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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

 Jutta Assel | Georg Jäger

Goethe-Motive auf Postkarten
Eine Dokumentation

Gedichte.
Illustriert von Erich Schütz 

Stand: Dezember 2012
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Die im Jugendstil gestalteten Karten tragen als Verlagsangabe "B. K. W. I." [Brüder Kohn, Wien I.] und die Seriennummer 885. Diese Verlagsangabe ist auf zwei Karten überdruckt durch "Kunstverlag Leo Stainer, Innsbruck". In der Nummerierung der Karten ist ein Fehler unterlaufen: Die Karten "Der Fischer" wie "Der Gott und die Bajadere" tragen beide die Nummer 1; dafür fehlt Nummer 5. Keine Karte ist gelaufen.

Die Illustrationen sind im Bild signiert durch "E. Schütz", d.i. Erich Schütz, wie sich der Maler auf anderen Karten im Verlag der Brüder Kohn nennt. Erich Schütz (22.3.1886 Pogancec (Kroatien) - 17.5.1937 Wien) war um 1920 in Wien und 1933 in Innsbruck tätig (Peter Krause / Josef Schantl: Bildpostkarten-Katalog. Wien 2001, S. 152). Der Signatur gegenüber findet sich das Kürzel "AK.", das auf die Kunstanstalt verweist.

Die Hinweise zur Entstehung und zum Erstdruck der Gedichte orientieren sich an folgender CD-ROM: Johann Wolfgang von Goethe. Zeit, Leben, Werk. Autoren: Jürgen von Esenwein, Harald Gerlach. 1999 (Berliner Ausgabe).

Der Fischer | Der Gott und die Bajadere | Die Spinnerin  
Der Rattenfänger | Der Zauberlehrling | Hochzeitlied 

 

 

Der Fischer  

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Der Fischer

Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Ein Fischer saß daran,
Sah nach dem Angel ruhevoll,
Kühl bis ans Herz hinan.
Und wie er sitzt, und wie er lauscht,
Teilt sich die Flut empor;
Aus dem bewegten Wasser rauscht
Ein feuchtes Weib hervor.
   
Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
"Was lockst du meine Brut
Mit Menschenwitz und Menschenlist
Hinauf in Todesglut?
Ach wüßtest du, wie's Fischlein ist
So wohlig auf dem Grund,
Du stiegst herunter, wie du bist,
Und würdest erst gesund.
   
Labt sich die liebe Sonne nicht,
Der Mond sich nicht im Meer?
Kehrt wellenatmend ihr Gesicht
Nicht doppelt schöner her?
Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
Das feuchtverklärte Blau?
Lockt dich dein eigen Angesicht
Nicht her in ew'gen Tau?"
   
Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Netzt' ihm den nackten Fuß;
Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll,
Wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
Da war's um ihn geschehn:
Halb zog sie ihn, halb sank er hin,
Und ward nicht mehr gesehn

Entstanden wohl 1778. Unter dem Titel "Das Lied vom Fischer" wurde das Gedicht von J. G. Herder in seine Sammlung "Volkslieder" aufgenommen. Herder sah in ihm "ein Muster für den Weg, auf dem die deutsche Poesie zur Volksdichtung werden könne". (Goethe: Zeit, Leben, Werk).




Der Gott und die Bajadere 

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Der Gott und die Bajadere
Indische Legende

          Mahadöh, der Herr der Erde,
          Kommt herab zum sechsten Mal,
          Daß er unsersgleichen werde,
          Mitzufühlen Freud und Qual.
          Er bequemt sich, hier zu wohnen,
          Läßt sich alles selbst geschehn.
          Soll er strafen oder schonen, 
          Muß er Menschen menschlich sehn. 
Und hat er die Stadt sich als Wandrer betrachtet, 
Die Großen belauert, auf Kleine geachtet, 
Verläßt er sie abends, um weiterzugehn. 
   
          Als er nun hinausgegangen,
          Wo die letzten Häuser sind,
          Sieht er, mit gemalten Wangen,
          Ein verlornes schönes Kind.
          "Grüß dich, Jungfrau!" – "Dank der Ehre!
          Wart, ich komme gleich hinaus."
          "Und wer bist du?" – "Bajadere,
          Und dies ist der Liebe Haus."
Sie rührt sich, die Cymbeln zum Tanze zu schlagen; 
Sie weiß sich so lieblich im Kreise zu tragen, 
Sie neigt sich und biegt sich und reicht ihm den Strauß. 
   
