goethe

Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger
Rheinmotive in Literatur und Kunst
Eine Dokumentation

Rolandsbogen und Nonnenwerth

Stand: Juli 2011
Optimiert für Firefox

*****

Gliederung

Illustrierende Bilder sind vor und nach den Texten diesen zugeordnet.

*****

Andreas Achenbach: Rolandsbogen
Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild.

Andreas Achenbach (1815-1910): Rolandsbogen. Öl auf Leinwand, 1834. Ausriss. - Das Bild zeigt noch den ursprünglichen Zustand der Ruine, vor dem Einsturz 1839, dem Wiederaufbau des Bogens, dem Bau eines Gasthofes und der Anlage des Wanderweges.

*****

1. Ludwig Bechstein
Rolandseck

Es saß auf hoher Burg am Rhein hoch über dem Stromtal ein junger Rittersmann, Roland geheißen, manche sagen Roland von Angers, Neffe Karl des Großen, der liebte ein Burgfräulein, Hildegunde, die Tochter des Burggrafen Heribert, der auf dem nahen Schloss Drachenfels saß, und wurde wiederum auch von ihr geliebt. Da auch der alte Burggraf nichts gegen die Verbindung seiner Tochter mit Ritter Roland einzuwenden hatte, so verlobte er ihm seine geliebte Tochter herzlich gern.

Da erscholl, noch bevor die Vermählung des Brautpaares erfolgen konnte, ein Aufgebot der Ritterschaft gegen Hunnen und Heidenscharen, die im Osten das Reich bedrohten, und dem Ritter Roland geboten Pflicht und Ehre, diesem Aufgebot zu folgen. Große Taten der Tapferkeit tat Roland gegen die Heidenschwärme, und seine tapfere Hand entschied den Kampf zugunsten des Christenheeres. Davon kam die erfreuliche Kunde bald an den Rhein und auf den Drachenfels und weckte dort große Freude. Dann aber ward wieder eine Zeitlang keine Kunde vom Ritter Roland vernommen.

Endlich kam ein heimkehrender Ritter am Siebengebürge vorüber und sprach ein Nachtlager auf dem gastlichen Drachenfels an, der verkündete, ohne dass er wusste, wie schmerzlich für seine Wirte seine Kunde sei, dass Ritter Roland in einem der letzten Kämpfe an seiner Seite den Heldentod gefunden habe. Da entstand großes Leid und Wehklagen, und Hildegunde war so trauervoll, dass sie sogleich den Entschluss fasste, im Kloster Nonnenwerth den Schleier zu nehmen, und da der Bischof, der über dieses Kloster gebot, ihr Verwandter war, so willigte er in Hildegundens dringendes Verlangen, ihr das Probejahr zu erlassen, und ließ sie schon nach eines Monates Frist als Nonne einkleiden.

Am folgenden Tage stieg ein Gast zum Drachenfels empor, ward eingelassen und sah auf allen Mienen nur Trauer. Mit Schreck und Freude erkannte Ritter Heribert in dem Fremden den geliebten Ritter Roland. Wohl war dieser für tot vom Schlachtfeld getragen worden, aber wieder genesen, wohl hatte er Botschaft gesendet, aber der Bote war nicht angelangt, und nun fragte er nach seiner Hildegund und vernahm das Donnerwort: Sie ist eine Nonne!

Schrecklich war, was Roland empfand. Stumm vor Schmerz geht er vom Drachenfels herab, besteigt sein Ross, reitet nach Rolandseck hinauf, entlässt seine Diener, wählt sich droben einen Felsensitz, wo er herabschauen kann nach Nonnenwerth, und schaut herab nach der Geliebten, jeden Tag, und Mond um Mond, und Jahr um Jahr, lebt als Einsiedler und murmelt Gebete, wenn drunten im Tale die Klosterglocke klingt. Bisweilen erblickt er die Nonne Hildegund, die aus Trauer um ihn das ewig unlösbare Gelübde tat – bis er einst sie lange nicht mehr sieht, bis ein Leichenzug ihm sagt, dass sie geschieden aus dem irdischen Leben und zum ewigen Frieden eingegangen. Und bald danach ist Roland erblichen gefunden worden und ihr dahin nachgegangen, wo alle liebenden Seelen im Schoße der ewigen Liebe sich wieder einigen.


Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Nr. 104. Erstdruck: Leipzig: Georg Wigand 1853. Zitiert nach: Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky. Großbibliothek (Digitale Bibliothek; 125) Berlin: Directmedia 2005, S. 45.660-45.662. Redigiert.

*****

Rheinlied
Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild

Rheinlied. Verso: Rhein. Kunstdruckerei Fischer & Krämer G.m.b.H. Eltville, Filiale Brüssel. Gelaufen. Poststempel 1911. Auf der Vorderseite das "Rheinlied" von Otto Inkermann (Pseudonym C. O. Sternau, 1823-1862), Melodie von Peter Johann Peters (1820-1870), op. 3, 1867:

Strömt herbei ihr Völkerscharen
Zu des deutschen Rheines Strand!
Wollt ihr echte Lust erfahren,
O so reichet mir die Hand.
Nur am Rheine will ich leben,
Nur am Rhein geboren sein,
|: Wo die Berge tragen Reben,
   Und die Reben gold'nen Wein. :|

Mögen tausend schöne Frauen
Locken auch mit aller Macht
Auf Italiens gold'nen Auen,
Wo in Düften schwelgt die Nacht.
Nur am Rheine will ich lieben,
Denn in jedes Auges Schein
|: Stehet feurig es geschrieben:
   Nur am Rheine darfst du frei'n! :|

Mag der Franzmann eifrig loben
Seines Weines Allgewalt,
Mag er voll Begeist'rung toben,
Wenn der Kork der Flasche knallt.
Nur am Rheine will ich trinken,'
Einen echten deutschen Trank!
|: Und so lang noch Gläser winken,
   Töne laut ihm Lob und Dank. :|

*****

2. Karl Geib
Rolandseck und Nonnenwerth

[In dem hier nicht wiedergegebenen Abschnitt wird von der Liebe des Grafen von Angers, Neffe Karls des Großen, zur Prinzessin Angelika, einer "leichtfertigen Dame aus dem Orient," berichtet. Als Roland von ihrer Untreue erfuhr, "ward er in Zorn und Raserei, und endlich sogar in Wahnsinn gestürzt." Als er von seinem Wahn genaß, nahm er Urlaub vom Hof, um "auf Abenteuer zu ziehen". Auf Burg Frankenstein traf er auf den befreundeten Ritter Kurt, der dort mit "einem jungen und schönen Weibe, von frommer und häuslicher Sitte" lebte. Roland dachte bei sich: "Kurt ist doch ein glücklicher Mann! Er hat in diesem sanften, tugendhaften Weibe den wahren Lohn für Kampf und Mühe gefunden. O wem dies zu Teil wird, dem muss sein Lebenstraum so klar und heiter dahin fließen, wie der kristallene Bach durch die beblümte Flur!" Auf diese Vorgeschichte bezieht sich der folgende Text.]

[...] Bald kam der Rittersmann in die herrliche Fläche, wo der majestätische Rhein durch goldene Fluten strömt. Vom holden Mai mit Blüten bekränzt lächelte ihm hier das schönste Zauberbild der göttlichen Natur. Im Kaiserschloss zu Ingelheim hielt er Rast, und nahm dann seinen Weg durch jene Bergschlünde, wo die Flut stürmisch über Felsen dahin rauscht und Bacchus fröhliches Denkmal zwischen wald- und rebenreichen Höhen in den Wogen erscheint. Als er nun weiter hinab in das offene Tal gelangt, da erblickte er am rechten Strand die sieben Berge, und dort auf stolzem Gipfel, im Abendglanze funkelnd, das Schloss, so der Drachenfelsen heißt. [...] Roland blickte nach dem hohen Gemäuer, wo er für diese Nacht Herberge nehmen wollte. Es war ihm, als wehte von dort ein Geisterschauer herab, und er glaubte feierliche und ahnungsvolle Stimmen zu hören. Ein unerklärbares Gefühl, eine süße Trauer kam in sein Herz. Rasch fuhr er jetzt mit seinem Knappen über den Strom, ritt an die Burg und bat um Einlass. Der Turmwart fragte um seinen Stand und Namen. "Graf Roland von Angers," war die Antwort.

Sogleich wurden die hochgewölbten Tore geöffnet, und der alte Burgherr kam an der Spitze seines Gefolges dem hohen Gaste entgegen, führte ihn ehrerbietig herein und sprach: "Gott grüß' Euch, edler Graf! Wohl uns Allen, denen das Glück geworden ist, wonach wir schon so lange uns sehnen!" Da erscholl Trompetenklang, und wiederhallte mit dem Lebehoch der frohen Sassen in den Bogengängen des Schlosses und in den Bergklüften umher. Roland meldete jenem den Gruß seines ritterlichen Freundes Kurt, entwaffnete sich und trat dann in den Burgsaal, wo ihm, in Heribert's und wackerer Feldgenossen Mitte, der Sinn bei'm frohen Gastmahl heller ward.

