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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Goethes Italienische Reise

Jutta Assel | Georg Jäger

Goethe am Gardasee

 Mit dem Historienbild »Goethe am Gardasee als Spion verdächtigt« von Hermann Junker

Ausschnitt aus dem Historienbild

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Gliederung

1. Johann Wolfgang von Goethe: Italienische Reise. Gardasee
2. Der Gardasee in Volkmanns Reiseführer
3. Zitate aus Heinrich Laubes Reisenovellen
4. Kurzbiographien von Hermann Junker und Heinrich Laube
5. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

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 1. Johann Wolfgang von Goethe:
Italienische Reise. Gardasee

Die Bilder sind in den Text eingefügt.

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Gruss aus ... Aus Leuzinger's Reise-Reliefkarte von Tyrol, No. 12, 1 : 500000. A. Edlinger's Verlag, Innsbruck. Topogr. Anstalt J. Schlumpf Winterthur. Verso: Postkarte. Nicht gelaufen.

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1. Karte von oben: Lago di Garda. 8131 bns Römmler u. Jonas, Dresden. Verso: Correspondenz-Karte. Nicht gelaufen. Poststempel 1901.

2. Karte von oben: Torbole e Lago di Garda. Stengel & Co., Dresda 20307. Verso: Cartolina Postale Italiana. Nicht gelaufen.

3. Karte von oben: 30395 Lago di Garda - Torbole - Il Porto. Verso, Signet: P.Z. auf Globus. Edition Photoglob, Zürich. Nicht gelaufen.

4. Karte von oben: Il porto di Torbole. Lago di Garda. Verso: Joh. E. Amonn, Bozen. M 6081. Mitte unten: 4695. Cartolina Postale. Nicht gelaufen.


5. Karte von oben: Lago di Garda. Torbole visto dal lago. Verso: Signet. No. 179. Nicht gelaufen.

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Oben: 5590 Gardasee - Hafenpartie in Torbole und Goethe-Haus. Verso, Signet: PZ auf Globus. Edition Photoglob, Zürich. Nicht gelaufen.

Unten links: 3132 Lago di Garda - Torbole - Ricordo à Goethe. Verso, Signet: PZ auf Globus. Edition Photoglob, Zürich. Gelaufen. Poststempel unleserlich.

Unten rechts: [Ohne Titel.] Verso: Lago di Garda. Torbole, casa Göthe. Paul Bender, Zürich. Signet im Briefmarkenfeld: B auf Schild. Nicht gelaufen.

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Oben: Torbole. Lago di Garda. Goethetafel - Ricordo a Goethe. F.A.B. L.28. Rechts unten: J. 19261. Carte postale. Nicht gelaufen.

Mitte: Torbole. Lago di Garda. Tabella a Göthe. Joh. E. Amonn, Bozen. Mitte unten: 4791. Cartolina Postale. Gelaufen. Datiert 1907. Poststempel unleserlich.

Unten: Torbole. Fontana di Goethe. Goethe-Brunnen. Verso: B.K.W.I. [Brüder Kohn, Wien, I. Bezirk] 850-5. Printed in Austria. Nicht gelaufen.

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Text auf der Tafel, die der Wiener Goethe-Verein zur Feier des 150. Geburtstages gespendet hat:

IN QUESTA CASA DIMORO
GOETHE
IL XII SETTEMBRE MDCCLXXXVI

"Heute hab ich an der
Iphigenie gearbeitet.
Es ist im Angesichte
des Sees gut von statten
gegangen."

Goethe
Tagebücher 12. Sept. 1786

Ausschnitt aus der Postkarte: [Ohne Titel.] Verso: Torbole, Goethetafel. Jos. Hospe, Staffelstein i. Bayern. Rechts unten: 671. Stempel: Cafe-Restaurant Paradiso. Torbole am Gardasee. Gelaufen. Poststempel unleserlich.

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Goethe, Italienische Reise

Torbole, den 12. September, nach Tische.

Wie sehr wünschte ich meine Freunde einen Augenblick neben mich, dass sie sich der Aussicht freuen könnten, die vor mir liegt!

Heute abend hätte ich können in Verona sein, aber es lag mir noch eine herrliche Naturwirkung an der Seite, ein köstliches Schauspiel, der Gardasee, den wollte ich nicht versäumen, und bin herrlich für meinen Umweg belohnt. Nach fünfen fuhr ich von Roveredo fort, ein Seitental hinauf, das seine Wasser noch in die Etsch gießt. Wenn man hinaufkommt, liegt ein ungeheurer Felsriegel hinten vor, über den man nach dem See hinunter muss. Hier zeigten sich die schönsten Kalkfelsen zu malerischen Studien. Wenn man hinabkommt, liegt ein Örtchen am nördlichen Ende des Sees und ist ein kleiner Hafen oder vielmehr Anfahrt daselbst, es heißt Torbole. Die Feigenbäume hatten mich schon den Weg herauf häufig begleitet, und indem ich in das Felsamphitheater hinabstieg, fand ich die ersten Ölbäume voller Oliven. Hier traf ich auch zum erstenmal die weißen kleinen Feigen als gemeine Frucht, welche mir die Gräfin Lanthieri verheißen hatte.

