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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Charlotte von Stein
in Weimar und auf Schloss Kochberg

Stand: Mai 2019

Die Seite ist Charlotte von Stein (1742-1827) gewidmet, wichtigster Bezugsperson und engster Vertrauten Goethes in den Weimarer Jahren bis zur italienischen Reise. Von seiner Liebe und ihrer emotionalen Beziehung zu ihm –die nur aus Goethes wechselnder Einschätzung erschlossen werden kann, da ihre Briefe nicht mehr existieren ─ zeugen seine an Umfang, Intensität und Varietät einzigartigen Briefe mit teilweise mehreren Schreiben pro Tag (ca. 1600 Schreiben aus dem ersten Weimarer Jahrzehnt von 1776 bis September 1786, nach Richter). Das Goethezeitportal zeigt das immer wieder gezeichnete und fotografierte "Haus der Frau von Stein" in Weimar mit der Dienstwohnung Ihres Gatten, des (Ober)Stallmeisters Freiherr von Stein (1735-1793) sowie ausführlich, aus verschiedenen Blickwinkeln und in Details Schloss Kochberg, Sitz der Familie Stein unweit Rudolstadt, mit den historischen Gebäuden, einschließlich des Liebhabertheaters, den Innenräumen (mit Goethe-Gedenkraum), dem Park und der landschaftlichen Umgebung, gezeichnet und mehrfarbig lithografiert um 1935 von Editha Drawert (1887-1947). Zu Fuß oder zu Pferd war Goethe oder waren durch Boten seine Briefe und Zettelchen sowie mancherlei Gaben ständig zwischen Weimar und Kochberg unterwegs. Auf diesen Wegen zeichnete Goethe häufig und wurde darin von Frau von Stein  bestärkt. Vorgestellt wird auch Fritz von Stein (1772-1844), jüngster Sohn Charlottes, den Goethe zeitweilig ganz bei sich erzog und unterrichtete. Später spricht Fritz von Stein von der glücklichsten Zeit seines Lebens.

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Gliederung

1. Franz Muncker: Charlotte Freifrau von Stein
und ihr Sohn Fritz von Stein
2. Wohnhaus der Frau von Stein in Weimar

Blick zur Stadt hin mit dem Wohnhaus der Frau von Stein | Zur Geschichte und Nutzung des Hauses | Das Haus der Frau von Stein auf alten Ansichtskarten | Blicke in die Seifengasse | Grabmal Charlotte von Steins im Weimarer Friedhof

3. Briefe Goethes an Frau von Stein
4. Schloss Kochberg mit Liebhabertheater
5. "In Kochberg, dem Reiche von Charlotte v. Stein" (Weberschiffchen)

Wie sah Charlotte von Stein aus, und woher stammte sie? | Kochbergs Lage und Gegend | Schloss Kochberg und seine Einzelgebäude | Das Liebhabertheater | Die Innenräume des Schlosses | Schloss Kochbergs nächstes Vorgelände | Der Park

6. Die Zeichnerin Editha Drawert
7. Literatur und Weblinks
8. Kontaktanschrift und rechtlicher Hinweis

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Oben: Dora Stock (?), Charlotte von Stein, undatiert. Silberstiftzeichnung. Entnommen aus Elke Richter: Goethes frühe Briefe an Charlotte von Stein neu ediert. URL: 
blog.klassik-stiftung.de/goethes-fruehe-briefe-an-charlotte-von-stein-neu-ediert/
Mitte links: Charlotte von Stein. A 1760. Adressseite: F.A. Ackermann's Kunstverlag, München. Serie 146 Goethes Freundinnen. 12 Portraits. Nicht gelaufen.
Die Serie "Goethes Freundinnen" finden Sie vollständig im Goethezeitportal:
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=1732
Mitte rechts: Frau von Stein. E. Schulte Weimar Theaterplatz. Adressseite: Verlag E. Schulte, Weimar. Nicht gelaufen.
Unten: Frauenbildnis, wahrscheinlich Charlotte von Stein, 1777.  Schwarze Kreide auf bräunlichem  Papier. Höhe: 484; Breite 372 mm. In: Petra Maisak: Johann Wolfgang Goethe, Zeichnungen. Durchgesehene u. bibliographisch ergänzte Ausgabe. Stuttgart: Philipp Reclam Jun. 2001, Nr. 48. ISBN 3-15-010489-0

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1. Franz Muncker: Charlotte Freifrau von Stein
und ihr Sohn Fritz von Stein

Charlotte Albertine Ernestine von Stein, geboren am 25. Dezember 1742 zu Weimar, war die Tochter des Hofmarschalls Johann Christian Wilhelm von Schardt und seiner Gattin Concordia Elisabeth aus einem edlen schottischen Geschlechte. Mit drei Brüdern und drei Schwestern wuchs sie in ernster, oft trüber Jugend heran, meist der Obhut ihrer sanften, frommen, klugen, aber durch die strengen Vorschriften des Gatten gebundenen Mutter überlassen. Eine anmutige, gewinnende Erscheinung, mild, ernst, geschmackvoll und klug, in französischer Literatur, in Musik und im Zeichnen gut gebildet, trat sie fünfzehnjährig als Hofdame in den persönlichen Dienst der Herzogin Anna Amalia. Aus diesem schied sie erst, als sie am 8. Mai 1764 den herzoglich-weimarischen Stallmeister (später Oberstallmeister) Gottlob Ernst Josias Friedrich Freiherrn von Stein auf Kochberg (1735 - 1793) heiratete, einen schönen, heiteren, biederen, frommen, aber nüchternen, für höhere Geistesbildung wenig empfänglichen Hofmann. Sie lebte nun teils zu Weimar, teils zu Kochberg (bei Rudolstadt), hier wie dort aber ziemlich zurückgezogen, wenngleich der Verkehr mit dem Weimarer Hofe wie mit den übrigen nachbarlichen Höfen stets aufrecht erhalten wurde. Bis 1774 gebar sie ihrem Gatten drei Söhne und vier Töchter, verlor jedoch alle diese Kinder frühzeitig wieder bis auf den Erstgeborenen, Karl, und auf den jüngsten Sohn, Friedrich. Körperliches Leiden und der Mangel einer freundschaftlich-gleichgestimmten Seele trieben Charlotte in diesen Jahren immer mehr in trübe Einsamkeit.

Auch Wieland's Eintritt in den Weimarer Hofkreis und die dadurch bewirkte emsigere Pflege literarischer Interessen daselbst führte sie zunächst nicht in das geselligere Leben zurück; erst als Herzogin Luise 1775 in Weimar einzog, erschien Charlotte wieder öfter am Hof, wo sie der gleich ihr sich unbefriedigt fühlenden jungen Fürstin eine treu teilnehmende Freundin wurde. Am 7. November 1775 kam Goethe nach Weimar. Seine Dichtungen, besonders „Werther“, und das, was [Johann Georg] Zimmermann, Charlottens Arzt, während ihres Aufenthalts im Bad Pyrmont (1773), ihr über den Dichter selbst berichtet, hatten ihre Erwartung bereits hoch gespannt; aber auch Goethe hatte von Zimmermann schon zu viel über die tiefe, liebevoll-klare Seele der seltenen Frau gehört, um ihr gleichgültig gegenüber zu treten. So bildete sich zwischen ihnen bald nach der ersten Begegnung ein inniges Geistes- und Herzensverhältnis, wie Goethe vorher ein ähnliches zu keiner seiner zahlreichen Freundinnen gehabt hatte. Die Mädchen, die er bis dahin geliebt hatte, standen geistig alle unter ihm; sie bildeten sich unverhältnismäßig mehr an ihm als er an ihnen. In Charlotte von Stein aber fand er eine Dame, der die feinste gesellschaftliche Sitte angeboren war, durch Bildung des Geistes und Herzens gleich ausgezeichnet, dem unklar gährenden Jugenddrang, in dem er sich oft noch befangen fühlte, durch ernste Lebenserfahrungen längst schon entrückt. Wie sie für den mannichfachen Verzicht auf geistige Genüsse während der letzten Jahre nun im liebevoll hingebenden Verkehr mit dem Genie, dessen Größe sie bald ganz erkannte, reichen Ersatz erlangte, so konnte sie zugleich dieses noch stürmende und oft tollende Genie zu der schönen seelischen Ruhe und dem edlen künstlerischen Maaße leiten, das sie sich als den Preis ihrer bisherigen Entsagung gewonnen hatte.

