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Dichterbilder

Gunter E. Grimm
Dichterbilder.
Strategien literarischer Selbstinszenierung

Bis heute liegt zum Thema der schriftstellerischen Selbstinszenierung keine zusammenfassende Studie vor, wohl aber eine Vielzahl spezieller Arbeiten. Prinzipiell lässt sich zwischen den Perspektiven der Außensicht und der Innensicht unterscheiden. Zu den Fragestellungen aus der Außenperspektive gehören die wirkungsgeschichtlichen Arbeiten, die nach dem Ruhm und der Bekanntheit eines Autors unter Zeitgenossen und Nachkommen fragen, sowie die rezeptionsgeschichtlichen Studien, die sich mit der Aufnahme von Schriftstellern bei Mit- und Nachwelt beschäftigen, also die Aktivität der jeweiligen Rezipienten betonen. Zu den Fragestellungen aus der Innenperspektive gehören die älteren, methodologisch an die Hermeneutik anknüpfenden Untersuchungen über das Selbstverständnis der Dichter. Eine synthetische Fragestellung, die beide Perspektiven miteinander verbindet und sich der Selbstrepräsentation der Schriftsteller widmet, begegnet kaum. Das ist umso erstaunlicher, da die Schriftsteller selbst sehr bewusst dazu beitragen, in der Öffentlichkeit ein bestimmtes Image aufzubauen und dadurch die Rezeption ihres Selbstverständnisses in der Öffentlichkeit zu steuern.

Die Fragestellung gehört ins Gebiet der literarischen Imagologie, die sich mit der Entstehung von Fremdbildern und von Selbstbildern von Nationen beschäftigt. Was für die Bilder ganzer Nationen und Völker gilt, das besitzt auch seine Geltung für das Bild einzelner, in besonderem Maße öffentlichkeitsrelevanter Personen. Die Verbindung von Rezeptionsforschung und Imagologie kann Ergebnisse über Entstehung, Konstituierung und Entwicklung von Selbstinszenierungs-Strategien erbringen, die über bisher angestellte Untersuchungen hinausgehen. Dabei gehören Fragen nach dem Selbstverständnis des Dichters und nach der Übereinstimmung zwischen Selbstbild und Erscheinungsbild ebenso dazu, wie Fragen nach der Historizität dieser imagotypen Strukturen.

 

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