Aus dem Zimmer, in dem ich sitze, geht eine Türe nach dem Hof hinunter; ich habe meinen Tisch davor gerückt und die Aussicht mit einigen Linien gezeichnet. Man übersieht den See beinah in seiner ganzen Länge, nur am Ende links entwendet er sich unsern Augen. Das Ufer, auf beiden Seiten von Hügeln und Bergen eingefasst, glänzt von unzähligen kleinen Ortschaften.

Nach Mitternacht bläst der Wind von Norden nach Süden, wer also den See hinab will, muss zu dieser Zeit fahren; denn schon einige Stunden vor Sonnenaufgang wendet sich der Luftstrom und zieht nordwärts. Jetzo nachmittag wehet er stark gegen mich und kühlt die heiße Sonne gar lieblich. Zugleich lehrt mich Volkmann, dass dieser See ehemals Benacus geheißen, und bringt einen Vers des Virgil, worin dessen gedacht wird:

Fluctibus et fremitu resonans Benace marino.


Der erste lateinische Vers, dessen Inhalt lebendig vor mir steht, und der in dem Augenblicke, da der Wind immer stärker wächst und der See höhere Wellen gegen die Anfahrt wirft, noch heute so wahr ist als vor vielen Jahrhunderten. So manches hat sich verändert, noch aber stürmt der Wind in dem See, dessen Anblick eine Zeile Virgils noch immer veredelt.

Geschrieben unter dem fünfundvierzigsten Grade funfzig Minuten.


Erläuterungen:
Gräfin Lanthieri: Aloysia Lanthieri, aus Goethes Karlsbader Freundeskreis.
Fluctibus ...: "(Soll ich dich rühmend erwähnen, sehr großer Larius [Comersee]) und dich, der sich mit Wellen und Meeresgebraus erhebt, Benacus?" Georgica, 2. Buch, Vers 159 f.

Die Erläuterungen sind folgender Ausgabe entnommen: Goethe. Tagebuch der Italienischen Reise 1786. Notizen und Briefe aus Italien mit Skizzen und Zeichnungen des Autors. Hrsg. und erläutert von Christoph Michel (insel taschenbuch; 176) Frankfurt a.M.: Insel 1976.

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1. Karte von oben: [Ohne Titel.] Verso: Olivi sul Lago di Garda. Correspondenz-Karte. Nicht gelaufen.

2. Karte von oben: [Ohne Titel.] Verso: Lago di Garda. Lavandaie. Correspondenz-Karte. Nicht gelaufen.

3. Karte von oben: 3127 Portratrice d'acqua sul Lago di Garda. Verso: Edition Photoglob Co., Zürich. Carte Postale. Nicht gelaufen.

Untere Reihe, links: 5801 Lago di Garda - Motivo. Verso: Edition Photoglob Co., Zürich. Gelaufen. Datiert 31.12.13. Poststempel 1.1.1914.

Untere Reihe, rechts: Citronenernte am Gardasee. Verso: Fot. Hospe, Staffelstein, Baviera. Rechts unten: 2622. Nicht gelaufen.

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Torbole, den 12. September, nach Tische. Fortsetzung:

In der Abendkühle ging ich spazieren und befinde mich nun wirklich in einem neuen Lande, in einer ganz fremden Umgebung. Die Menschen leben ein nachlässiges Schlaraffenleben: erstlich haben die Türen keine Schlösser; der Wirt aber versicherte mir, ich könnte ganz ruhig sein, und wenn alles, was ich bei mir hätte, aus Diamanten bestünde; zweitens sind die Fenster mit Ölpapier statt Glasscheiben geschlossen; drittens fehlt eine höchst nötige Bequemlichkeit, so dass man dem Naturzustande hier ziemlich nahe kömmt. Als ich den Hausknecht nach einer gewissen Gelegenheit fragte, deutete er in den Hof hinunter. »Qui abasso può servirsi!« Ich fragte: »Dove?« - »Da per tutto, dove vuol!« antwortete er freundlich. Durchaus zeigt sich die größte Sorglosigkeit, doch Leben und Geschäftigkeit genug. Den ganzen Tag verführen die Nachbarinnen ein Geschwätz, ein Geschrei, und haben alle zugleich etwas zu tun, etwas zu schaffen. Ich habe noch kein müßiges Weib gesehn.

Der Wirt verkündigte mir mit italienischer Emphase, dass er sich glücklich finde, mir mit der köstlichsten Forelle dienen zu können. Sie werden bei Torbole gefangen, wo der Bach vom Gebirge herunter kommt und der Fisch den Weg hinauf sucht. Der Kaiser erhält von diesem Fange zehntausend Gulden Pacht. Es sind keine eigentlichen Forellen, groß, manchmal funfzig Pfund schwer, über den ganzen Körper bis auf den Kopf hinauf punktiert; der Geschmack zwischen Forelle und Lachs, zart und trefflich.

Mein eigentlich Wohlleben aber ist in Früchten, in Feigen, auch Birnen, welche da wohl köstlich sein müssen, wo schon Zitronen wachsen.

