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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Sagen-Motive auf Postkarten

Jakob Götzenbergers Freskobilder
in der Trinkhalle zu Baden-Baden

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Die Geisterhochzeit zu Lauf

Einst ritt der Ritter Kurz von Stein in einer stürmischen Nacht durch eine rauhe Wildnis hin. Plötzlich hörte er Mitternacht schlagen und vor sich sah er ein Schloss mit hohen Zinnen. Er ritt darauf zu und befand sich bald in einem öden Hofe, wo er sein Ross festband. Dann betrat er das Schloss, schritt durch die erleuchteten Räume, fand aber keine Seele.

Da endlich in einem größeren Saale erblickte er eine holde Jungfrau am Tische sitzend. Sie sah bleich und traurig aus, neigte sich aber freundlich vor dem Ritter und setzte ihm Speise und Trank vor; doch sprach sie dabei kein Wort. Durch den feurigen Wein erhitzt und durch den Liebreiz der Jungfrau erregt, wuchs ihm der Mut. Er sank vor ihr nieder und gestand ihr seine Liebe. Sie nickte ihm freundlich zu und holte aus einem Schranke zwei Ringe und einen Kranz. Als sie sich geschmückt und den Ritter an ihre Seite gewinkt hatte, erschienen plötzlich zwei Greise, welche das Paar zur Burgkapelle führten.

Dort entzündeten sich von selbst die Kerzen, und von einer Gruft erhob sich ein Bischof, der ernst zum Altare trat. Segnend die Hände über das Paar haltend, richtete er die bindende Frage an den Ritter, den plötzlich ein Grauen erfasste. Eben wollte ihm die Braut den Ring an den Finger stecken, als ein Hahnenschrei ertönte und - Braut, Bischof, Kapelle und alles verschwunden waren. Eine Windsbraut fegte durch die Räume und dem Ritter schwanden die Sinne.

Als er erwachte, fand er sich in einem Hofraume, sein Pferd ihm zur Seite. In der Nähe aber sah er ein eingesunkenes Grab, auf dessen Stein zu lesen war, dass hier Bertha von Windeck ruhe, welche durch Verrat das edelste Herz gebrochen und deshalb keine Ruhe im Tode finden könne und bis zum großen Sühnungstage umherirren müsse.

 

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