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 Jutta Assel | Georg Jäger

Eichendorff-Motive auf Postkarten
Eine Dokumentation

Der frohe Wandersmann.
Wem Gott will rechte Gunst erweisen ...

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Stand: März 2011

Das Gedicht "Der frohe Wandersmann", das mit den Worten beginnt: "Wem Gott will rechte Gunst erweisen / Den schickt er in die weite Welt", wird vom Taugenichts in Eichendorffs gleichnamiger Erzählung bei seinem Aufbruch in die Welt gesungen. Es wurde zu einem der bekanntesten, oft illustrierten und vertonten deutschen Wanderlieder. Die beiden ersten Zeilen gingen in den anonymen Spruchschatz ein, wie die witzige Verwendung in den abgebildeten Grußkarten belegt. Seit dem späten 19. Jahrhundert, im Zuge der sich verschärfenden ethnischen, sprachlichen und kulurellen Konflikte, wurde das Lied von Gruppen, die sich dem Schutz des deutschen >Volkstums< im habsburger Kaiserreich oder im Ausland verschrieben, ideologisch und politisch instrumentalisiert. Die Vereine (Deuscher Schulverein in Wien; Ostmark, Bund deutscher Österreicher; Verein für das Deutschtum im Ausland) bedienten sich der Liedkarten als Propaganda- und Werbemittel.

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Gliederung 

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1. Postkarten

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Erste Strophe des Gedichts. 111. Verso: Postkarte. Gelaufen. Poststempel 1903.


 

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Links: Wem Gott will rechte Gunst erweisen / Den schickt er in die Weite welt. Im Bild signiert: E[rnst] Kutzer [1880-1965, populärer und überaus fruchtbarer Wiener Illustrator]. Signet [des Kunstinstituts?]: AG. Verso: Verein für das Deutschtum im Ausland. Volksliederkarten. – Nr. 8. "Wem Gott will rechte Gunst erweisen ...". Geschäftsstelle: Berlin W. 62, Kurfürstenstraße 105. Beschrieben. Briefmarke nicht gestempelt. | Rechts: Der frohe Wandersmann. Worte von J. v. Eichendorff [mit Text des Gedichtes]. Im Bild signiert: Ad. Volkhofen jr. Verso Signet: KRB auf Siegel. Volkslieder Nr. 55 F. Illustration nach einem Gemälde von A[dolf] Volkhofen jr. [Kölner Maler Anfang des 20. Jahrhunderts]. Stempel: Leo Stainer, Innsbruck. Nicht gelaufen.


 

 

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Wem Gott will rechte Gunst erweisen / Den schickt er in die weite Welt / von Eichendorff. Signet: Deutscher Schulverein in Wien. Im Bild nicht aufgelöstes Signet [des Kunstinstituts?] AK. Verso Signet: Deutscher Schulverein 1880. Karte Nr. 878. Tretet dem Deutschen Schulverein in Wien, VIII., Florianigasse 39, bei! Mitgliedsbeitrag jährlich 2 Kronen. Kunstdruckerei von Josef Eberle, Wien, VII. Schottenfeldg. 38. Postkarte. Gelaufen. Datiert 1917.


 

 

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Links: Wem Gott will rechte Gunst erweisen / Den schickt er in die weite Welt. Signet: Ostmark, Bund deutscher Österreicher. Im Bild signiert: E[rnst] Kutzer [1880-1965, populärer und überaus fruchtbarer Wiener Illustrator]. Verso: Ostmark, Bund deutscher Österreicher. Hauptleitung: Linz a.d. Donau. Karte Nr. 154. Links: Raum für die Wehrschatzmarke. Rechts: Raum für die Freimarke. Nicht gelaufen. | Rechts: Wem Gott will rechte Gunst erweisen. O[skar] Herrfurth [1862-1934, beliebter Illustrator und Genremaler]. Im Bild signiert. Verso: Signet Uvachrom. Nr. 5289. Serie 386. Nicht gelaufen.


 

 

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Links: [Erste Strophe] Verso: Signet ASM. Serie 678. 6 Dessins. Nicht gelaufen.


 

Grußkarten

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Oben: Gruss aus ... E.B.&C.i.B. S.9024. Verso: Postkarte. Gelaufen. Poststempel 1908. – Mit Text:

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,
Doch so, dass er auf seinen Reisen
Nie Briefe schreibt, nein, nur erhält.

Mitte: Dass. E.B.&C.i.B. S.9031. Nicht gelaufen. | Unten: Dass. E.B.&C.i.B. S.9032. Gelaufen. Poststempel 1909.


2. Text des Gedichts

Der frohe Wandersmann.
Wem Gott will rechte Gunst erweisen ...

 

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt;
Dem will er seine Wunder weisen
In Berg und Wald und Strom und Feld.
   
