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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Carl Vogel von Vogelstein
Die Hauptmomente aus Goethe's Faust,
Dante's Divina Commedia und Virgil's Aeneis

Eine Dokumentation,
Prof. Dr. Wulf D. v. Lucius gewidmet.

Stand September 2010

 

 



Gliederung

  1. Hauptmomente: Erläuterung, Stellen aus der Göttlichen Commedie, Gutachten über drei Stellen der Göttlichen Commedie
  2. Illustrationen zu Goethes "Faust"
  3. Illustrationen zu Dantes "Divina Commedia"
  4. Illustrationen zu Vergils "Aeneis"
  5. Kurzbiographien zu Vogel von Vogelstein und den Stechern
  6. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse




1. Hauptmomente:
Erläuterung, Stellen aus der Göttlichen Commedie,
Gutachten über drei Stellen der Göttlichen Commedie


Quelle: Die Hauptmomente von Goethe's Faust, Dante's Divina Commedia und Virgil's Aeneis. Bildlich dargestellt und nach ihrem innern Zusammenhange erläutert von C. Vogel v. Vogelstein, Königlich Sächsischem Hofmaler, ehemaligem Mitgliede des akademischen Rathes zu Dresden und Ehrenmitgliede mehrerer in- und ausländischer Akademien der bildenden Künste. München, 1861. E. A. Fleischmann's Buchhandlung August Rohsold. Höhe: 45; Breite: 35 cm.

 

Das Werk enthält:


Das Werk wird hier in allen Teilen wiedergegeben, einschließlich der mehrteiligen Kompositionen. Im Falle Goethes werden zusätzlich sämtliche Szenen in Vergrößerung gezeigt, bei Dante und Vergil nur exemplarische Detailszenen. Durch Klick auf die Links, die zu Texten führen, öffnet sich jeweils eine PDF-Datei, die Sie selbst skalieren können. Ggf. müssen Sie den aus Sicherheitsgründen geblockten Inhalt zulassen.

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2. Illustration zu Goethes "Faust"

 

C. Vogel pinx. | A. Volkert sc. München 1855

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"Wie nämlich das alte deutsche Volksbuch in dem Dr. Faust einen gelehrten Alchymisten und Nekromanten des Mittelalters darstellt, der in der Vermessenheit seines Strebens, um die tiefsten Verborgenheiten der Natur zu ergründen und alle Herrlichkeiten der Welt zu geniessen, ein Bündnis, eine Art Wette, mit dem Teufel einging, und dadurch der Hölle verfiel, so hat in ähnlicher, doch die geistige Seite mehr herauskehrender Weise Goethe in seinem Faust zur Anschauung zu bringen gesucht, wie gerade der hochbegabte edle Mensch, der hiedurch unsere Theilnahme so sehr in Anspruch nimmt, im Drange vermessener Wissbegierde den religiösen Glauben verlässt und, zur Strafe seiner geistigen Selbstüberhebung, der Sinnlichkeit anheimfällt, in welcher er zu Grunde geht.

