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Jutta Assel | Georg Jäger

Rheinmotive auf Postkarten
Eine Dokumentation

Josef Wewerka: Rheinische Burgen und Sage

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Stand: Mai 2015

 

Die Reihe "Rheinische Burgen und Sagen" stammt aus der Zeit vor oder um 1900; sie variiert ein Kompositionsschema: Die Fläche ist bis auf eine Ausnahme zweigeteilt. Im rechten, größeren Teil eröffnet ein Architekturrahmen den Blick auf den Ort des Geschehens, die Burg oder den Fels, die namentlich bezeichnet werden. Unter dieser Ansicht steht der Bezugstext. Die linke, kleinere Hälfte nimmt die untertitelte und mit J. Wewerka signierte Sagen-Illustration ein. Da die Rückseite nur für die Anschrift bestimmt war (die Anschriftenseite wurde erst 1905 geteilt), ist dem Bild eingedruckt: "Gruss vom Rhein". Der Reihentitel "Rheinische Burgen u. Sagen" findet sich am oberen Rand der Karte im architektonischen Rahmen. Diese Bezeichnungen sind in einer ausgeschmückten Fraktur geschrieben und sollen den mittelalterlich historisierenden bzw. altdeutschen Gesamteindruck verstärken. Sowohl in den Themen wie im Design ist diese Postkartenserie ein Dokument der Rheinromantik.

Als Zeichner und Verleger wird auf den Karten Josef Wewerka, Höhr-Grenzhausen, angegeben. Der Maler und Keramiker ließ sich 1901 in Höhr-Grenzhausen im Westerwald, einem Zentrum der keramischen Industrie, nieder. Über ihn, den Vater des Künstlers Rudolf Wewerka (1889-1954), wurden keine weiteren Daten gefunden. Die letzte Karte der ersten Folge "Die feindlichen Brüder (Sterrenberg und Liebenstein)" verzeichnet abweichend als Verleger: Kunstanstalt Fritz Gutmann, Coblenz.

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Gliederung 

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1. Postkarten

Den Bildern der Vorderseite der Karte folgt der dort eingedruckte Bezugstext. Für weitergehende Erläuterungen und Texte vgl. folgende Werke:

  • Die Schwarzen Führer. Rheinland. 135 geheimnisvolle Stätten in 28 Orten ... Von Ingrid Berle u. Hildegard Gerlach. Freiburg i.Br.: Eulen-Verlag 2001.
  • Deutsche Märchen und Sagen. Hg. von Hans-Jörg Uther (Digitale Bibliothek; 80) 2., verb. Aufl. Berlin: Directmedia 2004.
  • Rheinlands Wunderhorn: Sagen Geschichten und Legenden, auch Ränke und Schwänke aus den alten Ritterburgen, Klöstern und Städten der Rheinufer und des Rheingebietes, von den Quellen bis zur Mündung des Stromes. Dem deutschen Volke gewidmet von C[arl] Trog (1838-1913). 15 Bde. Essen u. Leipzig: Alfred Silbermann [1882-83]. Reprint Atzbach: Mikado-Verlag o.J.

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Burg Klopp.

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Heinrich IV. auf Burg Klopp in Bingen

Es reitet zur Burg durch Schnee und Eis,
Heinrich IV., der königliche Greis,
Durch's offne Thor beim Fackelschein
Geht's in den verschneiten Hof hinein:
"Halt," tönt's da von des Burgvogts Mund
"Du bist gefangen von dieser Stund';
Wir schwuren Heinrich V. die Treu,
Leg ab den Purpur, damit ist's vorbei."
"Nicht wert", ruft der Kaiser vom Schmerz übermannt,
"Bist Heinrich, daß je ich dich Sohn genannt."

Gegen Kaiser Heinrich IV. (1050-1106) empörte sich dessen Sohn Heinrich V. (1081-1125). Heinrich IV. geriet durch List in die Hände seines Sohnes, wurde von ihm in der Burg Klopp 1105 gefangen gehalten und musste am 31. Dezember in Ingelheim förmlich seine Abdankung erklären.