Sie wurde die „Besänftigerin“ Goethe's, des Jünglings, der mit heißem Ungestüm um ihre Liebe warb und nur langsam, unter heftigen seelischen Kämpfen, die rechten Schranken für dieses reinste Verhältnis fand, das er außer zu seiner Schwester je zu einer Frau gehabt, aber auch die Besänftigerin des Dichters, der unter den bedeutenden Anregungen des Weimarer Hof- und Staatslebens sich von den Tendenzen des literarischen Sturms und Drangs ab und einer an der Antike auch formal geschulten Kunst zuwandte und so den Grund zu den reifsten, erst während und nach der italienischen Reise vollendeten Werken seiner Poesie legte. Das Gefühl der Liebe zu Frau von Stein half ihm leicht über den Verlust Lili's hinweg, ließ ihn den Tod der teuern Schwester verschmerzen, tröstete ihn für alte Freundschaften, die sich jäh oder langsam und unvermerkt lösten. In dieser Liebe suchte er Erholung von den Beschäftigungen seines Amtes; sie begleitete ihn bei seinen wissenschaftlichen und künstlerischen Bestrebungen. Aber auch die kleinsten häuslichen und persönlichen Alltagssorgen teilte Charlotte mit ihm und er mit ihr. Fast täglich sah er sie, wenn sie in Weimar weilte, und auch, solange sie (wie meist im Sommer) in Kochberg wohnte, besuchte er sie öfters. Andere Frauen vermochten ihr den Rang in seinem Herzen nicht streitig zu machen, wenn auch diese oder jene ihn flüchtig anzog. Besonders seit 1781, nachdem er sein fünfjähriges „Noviziat" überstanden, genoss er in der Liebe zu Charlotte ein seine Wünsche vollauf befriedigendes Glück.

Die Geschichte dieses Werdens und schließlichen seligen Genügens spiegelt sich am klarsten wider in den Briefen Goethe's, die Tag für Tag zu Frau von Stein wanderten, bald kurze Billettchen, die nur einen Gruß, eine Anfrage enthielten, kleine Blätter, die eine freundschaftliche Gabe begleiteten, bald ausführliche Episteln, die getreulich Bericht von seinem ganzen Treiben und Denken gaben. [...] Aber bald nach Goethe's Rückkehr von Italien (am 18. Juni 1788) löste sich das herzliche Verhältnis, das ihn wie Frau von  Stein mehr als ein Jahrzehnt aufs schönste beglückt hatte, das auch für den Dichter eine der vornehmsten Ursachen gewesen war, seine Heimreise zu beschleunigen. Hatte schon 1786 Goethe's heimliche Flucht nach dem Süden und die mehrere Wochen andauernde Ungewissheit seines Aufenthaltes die Freundin bitter gegrämt, so fand sie sich nun in den mit völlig veränderten Kunst- und Lebensanschauungen Zurückgekehrten nicht mehr, und er, dessen sinnliche Natur in Italien neu erwacht war, fühlte zu der kränklichen und gealterten, auch durch häusliches Unglück verstimmten Frau nicht mehr jene heiße Leidenschaft, die ihn vordem erfüllt hatte. Zwar noch eifrig bemüht, die freundschaftliche Neigung zwischen ihnen zu erhalten, gab doch auch er Anlass zu Missverständnissen, die nicht mehr, wie gelegentlich früher, mit hingebungsvoller Liebe ausgeglichen, sondern mit ausweichenden Entschuldigungen verdeckt wurden, und bald zog Frau von Stein sich höflich-kühl von dem einstigen Herzensfreunde zurück. Dazu kam Goethe's Gewissensehe mit Christiane Vulpius, von der Charlotte spätestens zu Anfang des März 1789 Kunde erhielt. Da Goethe von Christiane nicht lassen wollte, brach Charlotte im Juni 1789 (während sie im Bade zu Ems weilte) den Verkehr mit ihm vollständig ab. In dem tiefen Schmerz, in den sie der Groll auf den Verlorenen und schwere häusliche Erfahrungen, besonders der Tod ihres Vaters (1790) und ihres Gatten (1793 nach mehrjähriger Krankheit), versenkten, tröstete sie am meisten die innige Freundschaft, die sie mit Lottchen von Lengefeld [Charlotte von Lengefeld, Ehefrau von Schiller] verband und so auch bald in enge Beziehung zu Schiller brachte.

Ihre Teilnahme an dem Schicksale Schiller's gab denn auch den Anlaß, dass im August 1794 Goethe, der inzwischen seinen Bund mit dem jüngeren Dichter geschlossen hatte, die einstige Geliebte wieder besuchte. Lebhafter wurde die Wiederannäherung, seit im Frühling 1796 Schiller einige Wochen als Gast bei Goethe, Lottchen und ihr Kind aber bei Frau von Stein wohnten; besonders erwies die letztere seitdem Goethe's Knaben August manche von dem Vater dankbar aufgenommene Freundlichkeit. Zur gleichen Zeit aber machte ihr 1794 entstandenes fünfaktiges Trauerspiel „Dido" mit seinen herben, dazu vielfach ungerechten Anspielungen auf Goethe die Runde bei ihren Freunden, welche das auf Justin, vielleicht auch auf neuere dichterische Bearbeitungen des antiken Sagenstoffes gegründete, schwächliche, durch und durch prosaische Stück mit unverdientem Lobe bedachten. Auch was sie sonst an eignen poetischen Versuchen leistete, ist unbedeutend.

Die alte Herzenswärme für Goethe zeigte sich erst wieder, als dieser im Januar 1801 todkrank darnieder lag; das Verhältnis der beiden wurde wieder freundschaftlich-herzlicher, und seit dem Januar 1804 nahm Frau von Stein regelmäßig an den wöchentlichen, bald noch öfteren Zusammenkünften in Goethe's Hause zur Betrachtung von Kunstgegenständen teil, die bis 1811 dauerten. Wieder sahen sich die Versöhnten fast täglich; sogar mit Goethe's Frau verkehrte Charlotte zuletzt gesellschaftlich-höflich. Im allgemeinen erfreute sie sich eines heiteren Alters, obgleich ihr Schicksalsschläge herbster Art nicht erspart blieben. 1802 verlor sie ihre Mutter, 1805 ergriff sie der Tod Schiller's mächtig, 1806 hatte sie nach der Schlacht bei Jena unter der Plünderung Weimars schwer zu leiden. Von ihren Freunden sah sie viele vor sich hinweg sterben, zuletzt noch 1826 Schiller's Witwe, ihr treues Lottchen. Aber desto innigern Antheil nahm sie an den Überlebenden; besonders freute sie sich ihrer Söhne und Enkel, die freilich auch meist von ihr getrennt waren. Ihre Körperkräfte ließen schließlich merkbar nach; sie kränkelte, lange Zeit stets bis zum Auslöschen schwach, stets auch von Todesgedanken erfüllt. Endlich schlief sie am 6. Januar 1827 zu Weimar sanft hinüber.

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Fritz von Stein

Fritz von Stein. Pinsel in Grau, über Bleistift. Höhe: 40,6; Breite 28,0 cm. Um 1779. "Das schlichte, natürlich aufgefasste Knabenbildnis steht im Einklang mit dem landschaftlichen Ambiente". In: Petra Maisak: Johann Wolfgang Goethe, Zeichnungen. Durchgesehene u. bibliographisch ergänzte Ausgabe. Stuttgart: Philipp Reclam Jun. 2001, Nr. 65 . ISBN 3-15-010489-0 - Corpus der Goethezeichnungen, Bd.VI B, Nr. 264.