Jetzt aber trat mit leisem Schritt eine schöne Jungfrau, lieblich wie eine der Huldgöttinnen, herzu. Schlank war ihr Wuchs, ihr Antlitz Rosen und Lilien gleich, das herab wallende Haar so blond wie Flachs, und die Augen blau wie Vergissmeinnicht im Garten des Frühlings. "Meine Tochter Hildegunde!" sprach Heribert zu dem Grafen Roland, und sie überreichte ihrem Gaste, nach dem Brauche der Zeit, einen glänzenden Pokal von kunstreicher Arbeit, der mit nektarischem Trank von den Hügeln des Rheingaues gefüllt war. Kaum floss ein schüchtern Wort aus ihrem Mund; doch ihr niedergeschlagener Taubenblick goss sanfte Wärme in des Ritters Herz.

Als er nun nach vollendetem Mahle das stille Burggemach betrat, dachte er wieder des wonniglichen Traumes, der auf Frankenstein im Blütenduft des Maien ihn umgaukelte. "Ja! (rief er) den hat ein Schutzgeist mir gesandt. Diese, ja diese Maid scheint mir zu warmer Liebe und stillem häuslichen Glück vor Tausenden erwählt zu sein. Die Sittsamkeit und das weiblich-zarte Wesen, so die Natur über diese holde Gestalt ausgoss, sie sprechen deutlicher, als Worte aus ihrem schönen Munde fähig wären!" - Er legte sich auf das Ruhebette, und der Schlaf breitete über ihn sein schattiges Gefieder. Er sah Hildegunde im grazienhaften Gange vorüberwallen; sie blickte ihn freundlich an und grüßte traut und liebevoll; ja es umschwebte seinen Sinn halb dämmernd der Gedanke, als ob sie zur Gattin ihm gegeben sei.

Aber nicht allein die Seele des Ritters, auch die der unschuldvollen Jungfrau war nicht mehr so frei, als vor wenigen Stunden. Wohl gestand sie kaum sich selbst, was ihr Inneres empfand, wenn an der Tafelrunde sein feuervoller, doch bescheidener, Blick ihr schüchternes Auge traf. Nicht seine hohe Würde, und dass er des Kaisers Neffe sei - nein! das edle Ansehen, der Geist, die Mannheit und der Tatenruhm des Helden war das, was in ihrem Herzen ihn so weit über alle Männer erhob, die sie jemals gesehen, als die stolze Tanne des Waldes über Erlengesträuche emporragt.

Roland erwachte im jungen Tagesschein. Er trat an's Fenster, und sah auf die begrünten Auen und den Strom hinab. "O, warum konnte ich nicht fortträumen? (so sprach er bei sich) Du bist entflohen, selige Phantasie - eitler Wahn! - Sie ist ja noch nicht mein! Wer weiß, wem sie den Lohn der Minne gewährt? Denn wird nicht so Mancher unter den edlen Rittern des Landes nach dem Besitze einer solchen Jungfrau streben?" - Er hatte Recht; doch wusste er nicht, dass Keinem, auch nicht den Besten, noch gelungen war, die Gunst des Fräuleins zu gewinnen. "Ja! (fuhr Roland fort) mein Gemüt bedarf der Ruhe; ich habe schwer gebüßt, und kein vergebliches Sehnen, kein neuer Liebesgram soll meinen Geist umnachten. Edgar! (rief er seinem Knappen zu, der, um Befehl zu empfanden, hereintrat) sattle die Rosse! Wir ziehen weiter."

Dann waffnete er sich schnell, und ging in den Rittersaal, wo er den Burgherrn, sein Weib und seine schöne Tochter fand. "Lebt wohl (so sprach der Held mit traurigem Ton), und nehmt meinen Dank für alles Gute, so mir auf Euerm Schloss erzeigt ward! Auch Ihr, geehrtes Fräulein - " - und ihm versagten die übrigen Worte. "Ei nicht doch, edler Graf! (entgegnete ihm der biedere Greis) Ihr müsst uns noch einige Tage schenken. Soll mir das Glück, die Blume der Ritterschaft aller Lande beherbergt zu haben, so schnell wieder genommen sein?" - Auch die ehrwürdige Hausfrau trat ihrem Gatten bei; nur Hildegunde schwieg; aber obschon ihr Mund nicht bat, so las doch Roland in der sanften Glut ihrer Wangen und in ihrem sprechenden Auge den Wunsch: "O, wollet noch bei uns verweilen!" Er verstand diesen Blick und diese schüchterne Glut, und nicht zum zweiten Male brauchte ihr Vater zu bitten. "Die Einladung eines so hochgeachteten Mannes, wie Ihr, Herr Ritter (gab er diesem zur Antwort), ehret mich zu sehr, als dass ich sie verweigern darf. Ich will darum erst in einigen Tagen meine weitere Fahrt gen Norden antreten." Und gern rief er seinem Schildknecht, dass er die Rosse, die schon wiehernd im Hofe standen, wieder entzäume.

Tage, ja Wochen gingen dahin, und Roland dachte nicht mehr an's Scheiden. Zu sehr hatte ihn die Liebe zu der holden Jungfrau gefesselt. Immer mehr auch erkannte er ihr sanftes, gefühlvolles und tugendhaftes Herz, und den stillen häuslichen Fleiß, den sie an der Seite ihrer guten und wirtlichen Mutter übte. Am Hange der umwaldeten Höhen, wo die Burg stand, war ein lieblicher, jetzt im reichen Schmucke des Frühlings prangender, Garten. Eines Tages, als schon der Abend die Wolken mit Purpur säumte, ging Roland sinnend hier auf dem einsamen Pfad. Er kam  an ein dunkelgrünes Gebüsch, vor dem ein stolzer Eichbaum seine Schatten warf. Unter diesem saß auf einer Moosbank die schöne Hildegunde, und hielt eine Rose in der Hand! Der Ritter grüßte sie ehrerbietig, und sprach: "Dürfte ich, schönes Fräulein, um diese Blume Euch bitten? Noch schmückt meinen Helm kein Zeichen der Erinnerung, und noch muss ich Andere meiner Waffenbrüder um dieses Glück beneiden." - Mit abgewandten und errötendem Antlitz gab sie ihm die Rose, und erwiderte in sanft lispelndem Tone: "Vergänglich ist das Schöne!" - Der süßen Flamme nicht länger mächtig, fasste nun der Ritter ihre Hand, und sprach: "Ich liebe Euch, Edelste der Jungfrauen. Nichts wird den Gram meiner Sehnsucht lindern, als wenn Ihr meine Gattin sein wollt. Ist Euer Herz noch frei? - Könnt Ihr diesen höchsten Wunsch meines Lebens erfüllen?" - Sie stand bebend auf, vermochte nicht zu sprechen; da wiederholte er seine Frage, und - aus ihrem süßen Munde kam ein leises Ja! - O, der seligen Wonne des Helden! Er führte an seinem Arm die verschämte Jungfrau zu ihren Eltern, und bat diese um ihr einwilligendes Wort. Freudig überrascht von dem hohen Glücke segneten sie das liebende Paar. Roland wollte in einigen Tagen wieder nach der Königstadt ziehen, damit er, wie es Pflicht und Sitte war, seinem Herrn und Oheim den geschlossenen Bund verkünde. "Bald (sagte er zu seiner Braut), recht bald, meine Holde, kehre ich zurück, und dann wird das Fest unserer Vermählung gefeiert!" -

Aber wie oft und plötzlich wird im irdischen Leben die reinste Lust getrübt! Schon mit dem nächsten Morgenlicht erscholl die Kunde nach der Burg: "Das barbarische Volk der Hunnen, dass am Donaustrand in Pannonien hauste, bedrohte wieder die südlichen Gauen des deutschen Landes, und hat schon verheerende Einfälle gewagt. Der Kaiser bietet den Heerbann auf, und alle Tapfern am Rheinstrome rüsten sich, um dorthin zu eilen, damit diesen gefährlichen Raubzügen ein starker Damm gesetzt werde." Auch Roland fühlte, was nun Pflicht und Ehre gebot; er kannte seinen Beruf, in allem, was den ritterlichen Schirm des Reiches betraf, das höchste Beispiel zu geben. Selbst traurig ob der vielleicht langen Trennung suchte er doch den Harm der Geliebten durch tröstende Worte zu sänftigen. "Lebe wohl, meine Teure! (so sprach er) mich ruft die Not der Bundeslande. Bald sind jene Horden verjagt; dann eile ich auf Flügeln der Winde zurück, und führe Dich heim als mein glückliches Weib!" - Er umschlang sie im heißen Kuss, und eilte fort. Bald glänzte sein Schwert vor einer erlesenen Schar; überall tönte das Kriegshorn den Strom hinauf, und stahlbewehrte Geschwader zogen mutig fernhin gegen die wilden Schwärme der Asiaten.

Wohl war Hildegunden bekannt, und oft hatte sie von ihrem Vater gehört, was ein Rittersmann seinem König, seinem Vaterland und seiner Ehre schuldig sei, deren Verteidigung er zu Schutz und Trutz auf das Schwert beschworen habe. Doch trauerte sie tief über die weite Entfernung ihres Geliebten, und lebte von jetzt an noch stiller und eingezogener, als vorher. Oft saß die zärtliche Braut auf der Moosbank an der Eiche, wo er zuerst ihr seine Liebe erklärt, dann floss eine Träne die zarte Wange herab, und sie seufzte: "Ach! Wann ist die bange Zeit entflohen? Sieht je mein Auge den Teuern  wieder?"