Die Trägen, die zu Hause liegen,
Erquicket nicht das Morgenrot,
Sie wissen nur vom Kinderwiegen,
Von Sorgen, Last und Not um Brot.
   
Die Bächlein von den Bergen springen,
Die Lerchen schwirren hoch vor Lust,
Was sollt ich nicht mit ihnen singen
Aus voller Kehl und frischer Brust?
   
Den lieben Gott laß ich nur walten;
Der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
Und Erd und Himmel will erhalten,
Hat auch mein Sach aufs best bestellt!

 

Erstdruck 1823 im "Taugenichts" Kap. I (Deutsche Blätter für Poesie, Literatur, Kunst und Theater, Breslau 1823). – Vgl. den Text des Erstdrucks sowie Kommentar und Materialien zum "Taugenichts" von Carel ter Haar.

Alle Beiträge zu Eichendorff finden Sie auf der Seite: www.goethezeitportal.de/index.php?id=129.


3. Kurzbiographie zu Eichendorff

 

Signiert: E. Krupa Krupinsky 95 (?). Krupa-Krupinsky, Emil, Bildnis- und Genremaler, geb. 1872 in Barmen, gest. 1924 in Bonn. Studierte an der Düsseldorfer Akademie. 1899 übersiedelte er nach Bonn und wurde Gründer u. Vorsitzender des dortigen Künstlerbundes. Gesuchter Bildnismaler. (Thieme / Becker) – Text:

    Viele Boten gehn und gingen
    Zwischen Erd' und Himmelslust,
    Solchen Gruß kann keiner bringen,
    Als ein Lied aus frischer Brust.
            Joseph Freiherr v. Eichendorff

Motto der Wanderlieder, Eichendorffs Gedichtsammlung von 1841. Auf der Rückseite Reklame für Eichendorffs Sämtliche Werke im Verlag J. Habbel, Regensburg. Poststempel 1909.

 

Eichendorff, Joseph, Freiherr von, deutscher Dichter der romantischen Schule, geb. 10. März 1788 auf Schloß Lubowitz in Oberschlesien, gest. 26. Nov. 1857 in Neiße, wurde im aristokratischen Prunk- und Lustleben des ausklingenden 18. Jahrh., aber streng katholisch erzogen, besuchte seit 1801 das katholische Gymnasium zu Breslau und studierte seit 1805 in Halle und Heidelberg die Rechte. Auf letzterer Universität ward sein poetisches Talent durch Arnim, Brentano, Görres, Creuzer, Graf Loeben, die damals sämtlich in Heidelberg lebten, geweckt. Der Zug zur Romantik war von vornherein entschieden, er traf mit Eichendorffs patriotischem Haß gegen die Fremdherrschaft und seiner tiefen Abneigung gegen die Nüchternheit der Aufklärung zusammen. Er veröffentlichte zuerst zerstreute Gedichte unter dem Namen Florens und verfaßte den Roman "Ahnung und Gegenwart" (1811 vollendet; hrsg. von de la Motte Fouqué, Nürnberg 1815). Der Aufruf des Königs von Preußen: "An Mein Volk" führte E., der zuerst auf Anstellung in Österreich gehofft hatte, im Frühjahr 1813 nach Schlesien zurück; er trat in das Lützowsche Freikorps und nahm in diesem und in einem Landwehrregiment an den Feldzügen des Befreiungskrieges 1813–15 teil.

Nach dem Frieden verheiratete er sich und trat als Referendar bei der Regierung zu Breslau ein. 1821 ward er Regierungsrat für katholische Kirchen- und Schulsachen bei der Regierung zu Danzig, 1824 in gleicher Eigenschaft nach Königsberg berufen. Während seines Aufenthalts in der Provinz Preußen wirkte er eifrig für die Wiederherstellung des Ordenshauses in Marienburg. 1831 kam er als Rat in das Kultusministerium nach Berlin, geriet aber 1839 und 1840 bei seiner streng katholischen Richtung während der Kölner Wirren in Zerwürfnisse mit dem Minister und befreundete sich auch nachher trotz seiner Ernennung zum Geheimen Regierungsrat mit seiner amtlichen Stellung nicht wieder, sondern nahm 1845 seine Entlassung. E. lebte zunächst einige Jahre bei seiner verheirateten Tochter in Danzig, dann ein Jahr in Wien, längere Zeit (bis Herbst 1850) in Dresden, auch abwechselnd in Berlin und auf dem Familiengut Sedlnitz in Mähren. Zuletzt nahm er seinen Aufenthalt in Neiße bei der Familie seiner Tochter.