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Von ihren Söhnen lag ihr der jüngste, Friedrich Constantin (geb. zu Weimar am 26. Oktober 1772), besonders am Herzen. Um seine Erziehung hatte sich Goethe mit liebevoller Sorge bemüht, ihn wiederholt auf kleine Reisen mitgenommen und seit dem Mai 1783 sogar ganz in sein Haus aufgenommen. Erst während Goethe auf der Reise nach Italien war, kehrte Fritz im Herbst 1786 in das Elternhaus zurück. Aber die Liebe des Dichters blieb ihm auch hier erhalten, und selbst in den Jahren der bittersten Verstimmung zwischen seiner Mutter und Goethe entzog dieser ihm seine treue Fürsorge nicht. Fritz studierte seit 1791 in Jena, wo er eine Zeit lang bei Schiller wohnte; im Herbst 1793 besuchte er die Handelsakademie von Büsch in Hamburg, ging im Frühling 1794 über Holland nach England und 1795 auf den Wunsch Karl August's, der ihn schon zu Anfang des Jahres 1794 zum Kammerjunker ernannt und zum künftigen Erzieher des Erbprinzen bestimmt hatte, nach Breslau, um hier Staatsökonomie zu studieren. Die größeren preußischen Verhältnisse zogen ihn aber so mächtig an, dass er 1797 sich seinen Abschied aus dem weimarischen Dienst erbat; das Jahr darauf wurde er zum preußischen Kriegs- und Domänenrath in Breslau ernannt. 1799 kaufte er sich - gegen den Rat der Mutter - ein Gut in Schlesien, das er 1802 mit Strachwitz bei Deutsch-Lissa vertauschte. Sein Amt gab er 1807 auf, weil er, in seinem Hasse Napoleon's völlig einstimmig mit seiner Mutter, unter der Franzosenherrschaft nicht dienen wollte. 1810 übernahm er die Stelle eines General-Landschaftsrepräsentanten in Schlesien, 1818 war er unter den Stiftern des schlesischen Vereins für den Unterricht der Blinden, um den er sich später als erster Vorstand hoch verdient machte, 1819 wurde er Präses der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur. In beharrlichem, segensreichem Wirken für das gemeine Wohl fand er das Glück, das ihm in seiner Häuslichkeit versagt blieb. Er starb am 3. Juli 1844 in Breslau. [...]

Quelle:
* Franz Muncker: Charlotte Freifrau von Stein. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 35 (1893), S. 602-605 (Absätze eingefügt, gekürzt). Online:
https://www.deutsche-biographie.de/pnd118617222.html#adbcontent

Silhouetten
* Herzogin Luise von Sachsen-Weimar. In: Franz Neubert, Goethe und sein Kreis. Erläutert und dargestellt in 651 Abbildungen. Leipzig: J.J. Weber 1919, S.67.
* Charlotte von Stein. In: Die Goethezeit in Silhouetten. Gesammelt u. hrsg. von Hans Timotheus Kroeber. Weimar: Gustav Kiepenheuer 1911, Taf. 18.
* Fritz von Stein, um 1785. In: Die Goethezeit in Silhouetten. Gesammelt u. hrsg. von Hans Timotheus Kroeber. Weimar: Gustav Kiepenheuer 1911, Taf. 20.
* Goethe und Fritz von Stein. In: Die Goethezeit in Silhouetten. Gesammelt u. hrsg. von Hans Timotheus Kroeber. Weimar: Gustav Kiepenheuer 1911, Taf. 21. Text:

"Unendlich war die Sorge und Liebe, mit der Goethe mich behandelte, und ich verdanke ihm sehr viel in dieser glücklichen Epoche," schrieb Fritz von Stein in Erinnerung an die Zeit seines Lebens, als ihn Goethe ganz zu sich in das Haus am Frauenplan genommen hatte, um ihn selbst im Lesen, Schreiben und Rechnen zu unterrichten. Zuweilen ist Fritz sein Sekretär, er diktiert ihm Wilhelm Meister: "nun sitz ich mit Fritzen und diktiere und er schreibt und ihn amüsiert's mitunter und er möchte gern mehr wissen", oder der Knabe muss Goethes Rechnungen und Wirtschaftsbücher zusammen mit seinem Bruder Ernst führen. "Fritz und Ernst machen sich sehr lustig, und wenn auch einmal selectae historiae auf eine Viertelstunde vorgenommen werden, so kehrt doch die Torheit bald wieder zurück,"bis sich dann der kleine "Grasaffe" eine Standpauke vom Herrn Geheimrat Dr. Goethe holte." (Karl Muthesius: Goethe ein Kinderfreund. Berlin: Mittler 1903. Über Fritz von Stein S. 44-76; Zitate S. 48-50)

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2. Wohnhaus der Frau von Stein
in Weimar

Blick zur Stadt hin
mit dem Haus der Frau von Stein

Blick auf Weimar mit dem Hause der Frau von Stein. Aquarell von Georg Melchior Kraus  In: Goethe und seine Welt. Unter Mitwirkung von Ernst Beutler hrsg. von Hans Wahl und Anton Kippenberg. Leipzig: Insel 1932, S.54. "Weimar von Süden her zeigt der Blick auf den Schlossbezirk mit dem Hause der Frau von Stein (seit 1777), dem dahinterliegenden Fürstenhaus, der Wohnung des jungen Herzogpaares bis 1803, und der herzoglichen Bibliothek mit dem dahinter aufragenden Schloßturm."

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"Das seltsame Gebäude links vor uns ist die 'Schnecke'; daneben stehen Stühle und Tische unter einem Birnbaum; Getränke werden herbeigetragen. Das Haus dahinter bewohnen im Obergeschoss die Familien v. Stein und v. Wedel. Das höhere Dach darüber ist das des Fürstenhauses. Vom [1774] abgebrannten Schlosse sehen wir den Turm." Die Schnecke, 1650 erbaut und abgebrochen 1808, "war ein hölzernes Gebäude aus zwei Türmen und Zwischensälen bestehend; in den Türmen ging man auf Wendeltreppen, die aus rohen Holzbalken gebildet waren, zu luftigen Altanen hinauf."

Georg Melchior Kraus: Blick vom Tempelherrenhause zur Stadt hin, 1794. In: Das Leben in Alt-Weimar. Ein Bilderbuch, zusammengestellt und erläutert von Wilhelm Bode. 3. Aufl. Leipzig: H. Haessel 1922, S. 48f. -
Siehe auch den Ausschnitt in: Theo Piana, Weimar. Stätte klassischer Tradition. Bilder von Günther Beyer und Klaus Beyer. Volksverlag Weimar 1956, S.89 mit Erläuterung.

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H. Tessenow: Blick zur Stadt. In: Wilhelm Bode, Damals in Weimar. Leipzig: H. Haessel 1923. – Blickte man vom Tempelherren-Haus", so sah man außer Wiesen und Gebüsch die 'Schnecke', das Kavalierhaus, in dem die Familien v. Stein und v. Wedel wohnten, das Dach des Fürstenhauses, die Bibliothek und den Schlossturm."

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Zur Geschichte und Nutzung des Hauses

 "Haus der Frau von Stein nennt man ein Kavalierhaus am Parke; es hat ihr nie gehört, auch bewohnte sie nur den dritten Teil, diesen allerdings von 1776 bis 1827. - Das Haus ist ein Überrest eines alten Vorwerks. Es enthielt die Pferdeställe für die Husaren des Herzogs und die zugehörigen Futter- und Sattelkammern. 1776 ward unter Goethes eifriger Beihilfe das Obergeschoss in zwei Wohnungen verwandelt; die westliche, größere, deren Haustür unsere Photographie zeigt, erhielt der Oberstallmeister v. Stein, die östliche der Oberforstmeister v. Wedel [...]. Unten blieben die Ställe bis 1795; dann ließ der Herzog hier eine Sommerwirtschaft für die Parkbesucher einrichten, zu welchem Zwecke das Erdgeschoss erhöht wurde; das Obergeschoss ward einstweilen in die Höhe geschraubt und abgesteift. 1799 übergab der Herzog diese Räume dem Chemiker Dr. Scherer für seine Versuche. 1804 verwandelte er sie, nachdem erst noch Schornsteine eingebaut waren, in eine griechisch-katholische Kapelle für seine Schwiegertochter, die Großfürstin. Am Weihnachts-Vorabend 1813 konnte Frau v. Stein unter ihrem Fenster 28 Baschkiren, Kirgisen und Kosaken zählen, 'ein Jeder mit anderer Mütze und anderem Kleid', die hier der Schwester ihres Kaisers die Honneurs machten, als sie aus der Kirche kam. Im Saale lauschte auch Goethe der schönen geistlichen Musik der Russen."