Jetzt fuhren Segler auf den Wogen des Rheines herab, und sangen begeisternde Lieder zum Lobe des großen Paladin's, wie er neuen Ruhm in Waffentaten erlangt, wie oft durch ihn der Kampf gegen den wilden Feind gelungen sei. Da erhob sich ihr Herz, und ein sonniger Schein fiel in die Nacht ihres Kummers. Noch seligeres Vertrauen belebte sie, als nicht lange darauf Botschaft und Gruß von ihm selbst anlangte.

Ein[es] Morgens kam Heribert seiner Tochter in dem Bogengang des Schlosses entgegen, und sprach: "Frohe Kunde, Mädchen! Mädchen! Der Krieg ist geendet, und der besiegte Feind hat den Frieden teuer erkauft. Wohl sank auch Mancher unserer Braven dort im blutigen Streit; aber viele der edlen Krieger kommen zurück, und schauen bald wieder den Kreis ihrer Lieben und den heimatlichen Herd. Graf Roland hat den letzten Kampf entschieden!" - O, der unbeschreiblichen Wonne! Die Jungfrau harrte nun täglich mit Sehnsucht des Getreuen, und die Freundinnen wanden schon den hochzeitlichen Kranz für ihre Locken, mit dem sie an seiner Seite vor den heiligen Altar treten sollte.

Bald kehrten einzelne Scharen aus dem fernen Lande heim; aber noch hörte man keine Nachricht von Roland. Hildegunde ward unruhig. Da kam eines Abends spät ein Rittersmann von dem Heere zurück, um wieder nach seiner Burg zu ziehen, die in dem wilden, mit uralten Hainen und grasreichen Tälern prangenden, Gebirge der Ardennen stand. Er sprach den Burgherrn von Drachenfels um ein Nachtlager an, und ward gastlich aufgenommen. Von dem langen Ritt dieses Tages ermüdet, ging er bald zur Ruhe. Als er aber am Morgen nach genossenem Frühmahle in den großen Saal trat, wo sich das alte Ehepaar mit der Tochter befand, da sprach Heribert mit ihm über manchen Kampf am Donaustrand, den er mitgefochten und fragte endlich: "Wisst ihr nicht Kunde vom Grafen von Angers?" - Der Ritter senkte voll Ernst den Blick; Hildegunde fuhr bebend auf, und lauschte bange und kaum atmend auf seine Worte. Nach einer Pause begann Jener:

"Als wir in das feindliche Land vorgedrungen, entstand noch der heftigste Kampf an den Ufern der Raba. Unsere pfeilgeübten Gegner, die flüchtigsten Rosse lenkend, fochten zerstreut und kühn auf den Feldern umher. Da galt ein entscheidender Sturm, und in weiter und enggeschlossener Reihe sprengten wir gegen den Feind. Graf Roland, der unser erstes Treffen führte, drang auf den Feldherrn zu: da klang donnernd Hieb auf Hieb, und Stoß auf Stoß; des Hunnen Stahl zerbrach; er wandte sich zur Flucht; in wilder Verwirrung stürzten seine Krieger ihm nach, und entscharten sich nach allen Seiten hin. Wir jagten sie, wie des Ungewitters Sturm die Wolken scheucht; aber - o Missgeschick! O unersetzlicher Verlust! Ein von dem flüchtigen Feinde zurückgesandtes Wurfgeschoss traf den edlen Roland, den Stolz der Ritterschaft, und Er, unter dessen heldenmutiger und geschickter Führung wir so manchen und noch diesen letzten Sieg erkämpft, sank tot von seinem Ross zu meinen Füßen hin; denn ich ritt an seiner Seite. Am folgenden Tage bat der Feind um Frieden; man schloss ihn, und ich zog wieder meiner Heimat zu."

Blass, wie ein umherirrender Geist, hörte die Jungfrau, an eine Säule gelehnt, diese schreckliche Nachricht; keine Träne entfiel ihr, und sie wankte stumm durch die Pforte hinaus. Jetzt vernahm der staunende Ritter von den tiefbetrübten Eltern, dass nicht allein das Reich einen großen Helden, sondern in diesem auch ihre Tochter den geliebten Bräutigam, verloren habe. "Ach! (rief er) so muss ich der Erste sein, der mit dieser Trauerbotschaft die Freude eines Hauses vernichtet, das Labung und Obdach mir gewährt. O, hätte mir dies geahnt, nie hätte ich mein Ross hierher gelenkt! Lebt wohl! Gott sende Eurer edlen Tochter seinen Trost und seine Hilfe!" Und traurig zog er von dannen.

Drei Tage lang saß Hildegunde voll stillen Grames, wie ein Marmorbild, in ihrem Gemache. Kein Trost des Vaters und der Mutter half. Doch als das vierte Morgenrot die Flur beglänzte , erschien sie wieder in dem Saal; ein Tränenstrom entquoll den schönen Augen; sie umarmte ihre Eltern, fasste sich, und sprach in feierlichem Tone: "Meine Wahl ist getroffen; mein irdisches Glück ist dahin! Ich geselle mich frommer Schwestern Zahl, und beschließe den Rest meines Lebens in klösterlicher Einsamkeit." - Die Eltern weinten ob ihrem Geschick, und konnten ihrem Wunsche nicht entgegen sein.

Bald darauf nahm die den Schleier im Kloster Nonnenwerth. Der Bischof, zu dessen Sprengsel es gehörte, war ihrem Hause verwandt. Auf die dringende Bitte der Jungfrau erließ er ihr das Prüfungsjahr, und schon nach einem Monat durfte sie das unwiderrufliche Gelübde am Hochaltare ablegen. - Hier gab die Religion der kranken Seele den Trost, welchen sie allen wahrhaft Frommen im Leiden gewährt. In stiller Demut lehnte sie sich an diesen Stab, und auf den Flügeln der Andacht erhoben, war ihr einziger Wunsch und ihr Sehnen, bald mit dem Geliebten dort vereint zu sein, wo ein seliges Leben ihren Bund erneuen würde. -

Der trübe Winter kam; ein grauer Nebel umhüllte Flur und Hain, und der Nordwind jagte dürres Laub umher, während Schneeflocken durch die Luft wirbelten. In einer stürmischen Nacht saß der alte Burgherr von Drachenfels mit seiner Gattin im warmen Gemache bei der Lampe dunstigem Schein. Der Schlummer floh Beider Augen; denn sie sprachen von dem Schicksal ihrer geliebten Tochter, und trauriger als je waren heute ihre Seelen gestimmt.

Da klang des Wächters Horn von dem Turm, und bald tönte starker Hufschlag über die Brücken herein. "Wer kommt wohl so spät in diesem grausen Wetter?" fragten Beide einander, und gingen hinab in den Saal. Ein Schildknecht öffnete die Pforte, und ein trat Heribert's ehemaliger Fehdgespann, der edle Kurt, und neben ihm - Roland! Das alte Ehepaar traute kaum seinen Blicken, als der Totgeglaubte vor ihm stund, und fast entschwand ihm das Bewusstsein. "Gott grüße Euch! (sprach der Ritter) - Doch warum staunet Ihr so? Wohl hörtet auch Ihr die falsche Kunde, dass ich im Streit geblieben sei. Darum habe ich sogleich Botschaft hierher gesandt, damit meine Braut sich nicht ängstige. Schwer verwundet und für tot gehalten lag ich dort, auf dem Wahlplatze. Kurt trug mich weg in eine Fischerhütte, die am Donaustrande liegt; er fand noch Lebensfunken, und seiner Pflege danke ich Genesung und Wiedersehen. Im Wonnetraum eilte ich zu meiner Geliebten. Ich sehe die Holde nicht; sie ist doch" - "Eine Braut des Himmels!" entgegnete weinend die Mutter, und der Vater erzählte ihm jetzt, wie die Meldung des redlichen Ardenners auch von Andern bestätigt worden, und wie darauf seine Tochter den unglückseligen Schritt, sich dem Nonnenschleier und dem unverbrüchlichen Gesetze des Klosters auf immer zu weihen, ausgeführt habe. "Botschaft von Euch (setzte er jammernd hinzu) ist nicht angelangt!" Wirklich erfuhr man weit später, dass der Knappe, welchen der Graf nach Drachenfels gesandt, auf halbem Wege bei dunkler Nacht mit seinem Ross in einen Abgrund gestürzt, mit Mühe von dem gefährlichen Falle wieder hergestellt, und hierdurch sein Auftrag in Vergessenheit geraten war.

Doch wer schildert Roland's unsäglichen Schmerz? Aller Trost, den ihm sein Freund und das selbst so tief gebeugte Elternpaar zusprachen, war vergebens. Niemand ging zur nächtlichen Ruhe. Als der düstere Morgen auf den öden Fluren erschien, nahm Kurt Abschied, und versprach dem unglücklichen Ritter, ihn bald wieder zu sehen. Er eilte nach der Heimat, schloss die frohe Gattin, welche so lange um den Entfernten getrauert, während er mit neuem Ruhm in Kampf und Gefahren stand, wieder an sein Herz, und Beide dankten dem Himmel für das Glück ihrer Liebe und häuslichen Eintracht; aber innig beklagten sie auch das Loos ihres edlen Freundes.