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[2 Reliefkarten vom Gardasee.] Verso: Joh. E. Amonn Bozen. U 5820. Stampati. Nicht gelaufen.

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1. Karte von oben: Lago di Garda, Melcesine. Römmler & Jonas, Dresden. 8136 bns. Verso: Cartolina Postale. Gelaufen. Poststempel 1898.

2. Karte von oben: Tramonto del sole sul lago. Signet: Brunnen mit wasserspeiendem Mädchenkopf. 530. Verso: Edit. Brunner & C., Como e Zürich - Stab. eliografico. Gelaufen. Datiert u. Poststempel 1909.

3. Karte von oben: [Ohne Titel.] Verso: Tramonto. 66900. Signet. "Grafia" - Sezione Edizioni d'Arte - Roma. Proprietà Artistica Riservata. Nicht gelaufen.

4. Karte von oben: Lago di Garda - Malcesine. Verso, Signet: SM ligiert [A. Scrocchi, Milano-Roma] 24923. Nicht gelaufen.

5. Karte von oben: Lago di Garda - 55 - Malcesine. Signet. Verso, Signet: TM. Ed. A. Traldi - Milano. Riproduzione Interdetta. Made in Italy. Nicht gelaufen.

6. Karte von oben: 5234 Lago di Garda. Malcesine vista dal lago. Verso: Paul Bender, Zürich. Signet im Briefmarkenfeld: B auf Schild. Nicht gelaufen.

 

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Goethe, Italienische Reise

 Den 13. September, abends.

Heute früh um drei Uhr fuhr ich von Torbole weg mit zwei Ruderern. Anfangs war der Wind günstig, dass sie die Segel brauchen konnten. Der Morgen war herrlich, zwar wolkig, doch bei der Dämmerung still. Wir fuhren bei Limone vorbei, dessen Berggärten, terrassenweise angelegt und mit Zitronenbäumen bepflanzt, ein reiches und reinliches Ansehn geben. Der ganze Garten besteht aus Reihen von weißen viereckigen Pfeilern, die in einer gewissen Entfernung voneinander stehen und stufenweis den Berg hinaufrücken. Über diese Pfeiler sind starke Stangen gelegt, um im Winter die dazwischen gepflanzten Bäume zu decken. Das Betrachten und Beschauen dieser angenehmen Gegenstände ward durch eine langsame Fahrt begünstigt, und so waren wir schon an Malcesine vorbei, als der Wind sich völlig umkehrte, seinen gewöhnlichen Tagweg nahm und nach Norden zog. Das Rudern half wenig gegen die übermächtige Gewalt, und so mussten wir im Hafen von Malcesine landen.

Es ist der erste venezianische Ort an der Morgenseite des Sees. Wenn man mit dem Wasser zu tun hat, kann man nicht sagen, ich werde heute da oder dort sein. Diesen Aufenthalt will ich so gut als möglich nutzen, besonders das Schloss zu zeichnen, das am Wasser liegt und ein schöner Gegenstand ist. Heute im Vorbeifahren nahm ich eine Skizze davon.

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1. Karte von oben: [Ohne Titel.] Verso: Gardasee. Cypressen und Oliven bei Malcesine. Verlag von Gustav Georgi in Riva. Korrespondenz-Karte. Nicht gelaufen.

2. Karte von oben: [Ohne Titel.] Verso: Lago di Garda - Malcesine. Fot. G. Negri. 471 Fotocromia. V. Uff. Rev. Stampa - Terni. Signet. Im Briefmarkenfeld: Produzione Italiana. Nicht gelaufen.

3. Karte von oben: [Ohne Titel.] Il Castello. Malcesine. Stengel & Co., Dresda 7130. Verso: Cartolina Postale Italiana. Nicht gelaufen.

4. Karte von oben: Lago di Garda - Malcesine - Castello. Verso: Ed. Silvio Locatelli - Maderno. Nicht gelaufen.

5. Karte von oben: Malcesine - Vista da Nord-Ovest. Verso, Signet: S. Pozzimi. 150. Ripr. vietata R.D.L. 7, XI. 1925. Nicht gelaufen.

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1. Karte von oben: Il castello di Malcesine. Lago di Garda. Verso: Joh. E. Amonn, Bozen. M 6052. Cartolina Postale. Nicht gelaufen.

2. Karte von oben: (Lago di Garda). Malcesine. Il Castello. Verso: G. Modiano e Co. - Milano. Ed. O. Onestinghel - Verona. Datiert 1918, nicht gelaufen.

3. Karte von oben: N 4951 Lago di Garda - Malcesine. Verso, Signet: P.Z. auf Globus. Edition Photoglob, Zürich. Nicht gelaufen.

4. Karte von oben: Lago di Garda - Castello di Malcesine. Verso: Censura S. Prefett. Terni dei 1.5-17. Signet: LPA CT auf Blatt. Fotocolor. 426. Datiert 1918, nicht gelaufen.

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Links: [Ohne Titel.] Verso: Malcesine, Castello - Lago di Garda. Phot. u. Verl. v. J. Hospe, Staffelstein u. Maderno. Cartolina Postale. Gelaufen. Datiert 1910, Poststempel unleserlich.