Haus der Frau v. Stein. Die alte Tuschzeichnung wurde von Fritz v. Stein seiner Base Luise v. Kloch, geb. v. Imhoff, geschenkt. Sie trägt die Aufschrift: 'Erinnerung aus Weimar am 21. Nov. 1824'.

Text, Foto und Tuschzeichnung: Wilhelm Bode, Damals in Weimar. 6. Aufl. Leipzig: H. Haessel 1923.

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Das Haus der Frau von Stein auf alten Ansichtskarten

1. Bild von oben: Weimar. Ehemaliges Wohnhaus der Frau von Stein. Text:

Gewiß, ich wäre schon so ferne, ferne,
So weit die Welt nur offen liegt, gegangen,
Bezwängen mich nicht übermächt'ge Sterne,
Die mein Geschick an Deines angehangen,
Daß ich in Dir nun erst mich kennen lerne,
Mein Dichten, Trachten, Hoffen und Verlangen,
Allein nach Dir und Deinem Wesen drängt,
Mein Leben nur an Deinem Leben hängt.
Goethe

Adressseite: Verlag Buchb.-Innung, Weimar. No. 512. Nicht gelaufen.

2. Bild von oben: Weimar, Haus der Frau von Stein. Adressseite: Verlag Elise Pitschel, Papierhandlung, Weimar. Rechts unten: 19 566. Nicht gelaufen.
3. Bild von oben: Weimar. Wohnung der Frau von Stein. Adressseite: 8968 Verlag E. Schulte, Weimar. Nicht gelaufen.
4. Bild von oben: Weimar. Haus der Frau von Stein. Adressseite: Verlag Buchbinderinnung, Weimar. Nr. 317. Nicht gelaufen. Handschriftlich: 10.IX.29.
5. Bild von oben: Bildseite: C. A. Brendel [Karl Alexander Brendel, 1877-1945] Adressseite: Wohnhaus der Familie von Stein. B.K.W.I [Brüder Kohn, Wien, I. Bezirk] Nicht gelaufen.
6. Bild von oben: Weimar. Steins Haus. Adressseite, im Briefmarkenfeld: Echter Handpressen-Kupferdruck. Nicht gelaufen.

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Oben links: Ohne Titel. Adressseite: Beyers wissenschaftliches Institut für Projektions-Photographie, Weimar, Kurthstraße. Nicht gelaufen.

Günther Beyer gründete sein "Wissenschaftliches Institut für Projektionsphotographie" im Jahr 1926. Siehe die Seite "Die Fotografenfamilie Beyer aus Weimar", URL:
weimar.thueringer-allgemeine.de/web/weimar/startseite/detail/-/specific/Die-Fotografenfamilie-Beyer-aus-Weimar-165137951

Oben rechts: 35. Haus der Frau v. Stein, Weimar. Adressseite: Photogr. u. Verlag A. Spieler, Weimar, Seminarstraße 6 a. Nicht gelaufen.

Unten: Weimar, Brunnen am Haus der Frau von Stein. Aufn. Scheel, Verkehrsverein Weimar. Diese Ansichtskarte ist dem Deutschland-Bildheft Nr. 6 "Weimar" entnommen. Adressseite: Deutschland-Bildheft-Postkarte. Jedes der 300 Deutschland-Bildhefte enthält etwa 50 Bilder und kostet nur 20 Rpf. Im Briefmarkenfeld: Diese Karte ist unverkäuflich. Nicht gelaufen.
Siehe auch das Foto "Brunnen am Wohnhaus Charlotte von Steins", in: Theo Piana, Weimar. Stätte klassischer Tradition. Bilder von Günther Beyer und Klaus Beyer. Volksverlag Weimar 1956, S.73.

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Blicke in die Seifengasse

"Unser Bild zeigt links die Wohnung der Frau v. Stein auf ihrer Nordseite; wir sehen die zweite Haustür, die sie benutzte, wenn sie über die Brücke des Schützengrabens bei der Bibliothek zum Fürstenhause spazierte, um dort ihre guten Freundinnen, Herzogin Luise oder Prinzessin Karoline, zu besuchen. [...] In dem Hause neben ihr hatte Goethe vom 2. August 1779 bis zum 2. Juni 1781 für 5 Taler im Vierteljahr eine Wohnung [Goethes dritte Weimarer Wohnung]; es waren hübsche, ziemlich große, wenn auch nicht sehr hohe Zimmer; im Winter waren sie jedenfalls behaglicher als die Stuben im Gartenhause, aber Goethe nahm sie doch nur als Notquartier." Die Hinterpforte führte zum Garten. Das kleine Haus rechts wurde vom Märchendichter Johann Carl August Musäus (1735-1787) bewohnt.

Blicke in die Seifengasse. Zeichnung von Otto Rasch. In: Wilhelm Bode, Damals in Weimar. Leipzig: H. Haessel 1923.

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Grabmal Charlotte von Steins
im Weimarer Friedhof

Oben: Weimar. Grab der Charlotte v. Stein. Druck u. Verlag v. F. & W. in L. [Fischer & Wittig, Leipzig] 271/460. P.K.V. Signet im Briefmarkenfeld. Nicht gelaufen.
Unten: Ohne Titel. Andressseite: Signet. Handschriftlich: Weimar. Grabmal Charl. v. Stein.

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3. Briefe Goethes an Frau von Stein

Die Briefe Goethes an Frau von Stein sind mehrfach online verfügbar:

Im PROJEKT GUTENBERG-DE sind die Briefe Goethes an Frau von Stein online verfügbar.
Bd. 1:
https://gutenberg.spiegel.de/buch/briefe-an-charlotte-stein-bd-1-3653/1
Bd. 2:
https://gutenberg.spiegel.de/buch/briefe-an-charlotte-stein-bd-2-3662/1

In der Bayerischen Staatsbibliothek wurde folgende Ausgabe digitalisiert:
Goethes Briefe an Charlotte von Stein. Hrsg. von Julius Petersen. Leipzig: Insel-Verlag 1923.
https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb11235777_00048.html

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Auszüge aus Goethes Briefen

in Arbeit

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4. Schloss Kochberg
mit Liebhabertheater

 

Oben: Schloss Groß-Kochberg, Feder- und Tuschzeichnung von Goethe. In: Goethe und seine Welt. Unter Mitwirkung von Ernst Beutler hrsg. von Hans Wahl und Anton Kippenberg. Leipzig: Insel 1932, S.66.
Unten
: Schloss Kochberg. Nach einer Aquarelle, nach der Überlieferung von Goethe stammend. In: Franz Neubert, Goethe und sein Kreis. Erläutert und dargestellt in 651 Abbildungen. Leipzig: J.J. Weber 1919, S.76.

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Die Anlage ist um einen zentralen Platz, den „Plattenhof“, gruppiert. Ältester Gebäudeteil ist das „Hohe Haus“ im Südosten, ein mittelalterlicher Wohnturm, das auf die erstmals 1380 erwähnte Wasserburg zurückgeht. Die früheste ausführliche Beschreibung des Schlosses stammt aus dem Jahr 1659. Darin ist von einer Quelle im Schlosspark die Rede sowie von einer Röhrenleitung, die den viereckigen Burggraben aus dem so genannten Bergteich speiste. Der vermutlich einzige Zugang zum Schloss war in dieser Zeit eine Zugbrücke im Osten. Das heute dominierende Bauwerk, das „Hohe Haus“ im Westen der Anlage, stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist im Stil der Renaissance errichtet. Später wurde im Westen und Norden des Schlosses ein Park angelegt, den eine Brücke mit dem zentralen Gebäudeensemble verbindet. Eine weitere Brücke führt nach Süden zum Wirtschaftshof.

