goethe

Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Künstler- und Denkerenzyklopädie

Carl Gustav Carus
(1789-1869)

 

Carl Gustav Carus (1789-1869) war Arzt, Naturwissenschaftler, Philosoph, Schriftsteller und Maler.

********************************************

 

Kurzbiographie zu Carl Gustav Carus

Als Sohn eines Färbereibesitzers am 3. Januar 1789 in Leipzig geboren, immatrikuliert sich der spätere „Brückenbauer zwischen Klassik, Romantik und Moderne“ nach nur dreijährigem Besuch der berühmten Thomasschule bereits mit 15 Jahren an der Universität seiner Heimatstadt. Bis zum 12. Lebensjahr hauptsächlich von seinem Onkel mütterlicherseits, dem Theologen und Chemiker Daniel Jäger (1762-1835), in erster Linie in naturwissenschaftlichen Fächern unterrichtet, hört der junge Carus an der Universität anfangs vor allem Vorlesungen in Chemie, Physik, Botanik und Zoologie, ohne sich jedoch über ein eindeutiges Berufsziel im klaren zu sein. Als sich im Gefolge der napoleonischen Kriege die Wirtschaftslage der Eltern verschlechtert, drängt sein Vater August Gottlieb Ehrenfried Carus (1763-1842) auf eine Entscheidung zugunsten einer für die Färberei nutzbringenden Ausbildung. Doch der Sohn wechselt 1806 nach Beratung mit seinem in Leipzig Philosophie und Psychologie lehrenden entfernten Verwandten Friedrich August Carus (1770-1807) zum Studium der Medizin über. Zugleich ist der junge Student bestrebt, seine zeichnerischen und malerischen Fähigkeiten nicht zu vernachlässigen. Trotz eines intensiven Studiums mit klinischer Ausbildung im Leipziger Hospital St. Jacob findet er immer wieder Zeit, Zeichenunterricht zu nehmen. Bereits in frühen Jahren vom zeitweiligen Hauslehrer, dem Maler Julius Athanasius Dietze (1770-1843), im Zeichnen nach der Natur unterrichtet, besucht Carus auch während seines Studiums längere Zeit die von Veit Hanns Schnorr von Carolsfeld (1764-1841) geleitete Akademie auf der Pleißenburg.

Im Alter von 22 Jahren promoviert Carus 1811 zunächst an der philosophischen Fakultät. Um Vorlesungen halten zu können, habilitiert er sich nur wenige Monate später mit dem lateinisch verfaßten Entwurf einer allgemeinen Lebenslehre. Nachdem bereits im April 1810 die Tochter Sophie Charlotte (1810-1838) geboren wird, was er in den Memoiren verschweigt, heiratet der junge Privatdozent im November 1811 seine gut vier Jahre ältere Stieftante Caroline Carus (1784-1859). Die seit 1804 im Elternhaus lebende Halbschwester des Vaters, „eine sehr sanfte, gemütstiefe und dienende Seele“, wie Meffert formuliert, bringt mindestens elf Kinder zur Welt, von denen jedoch fünf bereits im Kindes- und Jugendalter sterben. Zum Abschluß des Jahres 1811 promoviert Carl Gustav Carus schließlich mit einer Arbeit De uteri rheumatismo auch an der medizinischen Fakultät. Auf den Spuren des französischen Begründers der wissenschaftlichen Zootomie, George Cuvier, wagt sich der junge Dozent bereits im nächsten Jahr an das diesseits des Rheins noch kaum bekannte Forschungsgebiet und hält Vorlesungen über einen Teil der vergleichenden Anatomie. Doch das akademische Lehramt allein reicht nicht aus, die wachsende Familie zu ernähren. Neben seiner Tätigkeit als Assistenzarzt an Joergs Entbindungsinstitut ist Carus zugleich als Armenarzt tätig. Als im Gefolge der Völkerschlacht Typhus- und Choleraepidemien in Leipzig grassieren und die Lazarette heillos überfüllt sind, übernimmt der junge Medicus selbstlos die Leitung eines unweit der Stadt provisorisch eingerichteten Krankenlagers. Bald nachdem er sich von einer längeren lebensbedrohlichen Typhuserkrankung erholt hat, die für sein Verständnis von Krankheit entscheidende Bedeutung erlangen sollte, entsteht als erstes größeres wissenschaftliches Werk der Versuch einer Darstellung des Nervensystems und insbesondere des Gehirns nach ihrer Bedeutung, Entwicklung und Vollendung im thierischen Organismus. Die Publikation findet Beachtung, so daß Carus im Frühjahr 1814 auf Vermittlung seines ehemaligen Lehrers Karl Friedrich Burdach (1776-1847) einen Ruf auf eine vorläufige Professur für Anatomie und Physiologie an der deutschen Universität in Dorpat, dem heutigen Tartu in Estland, erhält. Nur kurze Zeit nach Ablehnung dieses unsicheren Angebots übernimmt er, gerade 25 Jahre alt, die Leitung der Entbindungsanstalt der zunächst provisorisch eingerichteten Lehranstalt für Medizin und Chirurgie in Dresden. Trotz mehrerer verlockender Rufe an verschiedene Universitäten bleibt Carus bis zu seinem Tod im Juli 1869 im „deutsche[n] Florenz“ an der Elbe.

Dr. Anton Philipp Knittel

Zum gesamten Text mit Anmerkungen "Carl Gustav Carus. Eine biografische Skizze": http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/db/wiss/carus/knittel_carus.pdf

Das Fach- und Kulturportal der Goethezeit