goethe

Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Sagen-Motive auf Postkarten

Jakob Götzenbergers Freskobilder
in der Trinkhalle zu Baden-Baden

 Vorherige Seite

 Vorblatt 

 Nächste Seite 

Burg Windeck

Innerhalb des Gebietes von Alt-Windeck stand, vom Felsen umschlossen, ein kleines Häuschen, welches von einer steinalten Frau, der Waldfrau, bewohnt wurde. Sowohl sie, als auch ihre schneeweißen Hühner wurden stets mit abergläubischer Scheu betrachtet.

Nun lag der Schlossherr von Windeck einst zur Winterszeit in Fehde mit dem Ritter von Hutzenbach, und um den Ritter zu kränken, überfiel er mit einer Schar Bewaffneter einen Verwandten desselben, den Domdechanten von Straßburg, der, auf einer Reise begriffen, am Schlosse vorüber musste. Der geistliche Herr wurde gefangen genommen und unter Hohngelächter in die Burg geführt. Aber während dies geschah, saß auf einem Stein am Wege die Waldfrau und hielt einen großen, weißen Hahn auf dem Schoße, der ebenso aufmerksam wie seine Gebieterin die Vorgänge verfolgte. Als die Straßburger von der Gefangennahme ihres Seelenhirten hörten, zogen sie wohlgerüstet aus, ihn zu befreien.

Seine beiden Nichten, an welchen er Vaterstelle vertreten, fassten den Entschluss, sich in Windeck als Geiseln für den Gefangenen anzubieten, und machten sich, als Knaben verkleidet, ebenfalls auf den Weg. Auf Windecker Gebiet angekommen, überfiel sie plötzlich Angst und große Erschöpfung. Da traf es sich gut, dass sie in die Hütte der Waldfrau kamen, die sie mit Speise und Trank erquickte und ihnen das Mittel gab, ihren Oheim zu retten. Es war dies eine große, weiße Henne. Die sollten sie dem Schlossherrn bringen und ihm sagen, dass die Straßburger anrückten und seine Burg jedenfalls stürmen würden, da sie keinen Wall und Gräben habe. Würde er aber den Dechanten freigeben, so würde die Henne schon für den nötigen Schutz sorgen.

Die Mädchen folgten ihrem Rate. Der Schlossherr traute nicht; aber sein Sohn, Junker Bernhard, ließ die Henne heimlich an den bezeichneten Ort bringen und führte die Mädchen zu ihrem Oheime. Um Mitternacht war Graben und Wall fertig, die Henne aber verschwunden. Als die Straßburger kamen und die Vorkehrungen sahen, zogen sie vor, friedlich zu unterhandeln. Der Dechant wurde freigegeben, und kurze Zeit darauf führte Junker Bernhard das älteste der Fräulein als Schlossfrau auf Windeck ein. Der Graben aber blieb fortan der >Hennegraben<.

 

 Vorherige Seite

 Vorblatt 

 Nächste Seite 

Das Fach- und Kulturportal der Goethezeit