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Jutta Assel | Georg Jäger

Federzeichnungen von Hans Bendel
zu Heinrich Pestalozzis Volksbuch
"Lienhard und Gertrud"

Eine Dokumentation

Stand: Juni 2010
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  • Pestalozzi's Lienhard und Gertrud. Ein Buch für das Volk. Die zwei ersten Theile, in Einem Bande nach der ursprünglichen Ausgabe neu gedruckt. Mit 13 Federzeichnungen von H[ans] Bendel und einer Notenbeilage. Zürich, in Commission bei Meyer und Zeller 1844. Höhe: 23,5; Breite: 17 cm. – Die Illustrationen wurden komponiert und lithographiert von Hans Bendel, gedruckt bei J. Wurster u. Comp. in Winterthur. 

 

Hermann Krüsi: Ein Wort über die Herausgabe einer mit neuen Bildern geschmückten Auflage der eigentlich volksthümlichen Abtheilung von Lienhard und Gertrud (PDF-Datei), Zitat:

    "Von Pestalozzis Lienhard und Gertrud Dasjenige,was wirklich unbedingt volksthümlich ist und keine höhere Bildungsstufe voraussetzt, den Haushaltungen und Schulen in freundlicher Gestalt, mit neuen künstlerischen Darstellungen geschmückt, dargeboten zu sehen, hat mich mit inniger Freude erfüllt. Es liegt in diesem Buche eine Wahrheit, eine Anschauung der Volkszustände und Volksbedürfnisse, ein Streben nach veredelndem Wirken und eine Weisheit in der Wahl der Mittel, das vorgesetzte Ziel zu erreichen, daß eine fortwährende Wirksamkeit der darin niedergelegten Ideen, eine von Zeit zu Zeit sich wiederholende Erneuerung seiner Erscheinung zu den schönsten Aussichten gehört, die dem Volksfreunde entgegenlachen."

 

 

Gliederung  

 

 

 

1. Illustrationen

Titelillustration
Kap. 1: Ein herzguter Mann, der aber doch Weib und Kind höchst unglücklich macht.
Kap. 2: Eine Frau, die Entschlüsse nimmt, ausführt, und einen Herrn findet, der ein Vaterherz hat.
Kap. 5: Er findet seinen Meister.
Kap. 7: Er fängt eine Vogtsarbeit an.
Kap. 17: Die kranke Frau handelt vortrefflich.
Kap. 35: Ein Samstagabend-Gebet.
Kap. 43: Die Bauern im Wirthshause werden beunruhigt. (Wohin kömmt es noch weiter? Wohin kömmt es noch mit mir.)
Kap. 66: Ein Förster, der keine Gespenster glaubt. (Ein übermüthiger Vogt und ein armer Mann.)
Kap. 77: Seelsorgerarbeit.
Kap. 89: Ein Urtheil.
Kap. 95: Der Junker bittet einen armen Mann, dem sein Großvater Unrecht gethan hatte, um Verzeihung.
Kap. 128: Ein Gespräch voll Güte auf der einen und voll Angst auf der anderen Seite.

 




2. Kurzbiographie von Heinrich Pestalozzi

Bildnis Pestalozzis von Francisco Javier Ramos y Albertos (1744-1817). Ramos, ein Schüler von Mengs, wurde 1787 Kammermaler, 1788 Mitglied und 1794 stellvertretender Direktor der Adac. de S. Fernando zu Madrid (Thieme/Becker). — Quelle: Walter Laederach: Heinrich Pestalozzi (Schweizer Heimatbücher; 4) Bern: Paul Haupt o.J., S.18.

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[Der folgende Lexikonartikel dokumentiert die Sicht auf Pestalozzi zur Zeit der illustrierten Neubearbeitung von "Lienhard und Gertrud" von 1844.]

Pestalozzi (Joh. Heinr.), der menschenfreundliche, im höchsten Grade uneigennützige Erzieher, wurde 1746 zu Zürich geboren und nach dem frühen Tode seines Vaters, der Arzt war, von seiner Mutter und von Verwandten in schlichter, altväterlicher Frömmigkeit und Biederkeit erzogen.

Nachdem er die Schule seiner Vaterstadt mit Auszeichnung besucht, widmete sich Pestalozzi der Theologie, die er jedoch nach einigen Jahren mit der Rechtswissenschaft vertauschte, bis er durch J. J. Rousseau's "Emil oder über Erziehung" und eine schwere Krankheit, welche ihm sein zu eifriges Studiren zuzog, eine solche Abneigung gegen das Leben des Gelehrten bekam, daß er ihm ganz entsagte. Er vernichtete seine literarischen Sammlungen, erlernte die Landwirthschaft und kaufte sich für sein väterliches Erbe 1768 unweit Lenzburg bei Bern ein Stück Land, wo er sich anbaute und sein Gütchen Neuhof nannte. Durch seine Gattin Anna Schultheß, eines Kaufmanns Tochter aus Zürich, ward er mit den Inhabern einer Kattunfabrik bekannt und nahm auch an diesem Geschäftszweige thätigen Antheil.