Die dramatische, an lebensvoller Wahrheit und tiefsinniger Erkenntniss der menschlichen Natur unübertroffen dastehende Durchführung dieses Gedankens bildet den ersten Theil des Goethe'schen Faust. Was hier insbesondere die bildlichen Darstellungen desselben betrifft, so beginnen sie oben mit dem Prologe des Gedichts, wie Gott-Vater, zu dessen beiden Seiten Engel die Gesetztafeln und das Evangelium halten, dem, links von ihm, in Begleitung eines andern Dämon erscheinenden Mephistopheles die Erlaubniss ertheilt, Faust zu versuchen (Bild 1 und 2 in dem hier beigefügten Stahlstiche). Letzteren selbst hat der Künstler nach der Vorzeichnung des Dichters im Mittel- und Hauptbilde als einen edlen, hochbegabten Gelehrten dargestellt, der zur Ueberzeugung gelangt, dass der Mensch die göttlichen Geheimnisse in der Natur nicht zu ergründen vermöge, desshalb zur Geisterbeschwörung seine Zuflucht nimmt und hierdurch den mächtigen Erdgeist zu sich herauf beschwört, dessen überwältigende Erscheinung er aber zu ertragen nicht im Stande ist (Bild 3). Mephistopheles gesellt sich nunmehr dem Faust, während dieser mit seinem Famulus Wagner, einem trockenen Bücherwurm, von einem Spaziergange am Osterfest nach Hause kehrt, in der Gestalt eines Pudels bei (Bild 4), und schließt dann in Faust's Studierzimmer, nachdem er menschliche Gestalt angenommen, mit ihm einen Vertrag, den Faust mit seinem eigenen Blute unterschreibt, und wonach Mephistopheles Letzerem Alles, was nur sein Herz begehren mag, unter der Bedingung verspricht, dass nach dem Tode die Seele desselben ihm verfalle. Um ihn zum vollen Lebensgenusse zu befähigen, führt der böse Geist den Faust in die Hexenküche, lässt ihm hier einen verjüngenden und Sinneslust aufregenden Trank reichen und ein schönes Frauenbild unverhüllt erscheinen (Bild 5). Der verjüngte, dem sinnlichen Leben zurückgegebene Faust erblickt jetzt Margarethe, ein unschuldiges und schönes Bürgermädchen, in dem Augenblicke, wie sie noch in Andacht versunken aus der Kirche kommt, und wird sogleich von Liebe für dieselbe erfüllt. Von ihr zurückgewiesen, drängt er in Ungestüm in seinen, von nun an steten Begleiter Mephistopheles, sie ihm eigen zu geben. Dies bewerkstelligt Mephistopheles durch das Geschenk eines Schmuckkästchens und mit Hülfe einer Nachbarin, in deren Garten Faust mit Margarethe zusammenkommt (Bild 6).

Margarethe giebt sich Faust's Liebe unbefangen hin, lässt ihn heimlich bei sich ein und erhält zu diesem Behufe von Faust einen Schlaftrunk für ihre Mutter, der sich in der Folge tödtlich erweist. - Das beschwerte Gewissen treibt nunmehr Faust hinaus in die Wildnis, während das verführte Gretchen in der Kirche, von unsäglicher Seelenpein gefoltert, umsonst durch das Gebet vor der Mater dolorosa ihre Ruhe wieder zu erlangen trachtet (Bild 7). - Der aus dem Kriege zurückkehrende Bruder der Unglücklichen, Valentin, findet Faust und Mephistopheles vor dem Hause seiner Schwester, wie sie derselben Nachts ein Ständchen bringen. Der brave Soldat beginnt mit Faust Streit; es wird zu den Waffen gegriffen, und der Kampf endet mit dem Tode Valentin's, welcher noch sterbend seine gefallene Schwester verwünscht (Bild 8).

Das wüste Leben, in welches das Gemüth des Faust sich verirrt, bringen Dichter und Künstler in der Darstellung eines Hexen-Sabbaths auf dem Blocksberge zur Anschauung; sie zeigen uns aber zugleich, wie selbst dieses wilde Leben nicht im Stande ist, dem Faust das Bild des verführten Gretchens ganz vergessen zu machen; er wird durch eine Vision an die verlassene Geliebte und das von ihr unterdessen begangene Verbrechen des Kindsmordes erinnert (Bild 9). - Faust erfährt die Einkerkerung und bevorstehende Hinrichtung Gretchens und dringt in Mephistopheles, sie zu retten. Dieser eilt auch mit ihm auf herbeigezauberten feuerschnaubenden Höllen-Rossen am Hochgerichte vorüber zum Kerker (Bild 10). - Gretchen harrt hier in halbirrsinniger Verzweiflung der Stunde ihrer Hinrichtung entgegen; sie widerstrebt dem Anerbieten der Befreiung, entschlossen, ihr Verbrechen zu büssen, damit nur ihre Seele gerettet werde, und Faust, machtlos, fällt in die Gewalt des Mephistopheles, der ihn mit sich fortzieht, indem er ausruft: »Sie ist gerichtet« (Bild 11). - Die Worte, die hierauf bei Goethe ein Chor von Engeln vernehmen lässt: »Sie ist gerettet«, sehen wir im Bilde verwirklicht dargestellt oben zur Rechten, wo Gretchen mit verklärtem Leibe von Engeln in den Himmel eingeführt wird (Bild 12).

