwäbischen Alb zuzuführen.“ (Lorenz, S. 4)

Hierzu ist auch eine Notiz der Reutlinger Zeitung vom 4. August 1902 sehr aufschlussreich, geschrieben nach der letzten Vorstellung am 3. August: „Nun herrscht in der Spielhalle wieder Stille, nicht aber im Honauer Thal, denn es hat sich doch gezeigt, daß durch das Spiel gar viele Kreise erst auf die romantischen Schönheiten jener herrlichen Gegenden aufmerksam wurden. Dadurch hat der Fremdenzufluß nach Honau, sowie zu dem auf ragendem Felsen kühn in das schöne Schwabenland hinausschauende Lichtenstein-Schlößchen in diesem Jahre bedeutend zugenommen und so ist erfreulicherweise einer der Hauptzwecke dieses vaterländischen Unternehmens erreicht worden.“

Zur touristischen Seite der Lichtensteinspiele gehörte, dass an jedem Spieltag vormittags die Nebelhöhle beleuchtet war: Ein Höhlenbesuch – und ein Besuch des Lichtensteins – konnten also gut mit einer Lichtenstein-Aufführung am Nachmittag verbunden werden. Auch die beim Festspielgelände liegende Olgahöhle zog Besucher an, ebenso die Echazquelle und die Elfengrotte. An den Spieltagen führten Sonderzüge die Besucher heran, große Restaurationszelte boten Erfrischungen aller Art, Konzerte wurden vor und nach den Aufführungen gegeben.

Es gab offizielle Führer für die Lichtensteinspiele, die nicht nur wie ein Programmheft das Stück, die Beteiligten, das Festspielhaus vorstellten, sondern zugleich eine Art Wander- und Reiseführer für das Echaztal waren. Mädchen in Betzinger Tracht verkauften an den Spieltagen diese kleinen Broschüren sowie die Texte der beiden Lichtenstein-Stücke von Lorenz. Man konnte sie aber auch in den Geschäften von Honau und Umgebung erwerben.

Auch die Postkarten des J. Kocher-Verlags Reutlingen, der das ausschließliche Recht zur Anfertigung offizieller Postkarten erhalten hatte, gehörten zur Vermarktung der Lichtensteinspiele.

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Postkarten des Lichtensteinspiels

Reutlinger Zeitung, 24. Mai 1901. Dort heißt es über die erste offizielle Postkartenserie, die bereits zwei Tage  vor der ersten Aufführung in den Verkauf kam:

Die landschaftlichen Motive, Spielhalle, Bühnenhaus, Partie aus Honau, sind nach Tuschierungen des Kunstmalers  A. Fr. Müller reproduziert, die Szenenbilder nach Originalgruppierungen, arrangiert von Hermann Streich/ Reutlingen (Hilfsregisseur und Darsteller des Pfeifers von Hardt), durch Hoffotograf Andersen aufgenommen, während Maler Müller auch hierzu die Architektur im Hintergrund zeichnete. Sämtliche Reproduktionen sind auf gelblichem Karton in Sepia-Ton ausgeführt.

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Pfeiffer von Hardt. Hermann Streich, Hilfsregisseur. Verlag J. Kocher in Reutlingen

Lichtensteinspiel. Der Pfeifer von Hardt
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Der Pfeifer von Hardt. (Hermann Streich, Hilfsregisseur.) Lichtensteinspiel. Offizielle Postkarte No. 12. Gesetzlich geschützt. Adressseite: Verlag der offiziellen Ansichtskarten des Lichtensteinspiels J. Kocher in Reutlingen. Adressseite ungeteilt. Nicht gelaufen.

Vermutlich ist Hermann Streich auch der Verfasser  von  schwäbischen Schwänken  und Volkstheaterstücken mit lokalem Bezug (z.B. „Der Geiger von Gmünd“), die nach 1910 auf  vielen Volks- und Freilichtbühnen aufgeführt wurden.

