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Goethes Italienische Reise, Rom

Yvette Deseyve

Künstler in Rom:
Alexander Trippel

Stand: Dezember 2006

Alexander Trippel

Alexander Trippel
Stich von Chr. Fr. Schulze nach Clemens 1775

 

Gliederung

1. Kurzbiographie
2. Trippel und Goethe
3. Wichtige Werke Trippels aus Goethes römischer Zeit
4. Literatur und Weblinks
5. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

 

 

1. Kurzbiographie

In seinen Beobachtungen über „Italien und Deutschland“ widmete Karl Philipp Moritz (1756-1793) dem in Rom arbeitenden Schweizer Bildhauer Alexander Trippel einen ausführlichen Bericht:

Der Name dieses Bildhauers ist bereits dem Publikum hinlänglich bekannt. Er ist nun ein Mann in den besten Jahren. Schon in seiner frühen Jugend erlitt er seltsam Schicksal, bis endlich sein eigener Genius ihn in die Schule der Kunst führte. Mit schwachen Principien kam er ungefähr vor zwölf Jahren nach Rom. Weniger begünstigt von dem Glück, setzte er sein Studium mit Beharrlichkeit fort, die nur dem Genie eigen ist, welches in der Mitte der größten Meisterstücke der Kunst zwar seine Schwäche fühlt, aber an seinen Kräften nicht verzweifelt.

(Moritz 1789, S. 56)


Trippel, am 23. September 1744 im Schweizerischen Schaffhausen geboren, kam tatsächlich erst über Umwege zur Kunst. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten in der Schweiz zog die Familie nach London, wo Trippel eine Instrumentenbauerlehre begann, die er nach kurzer Zeit erfolglos abbrach. Erst der Zeichenunterricht bei Johann Christian Ludwig von Lücke (um 1703-1780) führte ihn „in die Schule der Kunst“. 15-jährig brach Trippel schließlich nach Kopenhagen auf und besuchte unter dem Einfluss des frühklassizistischen Bildhauers Johann Wiedewelt (1731-1802) die Kopenhagener Kunstakademie. Wiedewelt auf der einen Seite, der ihn mit den Ideen Johann Joachim Winckelmanns (1717-1768) vertraut machte, und die praktische Arbeit in der Werkstatt von Carl Frederik Stanley (1740-1813) auf der anderen Seite prägten den jungen Bildhauer und weckten seinen Wunsch, in Rom die Antike zu studieren:

seit einigen Jahren schwebte es mir immer in Gedancken, auf was art und weis ich konnte Rom zu sehen bekommen“ „um den wichtigen Ort, den Temppel der Künsten und Wüssenschafften zu sehen, wo ich allezeit ein Verehrer […] war


(Trippel an Christian von Mechel 1775, zit. n. Ausst.Kat. Basel Ulrich 1995, S. 143) (Trippel an Clemens, undatiert, zit. n. Ulrich 2004, S. 256).


Nach einem von finanziellen Nöten geprägten Aufenthalt in Paris, wo er die Bekanntschaft mit dem ebenfalls aus der Schweiz stammenden Kupferstecher und Kunsthändler Christian von Mechel (1737-1817) machte, der in den Anfangsjahren zu seinem wichtigsten Förderer und Agenten werden sollte, reiste Trippel im Herbst 1776 erstmalig nach Rom. 

Anfangsschwierigkeiten auf dem römischen Kunstmarkt zwangen ihn zu einer kurzzeitigen Rückkehr in die Schweiz, sodass Alexander Trippel erst 1778 endgültig nach Rom übersiedelte. Mehrere Versuche Trippels, sich für eine feste Anstellung auch außerhalb Roms zu empfehlen, um seine finanzielle Situation dauerhaft zu verbessern, scheiterten. Dies zeigt vor allem die Ablehnung seines Denkmalsentwurfs für Friedrich den Großen. Zwar erlangte er die Ehrenmitgliedschaft in der Preußischen Akademie, doch war diese für seine Bewerbung auf die vakante Stelle als Hofbildhauer in Dresden ebenso wenig förderlich, wie auch seine aktiven Bemühungen, einen Teil des Mengs’schen Nachlasses nach Dresden zu vermitteln, nicht anerkannt wurden. So blieb Alexander Trippel bis zu seinem Tod am 24. September 1793 in Rom, wo seine Bildhauerwerkstatt großes Ansehen genoss und er zeitweise Gottfried Schadow (1764-1850) und Johann Jakob Schmid (1759-1798) beschäftigte. Trippel selbst machte sich in erster Linie als Porträtbildner und mit seiner Zeichenschule unweit von Trinità dei Monti einen Namen. Zahlreiche Porzellanarbeiten und einige Grabmalprojekte wie das Geßner- und Tschernyschew-Grabmal festigten seinen Platz unter den deutschsprachigen Künstlern Roms.

