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Newsletter No. 8 vom 04. September 2011

»Die Rezeption des Nibelungenstoffs in der Kunst und Kultur der Goethezeit«

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Goethezeit,

im heutigen Newsletter möchten wir ihnen das von Prof. Dr. Gunter E. Grimm geleitete Projekt zur Rezeption des Nibelungenstoffes in der deutschen Literatur und Kunst von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart vorstellen.

Wichtige Stationen der literarischen Adaption sind die spätmittelalterlichen Populärversionen (Volksbuch, Hans Sachs), die Wiederentdeckung des Mittelalters im 18. Jahrhundert, die literarische Umformung in der Romantik, die dramatischen Aneignungen von Friedrich de la Motte Fouque, Ernst Raupach, Friedrich Hebbel, Emanuel Geibel und Paul Ernst.

Besondere Bedeutung kommt dabei Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen" zu. Für die nationale Identitätsfindung spielt die Rezeption des Nibelungenstoffes in der Bildenden Kunst eine wichtige Rolle: Zahlreiche Künstler haben nibelungische Themen aufgegriffen; sogar die Werbung hat sich seit 1900 nibelungischer Motive bedient. Im 20. Jahrhundert hat sich auch der Film dieses Gegenstandes angenommen (Fritz Lang, Harald Reinl).

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Umsetzung nibelungischer Themen und Motive im Schulunterricht sowie in didaktischen Handreichungen und Lehrbüchern. Am Schluss steht der Blick auf die Behandlung dieses Themas in moderner E- und U-Literatur (Heiner Müller, Jürgen Lodemann, Moritz Rinke, Wolfgang Hohlbein u.a.). Ein weiteres Arbeitsgebiet stellt der ideologische Einsatz des Nibelungenthemas in der Politik dar – von den Kämpfen um die nationalstaatliche Einheit über die Gegnerschaft zu Frankreich bis zu den beiden Weltkriegen. Hier erst wird das Nibelungenthema in einer oft unangemessenen Weise emotional aufgeladen („Nationalepos“), was sich noch im letzten obskuren Fund des Klosters Zwettl zeigt.

Im Rahmen des Projektes sollen die wichtigsten Textzeugnisse aus dem Umkreis der Nibelungen-Rezeption gesammelt und im Internet zugänglich gemacht werden, d.h. alle primären Textzeugnisse (produktive Rezeption) und eine Auswahl sekundärer Textzeugnisse (Essays, Aufsätze u.a.). Ebenfalls soll das einschlägige Bildmaterial aufbereitet werden. Eine umfassende Bibliographie zur Rezeption des Nibelungenstoffes ist bereits in Arbeit.



Neu ergänzt wurde die Seite zum Nibelungenstoff in Gedichten und Balladen der Goethezeit:



Die auf dieser Seite ebenso aktualisierte Dokumentation Goethe und das Nibelungenlied versammelt die Dokumente zu Goethes Beschäftigung mit dem Nibelungenlied in chronologischer Folge. Erkennbar wird dabei, dass Goethe sich – entgegen einer landläufigen Meinung – in verschiedenen Phasen seines Lebens mit älterer deutscher Literatur und insbesondere mit dem Nibelungenlied und dessen Illustrierung intensiv beschäftigt hat. Höhepunkte seiner Beschäftigung  ist die Erstellung zweier Karten zu den verschiedenen Reisen der Burgunden (nach Island und an den Hof König Etzels) sowie der Abdruck des wenig bekannten Gedichtes „Die Romantische Poesie“, in dem Figuren aus dem Nibelungenlied auftreten.



Auf der Seite Chronologie der Nibelungenrezeption finden Sie eine erweiterte Fassung der synoptischen Darstellung der Nibelungenrezeption:



Außerdem möchten wir Sie auf das gerade neu erschienene Buch zum Thema von Herrn Professor Grimm aufmerksam machen:

Gunter E. Grimm: Nibelungen-Gedichte. Ein Lesebuch

(Tectum Verlag 2011, ISBN 978-3-8288-2365-5, 344 Seiten, Hardcover, Preis: 34,90 €)

»Auch wer das Nibelungenlied nicht gelesen hat, kennt doch dessen Protagonisten, den starken Siegfried, die schöne Kriemhild und den grimmen Hagen, oder hat vom Untergang der Burgunder am Hof des Hunnenkönigs Etzel gehört. Weitgehend unbekannt dagegen sind die zahlreichen Gedichte, die nach der Entdeckung des Nibelungenliedes im Jahre 1755 durch Jacob Hermann Obereit entstanden sind. Sie handeln von nibelungischen Helden und Situationen und wurden oft aus tagespolitischem Anlass geschrieben, wobei die Nibelungen als Synonym für Deutschland galten.

Gunter E. Grimm versammelt eine repräsentative Auswahl solcher Nibelungengedichte. Die Autoren stammen aus allen weltanschaulichen Lagern; darunter sind so bekannte Dichter wie Goethe und Geibel, Heine und Hebbel, Brecht und Benn. Überwog lange Zeit die politische Indienstnahme, so ist ab der Mitte des 20. Jahrhunderts der Trend zu einer eher unbefangenen Sichtweise unverkennbar. Neben Gedichten jeglicher politischen Couleur finden sich in zunehmendem Maß heitere und humoristische Verse, die mit einem ideologisch schwer befrachteten Thema spielerisch umgehen. So vermittelt die chronologisch aufgebaute Sammlung neben historischer Erkenntnis auch unbeschwertes Lesevergnügen.«

 

 

Kleine Buchpräsentation

Das Buch enthält eine Sammlung von Gedichten, die auf irgendeine Weise vom Nibelungenstoff handeln. Dazu gehören die Nibelungen-Gedichte im engeren Sinn, Gedichte also, die Personen oder Konstellationen des mittelalterlichen Epos aufgreifen, aber auch solche Gedichte, die das Nibelungenlied lediglich erwähnen oder bloß Anspielungen auf die alte Sage enthalten. Unter diesen Gedichten musste selbstverständlich eine Auswahl getroffen werden. Die Reihe der Autoren beginnt, kurz nach der Wiederentdeckung des Nibelungenliedes durch Jacob Hermann Obereit im Jahre 1755, mit Johann Heinrich Füssli, und sie endet mit Franz Fühmann. Es ist zuweilen erstaunlich, wer alles sich mit dem Nibelungenstoff beschäftigt hat. In aller Ausführlichkeit Goethe und Uhland, Hebbel und Wagner, aber auch so bekannte Dichter wie Tieck, Brentano und Heine griffen auf nibelungische Themen zurück.

Hinter der Anthologie steht eine ausgedehnte Sammeltätigkeit. Die Suchaktionen wurden systematisch vorgenommen, doch verdanken sich einige Funde auch schönen Zufällen, etwa beim Schmökern in Zeitschriften und Werken, oder den Mitteilungen interessierter Leser des Internetportals www.nibelungenrezeption.de, das sich auf breiter Ebene (Geschichte, Politik, Kunst, Literatur, Musik) mit der Rezeption des Nibelungenstoffes beschäftigt.

Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen!

Ihr Goethezeitportal-Team
Dr. Danica Krunic

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