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Jutta Assel | Georg Jäger
Goethe-Motive auf Postkarten

Mignon-Serien
Folge III

Eine Art-déco Mignon-Fotoserie
Versuch einer Beschreibung

Eingestellt: Juni 2015
Optimiert für Firefox

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Mignon. Postkartenserie Amag 63818Mignon. Postkartenserie Amag 63818
Mignon. Postkartenserie Amag 63818Mignon. Postkartenserie Amag 63818
Mignon. Postkartenserie Amag 63818Mignon. Postkartenserie Amag 63818

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Mignon. Signet: Amag im Oval [Albrecht & Meister, AG Berlin]
Serie 63818, Karte 1-6. Nicht gelaufen.

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Diese Serie von "Mignon"-Fotopostkarten stammt wohl aus den späten 1920er Jahren. Die Bromsilber-Abzüge sind durch den Verlag industriell hergestellt - als sog. "Kilometerfotografien" - auf zyklamtonig gefärbtem Papier und zusätzlich mittels Schablonen sowie von Hand koloriert, wahrscheinlich in einer dem Verlag angeschlossenen Kolorierungswerkstätte. Es ist interessant, dass bei gleichbleibender Kulisse und dem Requisit sowie dem Kostüm des "Mignon"-Modells Farbe und Musterung des letzteren stark variiert, was auf verschiedene Koloristen ohne verbindliche Gestaltungsangaben verweisen könnte. Hierdurch geht jedoch der einheitliche Rollencharakter dieser berühmten literarischen Gestalt aus Goethes "Wilhelm Meister" verloren, d.h. die Serie löst sich in unterschiedlich gefärbte Einzeldarstellungen auf, unter denen der Käufer je nach Geschmack auswählen konnte. Die gefällige, gut verkäufliche Kostümfigur, nicht die Charakterisierung der literarischen Gestalt interessierte bei dieser Serie.

Hierauf zielt auch das sehr schlichte, fantasielose Atelierarrangement des fotografierenden "Regisseurs" der Szenenfolge: Als Hintergrund wählte er eine beliebige gemalte Naturkulisse mit Bäumen und Wasser aus dem Atelier-Fundus, eher dem Ende des 19. als den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts angemessen; davor stellte er als Requisit ein Stück der beliebten Atelier-Balustrade, umrankt mit Kunstblumen, sowie einige Blüten, die auf den 6 Fotos fast unverändert zu Füßen des Modells liegen.

Die "Mignon"-Darstellerin, eine hübsche junge Frau, die wohl beim Singen des berühmten Sehnsuchtsliedes "Kennt du das Land, wo die Zitronen blühen ..." gezeigt werden soll, muss sich während der Fotosequenz am linken Ende der Balustrade aufhalten. Ihr wurde nur äußerst wenig Bewegungsspielraum zugestanden - wahrscheinlich der hierdurch schneller (und damit billiger) zu bedienenden "festen" Kamera auf dem Stativ und der gleichfalls statischen Beleuchtungskörper wegen. Das Modell posiert quasi als lebendes Standbild, es bewegt sich sanft auf der Stelle, dreht Kopf und Oberkörper, blickt träumerisch-wehmütig, variiert seine Beinstellung - immer auf stilvolle Wirkung bedacht. Im zeitlos schlichten weiten Rock, Bluse, Kopf- und Hüfttuch (hier aufgepeppt durch die kräftige zeittypische Kolorierung), barfüßig und versehen mit den Attributen Saiteninstrument und Reisebündel, die verbindlich zur Mignon-Ikonographie gehören, soll das Modell als Mignon figurieren - was zum sicheren Verständnis jeweils oben links als Titel auch einkopiert ist.

Goethes Fantasiegestalt, das zauberhafte wilde Kind Mignon, das von Zigeunern aufgezogen, koboldhaft beweglich, von südländischem Temperament ist, kann als Gegentyp dieser zeittypisch puppenhaft geschminkten, statischen Art-déco-Schönen mit Bubikopf unter dem Tuch statt dunkler Mähne und gepflegt zigeunerischem Hüfttuch-Outfit gesehen werden. Die Postkartenserie ist ein zahmes Art-déco-Produkt in aparter Fotokolorierung der 20er Jahre.

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