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Intermedialität und Synästhesie in der Literatur der Romantik

Clemens Brentano

 

Biographisches

geboren am 9. September 1778 in Ehrenbreitstein als Sohn des Kaufmannes Peter Anton Brentano und dessen zweiter Ehefrau Maximiliane,  geb. von La Roche

Studium der Bergwissenschaften (1797), der Medizin (1798) und der  Philosophie (1801) in Jena, Halle und Göttingen

Kontakt mit Wieland, Herder, Goethe, F. Schlegel, Fichte und Tieck; Freundschaft mit Achim von Arnim (verheiratet mit Brentanos Schwester Bettina)

1804: Niederlassung in Heidelberg und Mitarbeit an Arnims "Zeitungen für Einsiedler" und "Des Knaben Wunderhorn"

1808-1818: Aufenthalt in Berlin

1819-1824: Aufenthalt in Dülmen/Westfalen

gestorben am 28. Juli 1842 in Aschaffenburg
 
 

Werke (Auswahl)

1801   Godwi

1805 und 1808:   Des Knaben Wunderhorn (3 Bände)

1838   Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl

Gedichte, z. B. Schwanenlied  

 

 

 

 

Schwanenlied

1 Wenn die Augen brechen,

Wenn die Lippen nicht mehr sprechen,

Wenn das pochende Herz sich stillet

Und der warme Blutstrom nicht mehr quillet:

5 O, dann sinkt der Traum zum Spiegel nieder,

Und ich hör der Engel Lieder wieder,

Die das Leben mir vorübertrugen,

Die so selig mit den Flügeln schlugen

Ans Geläut der keuschen Maies Glocken,

10 Daß sie all die Vöglein in den Tempel locken,

Die so süße, wild entbrannte Psalmen sangen:

Daß die Liebe und die Lust so brünstig rangen,

Bis das Leben war gefangen und empfangen;

Bis die Blumen blühten,

15 Bis die Früchte glühten,

Und gereift zum Schoß der Erde fielen,

Rund und bunt zum Spielen;

Bis die goldnen Blätter an der Erde rauschten

Und die Wintersterne sinnend lauschten,

20 Wo der stürmende Sämann hin sie säet,

Daß ein neuer Frühling schön erstehet.

Stille wirds, es glänzt der Schnee am Hügel

Und ich kühl im Silberreif den schwülen Flügel,

Möcht ihn hin nach neuem Frühling zücken,

25 Da erstarret mich ein kalt Entzücken. -

Es erfriert mein Herz, ein See voll Wonne,

Auf ihm gleitet still der Mond und sanft die Sonne,

Unter den sinnenden, denkenden, klugen Sternen

schau ich mein Sternbild an in Himmelsferne;

30 Alle Leiden sind Freuden, alle Schmerzen scherzen,

Und das ganze Leben singt aus meinem Herzen:

Süßer Tod, süßer Tod,
Zwischen dem Morgen- und Abendrot!

 

 


Jasmin Jobst und Christine Kerler: Synästhesie und Intermedialität in der Lyrik der Romantik. 02.12.2002.

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