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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Goethe-Motive auf Postkarten
Eine Dokumentation

Reta Walter als Mignon.
Eine Postkartenserie
und weitere Karten

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Stand: Mai 2016

Reta Walter: Mignon. Verlag mit Signet: R, P und H im Kreis, mit Pferdchen [Rotophot AG, Berlin]. Serie 2007/1 bis 8. Die Karten wurden schwarz-weiß und unterschiedlich koloriert vertrieben. Von den hier abgebildeten 11 Karten sind 6 zwischen 1902 und 1907 postalisch gelaufen.

Die Karten stammen von der 1900 gegründeten Firma Rotophot. Seit 1905 trugen alle Rotophot-Karten zur Identifizierung die Buchstaben RPH als Signet, nach dem Eintritt von Heinrich Ross (1870-1940[?]) in die Firma mit einem Pferdchen (= Ross) über den Buchstaben. Beigefügt sind die Serien- und Kartennummer.

Über den Verlag unterrichtet Detlef Krenz: Die Rotophot-Gesellschaften und die Kunst der Polygraphie.

Mignon ist eine Gestalt aus dem Roman "Wilhelm Meisters Lehrjahre" (1795/96) von Johann Wolfgang Goethe. Das Goethezeitportal führt auf einer Seite mit 100 ausgewählten Illustrationen in die Geschichte des geheimnisvollen jungen Mädchens ein.

 


 

Gliederung

1. Postkarten
2. Die Lieder Mignons
3. Notiz zu Reta Walter
4. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

 


 

1. Postkarten 

Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf die Bilder.

 


 

Postkarten aus dem Verlag
Georg Gerlach & Co, Berlin

Reta Walter, Mignon, Verlag Georg Gerlach BerlinReta Walter, Mignon, Verlag Georg Gerlach Berlin
Reta Walter, Mignon, Verlag Georg Gerlach in BerlinReta Walter, Mignon, Verlag Georg Gerlach in Berlin
Reta Walter, Mignon, Verlag Georg Gerlach BerlinReta Walter, Mignon, Verlag Georg Gerlach Berlin

Die Bilder stammen aus folgenden Serien des Verlages Georg Gerlach & Co in Berlin: 195/4 (oben links), 197/? (oben rechts), 197/8 (mitte links), 197/3 (mitte rechts), 198/2 (unten links), 196/3 (unten rechts). Nach dem Querstrich folgt die Kartennummer der Serie.

 


 

Postkarten aus dem Verlag
Gustav Liersch & Co, Berlin

 

Reta Walter, Mignon, Verlag Gustav Liersch & Co in BerlinReta Walter, Mignon, Verlag Gustav Liersch & Co in Berlin

Die Bilder stammen aus folgender Serie des Verlages Gustav Liersch & Co in Berlin: 1139/6 (links) und 1139/2 (rechts). Nach dem Querstrich folgt die Kartennummer der Serie.

 


 


2. Die Lieder Mignons

 

In den Roman "Wilhelm Meisters Lehrjahre" hat Goethe mehrere Lieder Mignons eingelegt. Sie weisen auf das geheimnisvolle Schicksal des jungen Mädchens, ihre Sehnsucht nach der Heimat Italien und ihre Liebe zu Wilhelm hin. Das häufig illustrierte und vertonte Gedicht »Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn« wurde zum Inbegriff der Sehnsucht nach Italien (aus dem Mignon entführt wurde).



"Wilhelm Meisters Lehrjahre",
Drittes Buch, 1. Kapitel:

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,
Kennst du es wohl?
                                Dahin! Dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!
   
Kennst du das Haus? auf Säulen ruht sein Dach,
Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
Was hat man dir, du armes Kind, getan?
Kennst du es wohl?
                                Dahin! Dahin
Möcht ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn!
   
Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg,
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut,
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut:
Kennst du ihn wohl?
                                Dahin! Dahin
Geht unser Weg; o Vater, laß uns ziehn!

 


 


"Wilhelm Meisters Lehrjahre",
Viertes Buch, 11. Kapitel:

Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh' ich ans Firmament
Nach jener Seite.
Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!

 


 

"Wilhelm Meisters Lehrjahre",
Fünftes Buch, 16. Kapitel:

Heiß mich nicht reden, heiß mich schweigen,
Denn mein Geheimnis ist mir Pflicht;
Ich möchte dir mein ganzes Innre zeigen,
Allein das Schicksal will es nicht.
   
Zur rechten Zeit vertreibt der Sonne Lauf
Die finstre Nacht, und sie muß sich erhellen,
Der harte Fels schließt seinen Busen auf,
Mißgönnt der Erde nicht die tiefverborgnen Quellen.
   