          Schmeichelnd zieht sie ihn zur Schwelle,
          Lebhaft ihn ins Haus hinein.
          "Schöner Fremdling, lampenhelle
          Soll sogleich die Hütte sein.
          Bist du müd', ich will dich laben,
          Lindern deiner Füße Schmerz. 
          Was du willst, das sollst du haben,
          Ruhe, Freuden oder Scherz."
Sie lindert geschäftig geheuchelte Leiden. 
Der Göttliche lächelt; er siehet mit Freuden
Durch tiefes Verderben ein menschliches Herz. 
   
          Und er fordert Sklavendienste;
          Immer heitrer wird sie nur,
          Und des Mädchens frühe Künste
          Werden nach und nach Natur.
          Und so stellet auf die Blüte
          Bald und bald die Frucht sich ein;
          Ist Gehorsam im Gemüte,
          Wird nicht fern die Liebe sein.
Aber sie schärfer und schärfer zu prüfen, 
Wählet der Kenner der Höhen und Tiefen
Lust und Entsetzen und grimmige Pein. 
   
          Und er küßt die bunten Wangen,
          Und sie fühlt der Liebe Qual,
          Und das Mädchen steht gefangen,
          Und sie weint zum erstenmal;
          Sinkt zu seinen Füßen nieder,
          Nicht um Wollust noch Gewinst,
          Ach! und die gelenken Glieder,
          Sie versagen allen Dienst.
Und so zu des Lagers vergnüglicher Feier
Bereiten den dunklen, behaglichen Schleier
Die nächtlichen Stunden, das schöne Gespinst. 
   
          Spät entschlummert unter Scherzen,
          Früh erwacht nach kurzer Rast,
          Findet sie an ihrem Herzen
          Tot den vielgeliebten Gast.
          Schreiend stürzt sie auf ihn nieder;
          Aber nicht erweckt sie ihn,
          Und man trägt die starren Glieder
          Bald zur Flammengrube hin.
Sie höret die Priester, die Totengesänge,
Sie raset und rennet und teilet die Menge.
"Wer bist du? was drängt zu der Grube dich hin?"
   
          Bei der Bahre stürzt sie nieder,
          Ihr Geschrei durchdringt die Luft:
          "Meinen Gatten will ich wieder!
          Und ich such' ihn in der Gruft.
          Soll zu Asche mir zerfallen
          Dieser Glieder Götterpracht?
          Mein! er war es, mein vor allen!
          Ach, nur eine süße Nacht!"
Es singen die Priester: "Wir tragen die Alten,
Nach langem Ermatten und spätem Erkalten,
Wir tragen die Jugend, noch eh sie's gedacht.
   
          Höre deiner Priester Lehre:
          Dieser war dein Gatte nicht.
          Lebst du doch als Bajadere,
          Und so hast du keine Pflicht.
          Nur dem Körper folgt der Schatten
          In das stille Totenreich;
          Nur die Gattin folgt dem Gatten:
          Das ist Pflicht und Ruhm zugleich.
Ertöne, Drommete, zu heiliger Klage!
O nehmet, ihr Götter! die Zierde der Tage,
O nehmet den Jüngling in Flammen zu euch!"
   
          So das Chor, das ohn' Erbarmen
          Mehret ihres Herzens Not;
          Und mit ausgestreckten Armen
          Springt sie in den heißen Tod.
          Doch der Götterjüngling hebet
          Aus der Flamme sich empor,
          Und in seinen Armen schwebet
          Die Geliebte mit hervor.
Es freut sich die Gottheit der reuigen Sünder;
Unsterbliche heben verlorene Kinder
Mit feurigen Armen zum Himmel empor.

 

Das unmittelbar nach der "Braut von Korinth" im Juni 1797 entstandene Gedicht erschien zuerst in Schillers "Musenalmanach" für 1798. "Den Stoff fand Goethe in der deutschen Ausgabe der >Reise nach Ostindien und China in den Jahren 1774-1781< (Zürich 1783) von Pierre Sonnerat." (Goethe: Zeit, Leben, Werk)




Die Spinnerin 


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Die Spinnerin

Als ich still und ruhig spann,
Ohne nur zu stocken,
Trat ein schöner junger Mann
Nahe mir zum Rocken.
   
Lobte, was zu loben war,
Sollte das was schaden?
Mein dem Flachse gleiches Haar
Und den gleichen Faden.
   
Ruhig war er nicht dabei,
Ließ es nicht beim alten;
Und der Faden riß entzwei,
Den ich lang' erhalten.
   
Und des Flachses Steingewicht
Gab noch viele Zahlen;
Aber ach, ich konnte nicht
Mehr mit ihnen prahlen.
   