Roland ließ nun auf einer Höhe am linken Ufer des Rheins, dem Eiland gegenüber, wo das Kloster Nonnenwerth lag, eine einsame Burg erbauen. Hier saß oder stand er Tage lang auf dem Söller, und schaute herab auf den Ort, wo die Geliebte seines Herzens wohnte. Mit Tränen lauschte er dem heiligen Chorgesange der Jungfrauen, wenn die Glocke zur Mette gerufen, und oft glaubte er unter ihnen Hildegundens liebliche Stimme zu hören; wenn er des Nachts noch ein Licht in einer von den Zellen des Klosters schimmern sah, dann sprach er tiefseufzend bei sich selbst: "Dort weilet Hildegunde; sie wacht und betet für mich!"

Als endlich der Frühling wieder neu die Auen begrünt und mit Blumen geschmückt hatte, gewahrte er eines Tages - so seliger Augenblick im öden Gram! - wie seine Geliebte, traurig, doch wie in ätherischer Gestalt, durch die Laubgänge des Klostergartens wallte. Bebend vor Wonne und Schmerz rief er laut ihren Namen, und breitete die Arme gegen sie aus. Sie sah empor, winkte ihm freundlich zu, erhob Arme und Antlitz gen Himmel, und - verschwand.

Viele Tage gingen hin, und Roland sah sie nicht mehr. Da ward ihm so bang um das Herz; da härmte er sich so sehr, dass seines Lebens Kraft zu sinken begann. Einst trat er in früher Morgenstunde auf den Söller, und hörte ein Trauergeläute, das von dem Eiland herüber klang. Bald darauf wallte ein Leichenzug zu dem Friedhofe hinaus. "Forsche, wen man drüben im Kloster begräbt!" rief er mit stöhnender Angst seinem Knappen zu. Der eilte fort, kam bald zurück, und sagte mitleidsvoll und mit scheuen Worten: "O Herr! - Ihr wollt es wissen - die Tochter des Ritters - von Drachenfels!" - Vor sich hinstarrend, mit verschränkten Armen, indes noch eine Träne über sein bleiches Antlitz rann, stand Roland da. "So ist denn alles vollendet! (sprach er nun) Ja - der Kranz von Rosmarin, nicht der von Rosen und Myrtenlaub, ward diesem Bunde geflochten! Unser Stern ist feindlich, und mein Gram so tief, wie die Gründe der See. Doch - gelobt sei Gott! Wir bleiben nicht lange getrennt." -

Bald ward sein trauervolles Sehnen erfüllt; denn schon am folgenden Tage rief Kaiser Karl's Machtgebot die Ritter und Sassen der rheinischen Gauen, um seinem Heere sich anzuschließen, das zum Kampfe gegen wilde Sarazenenstämme nach Spanien zog. Da erhob sich noch einmal Roland's mutige Kraft; er drang mit seinem Banner an der Spitze des Heeres in das feindliche Land; es bebte der Feind, wo sein schreckendes Horn Olivant erklang, und überall folgte Sieg, wo Durindana's funkelnde Streiche tönten. Als aber nach vollbrachtem Werke der Franken Zug wieder nach dem Vaterlande zurückging, da lauerte ein tückischer feindlicher Bund in den Schluchten der Pyrenäen. Heiß war der Kampf, und siegreich für den Kaiser. Doch Roland fand sein Ziel bei Ronceval. Ein ungeheuerer Felsenstein rollte von dem Hochgebirge herab, und zerschmetterte des Helden Glieder im Tal. -

Aber Roland's Heldenlied schallt über Land, Strom und Meer Äonen durch. [...]

Doch der gefühlvolle Wanderer, so jene malerische Flur durchzieht oder auf dem Rheinstrom vorüberfährt, beweint noch an diesen Denkmalen der Vorzeit das Missgeschick einer edler und treuen Liebe. Auch hat - so spricht die Volkssage - schon mancher Hirt, der noch spät seine Herde von den Auen des Gestades zurückleitete, zwei Schatten im mondlichen Glanze gesehen, die in liebender Umarmung das Eiland und die Ufer umschweben, und deren verklärter Blick anzeigt, dass ewigreine Wonne sie im seligen Bund auf Edens Gefilden belohnt.


Karl Geib: Rolandseck und Nonnenwerth. In: Die Sagen und Geschichten des Rheinlandes. In umfassender Auswahl gesammelt und bearbeitet. Mannheim: Heinrich Hoff 1836 (Digitalisierung durch Google), S. 487-499, Auszug. - Aufgenommen in: Carl Trog: Rheinlands Wunderhorn. Sagen, Geschichten und Legenden, auch Ränke und Schwänke aus den alten Ritterburgen, Klöstern und Städten der Rheinufer und des Rheingebietes von den Quellen bis zur Mündung des Stromes. Bd. 10. Essen, Leipzig: Silbermann, ca. 1905, S. 79-99. (Reprint Atzbach: Mikado-Verlag o.J.)

*****

Rolandseck - Rolandsbogen
Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild.

Rolandseck - Rolandsbogen. Verso: Franz Jander, Berlin W. 62. Nicht gelaufen.

*****

3. Alfred Reumont
Drachenfels und Rolandseck

[...] Den südlichen Vorgrund der Landschaft bilden die aus dem hellen Wogenspiegel emportauchenden lieblichen Eilande Grafen- und Nonnenwerth, aus dessen dichten Baumlauben und anmutigen Blumengehegen die weißen Gebäulichkeiten eines ehemaligen Frauenklosters heraufschimmern. Dem Nonnenwerthe gegenüber erhebt sich auf dem linken Ufer steil, die dunkle Kuppel mit den gar spärlichen Resten der alten Rolandsburg.

Vor langen Jahren hauste auf dieser Veste ein junger Ritter. Geachtet und geliebt war Herr Roland im ganzen Gau und freundlicher Empfang ward ihm, wo er nur immer einsprach. Oft besuchte er den Ritter vom Drachenfels, und immer häufiger wurden seine Besuche, seit er des Grafen einzig Töchterlein Hildegunde gesehen hatte, um sie herzinnig zu minnen. Die Herzen verstanden sich bald, und mit Freude vernahm der alte Ritter vom Drachenfels von dem jungen Roland die Kunde, dass er Hildegunden liebe, und zum ehelichen Gemahl begehre.

Schon war der Tag des Beilagers festgesetzt, da rief ein Freund den Ritter Roland um Beistand an in arger Fehde, mit der er bedroht war. Roland folgte dem Rufe, wie es Ritterpflicht und Ehre gebot.

Eine Träne zitterte in Hildegundens hellem Auge, als Roland den Abschiedskuss auf ihre Lippen drückte und baldige Heimkehr versprach. Der innern Wehmut, der Angst, die ihre Seele füllte, konnte sie keinen Ausdruck geben, nie war es ihr aber so schwer geworden, sich von dem Geliebten zu trennen. Als Roland schon den Berg hinab ritt, rief Hildegunde ihn noch einmal zurück, und bat ihn sehnlichst, doch nicht zu ungestüm des Kampfes Gefahr zu suchen, und ihrer zu gedenken, sich ihretwegen zu schonen.

Roland versprach, was die Geliebte von ihm heischte, und schied selbst mit wehmutsvollem Herzen. Die Fehde rief ihn aber fern vom heimischen Gau, und erfocht noch sein Arm manch glänzenden Sieg, schützte ihn auch die Liebe im wildesten Getümmel, so zog sich der Kampf doch in die Länge, und drängte ihn seine Sehnsucht auch nach der Heimat, so wollte er doch dem Freunde das gegebene Wort treuritterlich halten.

Kaum war der Fehde Ende aber da, so eilte auch Roland, selbst des Freundes Dank nicht achtend, nach dem Rheine und ohne auch nur auf der eigenen Burg einzusprechen, war der Drachenfels seines Sehnens Ziel.

Am späten Abende kam er in die Nähe der Burg; dumpfes Waffengetön und Sturmruf ließ ihn das Ross noch immer mehr antreiben. Was er geahnet, war Wirklichkeit, die Burg war von einem Raubritter überfallen und erstürmt worden. Im innern Burghofe wütete der Kampf, nahe der Entscheidung für des Feindes Waffen. Rasch wie der Blitz fuhr Roland unter die Streitenden, und seinem Schwert widerstand Keiner. Schon hatte er des Feindes Schaar aus dem äußern Beenge getrieben, sein Beispiel gab den Drachenfelsern von neuem Mut und Kraft, Rolands Schlachtruf hallte furchtbar durch das Gebirge, Keiner wagte es seinem Schwerte zu stehen.

Da warf sich ein Ritter dem blind Kämpfenden entgegen, furchtbar tosten und dröhnten die Waffen und Harnische, ein mächtiger Schwertstreich streckte den Gegner leblos zu Boden. Die Räuber flohen, der Sieg war den Drachenfelsern, ihr Siegesruf schallte durch die Nacht, und hallte jauchzend in den Bergen wider. Roland folgte den Fliehenden, und als er zurückkehrte zur Burg, welch ein Anblick empfing ihn. Im stummen Schmerz standen des Drachenfels' Mannen, in schmerzlichen, herzzerreißenden Jammertönen beklagte Hildegunde den Tod des Vaters, über dessen Leiche hingeworfen, sie Alles um sich her vergaß. Roland drängte sich hinzu, um der Geliebten beizustehen und sie zu trösten, aber Todesschauer durchrieselte sein Gebein, als er bei Fackelscheine erkannte, dass der Ritter, den er erschlagen, Hildegundens Vater war.

