goethe

Jutta Assel | Georg Jäger

Gottfried August Bürger
"Der wilde Jäger"

mit 5 Bildtafeln von Joseph Führich

Stand: Oktober 2011
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  • Bürgers Ballade Der wilde Jäger mit 5 Bildtafeln, gezeichnet von Joseph Führich, radiert von Anton Gareis. Erster Neudruck der Original-Ausgabe nebst dem Begleit-Text von Anton Müller (1827). Verlag Parcus & Co., München 1919. Format 18 x 24 cm. – Widmung: Meister Matthäus Schiestl zum fünfzigsten Geburtstage in dankbarer Verehrung. München, im März 1919. Der Eichendorff-Bund.

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Gliederung

Zwei Arten der Lektüre stehen zur Wahl: zum einen das Faksimile des Buches mit Text und Bild, zum anderen der Neusatz der Ballade mit den Bildern.

 

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1. Faksimile des Buches

Das Buch wird originalgetreu mit Text und Bildern reproduziert. Nicht reproduziert werden lediglich Außentitel, Schmutztitel und die Widmung.

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 Innentitel
 Zwischenblatt
 Titelfaksimile
9  1. Brief, als Vorwort
11  2. Brief
13  Erstes Blatt
15  3. Brief
17  Zweites Blatt
19  4. Brief
21  Drittes Blatt
23  5. Brief
25  Viertes Blatt
27  6. Brief
29  Fünftes Blatt
31  7. Brief als Schlußwort

 

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2. Text der Ballade

Der wilde Jäger

Der Wild- und Rheingraf stieß ins Horn:
"Hallo, Hallo zu Fuß und Roß!"
Sein Hengst erhob sich wiehernd vorn;
Laut rasselnd stürzt' ihm nach der Troß;
Laut klifft' und klafft' es, frei von Koppel,
Durch Korn und Dorn, durch Heid' und Stoppel.
 
Vom Strahl der Sonntagsfrühe war
Des hohen Domes Kuppel blank.
Zum Hochamt rufte dumpf und klar
Der Glocken ernster Feierklang.
Fern tönten lieblich die Gesänge
Der andachtsvollen Christenmenge.
 
Rischrasch quer über'n Kreuzweg ging's,
Mit Horridoh und Hussasa.
Sieh da! Sieh da, kam rechts und links
Ein Reiter hier, ein Reiter da!
Des Rechten Roß war Silbersblinken,
Ein Feuerfarbner trug den Linken.

 

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Wer waren Reiter links und rechts?
Ich ahnd' es wohl, doch weiß ich's nicht.
Lichthehr erschien der Reiter rechts,
Mit mildem Frühlingsangesicht.
Graß, dunkelgelb der linke Ritter
Schoß Blitz vom Aug', wie Ungewitter.
 
"Willkommen hier, zu rechter Frist,
Willkommen zu der edlen Jagd!
Auf Erden und im Himmel ist
Kein Spiel, das lieblicher behagt." –
Er rief's, schlug laut sich an die Hüfte,
Und schwang den Hut hoch in die Lüfte.
 
"Schlecht stimmet deines Hornes Klang"
Sprach der zur Rechten, sanftes Muts,
"Zu Feierglock' und Chorgesang.
Kehr um! Erjagst dir heut nichts guts.
Laß dich den guten Engel warnen,
Und nicht vom Bösen dich umgarnen!" –
 
"Jagt zu, jagt zu, mein edler Herr!"
Fiel rasch der linke Ritter d'rein.
"Was Glockenklang? Was Chorgeplärr?
Die Jagdlust mag euch baß erfreun!
Laßt mich, was fürstlich ist, euch lehren
Und euch von Jenem nicht bethören!" –
 
"Ha! Wohlgesprochen, linker Mann!
Du bist ein Held nach meinem Sinn.
Wer nicht des Waidwerks pflegen kann,
Der scher' ans Paternoster hin!
Mag's, frommer Narr, dich baß verdrießen,
So will ich meine Lust doch büßen!" –
 
Und hurre hurre vorwärts ging's,
Feld ein und aus, Berg ab und an.
Stets ritten Reiter Rechts und Links
Zu beiden Seiten neben an.
Auf sprang ein weißer Hirsch von Ferne,
Mit sechzehnzackigem Gehörne.
 
Und lauter stieß der Graf ins Horn;
Und rascher flog's zu Fuß und Roß;
Und sieh! bald hinten und bald vorn
Stürzt' Einer tot dahin vom Troß.
"Laß stürzen! Laß zur Hölle stürzen!
Das darf nicht Fürstenlust verwürzen."
 
