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Jutta Assel | Georg Jäger

Goethes "Götz von Berlichingen"
in Illustrationen von J.H. Ramberg

Eine Dokumentation

Stand: April 2008

Götz und Bruder Martin
Ausschnitt aus der ersten Illustration

Johann Heinrich Ramberg (1763-1840), seit Chodowieckis Tod der gesuchteste Illustrator in Deutschland, hat eine "Gallerie zu Göthe's Werken" geschaffen, von denen hier die Bilder zu Goethes Drama "Götz von Berlichingen" publiziert werden. Die Folge erschien in "Minerva, Taschenbuch für das Jahr 1824", einem der zwischen dem späten 18. und der Mitte des 19. Jahrhunderts überaus beliebten handlichen, weil kleinformatigen und oft >prächtig< ausgestatteten Sammelpublikationen. Ähnlich wie die Musenalmanache dienten auch die literarischen Taschenbücher der literarisch-geselligen Kommunikation. Sie kamen rechtzeitig vor Weihnachten auf den Markt und wurden gerne als Geschenke, vor allem für Frauen verwendet. Da Musenalmanache und Taschenbücher ein breites Publikum erreichten, spiegeln sie in der Auswahl der Texte und Bilder den Geschmack der gebildeten Öffentlichkeit. Die Illustrationen zum "Götz" geben überdies einen Einblick in die Ausgestaltung dramatischer Szenen auf der damaligen Bühne und in der Vorstellung zeitgenössischer Rezipienten. 

 

Gliederung

1. Die Illustrationen 
2. Kurzbiographien der Künstler 
3.  Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

  

1. Die Illustrationen

Die Illustrationen erschienen unter dem Titel "Gallerie zu Göthe's Werken. Vierte Lieferung. Götz von Berlichingen" in: Minerva. Taschenbuch für das Jahr 1824. Sechzehnter Jahrgang. Leipzig, bei Gerhard Fleischer. Plattenmaß, Höhe ca. 14, Breite 9,7 cm. — Die Blattaufnahmen folgen Arthur Goldschmidt: Goethe im Almanach. Leipzig: Hermann Eichblatt-Verlag 1932, Nr. 20.

Wir danken Herrn Dr. Stephan Seeliger für die Überlassung der Kupferstichfolge.  


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Götz von Berlichingen. I. Akt.
(Martin: ... todtes Werkzeug, belebt durch des edelsten Geistes Vertrauen auf Gott.)
H. Ramberg del.




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Götz von Berlichingen. I. Act.
(Maria: Du thust besser, Karl, leb du einmal auf deinem Schloß.)
J. H. Ramberg inv. del. W. Jury sc.




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Götz von Berlichingen. I. Act.
(Franz: Sie hatte ihr Auge aufs Bret geheftet, als wenn sie einem großen Streich nachsänne. Ein feiner lauernder Zug um Mund und Wange!)
Ramberg del. Unter Anleitung v. Stölzel d. j. gest. v. Klug.




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Götz von Berlichingen. II. Act.
(Fraulein: Ich sah' ihn, wie er zum Schloß einreiten wollte, er saß auf einem Schimmel. Das Pferd scheute wie 's an die Brücke kam.)
J. H. Ramberg inv. del. W. Jury fec.




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Götz von Berlichingen. III. Act.
(Götz: Ich trieb sie, und da sie geht, möcht' ich sie halten.)
H. Ramberg del. A. W. Böhm sc.




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Götz von Berlichingen. IV. Act.
(Götz: Kommt! Kommt! Es wäre mir angenehm, den Tapfersten unter euch kennen zu lernen.)
Ramberg del. Stölzel jun. sc.




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Götz von Berlichingen. V. Act.
(Zigeunerlager. Hauptmann: Horch, ein Pferd! Geht! Seht, was ist.)
J. H. Ramberg inv. del. W. Jury fec.




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Götz von Berlichingen. V. Act.
(Maria: Nur einen Blick deiner Liebe an sein Herz, daß es sich zum Trost öffne.)
H. Ramberg del. S. Langer sc. Wien.




2. Kurzbiographien der Künstler 

Böhm, Amadeus Wenzel, geb. am 2. Mai 1759 in Prag und gest. am 1. Mai 1823 in Leipzig, Kupferstecher.

Böhm wurde in jungen Jahren Schüler von Cl. Kohl und J. M. Schmutzer in Wien. Ging 1797 nach Leipzig und wurde Mitglied der dortigen Akademie der Künste. Seine Arbeiten, "von denen an 200 bekannt sind, zeichnen sich durch gute Zeichnung und eine glückliche Verbindung der Radiertechnik mit dem Grabstichel aus. [...] Seine Haupttätigkeit entfaltete jedoch der Künstler als Illustrator der zu jener Zeit so beliebten Taschenbücher und Almanache." (Thieme/Becker, Bd.4, 1910, S. 191f.)