Noch ist hier ein Bild zu erwähnen, welches im Zusammenhange der dramatischen Handlung nicht unmittelbar vorkommt, aber vom Künstler in diesen Cyclus mit aufgenommen wurde, um an die herrliche Stelle in dem Monolog des Faust zu erinnern, wo er, durch das Glockengeläute an seine früheren religiösen Empfindungen gemahnt, den Giftbecher, welchen er schon zu leeren im Begriffe stand, wieder vom Munde entfernte. Es befindet sich oben rechts vom Hauptbilde und zeigt Faust, wie er als kleiner Knabe an der Hand seiner Mutter durch eine heitere Landschaft nach der hochliegenden Kirche emporsteigt (Bild 13)."
(Erläuterung, S.5f.)

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Einzelne Szenen,
geordnet nach dem Gang der Handlung.

Die Nummern verweisen auf die obige Erklärung.

Bild 1: Gottvater

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Bild 2: Prolog im Himmel.

Wette zwischem dem Herrn (Bild 1) und Mephistopheles, ob es diesem gelingt, den Geist Fausts von seinem "Urquell" abzuziehen. Dargestellt sind Mephistopheles mit weiteren Dämonen, Putti sowie ein Engel mit Gesetzestafel.

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Bild 3: Nacht.

In einem hochgewölbten, engen, gotischen Zimmer.
(Faust beschwört den Erdgeist.)

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Bild 13: Nacht.
Glockenklang und Chorgesang

Das Bild "zeigt Faust, wie er als kleiner Knabe an der Hand seiner Mutter durch eine heitere Landschaft nach der hochliegenden Kirche emporsteigt". (Erläuterung)

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Bild 4: Vor dem Tor.
(Faust, Wagner und der Pudel.)

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Bild 5: Hexenküche
(Der Teufel zeigt Faust in einem Zauberspiegel das Idealbild einer nackten Frau und weckt so seine Begierde.)

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Bild 6: Garten
(Faust mit Margarete, im Hintergrund Mephistopheles mit Marthe)

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Bild 8: Nacht.
Straße vor Gretchens Türe.
(Valentin, Gretchens Bruder, wird von Faust mit Hilfe Mephistos erstochen. Aus der Tür stürzen Gretchen und Marthe. Im Hintergrund fliehen Faust und Mephisto.)

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Bild 7: Dom.
Amt, Orgel und Gesang.
Gretchen unter vielem Volke. Böser Geist hinter Gretchen.

Die »Erläuterung« bezieht sich auf "Zwinger. In der Mauerhöhle ein Andachtsbild der Mater dolorosa, Blumenkrüge davor" und situiert die Szene folglich vor der Tötung Valentins. Da der Künstler eine Mater dolorosa als Altarbild gewählt hat, läßt sich die Illustration auf beide Szenen beziehen.

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Bild 9: Walpurgisnacht
(Eine Hexe, die alte Baubo, reitet auf einem Schwein. Im Hintergrund erscheint Gretchen mit ihrem toten Kind.)

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Bild 10: Nacht, offen Feld.
Faust, Mephistopheles, auf schwarzen Pferden daherbrausend.
(Im Hintergrund eine "Hexenzunft" am Rabenstein, dem Hochgericht.)