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Bauernhäuser bei Kochberg. Pinsel, Feder, Tusche. Höhe 21,5; Breite 42,9 cm. In: Hans Wahl, Goethe als Zeichner der deutschen Landschaft 1776-1786. Erfurt: Arbeitsgemeinschaft thüringischer Verleger • Gebr. Richters Verlagsanstalt 1949, Nr. 23. – Entstehungszeit: Vor Italien. "Wahrscheinlich während eines der häufigen Besuche in Kochberg entstanden, wohin Goethe reitend oder auch nach fünfstündiger Fußwanderung kam und wo er fast jedesmal im Park und in der Umgebung 'viel zeichnete'."

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Ein gleichnamiges Adelsgeschlecht, das vermutlich auf diese Burg zurückgeht, ist bereits für das 13. Jahrhundert nachgewiesen. 1506 starb Hartmann von Kochberg. Seine Witwe heiratete Siegfried von Schönberg, der dadurch auch das Schloss erhielt. Dessen Erbe Georg von Schönberg verkaufte das Schloss an Balthasar von Kochberg. 1733 kamen die Freiherren von Stein-Kochberg in den Besitz des Schlosses. Durch die Freundschaft zu Charlotte von Stein war Johann Wolfgang von Goethe oft zu Besuch auf Schloss Kochberg, erstmals am 6. Dezember 1775 und zum letzten Mal am 5. September 1788. Goethe fertigte vom Schloss auch mehrfach Zeichnungen an. 1938 starb der letzte Erbe Charlottes, Felix von Stein.

Am Eingang zum Schlosspark liegt das Liebhabertheater, das Carl von Stein um 1800 errichten ließ, wobei das ursprüngliche zweigeschossige barocke Gartenhaus umgebaut, erweitert und durch einen Säulenportikus sowie einen großen hellen Bühnenraum ergänzt wurde. Der Innenraum wurde mit Marmorpapier ausgestaltet. Wiedereröffnung nach der Restaurierung 1975.

Quellen:
* Zitiert nach dem Eintrag "Schloss Kochberg" in Wikipedia. URL:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Kochberg
* Zum Liebhabertheater Schloss Kochberg siehe den Eintrag in Wikipedia:
https://liebhabertheater.com/liebhabertheater/
* Liebhabertheater, 2008 fotografiert von Martin Geisler, aus Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Kochberg#/media/File:Kochb._Theater.jpg
* Zum Zuschauerraum siehe:
https://www.outdooractive.com/de/poi/saaleland/liebhabertheater-schloss-kochberg-grosskochberg/19451999/#dmlb=1Quellen


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5. "In Kochberg
dem Reiche von Charlotte v. Stein"
(Weberschiffchen)

Text (wörtliches Zitat) und Bilder werden nach folgender Publikation wiedergegeben: In Kochberg dem Reiche von Charlotte von Stein. Mit 24 sechsfarbigen Abbildungen nach Steinzeichnungen von Editha Drawert, einer Silhouette und dem Selbstbildnis von Charlotte von Stein. Begleitwort von Felix Freiherrn v. Stein-Kochberg (Weberschiffchen-Bücherei ;15) Leipzig: J.J. Weber 1936. - Zu dieser Zeit war ein "Goethezimmer" im ersten Stock des "Hohen Hauses" eingerichtet, das mehrfach angesprochen wird.

Zur "Weberschiffchen-Bücherei" (135 Titel von 1935 bis 1943) der Leipziger Verlagsbuchhandlung J. J. Weber siehe den Eintrag in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Weberschiffchen-Bücherei
Die Weimarer Klassik bildet einen Themenkreis der Weberschiffchen (Schloss Belvedere, Ettersburg, Tiefurt).

Wie sah Charlotte von Stein aus,
und woher stammte sie?

Charlotte von Stein ist nie gemalt worden. Jedoch gibt uns auf die erste Frage ein Brief des Arztes Dr. Zimmermann an Lavater Auskunft. Er beschreibt darin "Frau Kammerherrin, Stallmeisterin und Baronesse von Stein" folgendermaßen: "Sie hat überaus große schwarze Augen von der höchsten Schönheit. Ihre Wangen sind sehr rot, ihre Haare ganz schwarz, ihre Haut italienisch wie ihre Augen."
     Diese Charakterisierung ihres Types als "italienisch" leitet über zur Frage ihrer Abstammung. Italienisches Blut floss nicht in ihren Adern, sondern schottisches. In der Dunkelheit von Haar-, Augen- und Hautfarbe glich sie ihrer Mutter, von der ein Ölbildnis in Kochberg hängt. Diese stammte aus dem deutschen (reformierten) Zweig des noch jetzt in Schottland blühenden Adelsgeschlechtes der Irving of Drum.
     Väterlicherseits (Charlottes Vater war der weimarische Oberhofmarschall) entstammt sie einer deutschen Soldatenfamilie. Ihre nächsten männlichen Seitenverwandten in der höheren Generation hatten unter Friedrich dem Großen gefochten und geblutet. Ihr stark ausgeprägter Sinn für Ordnung, Offenheit, Klarheit und Geradheit, für "Simplizität", wie Zimmermann es nennt, mag mit diesem blutmäßigen Einschlag zusammenhängen. Im Aussehen war sie eine Irving, ihr Wesen weist Schardtische Züge auf.
     Von Gestalt, um auch dieses Charakteristikum endlich nicht unerwähnt zu lassen, war Charlotte von Stein auffallend feingliedrig-zierlich, wie das u.a. auch ein Schattenriss in ganzer Figur, den wir an der Wand des Goethezimmers [im Schloss Kochberg] erblicken, ahnen lässt.
     Andererseits ist es, als ob gleichsam ihr Wesen sich von innen nach außen projiziert hätte: nordische Herbheit und Strenge.
     In ihrer Haltung lag, im Körperlichen Geistiges widerspiegelnd, etwas von dem, was wir Heutigen unter dem Begriff von "gestrafft und gerafft" verstehen, unbeschadet aller sie auszeichnenden Anmut und trotz gesundheitlicher Zartheit.
     Das Adrette ("Saubere" im zeitgenössischen Sprachgebrauch) ihrer ganzen Erscheinung wird von den nicht Wenigen, Männern und Frauen, die auch ihr Äußeres beschrieben haben, als etwas ihr besonders Eigentümliches hervorgehoben.

Kochbergs Lage und Gegend

Großkochberg, Rittergut mit Marktflecken, liegt eingesenkt in eine sanfte Geländefalte zwischen Ilm und Saale, in den Vorbergen des Thüringer Waldes, die sich von Norden nach Süden terrassenförmig abdachen, östlich der Straße, die die beiden ehemaligen Residenzen Weimar und Rudolstadt, beides fürstliche Kulturmittelpunkte der Goethezeit, verbindet. In diese mündet als seitliche Verbindung die Abzweigung, die die Einsamkeit an den Strom der Welt anschließt. Halbwegs unter dem weitausladenden Kronendach alter Eichen kündet in einer steinernen Grotte eine Gedenktafel den Vorüberziehenden das dankbare Lob der dadurch Beschenkten für den uneigennützigen Erbauer (Karl von Stein) mit den schlichten Worten:  'Diesen Weg erbaute ein Freund der Bewohner Kochbergs'. Kochberg ist eingehüllt in einen weiten Mantel dunkler Nadelwälder, von dem als Zierbesatz die bunten Farbflecke von Wiesen und Feldern und vielen blühenden Obstbäumen leuchten.

Schloss Kochberg und seine Einzelgebäude

Schloss Kochberg vom Gutshof, d.i. vom Süden aus gesehen. Vom äußersten rechten Baum führt über den Wallgraben der Weg zum Mittelbau. Links von der Wallgrabenbrücke der Renaissancegiebel, rechts das Hohe Haus.

