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Jutta Assel | Georg Jäger

Aus Goethes Sprüchen

Das Tier

Stand: Dezember 2009

 

Aus Goethes Sprüchen: Das Tier. Gedruckt in der Meisterschule für Graphik und Buchgewerbe (Fachschule der Reichshauptstadt) als Beilage für das Jubiläumsheft Nr. 50, Jahrgang 1939, der Zeitschrift „Die zeitgemäße Schrift“, Studienhefte für Schrift und Formgestaltung, Berlin / Leipzig: Verlag für Schriftkunde Heintze & Blanckertz. Holzschnitte von Otto Seelig. Das Papier wurde von der Firma Ferd. Flinsch (Maschinenglatt holzfrei weiß „Edel“ Dickdruck) geliefert.

Auf der Rückseite des Umschlages:
Gedruckt auf holzfrei, hellgrau, lichtbeständig „Helios“ – Umschlag Nr. 3931
70 : 100, 100 kg, der Firma F. Lüdecke, Papiergroßhandlung, Berlin SW 68.

*****

Das Tier
wird durch seine
Organe belehrt;
Der Mensch belehrt
die seinigen und
beherrscht sie.

(Maximen und Reflexionen)

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Als ich einmal eine Spinne erschlagen,
Dacht‘ ich, ob ich das wohl gesollt?
Hat Gott doch ihr wie mir gewollt
Einen Anteil an diesen Tagen!

(Divan. Buch der Sprüche)

*****

Wenn sie die Kinder erziehen könnten,
Müssten die Mütter sein wie Enten:
Sie schwämmen mit ihrer Brut in Ruh‘ –
Da gehört aber freilich Wasser dazu.

(Sprichwörtlich)

Dichter gleichen Bären,
Die immer an eignen Pfoten zehren.

(Sprichwörtlich)

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Zücht’ge den Hund, den Wolf magst du peitschen;
Graue Haare sollst du nicht reizen.

(Sprichwörtlich)

Ein schäbiges Kamel trägt immer noch
die Lasten vieler Esel.

(Maximen und Reflexionen über Literatur und Ethik)

*****

 

Hat welscher Hahn an seinem Kropf,
Storch an dem Langhals Freude;
Der Kessel schilt den Ofentopf,
Schwarz sind sie alle beide.

(Zahme Xenien)

*****

 Wie Kirschen und Beeren behagen,
Musst du Kinder und Sperlinge fragen.

(Sprichwörtlich)

Liefe das Brot, wie die Hasen laufen,
Es kostete viel Schweiß, es zu kaufen.

(Sprichwörtlich)

*****

 Schwer, in Waldes Busch und Wuchse
Füchsen auf die Spur gelangen;
Hält’s der Jäger mit dem Fuchse,
Ist’s unmöglich, ihn zu fangen.

(Parabolisch)

*****

Sollen dich die Dohlen nicht umschrei’n,
Musst nicht Knopf auf dem Kirchturm sein.

(Zahme Xenien)

Verschon‘ uns, Gott, mit deinem Grimme!
Zaunkönige gewinnen Stimme.

(Divan. Buch der Sprüche)

*****

Das Leben ist ein Gänsespiel:
Je mehr man vorwärts gehet,
Je früher kommt man an das Ziel,
Wo man nicht gerne stehet.

(Divan. Buch der Betrachtungen)

*****

Der Vogel ist froh in der Luft gemütet,
Wenn es da unten im Neste brütet.

(Sprichwörtlich)

Freigebig ist der mit seinen Schritten,
Der kommt, von der Katze
Speck zu erbitten.

(Sprichwörtlich)

*****

Wenn man auch nach Mekka triebe
Christus‘ Esel, würd‘ er nicht
Dadurch besser abgericht‘,
Sondern stets ein Esel bliebe.

(Divan. Buch der Sprüche)

*****

Sich im Respekt zu erhalten,
Muss man recht borstig sein.
Alles jagt man mit Falken,
Nur nicht das wilde Schwein.

(Zahme Xenien)

*****

Weiß denn der Sperling,
wie dem Storch zumute sei,
der Tiger, der dem Hirsch
begreiflich machen will,
wie köstlich es ist, Blut zu schlürfen.

(Maximen und Reflexionen)

*****

Jeder solcher Lumpenhunde
Wird vom zweiten abgetan;
Sei nur brav zu jeder Stunde,
Niemand hat dir etwas an.

(Zahme Xenien)

 

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Gedruckt in der Meisterschule für Graphik
und Buchgewerbe
(Fachschule der Reichshauptstadt)
als Beilage für das Jubiläumsheft Nr. 50,
Jahrgang 1939, der Zeitschrift
„Die zeitgemäße Schrift“
Studienhefte für Schrift und Formgestaltung
Verlag für Schriftkunde Heintze & Blanckertz
Berlin / Leipzig.
Holzschnitte von Otto Seelig.
Das Papier wurde von der Firma Ferd. Flinsch
(Maschinenglatt holzfrei weiß „Edel“ Dickdruck)
geliefert.

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Kontaktanschrift:
Prof. Dr. Georg Jäger
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Deutsche Philologie
Schellingstr. 3
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E-Mail: georg.jaeger@germanistik.uni-muenchen.de

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