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Ehrenfels am Rhein.

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Ehrenfels am Rhein

O, Ehrenfels am Rheine! Du Zeuge stolzer Pracht!
Du mahnst an alte Zeiten von hehrer Bischofsmacht.
Hier saßen und regierten sie mit gar starker Hand,
Die Bischöf' dieses Bisthums im weiten Mainzer Land.
Wie öd' sind nun die Hallen, nur Trümmer rings umher,
Und durch die Gänge schreitet, kein Prunk-Gefolge mehr.
Stolz ragt noch die Ruine und spiegelt sich im Rhein,
Rot schimmern ihre Mauern im gold'nen Abendschein.

Das Erzstift Mainz besaß vor der Französischen Revolution ein eigenes Gebiet von 8260 qkm, das sich um Mainz und Erfurt (hierzu das Eichsfeld) gruppierte. Der Erzbischof, durch freie Wahl des Domkapitels gewählt, war Kurfürst und Erzkanzler des Reiches, Primas von Deutschland, führte das Direktorium auf dem Reichstag, im Kurfürstenkollegium und bei der Wahl und schrieb Deputations- und Kurfürstentage aus. Der Reichsdeputationsrezess von 1803 säkularisierte das Erzbistum. – Die Burg Ehrenfels, 1208 bis 1220 erbaut, Sitz eines Rheinzolls, wurde 1689 von den Franzosen zerstört.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Aufl. 1905-1909 (Digitale Bibliothek; 100) Berlin: Directmedia 2003, S. 122.806f. Auszug, redigiert.

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Gutenfels.

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Guta von Falkenstein

"Komm' rasch, o teure Schwester, hinunter in den Saal;
Drunt hält mit Prunk mein König, wählt dich zu sein'm Gemahl."
"O laß ihn schau'n nach Andern in seinem weiten Land;
Ich lieb den armen Ritter, ihm sei mein Herz und Hand."
Und da sie tritt zum Fürsten, senkt schamhaft sie den Blick,
Doch als sie hört sein' Stimme, durchfährt sie hohes Glück.
O Guta! Viel Getreue, wie hoch erfreust Du mich,
Die Treu, die Du gehalten, sie schmückt als Krone Dich;
Den Ritter thatst Du wählen, den König Du erhältst.
Zum Angedenken nenn' ich dies Schloß nun Gutafels."

Graf Philipp von Kaub wohnte im dreizehnten Jahrhundert auf der Burg Falkenstein bei Kaub. Er war noch unvermählt, denn seine schöne Schwester Guta ersetzte ihm die Burgfrau. An vielen Bewerbern, die um ihretwillen nach dem Falkensteine hinaufritten, fehlte es ihr nicht, aber wie reich sie auch zum Teil waren, so konnte doch keiner von ihnen ihr Herz gewinnen, und so war sie gleich ihrem Bruder unverheiratet geblieben.

Einstmals fuhren die beiden Geschwister auf einem schönen Schiffe den Rhein hinab, um in Köln einem Turnier beizuwohnen. Unter den Rittern, welche dort ihr Rößlein tummelten, war auch ein Fremder, der sich durch das prächtige Aussehen seiner Waffen und seiner Rüstung hervorthat. Seine Heimat war England, und wenn ihn auch die Ritter noch nicht kannten, so wurde doch der Erzbischof von Köln, an dessen Hofe das Turnier abgehalten wurde, mit ihm oft in einer vertrauten Unterredung erblickt.