Rechts: 213 - 491 Lago di Garda - (Rustica a Malcesine). Verso, Signet: Dolomiti. Foto Edizioni Ghedina - Cortina-Riva - Riprod. Vietata. Nicht gelaufen.

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Goethe, Italienische Reise

Den 14. September.

Der Gegenwind, der mich gestern in den Hafen von Malcesine trieb, bereitete mir ein gefährliches Abenteuer, welches ich mit gutem Humor überstand und in der Erinnerung lustig finde. Wie ich mir vorgenommen hatte, ging ich morgens beizeiten in das alte Schloss, welches ohne Tor, ohne Verwahrung und Bewachung jedermann zugänglich ist. Im Schlosshofe setzte ich mich dem alten auf und in den Felsen gebauten Turm gegenüber; hier hatte ich zum Zeichnen ein sehr bequemes Plätzchen gefunden; neben einer drei, vier Stufen erhöhten verschlossenen Tür, im Türgewände ein verziertes steinernes Sitzchen, wie wir sie wohl bei uns in alten Gebäuden auch noch antreffen.

Ich saß nicht lange, so kamen verschiedene Menschen in den Hof herein, betrachteten mich und gingen hin und wider. Die Menge vermehrte sich, blieb endlich stehen, so dass sie mich zuletzt umgab. Ich bemerkte wohl, dass mein Zeichnen Aufsehen erregt hatte, ich ließ mich aber nicht stören und fuhr ganz gelassen fort. Endlich drängte sich ein Mann zu mir, nicht von dem besten Ansehen, und fragte, was ich da mache. Ich erwiderte ihm, dass ich den alten Turm abzeichne, um mir ein Andenken von Malcesine zu erhalten. Er sagte darauf, es sei dies nicht erlaubt, und ich sollte es unterlassen. Da er dieses in gemeiner venezianischer Sprache sagte, so dass ich ihn wirklich kaum verstand, so erwiderte ich ihm, dass ich ihn nicht verstehe. Er ergriff darauf mit wahrer italienischer Gelassenheit mein Blatt, zerriss es, ließ es aber auf der Pappe liegen. Hierauf konnt' ich einen Ton der Unzufriedenheit unter den Umstehenden bemerken, besonders sagte eine ältliche Frau, es sei nicht recht, man solle den Podestà rufen, welcher dergleichen Dinge zu beurteilen wisse. Ich stand auf meinen Stufen, den Rücken gegen die Türe gelehnt, und überschaute das immer sich vermehrende Publikum. Die neugierigen starren Blicke, der gutmütige Ausdruck in den meisten Gesichtern und was sonst noch alles eine fremde Volksmasse charakterisieren mag, gab mir den lustigsten Eindruck. Ich glaubte, das Chor der Vögel vor mir zu sehen, das ich als Treufreund auf dem Ettersburger Theater oft zum besten gehabt. Dies versetzte mich in die heiterste Stimmung, so dass, als der Podestà mit seinem Aktuarius herankam, ich ihn freimütig begrüßte und auf seine Frage, warum ich ihre Festung abzeichnete, ihm bescheiden erwiderte, dass ich dieses Gemäuer nicht für eine Festung anerkenne. Ich machte ihn und das Volk aufmerksam auf den Verfall dieser Türme und dieser Mauern, auf den Mangel von Toren, kurz auf die Wehrlosigkeit des ganzen Zustandes und versicherte, ich habe hier nichts als eine Ruine zu sehen und zu zeichnen gedacht.

Man entgegnete mir: wenn es eine Ruine sei, was denn dran wohl merkwürdig scheinen könne? Ich erwiderte darauf, weil ich Zeit und Gunst zu gewinnen suchte, sehr umständlich, dass sie wüssten, wie viele Reisende nur um der Ruinen willen nach Italien zögen, dass Rom, die Hauptstadt der Welt, von den Barbaren verwüstet, voller Ruinen stehe, welche hundert- und aber hundertmal gezeichnet worden, dass nicht alles aus dem Altertum so erhalten sei, wie das Amphitheater zu Verona, welches ich denn auch bald zu sehen hoffte.

Der Podestà, welcher vor mir, aber tiefer stand, war ein langer, nicht gerade hagerer Mann von etwa dreißig Jahren. Die stumpfen Züge seines geistlosen Gesichts stimmten ganz zu der langsamen und trüben Weise, womit er seine Fragen hervorbrachte. Der Aktuarius, kleiner und gewandter, schien sich in einen so neuen und seltnen Fall auch nicht gleich finden zu können. Ich sprach noch manches dergleichen; man schien mich gern zu hören, und indem ich mich an einige wohlwollende Frauengesichter wendete, glaubte ich, Beistimmung und Billigung wahrzunehmen.


Erläuterungen:
Treufreund: Ein Athener aus der Komödie "Die Vögel" des Aristophanes, "dem aufgrund seiner Wortgewandheit und Tatkraft die Gründung eines friedlichen Vogelstaates gelingt. G. hatte die Komödie 1780 in eigener Übertragung auf dem Ettersburger Theater inszeniert und selbst die Rolle des Treufreund gespielt."