Wallgrabenbrücke mit Spät-Renaissancegiebel im Hintergrund (Westflügel des Schlosses).
Der Westflügel enthielt im Zeitalter Charlottes die patrimoniale Gerichtshalterei, zu der auch die hohe Gerichtsbarkeit über Hals und Hand gehörte.
     Der Mitteltrakt diente landwirtschaftlichen Zwecken.
     Der Ostflügel enthält die "ehemaligen Prunkzimmer". Diese Bezeichnung ist einem Briefe von Charlotte Schiller an ihren Freund Fritz von Stein entnommen, worin jene sich mit den Wohnungsveränderungen nach dem Tode des Oberstallmeisters beschäftigt. Unter den so bezeichneten Räumen und dem Gang, auf den sie münden, liegen im Ostflügel oberirdisch große Tonnen- und Kreuzgewölbe. In diese mündete einstmals, heutigentags noch deutlich erkennbar, der ursprünglich einzige Zugang zu der Insel: eine Zugbrücke. Diese schloss auf dem gegenüberliegenden Ufer an die Verkehrsstraße an, die über den Gutshof lief, der durch zwei feste Tore abzuriegeln war. Das Fehlen jeglicher Fenster hoch hinauf betont das alte Festungsmäßige.
     Der Ostteil war der Bereich des Wohnens. In ihm lag auch das ureigenste "Zwischenreich", das Goethe als Bewohner aufnahm, sooft er zum Besuch erschien.
     Im Jahre 1777 erblickte der Gast in seiner Kochberger Zufluchtsstätte das Licht eines neuen Lebensjahrs. Ein glückverheißendes Morgenlicht sah er über sein Gefild gebreitet:
"Wachte an meinem Geburtstag in Kochberg mit der schönen Sonne so heiter auf, dass ich alles, was vor mir liegt, heiter ansehe". So steht's im Tagebuch am 28.8. d.J. verzeichnet.

Eckpfeiler (auf dem vorletzten Bild links unten sichtbar) mit Renaissancegiebel vom Wallgraben aus gesehen.
     "Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis". Symbolhaft für das Reich von Charlottes Innenleben nach der vorletzten Strophe des Liedes an den Mond in ihrer Fassung:
     "Selig, wer sich vor der Welt ohne Hass verschließt, seine Seele rein erhält, ahnungsvoll genießt", lag Charlottes äußeres Reich gleichsam verschanzt gegen die Umwelt und unwillkommene Eindringlinge.
     "Diesen Abend denk ich mir Sie in Ihrer Tiefe um Ihren Graben im Mondschein beym Wachfeuer (Kamin) denn es ist kühl". (Brief Goethes nach Kochberg von der Wartburg am 13. September 1777.)

Eingangspforte zum Mittelbau des Schlosses, gerade gegenüber der Freitreppe, die von der Vorfahrt in den Binnenhof führt.
     Von ihrem Türsturz grüßt gleich einem halb verloschenen Hausspruch, unsichtbar zwar und ohne Laut, doch innern Sinnen wohl vernehmbar, den Gast, der Einlass sucht in der Erinnerungs Stätte, des Dichters Wort:
     "Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, ist eingeweiht.
     Nach hundert Jahren tönt sein Wort und seine Tat dem Enkel wieder".

Das Hohe Haus von Südwesten aus

Gotische Pforte zum Kreuzgewölbe
an der Westseite des Hohen Hauses

Blick auf die Ostseite des Hohen Hauses
von oben gesehen

Blick auf das Schloss
vom Nordosten aus

Blick auf das Schloss,
und zwar von Norden aus

 

Verbindungsgang vom Hohen Haus nach dem Mittelbau

Durchgang zur Hohen Brücke
nach dem Theaterplatz und dem Park

Blick vom Theaterplatz (vom Westen)
auf den Spät-Renaissanceflügel des Schlosses

Das Theater mit Säulenvorhalle vom Park aus gesehen

Das Theater vom Gutshof aus gesehen

Das Liebhabertheater

Das Liebhabertheater wurde nach hundertjährigem Dornröschenschlaf zu neuem Leben erweckt durch die Aufführung von Charlottes Lustspiel "Das neue Freiheitssystem oder die Verschwörung gegen die Liebe" durch Mitglieder des Nationaltheaters in Weimar unter Leitung seines Generalintendanten Dr. Ulbrich, mit einem Vorspruch von Heinrich Lilienfein.

Schattenspiel: Wahrnehmbar nur dem rückwärtsgerichteten Blick innerlich Schauender.

Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Ihr drängt euch zu! und gut, so mögt ihr walten,
Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt.
Ihr bringt mit euch die Bilder froher Tage,
Und manche liebe Schatten steigen auf,
Gleich einer alten, halbverklungnen Sage
Kommt erste Lieb' und Freundschaft mit herauf.
(Aus der Zueignung zum "Faust".)

Die Innenräume des Schlosses

Vorzimmer zu Charlottes Räumen

Das Goethezimmer im ersten Stock des Hohen Hauses.
Links Charlottes alter Schreibtisch, den Goethe in Kochberg benuzte,
rechts der neue, den Goethe Charlotte schenkte.

Geben und Nehmen in einer Freundschaft. In ihrem Dank für das Geschenk hatte Charlotte offenbar ein Erschrecken über das viele Geld, das er an sie gewandt habe, geäußert. Das Geschenk sei allzu kostbar.  Darauf antwortete Goethe mit Brief vom 30. November 1779:

Der Schreibtisch sei allerdings kostbar, "denn seit Anfang dieses Jahres hab ich mich beschäftigt ihn zusammen zu treiben, alles selbst ausgesucht, aufgesucht ... bin oft vergnügt von Ihnen weg zum Tischler (Mieding) gegangen, weil etwas im Werk war, das Sie freuen sollte, das nicht auf der Messe erkauft, das von seinem ersten Entwurf meine Sorge, meine Puppe, meine Unterhaltung war. Wenn Freundschaft sich bezahlen lässt, so ist dünckt mich das die einzige von Gott und Menschen geliebte Art".

Auf dem Schreibtisch, den Goethe Charlotte schenkte, liegen die Dramen Charlottes, die das Werden und Vergehen der Freundschaft spiegeln .

Rino (1776)
Frau von Stein in der Rolle der Gertrude zu Adelheite (Herzogin Anna Amalia) über Rino (= Goethe):
"Ich bin ihm zwar gut, doch, Adelheite, glaub mir's nur: Er geht auf aller Frauen Spur.
Er hat mir wohl so mancherlei gesagt.
Dass, hätte ich es nicht reiflich überdacht, ich wäre stolz auf seinen Beifall worden.
Doch treibt ihn immer Liebe fort: ein neuer Gegenstand an jedem neuen Ort."

Geschwister (1776)
Sie enthalten in dem Dialog Wilhelm–Fabrice einen Niederschlag aus einem Briefe Charlottes an Goethe, dem einzigen, der auf diese Weise nicht dem Untergang geweiht geblieben ist.
Wilhelm einen Brief vorlesend:
Es war in den ersten Tagen unserer Bekanntschaft. "Die Welt wird mir wieder lieb," schreibt sie, "ich hatte mich so los von ihr gemacht, wieder lieb durch Sie. Mein Herz macht mir Vorwürfe. Ich fühle, dass ich Ihnen und mir Qualen zubereite. Vor einem halben Jahre war ich so bereit zu sterben, und ich bin's nicht mehr."

Aus der "Dido" nach der Entfremdung.
Charlotte von Stein in der Maske der Elisa.
Goethe als Doppelgänger von Ogon.
Elisa zu Aratus (Bertuch): "Ich verehre die Dichtkunst und den Dichter, ich baute ja sogar deinem Freund Ogon einen Altar! Aber das Talent und der Besitzer desselben sind oft im Charakter sehr verschiedene Aufgaben ..."
Elisa zu Ogon: "Hast Du das Gelübde vergessen, das Dido den Göttern tat, als wir aus Tyrus flohen?"
Ogon: "Gelübde tun wir uns selber, und können uns auch wieder selbst davon entbinden".
Elisa: "Wer sich nicht treu bleibt, bleibt's auch den Göttern nicht".
Ogon: "Du betrügst Dich".
Elisa: "Einmal betrog ich mich in Dir".
[...]
Ogon: "Du weißt, dass ich Dich einmal liebte. Es ist schwer die Wahrheit zu sagen, ohne zu beleidigen, aber echte menschliche Natur ist schlangenartig, eine alte Haut muss sich nach Jahren einmal wieder abwerfen. Diese wäre nun bei mir herunter".
So verrauschte Scherz und Kuss und die Treue so!