Als ich sie zum Weber trug,
Fühlt ich was sich regen,
Und mein armes Herze schlug 
Mit geschwindern Schlägen.
   
Nun, beim heißen Sonnenstich,
Bring ich's auf die Bleiche,
Und mit Mühe bück ich mich
Nach dem nächsten Teiche.
   
Was ich in dem Kämmerlein
Still und fein gesponnen,
Kommt - wie kann es anders sein? - 
Endlich an die Sonnen.
 

 

Das in Schillers "Musenalmanach" für 1796 erschienene Gedicht wurde durch das gleichnamige, 1791 gedruckte Gedicht von J. H. Voß angeregt. (Goethe: Zeit, Leben, Werk)




Der Rattenfänger 


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Der Rattenfänger 

Ich bin der wohlbekannte Sänger,
Der vielgereiste Rattenfänger,
Den diese altberühmte Stadt
Gewiß besonders nötig hat.
Und wären's Ratten noch so viele,
Und wären Wiesel mit im Spiele;
Von allen säubr' ich diesen Ort,
Sie müssen miteinander fort.
   
Dann ist der gutgelaunte Sänger
Mitunter auch ein Kinderfänger,
Der selbst die wildesten bezwingt,
Wenn er die goldnen Märchen singt.
Und wären Knaben noch so trutzig,
Und wären Mädchen noch so stutzig,
In meine Saiten greif ich ein,
Sie müssen alle hinterdrein.
   
Dann ist der vielgewandte Sänger
Gelegentlich ein Mädchenfänger;
In keinem Städtchen langt er an,
Wo er's nicht mancher angetan.
Und wären Mädchen noch so blöde,
Und wären Weiber noch so spröde:
Doch allen wird so liebebang
Bei Zaubersaiten und Gesang.
 

 

Das erstmals im "Taschenbuch auf das Jahr 1804" gedruckte Gedicht entstand wahrscheinlich für ein Kinderballett, das 1802 oder 1803 in Weimar aufgeführt wurde. Die Sage kannte Goethe aus seiner Jugendlektüre. (Goethe: Zeit, Leben, Werk)




Der Zauberlehrling 


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Der Zauberlehrling

Hat der alte Hexenmeister
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
Auch nach meinem Willen leben!
Seine Wort' und Werke
Merkt' ich und den Brauch,
Und mit Geistesstärke
Tu' ich Wunder auch.
   
     Walle! walle
     Manche Strecke,
     Daß zum Zwecke
     Wasser fließe,
     Und mit reichem, vollem Schwalle 
     Zu dem Bade sich ergieße!
   
Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen!
Bist schon lange Knecht gewesen;
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Kopf,
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf!
   
     Walle! walle 
     Manche Strecke,
     Daß zum Zwecke
     Wasser fließe,
     Und mit reichem, vollem Schwalle
     Zu dem Bade sich ergieße!
   
Seht, er läuft zum Ufer nieder;
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
Und mit Blitzesschnelle wieder
Ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
Voll mit Wasser füllt!
   
     Stehe! stehe!
     Denn wir haben
     Deiner Gaben
     Vollgemessen! -
     Ach, ich merk' es! Wehe! wehe!
     Hab' ich doch das Wort vergessen!
   
Ach, das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein.
   
     Nein, nicht länger
     Kann ich's lassen;
     Will ihn fassen.
     Das ist Tücke!
     Ach! nun wird mir immer bänger!
     Welche Miene! welche Blicke!
   
O, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh' ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
Steh doch wieder still!
   
     Willst's am Ende
     Gar nicht lassen?
     Will dich fassen,
     Will dich halten
     Und das alte Holz behende
     Mit dem scharfen Beile spalten.
   
Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
Gleich, o Kobold, liegst du nieder;
Krachend trifft die glatte Schärfe!
Wahrlich! brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich atme frei!
   
     Wehe! wehe!
     Beide Teile
     Stehn in Eile
     Schon als Knechte
     Völlig fertig in die Höhe!
     Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!
   
Und sie laufen! Naß und nässer
Wird's im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör' mich rufen! -
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister,
Werd' ich nun nicht los.
   
     "In die Ecke,
     Besen! Besen!
     Seid's gewesen!
     Denn als Geister
     Ruft euch nur zu seinem Zwecke
     Erst hervor der alte Meister."
 

