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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Sagen-Motive auf Postkarten

Jakob Götzenbergers Freskobilder
in der Trinkhalle zu Baden-Baden

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Die Engels- und die Teufelskanzel

Einmal war in den Geschäften des Teufels bedenklicher Stillstand eingetreten, und die Zahl der gewonnenen Seelen wollte sich nicht mehren. Der Teufel ließ kein Mittel unversucht, aber er mühte sich umsonst. Darüber geriet er in sehr schlimme Laune. Sein Kammerdiener, der schwer darunter zu leiden hatte, gab ihm den Rat, auf der Oberwelt es einmal mit einer Predigt zu versuchen, die würde ihm sicher Anhänger verschaffen. Dem Teufel gefiel der Rat.

Er machte sich auf den Weg, kam zum Staufenberge bei Baden-Baden, wo er sich eine große Felsenplatte zur Kanzel auserwählte. Durch die Gewalt seiner Rede lockte er eine Menge Zuhörer herbei, auf die er großen Eindruck machte. Schon wollte er triumphieren; da stand plötzlich der Teufelskanzel gegenüber, von himmlischer Glorie umflossen, ein Engel in strahlendem Gewande. Er trug eine Palme in der Hand, und seinem Munde entströmten Worte von solch reiner, schöner und ewiger Wahrheit, dass die Menge, im Innersten getroffen, vor ihm niederfiel und die Herzen dem Himmel gerettet waren.

Nur wenige blieben dem Satan getreu, und dieser, durch den geringen Erfolg seiner ersten Predigt entmutigt, fuhr auf dem geradesten Wege wieder in die Hölle zurück.

 

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