Erst die kunsthistorische Aufarbeitung des gesamten Œuvres Alexander Trippels in den 1990er Jahren ermöglichte einen umfassenden Einblick in sein Schaffen nach der zuvor fast ausschließlichen Rezeption Trippels als Künstler der Büsten für Goethe und Herder. Erstaunlicherweise wird Trippel weit mehr als in seinen überlieferten bildnerischen Werken – ca. 30 Skulpturen und 180 erhaltene grafische Blätter – in literarischen Quellen fassbar: Die Briefwechsel mit seinen Mäzenen Christian von Mechel und mit Johann Rudolf Burckhardt (1750-1813) geben Auskunft über sein Werk, seine Kunstkäufe zusammen mit Hofrat Friedrich von Reiffenstein (1719-1793) und über die begeisterte Rezeption seiner Werke sowohl in Rom als auch nördlich der Alpen. Tagebuchaufzeichnungen der Malerin Marianne Kraus (1765-1838) und die Reiseberichte Graf Stolbergs (1750-1819) sowie Berichte über Atelierbesuche von Moritz und Goethe ergänzen das Bild, sodass Alexander Trippel trotz der wenigen erhaltenen Werke als eine Schlüsselfigur des deutschen Klassizismus bezeichnet werden kann. 

 

 

2. Trippel und Goethe

Alexander Trippel, der als Antiken-Experte, Restaurator und Bildhauer eng mit dem Kreis der Altertumsforscher um Friedrich von Reiffenstein, Aloys Hirth (1759–1837) und Karl Philipp Moritz verkehrte, ist nicht sofort nach Goethes Ankunft in Rom im engeren Umfeld des Dichters auszumachen. Die Mittlerfunktion zu den deutschsprachigen Künstlern in Rom nahm in erster Linie die Malerin Angelika Kauffmann (1741-1807) ein, die anfänglich genau über die Kontakte Goethes zu anderen römischen Künstlern wachte und Trippel zu zynischen Kommentaren herausforderte:

Der Herr Göde ist vor ungefähr vier Wochen hierher gekommen [unter dem Namen eines deutschen Gelehrten Müller], logiert beim Tischbein, er geht bei niemand als beim Reiffenstein und bei der Angelika Kauffmann, denn sie haben einen Komplott gemacht, dass er nirgends darf hingehen, als wo sie ihn hinführen, also dieser große Löwe läst sich durch die Gasse an der Nase herumführen.

(Ausst.Kat. München Maisak 1998, S. 80)


Nur von einem einzigen Atelierbesuch bei Trippel im November 1786 ist anfänglich die Rede. Auch die Anfertigung einer Bildnisbüste von Goethe im darauf folgenden Jahr ging nicht auf die Initiative Trippels zurück, wie einst die Porträtarbeiten von Kauffmann und Tischbein zur Huldigung des Dichters, sondern wurde als externe Auftragsarbeit veranlasst. Erst Goethes Zeichenstudien und sein Versuch durch plastisches Modellieren die Proportionen des menschlichen Körpers exakter erfassen zu können, brachten ihn und Trippel näher. So berichtete Goethe begeistert von den Fortschritten bei seinen Modellierstudien und von seiner lehrreichen Unterredung mit Alexander Trippel:

Nun hat mich zuletzt das A und O aller uns bekannten Dinge, die menschliche Figur, angefasst, und ich sie [...]. Mit dem Zeichnen geht es gar nicht, und ich habe also mich zum Modellieren entschlossen, und das scheint rücken zu wollen. [...] Es läuft darauf hinaus, dass mich nun mein hartnäckiges Studium der Natur, meine Sorgfalt, mit der ich in der komparierenden Anatomie zu Werke gegangen bin, nunmehr in den Stand setzen, in der Natur und den Antiken manches im ganzen zu sehen, was den Künstlern im einzelnen aufzusuchen schwer wird, und das sie, wenn sie es endlich erlangen, nur für sich besitzen und andern nicht mitteilen können.“ (HA Bd. 11, S. 386, 15-35). „Eine höchst angenehme, belehrende Unterhaltung, mit meinen Wünschen und Zwecken unmittelbar zusammentreffend, knüpfte ich mit dem Bildhauer Trippel in seiner Werkstatt an als er meine Büste modellierte, welche er für den Fürsten von Waldeck in Marmor ausarbeiten sollte. Gerade zum Studium der menschlichen Gestalt, und um ihre Proportionen, als Kanon und als abweichender Charakter, aufgeklärt zu werden, war nicht wohl unter anderen Bedingungen zu kommen.

(Goethe an Charlotte von Stein 1787, zit. n. Ausst.Kat. Schaffhausen 1993, S. 106)


Dabei teilten Trippel und Goethe die Auffassung von einer unzertrennlichen Verbindung zwischen Kunst und Wissenschaft, insbesondere von Antike und Naturstudium. Doch „hat [Trippel] in wachsendem Mass und getreu dem später bei Goethe und Johann Heinrich Meyer (1760-1832) zementierten Bild vom wahren Klassizismus als einer praktisch deutsch-römischen Schöpfung die bedeutenden gestalterischen Anstösse, die [Trippels] Pariser Aufenthalt geboten hatte, verleugnet“ (Ausst.Kat. Schaffhausen Ulrich 1993, S. 11). Folglich lehnte Trippel auch den Kontakt zur französischen Akademie in Rom strikt ab und richtete zur Weiterführung von Studien eine unabhängige Zeichenakademie für seine Anhänger ein.

Trippels private Zeichenakademie nahe der Spanischen Treppe verfolgte als oberstes Ziel, das Studium nach der Natur zu intensivieren, d.h. insbesondere das Studium des menschlichen Aktes zu ermöglichen und einen Ausgleich zu den im Rom unerlässlichen Antikenstudium darzustellen. Als prominente Schüler genossen unter anderen Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829) ebenso wie der Sohn Salomon Geßners (1730-1788) den Unterricht an Trippels Privatakademie

 

 

3. Wichtige Werke Trippels aus Goethes römischer Zeit

2. Fassung: „Büste Johann Wolfgang von Goethe“ (Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Stiftung Weimarer Klassik), 1790, Marmor, 82 cm, bez. und sign.: „ALEX: TRIPPEL./FECIT IN ROMA./i1790.“

 

 

1. Fassung: „Büste Johann Wolfgang von Goethe“(Arolsen, Schloss), 1788, Marmor, 82 cm 

 

 

„ich habe nichts dagegen, dass die Idee, als hätte ich so ausgesehen, in der Welt bleibt“ – die Büste Johann Wolfgang von Goethe

Über einem schlicht profilierten Sockel erhebt sich die Marmorbüste Goethes. Das ebenmäßig geformte, ovale Gesicht wird von dynamischen Locken gerahmt, die bis auf die Schultern herabfallen. Das Andeuten einer Anastole, wie sie die Bildnisse Alexanders des Großen ziert, und die einfache, an der Schulter zusammengehaltene Toga, die in großen weichen Bahnen die Büste abschließt, unterstreichen den antiken Charakter.

Am 23. August und kurz darauf am 28. August 1787 berichtet Goethe in seiner Italienischen Reise über die Anfertigung seiner Büste durch den Bildhauer Alexander Trippel:

Es wird meine Büste gemacht, und das hat mir drei Morgen dieser Woche gekostet.

(HA Bd. 11, S. 387, 11-12)

 

Hab' ich schon gesagt, dass Trippel meine Büste arbeitet? Der Fürst von Waldeck hat sie bei ihm bestellt. Er ist schon meist fertig, und es macht ein gutes Ganze. Sie ist in einem sehr soliden Stil gearbeitet. Wenn das Modell fertig ist, wird er eine Gipsform darüber machen und dann gleich den Marmor anfangen, welchen er dann zuletzt nach dem Leben auszuarbeiten wünscht; denn was sich in dieser Materie tun lässt, kann man in keiner anderen erreichen.