"Ich bin sein Mörder!" rief er, "o Himmel vergib mir, Hildegunde, kannst Du dem Frevler verzeihen?" und stürzte nieder bei der Leiche. "Roland, Du - sein Mörder!" rief mit heftigem Schrei die Jungfrau, des Geliebten Stimme erkennend, und tiefe Ohnmacht raubte ihr die Besinnung.

Die schöne Beute sollte dem Tode noch nicht werden, Hildegunde erwachte wieder zum Leben, jedoch auch ihr unsäglicher Schmerz. Sie hatte den Vater, ihr Teuerstes auf Erden, verloren, und zwar durch des Geliebten Hand, durch den, welchen der Verblichene stolz seinen Sohn nannte. Tränen brachen des Schmerzes ungestüme Heftigkeit, und wie der stille Gram sich ihrer Seele bemächtigte, hatte sie auch den Vorsatz gefasst, der Welt und ihren Freuden, selbst dem Geliebten, zu entsagen.

Roland hörte den Entschluss aus ihrem Munde, und es war sein Todesspruch, aber weder Bitten noch Flehen, nichts konnte Hildegunde von dem Entschlusse abbringen, in der stillen Freistatt des Nonnenwerthes Friede für ihre Seele, Trost für ihren Schmerz zu suchen.

"Im Gebete werde ich Dein gedenken, und vergessen, was Du mir warst," sprach Hildegunde gefasst, als Roland kam, um noch einmal zu versuchen sie zu andern Gedanken zu vermögen. "Dort in der einsamen Zelle finde ich, was mir die Welt doch nicht mehr bieten kann. Beten will ich, dass Gott Dir verzeihe, was unwissend Du tatest. Ich habe Dir verziehen."

Rolands Lebensblume war geknickt, seines Daseins höchste Wonne empfing des Klosters enge Zelle. Waffen und Waidgeräte ruheten, Harm und Gram zogen nun in die sonst so fröhliche Rolandsburg. Von der rosigen Frühe bis zum goldenen Abende saß Roland an dem Erker der Burg, der hinaus schaute nach der Wohnung des Friedens auf dem grünen Eilande; glücklich war er, wenn sein Auge nur die Geliebte erspähte, wenn er sie gewahrte, eine bleiche Lilie unter den Blumen des Klostergartens. So verstrichen Monde und wieder Monde - da ertönten eines Tages in der Frühe die Klosterglöcklein in feierlich abgemessenen Schlägen. Rolands Herz sagte ihm, wem der Trauerton galt, und die letzte Träne trat in das schon trockne Auge, als er sah, wie die Hülle Hildegundens dem Mutter-Schooße übergeben wurde. Des stillen Grabes Hügel, den der Schwestern Liebe zu einem blühenden Garten umschuf, denn er barg ja auch der Blumen Holdeste, ließ er nicht aus dem Blicke, und so fand man ihn selig lächelnd, nach dem Eilande hinüberschauend, eines Morgens dem Herrn entschlafen.

Die Burgen Drachenfels und Rolandseck sind zwar längst gebrochen, nur ihre Trümmer sprechen von ihrem Dasein, und auf Rolandseck mahnt nur noch der von dunkelm Efeu wild üppig umrankte Fensterbogen, der auf das Eiland Nonnenwerth hinaus sieht, wo Hildegunde schläft, Roland einst saß, aber immer und ewig sagen und singen die Sänger von Rolands treuer Liebe.


Rheinlands Sagen, Geschichten und Legenden. Hrsg. von Alfred Reumont. Köln und Aachen, Verlag von Ludwig Kohnen (Kohnen & Friedheim) 1837 (Digitalisierung durch Google), S. 120-125.

*****

Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild

Oben links: [Ohne Titel]. Verso: Gruss vom Rhein. Rolandsbogen, Signet: im Kreis V K in D eingeschrieben [Vereinigte Kunstdruckereien Metz & Lautz GmbH Darmstadt]. Gelaufen. Poststempel 1912.
Oben rechts: Rolandsbogen. Verso: 544. K. Suder, Mainz. Nicht gelaufen.
Unten links: Der Rolandsbogen am Rhein. Verso: Nr. 361. Cramers Kunstanstalt, Dortmund. Echte Photographie. Gelaufen, Poststempel 1928. Mit Ausschnitt aus dem Gedicht "Im Rolandsbogen" von Jörg Ritzel (siehe unten):

Im Rolandsbogen

Ich kam von fern gezogen, zum Rhein, zum Rhein,
Beim Wirt vom Rolandsbogen, da kehrt' ich ein.
Ich trank mit seiner Base auf du und du,
Der Mond mit roter Nase sah zu, sah zu.

Unten rechts: Rolandsbogen. Verso: Heliokolorkarte von Ottmar Zieher, München - 1923 B. Gelaufen. Poststempel 1923.

*****

4. Ferdinand Freiligrath
Bericht über Einsturz und Wiederaufbau des Rolandsbogens

Die Sache verhält sich so: Der Bogen stürzte in der stürmischen Nacht vom 28. auf den 29. Dezember v. J. [1839] ein, und mit ihm verschwand einer der Anhaltspunkte an die schönste und innigste Sage des Rheines. Das poetische Moment des Ereignisses ergriff mich, und ohne lange zu überlegen, ob die Ruine nicht vielleicht Privateigentum sei, ließ ich meinen Aufruf zur Wiederherstellung der Trümmer in Nr. 12 der diesjährigen Kölnischen Zeitung abdrucken. Der Erfolg übertraf meine Erwartung. von allen Seiten kamen Spenden, freundliche Stimmen aus der Nähe und Ferne riefen mir Beifall zu, und unbekannte schöne Hände sogar verschmähten es nicht, den Helm des "Rolandsknappen" mit Kranz und Band zu schmücken, oder buntgestickte Seckel an sein Wehrgehenk zu befestigen. Ich kam mir vor wie der siegende Troubadour eines Blumenspiels, ich war sehr glücklich.

Da erfuhr ich plötzlich, die Ruine sei ein Privatbesitztum der Prinzessin Wilhelm von Preußen Königlichen Hoheit, und nun verstand es sich von selbst, dass ich meine Sammlung einstellte und der hohen Frau, in deren Eigentumsrechte ich mir unwissend einen Eingriff erlaubt hatte, den weiteren Verlauf der Sache anheimgab. Und auch hier war mir das Glück günstiger, als meine Voreiligkeit es verdient hatte. Der huldvolle Endbeschluss Ihrer Königlichen Hoheit fiel dahin aus, dass es mir erlaubt sei, den Bogen mit den eingegangenen Beiträgen wieder aufzurichten, wogegen sich die just im Bau begriffene Schule des benachbarten Dörfchens Rolandswerth der Gabe eines ansehnlichen Dotierungsfonds Seitens Ihrer Königlichen Hoheit zu erfreuen haben solle, - Letzteres, damit doch auch die Besitzerin der Ruine Gelegenheit habe, ihre Anhänglichkeit an "ihr liebes Rolandseck" irgendwie werktätig an den Tag zu legen.

So war denn Alles gut, und Mehr und Besseres war aus meinem unbedachten Eifer hervorgegangen, als ich's mir je hätte träumen lassen. Mit den Arbeiten am Bogen wurde unverzüglich der Anfang gemacht. Herr Bauinspektor [Ernst Friedrich] Zwirner [1802-1861], der treffliche Wiederhersteller des Kölner Doms, hatte die Freundlichkeit, ihre Leitung zu übernehmen. Pfingsten begann der Bau, und heute ist er so gut wie vollendet.

Der Eindruck, den die Restauration macht, ist durchweg ein würdiger, befriedigender. Die Streben, stellenweise nur verstärkt, um die Wucht des neuen Bogens dauernder tragen zu können, sind ganz die alten geblieben, und was den Bogen angeht, so ist dieser, zum größten Teil aus dem identischen Material des eingestürzten, in so trefflicher Weise ausgeführt worden, dass es nur des Regens und des Wetterschlags einiger Jahre bedarf, um auch ein kundigeres Auge rücksichtlich seiner Entstehungszeit irre zu führen. Ein minder kundiges übersieht schon jetzt den modernen Zuwachs.

War ich doch selbst vor ein paar Tagen Zeuge, wie eine junge Engländerin sorgfältig ein Steinchen von der kaum gemauerten Verstärkung des westlichen Pfeilers losbröckelte, es der älteren Gefährtin mit den Worten: "I have a piece!" triumphierend vorwies, und es dann, wahrscheinlich zum Mitnehmen über den Kanal, wohl eingewickelt ihrem Reisekörbchen anvertraute. Ich musste lächeln, aber es war mir doch eine Freude.

Es sind ja nicht die Steine, es ist ja nicht der Kalk und der Traß: die gerettete Form des Bogens, die Fensterbrüstung, die herabsieht auf Nonnenwerth - sie sind es, die die Sage festhalten, die den Rahmen bilden für die bleiche, trauernde Gestalt, die den Ort geheiligt hat. Lasst nur noch ein paar Jahre durchs Land gehn. Sturm und Schnee und Schlossen, Moos und Epheu und Farrenkraut werden schon das Ihrige tun. Was gilt's, es wird der alte Bogen wieder, grau und ernst und von der Glorie des Altertums umschimmert, wie weiland! Wer weiß, wie oft und aus wie gelehrtem Munde es einst noch schallen wird: "I have a piece!".