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Bild 11: Kerker

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Bild 12: Aufnahme Gretchens in den Himmel

"Die Worte, die [...] bei Goethe ein Chor von Engeln vernehmen lässt: »Sie ist gerettet«, sehen wir im Bilde verwirklicht dargestellt oben zur Rechten [Gottes], wo Gretchen mit verklärtem Leibe von Engeln in den Himmel eingeführt wird." (Erläuterung)

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3. Illustration zu Dantes "Divina Commedia"



gemalt von C. Vogel v.V. | Das Oelgemälde befindet sich in dem Grossherzogl. Palast delle Crociette zu Florenz | angefangen von A. Rordorf und vollendet von C. Gonzenbach

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"Dante geht in dieser Dichtung von einem Seelenzustand aus, der die Erkenntniss seiner Verirrungen voraussetzt. Beatrice, seine frühverstorbene Geliebte, schickt ihm den Virgil zu, welcher ihm in den dunkeln, schmerzerfüllten Räumen der Hölle die Folgen der Sünden zeigt, auf den Stufen des Reinigungsberges ihn belehrt und zur Buße antreibt, bis er im gereinigten Zustande auf der Spitze desselben die, jetzt die geoffenbarte Religion vorstellende, Beatrice wiederfindet, welche ihm nunmehr durch die Reiche der Seligen zur Anschauung Gottes verhilft.

In der bildlichen Darstellung dieses Gedichtes zeigt uns zunächst der Künstler im Mittelbilde Dante auf dem Grabe seiner Geliebten, Beatrice Portinari sitzend. In Sehnsucht, mit ihr wieder vereinigt zu sein, schaut er mit Begeisterung in die Regionen des Paradieses empor, und fasst den Entschluss, sich der Vereinigung mit ihr durch ein neues frommes Leben würdig zu machen. Dieser Entschluss fällt im Augenblicke mit der Schöpfung des Planes zu seiner Göttlichen Commedie zusammen, in welcher er, der Verstorbenen zum Denkmale, der Mit- und Nachwelt zur Belehrung, seine eigene religiös-sittliche Wiedergeburt poetisch beschreibt. Die Hauptscenen seines Gedichtes umgeben ihn in kleineren Bildern, deren Einfassung eine Kirchenfaçade, ähnlich der mit Musivbildern geschmückten am Dome von Orvieto aus dem 13. Jahrhundert, bildet, welche oben in drei Pyramiden ausläuft. Auf den Spitzen der beiden niedrigeren sieht man die Bildsäulen des Papstes und des Kaisers, die guelphischen und ghibellinischen Factionen bezeichnend, welche das Kreuz auf der mittelsten Pyramide in die Mitte nehmen. Der sich durchziehende landschaftliche Horizont stellt Florenz mit seinen Umgebungen vor.

Bei einer näheren Vergleichung der Faustbilder mit des Künstlers Bildern zu Dantes Divina Commedia wird es dem Beschauer nicht entgehen, wie dieselben innerlich und zum Theil auch äusserlich in einer gegensätzlichen Beziehung zu einander stehen; er wird insbesondere finden, dass die geistige Selbstüberhebung des Faust auf dem einen Hauptbilde in dem angegebenen Sinne genau der reuigen Selbsterkenntnis des Dante auf dem Grabe der Beatrice entspricht, so jedoch, dass jene sich äusserlich in der anmasslichen Beschwörung des Erdgeistes, diese in dem Ausdrucke des durch Reue bewirkten erhebenden Entschlusses der Besserung erweist. Da der Ausgang des beharrlichen Sünders nach unten zur tiefsten Unseligkeit, der Aufgang des reuigen und erlösten nach oben zur höchsten Seligkeit führt, so haben wir die übrigen, auf diese Weise gegensätzlich sich entsprechenden Einzelbilder in den beiden Cyclen auf den entgegenstehenden Abtheilungen der Höhenrichtung nach zu suchen. Die entscheidenden Handlungen liegen in der Mitte zwischen beiden. So entspricht die Hexenküche bei Faust (Bild 5), wo dieser sich der Sinnlichkeit zu ergeben beginnt, auch räumlich dem Eingange zum Fegefeuer bei Dante (Bild 7), wo der Engel die sieben P (peccati) zur Bezeichnung der sieben Todsünden, welche er nach und nach auf den sieben Absätzen des Reinigungsberges abzubüssen hat, Letzterem auf die Stirne schreibt. So entspricht ferner die Verführungsscene im Garten der Nachbarin (Bild 6) auch räumlich der Scene, wo Dante durch das Reinigungsfeuer der Sinnlichkeit zu gehen hat, ehe er vor Beatrice erscheinen darf. Sind in den beiden Feldern unterhalb der Verführungsscene, wo wir Gretchen in der Kirche und den Tod Valentins dargestellt sehen, die verderblichen Folgen der Sinnlichkeit veranschaulicht, so entspricht ihnen im Dante-Cyclus in gegensätzlicher Beziehung oberhalb des Reinigungsfeuers die Scene, wie Dante endlich Beatrice auf der Spitze des Reinigungsberges im irdischen Paradiese wiederfindet, so wie andrerseits den beiden unter der Hexenküche befindlichen Darstellungen des Blocksberges und der endlichen Besitzergreifung des Faust durch Mephistopheles im Dante-Cyclus die Scene über dem Eingang zum Fegefeuer entspricht, wo Dante, der ewigen Seligkeit theilhaftig, zur Anschauung Gottes gelangt.