(HA Bd. 11, S. 388, 10-17)

Bereits im Januar 1787 hatten sich Goethe und Prinz Christian August von Waldeck (1744-1798) in Rom getroffen. Die gemeinsame Verehrung der beiden für Friedrich II. von Preußen, dem „großen König“, dem Goethe in seiner Italienischen Reise einen Nachruf widmete (HA Bd. 11, S. 162, 32-34), veranlasste Waldeck zur Bestellung zweier als Pendant konzipierter Büsten bei Alexander Trippel. Die heute auf Schloß Arolsen befindlichen Büsten des Preußenkönigs und des Dichterfürsten entsprechen sich in ihrer formalen Gestaltung. In den Mantelschließen, die ein Medusenhaupt einerseits sowie eine antike Tragödienmaske andererseits zieren, konzentriert sich die Aussage des Paares: Dem weisen Kriegsheld steht der junge Genius der schönen Künste und Wissenschaften als Schöpfer der Iphigenien-Tragödie gegenüber. Folgerichtig wurde dieses Detail bei der wiederholten Ausführung der Büste für Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar (1739-1807) hinfällig und zugunsten einer neutralen Schließe mit Akanthusrosette ersetzt. So konnte diese zu der gleichzeitig bei Trippel in Auftrag gegebenen Büste Herders (1744-1803) einen neuen Bezug aufnehmen.

 

Büste Friedrich II. von Preussen

„Büste Friedrich II. von Preussen“ (Arolsen, Schloß), 1788/1790, Marmor

 

Die Büste Goethes von Alexander Trippel wurde anders als etwa Kauffmanns sensibles Goethe-Porträt zur hoch geschätzten, idealen Goethe-Darstellung stilisiert. Diese Idealisierung, die – von der Forschung übereinstimmend bestätigt – auf den Einfluss des von Goethe verehrten Apoll von Belvedere zurückzuführen ist, sorgte sowohl in zeitgenössischen als auch in aktuellen kunsthistorischen Betrachtungen für eine immer wiederkehrende Debatte über das Mimesiskonzept der Büste.

Nicht nur die Hauptformen, sondern auch die individuellsten Züge sind mit Wahrheit gebildet, dass man sie nicht verkennen kann, obwohl das Kostum der Alten das Auge auf den ersten Anblick immer etwas befremdet, und der auffallenden Aehnlichkeit einer Büste immer so viel benimmt, als dieselbe dadurch an Kunstschönheit gewinnt.

(Alois Hirt 1789, zit. n. Ausst.Kat. Schaffhausen 1993, S. 107)

 

Meine Büste ist sehr gut geraten; jedermann ist damit zufrieden. Gewiss ist sie in einem schönen und edlen Stil gearbeitet, und ich habe nicht dagegen, dass die Idee, als hätte ich so ausgesehen, in der Welt bleibt.

(HA Bd. 11, S. 397, 9-12)

Alexander Trippels Goethe-Büsten wurden vor allem angesichts der dargestellten Persönlichkeit aber auch aufgrund der geringen Überlieferung anderer Werke Trippels zu seinem gefeierten Hauptwerk. Mindestens zwei weitere, von Trippel gefertigte Abgüsse der Goethe-Büste, sind nachweisbar. Eine befand sich im Besitz des Archivars Reiffenstein, die andere hatte sich die Malerin Angelika Kauffmann erbeten. Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnten sowohl von der Weimarer als auch der Arolser Fassung zahlreiche Abgüsse in nahezu jeglichem Material wie unterschiedlichster Größe und Preislage als „Souvenir“ und „Bildungszitat“ (ZSAK Maaz 1995, S. 283) erworben werden. Druckgrafische und später fotografische Reproduktionen sorgten für eine weit verbreitete Rezeption von Trippels Goethe-Büsten.

 

Goethe-Büsten
„O der leidigen Pendants!“ – die Büste von Johann Gottfried Herder

1. Fassung: „Büste Johann Gottfried Herder“ (Weimar, Goethe-Haus), 1789/1790, Marmor

 

 

2. Fassung: „Büste Johann Gottfried Herder“ (Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Stiftung Weimarer Klassik), 1790, Marmor, 80 cm, bez. und sign.: „A. TRIPPEL:/FECIT. IN ROMA./i1790.“

 

Bereits am ersten Tag seiner Ankunft in Rom sah sich Herder mit der von Alexander Trippel gefertigten Goethe-Büste im Hause der Malerin Angelika Kauffmann konfrontiert. Nur wenig später sollte von verschiedenen Seiten der Wunsch nach einem adäquaten Pendant folgen:

O der leidigen Pendants! G. hat sich als einen Apollo idealisieren lassen; wie werde ich Armer mit meinem kahlen Kopf dagegen aussehn! Desto besser, so stehe ich nackt u. arm da!

