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Jutta Assel | Georg Jäger

Goethes "Hermann und Dorothea"
in Illustrationen von Emil Klein

Stand: Mai 2017

 

  • Hermann und Dorothea. Von Wolfgang von Goethe. Mit 9 Lichtdruck-Vollbildern nach Originalen von Emil Klein. Stuttgart. Druck und Verlag von Greiner & Pfeiffer [ohne Jahresangabe]. Lichtdrucke aus der Kunstanstalt von E. Schreiber in Stuttgart. – Prachtausgabe (Einband im Prägedruck, Goldschnitt, Zierleisten). Außenmaße: Höhe 19,5, Breite 13,5 cm. Alle Bilder sind signiert mit EKlein, vier von ihnen mit der Jahresangabe "[18]93".

Buchrücken und Einband (Vorderseite).

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"Hermann und Dorothea", 1796/97 entstanden und 1798 publiziert, ist eine "idyllisch-epische" Dichtung in Hexametern, deren neun Gesänge nach den Musen benannt sind. Die Handlung spielt in einem rechtsrheinischen Städtchen und schildert einen Flüchtlingszug aus Frankreich im Gefolge der Revolutionswirren. Ideologisch setzt sich Goethe darin mit der Französischen Revolution auseinander. Die Handlung spielt unter den Honoratioren des Ortes – dem begüterten Wirtsehepaar zum Goldenen Löwen, dem Apotheker und Pfarrer – und hat zum Mittelpunkt die Brautwahl. Hermann, der Sohn der Wirtsleute, und die Flüchtlingsfrau, die ebenso schöne wie tüchtige und mutige Dorothea, werden ein Paar. Im 19. Jahrhundert wurde die Dichtung überaus hoch geschätzt, weil sie bürgerliche Lebensvorstellungen und Geschlechterstereotypien, nicht ohne Ironie von Seiten des Erzählers, in klassischer Form gestaltet.

Den gesamten Text von Goethes "Hermann und Dorothea" finden Sie online im Projekt Gutenberg.DE.
 

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Gliederung

 

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1. Illustrationen

 

Zur Beachtung:
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Und so saß das trauliche Paar

 

I. Kalliope. Schicksal und Anteil.

Und so saß das trauliche Paar, sich unter dem Torweg
Über das wandernde Volk mit mancher Bemerkung ergötzend.
Endlich aber begann die würdige Hausfrau und sagte:
Seht! dort kommt der Prediger her, es kommt auch der Nachbar
Apotheker mit ihm: die sollen uns alles erzählen,
Was sie draußen gesehn und was zu schauen nicht froh macht.

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Ich öffnete schnell die Kisten des Wagens

 

II. Terpsichore. Hermann,
Ausschnitt aus dem Bericht Hermanns:

Gutes Mädchen, mir hat die Mutter nicht Leinwand alleine
Auf den Wagen gegeben, damit ich den Nackten bekleide,
Sondern sie fügte dazu noch Speis' und manches Getränke,
Und es ist mir genug davon im Kasten des Wagens.
Nun bin ich aber geneigt, auch diese Gaben in deine
Hand zu legen, und so erfüll' ich am besten den Auftrag;
Du verteilst sie mit Sinn, ich müßte dem Zufall gehorchen.
Drauf versetzte das Mädchen: Mit aller Treue verwend ich
Eure Gaben; der Dürftige soll sich derselben erfreuen.
Also sprach sie. Ich öffnete schnell die Kasten des Wagens,
Brachte die Schinken hervor, die schweren, brachte die Brote,
Flaschen Weines und Biers, und reicht' ihr alles und jedes.
Gerne hätt' ich noch mehr ihr gegeben; doch leer war der Kasten.
Alles packte sie drauf zu der Wöchnerin Füßen und zog so
Weiter; ich eilte zurück mit meinen Pferden der Stadt zu.

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Und es versetzte sogleich die gute verständige Mutter

 

III. Thalia. Die Bürger.

Und es versetzte sogleich die gute verständige Mutter:
Immer bist du doch, Vater, so ungerecht gegen den Sohn! und
So wird am wenigsten dir dein Wunsch des Guten erfüllet.
Denn wir können die Kinder nach unserem Sinne nicht formen;
So wie Gott sie uns gab, so muß man sie haben und lieben,
Sie erziehen aufs beste und jeglichen lassen gewähren.
Denn der eine hat die, die anderen andere Gaben;
Jeder braucht sie, und jeder ist doch nur auf eigene Weise
Gut und glücklich. Ich lasse mir meinen Hermann nicht schelten;
Denn, ich weiß es, er ist der Güter, die er dereinst erbt,
Wert und ein trefflicher Wirt, ein Muster Bürgern und Bauern,
Und im Rate gewiß, ich seh es voraus, nicht der Letzte.
Aber täglich mit Schelten und Tadeln hemmst du dem Armen
Allen Mut in der Brust, so wie du es heute getan hast.