Der Ritter zog bald auch Guta's Blick auf sich und kaum hatte sie ihn mit der Aufmerksamkeit betrachtet, welche seine hohe Erscheinung beanspruchen konnte, so fühlte sie sich zum ersten male im Leben vom Strahle der Liebe getroffen. Auch der fremde Ritter hatte in dem nämlichen Augenblicke die schöne Guta angeschaut, und als diese nun vor Verlegenheit einen ihrer Handschuhe zur Erde fallen ließ, hob der tapfere Held ihn auf und befestigte ihn an seinem Helme. Fast unbeweglich und ungerührt stand er nun vor der Königin des Festes, welche ihm den ersten Siegespreis erteilen mußte: ihr Blick machte während dieser feierlichen Handlung keinen Eindruck auf ihn, da sein Herz an die Dame vergeben war, deren Handschuh er trug.

Erst bei dem Bankett, welches der Verteilung der Kampfpreise folgte, konnte sich der fremde Ritter der Jungfrau, deren Handschuh er aufgehoben hatte, wieder nähern. Mehr als einmal forderte er sie zum Tanze auf, dann aber legten beide einander auch das Geständnis ihrer Liebe ab.

Nach einiger Zeit erschien der fremde Ritter mit einem Knappen auf der Burg Falkenstein. Er blieb drei Tage dort oben, und wenn er schon durch das Aufheben des Handschuhes, sowie durch seine Gespräche mit Guta auf dem Bankett sich hinlänglich als deren Anbeter erklärt hatte, so schied er diesmal nicht von ihr, ohne daß sich beide das heilige Versprechen gegeben hatten, mit einander ein Ehebündnis zu schließen. Aber auch diesmal wurde der Jungfrau strenge Verschwiegenheit anempfohlen, und der Name des Ritters blieb ihr unbekannt. Der Graf von Falkenstein nahm an, daß er als Engländer der Fahne Richards von Cornwallis folge, welcher damals die Welt mit dem Rufe seines Reichtums und seiner Tapferkeit erfüllte.

Im deutschen Reiche aber waren damals die traurigen Zeiten der Zwischenherrschaft. Nachdem Konradin der Hohenstaufe in Italien hingerichtet war, wollten nur noch fremde Fürsten die deutsche Kaiserwürde annehmen. In dieser schrecklichen Zeit, da die Raubritter in Deutschland schalteten, wurde auch Richard von Cornwallis zum deutschen Kaiser gewählt [Richard von Cornwall, gekrönt 1257]. Nach der Wahl ertönte ein Freudenschrei durch manche Gegenden unseres damals so unglücklichen Vaterlandes, besonders aber jubelten die Kölner, die sich manche Vorteile von dieser Wahl versprechen durften. Aber Guta lag in diesen Tagen krank vor Sehnsucht und Kummer auf Burg Falkenstein, denn sie hatte seit der Abreise ihres Bräutigams nichts mehr von ihm vernommen.

Da schmetterten die Fanfaren, denn der neuerwählte Kaiser zog mit seiner Schar nach Burg Falkenstein hinauf. Mit geschlossenem Visier ritt er in den Burghof ein und wurde von dem Grafen mit aller Ehrfurcht begrüßt, welche einem deutschen Kaiser gebührte. Der Kaiser fragte den Grafen sogleich nach seiner Schwester. Dabei hätte dieser wohl erkennen sollen, daß die Stimme des Kaisers dieselbe war, welche er auf dem Bankett und dann auf Burg Falkenstein während der Anwesenheit des englischen Ritters gehört hatte. Doch fiel ihm dies nicht auf, da ihm der Accent, mit welchem diese damals am Rheine sehr häufigen Fremdlinge aus Britannien seine deutsche Muttersprache redeten, überhaupt wenig bekannt war, so daß es ihm nicht leicht wurde, diese Männer zu verstehen. Jedoch war auch der Sinn der Worte, die Richard von Cornwallis zu dem Grafen sprach, seltsam und auffallend. Er behauptete, daß unter seinem Gefolge sich ein Ritter befände, welchem die Gräfin Guta ihre Hand versprochen habe und der als Pfand ihrer Zuneigung ihren Handschuh aufbewahre, welchen er auf dem Turnier aufgehoben habe. Er selbst, der Kaiser, wollte nun für diesen Ritter um Guta werben.