(Herder 1798, zit. n. Ausst.Kat. München Maisak 1998, S. 88.)


Kauffmann selbst verewigte Herder – ähnlich dem Porträt Goethes – in schwärmerisch jugendlicher Manier, die von Herder mit Wohlwollen aufgenommen wurde. Anders hingegen die Ausführung in Marmor durch Alexander Trippel. Im Auftrag von Herzogin Anna Amalia begann Trippel Ende Februar 1789 mit dem Porträt Herders als Pendant zu seiner gefeierten apollinischen Goethe-Büste. Über einem runden, nur wenig profilierten Sockel erhebt sich die Büste Herders. Schwere Faltenbahnen deuten die Gewandung in eine antike, schmucklose Toga an, der die elegant raffende Schließe der Goethebüste fehlt. Auch dem im Gegensatz zur Goethedarstellung weit stärker dem Realismus verpflichtete füllige Gesicht Herders mit Tränensäcken und unmotiviert geöffnetem Mund fehlt jegliche idealisierende Anmut, sodass Herder Nachbesserungen verlangte:

Auf der Stirn wünschte ich etwas mehr Haar. Jetzt ist sie fast kahl in der Buste, welches mich gar zu philosophisch macht. Mich dünkt, der Kontrast zwischen mir und Göthe sei etwas zu stark.

(Herder 1789, zit. n. Ausst.Kat. München Maisak 1998, S. 88)


Da aufgrund des fehlerhaften Marmors ohnehin eine unversehrte neue Marmorfassung erstellt werden musste, nahm Trippel an der zweiten Ausführung zahlreiche Änderungen vor, die die Attraktivität des Dargestellten deutlich steigerten. Die sich heute ebenfalls in Weimar befindliche zweite Büste gibt den selben Ausschnitt mit gleicher Gewanddrapierung wieder, jedoch wurde die Massivität der Faltenbahnen deutlich reduziert. Selbst die Kopfform änderte Trippel zugunsten einer verfeinerten Darstellung, in der auch die Tränensäcke und die Fülle des Gesichts stark zurückgenommen waren.

Der außergewöhnliche Umstand, dass beide Büstenfassungen am selben Ort erhalten geblieben sind, ermöglicht einen direkten Vergleich, der den Grad der Idealisierung deutlich hervortreten lässt. Zumindest die zweite Interpretation von Herder als zeitlosem antiken Philosoph konnte die Bewunderung von Moritz auf sich ziehen, der in seinen Betrachtungen über „Italien und Deutschland" ein emphatisches Lob auf die Büsten des Bildhauers Alexander Trippel verfasste:

Alexander hatte einen Lysippus, Plato und Sokrates ihre Alemenes, durch deren bildende Hand sie euch bis auf die späteste Nachwelt kamen: glücklich, dass die Unsrigen einen Trippel fanden!

(Moritz 1789, S. 66)

 

4. Literatur und Weblinks

 

Literatur:

Ausst.Kat. Basel Debrunner 1995
Debrunner, Albert M.: „Goethes Basler Aufenthalte und seine Bekanntschaft mit Johann Rudolf Burckhardt“, in: Roda von, Burkhard, Schubiger, Benno (Hrsg.): Sehnsucht Antike. Das Haus zum Kirschgarten und die Anfänge des Klassizismus in Basel, Ausst.Kat. Basel, Basel 1995, S. 159-168.

Ausst.Kat. Basel Ulrich 1995
Ulrich, Dieter: „Da haben Sie mit einem wunderlichen Heiligen zu thun…“ Johann Rudolf Burckhardt als Mäzen des Bildhauers Alexander Trippels (144-1793), in: Roda von, Burkhard, Schubiger, Benno (Hrsg.): Sehnsucht Antike. Das Haus zum Kirschgarten und die Anfänge des Klassizismus in Basel, Ausst.Kat. Basel, Basel 1995, S. 143-158.