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Lichtensteinspiel. Bühnenbild. Verlag J. Kocher in Reutlingen

Lichtensteinspiel. Offizielle Postkarte. Adressseite mit Bildmarke. Verlag J. Kocher in Reutlingen

Lichtensteinspiel. Bühnenbild
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Oben: Lichtensteinspiel. Bühnenbild. Offizielle Postkarte No. 30. Gesetzlich geschützt. Adressseite: Verlag der offiziellen Ansichtskarten des Lichtensteinspiels J. Kocher in Reutlingen. Adressseite ungeteilt. Nicht gelaufen.
Unten: Adressseite mit Bildmarke des Lichtensteinspiels.

II. Teil, 4. Vorgang. Cathrine und Bärbele bei der Hochzeit.
Bärbele und seiner Mutter gelingt es, auf der Stuttgarter Hochzeit Georgs mit Marie von Lichtenstein bis zu dem Brautpaar und dem Herzog vorzudringen. Eine  Szene, die vor allem den Gegensatz zwischen der Hofgesellschaft und den einfachen schwäbischen Bauersleuten deutlich macht.

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Trotz aufwendiger Vermarktung der Spiele und großem Einsatz aller Beteiligten: Nach 15 Aufführungen 1901 und jeweils 12 in den Jahren 1902 und 1903 war Schluss. Die Lichtensteinspiele sind  keine ökonomische Erfolgsgeschichte geworden.

36 000 Zuschauer sollen 1901 die Festspiele besucht haben; 1902 war an den Spieltagen das Wetter oft schlecht. 1903 zog das neue Stück wieder mehr Menschen nach Honau. Trotzdem forderte der Kommissionsvorsitzende Laiblin nach zwei Juli-Vorstellungen die Anwesenden auf, doch „im Interesse der Spiele bei Freunden und Bekannten zu wirken.“

Die 40 000 Mark, die die Festspielgebäude gekostet hatten, konnten offensichtlich in den drei Jahren nicht erwirtschaftet werden: Ein Defizit von 20 000 Mark ließ eine Weiterführung der Spiele unmöglich erscheinen. Ernst Laiblin bezahlte den Betrag aus seinem Privatvermögen. Die Gebäude wurden für 6 000 Mark auf Abbruch verkauft.

Gut möglich, dass nicht nur finanzielle Überlegungen eine Rolle spielten. Jedes Jahr ca. 150 Laiendarsteller aus so vielen Orten zu mobilisieren und zu organisieren, war damals über eine längere Zeit wohl kaum zu leisten. Auffällig wenige Laiendarsteller des ersten Teils wirkten im zweiten Teil 1903 wieder mit.

Die Hoffnung von Spielleiter Lorenz, in Honau könne sich „ein schwäbisches Oberammergau“ entwickeln, erfüllte sich jedenfalls nicht.

Für Honau hatten die Lichtensteinspiele dennoch eine Nachwirkung, wenn auch eine späte: Im Ort existiert seit 1982 ein Wilhelm-Hauff-Museum.

Literatur:
* Blätter des Schwäbischen Albvereins. XIII. – XV. Jahrgang, 1901 - 1903.
* Führer für die Lichtenstein-Spiele in Honau und für das Echaztal. Reutlingen 1903.
* Rainer Hipp: Lichtensteinfestspiele 1902. URL http://gv-lichtenstein.blogspot.de/2011/01/lichtensteinfestspiele-1902.html
* Rudolf Lorenz: Lichtenstein. Ein deutsches Spiel in 9 Vorgängen nach Hauff’s romantischer Sage. Textbuch. Halle a.S. 1901.
* Friedrich Pfäfflin: Wilhelm Hauff und der Lichtenstein. Marbacher Magazin 18/ 1981.
* Schwarzwälder Kreiszeitung. Reutlinger Zeitung. Oberamtsblatt für den Bezirk Reutlingen. Allgemeines Anzeigeblatt für Stadt und Land. Die Jahrgänge 1901 - 1903.

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Besuchen Sie auch die weiteren Seiten zu Hauffs Lichtenstein

Folge I
Biografie Hauffs | Inhalt des Romans | Und die „historische Wahrheit“? | Der Pfeifer von Hardt, mit Illustrationen | Gustav Schwabs „Der Hohlenstein in Schwaben“ und Hauffs „Lichtenstein“
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6633

Folge II
Ein Märchenschloss wird Wirklichkeit
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6650

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