Das Wild duckt sich ins Ährenfeld
Und hofft da sichern Aufenthalt.
Sieh da! Ein armer Landmann stellt
Sich dar in kläglicher Gestalt.
"Erbarmen, lieber Herr, Erbarmen!
Verschont den sauern Schweiß des Armen!"
 
Der rechte Ritter sprengt heran,
Und warnt den Grafen sanft und gut.
Doch baß hetzt ihn der linke Mann
Zu schadenfrohem Frevelmut.
Der Graf verschmäht des Rechten Warnen
Und läßt vom Linken sich umgarnen.

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"Hinweg, du Hund!" schnaubt fürchterlich
Der Graf den armen Pflüger an.
"Sonst hetz' ich selbst, beim Teufel! dich.
Halloh, Gesellen, drauf und dran!
Zum Zeichen, daß ich wahr geschworen
, Knallt ihm die Peitschen um die Ohren!"
 
Gesagt, gethan! Der Wildgraf schwang
Sich übern Hagen rasch voran,
Und hinterher, bei Knall und Klang,
Der Troß mit Hund und Roß und Mann;
Und Hund und Mann und Roß zerstampfte
Die Halmen, daß der Acker dampfte.
 
Vom nahen Lärm emporgescheucht,
Feld ein und aus, Berg ab und an
Gesprengt, verfolgt, doch unerreicht,
Ereilt das Wild des Angers Plan;
Und mischt sich, da verschont zu werden,
Schlau mitten zwischen zahme Herden.
 
Doch hin und her, durch Flur und Wald
Und her und hin, durch Wald und Flur,
Verfolgen und erwittern bald
Die raschen Hunde seine Spur.
Der Hirt, voll Angst für seine Herde,
Wirft vor dem Grafen sich zur Erde.
 
"Erbarmen, Herr, Erbarmen! Laßt
Mein armes stilles Vieh in Ruh!
Bedenket, lieber Herr, hier gras't
So mancher armen Witwe Kuh.
Ihr Eins und Alles spart der Armen!
Erbarmen, lieber Herr, Erbarmen!"
 
Der rechte Ritter sprengt heran,
Und warnt den Grafen sanft und gut.
Doch baß hetzt ihn der linke Mann
Zu schadenfrohem Frevelmut.
Der Graf verschmäht des Rechten Warnen
Und läßt vom Linken sich umgarnen.
 
"Verwegner Hund, der du mir wehrst!
Ha, daß du deiner besten Kuh
Selbst um und angewachsen wärst,
Und jede Vettel noch dazu!
So sollt' es baß mein Herz ergötzen,
Euch stracks ins Himmelreich zu hetzen.
 
Hallo, Gesellen, drauf und dran!
Jo! Doho! Hussasa!" –
Und jeder Hund fiel wütend an,
Was er zunächst vor sich ersah.
Bluttriefend sank der Hirt zur Erde,
Bluttriefend Stück für Stück die Herde.

 

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Dem Mordgewühl entrafft sich kaum
Das Wild mit immer schwächerm Lauf.
Mit Blut besprengt, bedeckt mit Schaum
Nimmt jetzt des Waldes Nacht es auf.
Tief birgt sich's in des Waldes Mitte,
In eines Kläusners Gotteshütte.
 
Risch ohne Rast mit Peitschenknall,
Mit Horridoh und Hussasa,
Und Kliff und Klaff und Hörnerschall,
Verfolgt's der wilde Schwarm auch da.
Entgegen tritt mit sanfter Bitte
Der fromme Kläusner vor die Hütte.
 
"Laß ab, laß ab von dieser Spur!
Entweihe Gottes Freistatt nicht!
Zum Himmel ächzt die Kreatur
Und heischt von Gott dein Strafgericht.
Zum letzten male laß dich warnen,
Sonst wird Verderben dich umgarnen!"
 
Der Rechte sprengt besorgt heran
Und warnt den Grafen sanft und gut.
Doch baß hetzt ihn der linke Mann
Zu schadenfrohem Frevelmut.
Und wehe! trotz des Rechten Warnen,
Läßt er vom Linken sich umgarnen!

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"Verderben hin, Verderben her!
Das", ruft er, "macht mir wenig Graus.
Und wenn's im dritten Himmel wär,
So acht' ichs keine Fledermaus.
Mag's Gott und dich, du Narr, verdrießen;
So will ich meine Lust doch büßen!"
 
Er schwingt die Peitsche, stößt ins Horn:
"Halloh, Gesellen, drauf und dran!"
Hui, schwinden Mann und Hütte vorn,
Und hinten schwinden Roß und Mann;
Und Knall und Schall und Jagdgebrülle
Verschlingt auf einmal Totenstille.
 