 

Das 1797 entstandene Gedicht erschien in Schillers "Musenalmanach" für 1798. Es beruht auf dem verbreiteten Motiv von der vergessenen Zauberformel. (Goethe: Zeit, Leben, Werk)




Hochzeitlied 


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Hochzeitlied

Wir singen und sagen vom Grafen so gern,
Der hier in dem Schlosse gehauset,
Da, wo ihr den Enkel des seligen Herrn,
Den heute vermählten, beschmauset.
Nun hatte sich jener im heiligen Krieg
Zu Ehren gestritten durch mannigen Sieg,
Und als er zu Hause vom Rösselein stieg,
Da fand er sein Schlösselein oben;
Doch Diener und Habe zerstoben.
   
Da bist du nun, Gräflein, da bist du zu Haus,
Das Heimische findest du schlimmer!
Zum Fenster, da ziehen die Winde hinaus,
Sie kommen durch alle die Zimmer.
Was wäre zu tun in der herbstlichen Nacht?
So hab ich doch manche noch schlimmer vollbracht,
Der Morgen hat alles wohl besser gemacht.
Drum rasch, bei der mondlichen Helle 
Ins Bett, in das Stroh, ins Gestelle.
   
Und als er im willigen Schlummer so lag,
Bewegt es sich unter dem Bette.
Die Ratte, die raschle, solange sie mag!
Ja, wenn sie ein Bröselein hätte!
Doch siehe! da stehet ein winziger Wicht,
Ein Zwerglein so zierlich mit Ampelenlicht,
Mit Rednergebärden und Sprechergewicht,
Zum Fuß des ermüdeten Grafen,
Der, schläft er nicht, möcht' er doch schlafen.
   
"Wir haben uns Feste hier oben erlaubt,
Seitdem du die Zimmer verlassen,
Und weil wir dich weit in der Ferne geglaubt,
So dachten wir eben zu prassen.
Und wenn du vergönnest und wenn dir nicht graut,
So schmausen die Zwerge, behaglich und laut,
Zu Ehren der reichen, der niedlichen Braut."
Der Graf im Behagen des Traumes:
"Bedienet euch immer des Raumes!"
   
Da kommen drei Reiter, sie reiten hervor,
Die unter dem Bette gehalten;
Dann folget ein singendes, klingendes Chor
Possierlicher, kleiner Gestalten;
Und Wagen auf Wagen mit allem Gerät,
Daß einem so Hören als Sehen vergeht,
Wie's nur in den Schlössern der Könige steht;
Zuletzt auf vergoldetem Wagen
Die Braut und die Gäste getragen.
   
So rennet nun alles in vollem Galopp
Und kürt sich im Saale sein Plätzchen;
Zum Drehen und Walzen und lustigen Hopp
Erkieset sich jeder ein Schätzchen.
Da pfeift es und geigt es und klinget und klirrt,
Da ringelt's und schleift es und rauschet und wirrt,
Da pispert's und knistert's und flistert's und schwirrt;
Das Gräflein, es blicket hinüber,
Es dünkt ihn, als läg er im Fieber.
   
Nun dappelt's und rappelt's und klappert's im Saal
Von Bänken und Stühlen und Tischen,
Da will nun ein jeder am festlichen Mahl
Sich neben dem Liebchen erfrischen;
Sie tragen die Würste, die Schinken so klein
Und Braten und Fisch und Geflügel herein;
Es kreiset beständig der köstliche Wein;
Das toset und koset so lange,
Verschwindet zuletzt mit Gesange. -
   
Und sollen wir singen, was weiter geschehn,
So schweige das Toben und Tosen!
Denn was er, so artig, im kleinen gesehn,
Erfuhr er, genoß er im großen.
Trompeten und klingender, singender Schall,
Und Wagen und Reiter und bräutlicher Schwall,
Sie kommen und zeigen und neigen sich all',
Unzählige, selige Leute.
So ging es und geht es noch heute.
 

 

Das 1802 entstandene Gedicht erschien erstmals im "Taschenbuch auf das Jahr 1804". Für das Motiv "Des kleinen Volkes Hochzeit-Fest", das Goethe lange beschäftigte, vgl. die "Deutschen Sagen" der Brüder Grimm. In dem Aufsatz "Bedeutende Fördernis durch ein einziges geistreiches Wort" (1823) schrieb Goethe: "Mir drückten sich gewisse große Motive, Legenden, uraltgeschichtlich Überliefertes so tief in den Sinn, daß ich sie vierzig bis funfzig Jahre lebendig und wirksam im Innern erhielt; mir schien der schönste Besitz, solche werte Bilder oft in der Einbildungskraft erneut zu sehen, da sie sich denn zwar immer umgestalteten, doch, ohne sich zu verändern, einer reineren Form, einer entschiednern Darstellung entgegenreiften." (Goethe: Zeit, Leben, Werk)




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