Ein jeder sucht im Arm des Freundes Ruh',
Dort kann die Brust in Klagen sich ergießen;
Allein ein Schwur drückt mir die Lippen zu,
Und nur ein Gott vermag sie aufzuschließen.

 


 


"Wilhelm Meisters Lehrjahre", Achtes Buch, 2. Kapitel
(Mignon ist in einem weißen Gewand mit Flügeln als Engel gekleidet):

So laßt mich scheinen, bis ich werde,
Zieht mir das weiße Kleid nicht aus!
Ich eile von der schönen Erde
Hinab in jenes feste Haus.
   
Dort ruh' ich eine kleine Stille,
Dann öffnet sich der frische Blick,
Ich lasse dann die reine Hülle,
Den Gürtel und den Kranz zurück.
   
Und jene himmlischen Gestalten,
Sie fragen nicht nach Mann und Weib,
Und keine Kleider, keine Falten
Umgeben den verklärten Leib.
   
Zwar lebt' ich ohne Sorg' und Mühe,
Doch fühlt' ich tiefen Schmerz genung;
Vor Kummer altert' ich zu frühe;
Macht mich auf ewig wieder jung!

 


 

 

"Die Sängerin Reta Walter, von der Komischen Oper in Berlin, wurde aus Eifersucht getötet." So lautet die Unterschrift unter ihrem Porträt im Illustrierten Universum-Jahrbuch, Leipzig 1906, S.490. In der Erläuterung heißt es: "Das Opfer einer Liebestragödie wurde die 21jährige, sehr talentvolle Sängerin Reta Walter von der Komischen Oper in Berlin.

"She was a german opera singer who had a long term relationship with a man called Karl Hesse. He was rich but later became a poor man and Reta helped him with money. She became tired of him and fell in love with a spanish singer. Hesse killed her and commited suicide." Notiz im Forum "Reta Walter" (Hinweis von Maria Jung):
http://www.findadeath.com/forum/showthread.php?t=16124

Reta Walter, die in der Rolle der Mignon auch auf der Bühne aufgetreten sein dürfte, war ein beliebtes Modell für fotografische Ateliers. Durch ihre erfolgreiche Darstellung der Mignon wurde ihr Name mit der literarischen Figur verbunden: Reta Walter-Mignon.

 


 

Nachruf in der Zeitschrift "Berliner Leben"


"Beides zusammen, ein Liebling der Götter und ein zu Tode gehetztes Wild war Fräulein Reta Walter, die Sängerin an der "Komischen Oper" [in Berlin]. Grazien und Musen hatten sich bei ihr zusammengetan, als sie in Süddeutschland das Licht der Welt erblickte und ihr als Patengeschenk Grazie, Liebenswürdigkeit und Talent in die Wiege gelegt. Und die himmlischen Gaben wurden ihr zum Segen und Verderben. Ihr Talent hob sie aus der Menge heraus und reihte sie früh in die schmale Abteilung der Kunst ein, welche den ihren Glück, Reichtum, Ehre und Lorbeer bringt, aber ihre Anmut, die die Liebe weckte, entfesselte die Eifersucht und der Eifersucht fiel sie zum Opfer.  So ist Frl. Reta Walter als Künstlerin hoffnungserweckend wie kaum ein zweites Mitglied der Komischen Oper in frühen Jahren, da ihr Leben noch wenig Enttäuschung gezeitigt, ihr Himmel noch blau wie der Frühlingshimmel südlicher Landschaften, aus diesem Leben geschieden. Wer sie sah und wer sie hörte, betrauert sie."

Quelle:
Berliner Leben. Zeitschrift für Schönheit & Kunst IX, 1906, Heft 10, mit Porträt.

 

Reta Walter Bildnis, Verlag Rotophot

Reta Walter. Rotophot. S. 740-?45

 


 

Besuchen Sie auch die weiteren Mignonbilder

Mignon und der Harfner auf Bildpostkarten.
Mit Erläuterungen zur Figur Mignon und zu Bildpostkarten

http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=256

Mignon-Serien. Folge I

http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=3999

Mignon-Serien Folge II

http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6477 

Mignon-Serien
Folge III
Eine Art-déco Mignon-Fotoserie
Versuch einer Beschreibung  

http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6780

Mignon-Serien
Folge IV

http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6854

Mignon. Bilder unserer Leser
Mit Notizen zur Firma Rotophot

http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6537


 

Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

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Kontaktanschrift:
Prof. Dr. Georg Jäger
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Deutsche Philologie
Schellingstr. 3
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E-Mail: georg.jaeger07@googlemail.com

 


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