Erschrocken blickt der Graf umher;
Er stößt ins Horn, es tönet nicht;
Er ruft und hört sich selbst nicht mehr;
Der Schwung der Peitsche sauset nicht;
Er spornt sein Roß in beide Seiten
Und kann nicht vor nicht rückwärts reiten.
 
D'rauf wird es düster um ihn her,
Und immer düstrer, wie ein Grab.
Dumpf rauscht es, wie ein fernes Meer.
Hoch über seinem Haupt herab
Ruft furchtbar, mit Gewittergrimme,
Dies Urteil eine Donnerstimme:
 
"Du Wütrich, teuflischer Natur,
Frech gegen Gott und Mensch und Tier!
Das Ach und Weh der Kreatur,
Und deine Missethat an ihr
Hat laut dich vor Gericht gefodert,
Wo hoch der Rache Fackel lodert.
 
Fleuch, Unhold, fleuch, und werde jetzt,
Von nun an bis in Ewigkeit,
Von Höll' und Teufel selbst gehetzt!
Zum Schreck der Fürsten jeder Zeit,
Die, um verruchter Lust zu fronen,
Nicht Schöpfer noch Geschöpf verschonen!" –
 
Ein schwefelgelber Wetterschein
Umzieht hierauf des Waldes Laub.
Angst rieselt ihm durch Mark und Bein;
Ihm wird so schwül, so dumpf und taub!
Entgegen weht' ihm kaltes Grausen,
Dem Nacken folgt Gewittersausen.
 

Das Grausen weht, das Wetter saust,
Und aus der Erd' empor huhu!
Fährt eine schwarze Riesenfaust;
Sie spannt sich auf, sie krallt sich zu;
Hui! will sie ihn beim Wirbel packen;
Hui! steht sein Angesicht im Nacken.

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Es flimmt und flammt rund um ihn her,
Mit grüner, blauer, roter Glut;
Es wallt um ihn ein Feuermeer;
Darinnen wimmelt Höllenbrut.
Jach fahren tausend Höllenhunde,
Laut angehetzt, empor vom Schlunde.
 
Er rafft sich auf durch Wald und Feld,
Und flieht lautheulend Weh und Ach;
Doch durch die ganze weite Welt
Rauscht bellend ihm die Hölle nach,
Bei Tag tief durch der Erde Klüfte,
Um Mitternacht hoch durch die Lüfte.
 
Im Nacken bleibt sein Antlitz stehn,
So rasch die Flucht ihn vorwärts reißt.
Er muß die Ungeheuer sehn,
Laut angehetzt vom bösen Geist,
Muß sehn das Knirrschen und das Jappen
Der Rachen, welche nach ihm schnappen. –
 
Das ist des wilden Heeres Jagd,
Die bis zum jüngsten Tage währt,
Und oft dem Wüstling noch bei Nacht
Zu Schreck und Graus vorüberfährt.
Das könnte, müßt' er sonst nicht schweigen,
Wohl manches Jägers Mund bezeugen.

Gottfried August Bürger: Sämtliche Werke. Hg. von Günter u. Hiltrud Häntzschel. München: Carl Hanser Verlag 1987, S. 248-255. – Erstdruck: Göttinger Musenalmanach 1786. Beruht auf dem Sagenstoff zum wilden Jäger.

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3. Kurzbiographie von G. A. Bürger

Bürger, Gottfried August, namhafter deutscher Dichter, geb. in der Silvesternacht 1747/48 in Molmerswende bei Ballenstedt am Unterharz, wo sein Vater Pfarrer war, gest. 8. Juni 1794 in Göttingen, besuchte die Stadtschule zu Aschersleben (1759 bis 1760), dann das Pädagogium zu Halle (1760-1763), begann gegen seine Neigung, nur auf Verlangen seines Großvaters, 1764 das Studium der Theologie zu Halle, wandte sich jedoch bald unter dem Einfluß des Professors Chr. Ad. Klotz schönwissenschaftlichen Studien zu. Nach Erledigung seiner oft durch zügellosen Leichtsinn unterbrochenen Studien erhielt er 1772 durch Boies Vermittelung die Stelle eines Amtmanns von Altengleichen bei Göttingen, trat mit dem jungen Dichterkreis in Göttingen (Hölty, Voß, Miller, Cramer, die Grafen Stolberg u. a.) in Beziehung und heiratete im Herbst 1774 eine Tochter des Justizamtmanns Leonhart zu Niedeck, mit der er bald darauf nach Wölmershausen, einem Dorf seines Gerichtssprengels, zog. Bald jedoch faßte er die heftigste Leidenschaft für die jüngere Schwester seiner Frau, die in seinen Liedern unter dem Namen Molly überschwenglich gefeierte Auguste, die nach dem Tod ihres Vaters (1777) eine Zeitlang unter seinem Dach lebte. Das Doppelverhältnis zu den beiden Schwestern bereitete ihm jahrelang die aufreibendste Gewissensqual. Dazu kamen mancherlei häusliche Sorgen. Von seinen Vorgesetzten obendrein wegen nachlässiger Geschäftsführung angeklagt, wurde B. in der angeordneten Untersuchung zwar freigesprochen, doch entschloß er sich, sein Amt freiwillig niederzulegen.