Die Erläuterungen sind folgender Ausgabe entnommen: Goethe. Tagebuch der Italienischen Reise 1786. Notizen und Briefe aus Italien mit Skizzen und Zeichnungen des Autors. Hrsg. und erläutert von Christoph Michel (insel taschenbuch; 176) Frankfurt a.M.: Insel 1976.

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Oben: 7. Goethe am Gardasee als Spion verdächtigt. Im Bild signiert: Hermann Junker. Verlag Paul Grödel, Frankfurt a.M., gesetzl. gesch. Verso: Postkarte. Nicht gelaufen.

Mitte: Goethe: Castell Malcesine am Gardasee. Bleistift. Höhe 186; Breite 309 mm. Corpus der Goethezeichnungen, Bd. II, Nr. 16.

Unten: Goethe: Skizzenfragment von Kastell Malcesine. Das zerrissene Blatt, über das Goethe berichtet. Breite 372; Höhe 313 mm. Corpus der Goethezeichnungen. Bd. II, Nr. 17.

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Goethe, Italienische Reise

Den 14. September. Fortsetzung:

Als ich jedoch des Amphitheaters zu Verona erwähnte, das man im Lande unter dem Namen Arena kennt, sagte der Aktuarius, der sich unterdessen besonnen hatte, das möge wohl gelten, denn jenes sei ein weltberühmtes römisches Gebäude, an diesen Türmen aber sei nichts Merkwürdiges, als dass es die Grenze zwischen dem Gebiete Venedigs und dem östreichischen Kaiserstaate bezeichne und deshalb nicht ausspioniert werden solle. Ich erklärte mich dagegen weitläufig, dass nicht allein griechische und römische Altertümer, sondern auch die der mittlern Zeit Aufmerksamkeit verdienten. Ihnen sei freilich nicht zu verargen, dass sie an diesem von Jugend auf gekannten Gebäude nicht so viele malerische Schönheiten als ich entdecken könnten. Glücklicherweise setzte die Morgensonne Turm, Felsen und Mauern in das schönste Licht, und ich fing an, ihnen dieses Bild mit Enthusiasmus zu beschreiben. Weil aber mein Publikum jene belobten Gegenstände im Rücken hatte und sich nicht ganz von mir abwenden wollte, so drehten sie auf einmal, jenen Vögeln gleich, die man Wendehälse nennt, die Köpfe herum, dasjenige mit Augen zu schauen, was ich ihren Ohren anpries, ja der Podestà selbst kehrte sich, obgleich mit etwas mehr Anstand, nach dem beschriebenen Bilde hin. Diese Szene kam mir so lächerlich vor, dass mein guter Mut sich vermehrte und ich ihnen nichts, am wenigsten den Efeu schenkte, der Fels und Gemäuer auf das reichste zu verzieren schon Jahrhunderte Zeit gehabt hatte.

Der Aktuarius versetzte drauf, das lasse sich alles hören, aber Kaiser Joseph sei ein unruhiger Herr, der gewiss gegen die Republik Venedig noch manches Böse im Schilde führe, und ich möchte wohl sein Untertan, ein Abgeordneter sein, um die Grenzen auszuspähen.

»Weit entfernt«, rief ich aus, »dem Kaiser anzugehören, darf ich mich wohl rühmen, so gut als ihr, Bürger einer Republik zu sein, welche zwar an Macht und Größe dem erlauchten Staat von Venedig nicht verglichen werden kann, aber doch auch sich selbst regiert und an Handelstätigkeit, Reichtum und Weisheit ihrer Vorgesetzten keiner Stadt in Deutschland nachsteht. Ich bin nämlich von Frankfurt am Main gebürtig, einer Stadt, deren Name und Ruf gewiss bis zu euch gekommen ist.«

»Von Frankfurt am Main!« rief eine hübsche junge Frau, »da könnt Ihr gleich sehen, Herr Podestà, was an dem Fremden ist, den ich für einen guten Mann halte; lasst den Gregorio rufen, der lange daselbst konditioniert hat, der wird am besten in der Sache entscheiden können.«

Schon hatten sich die wohlwollenden Gesichter um mich her vermehrt, der erste Widerwärtige war verschwunden, und als nun Gregorio herbeikam, wendete sich die Sache ganz zu meinem Vorteil. Dieser war ein Mann etwa in den Funfzigen, ein braunes italienisches Gesicht, wie man sie kennt. Er sprach und betrug sich als einer, dem etwas Fremdes nicht fremd ist, erzählte mir sogleich, dass er bei Bolongaro in Diensten gestanden und sich freue, durch mich etwas von dieser Familie und von der Stadt zu hören, an die er sich mit Vergnügen erinnere. Glücklicherweise war sein Aufenthalt in meine jüngeren Jahre gefallen, und ich hatte den doppelten Vorteil, ihm genau sagen zu können, wie es zu seiner Zeit gewesen und was sich nachher verändert habe. Ich erzählte ihm von den sämtlichen italienischen Familien, deren mir keine fremd geblieben; er war sehr vergnügt, manches Einzelne zu hören, z.B. dass der Herr Allesina im Jahre 1774 seine goldene Hochzeit gefeiert, dass darauf eine Medaille geschlagen worden, die ich selbst besitze; er erinnerte sich recht wohl, dass die Gattin dieses reichen Handelsherrn eine geborne Brentano sei. Auch von den Kindern und Enkeln dieser Häuser wusste ich ihm zu erzählen, wie sie herangewachsen, versorgt, verheiratet worden und sich in Enkeln vermehrt hätten.