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Sachte schlich sie hinan

 

IV. Euterpe. Mutter und Sohn,
Ausschnitt:

Aber sie hoffte noch stets, ihn doch auf dem Wege zu finden;
Denn die Thüren, die untre so wie die obre, des Weinbergs
Standen gleichfalls offen. Und so nun trat sie ins Feld ein,
Das mit weiter Fläche den Rücken des Hügels bedeckte.
Immer noch wandelte sie auf eigenem Boden und freute
Sich der eigenen Saat und des herrlich nickenden Kornes,
Das mit goldener Kraft sich im ganzen Felde bewegte.
Zwischen den Äckern schritt sie hindurch, auf dem Raine, den Fußpfad,
Hatte den Birnbaum im Auge, den großen, der auf dem Hügel
Stand, die Grenze der Felder, die ihrem Hause gehörten.
Wer ihn gepflanzt, man konnt' es nicht wissen. Er war in der Gegend
Weit und breit gesehn, und berühmt die Früchte des Baumes.
Unter ihm pflegten die Schnitter des Mahls sich zu freuen am Mittag
Und die Hirten des Viehs in seinem Schatten zu warten;
Bänke fanden sie da von rohen Steinen und Rasen.
Und sie irrete nicht; dort saß ihr Hermann und ruhte,
Saß mit dem Arme gestützt und schien in die Gegend zu schauen
Jenseits, nach dem Gebirg, er kehrte der Mutter den Rücken.
Sachte schlich sie hinan und rührt' ihm leise die Schulter.
Und er wandte sich schnell; da sah sie ihm Thränen im Auge.

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Als der Geistliche nun die Rede des Mannes vernommen

 

V. Polyhymnia. Der Weltbürger,
Ausschnitt:

Als der Geistliche nun die Rede des Mannes vernommen,
Und den ruhigen Sinn des fremden Richters entdeckte,
Trat er an ihn heran und sprach die bedeutenden Worte:
Vater, fürwahr! wenn das Volk in glücklichen Tagen dahin lebt,
Von der Erde sich nährend, die weit und breit sich aufthut,
Und die erwünschten Gaben in Jahren und Monden erneuert,
Da geht alles von selbst, und jeder ist sich der Klügste,
Wie der Beste; und so bestehen sie neben einander,
Und der vernünftigste Mann ist wie ein andrer gehalten;
Denn was alles geschieht, geht still, wie von selber, den Gang fort.
Aber zerrüttet die Not die gewöhnlichen Wege des Lebens,
Reißt das Gebäude nieder, und wühlet Garten und Saat um,
Treibt den Mann und das Weib vom Raume der traulichen Wohnung,
Schleppt in die Irre sie fort durch ängstliche Tage und Nächte:
Ach! da sieht man sich um, wer wohl der verständigste Mann sei,
Und er redet nicht mehr die herrlichen Worte vergebens.
Sagt mir, Vater, Ihr seid gewiß der Richter von diesen
Flüchtigen Männern, der Ihr sogleich die Gemüter beruhigt?
Ja, Ihr erscheint mir heut als einer der ältesten Führer,
Die durch Wüsten und Irren vertriebene Völker geleitet.
Denk' ich doch eben, ich rede mit Josua oder mit Moses.

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Seht Ihr, sagt er, das Mädchen?

 

VI. Klio. Das Zeitalter,
Ausschnitt:

Seht Ihr, sagt' er, das Mädchen? Sie hat die Puppe gewickelt,
Und ich erkenne genau den alten Kattun und den blauen
Kissenüberzug wohl, den ihr Hermann im Bündel gebracht hat.
Sie verwendete schnell, fürwahr, und gut die Geschenke.
Diese sind deutliche Zeichen, es treffen die übrigen alle;
Denn der rote Latz erhebt den gewölbeten Busen,
Schön geschnürt, und es liegt das schwarze Mieder ihr knapp an;
Sauber ist der Saum des Hemdes zur Krause gefaltet
Und umgibt ihr das Kinn, das runde, mit reinlicher Anmut;
Frei und heiter zeigt sich des Kopfes zierliches Eirund,
Und die starken Zöpfe um silberne Nadeln gewickelt;
Sitzt sie gleich, so sehen wir doch die treffliche Größe
Und den blauen Rock, der vielgefaltet, vom Busen
Reichlich herunterwallt zum wohlgebildeten Knöchel.
Ohne Zweifel, sie ist's. Drum kommet, damit wir vernehmen,
Ob sie gut und tugendhaft sei, ein häusliches Mädchen.

