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Künstler- und Denkerenzyklopädie

 Johann Friedrich Overbeck
(1789-1869)

 

 

Kurzbiographie zu Johann Friedrich Overbeck

Overbeck, Johann Friedrich, Maler, geb. 4. Juli 1789 in Lübeck, gest. 12. Nov. 1869 in Rom, bildete sich, nachdem er sich schon vorher mit dem Geiste der Romantik vertraut gemacht, seit 1806 auf der Wiener Akademie und fand hier in Pforr, Vogel u.a. gleichgesinnte Freunde, die sich vornehmlich mit dem Studium der alten Niederländer und Italiener befaßten und zu der Akademie in Gegensatz gerieten. 1810 mußten sie die Lehranstalt verlassen und gingen nach Rom, wo sie mit W. v. Schadow zusammentrafen. Im folgenden Jahre gesellte sich Cornelius zu ihnen, noch später Ph. Veit und J. Schnorr, und diese fünf bildeten nun im Verein mit andern jene Kunstbruderschaft, die ihr Atelier im Kloster San Isidoro aufschlug und aus dem Grundsatz heraus, Religion und Moral müßten als Richtschnur künstlerischer Bestrebungen gelten, eine Wiederbelebung der deutschen Kunst auf der Grundlage der italienischen Quattrocentisten (Präraffaeliten) erstrebte. Aus den "Klosterbrüdern von San Isidoro" bildete sich später die noch strengere Richtung der "Nazarener" heraus, deren Haupt O. war.

Das Werk, wodurch die neugegründete romantische Malerschule Geltung errang, waren die 1887 nach Berlin übergeführten Fresken aus der Geschichte Josephs, womit der preußische Generalkonsul Bartholdy ein Zimmer des obersten Stockwerks in der Casa Zuccaro bei Trinità de' Monti ausschmückte; O. malte hier 1816 den Verkauf Josephs (Karton im Städelschen Kunstinstitut zu Frankfurt a. M.) und die sieben magern Jahre. Von den Fresken, die später Marchese Massimi in seiner Villa ausführen ließ, malte O. fünf, für die er den Stoff aus Tassos "Befreitem Jerusalem" nahm. Bald darauf folgte das vorzüglichste seiner Freskobilder: das Rosenwunder des heil. Franz in Santa Maria degli Angeli bei Assisi.

Von seinen wenig zahlreichen Ölgemälden sind hervorzuheben: der Einzug Christi in Jerusalem (in der Marienkirche zu Lübeck); Italia und Germania (in der Neuen Pinakothek zu München); Christus auf dem Ölberg (in Hamburg); die Vermählung der Maria (Sammlung Raczynski im Kaiser Friedrich-Museum zu Posen); der Tod des heil. Joseph (im Museum zu Basel); die Krönung Mariä (in einer Chorkapelle des Kölner Doms); der Triumph der Religion in den Künsten (1840, im Städelschen Kunstinstitut zu Frankfurt a. M.); Christus auf dem Berge von Nazareth (im Museum zu Antwerpen). Noch hervorragender sind seine Zeichnungen, darunter die Zyklen: das Leben Jesu Christi, 40 Blatt, gestochen von Keller, Bartoccini, Pflugfelder, Steifensand u.a.; die Passion (14 Stationen, in Buntdruck vervielfältigt) und die sieben Sakramente (1861, Berliner Nationalgalerie), in Holzschnitt von Gaber in Dresden (3. Aufl., Regensb. 1882) vervielfältigt.

O. ist unter den Stiftern der romantischen Schule fast der einzige, der mit Entschiedenheit die anfängliche Richtung der Schule festgehalten hat. Seine Werke zeichnen sich durch eine künstlerisch vollendete Komposition, Einfachheit des Ausdruckes und Anmut der äußern Linienführung aus, die an Perugino, Francia und an die Frühzeit Raffaels erinnert, sind aber hart in der Farbe, oft weichlich in der Empfindung und schwächlich in der Wiedergabe des Körperlichen. Mit seiner künstlerischen Richtung hing auch sein Übertritt zum Katholizismus (1813) zusammen. Die bedeutendsten seiner Schüler waren E. Steinle und Führich.

(Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Aufl. 1905-09; Bd. 15, S. 266f.; Digitale Bibliothek 100, S. 145553-56. Absätze eingefügt.)

Dokumentationen, Erst- und Neupublikationen im Goethezeitportal

     

  •  Jutta Assel und Georg Jäger: Friedrich Overbeck: Der Triumph der Religion in den Künsten

(München Februar 2005)

Friedrich Overbecks "Triumph der Religion in den Künsten", auch "Das Magnificat der Kunst" betitelt, ist eines seiner bedeutendsten Werke und in den Ausmaßen sein größtes Bild. Der Auftrag für ein Gemälde seiner Wahl durch das Städel’sche Kunstinstitut in Frankfurt am Main bot dem vierzigjährigen Overbeck – der in Rom mit Gleichgesinnten in selbstgewählter Bescheidung als freier Künstler immer ausschließlicher sich der christlichen Kunst widmete – die Gelegenheit, seine grundlegenden Kunstanschauungen als gemaltes Manifest vor eine breite Öffentlichkeit zu bringen. Das Programmbild, das Overbeck mit einer Erläuterungsschrift begleitete, gab bei seiner Ausstellung 1840 Anlass zu grundsätzlichen Auseinandersetzungen über die Autonomie der Kunst, das Verhältnis der christlichen Kunst zur heidnischen Antike sowie die Möglichkeit religiöser Gegenwartskunst. Das Goethezeitportal gibt die Ausdeutung Overbecks, den Widerspruch August Kestners gegen dogmatische und intolerante Positionen des Künstlers sowie die kritische Würdigung des Kunsthistorikers Anton Springer wieder. Wie sehr das Werk in die geschichtsphilosophischen und theologischen Debatten des Vormärz einbezogen wurde, verdeutlicht die Fundamentalkritik des Hegelianischen Ästhetikers Friedrich Theodor Vischer: Er verneint die Möglichkeit einer religiösen Gegenwartskunst in der Nachfolge des Mittelalters.

  Zur Dokumentation

Friedrich Overbeck: Der Triumph der Religion in den Künsten










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