Doch tief ergriffen von dem sittlichen Elende der Armen im Volke, das er in diesen Verhältnissen durch Erfahrung kennen lernte, beschloß er zu helfen, soweit er vermochte. Überzeugt, daß die Erziehung der Jugend allein das geeignete Heilmittel sei und ohnedies Kinderfreund aus Neigung, fing er 1775 an, verlassene Bettelkinder in sein Haus zu nehmen und ihnen Vater, Lehrer und Versorger zu werden. Bald sah er mehr als 50 um sich versammelt und verfolgte mehre Jahre seinen edlen Zweck blos aus eignen Mitteln; allein diese waren dazu nicht ausreichend und da ihm die Gabe abging, äußere Vortheile mit seinem Unternehmen zu verknüpfen oder wenigstens die Theilnahme Bemittelter dafür zu gewinnen, so gerieth Pestalozzi in Bedrängnisse und ward noch dazu als ein Thor und Schwärmer verspottet.

Das machte den edlen Mann aber so wenig in seinem Streben irre, wie daß sein merkwürdiger Volksroman "Lienhardt und Gertrud" (4 Bde., Basel 1781 und öfter), in welchem er seine theuer erkauften Erfahrungen über die Quellen des Elends der untern Volksclassen, und die Nothwendigkeit einer Fürsorge zum Besten derselben nach seinen Ideen, bekannt machte, zwar viel gelesen, aber wenig oder gar nicht verstanden wurde. Zur Erläuterung desselben gab er bald nachher "Christoph und Else" (Zürich 1782) heraus und sprach sich überhaupt mehrfach auf schriftlichem Wege über seine Zwecke und zugleich über seine Methode des Unterrichts aus. Zu einer Zeit, wo Pestalozzi von Kränkungen und Unfällen besonders hart geprüft worden war und nachdem er aus Vaterlandsliebe abgelehnt hatte, die Ausführung seiner Pläne im Auslande zu versuchen, schrieb er seine gedankenreichen "Nachforschungen über den Gang der Natur in der Entwickelung des Menschengeschlechts" (Zürich 1797).

Mehr als 100 verlassene Kinder verdankten Pestalozzi schon ihre Erziehung zu brauchbaren Menschen, als er sich gezwungen sah, wegen erschöpfter Mittel sein Unternehmen aufzugeben. Hierauf legte er 1798 mit Unterstützung des schweizerischen Directoriums ein Erziehungshaus für arme Kinder zu Stans an, das aber der unruhigen Zeitverhältnisse wegen schon nach Jahresfrist wieder aufgelöst werden mußte. Er begründete nun zu Burgdorf eine Erziehungsanstalt nach seiner Methode, welche sich die Begünstigung der Selbstentwickelung der menschlichen Anlagen und Kräfte durch einen auf sinnliche und geistige Anschauung und fortschreitende Übung derselben berechneten Unterricht zur Aufgabe machte und die er auch durch Schriften, z.B. "Wie Gertrud ihre Kinder lehrt" (Bern und Zürich 1801), "Buch der Mütter" (Bern und Zürich 1803) gemeinnützig zu machen suchte.

Der Anklang, welchen seine Methode allmälig fand, und Pestalozzis Uneigennützigkeit brachten seine blos auf sich selbst angewiesene Anstalt schnell empor, ungeachtet er als ein entschiedener Mann des Volkes und daher von diesem auch 1802 als Anwalt zum ersten Consul nach Paris abgeordnet, besonders die Vornehmen wider sich hatte. Die Vereinigung mit ihm beipflichtenden, thätigen und geschickten Lehrern wurde möglich und bei der Verlegung seiner Anstalt nach Münchenbuchsee 1804 trat er auch mit Philipp Emanuel Fellenberg auf kurze Zeit in nähere Verbindung, übersiedelte aber im nämlichen Jahre noch seine Anstalt in das ihm von der Regierung dazu eingeräumte Schloß zu Yverdon oder Iferten am Neuenburgersee, wo sie bis 1825 bestand.

