goethe

Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Sagen und Legenden

Adelheid von Stolterfoth: Rheinischer Sagen-Kreis

 Vorherige Seite

 Vorblatt 

 Nächste Seite 

 

 

Die Templer von Lahneck


Wer kämpft an Lahnecks Thor so kühn
In dieser wilden Nacht?
Der Donner rollt, die Blitze glühn,
Der Feind stürmt an mit Macht.
Das sind 12 edle Tempelritter. -
Die Schwerter glänzen im Gewitter
In Ihrer kühnen Heldenhand.
Sie kämpfen gewaltig um Ehr' und Land.
  
Ha! schon ein greiser Bruder fällt,
Heiss überströmt von Blut.
"Ergebt euch nicht!" so ruft der Held,
"Es droh'n Verrath und Glut.
Gedenkt an alle hohen Geister,
Gedenkt an unsern edlen Meister,
Der für des Ordens heil'ges Recht
Gelitten den Tod als getreuer Knecht."
  
Er sagt's und wirft im Sterben wild
Das Schwert noch in den Feind,
Dann ruht er still und todesmild,
Von keinem Aug' beweint.
Doch mancher Freund blickt traurig nieder
Auf die gefall'nen Heldenglieder.
Der laute Ruf den Sturm durchbricht:
"Wir sterben kühn und ergeben uns nicht!"
  
So kämpfen sie die halbe Nacht,
Die kühnen Templer fort,
Und als das Morgenroth erwacht,
Da steht noch einer dort.
Noch einer wahrt die morsche Brücke,
Mit blut'gem Schwert und finstrem Blicke.
Voll Ehrfurcht ruft der Feind ihn an:
"Halt ein, denn dein Arm hat genug gethan."
  
"Und hab' ich auch genug gethan,
So will ich kämpfen doch,
Wer wagt's, und macht sich kühne Bahn
Zu mir auf's Brückenjoch?"
Der Templer ruft's mit starker Stimme,
Der Feind vernimmt's im stolzen Grimme,
Sein hoher Führer im Ritterkleid
Stürzt wild heran zum gewaltigen Streit.
  
"O! höret auf mit Kampf und Wuth,
Ein Bot' vom Kaiser naht,
Er schützt fortan der Templer Gut
Und bietet Ehr' und Gnad'."
"Bei Gott ist Gnade," der Templer spricht.
"Doch bei den Menschen da ist sie nicht."
Und von der Brücke mit in's Grab
Er reisset im Ringen den Feind hinab.

 

 

Im 14. Jahrhundert war das Erzstift Mainz im Besitz der Burg Lahneck, welche seitwärts von Oberlahnstein, wo die Lahn in den Rhein mündet, auf steilem Bergkegel als schöne Ruine liegt.

Eine alte Sage erzählt, daß die Burg Lahneck einst den Tempelherren gehört habe, und bei ihrer grausamen Vertilgung, 1312, auch mit verheert worden sey. - Geschichtlich bekannt ist indessen, daß sich die Tempelherren nach ihrer Vertreibung aus Frankreich in den Kurfürstenthümern Mainz und Trier (x), wo sie große Besitzungen hatten, noch eine Zeitlang behaupteten; ebenso, daß der Erzbischof von Mainz, Peter von Aichspalt, den Entschluß gefaßt hatte, sie aus seinem Gebiete zu verjagen. Philipp der Schöne, König von Frankreich, der unmenschliche Mörder der Tempelherren, forderte auch den deutschen Kaiser Heinrich VII. auf, mit ihm gegen diesen Orden gemeinschaftliche Sache zu machen. Der Kaiser war auch Anfangs dazu bereit, wurde jedoch späterhin wieder milder gesinnt. - Das Weitere darüber gehört der Geschichte an.

(x) Barre Geschichte von Deutschland. Bd. 4. S. 470.

Vgl. auch "Kampf auf der Brücke" von Alfred Rethel, Bleistiftzeichnung um 1840, angelehnt an die hier wiedergegebene Zeichnung. In: Meisterzeichnungen. Museum der bildenden Künste Leipzig. Leipzig: Edition Leipzig 1990, Nr. 104.

 

 Vorherige Seite

 Vorblatt 

 Nächste Seite 

Das Fach- und Kulturportal der Goethezeit