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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

 Künstler- und Denkerenzyklopädie

Johann Wolfgang von Goethe
(1749-1832)

Zweiundzwanzig Handzeichnungen von Goethe. 1810

Schillerhaus mit Garten in Jena,

Ausschnitt aus Blatt 13.

 

Textvorlage: Zweiundzwanzig Handzeichnungen von Goethe. 1810. Im Auftrage des Vorstandes der Goethe-Gesellschaft hrsg. von Carl Ruland (Schriften der Goethe-Gesellschaft in Weimar; 3) Weimar: Verlag der Goethe-Gesellschaft 1888. – Mappe mit 8 Seiten Text und 22 Tafeln. Die Bilder sind im Lichtdruck von Martin Rommel & Co. Stuttgart hergestellt.

 

 

Gliederung

  1. Goethes Vorbemerkung
  2. Goethes Zeichnungen mit seinen Erläuterungen
  3. Einleitung von Carl Ruland
  4. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

 

 

 

Als ich im April 1810 nach Jena ging, um meine zwey Bände zur Farbenlehre abzuschließen und den Druck zu beendigen, sah ich der Erledigung von einer Last, die so viele Jahre auf mich gedruckt, mit Wohlbehagen entgegen; ich hatte mich so lange Zeit mit der Farbe, aber ohne Bezug auf Gestalt und lebendige Natur beschäftigt, daß dieser abstrakte ja abstruse Zustand mir höchst widerwärtig erschien, und mich ein wunderliches Verlangen überfiel, das was in mir läge von Zeichnungsfähigkeit der Landschaft noch einmal zu versuchen.

Dies geschah nun auf diese Weise, daß ich bey einsamen Spaziergängen mir gewisse Gegenstände so fest als möglich einprägte und nachher zu Hause mit der Feder aufs Papier fixirte, auch wohl an der Natur selbst Umriß versuchte, oder nach Erzählungen mir Gegenden vorbildete und theils die Umrisse stehen lies, theils Licht und Schatten die Gegenstände zu sondern suchte. Dieses setzt' ich fort bis in den August, auf meiner Reise nach Carlsbad und Töplitz, da denn auch die Ausflüge nach Graupen und Bilin gleicherweise benutzt wurden. Und so entstanden nachstehende, zweyundzwanzig Blätter, die ich mit ebenso wunderbarer Aufmerksamkeit aufzog, umrahmte und mehr oder weniger ausführte.

Da mit dem August sich diese gewissermaßen angestrengte Neigung völlig verlor, auch nachher wenig der Art von mir hervorgebracht wurde, und selbst wenn ich es versuchen wollte, nicht sonderlich gelang, so habe diese Zeichnungen sämmtlich zusammen gehalten, keine fremde Hand, wie ich sonst bey Skizzen gerne that, darin walten lassen und so dieser eigenen Lebens- und Kunstepoche ein Denkmal zu erhalten gesucht; wie ich sie denn auch gegenwärtig in einen Band gesammelt, um sie für ein Ganzes zu erklären, woraus Fähigkeit sowohl als Unfähigkeit beurtheilt werden könnte.

[Die Abschnitte sind eingefügt. Es folgen die Erläuterungen zu den einzelnen Zeichnungen. Sie werden hier den Bildern beigegeben.]

 



 

Klicken Sie bitte auf die Nummer, um zu der Zeichnung zu gelangen.
 