Obgleich Guta sich nicht einmal bei der Nachricht von der Ankunft des Kaisers von ihrem Krankenlager erhoben hatte, so sprang sie doch wie ein Reh empor, als sie durch ihren Bruder die Bestellung erhielt, welche ihr Richard von Cornwallis machen ließ. Sie fand den Kaiser und sein Gefolge im Rittersaale. Ihr erster Blick überflog das Gefolge des Kaisers, welches auch der Graf, der mit ihr in der Saalthüre stehen blieb, mit dem Auge musterte, ehe er die Schwester zum Kaiser führte. Erst als ihr Auge ebensowenig als das ihres Bruders im Stande war, aus dieser Menge sogleich den älteren Besucher herauszufinden, fiel ihr fragender Blick auch auf den Kaiser, gleichsam als wollte sie ihn nun schon von weitem zum Reden und zu einer näheren Erklärung über seinen Lehnsmann, der um ihre Hand geworben hatte, veranlassen. Als aber Guta aus diesem Grunde zuletzt auch den Kaiser betrachtete, hatte er das Visier des Helmes geöffnet und sie erkannte staunend, daß Richard von Cornwallis und jener Ritter aus England ein- und dieselbe Person waren.

Die Burg Falkenstein bei Kaub erhielt von der Kaiserin Guta zum Andenken an diese Begebenheit den Namen Gutenfels.

Quelle: Heinrich Pröhle: Rheinlands schönste Sagen und Geschichten. Für die Jugend. Berlin: Tonger und Greven 1886. Burg Gutenfels bei Kaub. Zit. n. Deutsche Märchen und Sagen. Hg. von Hans-Jörg Uther (Digitale Bibliothek; 80) 2., verb. Aufl. Berlin: Directmedia 2004, S. 40.621-40.626. Gekürzt.

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Lorleifelsen.

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Am Lorleyfelsen

Der Mondschein blinket in silberner Pracht,
Es rauschet im Thale der Rhein so sacht;
Auf hohem Gefels singt die Loreley,
Sie kämmt ihr goldig Gelock dabei.
Und wie es rauschet und raunet und blinkt,
Die Fee mir hoch oben vom Felsen winkt. -
Horch! - Glockenton über den Rhein herzieht,
Die Fee ist verschwunden, der Zauber verflieht!

Erläuterungen sowie Bilder und Texte zur Loreley finden Sie auf der Seite Orte kultureller Erinnerung: Die Loreley.

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Lahneck.

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Der letzte Templer auf Lahneck

Ein Morgen graut nach düstrer Nacht,
Der letzte Templer hält still die Wacht.
Jetzt zu dem Boten er trotzig spricht:
"Dein' Gnade, Scherge, ich mag sie nicht;
Wir standen zusammen in Gefahr und Noth,
Drum bleib ich den Brüdern auch treu im Tod!"
Er kämpfet von neuem, vom Feinde umringt,
Bis endlich er tot von der Brücke sinkt.

Während der Kreuzzüge hatten sich die Ritterorden im gelobten Lande gebildet. Der Orden der Tempelherren war 1118 entstanden, um christliche Pilger zu pflegen. Er war immer mächtiger geworden, und seine Reichtümer waren beständig gewachsen. Allein nach einem fast zweihundertjährigen Bestehen hatten ihm im Jahre 1307 der Papst Clements V. und der König Philipp der Schöne von Frankreich den Todesstoß versetzt. Überall begann auch in Deutschland die Verfolgung der Templer.

Zu den Würgeengeln, welche sich gegen die Tempelherren erhoben, gehörte auch der damalige Bischof von Mainz Peter Aichspalter, der sich dem Papste dafür dankbar zeigen wollte, daß dieser ihn vom Hausarzt eines luxemburgischen Grafen, was er bis dahin gewesen war, auf den erzbischöflichen Stuhl zu Mainz erhoben hatte.