Rolands-Album. Hrsg. von Ferdinand Freiligrath. Zum Besten der Ruine. Köln am Rhein: M DuMont-Schauberg 1840 (Digitalisierung durch Google), S. XVII-XX. - Vgl. Ferdinand Freiligrath: Zwischen den Garben. Eine Nachlese älterer Gedichte. Stuttgart und Tübingen: J. G. Cotta 1849 (Digitalisierung durch Google). Darin: Rolandseck (Aufruf zur Wiederherstellung der eingestürzten Ruine, Januar 1840), S. 43-49; Baurede für Rolandseck, Juli 1840, S. 50-56, daraus folgende Strophe:

Des Volkes ist die Sage,
Es gab das Volk sie kund;
Drum, Rolands Bogen, rage
Durch Volk und Dichtermund!
O Freude sonder Gleichen,
O Freude seltner Art,
Wenn so ihr Mal und Zeichen
Die Sage sich bewahrt!

*****

Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild

Oben: Rolandsbogen. Verso Signet: im Kreis eingeschrieben V K in D [Vereinigte Kunstdruckereien Metz & Lautz GmbH Darmstadt]. Unten rechts: IX 10343. Nicht gelaufen.
Mitte: Rolandsbogen u. Blick auf das Siebengebirge. Das Lied vom Rolandsbogen. Aus dem Rheinroman "Die Herrgottsschänke" von Jörg Ritzel [Text des Liedes siehe unten]. Verso ROLANDSECK, Burg Rolandseck 1120 vom Erzbischoff [!] Friedrich I. von Köln erbaut, 1474 im Burgunder Kriege von Kölner und Kaiserl. Truppen erobert und teilweise zerstört.  Verlag Max Wipperling, Elberfeld. Nicht gelaufen.
Unten: Der Rolandsbogen m. Bl. ins Rheintal a. Grafenwerth und Bad Honnef. Phot. F. G. Zeitz No. 1508. Verso: Weber-Schiffe groß und klein / Laden Dich zur Rheinfahrt ein! Aufnahme und Verlag F. G. Zeitz, Königssee / Obb. Nr. 1508. Th. Weber & Söhne, Köln, Leystapel 39, Fernruf 226154. Gelaufen mit Feldpost. Poststempel unleserlich.

*****

5. Jörg Ritzel
Das Lied vom Rolandsbogen

Ich kam von fern gezogen zum Rhein, zum Rhein.
Beim Wirt zum Rolandsbogen, da kehrt ich ein;
Ich trank mit seiner Base auf du und du,
Der Mond mit roter Nase sah zu, sah zu.

Der alte Sünder zeigte auf voll, auf voll,
Mein junges Herz es geigte in Dur und Moll;
Ich sah zwei Ringellöckchen, bommbomm, bommbomm,
Die läuteten wie Glöckchen kommkomm, kommkomm.

Und Augen heiß wie Köhlchen von Erz, von Erz,
Es hüpfte in dem Bölchen mein Herz, mein Herz;
Die Welt, sie ridewanzte jupphei, jupphei,
Der Rolandsbogen tanzte - duldei, duldei.

Die Maid zu meiner Linken goss ein, goss ein;
Mir war's, als tät sie winken: Bin dein, bin dein!
Das war ein selig Kosen zu zwein, zu zwein,
Es schwammen rote Rosen im Wein, im Wein.

Sie küsste mich und lachte, ich trank und trank,
Ein Miederstänglein krachte, ich sank und sank;
Und als die Mondsilhouette verschwand, verschwand,
Da lag die Maid im Bette, und ich - im Sand.

Drum kommst du, Knab, gezogen zum Rhein, zum Rhein,
Hüt' dich vorm Rolandsbogen und seinem Wein!
Es lockt in jedem Glase - bommbomm, bommbomm,
Das Glöckchenspiel der Base: kommkomm, kommkomm.

"Ritzel, Jörg, geb. am 31. März 1864 in St. Goarshausen a. Rhein, besuchte die dortige Realschule bis zur Maturitätsprüfung 1881 und wurde dann zum Kaufmann bestimmt. Er musste in diesem Beruf alle Enttäuschungen erfahren, die einem Menschen nicht erspart bleiben, in dessen Brust zwei Welten miteinander kämpfen. Auf den materiellen Erwerb angewiesen, konnte er seine Muse erst spät entfalten; aber sie rang sich durch. In Spanien war es, wo seine schriftstellerische Feder den ersten Anlauf nahm. Die direkte Veranlassung war der nächtliche Raubanfall auf die Stadt Jerez de la Frontera 1892, bei welchem R. fast Gefahr lief, sein Leben zu verlieren. Er schilderte ihn in seiner Erzählung "Eine Nacht in Andalusien". Später folgten Reiseschilderungen, welche die Schönheiten Sevillas und Granadas beleuchteten. Unter dem Druck geschäftlicher Verhältnisse - R. hatte inzwischen in Elberfeld und Hamburg Stellungen innegehabt - trat in seiner literarischen Tätigkeit eine längere Pause ein, und erst nach seiner Verheiratung (1896) und seiner Rückkehr zu den rheinischen Bergen lud sich die Muse wieder bei ihm zu Gast." (Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. 6. Aufl. Bd. 6. Leipzig: Philipp Reclam jun. o.J., S. 9f.)

Werke zur Rheinromantik u.a.
*Jörg Ritzel: Die Herrgottsschenke. Ein Rhein-Roman aus bessern Tagen. Leipzig : Ernst Oldenburg Verlag [1923]. 8. Aufl. 1928.
* Jörg Ritzel: Trutz-Katz. Ein Sang vom Rhein aus dem dreißigjährigen Krieg. Berlin: Boll & Pickardt (1910). Weitere Ausgabe 1923.
* Der lachende Rhein. Tausend Jahre rheinischen Humors in Wort und Bild. Gesammelt und hrsg. von Jörg Ritzel. Köln : Hoursch & Bechstedt 1928.
* Jörg Ritzel: Das Kußspalier und andere rheinische Histörchen. Karlsruhe: Gutsch (1938). 2. erw. Aufl. 1940.

*****

Sophie Lenz, die "Base"

"Im Jahre 1893 wurde am Rolandsbogen ein kleines Holzgebäude von der aus Rolandswerth stammenden Familie Lenz errichtet. Bis dahin hatte eine Frau aus Rolandswerth den Besuchern der Burgruine Ansichtskarten angeboten, die sie in einem kleinen Koffer bei sich trug. Froh waren die vielen Wanderer, dass sie nun die herrliche Aussicht bei einem kühlen Trunke in Ruhe genießen konnten. Der erste Wirt vom Rolandsbogen war Peter Josef Lenz". Die im Lied genannte Base war Sofie Lenz, die Tochter des ersten Rolandsbogen-Wirtes. Von den Bonner Studenten wurde sie besungen wie die Lindenwirtin in Godesberg. "In blühender Jugend, 25 Jahre alt, starb sie, und heute noch steht auf dem Mehlemer Friedhof die Grabstätte mit einer großen Marmortafel, auf der ein Gedicht der Bonner Studenten ihr einen letzten Gruß widmete".

Hermann Comes: Der Rolandsbogen. In: Kreis Ahrweiler, Heimatjahrbuch 1956. Zitiert mir kleinen Änderungen. Online:
http://www.kreis-ahrweiler.de/kvar/VT/hjb1956/hjb1956.38.htm

*****

Vgl. die Seite:

Ännchen Schumacher
Die Lindenwirtin in Bad Godesberg

www.goethezeitportal.de/index.php

*****

Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild

Oben: Das Lied vom Rolandsbogen. Text von Jörg Ritzel aus dem Rheinroman "Die Herrgottsschänke", vertont von Paul Mania, Cöln. Verso: Wilh. Fülle, G.m.b.H., Barmen. Gelaufen. Datiert u. Poststempel 1924.
Mitte links: Im Rolandsbogen aus dem Rheinroman "Die Herrgottsschenke" von Jörg Ritzel. 201 K. T. Verso: Gaststätte Rolandsbogen. Geschwister Lenz, Fernruf 72 Amt Rolandseck. Das ganze Jahr geöffnet! Vertont von P. Mania. Musikverlag G. Gerdes, Köln, auch auf Schallplatten erhältlich. Rheinlieder Nr. 201. K. T. Stempel: Rolandsbogen - Rolandseck a. Rhein. Signet: KRB auf Siegel. Gelaufen. Poststempel unleserlich.
Mitte rechts: Rolandsbogen mit Blick auf das Siebengebirge. Im Rolandsbogen. Aus dem Rheinroman "Die Herrgottsschenke" von Jörg Ritzel. Verso: Vertont von P. Mania. Musikverlag Gustav Gerdes, Köln. Rheinlieder Nr. 1 F. Illustration nach einem Gemälde von A[dolf] Volkhofen jr. Signet: KRB auf Siegel. Nicht gelaufen.
Unten: Ritzel, Im Rolandsbogen, Illustration. In: Der lachende Rhein. Tausend Jahre rheinischen Humors in Wort und Bild. Gesammelt u. hrsg. von Jörg Ritzel. Köln am Rhein: Hoursch & Bechstedt 1930, S. 232.

*****

6. August Kopisch
Rolandseck

Von Spanien kam die Kunde, wie jener Held von Stahl,
Roland, gefället worden im Tal von Roncesval.

Da nahm den frommen Schleier die schöne Hildegund,
Gelobte Gott die Seele mit todesbleichem Mund.