Dieses gegenseitige innere Verhältniss der beiden Nationaldichtungen und Bilder-Cyclen hat der Künstler auf dem Faustbilde auch dadurch anzudeuten gesucht, dass er in den oberen Ecken zwischen der, ein gothisches Fenster darstellenden, Einrahmung die Medaillons mit Goethe's und Dante's Portrait anbrachte, während die in der äussern Einfassung grau in grau gemalten allegorischen Figuren der theologischen, juristischen und medizinischen Fakultät nebst der Poesie die das Gedicht des Faust wie sein gesammtes Leben tragenden und durchdringenden geistigen Weltkräfte anzudeuten bestimmt sind.

Die in beiden Epopeen zu Tage tretenden geistigen Gegensätze entsprechen gewissermassen den Grundelementen des innern Wesens der beiden Nationalitäten, des romanischen und des germanischen Stammes, in ersterem nämlich dem Trieb zur Centralisation, der sich im positiven Glauben kundgibt, im andern dem Geltendmachen des Individualismus, dem das Gemeinwesen untergeordnet erscheint, wie bereits Tacitus dieses in mehreren Stellen von den Germanen tadelnd bemerkt."
(Erläuterung, S.6f.)

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Ausgewählte Szenen

Das Bild zeigt "Dante auf dem Grabe seiner Geliebten, Beatrice Portinari sitzend. In Sehnsucht, mit ihr wieder vereinigt zu sein, schaut er mit Begeisterung in die Regionen des Paradieses empor, und fasst den Entschluss, sich der Vereinigung mit ihr durch ein neues frommes Leben würdig zu machen. Dieser Entschluss fällt im Augenblicke mit der Schöpfung des Planes zu seiner Göttlichen Commedie zusammen." (Erläuterung)

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Aus dem achten und neunten Gesang der "Hölle": »Durch ein Feuersignal gerufen, kommt Phlegias, der Fährmann des Styx, herbei und setzt die Wanderer über. [...] Phlegias setzt die beiden am Tor der Höllenstadt Dite ab, wo ihnen eine riesige Schar höhnender Teufel [= gefallene Engel] den Eingang sperrt.« Hinter den Mauern loht ewig ein Brand. Rechts im Vordergrund Philipp Argenti, auf den sich die »Schlammesseelen« stürzen, ihn zerreißen und zerfetzen. Um Dante und Vergil Einlass zu verschaffen, kommt ihnen ein Engel zu Hilfe, der mit einer Rute die Höllenpforte aufstößt.

Dante Alighieri: Die Göttliche Komödie. Übertragung von Wilhelm G. Hertz, Nachwort von Hans Rheinfelder sowie Anmerkungen von Peter Amelung. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1978, S. 485.

