Inhalt

 

Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Goethes Italienische Reise, Rom

Karoline Hornik

Stimmen zur »Italienischen Reise«:
Neapel, Sizilien

Stand: März 2007

 

Von Rom aus begibt sich Goethe auf seiner 'Italienischen Reise' weiter in den Süden: Neapel und Sizilien sind seine Ziele. Hier genießt der Dichter das freie und ungezwungene Leben nahe der Natur. Neapel erscheint Goethe als Paradies, Sizilien verzaubert ihn.

Genuß in Neapel

Am 22. Februar ging Goethe von Rom nach Neapel und verlebte da fünf Wochen in herzlichem Genuß. Sein Incognito nicht länger bewahrend, gab er sich frei dem geselligen Verkehr hin und noch freier verkehrte er mit dem Volke, dessen selig leichtsinniges far niente ihn entzückte. [...] Und er lebte ein reiches Leben: am Gestade des Meeres, unter Fischern, unter dem Volke, mit der guten Gesellschaft, Adel und Prinzen, am Vesuv, auf der mondbeglänzten Zauberpracht des Wassers, in der Gräberstadt Pompeji, am Posilippo - überall sog er sich frisches Entzücken, überall nährte er Geist und Phantasie mit neuen Bildern.
(Lewes 1857, 82 f.)



Goethe, obwohl seit seiner Kindheit auf die Zauber des Golfes vorbereitet, war doch, als das wunderbare Panorama vor seinen Blicken sich entrollte, wie berauscht.
(Bielschowsky 1914, 398)



Rom in der öden Campagna am schmalen Fluß kommt ihm jetzt gegen die freie Lage Neapels im fruchtbaren Gelände und am weiten Meere mit den duftigen Inseln wie ein altes übel placiertes Kloster vor. Und wenn er in Rom gern studieren mochte, so wollte er hier nur leben. Man spürt denn auch, wie in der bestrickenden neapolitanischen Sinnenwelt seine Freude am Lebensgenuß wächst.
(Bielschowsky 1914, 398 f.)



Neapel wiederum regt Goethe zu glänzenden Beschreibungen an. Ich zweifele ob die Darstellung einer Fahrt auf den Vesuv, von irgend Jemand in irgend welcher Sprache, an die in Goethe's Briefen gegebene heranreicht.
(Grimm 1877, 49)



Er nennt Neapel ein Paradies, in dem er in einer Art trunkener Selbstvergessenheit lebe.
(Bielschowsky 1914, 398)

 

 

Der Zauber von Sizilien

In freudiger Erwartung betrat Goethe das Schiff, das ihn nach Sizilien bringen sollte. [...] Goethe bedurfte zu seiner Fahrt vier Tage, und diese mußte er als Seekranker größtenteils in seiner Kabine zubringen. Um so stärker wirkte nach Klausur und Unbehagen auf ihn die in üppigstem Frühlingsschmucke und in schönster Beleuchtung prangende Landschaft Palermos. Er findet keine Worte, um die Reinheit der Konturen, die Weichheit des Ganzen, die Harmonie von Himmel, Meer und Erde auszudrücken. Frisch grünende Maulbeerbäume, immergrüner Oleander, Zitronenhecken, blühende Ranunkel und Anemonen empfingen ihn. Die Luft war mild, warm und wohlriechend. Und über dem Ganzen ging der Vollmond hinter einem Vorgebirge auf und glänzte auf dem Meer.
(Bielschowsky 1914, 400 f.)



Die Briefe aus Sicilien sind wohl das Vollkommenste in der Italiänischen Reise. [...] Dieser Ausflug hebt sich vom Uebrigen als Episode ab. Goethe selber tritt fast ganz zurück: man hat nur die herrlichen Wege vor sich die er zurücklegte und die Stätten die er besuchte [...]  niemals hat er so unter der Herrschaft der äußeren Dinge gestanden.
(Grimm 1877, 48)



[D]er Zauber, von dem er selber durchdrungen war, de[r] Reiz der sizilischen Küsten und Berge, des gartengleichen Landes.
(Staiger 1956, 47)



Die Armut an Kunstgegenständen schränkte seine Freude an Palermo nicht ein. Die Natur bot dem Dichter, Maler und Forscher genug; und neben der Natur unterhielt ihn die Bevölkerung in angenehmster Weise, vom Vizekönig bis zur frommen armen Familie des Abenteurers Cagliostro [...]. Als er von der Stadt und ihrem Wundergarten Abschied nahm, sprach er aus, daß er vielleicht in seinem ganzen Leben nicht sechzehn Tage hintereinander so heiter und vergnügt gewesen als hier.
(Bielschowsky 1914, 402)



Diese traumhaft zitternde Schönheit, die südliche Wärme und die vorübergehende leichte Kühlung von oben, zarte silberne Krone des Ätnas an dem unendlichen Horizont, das ist - wie homerische Dichtung sie niemals kennt - die Landschaft als Zustand der Seele, einer berückten und entrückten und in der höchsten Zone doch immer noch klarer Besinnung versicherten, der Seele Goethes, die so glücklich war, wie früher und später nie.
(Staiger 1956, 51)

 

< Rom I || Übersicht | Literatur || Rom II >

Gefördert vom Bayerischen Staatsministerium
für Wissenschaft, Forschung und Kunst
KULTURFONDS BAYERN

Das Fach- und Kulturportal der Goethezeit