Doch bald viel andre Kunde sandt' aus der grüne Rhein:
Kein Schwert konnt' ihn besiegen, die Liebe nur allein!

Es ward die schärfste Lanze ihm durch das Herz gerannt,
Als Hildegund, die Schöne, er Gott vermählet fand!

Auf hohem Felsen tät er sich eine Klause baun,
Von da zu ihrem Kloster im Rhein hinab zu schaun.

Da scholl von grüner Insel der Nonnen Sang empor:
Die holde Stimme wähnt' er zu hören aus dem Chor.

Wie Blumenseim die Biene, sog er den süßen Schmerz.
Bis Minne ihm gebrochen das tapfre Heldenherz.

August Kopisch: Rolandseck. In: Ders.: Gedichte. Berlin: Duncker und Humblot 1836 (Digitalisierung durch Google), S. 154. - Auch in: Karl Simrock: Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter. Für Schule, Haus und Wanderschaft. 2. verm. Auflage. Bonn: Eduard Weber 1837 (Digitalisierung durch Google), S. 164. - Rolands-Album. Hrsg. von Ferdinand Freiligrath. Zum Besten der Ruine. Köln: M. DuMont-Schauberg 1840 (Digitalisierung durch Google), S. 3.

*****

Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild

1. Karte von oben: [Ohne Titel]. Verso: Leben am Rhein No. 6. Rolandseck. Hoursch & Bechstedt, Köln a. Rh. Gelaufen. Poststempel unleserlich. Text auf Rückseite:

Gruss vom Rhein

Nicht in stolzen Saalesräumen
Fühlst Du recht des Weines Kraft.
Nur am Rheine kannst Du träumen
Bei der Rebe Wundersaft.
Schaust, von seinem Geist erhoben,
Du auf unsern Vater Rhein,
Wird er Dir, von Glanz umwoben,
Aller Ströme König sein!

2. Karte von oben: Rolandseck. Insel Nonnenwerth und Siebengebirge. Verso Verlag: H. Hüntemann, Godesberg a. Rhein. No. 1. Rechts unten: 78344. Gelaufen. Poststempel 1907.
3. Karte von oben: [Ohne Titel]. Verso Signet: HB [Hoursch & Bechstedt, Köln]. No. 108. Rolandseck. Nicht gelaufen. Text auf Rückseite:

Rolandseck. Kein geringerer als Alexander von Humboldt hat die Landschaft von Rolandseck eine der schönsten der Erde genannt und die Lage dieser friedlichen Hotel-Kolonie ist in der Tat überaus glücklich. Nach allen Seiten bieten sich dem entzückten Auge herrliche Ausblicke auf Strom, Insel, Gebirge und weite gesegnete Gefilde.

4. Karte von oben: Königswinter - Rolandsbogen. Verso: Signet. Dr. Trenkler Co., Leipzig. Kgw. 22. Rechts unten: 5219. Nicht gelaufen. Handschriftlich: 1912.

*****

7. Nonnenwerth

Gegründet wurde Nonnenwerth als Benediktinerinnenkloster 1126. Der "in den Hauptteilen 1736 vollendete Neubau" fiel einer Feuersbrunst 1773 zum Opfer. Der barocke, heute noch stehende Neubau von Nikolaus Lauxen entstand zwischen 1773 und 1775. "Infolge der Angliederung der Rheinlande an Frankreich 1802 verlor das Kloster seine Güter", 1821 wurde es von Preußen versteigert und zu "einer großartigen Wirthschaft für den Dienst der Rheinreisenden" (Rheinischer Antiquarius 1860) umgestaltet. Prominente Gäste waren u.a. Ernst Moritz Arndt, Karl Simrock, Ferdinand Freiligrath, Joseph Görres, George Sand und Franz Liszt.

Franz Liszt, der von 1841 bis 1843 die Sommermonate mit seiner Geliebten, Gräfin Marie d'Agoult, auf Nonnenwerth verbrachte, komponierte hier nach Versen von Fürst von Lichnowsky "Die Zelle von Nonnenwerth". An seinen Aufenthalt erinnert die von ihm gepflanzte "Liszt-Platane".

Angaben und Zitate nach Claudia Euskirchen: Kloster Nonnenwerth (Rheinische Kunststätten; 447) Neuss: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz 2000. - Vgl. Geschichte der Insel Nonnenwerth von Schwester M[aria] Paula. Regensburg: J. Habbel 1904. Mit weiteren Ausgaben.

*****

8. Johanna Schopenhauer
Nonnenwerth und Rolandsbogen

Stromabwärts, Unkel vorüber, am Fuße hoher malerischer Felsen und herrlicher Weinberge, drängen am rechten Ufer Flecken und Dörfer und einzelne Wohnungen sich so nahe aneinander, dass sie sich fast berühren, bis zwischen dem sehr großen, wunderschön gelegenen Flecken Honneff und dem gegenüber stehenden Felsen Rolandseck der Rhein in zwei Arme sich teilt, die das schöne Eiland Nonnenwerth umfrieden. Im Schatten seiner alten hohen Nussbäume gleicht es einem in Silber gefassten Smaragd, denn der Garten des sehr großen, in der Mitte der Insel liegenden einst prachtvollen Klosters. das seit einigen Jahren zu einem der größten Gasthöfe in Deutschland umgewandelt ist, nimmt die ganze Fläche der Insel ein. Aber die Geister der früher hier hausenden frommen Klosterfrauen, über diese Entheiligung ihres ehemaligen Wohnsitzes zürnend, scheinen gleich Rachegöttinnen alles Gedeihen von dem neuen Etablissement abzuwenden, es ruht kein Segen darauf.

Früher zog der Reiz der Neuheit, besonders an Sonntagen, viele hundert Gäste nach Nonnenwerth; die großen, auf das eleganteste neu dekorierten Säle vermochten sie kaum alle zu fassen, und reiche britische Familien siedelten sich auf Monate hier an. Doch diese für den Gastwirt einst goldenen Zeiten sind nicht mehr; die Säle stehen leer, die britischen Zugvögel wenden sich anderwärts hin, höchstens trinken Sonntags unter den herrlichen Bäumen ein paar Dutzend Menschen ihren Kaffee. Die Wirtschaft verfällt, der ungepflegte Garten verwildert, und was das Schlimmste ist, die ganze Insel droht nach und nach dem ewig an ihr zehrenden Rhein ganz zur Beute zu werden, weil nichts sie mehr gegen seine leisen aber unaufhörlichen Angriffe schützt.

Die Insel nebst dem ganzen Ameublement des sehr weitläufigen, wirklich schönen Gebäudes soll jetzt in einer Lotterie ausgespielt werden; doch der Gewinn könnte leicht in empfindlichen Verlust sich umwandeln, wenn der Gewinner nicht überschwänglich reich genug ist, um eine sehr große, gar nicht zu berechnende Summe an einen Landsitz zu verwenden, der mit großen Kosten unterhalten werden muss und nichts weiter einbringt als den Genuss der schönen Natur in einer der reizendsten Gegenden der Welt, denn die Wiederherstellung der Bollwerke rings um die Insel kann nicht umgangen werden und ist unerlässlich notwendig.

Nur durch einen schmalen Arm des Rheins von der Insel getrennt, erhebt sich am linken Ufer über der unter ihm hinführenden Chaussee der schöne Fels Rolandseck mit den Ruinen seines uralten Schlosses, die sich aber durchaus nicht so malerisch ausnehmen, als die Reisebeschreiber es behaupten. Die beiden einzigen noch stehengebliebenen Pfeiler mit dem darauf ruhenden Querbalken sehen von unten eher einem verfallenen, etwas kolossalen Galgen ähnlich als den Überresten einer alten Ritterburg, die übrigens, wenn die Sage nicht lügt, aus grauer Vorzeit sich herschreibt. Roland, Neffe Kaiser Karls des Großen, soll ihr Erbauer sein, dessen Liebe zu einer gottgeweihten Jungfrau, wenn gleich aus unbekannten Gründen unter verändertem Namen, Schiller in der Ballade: "Ritter Toggenburg", auf die Nachwelt brachte; hier, vor seinem eigens dazu erbauten Schloss Rolandseck, stand vor vielen Hunderten von Jahren der treue Ritter und schaute sehnsüchtig harrend hinunter auf Nonnenwerth, dicht unter ihm, "bis das Fenster klang," so behauptet die allgemein unter dem Volke herrschende Tradition.

Die Aussicht dort oben ist entzückend schön, und der Besitzer des am Fuße des Felsens liegenden Gasthofes hat durch Ebnung der zum Gipfel desselben führenden Pfade und durch einige an wohlgewählten Punkten angebrachte Bänke zum Ausruhen den Zugang zu ihr sehr erleichtert. Der Mann wusste wohl, was er tat; sein auch im Übrigen wohleingerichtetes Haus ist an schönen Sommertagen einer der besuchtesten Lustorte längs dem Rhein, und die Nachbarschaft desselben mag zum Verfall der Gastwirtschaft auf der Insel nicht wenig beigetragen haben.

Johanna Schopenhauer: Ausflug an den Niederrhein und nach Belgien im Jahr 1828. Tl. 1. Leipzig: F. A. Brockhaus 1830 (Digitalisierung durch Google), S. 85-88. - Schillers Ballade, mit ähnlichem Motiv, spielt in der Schweiz.