Im Goethezimmer sehen wir auch Charlottes Uhr. An sie ist ein Erlebnis geknüpft, das alte Familienpapiere aufbewahren.

Es war am Tage der Schlacht bei Jena. Weimar war der Plünderung anheimgefallen. Charlotte von Stein war im Schloss gewesen. Sie kommt zurück in ihr Haus und findet ihre Wohnung und sämtliche Behältnisse darin erbrochen. Ihre Dienerschaft war geflohen. Alles ausgeraubt. In einem Zimmer stößt sie unversehens auf einen Marodeur, der noch Nachlese gehalten hatte. In der Hand hält er ihre Uhr. Sie tritt ihm mutig in den Weg, herrscht ihn in Französisch an: "Geben Sie mir augenblicklich mein Eigentum heraus. Sie rühmen sich, Sohn einer großen und ritterlichen Nation zu sein, und doch sind Sie ein "Räuber". Der Franzose verliert die Contenance, fällt aufs Knie, reicht ihr die Uhr zurück, "damit Sie sehen, dass auch ich ein Ritter bin!" sprach's und verschwand.

Wenn nach dem 14. Oktober die Frau Oberstallmeisterin von Stein eine kleine Teegesellschaft geben wollte, mußte sie sich das nötige Geschirr einschließlich der Teelöffel bei Freunden zusammenbetteln.
     Von ihrer Habe hatte Charlotte von Stein so ziemlich alles von Wert eingebüßt.
     Nicht zu rauben war das köstliche innere Gut ihres philosophischen Gleichmuts, mit dem sie sich über die Dinge stellte.
     "Jetzt ist es Zeit, mit zinnernen Löffeln zu essen", erklärte sie einfach.
     Und als der wütende Mahlstrom der Geschichte fortan alles zu verschlingen drohte, da tröstete und stärkte die mutige Stoikerin sich und andre mit den Worten aus Goethes neuem Faust:

Wenn Phantasie sich sonst mit kühnem Flug
Und hoffnungsvoll zum Ewigen erweitert,
So ist ein kleiner Raum ihr nun genug,
Wenn Glück auf Glück im Zeitenstrudel scheitert.

Grüner Wandschirm im Goethezimmer

Über den Schirm mit einer Handzeichnung Goethes über ein dörfliches Motiv schreibt er: "Mit dem Schirm scheint mir's unmöglich fertig zu werden. Ich kann mich kaum entschließen, wieder daran anzufangen". Und an demselben Tage nochmal: "Am Schirm habe ich nichts machen können, ich will morgen früh das Mögliche tun".
     Das war wohl eine störende Wirkung von fehlender Stimmung. Er war ja in Weimar, wo er den Schirm fertigmachen wollte, oft missgestimmt. Denn, dass es ihm mit seinen Kochberger Zeichnungen sonst gut glückte, beweisen folgende Briefstellen: "Heute früh hab ich im großen Garten (Park) gezeichnet am Plazz wo wir neulich stillstanden und Sie mir die schöne Gegend zeigten. Ich war heut glücklich im Zeichnen". ─ "Ich habe heut den Göttern sey Dank von 8 Uhr früh bis Abends 8 gezeichnet, in Kochberg und hier immer mit gleicher Freude ... Auf dem Papier sind allerley treue gute Augenblicke befestigt, Augenblicke in denen immer der Gedanke an Sie über der schönen Gegend schwebte".

Lichtschirm im Goethezimmer

Schirm für ein Nachtlicht, wohl nach einem Vorwurf von Melchior Kraus,
darstellend das Römische Haus, darunter Weimarer Park mit Ilm im Mondenschein.

Für Charlotte mochte die Szenerie mit "Busch und Tal" einen wehmütigen Anklang an das ihr einst in glücklichen Tagen gewidmete Lied an den Mond, das darin besungene "liebe Tal" und den es erfüllenden "Nebelglanz" bedeuten. Den mittleren Strophen gab sie zum Ausdruck ihres Schmerzes über Goethes als Treulosigkeit empfundene geheime Flucht nach Italien eine ihrer Stimmung gemäße Fassung:

Breitest über mein Gefild
Lindernd Deinen Blick,
Da des Freundes Auge mild
Nie mehr kehrt zurück.
Lösch das Bild aus meinem Herz
Vom geschiednen Freund,
Dem unausgesprochner Schmerz
Stille Tränen weint.
Mischet euch in diesen Fluß!
Nimmer werd ich froh:
So verrauschte Scherz und Kuß
Und die Treue so.

Und für ein anderes, ein altes Volkslied, das sie in Kochberg zur Laute hatte singen hören, fand sie damals eine Umdichtung:

Ach ich möchte fort und fort
Eilen und weiß keinen Ort!
Weiß mein Herz an nichts zu binden,
Weiß nichts Gutes mehr zu finden:
Alles, alles floh mit Dir,
Ich, allein, verarmt' in mir.

Schloss Kochbergs nächstes Vorgelände

Wie von hoher Warte schaute die Schloßherrin während ihres regelmäßigen langen Sommeraufenthalts durch den grünen Flor einer Zeile abgrenzender Lindenbäume, die damals emporwuchsen und heute eine hohe, hie und da schon etwas altersschwache Scheidewand bilden, hernieder auf eine Außenprovinz ihres Reiches, eine Provinz, in der nach den Plänen der hohen Regierung, d.h. ihres Gemahls, des Herzogl. Oberstallmeisters in Weimar, Ackerbau und Viehzucht getrieben wurde.
     An dem Blättervorhang gegenüber ihrem Ausguck endete ihre ureigenste Welt, die der schönen Geister und ihrer Ideale, und auf der Bühne dahinter spielten sich die Prosastücke des praktischen Lebens ab. Dort herrschte der Primat nüchterner Wirtschaft, wie es heute noch ist. Aber auch auf dem Wirtschaftshof, dem Siedelhof, wie er in den mittelalterlichen Urkunden genannt wird, war die Gutsherrin zu Hause wie in ihrer Burg. Und in Feld und Wald, durch die sie, eine ausgezeichnete Reiterin, zur Inspektion lange Ritte unternahm, nicht minder.
     Mit jenem ausgeprägten Pflichtgefühl, das ihr eignete, widmete sie sich als bevollmächtigter Minister ihres durch den Dienst nur allzuoft und lange ferngehaltenen Gatten den örtlichen Regierungsgeschäften in der Ökonomie und führte auch hier ihrer Natur gemäß den gewohnten Kampf gegen das "was nicht sein sollte", das Schlechte und Unrechte.
     So schloß denn auch jener "unmalerische" Raum, den der Betrachter in dem ersten Bild (Schloß Kochberg vom Gutshof, d.i. vom Süden aus gesehen) als Hintergrund leicht angedeutet sieht, zwischen den wie ein wehrhaftes Vorwerk, in Hufeisenform, ihn rings umbauenden Scheunen und Ställen doch auch wieder einen Lebens- und Wirkungskreis Charlottes, ein Stück von ihrem Reiche ein.
     Allerdings leicht und eine ungemischte Freude war es nicht immer, darin zu schalten und zu walten. Gar oft erntete sie Enttäuschung und Sorge, wo Zuversicht und Hoffnung die Saat gewesen. Ihre Freunde, an der Spitze Goethe und Karl August, sahen aus der Nähe dem zähen Kampfe, der manchmal einem Kampf gegen Windmühlen zu gleichen schien, mit reger Anteilnahme zu und machten sich ihrerseits wieder ihre eigenen Sorgen um die Kämpferin.
     Goethe schreibt u.a. einmal darüber an Charlotte: "Auch in der Art wie du die Kochberger Wirtschaft angreifst lieb ich dich aufs neue. Was kannst du tun worinne nicht dein köstliches Wesen erscheine". Und über Charlotte schreibt er an den fürstlichen Freund: "Sie schleppt an dem Kochberger Wirtschaftskreuze, sie teilt bloß das Übel, ohne es heben zu können".

Der Park

Treppengang

Borkenhäuschen am Parkweiher

Begräbnisstätte

Alles ist vergänglich.