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Dann ruhten sie beide

 

VII. Erato. Dorothea,
Ausschnitt:

Also sprach sie und war die breiten Stufen hinunter
Mit dem Begleiter gelangt; und auf das Mäuerchen setzten
Beide sich nieder des Quells. Sie beugte sich über, zu schöpfen;
Und er faßte den anderen Krug und beugte sich über.
Und sie sahen gespiegelt ihr Bild in der Bläue des Himmels
Schwanken und nickten sich zu und grüßten sich freundlich im Spiegel.
Laß mich trinken, sagte darauf der heitere Jüngling;
Und sie reicht' ihm den Krug. Dann ruhten sie beide, vertraulich
Auf die Gefäße gelehnt ...

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Sorglich stützte der Starke das Mädchen

 

VIII. Melpomene. Hermann und Dorothea,
Ausschnitt:

Und so geleitet' er sie die vielen Platten hinunter,
Die, unbehauen gelegt, als Stufen dienten im Laubgang.
Langsam schritt sie hinab, auf seinen Schultern die Hände;
Und mit schwankenden Lichtern durchs Laub überblickte der Mond sie,
Eh' er von Wetterwolken umhüllt, im Dunkeln das Paar ließ.
Sorglich stützte der Starke das Mädchen, das über ihn herging;
Aber sie, unkundig des Steigs und der roheren Stufen,
Fehlte tretend, es knackte der Fuß, sie drohte zu fallen.
Eilig streckte gewandt der sinnige Jüngling den Arm aus,
Hielt empor die Geliebte; sie sank ihm leis auf die Schulter,
Brust war gesenkt an Brust und Wang' an Wange. So stand er,
Starr wie ein Marmorbild, vom ernsten Willen gebändigt,
Drückte nicht fester sie an, er stemmte sich gegen die Schwere.
Und so fühlt' er die herrliche Last, die Wärme des Herzens
Und den Balsam des Atems, an seinen Lippen verhauchet,
Trug mit Mannesgefühl die Heldengröße des Weibes.

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Hermann stellte den Eltern sie vor

 

IX. Urania. Aussicht,
Ausschnitt:

Aber die Thür' ging auf. Es zeigte das herrliche Paar sich,
Und es erstaunten die Freunde, die liebenden Eltern erstaunten
Über die Bildung der Braut, des Bräutigams Bildung vergleichbar;
Ja, es schien die Thüre zu klein, die hohen Gestalten
Einzulassen, die nun zusammen betraten die Schwelle.
Hermann stellte den Eltern sie vor mit fliegenden Worten.
Hier ist, sagt' er, ein Mädchen, so wie Ihr im Hause sie wünschet.
Lieber Vater, empfanget sie gut; sie verdient es. Und, liebe
Mutter, befragt sie sogleich nach dem ganzen Umfang der Wirtschaft,
Daß Ihr seht, wie sehr sie verdient, Euch näher zu werden.

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2. Biographische Notiz zu Emil Klein

Klein, Emil (1865-1943, Indianapolis/USA - Stuttgart), amerikanischer Historienmaler und Illustrator, seit 1928 deutscher Staatsbürger. Studierte bis 1883 bei C. v. Häberlin, Liezen-Mayer und A. v. Donndorf an der Stuttgarter Akademie. Lebte 1884/85 in München, 1886 in Ägypten, seit 1887 als Illustrator in Stuttgart. Sein Nachlass befindet sich in der Galerie der Stadt Esslingen. Das Stadtmuseum Esslingen widmete Klein 2001 eine Kabinettausstellung.

Illustrierte u.a. "Die Frithjofs-Sage" von Esaias Tegnér und die Erzählungen des beliebten Jugendschriftstellers Christoph von Schmid.

Quelle: Hans Ries: Illustration und Illustratoren des Kinder- und Jugendbuchs im deutschsprachigen Raum 1871-1914, 1992.

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 3. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

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Kontaktanschrift:
Prof. Dr. Georg Jäger
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Deutsche Philologie
Schellingstr. 3
80799 München

E-Mail: georg.jaeger07@googlemail.com

 

 

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