Als ich ihm nun die genaueste Auskunft fast über alles gegeben, um was er mich befragt, wechselten Heiterkeit und Ernst in den Zügen des Mannes. Er war froh und gerührt, das Volk erheiterte sich immer mehr und konnte unserm Zwiegespräch zuzuhören nicht satt werden, wovon er freilich einen Teil erst in ihren Dialekt übersetzen musste.

Zuletzt sagte er: »Herr Podestà, ich bin überzeugt, dass dieses ein braver, kunstreicher Mann ist, wohl erzogen, welcher herumreist, sich zu unterrichten. Wir wollen ihn freundlich entlassen, damit er bei seinen Landsleuten Gutes von uns rede und sie aufmuntere, Malcesine zu besuchen, dessen schöne Lage wohl wert ist, von Fremden bewundert zu sein.« Ich verstärkte diese freundlichen Worte durch das Lob der Gegend, der Lage und der Einwohner, die Gerichtspersonen als weise und vorsichtige Männer nicht vergessend.

Dieses alles ward für gut erkannt, und ich erhielt die Erlaubnis, mit Meister Gregorio nach Belieben den Ort und die Gegend zu besehen. Der Wirt, bei dem ich eingekehrt war, gesellte sich nun zu uns und freute sich schon auf die Fremden, welche auch ihm zuströmen würden, wenn die Vorzüge Malcesines erst recht ans Licht kämen. Mit lebhafter Neugierde betrachtete er meine Kleidungsstücke, besonders aber beneidete er mich um die kleinen Terzerole, die man so bequem in die Tasche stecken konnte. Er pries diejenigen glücklich, die so schöne Gewehre tragen dürften, welches bei ihnen unter den peinlichsten Strafen verboten sei. Diesen freundlich Zudringlichen unterbrach ich einigemal, meinem Befreier mich dankbar zu erweisen. »Dankt mir nicht«, versetzte der brave Mann, »mir seid Ihr nichts schuldig. Verstünde der Podestà sein Handwerk und wäre der Aktuar nicht der eigennützigste aller Menschen, Ihr wäret nicht so losgekommen. Jener war verlegener als Ihr, und diesem hätte Eure Verhaftung, die Berichte, die Abführung nach Verona auch nicht einen Heller eingetragen. Das hat er geschwind überlegt, und Ihr wart schon befreit, ehe unsere Unterredung zu Ende war.«

Gegen Abend holte mich der gute Mann in seinen Weinberg ab, der den See hinabwärts sehr wohlgelegen war. Uns begleitete sein funfzehnjähriger Sohn, der auf die Bäume steigen und mir das beste Obst brechen musste, indessen der Alte die reifsten Weintrauben aussuchte.

Zwischen diesen beiden weltfremden, wohlwollenden Menschen, in der unendlichen Einsamkeit dieses Erdwinkels ganz allein, fühlte ich denn doch, wenn ich die Abenteuer des Tages überdachte, auf das lebhafteste, welch ein wunderliches Wesen der Mensch ist, dass er dasjenige, was er mit Sicherheit und Bequemlichkeit in guter Gesellschaft genießen könnte, sich oft unbequem und gefährlich macht, bloß aus der Grille, die Welt und ihren Inhalt sich auf seine besondere Weise zuzueignen.

Gegen Mitternacht begleitete mich mein Wirt an die Barke, das Fruchtkörbchen tragend, welches mir Gregorio verehrt hatte, und so schied ich mit günstigem Wind von dem Ufer, welches mir lästrygonisch zu werden gedroht hatte.

Nun von meiner Seefahrt! Sie endete glücklich, nachdem die Herrlichkeit des Wasserspiegels und des daran liegenden brescianischen Ufers mich recht im Herzen erquickt hatte. Da, wo an der Abendseite das Gebirge aufhört, steil zu sein, und die Landschaft flächer nach dem See fällt, liegen in einer Reihe, in einer Länge von ungefähr anderthalb Stunden, Gargnano, Boiacco, Cecina, Toscolan, Maderno, Verdom, Saló, alle auch wieder meist in die Länge gezogen. Keine Worte drücken die Anmut dieser so reich bewohnten Gegend aus. Früh um zehn Uhr landete ich in Bartolino, lud mein Gepäck auf ein Maultier und mich auf ein anderes. […]

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Barca del Lago di Garda. Signet: Brunnen mit wasserspeiendem Mädchenkopf [= Brunner, Zürich]. 16098. Verso: Stab. fot. Wehrli S. A., Como. Cartolina postale. Nicht gelaufen.

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[Reliefkarte.] Verso: Kapper Trento. 1000. Gelaufen. Poststempel unleserlich.

