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Goethes Italienische Reise, Rom

Karoline Hornik

Stimmen zur »Italienischen Reise«:
Rom I

Stand: März 2007

Goethe: Ponte Molle (Rom)

 

Venedig kann ihn nicht halten, es zieht Goethe auf seiner 'Italienischen Reise' hauptsächlich nach Rom. Im November 1786 kommt der Dichter in der 'Hauptstadt der Welt' an, in der er fast vier Monate verweilt. Er pflegt den Umgang mit der dortigen deutschen Künstlerkolonie um Johann Heinrich Wilhelm Tischbein und schwelgt begeistert in den vielfältigen Eindrücken.

 

 

Nun endlich: Rom!

Dann aber wollte Goethe gründlich und ernstlich Kunst studieren und zwar antike, mindestens klassische Kunst. Er hatte die vorgefaßte Meinung, daß das in Rom geschehen müsse, und obgleich er in Venedig die Maler mochte, so eilte er doch mit Zittern und Beben nach Rom wie der unschuldige Jüngling ins Brautbett.
(Meyer 1951, 355)



Mit der Nähe Roms wächst seine Ungeduld zu fieberhafter Höhe. Vom frühesten Morgengrauen bis zur sinkenden Nacht fährt er ununterbrochen.
(
Bielschowsky 1914, 385)



In dem Augenblick, wo dieses Ziel ihm entgegenglänzt, tritt alles, was davorliegt, im Schatten. Mit derselben Stärke, mit der er sich ursprünglich nach Italien gesehnt hat, sehnt er sich jetzt nach Rom, und dieselbe Angst, die ihn in Deutschland geplagt hatte, es könne im letzten Augenblick sich zwischen ihn und sein Ziel etwas legen, verfolgt ihn jetzt bis vor die Tore Roms.
(Bielschowsky 1914, 384)



Vergoldet wie im Glanze einer ewigen Abendröthe stand die Stadt, die Raphaels und Michelangelo's und einer unendlichen Reihe von großen Männern zweite Vaterstadt geworden war, Goethe vor den Augen, um auch für ihn eine zweite Vaterstadt zu werden.
(Grimm 1877, 12)

 

 

In der Weltstadt zuhause

Goethe war ja immer bis dahin nur aus einem kleinstädtischen Neste in das andere übergegangen. Er war weder in Paris, geschweige in London, noch in Wien gewesen. Dresden und Berlin, höher hatte er es nicht gebracht. Und auch dahin gelangt er nur als flüchtiger Reisender. Leipzig, Frankfurt, Köln, Straßburg waren enge, alte, von Mauern und Gräben umschlossene Bürgerstädte [...]. Goethe war wohl hier und da mit den Mächten in Berührung gerathen, die die Welt regieren, aber er hatte so gut wie nichts von der wirklichen großen Welt gesehen ehe er nach Rom gelangte.
(Grimm 1877, 15)



Von früh auf lag Goethe die Sehnsucht nach Italien in der Seele. Dreimal hatte er angesetzt dahin und war innerlich elend geworden vor Sehnsucht: von einer 'ungeheuren Krankheit' fühlte er sich befreit nachdem er Rom kennen gelernt.
(Grimm 1877, 12)



[D]ie ersten Niederschriften nach seiner Ankunft in Rom [...] spiegeln in ihrer Abgerissenheit und Gedrungenheit, wir möchten sagen, in ihrer Atemlosigkeit, im Verein mit dem Dankgebet, das er als Erstes zum Himmel sendet, mit unübertrefflicher Schärfe die ihn überwältigenden Gefühle und Eindrücke wieder.
(Bielschowsky 1914, 386)



In Rom, wo sein erster Aufenthalt vier Monate dauerte, ging Genuß und Bildung Hand in Hand.
(Lewes 1857, 79)



Es war für Goethe ein herrliches Schwelgen in dieser großen Welt. Und um sein Behagen zu steigern, gestalteten sich auch seine Lebensverhältnisse in Rom, so wie er sie sich nur wünschte.
(Bielschowsky 1914, 390)



Hier in Rom konnte er sich ausleben und ausdehnen. Sein Weltgeist fand erst in der Welthauptstadt einen würdigen Boden und Rahmen.
(Bielschowsky 1914, 412)



Rom mit seinem Überreichtum an großen Werken und Erinnerungen umschwillt ihn wie ein Meer.
(Bielschowsky 1914, 387)



Es ist vor allem das alte Rom, das in gewaltiger Größe aus den Ruinen vor ihm aufsteigt; und er verstärkt diese Wirkung, indem er nicht bloß die Ruinen, sondern auch das Leben, das sie einst erfüllte sich zu rekonstruieren sucht.
(Bielschowsky 1914, 388)



Die Natur in der Kunst, die Kunst in der Natur zu finden, zu deuten, darzustellen, darin konnte ihn kein Ort der Welt so fördern wie Rom, denn hier hatte die Natur selbst keine wildwuchernden, dumpfen und verschwebenden Hervorbringungen, sondern Landschaft, Sitten und selbst Gewächse traten schon gleichsam stilisiert, architektonisch, monumental hervor. Der Gegensatz, der Kampf gegen die Natur, worauf im Norden eigentlich alle Kultur beruht, war oder schien hier aufgehoben.
(Gundolf 1916, 369)



Über das christliche Rom der Päpste in Mittelalter und Neuzeit geht er dagegen flüchtig hinweg. Er hat dafür kein tieferes Interesse.
(
Bielschowsky 1914, 388)

 

 

Weiterreise in den Süden

Goethe schob seine Weiterreise nach dem Süden, so sehr es ihn dahin lockte, immer mehr hinaus. Anfangs glaubte er für den ersten römischen Aufenthalt sich mit vier Wochen begnügen zu können; dann verlängerte er die Frist auf acht, bis schließlich sechzehn daraus wurden. Er mochte, selbst bei vorübergehendem Scheiden, sich von der großen Stadt nicht trennen, ohne einigermaßen klare und gründliche Vorstellungen von den Kunstschätzen, die sie in sich barg, zu haben.
(Bielschowsky 1914, 397)



Dieses Rom senkt sich mit immer neuen Wurzeln in sein Inneres, und es muß schon der Vesuv tüchtig speien und die Furcht vor der Sommerhitze auf Sizilien sich regen, um ihn zu bewegen, am 22. Februar der geliebten Stadt wenigstens zeitweise den Rücken zu wenden.
(Bielschowsky 1914, 398)

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