Nach dem Tode seiner Gattin (1784) siedelte er nach Göttingen über, um sich durch Privatvorlesungen über Ästhetik, deutschen Stil und ähnliche Gegenstände eine neue Existenz zu begründen, und verband sich im Juni 1785 endlich mit seiner geliebten Molly auch am Altar. Ihr früher Tod (9. Jan. 1786) stürzte ihn von neuem in das tiefste Seelenleid und benahm ihm für einige Zeit die Luft zu dichterischem Schaffen. Die Universität erteilte ihm bei ihrem 50jährigen Jubiläum die philosophische Doktorwürde und bewirkte im November 1789 seine Ernennung zum außerordentlichen Professor (jedoch ohne Gehalt). Der Wunsch nach einem geordneten Hausstand veranlaßte B. zu einer dritten Heirat, der unglücklichsten. Im Oktober 1790 verband er sich mit seinem "Schwabenmädchen"; aber schon nach wenigen Wochen trat die unglückseligste Zerrüttung des Familienlebens ein, der zwar durch eine Ehescheidung (März 1792) ein Ende gemacht wurde, jedoch nicht, ohne daß Lebensmut und Lebenshoffnungen in B. völlig vernichtet wurden. Er hinterließ zwei Töchter und zwei Söhne.

1895 wurde ihm in Göttingen ein Denkmal errichtet. B. war klein und hager, die Gesichtszüge waren zu groß für seine Gestalt, aber Stirn und Nase kühn, und durch die schönen Augen schimmerte der schaffende Dichtergeist. Gesellige Gewandtheit ging ihm ab, und seinem Charakter fehlte bei einem hohen Grad von Herzensgüte die Willensstärke.

Bürgers Dichtertalent gedieh nur langsam zur Entwickelung, wesentlich gefördert durch die kritische Strenge seines Freundes Boie und insbes. durch die Berücksichtigung volkstümlicher Muster. Die Wärme seiner Empfindung, die unmittelbaren und ergreifenden Naturtöne der Innerlichkeit, die Weichheit und zugleich die Kraft des Ausdrucks, die Mannigfaltigkeit der Formen, die er beherrschte, stempeln ihn zu einem der größten deutschen Lyriker, wenn auch Schillers Vorwurf, ihm fehle der ideale Begriff von Liebe und Schönheit, nicht ganz unberechtigt ist. Neben seinen lyrischen Gedichten wurden vor allem seine erzählenden Gedichte im Volkston berühmt. Seine ersten Schöpfungen dieser Art tragen in Nachahmung Gleims einen burlesk-parodistischen Charakter; den wahren Ton der volkstümlichen Ballade fand er erst unter dem Einfluß der englischen Volksliedersammlung Percys, der Aufsätze Herders und der Erstlingsschriften Goethes. Im "Musenalmanach" auf 1774 erschien seine berühmteste Ballade, die "Lenore". Seine Ansicht, daß Popularität eines dichterischen Werkes das Siegel seiner Vollkommenheit sei, entwickelte er 1776 in dem Aufsatz "Aus Daniel Wunderlichs Buch". 1778 übernahm B. an Göckingks Statt die Redaktion des "Göttinger Musenalmanachs" und gab die erste Sammlung seiner "Gedichte" (neue Aufl., 1789, 2 Bde.) heraus. Seine Übersetzungen sind, wie der Versuch einer Ilias in Jamben und seine Macbeth-Bearbeitung, meistens durch die Anwendung falscher Übersetzungsprinzipien mißlungen. Eine Sammlung von Bürgers sämtlichen Schriften veranstaltete Reinhard (Götting. 1796-98, 4 Bde.; zuletzt 1823 24 in 7 Bdn.), der auch Bürgers "Lehrbuch der Ästhetik" (Berl. 1825, 2 Bde.) und das "Lehrbuch des deutschen Stils" (das. 1826) nach seinen in Göttingen gehaltenen Vorlesungen und als einen Supplementband seine "Ästhetischen Schriften" (das. 1832) herausgab. (Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Aufl. 1905-1909, Bd.3, 1905, S. 621 f. Digitale Bibliothek 100, S. 28096-28009)