Peter Aichspalter stellte den Tempelherren die Wahl zwischen Verbannung und Tod, aber hier wie überall war es für die Tempelherren schwer, eine neue Heimat zu finden, weil sie überall ausgewiesen wurden. An allen Orten mußten sie deshalb darauf denken, Schlupfwinkel ausfindig zu machen. […] auf mainzischem Gebiete wurde die Burg Lahneck als Zufluchtsort der letzten Tempelherren benutzt. Nachdem nämlich einige Tempelherren auf's Gerathewohl in die Verbannung gezogen waren, andere aber ihren Orden abgeschworen hatten, warfen sich die letzten zwölf Tempelherren in die Burg Lahneck und schwuren sich einander zu, daß keiner die Burg lebend wieder verlassen wolle.

Als Peter Aichspalter diese Nachricht erhielt, geriet er in Wut und sandte seine Soldaten ab, um sie alle zwölf niederzuhauen. Zwar wurde ihnen angeboten sich noch zu ergeben, doch wartete ihrer dann etwas anderes als der Tod durch Henkershand? Es wurde ihnen auch noch immer frei gestellt, ihren Orden abzuschwören, welchen sie ja doch durch ein sittenloses Leben und durch das Streben nach irdischen Reichtümern entweiht hätten. Aber daß sie das Gelübde des Gehorsams gegen ihren Ordensmeister, den sie auf das höchste verehrten, jemals gebrochen hätten, wagte niemand zu behaupten; dafür, daß sie nicht tugendhaft gewesen seien, verlangten sie Beweise; daß sie nach irdischen Schätzen getrachtet hatten und reich an Gütern waren, lag allerdings auf der Hand; aber dies war ja eben der Grund, weswegen man sie überall aus dem Lande jagte oder gar hinrichtete. Kein Wunder daher, daß alle zwölf Tempelherren auch nach dieser Aufforderung ihren Orden zu verlassen, ihm treu blieben.

Gegen einen Heereshaufen wie dieser hätten sich die Tempelherren nun allerdings nicht lange halten können, wenn die Mainzer hätten damit anfangen dürfen, die Burg Lahneck in Brand zu stecken; aber sie hatten im Gegenteile die Weisung empfangen, die Burg so viel als möglich zu schonen. Es blieb daher den Soldaten des Erzbischofs nichts übrig, als mit den zwölf Tempelherren, unter denen sich sogar einige Grauköpfe befanden, so lange zu kämpfen, bis sie ermattet zusammensinken würden.

Als die Nacht hereinbrach, blies ein furchtbarer Sturmwind vom Rheine herauf, welchen der Schlachtruf der Mainzer nicht zu übertönen vermochte. Die Tempelherren aber nickten sich einander zu, und ihr Nicken allein schon enthielt das erneuerte Gelöbnis, zu kämpfen bis in den Tod. So kämpften sie denn auch die ganze Nacht hindurch, und beim hereinbrechenden Morgen schwang nur noch einer von ihnen das Schwert. Der ritterliche Anführer der Mainzer Truppen wandte sich jetzt von neuem an den letzten Tempelherrn und forderte ihn nochmals auf, sich zu ergeben. - Höhnisch verweigerte er die Annahme, weil er nicht glaubte, daß man das halten werde, was man ihm verspräche.

Erbittert durch die Herausforderung des einzelnen Mannes hieben die Mainzer Soldaten mit Macht auf ihn ein. Mit diesem einen Manne wurde noch gekämpft, als auf schaumbedeckten Rosse ein Bote des Erzbischofs heransprengte und verkündigte, der Kaiser selbst habe befohlen allen zwölf Tempelherren das Leben zu schenken. "Mein Leben ist ein elendes Geschenk für mich, seit meine elf Brüder tot sind! " rief der letzte Tempelherr aus. Von der Burgmauer herunter sprang er mitten unter die Mainzer Soldaten, schlug nach allen Seiten gewaltig um sich und empfing auch sogleich den Todesstoß.