Ein großes Hinderniß für Pestalozzi war bei aller Tiefe seines Geistes und Genies und der beharrlichsten Ausdauer und Aufopferung für das Wohl der Menschen, daß es ihm an der gewöhnlichen Weltklugheit gebrach und daß er selbst die Eintracht unter seinen Mitarbeitern nicht aufrecht zu halten verstand. Außerdem erweckte ihm die Geringschätzung, mit welcher er über frühere Erziehungsmethoden sich aussprach, zahllose Gegner und erschwerte die Verbreitung der seinigen, von der er sich übrigens keineswegs einbildete, daß sie vollkommen sei. Seine Ansicht hat indessen in Spanien, Frankreich, Preußen, in Rußland und Nordamerika die verdiente Aufmerksamkeit gefunden, und wo sie im Geiste ihres Begründers befolgt wurde, sich durch glückliche Erfolge bewährt. Den Ertrag einer Ausgabe seiner sämmtlichen Schriften (15 Bde., Stuttgart und Tübingen 1819–26) bestimmte Pestalozzi zum Fonds einer 1818 von ihm gestifteten Armenschule und starb im Februar 1827 zu Brugg im Canton Aargau. Eine Selbstbiographie lieferte er unter dem Titel "Meine Lebensschicksale als Vorsteher meiner Erziehungsinstitute in Burgdorf und Iferten" (Leipzig. 1826).

Von Person war Pestalozzi nicht groß, stets in nachlässiger schwarzer Kleidung, redete die züricher Mundart, und in seinem geraden, rücksichtslosen Benehmen sprach sich beständig der freie Schweizer aus, dem nur an Erreichung des Zweckes lag.

Quelle: Bilder-Conversations-Lexikon. 1. Aufl. Leipzig: F. A. Brockhaus 1837 – 1841. Neusatz und Faksimile. Berlin: Directmedia 2006. Hier Bd. 3, S. 456f. Im Neusatz S. 10.797-10.801. Redigiert, Absätze eingefügt.

Pestalozzidenkmal in Zürich

Quelle: Postkarte. Vorderseite: Zürich. Pestalozzidenkmal. Rückseite: x 7974 Photoglob - Wehrli A.G., Zürich. Drei Signets: PZ, V, W. Fabrication suisse. Nicht gelaufen.

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3. Kurzbiographie von Hans Bendel

Bendel, Hans (Johannes), Schweizer Zeichner, Maler und Lithograph, geboren am 18. Oktober 1814 in Schaffhausen, gestorben daselbst am 28. November 1853.

Bendel studierte auf der Münchener Akademie unter Wilh. von Kaufbach und Jos. Schlotthauer. Unter Kaulbachs Einfluß widmete er sich anfangs dem monumentalen Historienbilde, später betätigte sich der talentierte, aber früh verstorbene und wenig bekannt gewordene Künstler vorwiegend als Kartonzeichner mit Stoffen aus Sage und Geschichte seiner Heimat und als gemütvoller Illustrator von Volksbüchern.

Bendels Hauptwerk, ein Zyklus von Darstellungen zur Schweizer Geschichte, befindet sich, al fresco gemalt, in einem Flankentürmchen der Villa Charlottenfels in Schaffhausen (1852/53). Die Kartons ("Schwur auf dem Rütli", "Trauer um Winkelried", "Nikolaus von der Flüe in Stans", "Schultheiß Wengli") werden im Museum zu Solothurn aufbewahrt. Unter seinen Genredarstellungen sind zu nennen die zehn 1849 in Winterthur herausgekommenen Federzeichnungen zu zwölf allemannischen Gedichten Joh. Peter Hebels und die dreizehn Illustrationen zu Pestalozzis "Lienhard und Gertrud" (zürich, Meyer und Zeller, 1844).- Eine Jugendarbeit von ihm noch im Kaulbachschem Stile sind die für Cotta ausgeführten Zeichnungen für die Galerie zu Goethes und Schillers Werken (1838).

(Thieme / Becker, Bd. 3, 1909, S. 299.)




4. Literaturhinweise und Weblinks

* Johann Heinrich Pestalozzi: Werke. Nach dem Text der Erstdrucke hg. u. kommentiert von Gertrude Cepl-Kaufmann u. Manfred Windfuhr. München: Winkler 1977 [Bd. 1: Lienhard und Gertrud].

* Auf den Spuren Pestalozzis. Stationen seines Lebens. Von Adrian Kobelt u.a. Zürich: Pestalozzianum; Zürich: Werd Verlag 1966 [Reich bebilderter Überblick zu Pestalozzis Leben und Wirken mit "Spuren heute", d.h. Hinweisen zu Gedenkstätten].

* Pestalozzi goes Internet. Ein Portal des Verein "Pestalozzi im Internet" mit zahlreichen Seiten zu Leben und Werk, zur Forschung sowie einer Textauswahl (Lienhard und Gertrud, Bd. 1, im Volltext). URL der Startseite: www.heinrich-pestalozzi.de/de/dokumentation/index.htm.

* Artikel "Johann Heinrich Pestalozzi" in Wikipedia, der freien Enzyklopädie. URL: de.wikipedia.org/wiki/Johann_Heinrich_Pestalozzi




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