 

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4. Kurzbiographien der Mitarbeiter

Führich, Joseph von, Maler, geb. 9. Febr. 1800 zu Kratzau in Böhmen, gest. 13. März 1876 in Wien, bildete sich seit 1818, unterstützt von dem Grafen Elam-Gallas, dem Besitzer von Kratzau, in Prag bei Bergler zum Maler und ging dann, nachdem er sich kurze Zeit im Kreis der Romantiker zu Wien aufgehalten, 1829 nach Rom. Da er früher seine künstlerische Tätigkeit vorzugsweise dem romantischen Fach gewidmet, wie seine Erstlingswerke, der Tod Ottos von Wittelsbach (nach Babos Trauerspiel), die Zeichnungen zu Tiecks "Genoveva" (Prag 1824), "Phantasus" und "Elfenmärchen", zu Goethes "Erlkönig" und "Hermann und Dorothea" (1827) etc., beweisen, erschien er auch in Rom sogleich geeignet, sich an dem romantischen Freskenzyklus der Villa Massimi zu beteiligen, und ward von Overbeck mit der Vollendung der Tasso-Bilder betraut.

Während seines Aufenthalts in Rom wandte er sich ausschließlich der strengen kirchlichen Malerei zu und zwar in der Richtung Overbecks. 1829 kehrte er nach Prag zurück, und 1834 siedelte er nach Wien über. 1841 zum Professor der geschichtlichen Komposition an der Akademie in Wien ernannt, gab F. dieser für viele Jahre die Richtung und erhielt nun auch mit seinen Freunden und Gesinnungsgenossen Kupelwieser, Schulz und Dobiaschofsky Gelegenheit zu monumentalen Arbeiten, zunächst in den Entwürfen zu dem Kreuzweg auf dem St. Lorenzberg zu Prag und in den Freskostationen der neuerbauten Johanniskirche zu Wien, seit 1854 aber vornehmlich in der Ausmalung der neuen Altlerchenfelder Kirche. Seit der Vollendung dieser Gemälde (1861), die ihm seine Erhebung in den Ritterstand einbrachten, widmete sich F. mit wachsendem Erfolg und, mit jedem neuen Werk seine ältern an künstlerischer Bedeutung übertreffend, im Anschluß an Dürer und Overbeck der Herstellung von zyklischen Zeichnungen für Stich und Holzschnitt.

Seine Werke zeichnen sich durch tiefes Eindringen in den Geist der katholischen Mystik, sittlichen Ernst der Auffassung, energische Charakteristik, Reinheit der Formen, einfache Schönheit der Gewandung und freie, ungezwungene Bewegung aus. (Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Aufl 1905-1909; Bd. 7, S. 196f.; Digitale Bibliothek 100, S. 64570-64572. Redigiert, gekürzt.)

Joseph Führich: Selbstbildnis 1829. In: L'Âge d'or du romantisme allemand. Aquarelles & dessins à l'époque de Goethe. Sous la direction de Hinrich Sieveking. Musée de la Vie Romantique. Paris 2008, Nr. 33.

Gareis, Johann Anton, geb. am 29. März 1793 in Klosterfreiheit, gest. am 23. Juni 1863 in Prag. Er begann 1811 sein Studium an der Dresdner Kunstakademie bei Professor Matthaei. Im Jahre 1818 erwarb er das Bürgerrecht von Neustadt in Oberschlesien. Bald danach wandte er sich nach Breslau und arbeitete dort für den Maler und Steindrucker Johann David Grüson. 1822 ging er nach Prag, wo er für ein Jahr die Prager Kunstakademie besuchte. Er blieb in Prag und erteilte auch Zeichenunterricht in adeligen Häusern. Seine Fertigkeiten lagen in der Genre- und Porträtmalerei sowie in der Lithographie. (Homepage von Frank Gareis, URL: www.gaes.de/d-anton.html)

Müller, Anton, geb. 1792, gest. 5. Januar 1843. Professor der Ästhetik, der klassischen Literatur, der lateinischen und griechischen Philologie an der Hochschule zu Prag seit 1826. Rezensent der an der Prager deutschen Bühne aufgeführten Schau- und Singspiele, von Gemäldeausstellungen und Konzerten. Weitere Publikation mit Führich: Pater noster von J. Führich, deutsch in neun Blättern mit Text von Anton Müller. Prag 1827. Übertragung ins Französische, Ausgabe für die Jugend. (Deutsches Biographisches Archiv)

 

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