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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Franz Pforr
Zeichnungen zu Goethes
"Götz von Berlichingen"

Stand: Oktober 2007 

 

Gliederung

 

1. Einführung

Die Zeichnungen Franz Pforrs zu Goethes Schauspiel "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" (1773) entstanden in mehreren Phasen. Im Jahr 1810, vor seiner Abreise nach Rom (15. Mai 1810), legte er die Entwürfe in zehn kleinen Zeichnungen der Lucasbruderschaft in Wien vor. Die Lucasbrüder waren eine Vereinigung von Kunststudenten, die den akademischen Klassizismus ablehnten und altdeutsche und altitalienische Künstler (Dürer, Raphael u.a.) als Vorbilder nahmen. Von seinen Malerfreunden ermuntert, schickte er Konturen, d.h. Bleistift-Umrisse dieser Illustrationen an Goethe. Der Begleitbrief datiert vom 5. April 1810: 

    In einem Kreise junger Künstler tranken wir die Gesundheit des ersten jetztlebenden deutschen Dichters, die von Ihro Exzellenz. Zu gleicher Zeit legte ich ihnen gegenwärtige Zeichnungen zu Ihro Exzellenz unsterblichem Götz v. Berlichingen zum Anschauen vor. Alle bestürmten mich, meinem innersten Wunsche, Ihro Exzellenz meine hohe Bewunderung und Dankbarkeit zu zollen, zu folgen und Ihro Exzellenz diese Zeichnungen als einen schwachen Beweis der tiefen Rührung in möglichster Ehrerbietung zu übersenden. Mögen Ihro Exzellenz diese nicht als Kunstwerk, sondern nur als Beweis meines von Ihro Exzellenz hohem Werke bewegten Herzens ansehen; ich werde nie die Eindrücke verlieren, die sein Geist allmächtig in mir zurück ließ. Ich bitte Ihro Exzellenz, gütigst dieses anzunehmen, und da ich in der Folge willens bin, es öffentlich erscheinen zu lassen, wage ich, Ihro Exzellenz zu ersuchen, mir dero hohe Meinung vorher nicht versagen zu wollen.

 

Goethe reagierte freundlich und aufmunternd, aber betont zurückhaltend, wie es seiner Ablehnung des Altdeutschen in der romantischen Malerei entsprach. Hatte Goethe in seiner Sturm-und-Dramg-Zeit zur Wiederentdeckung des Altdeutschen, der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kultur wesentlich beigetragen, so schätzte er in seiner Weimarer Zeit die Versenkung in das Mittelalter allenfalls als Übergangserscheinung zu höherer Kunstübung.

In Rom schuf Pforr 1811 die letzte (nach Entwurf und Kontur die dritte) Fassung der Illustrationen. Dabei distanzierte er sich von der Umrissmanier der an Goethe geschickten Blätter und versah die Bleistiftzeichnungen mit Binnenmodulierungen. Szenarien und Kostüme wurden liebevoll ausgestaltet. Von diesen letzten Ausführungen sind nur vier Blätter erhalten, infolge des frühen Todes wahrscheinlich auch keine weiteren entstanden.

Durch ein Titel- und ein Schlußblatt erhält die Folge einen Rahmen. Der Entwurf des Titelblattes ist von den Randzeichnungen Dürers zum Gebetbuch Maximilians angeregt. Sie waren 1808 in Lithographien reproduziert und von Goethe besprochen worden. Indem das Titelblatt Kinder agieren läßt, betont es das Spielerische des Geschehens. Im Schlußblatt wird "das tragische Scheitern irdischen Bestrebens legendenhaft verklärt" (Benz, s.u., S. 34).

Diese Einführung stützt sich auf folgende Publikation:

  • Goethes Götz von Berlichingen in Zeichnungen von Franz Pforr. Hrsg. von Richard Benz. Weimar: Verlag der Goethe-Gesellschaft 1941 (Schriften der Goethe-Gesellschaft; 52).

 

Der Studie, die die Illustrationen erstmals vollständig veröffentlichte, sind die Bilder und Bildaufnahmen entnommen. Die hier werkgeschichtlich geordneten Zeichnungen werden in der Reihenfolge des Textes publiziert. Der Bezugstext ist jeweils beigegeben.

 




2. Zeichnungen mit Text




3. Kurzbiographie von Franz Pforr

Franz Pforr. Nach einem Gemälde von Friedrich Overbeck, um 1810. Quelle: Paul Ortwin Rave: Das geistige Deutschland im Bildnis. Das Jahrhundert Goethes. Berlin: Verlag des Druckhauses Tempelhof 1949, S. 330.

Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild.

Pforr, Franz, Maler und Zeichner, geb. 5. April 1788 in Frankfurt, gest. 16. Juni 1812 in Albano bei Rom. Sohn des Tiermalers Johann Georg Pforr (1745-1798). Pforr lernte seit 1801 in Kassel bei seinem Onkel Johann Heinrich Tischbein d.J., seit 1805 in Wien bei Heinrich Füger. Befreundet sich dort mit mit Friedrich Overbeck und gründete mit ihm und weiteren Kunststudenten den Lucasbund 1809. Seit 1810 mit diesen sog. Nazarenern in Rom.

(Rave: Das geistige Deutschland, s.o., S. 330; ergänzt.)


4. Links

* "Goetz von Berlichingen", Artikel in Wikipedia, der freien Enzyklopädie. URL: de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_von_Berlichingen 

* "Goetz von Berlichingen (Goethe)", Artikel in Wikipedia, der freien Exnzyklopädie. URL: de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_von_Berlichingen_%28Goethe%29 

* Text des Dramas im Projekt Gutenberg-DE, URL: gutenberg.spiegel.de/goethe/berlich/berlich.htm 

* Text des Dramas in Wikisource. URL: de.wikisource.org/wiki/G%C3%B6tz_von_Berlichingen

* "Franz Pforr", Artikel in Wikipedia, der freien Enzyklopädie. URL: de.wikipedia.org/wiki/Franz_Pforr 

* Franz Pforr. Quellen und Texte. Auf der Homepage von Béla Hassforther. Mit Schwerpunkt auf dem Gemälde "Sulamith und Maria". Gedichte, Briefe, Reisebeschreibung Wien - Rom. URL: www.bela1996.de/art/pforr/pforr-index.html


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