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Dargestellt ist ein Bild aus dem XXXIV. Gesang, dem innersten Kreis der Hölle: Luzifer, der "Kaiser, welcher lenkt dies wehe Land," in Gestalt eines geflügelten Giganten mit drei Gesichtern, deren Mäuler die drei Erzverräter (Judas, Brutus, Cassius) zermalmen. ">Die Seele, die den meisten Grund zum Weinen, / Ist Judas oben!< fuhr der Meister fort; >Drin mit dem Kopf und zappelnd mit den Beinen." (Übertragung Wilhelm G. Hertz).

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4. Illustration zu Vergils "Aeneis"

C. Vogel v.V. pinx. 1858 | C. Mayr sculp. 1861

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"Diesen beiden Dichtungen nun schließt sich, durch den in der Göttlichen Commedie eingeführten Virgil die Aeneide an, welche ein so bedeutendes Element in der Göttlichen Commedie behauptet,dass es zweckmässig schien, im Anhange eine kleine Anzahl Stellen aus der Aeneide, welche offenbar Dante's Geiste vorgeschwebt haben, wörtlich anzuführen. [...]

Von meiner bildlichen Darstellung der Aeneide stellt das mittelste und grösste Bild den Aeneas vor, wie derselbe seinen Vater, mit dem geretteten Idol in den Armen, aus dem brennenden Troja trägt; Creusa und der kleine Ascanius begleiten ihn, letzterer trägt des Vaters Helm. Oben beginnt die Darstellung mit dem Olymp. Dieser Raum wird durch die beiden Portraitfiguren des Augustus und Virgilius in drei Theile getheilt, deren mittlerer und grösserer den Jupiter, umgeben von den andern Göttern, darstellt, wie die Venus denselben um Beistand für ihren Sohn Aeneas anfleht. Links von dem Beschauer sieht man den Mercur herabschweben, um die Wünsche der Venus zu erfüllen und dem Aeneas bei der Dido eine gute Aufnahme zu bereiten. Unter diesem Bilde ist Aeneas auf dem Meere, von den heftigsten Stürmen verfolgt, dargestellt. In dem hierauf folgenden etwas grösseren Bilde sieht man den Aeneas, wie derselbe der Dido seine Irrfahrten erzählt, und diese durch Amor, den sie auf dem Schoosse hat und irrthümlich für den Acsanius hält, in leidenschaftlicher Liebe für den Erzähler entbrennt. Das darunter befindliche kleinere Bild in Chiaroscuro zeigt die glückliche Landung der Teukrer bei Cumae, wo auch bereits der fromme Held auf dem Wege zu Apollo's Tempel sich befindet. Zu unterst erscheint der opfernde Aeneas in der Grotte mit der auf dem Dreifuss sitzenden weissagenden Sybille Deiphobe. Von den beiden in Chiaroscuro gemalten Bildern zwischen den untersten Darstellungen zeigt das eine, wie Dido und Aeneas auf der Jagd gegen das Unwetter Schutz in einer Höhle suchen; das andere, wie die Unglückliche sich auf dem Scheiterhaufen tödtet. Auf dem mittelsten Bilde der untersten Reihe sieht man Aeneas mit Sybille in Charons Nachen, den goldenen Zweig in der Hand. Charon wehrt die sich herandrängenden Seelen, deren Leib noch unbeerdigt blieb, von der Ueberfahrt ab; unter welchen sich auch der Steuermann Palinurus befindet. Rechts am Ufer der dreiköpfige heulende Cerberus; die schwebenden Furien in der dunkeln Luft.

Das letzte dieser Bilder stellt die Unterwelt vor, in welcher Anchises dem Sohne seine berühmten römischen Nachkommen zeigt. In dem kleineren Bilde in Chiaroscuro darüber, erklärt demselben die Venus auf den ihm überbrachten Waffen die Figuren in den Zierrathen, welche sich alle auf die künftige Herrlichkeit Roms beziehen. Das obere Bild stellt den Tod des Turnus durch Aeneas dar, und darüber die, nach völliger Ueberwindung der Rutuler, gefeierte Vermählung mit der Lavinia durch deren Vater Italus, als Lohn so vieler glücklich bestandener Kämpfe und Drangsale, indem Aeneas dabei den Sohn Julus mit dem linken Arm umschlingt. Ueber diesem Bilde schliesst der Cyclus gemäss der alten Mythe, mit des Aeneas Verklärung.