*****

Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild

Oben: Rolandseck mit Drachenfels. Verso Signet. Dr. Trenkler Co., Leipzig. 1906. Rhn. 16. Nicht gelaufen.
Unten: Rolandseck a. Rh. m. Bl. a. Drachenfels, Drachenburg u. Rolandsbogen. Phot. F. G. Zeitz. Nr. 1818. Verso: Der deutsche Rhein. Aufnahme und Verlag F. G. Zeitz, Königssee / Obb. Nr. 1818. Datiert u. Poststempel 1937.

*****

9. Roland der Held.
Nach Thomas Campbell
von Ferdinand Freiligrath

Roland der Held! - Roland der Held! -
Falsche Zeitung, dass er fiel im Feld,
   Schlug an des Rheines Strand;
Da erlag dein treues Herz in Pein,
O du Schönste auf und ab am Rhein,
   O du Schönste rings im Land!

Und den Schleier nahm sie unverweilt,
Wo am Werth der Strom vorübereilt; -
   O zu rasch! - bald klirrt ein Sporn! -
Umsonst! - der Schwur und die Locke fällt,
Als am Drachenfels die Trompete gellt -
   Ihres Ritters lustiges Horn!

O, nun bricht ihr Herz, von Gram verzehrt;
Und wär' er gestern heimgekehrt,
   Sie hätt ihn glühend geküsst;
Und die Reize hätten ihn all' beglückt;
Die er nimmer, nimmer ans Herz nun drückt -
   Wenn es nicht im Himmel ist!

Doch der Ritter treu, und der Ritter kühn,
Er sitzt ab, er kann nicht von dannen ziehn,
   Es hält ihn mit Gewalt.
Er will atmen nur, wo ihr Atem weht,
Wo für ihn auch aufsteigt ihr Gebet,
   Wenn das Hallelujah schallt!

Noch ein Fenster hebt sich, längst ergraut,
Von dem Schlosse, das er sich gebaut,
   Wo der Rhein am Werth sich bricht.
Dort zu Mettenklang und Orgelbraus
Sah er nieder auf der Liebsten Haus,
   Doch sie selber sah er nicht.

Sie starb! - Er ritt ins Schlachtgefild;
Vor sein sterbend Hirn noch trat ihr Bild,
   Als er fiel des Tapfern Fall;
Ihren Namen mit der letzten Kraft
Rief er aus, die Blume der Ritterschaft,
   Roland zu Ronceval!

Roland der Held. Nach Thomas Campbell [1777-1844] von Ferdinand Freiligrath. In: Rolands-Album. Hrsg. von Ferdinand Freiligrath. Zum Besten der Ruine. Köln: M. DuMont-Schauberg 1840 (Digitalisierung durch Google), S. 43, 45.

*****

Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild

Oben: Vom deutschen Rhein. Mit landschaftlichen u. architektonischen Ansichten nebst Illustrationen zu rheinischen Dichtungen, in 25 Blättern von Caspar Scheuren. Coblenz a. Rh.: W. Groos Königl. Hofbuchhandlung (Kindt & Meinardus) o.J. - Für weitere Ansichten von Nonnenwerth siehe Michael Schmitt: Die illustrierten Rhein-Beschreibungen. Dokumentation der Werke und Ansichten von der Romantik bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Köln u.a.: Böhlau 1996.
Mitte: Geschichte der Insel Nonnenwerth von Schwester M[aria] Paula. Regensburg: J. Habbel 1904. Titelillustration.
Unten: Rheinlands Sang und Sage. Die schönsten Rheinlieder mit einem Leitgedichte von Emil Rittershaus und zwanzig Originalradierungen von Bernhard Mannfeld. Bonn: Emil Strauß o.J.

*****

10. Wilhelm Smets
Abschied von Nonnenwerth

Umrauscht von grüner Welle,
Da liegt ein Inselland,
Das ist die liebe Stelle,
Die hält mich festgebannt.

Der treuen Liebe Sage
Tönt noch vom Ufer nach,
Und Nachtigallen Klage
Ruft sanfte Wehmut wach.

Wo einst im stillen Kreise
Die Braut des Himmels sang,
Da schwebt noch ernst und leise
Ein heil'ger Orgelklang.

Und unter mächt'gen Bäumen,
An die der Efeu rankt,
Das Herz wie zwischen Träumen
Und Wirklichkeiten schwankt.

O dass mir hier nicht immer
Die Maiensonne lacht,
Und nicht des Mondes Schimmer
Verklärt die Sommernacht!

Denn ach, die grüne Welle
Trägt mich vom Inselland,
Ade, du liebste Stelle,
Die je mein Herz gekannt.

Geschichte der Insel Nonnenwerth von Schwester M[aria] Paula. Regensburg: J. Habbel 1904, S. 121f. - Zu Wilhelm Smets, 1796-1839, vgl. den Artikel in Wikipedia, URL:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Smets

*****

11. Literaturhinweise und Weblinks

Literaturhinweise
* Georg Hölscher: Das Buch vom Rhein. 2. Aufl. Köln am Rhein: Hoursch & Bechstedt 1925.
* Josef Ruland: Der Rolandsbogen in Remagen-Rolandseck. Zur Wiedererrichtung vor 150 Jahren (Rheinische Kunststätten; 359) Köln : Rhein. Verein für Denkmalpflege u. Landschaftsschutz 1990.
* Claudia Euskirchen: Abschied von der Romantik - Ferdinand Freiligrath am Mittelrhein. In: Das Rheintal von Bingen und Rüdesheim bis Koblenz. Eine europäische Kulturlandschaft. Hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz. Bd. 1. Mainz: Philipp von Zabern 2001, S. 385-387.
* Ferdinand Freiligrath und der Rolandsbogen. Zum 125. Todestag am 18. März 2001. Hrsg. von Horst Eckertz und Kurt Roessler (Schriften zur Rheinischen Lyrik; 1) 2. Aufl. Bornheim: Roessler 2001.
* Ansgar Sebastian Klein, Alexander Thon: Burgruine Rolandseck und Rolandsbogen Remagen (Schnell, Kunstführer; 2731) Regensburg: Schnell & Steiner 2010.

Weblinks zu Rolandseck und zum Rolandsbogen
* Restaurant Rolandsbogen
http://www.rolandsbogen.de/de.html
(mit Seiten zur Geschichte des Rolandsbogens und der dortigen Wirtschaft, zu Freiligrath und zur Rheinromantik)
* Burg Rolandseck (mit Rolandsbogen)
Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Rolandseck
* Rolandsbogen
Wikimedia commons
http://commons.wikimedia.org/wiki/Rolandsbogen
* Rolandsbogen (Wiki)
http://www.aw-wiki.de/index.php/Rolandsbogen
* Arnulf Krause: Wie der Ritter Roland nach Rolandseck kam. Auf den Spuren der Rolandsage von den Pyrenäen bis an den Rhein. In: Kreis Ahrweiler. Heimat-Jahrbuch 1999, S. 48-53. Online:
http://www.kreis.aw-online.de/kvar/VT/hjb1999/hjb1999.12.htm

Weblinks zu Nonnenwerth und Franz Liszt
* Nonnenwerth
Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Nonnenwerth
* Insel Nonnenwerth
Wiki
http://www.aw-wiki.de/index.php/Insel_Nonnenwerth
* Walther Ottendorff-Simrock: Franz Liszt auf Nonnenwerth. In: Kreis Ahrweiler. Heimat-Jahrbuch 1958. Online:
http://www.kreis-ahrweiler.de/kvar/VT/hjb1958/hjb1958.9.htm
* Lina Ramann: Franz Liszt. Als Künstler und Mensch. Bde.1, 2.1 und 2.2 Leipzig: Breitkopf & Härtel 1887. Hier Drittes Buch, IX. Kapitel: Nonnenwerth. Online in Xeno.org. URL:
http://www.zeno.org/Musik/M/Ramann,+Lina
* Petrucci-Musikbibliothek
Die Zelle in Nonnenwerth, S.274 (Liszt, Franz)
http://imslp.org/wiki/Die_Zelle_in_Nonnenwerth,_S.274_(Liszt,_Franz)

Vertonung "Im Rolandsbogen" durch Paul Mania
* Leader in Lieder mit Midi-Melodies
http://ingeb.org/Lieder/ichkamvo.html
* German Folksongs
http://www.rcaguilar.com/lieder/texte/rolandbg.htm

*****

12. Rechtlicher Hinweis und Kontaktanschrift

Alle Vorlagen entstammen, sofern nicht anders vermerkt, einer privaten Sammlung. Die private Nutzung und die nichtkommerzielle Nutzung zu bildenden, künstlerischen, kulturellen und wissenschaftlichen Zwecken ist gestattet, sofern Quelle (Goethezeitportal) und URL (http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6499) angegeben werden. Die kommerzielle Nutzung oder die Nutzung im Zusammenhang kommerzieller Zwecke (z.B. zur Illustration oder Werbung) ist nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung der Verfasser gestattet. Einen Rechteinhaber konnte das Goethezeitportal nicht ermitteln, ggf. bitten wir höflichst um Nachricht.

Kontaktanschrift:

Prof. Dr. Georg Jäger
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Deutsche Philologie
Schellingstr. 3
80799 München

E-Mail: georg.jaeger07@googlemail.com

zurück zum Anfang

Das Fach- und Kulturportal der Goethezeit