Jury
, Wilhelm, geb. am 13. Mai 1763 in Berlin und gest. am 21. Juni 1829 ebenda, Maler und Kupferstecher.

Jury wurde 1779 Schüler der Berliner Akademie und bald darauf Lehrling in der dortigen Porzellanmanufaktur. Trat 1788 bei dem Kupferstecher D. Berger in die Lehre, verlies diese aber bald und versuchte sich in Ölkopien nach Niederländern. Danach widmete er sich immer ausschließlicher der Buchillustration und wurde einer der ersten Modekünstler in Bücherkupfer, besonders zu Romanen. (Thieme/Becker, Bd. 19, 1926, S. 347.)



Klug
: nicht ermittelt.



Langer
, Sebastian, geb. 1772 in Troppau und gest. am 9. Februar 1841 in Wien, Kupferstecher. Er ist der Sohn und Schüler des Stechers Joh. Michael Langer, studierte an der Wiener Akademie. Stach u.a. religiöse Blätter (darunter eine Folge von 106 Heiligenbildnissen) und Porträts.



Ramberg
, Johann Heinrich, geb. am 22. Juli 1763 zu Hannover und gest. am 6. Juli 1840 ebenda, Öl- und Aquarellmaler, Radierer und Zeichner für den Kupferstich.

Ramberg erhielt den ersten Zeichenunterricht vom Vater. 1780 entstanden 27 Zeichnungen von Harzlandschaften, die, König Georg III. von England vorgelegt, dem jungen Ramberg dessen Protektion verschafften. 1781 bis 1788 als Schützling Georgs III. und Pensionär der Akademie in London; Schüler von Benj. West. Auftrag zu einem 1789 vollendeten Theatervorhang für Hannover. Italienreise 1790-93. 1793, wieder in Hannover, erhielt er die ihm vom König zugesagte Stelle als "Hof- und Cabinetsmahler".

In den folgenden Jahren "entstehen die bekannten, großen, teilweise gestochenen Blätter, Szenen aus dem italienischen Volksleben, Illustrationen zu Boccaccio und Lafontaine, satirische Blätter, Ansichten von Hannover. Als Illustrator machen ihn die Stiche zur >Fürstenausgabe< von Wielands Werken (1794/1802) bei Göschen in Leipzig bekannt. Seit Chodowieckis Tod ist er der gesuchteste Illustrator in Deutschland. Es gibt kaum einen zeitgenössischen Schriftsteller, dessen Werke er nicht illustriert hätte. Daneben versorgt er die zahlreich erscheinenden Taschenbücher und Almanache. Alle Stecher von Namen arbeiten für ihn. Neben den Buchillustrationen entstehen in den 20er und Anfang der 30er Jahre noch eine Reihe von großen Blättern, Illustrationen zu Terenz und Shakespeare, Szenen aus Geschichte und Mythologie. In engem Zusammenhang mit den Illustrationen stehen die zyklischen Darstellungen, von denen 3 in Buchform im Handel erschienen (bei Hahn, Hannover): Reineke Fuchs (1826), Tyll Eulenspiegel (1826), Homers Ilias seriös und komisch (1827; Neudruck 1865 bei G. Wedekind Hannover)."

F. Stuttmann, Artikel "Ramberg, Johann Heinrich" inThieme/Becker, Bd. 27, 1933, S. 587-589.


Stölzel, Christian Ernst, geb. am 10. Februar 1792 in Dresden und gest. am 4. April 1837 ebenda, Zeichner und Radierer.

Stölzel bezog 1807 die Dresdner Akademie und erlernte dort bei seinem Vater (Christian Friedrich Stölzel, 1751-1816) den Kupferstich. Teilnahme am Feldzug 1813/14. Nach des Vaters Tod verschaffte er sich durch Aquarellkopien sowie durch den Stich topographischer Pläne und Almanachkupfer (u.a. von Ramberg) seinen Unterhalt. Reisestipendium nach Italien 1821-1828. Dort zeichnete er Bildnisse, Akte und Örtlichkeiten in und um Rom und übte sich im Radieren. Die Platte mit seinem Hauptwerk, Krönung Mariä nach Raffaels Gemälde im Vatikan, war 1832 vollendet. In Dresden fand er reiche Beschäftigung durch den Sächsischen Kunstverein (20 Platten nach Gemälden sächsischer Künstler 1828 bis 1836). 1830 wurde er als 3. Zeichenmeister an der Unterklasse der Dresdner Akademie angestellt. Viele Bleistift- und Federzeichnungen. (Thieme/Becker, Bd. 32, 1938, S. 88f.)




3. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

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Kontaktanschrift:
Prof. Dr. Georg Jäger
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Deutsche Philologie
Schellingstr. 3
80799 München

E-Mail: georg.jaeger@germanistik.uni-muenchen.de.


 

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