Von seinen Dichtungen waren nacheinander erschienen: "Krieg den Philistern", dramatisches Märchen (Berlin 1824); "Aus dem Leben eines Taugenichts", Novelle (das. 1826; in zahlreichen Drucken verbreitet); die Parodie "Meierbeths Glück und Ende", Tragödie mit Gesang und Tanz (das. 1828); die Trauerspiele: "Ezzelin von Romano" (Königsberg 1828) und "Der letzte Held von Marienburg" (das. 1830); das Lustspiel "Die Freier" (Stuttgart 1833); die Novelle "Dichter und ihre Gesellen" (Berlin 1834); "Gedichte" (das. 1837; 16. Aufl., Leipz. 1892).

Eichendorffs Gedichte, in denen ein tiefes, träumerisches Naturgefühl zu eigenartigem und wohlklingendem Ausdruck kommt, gehören zu den besten Erzeugnissen der Romantik und sind besonders anziehend durch ihre volkstümliche Frische und Einfachheit (E. schrieb das Lied: "In einem kühlen Grunde"). Hervorzuheben sind der Liederzyklus "Frühling und Liebe", die "Zeitgedichte", die unter der Einwirkung der Freiheitskriege entstanden, die "Geistlichen Gedichte" und die "Lieder auf den Tod meines Kindes". Auch in den Novellen, namentlich dem Meisterstück "Aus dem Leben eines Taugenichts", waren es hauptsächlich die Fülle der lyrischen Stimmung und die Anmut des Vortrages, die sich wirksam erwiesen.

In der Mitte der 30er Jahre begann E. die ernstesten literarischen und historischen Studien. Als deren poetische Resultate traten zunächst die vortrefflichen Übertragungen des mittelalterlichen spanischen Volksbuches "Der Graf Lucanor" (Berlin 1843) und der "Geistlichen Schauspiele Calderons" (Stuttgart 1846–1853, 2 Bde.) hervor. Mit dem Buch "Über die ethische und religiöse Bedeutung der neuen romantischen Poesie in Deutschland" (Leipzig 1847) eröffnete er die Reihe seiner literarhistorisch-kritischen Schriften, deren Gesamtinhalt auf eine kritische Urteilsrevision im katholischen Sinne hinauslief. "Der deutsche Roman des 18. Jahrhunderts in seinem Verhältnis zum Christentum" (Leipzig 1851; 2. Aufl., Paderborn 1867), "Zur Geschichte des Dramas" (Leipzig 1854; 2. Aufl., Paderborn 1867), "Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands" (Paderborn 1857, 3. Aufl. 1866) setzten diese Tätigkeit fort, die in einer entschiedenen Bevorzugung und beinahe ausschließlichen Verherrlichung der spanischen Dichtung und ihrer Nachklänge in der deutschen Romantik gipfelte. Darüber nahm die eigeue poetische Tätigkeit Eichendorffs eine durchaus tendenziöse Richtung, die su den erzählenden Gedichten: "Julian, ein Romanzenzyklus" (Leipzig 1853), "Robert und Guiscard" (das. 1855) und "Lucius" (das. 1857) entschieden zutage trat.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Aufl. 1905-1909. Artikel Eichendorff, Bd. 5, S. 425 f. DVD-ROM-Ausgabe, Digitale Bibliothek 100, S.47930-47934. Redigiert, Absätze eingefügt. - Korrektur durch Dr. Franz Heiduk (Schreiben vom 23. Februar 2011):

Die Brüder Joseph und Wilhelm besuchten die beiden letzten Klassen des Königlich Katholischen Gymnasiums von 1801-1803. Das Studienjahr 1803/04 an der Katholischen Universität in Breslau beschloss Wilhelm als Lizentiat, Joseph als Baccalaureus art. Danach hospitierten sie im nächsten Semester, besonders bei Friedrich Manso am Gymnasium Maria Magdalena. Er las u.a. über das Thema "Wie studiere ich Jura?"

Zu Eichendorff-Motiven auf Postkarten siehe:
Joseph von Eichendorff na karcie pocztowej = Joseph von Eichendorff auf Postkarten = Joseph von Eichendorff on the postcard. Hrsg. von [Alfred Otlik. Racibórz : Wydawn. Agencja Informacyjna WAW 2007. ISBN 978-83-89802-44-6 (Hinweis von Dr. Franz Heiduk)

 

Im Sockel signiert: J. Boese fec[it] 1909. Eichendorff-Denkmal zu Ratibor. Enthüllt im 25. Jahre des Bestehens des M. G. V. Liedertafel, 26. September 1909. Verso Nr. 09 37755. Postkarte. Nicht gelaufen. – Böse, Johannes, Prof., geb. 1856 in Ratibor. Besuchte die Berliner Akademie, Meisterschüler von Alb. Wolff. Denkmalsplastiker naturalistischer Richtung, war mit Erfolg an verschiedenen Denkmalskonkurrenzen beteiligt.

(Thieme / Becker)


 

4. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

 

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