Von den fünf Metopen zeigt die erstere den Einzug des kolossalen hölzernen Pferdes in Troja's Mauern; die zweite den von den Schlangen getödteten Laokoon; die dritte den Ajax, wie er die das Bild umklammernde Cassandra an den Haaren wegreisst; die vierte den Aeneas mit dem Geiste des erschlagenen Polydorus, und die fünfte die Harpyen, welche das Opfer des Aeneas verzehren wollen. Ganz oben in den beiden Ecken, ebenfalls in Chiaroscuro, erscheint links Apoll auf dem Sonnenwagen, und rechts die Luna auf ihrem Zweigespann. Die architectonische Einrahmung, welche die Abtheilungen bildet, hat ungefähr die Gestalt eines römischen Portals aus der Kaiserzeit."
(Erläuterung, S.7f.)

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Ausgewählte Szenen

Das Bild stellt "den Aeneas vor, wie derselbe seinen Vater, mit dem geretteten Idol in den Armen, aus dem brennenden Troja trägt; Creusa und der kleine Ascanius begleiten ihn, letzterer trägt des Vaters Helm." (Erläuterung)

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Auf dem Bilde "sieht man Aeneas mit Sybille in Charons Nachen, den goldenen Zweig in der Hand. Charon wehrt die sich herandrängenden Seelen, deren Leib noch unbeerdigt blieb, von der Ueberfahrt ab; unter welchen sich auch der Steuermann Palinurus befindet. Rechts am Ufer der dreiköpfige heulende Cerberus; die schwebenden Furien in der dunkeln Luft." (Erläuterung)

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5. Kurzbiographie zu Vogel von Vogelstein und den Stechern

Karl Christian Vogel von Vogelstein. Gemälde von Friedrich Amerling, 1837. In: Paul Ortwin Rave: Das geistige Deutschland im Bildnis. Das Jahrhundert Goethes. Berlin: Verlag des Druckhauses Tempelhof 1949, S.329.

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Carl Vogel von Vogelstein, Maler, geboren 26.6.1788 Wildenfels (sächs. Erzgebirge), gestorben 4.3.1868 München.

Schüler seines Vaters, seit 1806 der Akademie in Dresden, wo er Zeichenunterricht im Hause des livländischen Barons von Löwenstern gab, den er 1808 nach St. Petersburg begleitete. Hier blieb er 4 Jahre, hauptsächlich als Porträtmaler beschäftigt, gleichzeitig den Grund legend zu seiner mehr als 700 Blatt umfassenden [...] Sammlung von Bildnissen berühmter Zeitgenossen (darunter der 75jährige Goethe); diese Bildnisse - die älteren in breiter Manier mit Kreide, die späteren meist, z.T. sehr zart, mit Bleistift gezeichnet - haben bedeutenden ikonographischen Wert, da sie sämtlich nach dem Leben gezeichnet sind und in den meisten Fällen den Namenszug des Dargestellten tragen.

1812 kehrte Vogel nach Dresden zurück, um im März des folgenden Jahres die Reise über Prag und Wien nach Italien anzutreten. Nach kurzen Aufenthalten in Venedig, Bologna und Florenz traf er Mai 1813 in Rom ein, das ihn bis Herbst 1820 festhielt. Trat 1819 zum Katholizismus über. In Rom zeichnete er u.a. Canova, Thorwaldsen, Rauch, Cornelius, Overbeck, Reinhart, Veit, Schnorr und Friedrich Rückert und malte für den König von Sachsen 1817 ein Repräsentationsbild Papst Pius' VII. [...].