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2. Der Gardasee in Volkmanns Reiseführer

Volkmann, Goethes Reiseführer.
Über den Gardasee
(PDF-Datei, die Sie selbst skalieren können.
Ggf. müssen Sie den Inhalt zulassen.)

J. J. Volkmann: Historisch-kritische Nachrichten von Italien, welche eine Beschreibung dieses Landes, der Sitten, Regierungsform, Handlung, des Zustandes der Wissenschaften und insonderheit der Werke der Kunst enthalten. Dritter und letzter Band. Zweyte viel vermehrte und durchgehend verbesserte Auflage. Leipzig, bei Caspar Fritsch, 1777, S. 790 f. (Digitalisierung durch Google)

 

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[Reliefkarte.] Gelaufen. Datiert u. Poststempel 1910. Ohne weitere Angaben. Ausschnitt.

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1. Karte von oben: Sirmione. Grotte di Catullo. Proprietà: Salveli & Cracca, Sirmione. Verso: Cartolina Postale. Nicht gelaufen.

2. Karte von oben: Lago di Garda - Sirmione. Le Grotte di Catullo. Verso, Signet: Brunnen mit wasserspeiendem Mädchenkopf. 2897 Edit. Brunner & C., Como - Riproduzione vietata. Nicht gelaufen. Handschriftlich datiert auf 1925. Nicht gelaufen.

3. Karte von oben: Lago di Garda. Sirmione. Grotte di Catullo. 78519 Joseph Hospe, Staffelstein (Bayern) u. Maderno (Italien). Handschriftlich: 17.-23/4.05. Verso: Correspondenz-Karte. Nicht gelaufen.

4. Karte von oben: Sermione. Grotte di Catullo. Stengel & Co. Dresda 20311. Verso: Cartolina Postale Italiana. Nicht gelaufen.

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3. Zitate aus Heinrich Laubes Reisenovellen

[...] und nun sah ich mit unverfälschten Augen, wer der Garda eigentlich sei. Mit der wichtigsten Entdeckung begann ich: er ist kein Masculinum sondern ein Femininum. Er ist die erste italische Jungfrau, welche dem blöden, blonden Germanen, der von den Alpen heruntersteigt, mit dunklem südlichen Blicke in's Herz hineinsieht, mit jenem Zauberblicke, von dem die Poeten erzählen, man vergäße ihn nimmer wieder, und wenn man in späten Jahren daran denke, so wende sich das Herz noch um vor süßem Schmerz. Daher stamme die teutsche Sehnsucht nach Italien. Damit man aber den Blick versteht, denn das teutsche Herz ist bisweilen etwas hartnäckig, fliege noch jener nordische Reif um die Schläfe und Wimpern der Signora Garda, der uns heimathlich befängt und verlockt.

Und wirklich, der Gardasee ist das Kompendium Italiens für den Teutschen, aus dem er die Anfangsgründe italischer Schönheit in einem Sommermorgen erlernt. In saphirblauen Smaragd ist es gebunden, und mit sonnengoldnem Schnitt geziert. [...] (S. 197)

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1. Karte von oben: Punta San Vigilio. 3446 Edition Photoglob Co. Zürich. Verso: Cartolina Postale Italiana. Nicht gelaufen.

2. Karte von oben: k 2836 Lago di Garda - Punta S. Vigilio. Verso: Edition Photoglob, Zürich. Nicht gelaufen.

3. Karte von oben: Lago di Garda - S. Vigilio. Verso: 3 - Vera Fotografia "Fotocelere". Ediz. Abele Preda - Via Plinio 34 - Milano - 1937XV. Signet: AP, eingeschrieben in zwei Bogen. Rip. interdetta. Nicht gelaufen.

4. Karte von oben: San Vigilio. Lago di Garda. Verso: Photographie u. Verlag v. Hospe, Staffelstein u. Maderno. Cartolina postale. Nicht gelaufen.

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Aber eine alte verfallende Kirche hinter ihm [dem "guten steinernen Alten" "am Eingange in den engeren Garda" = Vigilio] von gutem Stein, und weiter am Ufer hin, das immer ergiebiger und gefälliger wurde, sammtne Olivenwäldchen, eine glänzende Morgensonne, ein dampfender See, und in der Fensterblende ein Mensch, der über uns her den See entlang blickt - mußte mir's nicht einfallen, wie das Alles ein Goethesches Gedicht sei; ich hörte die Worte in dem Wellenschlage.

In Teutschland ist Goethe gestorben, aber in Italien saß er vielleicht in der Fensterblende der alten Kirche Vigilio am Vorgebirge des Garda. Es war ein schöner katholischer Sonntag, der mit der schönsten Sonne auf Italien herunterfiel. Der Mann da oben war gewiß - er regte sich nicht, und es war zu weit, um genau zu sehn. Ich ließ die Schiffer halten, und sang mit lauter Stimme:

      "Kennst Du das Land, wo die Citronen blühn?"

"Blühn" antwortete das Echo, und der Starost sagte, der Mann ob St. Vigilio habe mit dem Kopfe genickt.