Spruch auf dem altarähnlichen Denkmal neben der "Einsiedelei" zu Häupten einer Familiengrabstätte.
Der Spruch hat seine Geschichte, die ihn erklärt.
Aber dennoch:

       Alles ist vergänglich?
       Nichts ist vergänglich.

Und auf dem Schauplatz ihres Erdenwallens und -wirkens leben fort die Geister der Entrückten, und der Lebende spürt ihren Hauch. "Wer den Besten seiner Zeit genug getan, der hat gelebt für alle Zeiten". Und von den Großen im Reiche des Geistes und der Geister gilt das Wort aus dem "Faust": "Es kann die Spur von ihren Erdentagen nicht in Äonen untergehn".

Berghäuschen

Park und Landschaft. Aus "Die Wahlverwandtschaften". Beschreibung der neuen Anlagen im ersten Kapitel des Romans.

"Die Mooshütte wird heute fertig, die sie (Charlotte) ... dem Schlosse gegenüber gebaut hat. ... Unten das Dorf, ein wenig rechter Hand die Kirche, über deren Turmspitze man fast hinwegsieht , ... Dann öffnet sich ... das Tal, und man sieht über die reichen Baumwiesen in eine heitere Ferne. Der Stieg die Felsen hinauf ist gar hübsch angelegt ... und so gelangte man denn durch Busch und Gesträuch zur letzten Höhe ..."
Er (Eduard) "betrat sodann den eigentlichen Stieg und sah sich durch allerlei Treppen und Absätze auf dem schmalen, bald mehr bald weniger steilen Wege endlich zur Mooshütte geleitet ..."

Das Berghäuschen, auf Goethes oft betretenem Pfad gelegen, mag den Wanderer empfangen mit Gruß vom Dornburger Schloß, von woher Goethe einst an die in Kochberg weilende Freundin schrieb:

Ich bin eben nirgends geborgen,
Fern an die Saale hier
Verfolgen mich manche Sorgen
Und meine Liebe zu Dir.

mit dem Gruß:

Freudig trete herein,
Und froh entferne Dich wieder.
Ziehst Du als Wandrer vorbei,
Segne die Pfade Dir Gott.

Hundertjährige Akazie am Teehäuschen

Blick vom Berghäuschen auf Schloss (links) und Dorf Kochberg (rechts).
Im Hintergrund die Höhenzüge des Saaletales.

Aus Kochbergs Hofbezirk rollte durch den Tunnel der tiefen Torfahrt am 7. September 1788 der Wagen, der den zum letzten Male als Gast der Freundin in ihrem ländlichen Reiche weilenden Freund unter ihrer Schirmherrschaft dem Dunstkreis eines neu am Horizont emporsteigenden Sternes, der sich bald dem seinen dioskurisch verschwistern sollte, zuführte. Goethe machte bei einem Besuche in dem den Kochbergern befreundeten Lengefeldschen Hause in Rudolstadt die Bekanntschaft Schillers.

     So endete Kochbergs Goethezeit. Als hinter dem scheidenden Dichter das Tor ins Schloss fiel, stand vor ihm der Wegweiser in eine neue Zeit:
     "Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag".

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6. Die Zeichnerin Editha Drawert

Editha Drawert (1887-1947) lebte als Zeichenlehrerin in Jena, bevor sie mit ihrer Mutter und der älteren Schwester nach Großkochberg zog. Sie besuchte des öfteren Felix und Eva Stein, die letzten Schlossherren auf Kochberg. "Schloss und Park Kochberg boten eine Fülle von Motiven für kleine Formate – ohne Staffelei und Palette entstanden Bleistift- und Tuschfeder-Skizzen, die später mit Aquarellfarben coloriert werden konnten." "Die Vervielfältigung der Drawertschen Miniaturen erfolgte in lithographischer Technik, wobei für jede Farbe ein eigener Durchlauf durch die Druckerpresse erforderlich war."

Nach dem Muster des hier herangezogenen "Weberschiffchens" von 1936 kam als weiteres von Drawert illustriertes Büchlein heraus: Friedland, das Schloss Wallensteins. Einleitung von Josef Bergel. Mit 24 Abbildungen nach Steinzeichnungen von Editha Drawert (Weberschiffchen-Bücherei; 37) Leipzig: J.J. Weber 1940.

"Der Kunsthistoriker und Publizist Edwin Redslob, der Material für seine schließlich 1943 erschienene Charlotte-von-Stein-Biographie sammelte [Edwin Redslob: Charlotte von Stein (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 7595/96) 1943] wurde durch Editha Drawerts Zeichnungen zu 15 Gedichten unter dem Titel 'Großkochberg, eine Wanderung in Verszeilen' angeregt." (unpubliziert, verschollen?)

Quelle: Heidemarie Förster-Stahl, Die Zeichnerin Editha Drawert. In: Rudolstädter Heimathefte. Vol. 51, No. 1/2, 2005, S. 17-21.

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7. Literatur und Weblinks

Literatur zu Frau von Stein

* Franz Muncker: Charlotte von Stein. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Band 35 (1893), S. 602–605. Auch online verfügbar:
https://www.deutsche-biographie.de/pnd118617222.html#adbcontent
* Goethes Briefe an Frau von Stein nebst dem Tagebuch aus Italien und Briefen der Frau von Stein. In vier Bänden. Mit Einleitung von K[arl] Heinemann (Cotta'sche Bibliothek der Weltliteratur) Stuttgart und Berlin: J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger [um 1900].
* Elke Richter: Goethes frühe Briefe an Charlotte von Stein neu ediert
https://blog.klassik-stiftung.de/goethes-fruehe-briefe-an-charlotte-von-stein-neu-ediert/
* Nicholas Boyle: Goethe. Der Dichter in seiner Zeit. Band I 1749-1790. 2. Aufl. München: C.H. Beck 1999. Hier S. 297-310. ISBN 3-406-39801-4
* Helmut Koopmann: Goethe und Frau von Stein. Geschichte einer Liebe. München: C.H. Beck 2002. ISBN 3-406-48652-5
* Sigrid Damm: "Sommerregen der Liebe". Goethe und Frau von Stein (Insel-Taschenbuch; 4580) Berlin: Insel Verlag 2017. ISBN 3-458-36280-0

Literatur zu Schloss Kochberg

* In Kochberg dem Reiche von Charlotte von Stein. Mit 24 sechsfarbigen Abbildungen nach Steinzeichnungen von Editha Drawert, einer Silhouette und dem Selbstbildnis von Charlotte von Stein. Begleitwort von Felix Freiherrn v. Stein-Kochberg (Weberschiffchen-Bücherei ;15) Leipzig: J.J. Weber 1936.

Zu den "Weberschiffchen" siehe den Eintrag in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Weberschiffchen-Bücherei

* Willi Ehrlich: Schloss Kochberg. Goethe-Gedenkstätte. Nationale Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar. 7. Aufl. 1981.
* Schloß Kochberg. Goethe bei Frau von Stein. Fotografien Angela Fischer. Text Bernd Erhard Fischer (Zwischen den Zeiten. Hrsg. von Bernd Erhard Fischer). Berlin Brandenburg: be.bra verlag 1999. ISBN 3-930863-66-9
* Goethe bei Frau von Stein in Kochberg. Text: Bernd Erhard Fischer. Photographien: Angelika Fischer. Berlin: Edition A.B. Fischer 2010. ISBN 978-3-937434-33-9


Weblinks zu Frau von Stein

* Die Schriftstellerin Charlotte von Stein von dem Kuratorenteam des Goethe- und Schiller-Archivs • 19. Januar 2017
https://blog.klassik-stiftung.de/schriftstellerin-charlotte-von-stein/

"Bis heute findet Charlotte von Stein fast ausschließlich im Bezug zu Goethes Leben und Werk Beachtung. Das Kuratorenteam des Goethe- und Schiller-Archivs zeigt die außergewöhnliche Frau als Schriftstellerin am Beispiel dreier ihrer Werke."

Weblinks zu Schloss Kochberg

* Schloss, Park und Liebhabertheater Kochberg
https://www.klassik-stiftung.de/schloss-und-park-kochberg/
* Eintrag "Schloss Kochberg" in Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Kochberg

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