Ausst.Kat. Basel Ulrich 1995
Ulrich, Dieter: „Da haben Sie mit einem wunderlichen Heiligen zu thun…“ Johann Rudolf Burckhardt als Mäzen des Bildhauers Alexander Trippels (144-1793), in: Roda von, Burkhard, Schubiger, Benno (Hrsg.): Sehnsucht Antike. Das Haus zum Kirschgarten und die Anfänge des Klassizismus in Basel, Ausst. Kat. Basel, Basel 1995, S. 143-158.

Ausst.Kat. München Maisak 1998
Maisak, Petra: „Glückliche Psyche traure nicht mehr“. Angelika Kauffmanns Begegnung mit Goethe, Herder und dem Weimarer Kreis, in: Baumgärtel, Bettina (Hrsg.): Angelika Kauffmann, Ausst.Kat. München, Ostfildern-Ruit 1998, S 79-90.

Ausst.Kat. Schaffhausen 1993
Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft (Hrsg.): Alexander Trippel (1744-1793). Skulpturen und Zeichnungen, Ausst.Kat. Schaffhausen, Schaffhausen 1993.

Ausst.Kat. Schaffhausen Ulrich 1993
Ulrich, Dieter: „Alexander Trippel, der grösste Bildhauer in Rom, folglich in der Welt…“, in: Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft (Hrsg.): Alexander Trippel (1744-1793). Skulpturen und Zeichnungen, Ausst.Kat. Schaffhausen, Schaffhausen 1993, S. 9-13.

Moritz 1789
Moritz, Karl Philipp: VI. Beschreibung eines von Hrn. Alexander Trippel verfertigten Denkmal des Grafen Tzernichew, in: ders.: Italien und Deutschland in Rücksicht auf Sitten, Gebräuche, Literatur und Kunst, Berlin 1789, S. 55-68.

Ulrich 2004
Ulrich, Dieter: Alexander Trippel (1744-1793) als „Fall“. Herkunft, Identität und Zugehörigkeitsgefühl eines Schweizer Bildhauers als Bestandteil der Wende zum deutsch-römischen Klassizismus, in: Griener, Pascal, Imesch, Kornelia (Hrsg.): Klassizismen und Kosmopolitismus. Programm oder Problem? Austausch in Kunst und Kunsttheorie im 18. Jahrhundert, Chur 2004, S. 249-266.

ZSAK Howard 1995
Howard, Seymour: Alexander Trippel and Bartolomeo Cavaceppi in the Roman Art Market, in: Direktion des Schweizerischen Landesmuseum Zürich (Hrsg.): Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Bd. 52, Heft 4, Zürich 1995, S. 223-234.

ZSAK Maaz 1995
Maaz, Bernhard: ‚Das die Idee, als hätte ich so ausgesehen, in der Welt bleibt’ – Alexander Trippels Goethe-Büste: Werk und Wirkung, in: Direktion des Schweizerischen Landesmuseum Zürich (Hrsg.): Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Bd. 52, Heft 4, Zürich 1995, S. 281-292.

ZSAK Schnyder 1995
Schnyder, Rudolf: Der Bildhauer und die Porzellanmanufaktur oder die Verwandlung von Venus in Wilhelm Tell, in: Direktion des Schweizerischen Landesmuseum Zürich (Hrsg.): Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Bd. 52, Heft 4, Zürich 1995, S. 223-234.

ZSAK Ulrich 1995
Ulrich, Dieter: Michelangelo, Raffael und die Alten. Alexander Trippel als Zeichner: Der Versuch, die künstlerischen Referenzpunkte eines frühklassizistischen Bildhauers zu rekonstruieren, in: Direktion des Schweizerischen Landesmuseum Zürich (Hrsg.): Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Bd. 52, Heft 4, Zürich 1995, S. 225-246.

 

Weblinks:

Dokumente zu Alexander Trippel im Stadtarchiv Schaffhausen:
http://www.stadtarchiv-schaffhausen.ch/Bibliothek/Biographien-Literatur_t.htm

Zum Basler Förderer von Alexander Trippel, Johann Jakob Burckhardt:
http://pages.unibas.ch/klassarch/geschichte/burckhardt.html

Trippel im Museum Bad Arolsen:
http://www.museum-bad-arolsen.de/index.php

Trippel im Allerheiligen Museum Schaffhausen:
http://www.vms-ams.ch/index.php?id=632&action=detail&museumid=590

 

 

5. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

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