1. Die Nordseite des Grabens zu Jena, in der Einbildungskraft zusammengezogen, um ein engeres Bild zu gewinnen. Göttlings Thurm und Akazien, der halbausgefüllte Graben, die Wucherey, das Accouschir-Haus, der Pulverthurm, alles auf sehr subjective Weise nachgebildet.
2. Das Engelgatter und Brücke, an Ort und Stelle, obgleich wild, doch mehr an der Wirklichkeit, gezeichnet vom Fußpfad auf der Höhe des linken Ufers der Leutra; Substructionen und Häuschen auf der rechten Seite gehören zu Schillers Garten.
3. Erinnerung an Drackendorf bey flüchtigster Durchfahrt.
4. Gartenthüre auf der Höhe gegen Lichtenhayn, die Gegend und der Hausberg bey Sonnenuntergang.
5. Aus Major von Knebels Fenster hinab in den Klippsteinischen Garten, das Häuschen links Besitzung von Schnaubert.
6. Hier muß weiter ausgeholt werden. Mein Sohn, damals in Jena studirend, hatte mit großer Leidenschaft die Reisen von Bruce aufgefaßt und erzählte eines Abends bey Knebel von den Nilquellen, besonders aber von dem zwischen Gebirgen eingeschlossenen See, zu welchem die von allen Seiten periodisch zuströmenden Wasser eigentlich die Überschwemmung des Nils verursachen; ich dachte mir meine alten geologischen Erfahrungen zusammen und schrieb sie schnell auf, wie vorliegt.
7. Nach einem langen Spatzierwege mit meinem Sohn, thalaufwärts, glaubte ich wieder einen so productiven Abend zu erleben, allein der Knabe schlief ein und es blieb mir nichts übrig als ihn ruhen zu lassen, unter einem Eichbaum, der sich mir in die Einbildungskraft tüchtig eingedruckt hatte, und fügte sodann, mit blässeren Tinten, Mittelgrund und Ferne hinzu, wovon die weiteste durch die Zeit schon ausgelöscht ist.
8. Ein anderer Abend war schon gewinnreicher; er konnte nicht genugsam umständlich erzählen von Bergen und Thälern, Strömen und Schlössern, die er mit fröhlicher Gesellschaft durchwandert hatte, so daß ich verleitet ward, ein Analogon zu Papier zu bringen, welches wo nicht seiner Erinnerung doch wenigstens seinem Gefühl genug that.
9. Der alte Thurm des Löberthors zu Jena. Da das Communicationsbrückchen längst verfallen, der Thurm selbst abgetragen, der Graben ausgefüllt ist, so hat dieses Blatt, außer dem malerischen Gegenstand, noch für die Stadt eine Art alt-topographisches Interesse.
10. Ist der Gegenstand der ersten Nummer, noch willkührlicher, oder wenn man will künstlerisch verwegener behandelt. Der Göttlingische Thurm, das Accouschir-Haus und der Pulverthurm in ihren Eigenheiten mehr zusammengerückt.
11. Links der Anatomie-Thurm, grade vor das Ulrichische Haus, die Rathsteiche rechts. Eine wunderliche Beleuchtung kommt daher, daß ein Mittagslicht von hinten angenommen ist, bey welchem die frischaufgrünenden Sträucher und Bäume, durchscheinend glänzen.
12. Das Neuthor, von außen gesehen; zunächst das Hellfeldische Haus und Garten, dahinter fernerhin die Stadt, Stadtkirche und Thurm und das Thal hinabwärts.
13. Schillers Garten, angesehen von der Höhe über dem rechten Ufer der Leutra; der Brückenbogen führt zum Engelgatter. (S. No.2.) Das Häuschen daran eine Gartenlaube, welche Schiller zur Küche verwandeln lies; das gerade entgegenstehende Eckgebäude errichtete Schiller als ein einsames Arbeitszimmer und hat darin die köstlichsten Werke zu Stande gebracht. Als das Grundstück nach seinem Ableben in andere Hände kam, verfiel das Gebäude nach und nach und ward im Jahr [1817?] abgetragen. An dem höher stehenden Wohnhaus sind die zwey oberen Fenster des Giebels merkwürdig. Hier hatte man die schönste Aussicht das Thal hinabwärts und Schiller bewohnte diese Dachzimmer.
14. Ansicht von Naschhausen, Orlamünde oben drüber; der Kirchweg hinauf mit uralten Linden bepflanzt, links herum geht es nach der Brücke über die Saale.
15. Ehemalige Ansicht des Marmorbruches vor Hof; diese Felsparthie ist nunmehr auch ganz abgetragen und man sucht vergebens nach diesem ehemals interessanten Gegenstande.
16. Capelle in Carlsbad, auf der Mittelhöhe der alten Prager Straße, rechter Hand steht das Wirthshaus. Hinter dem Teiche und der bezeichneten Scheune geht jetzt die neue Prager Straße gegen die Eger zu.
17. Ruinen des Schlosses über Graupen.
18. Dasselbe von der andern Seite. Hier sind die heruntergeschobenen Mauermassen merkwürdig; sie kamen dadurch aus ihrem horizontalen Stand, daß man sie von unten hinauf als Steinbruch traktirte und die Quadern des Grunds so lang es gehen wollte wegnahm, so daß zuletzt die Mauer herabrutschte.
19. Die Stadt Bilin, von dem oberen zu ihr führenden Kunstwege anzusehen; links das untere Thor, Capelle, sodann das untere Schloß, die Stadt, sodann über ihr der berühmte Fels; er besteht aus Klingstein, der sich erst flach legt, dann säulenförmig aufsteigt. Er ruht unmittelbar auf Gneis, von dem er hie und da Stücke in sich aufgenommen hat.
20. Derselbe Fels von den Brunnengebäuden her gezeichnet.
21. Derselbe Fels mehr von hinten und also in einiger Verkürzung.
22. Das Biliner Schloß mit der Umgebung des Platzes vor dem Stadtthor.

 

 

 

Einleitung von Carl Ruland (PDF-Datei)

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