1820 erfolgte seine Berufung als Professor an die Dresdner Kunstakademie, 1824 seine Ernennung zum Hofmaler, 1831 seine Erhebung in den Adelsstand mit dem Prädikat "von Vogelstein&quot. Seit 1822 Ehrenmitglied der Berliner, seit 1833 Ehrenmitglied der Petersburger Akademie. Der Aufenthalt in Dresden wurde während der folgenden Jahre nur durch Reisen in Nord- und Süddeutschland (Berlin, Nürnberg, München), nach Paris (1830) und London (1834) unterbrochen. Mai 1842 ging er zum 2. Mal nach Italien, blieb in Rom Ende 1842 bis Juni 1844, besuchte auch Neapel und Pompeij. 1853 legte er sein Lehramt an der Dresdner Akademie nieder und siedelte nach München über, von wo er 1856-57 nochmals eine Romreise unternahm.

In erster Linie Porträtmaler und -zeichner, hat Vogel doch auch zahlreiche religiöse Bilder gemalt, deren Mehrzahl nach England ging. [...]

Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Hrsg. von Hans Vollmer. Bd. 34. Leipzig: E.A.Seemann 1940, S. 488f. Auszug. Vgl. Carl Christian Vogel von Vogelstein 1788-1868. Eine Ausstellung zum 200. Geburtstag. Dresden, Albertinum 26. Juni - 31. August 1988. Katalog von Rainer Richter. Dresden: Staatliche Kunstsammlungen Dresden 1988. Hier Nr. 122.


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Carl Arnold Gonzenbach, Maler und reproduzierender Kupferstecher, geboren in St. Gallen am 21.7.1806, gestorben ebenda am 13.6.1885.

Besuchte 1821/5 die Malschule von Joh. Jakob Lips in Zürich, wo er mit seinem Mitschüler und späteren Schwager C. Heinr. Merz zusammentraf, mit dem ihn enge Freundschaft für das ganze Leben verband. Auch nahm er Unterricht bei dem Porträtmaler Dan. Alb. Freudweiler in Zürich und bei dem Kupferstecher Jacob Felsing in Darmstadt. 1826 folgte er Merz an die Akademie in München, wo er bei Samuel Amsler lernte; hier entstand als einer seiner ersten selbständigen Stiche das Bildnis von P. Cornelius nach C. Hermann.

1828 ging Gonzenbach nach Paris, wo er sich besonders an den Kupferstecher Fr. Forster anschloß. Nach einer Italienreise (1832/3) kehrte er nach St. Gallen zurück, hier zunächst besonders als Porträtmaler und -zeichner beschäftigt. 1838 Übersiedlung nach München, wo er bis 1878 ansässig blieb. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Gonzenbach in St. Gallen.

Gonzenbachs Stärke lag im Kartonstich. [...] Als seine beste Stichelarbeit gilt: Winkelried auf der Wahlstatt bei Sempach, nach Ludw. Vogel (1842). Außerdem stach Gonzenbach nach J. v. Schnorr, Kaulbach, B. Genelli, M. Müller, Gust. König u.a. [...]

Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Hrsg. von Ulrich Thieme und Fred. C. Willis. Bd. 14. Leipzig: E.A.Seemann 1921, S. 387. Gekürzt.

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Carl Friedrich Mayr, Kupferstecher, geboren Regensburg 21.3.1823, gestorben München 24.1.1884, Schüler von S. Amsler und J. C. Thaeter (Thieme/Becker).

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Alexander Rordorf, reproduzierender Kupferstecher und Landschaftsmaler, geboren März 1820 Zürich, Schüler von C.G. Oberkogler, 1838/47 in München (Schüler von S. Amsler), 1848 in Paris, dann abwechselnd in Zürich, München, Düsseldorf und Köln. 1866 Malschüler von K. Jungmann, 1870/75 Zeichenlehrer in Würzburg, danach wieder in Köln.

Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Hrsg. von Hans Vollmer. Bd. 28. Leipzig: E.A.Seemann 1934, S. 590.

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August Volkert, Reproduktionsstecher, geboren 4.12.1818 Nürnberg, Tätig (seit 1842) in München. (Thieme/Becker).

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6. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

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Prof. Dr. Georg Jäger
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Deutsche Philologie
Schellingstr. 3
80799 München

E-Mail: georg.jaeger@germanistik.uni-muenchen.de.

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