Auf dem Burghofe zu Lahneck liegen alle zwölf Tempelherren begraben.

Quelle: Heinrich Pröhle: Rheinlands schönste Sagen und Geschichten. Für die Jugend. Berlin: Tonger und Greven 1886. Die Tempelherren auf der Burg Lahneck. Zit. n. Deutsche Märchen und Sagen. Hg. von Hans-Jörg Uther (Digitale Bibliothek; 80) 2., verb. Aufl. Berlin: Directmedia 2004, S. 40.646-40.650. Gekürzt, redigiert.

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Drachenfels.
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Die Jungfrau vom Drachenfels

"Herr schütz' mich vor des Drachen Zahn,
Laß mich nicht sterben um heid'nischen Wahn!"
Da dringt mit Schnauben das Untier vor,
Und gläubig hält sie's Kreuz ihm vor.
Kaum sieht er es, so flieht er von dann',
Den Drach' und die Heiden das Kreuz bezwang!

Nun wohnte damals in einer Höhle jenes der sieben Berge, welcher mit seinen steilen Höhen sich in den grünen Wellen des wogenden Rheins spiegelt, ein grimmiger Drache, der Schrecken des weiten Landes. Kein Krieger, kein Ritter mochte mit ihm den Kampf aufnehmen, so grimmig blickte er auf seinen kühnen Gegner herab, der bald das traurige Opfer seiner ungestümen Wuth werden sollte. Ihm die schöne Jungfrau zu opfern, beschloß man im Rathe der Großen.

Am frühen Morgen des folgenden Tages, während der Drache noch in seiner Höhle schlief, schleppte man die Christin auf den Felsen und fesselte sie in der Nähe der Höhle an einen Baum. […]

Ruhig und unerschrocken stand sie da, sie zog aus ihrem Busen ein Crucifix und auf das Bild des Gekreuzigten heftete sie ihren vertrauungsvollen Blick. Plötzlich trat der Drache aus seiner Höhle hervor und wachsamen Auges spähte er ringsumher nach Beute. Kaum hatte er das für ihn bestimmte schuldlose Opfer erblickt, so eilte er wüthend und schäumend auf dasselbe hin, allein - o Wunder! als der Drache in der Hand der Jungfrau das Crucifix erblickte, ergriff ihn Schrecken und Betäubung, er stürzte zu Boden und rollte vom steilen Felsen in den hochbrausenden Strom, wo er in den tobenden Wellen sein ödes Grab fand. Der Gekreuzigte hatte gesiegt. Die Heiden eilten herbei und fielen der Jungfrau zu Füßen, preisend den, welcher ihr solche Macht verliehen.

Quelle: Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staats. Bd. 2, Glogau: Carl Flemming 1871. Darin: Die Rheinprovinz, 27. Der Drache auf Drachenfels. Zit. n. Deutsche Märchen und Sagen. Hg. von Hans-Jörg Uther (Digitale Bibliothek; 80) 2., verb. Aufl. Berlin: Directmedia 2004, S. 19.596 f. Gekürzt.

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Die feindlichen Brüder
Sterrenberg und Liebenstein

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Es hatten ein' Liebste zwei Brüder am Rhein,
Um die sie kämpften im Mondenschein.
Da tritt zu ihnen die Jungfrau hin:
"Enthaltet des Kampf's euch im grimmen Sinn,
Nicht einem von Euch gehör' je ich zu,
Dort unten im Kloster, da find ich die Ruh'".

Gruss vom Rhein. Rheinische Burgen u. Sagen. Bornhofen und die feindlichen Brüder.
Signiert im Bild: J[osef] Wewerka. Verso: Kunstanstalt Fritz Gutmann, Coblenz. Nicht gelaufen.

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