Ich glaub's, ich glaub's, er ist hier gut bekannt: hier am Garda hat er seine Iphigenia geschrieben, und da ihn die Leute noch immer nicht genug kennen, so will ich beim Garda sein Leben schreiben, wie es mir im Sinne ruht. Das Leben Wolfgang Goethes ist zwar keine Novelle aber ein Roman.

Drüben in Malcesini hat man ihn einmal beim Zeichnen der Landschaft verhaften wollen, da hat er das einzige Mal in seinem Leben das Volk haranguirt, wie Ariost die Räuber. Ich hätt' es wohl sehen mögen. (S. 244f.)

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Wenn ein Teutscher nach Italien reis't, so denkt er an Goethe. Es hat noch kein Schriftsteller das Land so treu geschildert als er, er hat es portraitirt. Goethe war das größte historische Talent was wir besessen haben, seine Augen waren so unbefangen, wie das Sonnenlicht: er sah nicht mehr und nicht weniger als da war, und in diesen Augen beruht seine Größe, wenn er Geschichte oder Reise schreibt. Die Gelehrten nennen solche Augen Objektivität.

Goethe ist für den Teutschen ein Stück Italien, und da er hier am Gardasee gesessen, und über seine Iphigenia nachgedacht hat, so darf ich nicht am San Vigilio vorüberfahren, ohne Goethes Namen in mein Buch zu schreiben. Nebenbei glaub' ich wie die Römer an heidnische Winke und Vorbedeutungen: ich war kaum vom Wagen gestiegen, welcher mich aus Italien wieder nach Leipzig gebracht hatte, da begegnete mir mein Herr Verleger, und sagte, es wäre gut, daß ich wieder da wäre, ich müßte sogleich eine Lebensbeschreibung Goethes aufsetzen, er brauche sie nothwendig, und der Druck warte schon vierzehn Tage auf mich. - Das schien mir der Finger Gottes, nach Italien ein Kapitel Goethe zu verlegen, zumal meine Reisenovellen teutsch geschrieben sind; denn Goethes Leben ist die wichtigste Novelle der teutschen Literatur. (246f.)


Reisenovellen von Heinrich Laube. Zweiter Band. Leipzig: Otto Wigand 1834. Kapitel: Der Garda-See, S. 44-237; Malcesine, S. 238-245; Goethe, S. 246-293. Digitalisierung durch Google.

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4. Kurzbiographien von Hermann Junker und Heinrich Laube

Hermann Junker, Maler, geb. 18. September 1838 in Frankfurt, gest. daselbst 10. Februar 1899. "War anfangs als Lithograph Lehrling bei B. Dondorf, dann 1855/56 im Städelschen Institut Schüler von J. Becker u. E. Steinle, 1863 in Paris unter Courbet, ging dann nach Flandern u. Holland u. ließ sich schließlich dauernd in seiner Vaterstadt nieder. 1873/76 war er als Zeichenlehrer an der Musterschule, lange Jahre auch als Illustrator der »Kleinen Presse« in Frankfurt tätig.

Von ihm Genrebilder (öl), wie: »Künstlers Erdenwallen«, »Auerbachs Keller«, »Die Prüfungskommission« (1863), »Poesie u. Prosa« (1867), Beethoven (1869), 4 Bilder a.d. altjüdischen Leben; ferner Aquarelle u. Tuschzeichnungen: »Germanias Erwachen«, »Die Helden des Befreiungskrieges« (1865), »Luther in Worms«, »Gustav Adolfs Tod«, »Szenen a. d. Deutsch-Französ. Krieg«. Ein Zyklus von 12 Zeichnungen »Aus Goethes Leben« im Goethehaus zu Frankfurt [...]." Dieser Zyklus wird in der Postkartenserie wiedergegeben.


Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Hrsg. von Hans Vollmer. Bd. 19. Leipzig: E. A. Seemann 1926, Artikel von K. Noack, S. 337f.

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Heinrich Laube, Schriftsteller, geboren 18. September 1806 zu Sprottau, eins der Häupter des Jungen Deutschlands, 1848 Mitglied des Deutschen Parlaments (linkes Zentrum), 1849 – 67 artistischer Direktor des Hofburgtheaters zu Wien, 1869 – 71 Direktor des Stadttheaters in Leipzig, dann bis 1879 des Wiener Stadttheaters, gestorben 1. August 1884 in Wien.

Schrieb Romane und Novellen: »Das junge Europa« (1833-37), »Reisenovellen« (6 Bde., 1834–37), »Die Gräfin Chateaubriand« (1843), »Die Böhminger« (1880) etc.; durch vollendete Bühnentechnik ausgezeichnete Dramen: »Monaldeschi« (1845), »Struensee« (1847), »Die Karlsschüler« (1847), »Graf Essex« (1856) etc.; wichtige Schriften zur Geschichte des deutschen Theaters: »Das Burgtheater« (1868), »Das Norddeutsche Theater« (1872) u.a.; »Erinnerungen« (1875–81).


Brockhaus Kleines Konversations-Lexikon. Elektronische Volltextedition der fünften Auflage von 1911 (Digitale Bibliothek; 50) Berlin: Directmedia 2004, S.42.348.

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